• Freundin verletzt sich selbst,Reizthema in Beziehung,wie helfen?

    Abend zusammen! Meine Freundin hat leider große psychische Probleme. Ich will jetzt auch nicht näher darauf eingehen, jedenfalls geht sie wöchentlich zur Therapie. Sehr problematisch ist, dass sie sich manchmal selbst verletzt (also schneidet oder sich wund kratzt). Es kommt sehr unregelmäßig vor, manchmal passiert es wochenlang gar nicht und dann…
  • 25 Antworten

    Oha, so viele Antworten!

    ElafRemich0815

    Zitat

    Du kannst sie nur unterstützen. Und wenn das bedeutet ein offenes Gespräch mit den behandelnden Ärzten zu suchen, ist das eben so. Du hintergehst sie damit doch nicht.

    Tja, ganz so einfach wie du dir das vorstellst, ist das nicht. SIE würde es als Hintergehen empfinden, was ich verstehen kann.

    Zitat

    Oder willst du sie liebevoll in den Arm nehmen während sie sich selbst verletzt?

    Blödsinn! Den Schuh lasse ich mir auch nicht anziehen. >:( :|N

    BunterHund88

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    Vielleicht kann ich dir aus der Sicht einer ehemaligen Betroffenen ein paar Ratschläge geben

    Danke für deine Offenheit! @:)

    Zitat

    Wenn sie das Thema nicht thematisieren will, dann will sie sich vermutlich in der Beziehung auch nur bedingt helfen lassen.

    Wie gesagt, es ist ein schwieriges Thema zwischen uns. Als ich das erste Mal eine Wunde gesehen habe und sie damals noch total ahnungslos und erschrocken darauf angesprochen habe, hat sie sofort sehr gereizt reagiert und es abgetan. Ich habe an dem Punkt aber nicht locker gelassen, ist ja keine Kleinigkeit, wenn deine Freundin plötzlich eine unübersehbare und nicht gerade harmlose Schnittwunde am Körper hat. Sie hat mir dann gesagt, dass sie sich das manchmal selbst zufügt, wenn sie Wutanfälle hat oder mit sich selbst überfordert ist. Wenn sie gar nicht mehr anders kann, sozusagen. Ich habe gefragt, ob ihre Therapeutin davon weiß, was sie verneinte und auch meinte, es wäre keine große Sache und würde auch nur ganz selten vorkommen.


    Dass es selten vorkommt, stimmt. Es war jetzt eigentlich wochenlang "Ruhe", bis sie es gestern wieder gemacht hat. Sie erzählt es mir hinterher, indem sie beiläufig sagt: "Ich war heute wieder bei Dr. X" Dann weiß ich Bescheid, bin einerseits froh, dass sie es mir sagt und anderseits ist es schwierig, weil wenn ich dann zu viel sage oder nachfrage, fühlt sie sich angegriffen. Meine Sorge dabei ist, dass sie es mir in der Folge gar nicht mehr erzählt.

    Zitat

    SVV ist in meinen Augen eine Sucht (und natürlich auch ein Kompensationsmodell)

    Als Sucht würde ich es bei ihr nicht sehen. Wie gesagt, es kommt oft wochenlang gar nicht vor. Kompensationsmodell trifft aber ins Schwarze.

    Zitat

    Ich an deiner Stelle würde mir wirklich überlegen, ob du nicht Kontakt zu der Therapeutin aufnimmst. Natürlich könnte man sagen, dass das übergriffig ist und deine Freundin als erwachsener Mensch alt genug ist zu entscheiden, was sie erzählen mag und was nicht.

    Puh, Therapeutin ist noch mal eine andere Nummer. Den Arzt kenne ich zumindest, einmal habe ich sie hingefahren und einmal bin ich auf ihren Wunsch hin mit ins Behandlungszimmer. Das wäre zumindest ein Anknüpfungspunkt und würde mir nicht ganz so krass vorkommen, wenn ich das Gespräch mit ihm suche würde. Trotzdem aber sehr übergriffig. Ich weiß definitiv, dass sie es so sehen würde. In ihre Therapie "eingreifen" wäre nochmal heftiger, viel heftiger.


