Gedankenjagen, Halluzinationen, Erinnerungslücken...

    Hallo zusammen,


    zur Zeit geht es psychisch bei mir etwas durcheinander. Ich weiß nicht genau, was ich mit dem Thread bezwecke, aber vielleicht kann mir irgendjemand irgendwas sagen.


    Wer mich kennt, wird wissen, wer ich bin. Ich bitte darum, mich nicht zu outen. :-)


    Bei mir steht wegen Berufsunfähigkeit eine Umschulung an, die in gut 2 Monaten beginnt. Als nach 2 Jahren diverser "Arbeitserprobungen" endlich die Zusage und der Starttermin kam, war ich sehr glücklich.


    Ich hatte die beste Laune, die man sich vorstellen kann. Hab wie wild im Internet geshoppt, war voller Tatendrang, hab mich im Internet informiert, schonmal ein paar Übungsaufgaben durchgesehen. Es war einfach schön.


    Nach und nach schlichen sich Probleme ein, die ich eigentlich nur aus Zeiten kenne, in denen es mir nicht gut geht. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Ekzeme.


    Mit körperlichen Erscheinungen kann ich aber gut leben, denn es gibt keine "Befunde". Also nehm ich sie gelassen.


    Seit 3 Wochen hab ich aber komische Aussetzer.


    Neulich stand ich in der Küche und habe gekocht. Um mich rum standen 3 Mädels, die ich als selbstverständlich hinnahm. Ich erklärte ihnen sogar, was ich gerade zubereite. Das Problem: Ich war alleine in der Küche und hatte auch keinen Besuch. Ich habe sozusagen mit dem Nichts gesprochen. Als mir das klar wurde, war ich nicht entsetzt, es war einfach so. Ich ging ins Bett und gut wars.


    Vor ein paar Tagen lag ich im Bett und hab Musik gehört, als sich mein Bett plötzlich bewegte. Die Matratze machte einfach schlangenartige Bewegungen, ich dachte, ich sitze auf einem fliegenden Teppich. Natürlich hat sich die Matratze nicht bewegt. Ich bin ins Bad und der Spuk war vorbei.


    Ich rieche Dinge, die nicht zu riechen sind. Meistens sowas wie "Filter von Zigarette brennt vor sich hin" oder "da draußen grillt jemand". Mein Freund versichert mir jedoch jedes Mal, dass es nichts zu riechen gibt, weil nichts ist.


    Manche Minuten - oder Stunden? - sind komplett aus meinem Gedächtnis weg. Ich finde im Kühlschrank Dinge und frage mich, wo die herkommen. Mein Freund klärte mich auf, dass wir am Vorabend einkaufen waren. Da ist mir ein Bruchteil des Einkaufes wieder eingefallen.


    Warum ich nun schreibe. Das Erlebnis heute schafft mich am meisten. Ich wollte Fernsehen, konnte mich aber nicht auf die Sendung konzentrieren, weil ein Gedanke dem nächsten gefolgt ist. Ich konnte keinen Gedanken zu Ende denken, weil er vom nächsten unterbrochen wurde. Ich weiß auch nicht, was ich gedacht habe, weil alles ja nur Puzzleteile waren. Das hat mich sehr angestrengt und ich bin jetzt ziemlich fertig.


    Vorgeschichte? Ich war bereits in einer psychiatrischen Klinik. Habe von 3 Ärzten allerdings 3 verschiedene Diagnosen. Depressionen habe ich in regelmäßigen Abständen, die sind "gesichert". Mein Therapeut diagnostizierte mir außerdem eine paranoide Schizophrenie, das hiesige BKH eine schizoaffektive Störung, während mein Psychiater von "pseudopsychotisch" spricht, auf gelbe Zettel einfach nur "nicht organische Psychose" draufschreibt.


    Medikamente? 60 mg Cymbalta, 20 mg Abilify, bei Bedarf Tavor. (Bedarf = in depressiven Episoden bei Suizidgedanken bis zu 3x täglich 2,5 mg Tavor - ja, ich weiß, das ist viel, aber vom Arzt so verordnet). - damit man sich vorstellen kann, wie oft das vorkommt: letztes Rezept wurde mir ausgestellt im Januar während einer suizidalen Phase. Ich nahm eine Woche lang 5 mg/Tag und hab noch etwa 35 Stück von ursprünglich 50 da.


