Gefühl abgelehnt u. unerwünscht zu sein

    Hallo ihr!


    Ich weiß gar nicht wie und wo ich anfangen soll..


    Vielleicht ein bisschen zu mir und meiner Vergangenheit:


    Ich habe ein relativ bewegtes leben hinter mir bisher und eine relativ schlechte Zeit.. Gründe dafür sind Krebskrankheiten in der engsten Familie, viel und früh Verantwortung für andere Familienmitglieder übernommen, vom Vater leider allein gelassen ( was aber nun nicht unbedingt Thema sein soll)... Usw.


    Und nun kam es vor ca 3,5 Jahren zu einer eigenen, nicht heilbaren Krankheit ( bzw.sowie einer chronischen weiteren Krankheit), die mich sehr einschränken körperlich. Leider kann ich seit dem meinem Traumberuf nicht mehr nachkommen und bin krank geschrieben. Auch sonst ist meine Beweglichkeit sehr eingeschränkt und ich habe oft Schmerzen. Entgegen meiner Hoffnung, das schon alles wieder wird und ich wieder an meinen Arbeitsplatz, meinem alten leben und zu meinem geliebten Sport zurück kann, brach ich letztes Jahr psychisch zusammen. Meine psyche war total überlastet und überfordert und ab da ging gar nichts mehr. Ich war immer ein sehr leistungsfähiger Mensch, der auch oft und früh mit schwierigen Situationen umgehen musste und konnte, aber seitdem ging plötzlich hat nichts mehr.


    Heute geht's mir seelisch viel besser, wenns auch net wie früher ist. Leider bin ich nun auch hartz4 Empfängerin( hoffe nur eine kurze Zeit!) und dadurch nicht nur körperlich, sondern auch sozial und finanziell sehr eingeschränkt. Das alles nagt wahnsinnig an meinem Selbstwertgefühl und ich fühl mich manchmal wie ein lästiges Übel. Mir fehlt mein altes Leben so sehr.. Eigentlich dachte ich, dass würde sich schon legen, aber die Traurigkeit darüber bleibt bisher😢


    Aber was das schlimmste für mich war und ist...: das ich mich sehr allein gelassen fühle von meiner " Familie ". Während meiner Krankenhausaufenthalte zur Diagnosefindung ( war schwierig) bekam ich weder Anrufe, noch Besuche von Ihnen ( außer meiner Mutter). Auch später als ich leider wegen dem Zusammenbruch in der Psychiatrie behandelt wurd meldete sich niemand, obwohl meine Mutter allen Bescheid gab. Als ich dort entlassen war suchte ich die Gespräche und erzählte davon wie sehr mich das berührt bzw enttäuscht und verletzt hat. Ich erklärte was ich gebraucht hätte, bzw brauchen würde ( zusammenhaltsgefühl, mal eine Umarmung, mal weinen zu dürfen, mal eine Ablenkung zu haben. Statt nur auf der Couch zu liegen). Daraufhin wurde teilweise angeboten mir immer helfen zu wollen, und es wurde Besserung gelobt, aber es folgte nichts😞..


    Nun will mein Arbeitgeber mich nicht mehr zurück und ich muss wie erwähnt hartz 4 beziehen, was für mich der größte Alptraum ist und mir große Angst macht. Und meine Geschwister, Patenonkel, Opa, -sie fragen nicht mal wie es mir geht 😒😞.. Dabei war ich wirklich immer für sie da:-/


    Nun werde ich zum ersten mal bald Tante, was mich von Herzen wahnsinnig freut!! Aber obwohl ich den Wunsch geäußert habe etwas von der schwangerschaft mitkriegen zu wollen, bin immer nur ich diejenige, die sich meldet. Auch jetzt fühl ich mich so überflüssig. Auf die mehrfache Frage war ich schenken dürfte oder könnte für den kleinen, wird immer nur gesagt, dass man schon so gut wie alles hätte.


    Ich könnte viele weitere Beispiele aufführen.


    Ich frage mich wieso das immer so ist? Vielleicht weil ich früher eigentlich ausnahmslos immer funktioniert habe, selbst in schweren Zeiten?


    Versteht das jemand? Ich fühl mich allein gelassen und ungeliebt. Oft ist das schlimmer als meine Krankheit oder finanzielle Sorgen..

  • 48 Antworten

    Hallo herzenswärme

    Zitat

    Versteht das jemand? Ich fühl mich allein gelassen und ungeliebt. Oft ist das schlimmer als meine Krankheit oder finanzielle Sorgen..

    Oh ja, das versteh ich. Und die Kombination von allem fühlt sich extrem schlimm an. Wie war denn deine Beziehung zu deinen Geschwistern, bevor du erkrankt bist?

    Ich meinte mit der Frage, ob das jemand versteht so, ob und versteht warum die anderen auch so verhalten :/? Wie ich das ggf selbst ausgelöst Haben könnte? Aber danke für dein mitgefühl.