    Mir geht der Gedanke schon durch den Kopf, gerade wo es vorgestern wieder "akut" war und mich das natürlich alles andere als kalt lässt. Aber es ist mehr eine theoretische Option. Eigentlich will ich das nicht tun. Mich in ihre Therapie einmischen, das ist einfach ein No Go.

    Hanna-Maria

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    Es ist ja keine sinnvolle Strategie, sondern ein verzweifelter, ungeeigneter Kompensationsversuch, durch den sie ein schädliches Verhaltensmuster verfestigt, anstatt wirklich hilfreiche und bewährte Skills im Umgang mit inneren Anspannungen in der Therapie zu lernen.

    Das stimmt leider. :( Wobei sich im letzten halben Jahr bei ihr mit Hilfe der Therapie schon vieles zum positiven entwickelt hat. Das ist meine Beobachtung, aber sagt sie auch selber. Sie scheint schon viel für sich mitzunehmen und zu lernen und ihr Allgemeinzustand hat sich in letzter Zeit eher stabilisiert und verbessert, als verschlechtert.


    Aber die Therapeutin kann mit ihr ja nur an den Punkten arbeiten, von denen sie weiß und solange meine Freundin nicht anspricht, dass sie sich hin und wieder selbst verletzt, passiert in die Richtung nichts.

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    Was aber wirklich tragisch ist und in meinen Augen am problematischsten, dass sie sich ja bereits in Therapie befindet, aber offensichtlich nicht über ihre grundlegenden Probleme sprechen kann. Das ist keine gute Basis für eine vertrauensvolle und konstruktive Klienten-Therapeuten-Beziehung.

    Hmm ":/ Ich kann es auch nur anhand dem beurteilen, was ich an Veränderungen mitbekomme und was meine Freundin mir erzählt (=nicht sonderlich viel). Wobei Veränderung sicher auch die falsche Bezeichnung ist, aber wenn ich daran denke, wie es ihr vor einem Jahr ging und wie jetzt, wird schon deutlich, dass sich viel verbessert und stabilisiert hat.


    Ich glaube, dass sie das Problem mit der Selbstverletzung nicht als grundlegend empfindet? Oder andere Probleme für sie schwerer wiegen?

    Zitat

    In der Therapie alles klar zu benennen, ist für sie elementar wichtig. Nur was angeschaut wird, kann auch bearbeitet werden. Solange sie dazu nicht bereit ist, bringt ihr Therapie nicht viel.

    Meiner Freundin sind ihre Probleme und Themen eigentlich sehr bewusst, aber sie ist im Bezug darauf sehr verschlossen und empfindlich.


    Am Anfang der Therapie war sie sehr überrascht, dass die Therapeutin bereits nach kurzer Zeit "den Finger" auf ganz zentrale Punkte ihrer Probleme gelegt hat. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass sie nach den ersten zwei, drei Terminen sehr überfordert damit war, es nett ausgedrückt als negativ empfand und überhaupt nicht damit klarkam. Gleichzeitig war ich damals verwundert, dass sie trotzdem dranblieb und weiter hinging. Oft ist sie bei Überforderung nämlich eher der "Fluchttyp". Nach ein paar Terminen schlug ihr Empfindung dann auch um und mittlerweile sagt sie, dass die Therapie gut für sie ist. Die Therapie hat also durchaus ihre Berechtigung und ihren Nutzen, was ihre anderen Themen betrifft.

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    An deiner Stelle würde ich zwar nicht persönlich mit der Therapeutin sprechen, aber deiner Freundin ganz klar sagen, dass sie das Thema ansprechen MUSS, wenn sie überhaupt einen effektiven Nutzen aus der Therapie ziehen will.