    Drogen? Nein.


    Alkohol? Ja, mal mehr, mal weniger. Sonntag gab es 3 Stamperl Wodka, Dienstag 2 Gläser Wein. Ich trinke zwar sozusagen "regelmäßig" aber nicht (mehr) übermässig viel.


    Ich bin momentan überfragt. Ist das alles noch im "Rahmen" oder steuere ich auf eine Psychose zu? Ich kenne das so nicht. Dieses Kommen und Gehen von so merkwürdigen Erscheinungen.


    Mein Hirnchen ist übrigens in Ordnung. Als ich vor 2 Jahren ins BKH bin wg. Halluzinationen, wurde ein CT gemacht, alles gut.


    liebe Grüße,

  • 46 Antworten

    Das können auch psychotische Symptomen einer Depression sein.


    Wenn du selbst irgendwann festgestellt hast, dass diese 3 Mädels nicht real waren,


    dann hat dieser Vorfall meiner Meinung nach nichts mit paranoider Schizophrenie zu tun.


    Ich kenne es so, dass an paranoider Schizophrenie Erkrankte felsenfest daran glauben,


    dass das was sie da sehen bzw. erleben absolut real ist.


    Man kann sie nur sehr schwer davon überzeugen dass das was sie erleben nicht real ist.


    Du kommunizierst das Ganze sehr klar und wirkst jetzt nicht verwirrt oder so.


    Das klingt jetzt nicht nach einer akuten Psychose im Sinne einer paranoiden Schizophrenie.


    Schizophreniker in einer akuten Psychose erzählen auch oft, dass andere erzählen würden, dass sie spinnen oder nicht ganz richtig ticken. Das ist ja bei dir offensichtlich nicht der Fall.


    Sonst hättest du hier ja so etwas geschrieben wie, ich hatte kürzlich 3 Freundinnen in meiner Küche und mein Freund hat mir gesagt dass da Niemand war und ich rum spinnen würde. Der hat doch eine Meise, ich habe mir die drei Mädels doch nicht eingebildet.


    Verstehst du worauf ich hinaus will?

    hallöchen Plüschbiest,


    danke für deine Antwort. :)_


    Ich sehe das im Grunde haargenauso wie du. Ich bin momentan total klar im Kopf. Das bin ich zu 99% der Zeit.


    Mich stören nur diese wenigen Minuten, in denen es anders ist. KÖNNTE ein Warnsignal sein, dass irgendwas im Anmarsch ist. Könnte auch sein, dass ich damit nur den momentanen Stress kompensiere und in ein paar Wochen alles ist wie vorher.


    An paranoide Schizophrenie habe ich auch nie geglaubt. Ich weiß nur noch nicht so genau, wie man eine schizoaffektive Störung von einer Depression mit psychotischen Symptomen unterscheidet.


    Es irritiert mich, dass ich in der Situation gar nicht daran zweifel, dass das alles echt ist. Hinterher kommt dann "aha" - du hast mal wieder kurz das Hirn ausgeschaltet.


    Eigentlich war bislang immer alles klar. Entweder es ging mir gut oder ich war depressiv oder ich war psychotisch. Jetzt geht es mir 99% der Zeit gut und in 1% der Zeit treten diese Phänomene auf.


    Es ist einfach eine Situation, die ich so noch nicht kenne und auch kein "Werkzeug" habe, wie ich damit umgehen kann.


    Es ist gerade einfach eine wackelige Angelegenheit. Ich möchte wieder auf die 100%-Stabilität. Zumindest bis Weihnachten.


    Aber ich kann an meiner (positiven) Nervosität ja leider nichts ändern.


    Ich überlege halt, ob ich die Zeit versuche mit Tavor zu überbrücken oder ob ich mit dem Abilify ein wenig raufgehen sollte. Oder gar nichts von beiden und diese Zustände einfach aussitzen. Bis jetzt ist ja nichts passiert.


    Ich darf nur den kritischen Punkt nicht verpassen. Noch bin ich ja in der Realität.


    Danke für deinen Beitrag, er hat mich jedenfalls etwas beruhigt. :-)

    Zitat

    Hinterher kommt dann "aha" - du hast mal wieder kurz das Hirn ausgeschaltet.

    So lange du von alleine auf dieses aha kommst würde ich nicht von einer Schizophrenie ausgehen.


    Schizophreniker werden in aller Regel auf ihren Zustand aufmerksam gemacht und bestreiten dann diesen Zustand.


    Ich würde dir raten auf keinen Fall einfach Tavor zu nehmen.


    Ich würde den Psychiater fragen, ob es Sinn macht Cymbalta höher zu dosieren.


    So lange dir diese "Zustände" keine Angst machen würde ich da nicht unnötig Tavor einwerfen.


    Außerdem bist du ja quasi täglich unter "Beobachtung" und dein Umfeld kann dich gegebenenfalls drauf aufmerksam machen wenn da bei dir was extrem aus dem Ruder läuft.


    Ich gehe jetzt mal davon aus, dass dein Freund Bescheid weiß und dich nötigenfalls drüber aufklärt, wenn bei dir was sein sollte und du dringend zum Psychiater gehen solltest.

    ja, denke auch, dass ich erstmal ruhig bleiben sollte, sofern ich damit keinem schade. Und das tu ich ja nicht.


    Mein Freund weiß natürlich über alles Bescheid.. Der kann wahrscheinlich besser als ich einschätzen, was im Moment das richtige ist.


    Momentan fühl ich mich als würde ich keinen normalen Satz zusammenbringen,.


    mal mit dem Psychiater reden. Cymbalta erhöhen hatte damals nichts gebracht, Abilify von 10 auf 20 hingegen schon.bis 30 ginge noch, aber da sind die Nebenwirkungen dann schon krass, weswege mich beide Optionen nicht glücklich machen.


    Ich sollte mir weniger Gedanken machen, der hat eine ganze Kiste voll mit Medis,


    Kann man dann seinen Kopf irgendwie verarschen, dass er sich draußen ordentlich benimmt? Autogenes Training nur etwa praktikabler, wenn man unterwegs ist?

    Und wenn du die von dir oben genannten Medis genommen hast, hast du diese Hallus dann auch noch? Ich konnte jetzt aus dem Eingangsbeitrag nicht entnehmen, ob das zeitgleich war.


    Aber solange du deine eigenen Hallus noch zumindest hinterher als solche erkennst und es zu keinen gefährlichen Situationen innerhalb der Hallus kommt, geht es ja noch.


    Das Gefährliche ist ja immer, dass es mal eine gefährliche Halluzination geben könnte, so nach dem Motto: "Und jetzt gehe ich mit meinen 3 Mädels auf den Balkon und wir springen runter, weil wir ja fliegen können."


    In dem Falle hättest du nichts davon, wenn es dir erst hinterher klar würde, dass alles nicht echt war.

    ja ich hab die Hallus noch, wenn ich die Medikamente erhöhe. Das liegt daran, dass das Abilify bei mir z.B. 2-3 Wochen braucht, bis es wirkt. Habe aber schon nach wenigen Tagen abgebrochen, weil es einfach nicht ging.. Ich hatte Unruhezustände vom Feinsten und habe das kaum ausgehalten. Reagiere eigentlich gar nicht empfindlich auf Erhöhungen, aber es war nicht angenehm. Ich dachte,ich hätte nur noch Watte im Kopf, was mir Angst gemacht hat Dazu ein unangenehmer Bewegungsdrang bei gleichzeitiger bleierner Müdigkeit.


    Gesundheitsgefährdende Hallus hatte ich noch nicht. Alles im grünen Bereich.


    Ich mache am Montag mal einen Termin bei meinem Psychiater und schau, was er dazu sagt.


    danke euch :-x

    Momentan geht es weiter bergab. Krieg keinen Schlaf mehr. Bin körperlich total kaputt, aber ich kann nicht schlafen.


    Hab jetzt 2 Nächte unfreiwillig durchgemacht zzz


    Muss mich hier einfach mal auskotzen:


    Ich habe keine Lust mehr. Ich bin nicht depressiv, aber am liebsten würd ich all meine Psychopharmaka in den Müll werfen und dann Good-Bye sagen. Wahrscheinlich schwer zu verstehen, aber damit würde ich nur beschleunigen, was jetzt eh wieder als nächstes kommt. Die Depression.