    Das werde ich wohl versuchen. Sie redet die Selbstverletzung halt immer klein. Ich kann nicht sagen, ob sie es wirklich so sieht und findet, dass es kein Ding ist oder ob es für sie unangenehm ist und sie sich schämt. Vom Gefühl her würde eher ersteres zu ihr passen.

    Antigone

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    Was würde denn passieren, er "Druck" machen würde? Sie würde nicht mehr hingehen! :-(


    Also macht er es genau richtig im Moment

    Gut, das stimmt. In dem Sinn macht er seine Sache wirklich richtig und ich bin auch sehr froh, dass sie sofort freiwillig hingeht und die Wunde behandeln lässt, wenn es nötig ist. Ich bin mir sicher, dass sie es nicht tun würde, wenn der Arzt übergriffige (in ihren Augen) Kommentare schieben würde.


    Trotzdem finde ich, nachdem er sie nun schon ein paar Mal behandelt hat, dass seine Verantwortung über eine akute Wundversorgung hinausgehen sollte.

    Zitat

    Wenn du eine Kontaktmöglichkeit des Therapeuten hast, teile ihm das Verhalten mit. Und sag ihm, dass er mit dieser Info mehr als vorsichtig umgehen soll!

    Puh, das kann ich wirklich nicht bringen. Es wäre so ein massiver Vertrauensbruch und ein Einmischen in die persönlichen Angelegenheiten meiner Freundin, wozu ich kein Recht habe. Das würde sie mir nicht verzeihen und unabhängig davon was es für unsere Beziehung heißen würde, würde ich ihr damit auch großen "Schaden" zufügen, weil sie ohnehin so schwer Vertrauen fassen kann und ich sie damit sehr verletzen würde. Daher keine Option für mich.

    sunny_84

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    Ja aber wenn die Stellen im Alltag nicht sichtbar sind, wie erklärt sie denn ihrem Hausarzt, wie sie zu Stande kamen?


    Ich habe dieses Überlegung, weil es mich wundert, wenn es doch schon häufiger vorkam, dass der Arzt nicht hellhörig wird :-/ .

    Das habe ich wohl missverständlich erklärt. Der Arzt weiß, dass sie sich die Schnitte selbst zufügt. Das hat sie ihm beim ersten Mal selbst gesagt.

    Nurarihyon

    Zitat

    Das ist das Schlimmste, was der TE tun kann. Sie würde das unter Umständen als massiven Vertrauensbruch und Eingriff in ihre ureigensten Entscheidungen werten und weder dem TE noch ihrem Therapeuten je wieder vertrauen. Der TE setzt damit die Beziehung unddie Gesundheit seiner Freundin auf's Spiel.

    Sehe und. befürchte ich genauso. Ich weiß ja, wie sensibel sie bei Themen, die sie belasten, ganz grundsätzlich ist und wie schwierig es oft ist, da mit ihr Gespräche zu führen. Und das ist nochmal eine andere Hausnummer.

    Zitat

    Es geht andere schlicht nichts an, ob, wann und wenn, unter welchen Umständen sich die Freundin des TE hier offenbart.

    Naja, das sehe ich nicht ganz so. Sie fügt sich ja keine harmlosen Kratzer zu, sondern richtige Verletzungen. Sieh du das mal mit an und sage dann noch "Jo, geht mich nichts an. Ist ihre Sache."


    Ich finde schon, dass sie Hilfe braucht, einfach weil es zwar nicht oft, aber doch immer wieder passiert. :-/

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    Was dich sehr wohl etwas angeht, Chomsky, ist dein eigenes Seelenheil. Wenn du unter den gegebenen Umständen keine Beziehung mit deiner Freundin führen kannst, dann ist das zwar traurig, aber nachvollziehbar.

    Davon ist keine Rede. Aber es prallt halt nicht an mir ab, wenn ich sehe dass sie sich selbst so massiv wehtut. Das hat aber rein gar nichts mit unserer Beziehung zu tun oder führt dazu, dass ich sie in Frage stelle. Aber naturgemäß wünscht man sich wohl immer, dass es dem Partner gut geht und hat auch den Wunsch zu helfen, wenn es nicht so ist. Oder?