    Ich hab einfach keine Lust mehr, 2 mal jährlich "abzukacken". Nein, ich will nicht tot sein, ich will nur meine Ruhe. Am besten ein Winterschlaf.


    Nebenbei wurden bei meinem Vater (Magenkrebs, rausoperiert, Chemo etc.) jetzt erhöhte Tumormarker gefunden. Tja, abwarten, ob da was zurückgekommen ist.....

    danke Peddi. Das ist lieb von dir.


    Wir haben hier ziemlich Stress. Mein Freund ist gestern ausgeflippt, als ich um 3 noch wach lag. Als würd ich mir das aussuchen :°( Auch kommt er natürlich nicht damit klar, wenn ich mit irgendjemandem rede, der gar nicht im Raum ist.


    Ich kann es ja leider nicht ändern. :-( Ich weiß doch selber schon nicht mehr, was richtig ist und was nicht. Da brauch ich nich nocht einen Freund, der mit Sprüchen kommt alá "früher als man noch selber Kartoffeln klauben musste, gabs die psychischen Krankheiten alle nicht" - danke!


    Ausnahmsweise missbrauche ich heute eine halbe Tavor zum schlafen. Damit vielleicht wieder etwas Ruhe reinkommt....

    hallo felis!


    danke für den Hinweis. Ja, das ist mir bekannt, allerdings nehme ich Cymbalta schon sehr lange und diese plötzlich kommenden und wieder gehenden Hallus hab ich erst seit Kurzem (wieder).


    AD wechseln ist leider nicht so einfach. Ich hatte schon Fluoxetin, Citalopram, Cipralex, Venlafaxin, Sertralin.... fallen mir nicht mehr alle ein. Das Cymbalta war das erste, das zuverlässig gegen Depressionen wirkt. Zuverlässig insofern, dass sie zumindest nicht mehr überraschend kommen. Im Winter erwischt es mich trotzdem immer. :(v


    Werd mal mit meinem Psychiater reden, aber ich denke, er wird nur was von "Stress" reden und es dabei gut sein lassen. 8-(


    Heute Nacht hab ich zumindest wieder geschlafen. :-)

    Letzten Winter hab ich eine Dose Vitamin D genommen (ich glaub zusammen mit Vitamin K oder so), dann allerdings nicht nachgekauft, weil ich keine positiven Effekte feststellen konnte 8-(


    Ich hab schon mit einer Tageslichtlampe geliebäugelt. Die sollen ja auch sehr gut sein. Allerdings verschiebe ich das immer auf "dann, weil mir gehts ja grad gut" und wenns dann soweit ist, ists eh zu spät ;-D


    Heute sieht die Welt schon etwas besser aus. :-) - ich denke, diese "Halluzinationen" und sonstiges sind (oder waren) nur vorübergehend, weil ich halt vor Kurzem die Zusage bekommen habe für die Umschulung und mich das sehr nervös macht. Dazu dann der Schlafmangel und das Chaos ist perfekt.


    Ich versuche jetzt, das alles etwas gelassener zu sehen. Die freie Zeit verbringe ich lieber damit, ein paar gute Bücher zu lesen als damit, mich hier verrückt zu machen.


    Ich danke euch sehr für euer offenes Ohr. :-x

    Ich nehme schon seit vielen Jahren die unterschiedlichsten Psychopharmaka. Bei machen hatte ich keine Nebenwirkungen, bei manchen sofort und bei anderen erst nach längerer Einnahmezeit. Ich dachte immer, dass Nebenwirkungen sofort auftreten würden, bis mich einmal ein User dieses Forums darüber aufgeklärt hat, dass es manchmal erst nach längerer Zeit kommen kann.


    Gut du, dass du mit deinem Psychiater sprechen wirst. Ich hoffe, er hört dir zu. Bei mir wird auch schnell alles auf die Psyche geschoben, doch manchmal, nach Absetzen eines Medikaments, verschwanden bestimmte Symptome.


    Es stimmt allerdings, dass bei manchen Personen starker Stress, Halluzinationen auslöst.


    Hast du es mal mit Schlafhygiene versucht?