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    Du kannst da leider nichts für sie tun. Das ist ein Weg, den sie alleine beschreiten muss. Du kannst sie auf ihrem begleiten, wenn sie dich lässt, und ihre Hand halten, mehr aber auch nicht.

    Also deiner Meinung nach: gar nichts machen, auch in Gesprächen ihr gegenüber äußern, dass es gut wäre die Selbstverletzung in der Therapie zu thematisieren?

    Ich schließe mich an: Einmischung, auch noch hintenherum, wäre extrem übergriffig und außer vielleicht bei unmittelbarer Lebensgefahr generell unmöglich, weil ein Vertrauensbruch. Und wenn es noch so gut gemeint ist! Ebenfalls schließe ich mich der Meinung an, dass du ihr nicht direkt heraushelfen kannst aus der Misere. SVV ist druckentlastend, wenn auch auf krankhafte Weise, aber so wie du sie nicht "trockenlegen" könntest bei zu viel Alkohol, so kannst du auch nicht dafür sorgen, dass sie sich nicht mehr schneidet. Bittere Einsicht, ich weiß, aber Fakt. Dass du "da" bist, unterstützend und liebend, ist die Hilfe, die du geben kannst. Du bist nicht ihr Therapeut und kannst auch keiner sein, ohne dich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Falls du die Situation so nicht aushältst, hilft nur Offenheit, ihr das klar mitteilen - und damit natürlich riskierend, dass es weiter eskaliert, aber so voller Risiko sind all diese Dinge. Bevor du selbst kaputtgehst daran, wirst du dich vielleicht schmerzvoll für beide entscheiden müssen. Alles Gute dennoch.

    katiafox

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    Was wäre, wenn du einen Mittelweg einschlägst?


    Du könntest zum Beispiel einen Brief (oder eine Mail) aufsetzen, in dem du den Therapeuten informierst und deine Sorge aussprichst. Bevor du ihn abschickst, könntest du ihn deiner Freundin zeigen und sagen: Das hier würde ich gerne losschicken, ich mache es aber nur, wenn du dein okay gibst.

    Ein Mittelweg ist gut und dein Vorschlag nicht schlecht, aber es hat schon ein bisschen etwas übergriffiges eine Email an IHRE Therapeutin zu schreiben und auch von Pistole auf die Brust setzen (auch wenn ich klarstelle, dass ich es nur abschicke, wenn sie einwilligt.)


    Ich glaube, je länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir klar, dass ich meine Gedanken NUR an sie richten kann und nicht an ihren Arzt, ihre Therapeutin. Selbst wenn sie Bescheid wüsste oder ich es ankündige, hat es so etwas Eingreifendes über sie hinweg. Sie ist ja nicht mein Kind, sondern meine Partnerin. Das mag ich nicht und ich weiß, dass sie darauf auch hochgradig allergisch reagieren würde. Aber danke trotzdem für die Idee!

    Zitat

    Vielleicht nimmt das langfristig Druck von ihr. Vielleicht geht es aber auch nach hinten los und sie ist fuchsteufelswild, weil du dich überhaupt einmischt. Wenn man ihr es aber geschickt und liebevoll "verkauft" könnte sie es vielleicht sogar annehmen und es wäre eine tatsächliche Hilfe für sie.

    Hmm, ja da stellt sich mir wieder die Frage: spricht sie es in der Therapie nicht an, weil es für sie wirklich kein großes Ding ist (ihrem Gefühl nach) und ihr anderes einfach viel wichtiger und brennender auf der Seele liegt? Oder umgeht sie das Thema bewusst, weil es ihr zu unangenehm ist, damit anzufangen? Kann ich nicht so recht einschätzen.

    blue heron

    Zitat

    Würde mein Hausarzt "Druck" machen in so einer Situation, würde ich nicht mehr hingehen. Das ist eine extrem schambehaftete Situation, in der es mehr als nur schlecht geht und ich mehr als verletzlich bin.

    Okay, ich sehe ein, dass ihr Arzt mit ihr wirklich richtig umgeht. Vielleicht hat sie ihm gegenüber auch gesagt, dass sie in Therapie ist, das weiß ich leider nicht. Wahrscheinlich fühlt er sich damit auch nicht verantwortlich oder denkt, sie ist gut aufgehoben und bearbeitet das Problem bereits.

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    So erschreckend dieses Verhalten für Außenstehende ist, so ist es oft ein Symptom von etwas viel Schlimmeren, und nicht das eigentliche Problem.

    Das ist mir klar.


    Danke für deine Erklärung, wie du es in deinem Fall empfindest. Das hilft mir schon mal weiter. Ja, für mich ist es erschreckend und ich denke auch mit Angst weiter: was wenn es einmal nicht bei einem Schnitt, den man mit ein paar Stichen nähen kann, bleibt und sie sich schlimmeres antut? Keine Ahnung, ob das berechtigte Sorgen sind, aber auch wenn das, was ich ihre Erklärung dafür und jetzt auch deine nähere Erläuterung (Stichwort: "nicht selbstschädigend, sondern lebenserhaltend") zwar sinngemäß verstehe, ist es für mich nur schwer oder eigentlich fast gar nicht nachfühlbar. Für mich als Außenstehenden ist es einfach massive Selbstschädigung und das tut mir furchtbar leid für sie, ich wünschte, sie müsste es nicht tun und es würde anders gehen.

    Zitat

    Für mich wird nicht ganz klar, ob die Therapeutin deiner Freundin gar nicht weiß, dass SSV überhaupt existiert, oder ob sie es einfach nicht jedes mal breittreten, weil sie an den Ursachen arbeiten?

    Von den Selbstverletzungen weiß sie gar nichts. Selbstschädigung ist aber Thema, aber das auf anderen Ebenen.

    Zitat

    Abgrenzung ist wichtig.

    Wichtig ist klar, aber wie umsetzbar? Ist ja nicht so, als wäre mir ihr Wohlergehen egal.

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    Ich finde aber schon auch, dass du thematisieren solltest, wie schwierig das für dich ist und dass du diese Überlegungen hattest. Ich finde auch, dass du thematisieren kannst, dass du für dich die Sicherheit brauchst, dass ein Profi mit im Boot ist, um das auszuhalten, und sie bitten kannst, das in der Therapie zu thematisieren (falls wirklich noch nicht geschehen), weil es dir mehr Sicherheit gibt, das auszuhalten.

    Das ist ein guter Ansatz für ein Gespräch. Super, danke dir!

    Zitat

    Ich denke, ihr sollte schon klar sein, dass diese Geschichten einem Partner viel abverlangen.

    Das ist ihr klar, wobei ich schon finde, dass es nicht ihre primäre Sorge sein sollte. Wenn sie sich das auch nicht auflädt, puh.

    Cinnamon4

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    SIE muss das schaffen, um später stolz auf sich sein zu können und auf den eigenen Erfolg aufbauen zu können.

    Okay, auch ein Punkt der mir so nicht bewusst war.

    Chomsky

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    Ein Mittelweg ist gut und dein Vorschlag nicht schlecht, aber es hat schon ein bisschen etwas übergriffiges eine Email an IHRE Therapeutin zu schreiben und auch von Pistole auf die Brust setzen (auch wenn ich klarstelle, dass ich es nur abschicke, wenn sie einwilligt.)


    Ich glaube, je länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir klar, dass ich meine Gedanken NUR an sie richten kann und nicht an ihren Arzt, ihre Therapeutin. Selbst wenn sie Bescheid wüsste oder ich es ankündige, hat es so etwas Eingreifendes über sie hinweg. Sie ist ja nicht mein Kind, sondern meine Partnerin. Das mag ich nicht und ich weiß, dass sie darauf auch hochgradig allergisch reagieren würde. Aber danke trotzdem für die Idee!

    Ich finde meinen Vorschlag heute, ausgeschlafen und wach, auch nicht mehr so toll, muss ich ehrlich sagen. Es wäre wirklich ein Pistole auf die Brust setzen und das steht dem Partner eigentlich gar nicht zu.


    Ich merke bei solchen Themen (und weiß es eigentlich auch aus eigener Erfahrung) immer wieder, wie hilflos ich werde und den Impuls bekomme, irgendetwas in die vermeintlich richtige Richtung zu lenken, damit es allen irgendwie besser geht. Das ist oft aber gar nicht wirklich hilfreich.


    Ich finde es aber toll, dass du so reflektiert damit umgehst und auch bereit bist, deine Freundin in ihrem Sinne zu unterstützen.


    Ich wünsche dir, dass du einen guten Umgang damit findest und dich selbst nicht zu sehr "reinziehen lässt". Alles gute! @:)

    Zitat

    Ich merke bei solchen Themen (und weiß es eigentlich auch aus eigener Erfahrung) immer wieder, wie hilflos ich werde und den Impuls bekomme, irgendetwas in die vermeintlich richtige Richtung zu lenken, damit es allen irgendwie besser geht. Das ist oft aber gar nicht wirklich hilfreich.

    Irgendwie menschlich und naheliegend, der Impuls. Finde ich also nicht schlimm. Aber oft ist es halt nicht so einfach und es gibt nicht DIE EINE richtige Richtung.

    Zitat

    Ich glaube, dass sie das Problem mit der Selbstverletzung nicht als grundlegend empfindet? Oder andere Probleme für sie schwerer wiegen? ...


    Meiner Freundin sind ihre Probleme und Themen eigentlich sehr bewusst, aber sie ist im Bezug darauf sehr verschlossen und empfindlich.

    Das klingt eher danach, dass vieles bei ihr sehr mit Scham behaftet ist. Die Probleme und der Druck, der daraus resultiert und den sie mit der SVV zu regulieren versucht, scheint aus Erlebnissen zu kommen, für die sie abgelehnt/ verurteilt/ abgewertet wurde oder meint zu werden. Zumindest scheint sie sich selbst dafür stark abzuwerten.


    Vielleicht kannst du sie am wirksamsten unterstützen, indem du mit einer verlässlichen, positiven und konstruktiven Beziehung in ihrer Haltung zu sich selbst Selbstannahme und Selbstfürsorge förderst.


    Das heißt im Klartext: Lebe ihr vor, was du dir von ihr wünscht. Sorge gut für dich. Nimm auch nur soviel Anteil an ihren Problemen, wie es gut ist für dich und wie es andere hier auch schon sagten: Mitgefühl ja, Mitleid nein! Grenze dich klar ab, wenn ihr Verhalten dich belastet und sag es auch so.

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    Das klingt eher danach, dass vieles bei ihr sehr mit Scham behaftet ist. Die Probleme und der Druck, der daraus resultiert und den sie mit der SVV zu regulieren versucht, scheint aus Erlebnissen zu kommen, für die sie abgelehnt/ verurteilt/ abgewertet wurde oder meint zu werden. Zumindest scheint sie sich selbst dafür stark abzuwerten.

    Scham nicht unbedingt, aber so ähnlich und sie selbst ist dabei leider ihr härtester Richter. :-(

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    Lebe ihr vor, was du dir von ihr wünscht. Sorge gut für dich. Nimm auch nur soviel Anteil an ihren Problemen, wie es gut ist für dich und wie es andere hier auch schon sagten: Mitgefühl ja, Mitleid nein!

    Das sind gute Impulse, danke.


    Wobei wir gerade was das Mitfühlen und auch Mitleiden (nicht Mitleid!) betrifft mit der Zeit wirklich eine gute Balance in der Beziehung gefunden haben. Vor allem, weil sie auch jemand ist, der viel Freiräume und dann und wann auch wieder Distanz braucht.


    Aber ganz vermeiden lässt sich das Mitfühlen nun mal nicht, wenn man jemanden liebt und so kommen manchmal dann doch Sorgen hoch. Alles nicht so einfach.

    Wenn ich dich etwas fragen darf: Was war eigentlich der Anlass dafür, dass deine Freundin eine Therapie begonnen hat? Ist sie bei einem psychiatrisch/psychosomatischem Arzt in Behandlung? Hat man bereits eine genaue Diagnose gestellt - evtl. BPS oder PTBS ? Es wäre einfach leichter, dir als Angehörigem Hilfreiches im Umgang zu sagen, wenn klar ist, in welche Richtung das Problem geht. :)*

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    Wenn ich dich etwas fragen darf: Was war eigentlich der Anlass dafür, dass deine Freundin eine Therapie begonnen hat? Ist sie bei einem psychiatrisch/psychosomatischem Arzt in Behandlung? Hat man bereits eine genaue Diagnose gestellt - evtl. BPS oder PTBS ?

    BPS und PTSB sagt mir so gar nichts. Genaue Diagnose gibt es von Depressionen mit div. Begleiterscheinungen abgesehen nicht, zumindest weiß ich nichts davon (was aber nichts heißen muss).. Sie war vor ein paar Jahren in Behandlung bei einem Psychiater und auch ein paar Wochen stationär auf der Psychiatrie im Krankenhaus, aber das hat sie mir gegenüber als sehr schlechte Erfahrungen beschrieben. (Wir kannten uns zu dem Zeitpunkt noch nicht) Seit dem Frühjahr geht sie nun zu der aktuellen Therapeutin.


    ??Anlass: 2013 ist ihr Kind ums Leben gekommen. Seither hat sie starke Depressionen, teilweise Panikzustände, Schlaf- und Essprobleme und eben manchmal die Selbstverletzung.??

    Das klingt hart. Ich wünsche ihr und dir, dass sie das irgendwie in den Griff bekommt. :°_


    Ehrlich gesagt finde ich diese Diagnosen auch nicht immer so furchtbar aussagekräftig. (BPS = Borderline Persönlichkeitsstörung, PTBS = posttraumatische Belastungsstörung) Auch wenn irgendwas diagnostiziert ist, ist es doch bei jedem ein bisschen anders denke ich. Man kann auch "nur" mit Depressionen betroffen sein.


    So wie ich dich hier erlebe gehst du ziemlich gut mit der Sache um. Es ist in so einer Situation wunderbar, wenn man einen Partner hat, der verständnisvoll (im Sinne von nicht verurteilend) und reflektiert ist. Achte nur wie schon mehrfach gesagt, auch darauf, dass du nicht selbst unter die Räder kommst.

    Es ist sehr hart, aber ich bin auch wahnsinnig stolz auf sie, wie sie das alles insgesamt meistert.


    In den Griff bekommen, tja, hoffe ich natürlich auch, aber ich habe in den letzten Tagen wieder viel online gelesen und recherchiert und auch wenn ich mir natürlich wünsche, dass es ihr stetig besser gehen wird und sie es irgendwann schafft sich nicht mehr zu schneiden, wird mir doch immer klarer dass es wohl einfach ein letzte "Option" ist, wenn sonst gar nichts mehr geht. Wie du ja selbst geschrieben hast: eine lebenserhaltende Maßnahme.


    Als Partner ist es schwer das mitzuerleben und ich muss ehrlich sagen, dass ich es innerlich überhaupt nicht locker nehmen kann. Aber: ich bin ja auch nicht der, der aushalten muss, was sie aushält und deswegen kann ich weder urteilen noch bitten oder drängen, dass sie mit ihrer Therapeutin daran arbeitet.


    Deswegen bin ich im Moment vor allem froh, dass sie hinterher sehr vernünftig damit umgeht, erkennt ob sie selbst damit klarkommt oder Hilfe durch den Arzt nötig ist. Das ist schon mal sehr gut.