    Unser Verhältnis war weniger Geschwisterlich, dafür eher mütterlich meinerseits. Da unsere Mutter oft krank war ( schwerwiegend) habe ich Verantwortung für meine Geschwister übernommen ( bin auch die älteste). Letztlich war das nicht richtig,aber als 13,14,15,16-jährige dachte ich das wäre richtig und besser " ich leider, statt sie " und habe alles immer auf mich genommen.:-/

    Zitat

    Ich meinte mit der Frage, ob das jemand versteht so, ob und versteht warum die anderen auch so verhalten :/? Wie ich das ggf selbst ausgelöst Haben könnte

    Eine Vermutung von mir, einfach mal so ins Blaue:


    Wenn man aufgrund seiner Kindheit Defizite, vor allem einen Mangel von Zuwendung, Geborgenheit und Nestwärme hat, versucht man später, sich diese Dinge zu verdienen, z.B. durch starken Einsatz für andere, das hat auch etwas mit Altruismus zu tun. Andere Menschen aber können unterscheiden, aus welchem Motiv heraus man etwas für sie tut, sie können unterscheiden, ob jemand sich um sie kümmert weil man sie sehr gerne mag oder weil man Anerkennung braucht und Lebenssinn daraus generiert.


    Du wirkst auf mich etwas depressiv. Das ist ein weiterer Punkt, warum viele Menschen da auf Abstand gehen. Am liebsten ist man mit Menschen zusammen, die gute Laune verbreiten, einen motivieren, inspirieren und voranbringen. Wenn man aber Niedergeschlagenheit, allgemeine Traurigkeit und eine gewisse Form der emotionalen Bedürftigkeit ausstrahlt, bringt das Menschen häufig auf Abstand, sie fürchten sich davor wie vor einer ansteckenden Krankheit, manche fürchten auch überfordert zu sein. Du hast jede Menge Sorgen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man Dir das nicht anmerkt.


    Ich weiß nicht, was ich Dir raten soll, außer es mit einer Therapie zu versuchen, um etwas aus dem emotionalen Loch herauszukommen. Wenn es Dir besser geht, werden wohl auch wieder andere Menschen auf Dich zugehen, so ist das leider, wenn man sie am meisten braucht, ziehen sie sich i.d.R. zurück.

    Leider muss ich da zustimmen...altruistisch ist da leider das richtige Wort! Und so war ich in meiner späteren Kindheit und Jugend wohl immer unterwegs. Wohlgemerkt ohne es zu merken. Dieses Wort viel in einer reha, die ich vor längerer Zeit machte. Und ich bin leider, leider wirklich etwas depressiv, obwohl das nicht heißt, dass ich mich hängen lasse! Das ist ja das, was die meisten damit verbinden. Aber ich kämpfe stark dagegen an, so sehr, dass ich aber oft einfach nur noch mehr erschöpfe, es aber nicht bleiben will. Versteht ihr?


    Ja, das ist nur einfach auch so bitter jetzt, dass kaum jmd da ist.. Das macht es so viel schlimmer und trauriger. Ich wünschte mir eine Familie, die einfach da steht und sagt, dass sie bleiben und zuhören wenn ich bedürftig bin zu erzählen und das sie es aushalten würden. Das würde mir reichen! Aber es fragt auch einfach niemand mehr wie es mir geht... Wahrscheinlich will es niemand hören? Aber ich habe diese Probleme nicht herbeigeführt und muss nun auch noch allein damit klar kommen, was es noch schwerer macht. Ich fühl mich dadurch einsam und auch ein weiteres mal verlassen:-(


    Ich kann einfach nicht viel gute Laune versprühen, weil es wenig Gründe gibt. Trotzdem versuche ich auch das positive zu sehen und zu lachen und mal ganz im " hier und jetzt "zu sein.. Soll heißen, dass ich jetzt nicht nur rumjammere den ganzen tag! Es ist nur einfach oft schwer alles alleine aushalten zu müssen :-(

    Ich glaube...so schwer es dir fallen wird, aber du musst dich von den Gefühlen und Handlungen anderer unabhängiger machen.


    Dich distanzieren von deren Verhalten, es nicht auf dich beziehen. Es ist ihre Entscheidung, ob sie Kontakt aufnehmen oder nicht. Es ist deine Entscheidung, ob du es tust.


    Du bist enttäuscht, aber werd ruhig auch mal wütend auf die andren.


    Sag ihnen ruhig mal, dass du enttäuscht von ihnen bist und frage nach, warum sie sich nicht melden. Vielleicht brauchen sie einfach aufgrund ihrer nicht so einfachen Kindheit nicht so viel Kontakt.


    Ich bin zBsp auch so ein Mensch. Wenn ich einmal die Woche mit meinen Eltern telefoniere, reicht mir das. Meine Schwester telefonierte damals jeden Tag mit ihnen...auch jeden Tag eine Stunde... Als sie starb brauchten meine Eltern mehr Kontakt, am Anfang gab ich ihnen das, aber ich konnte es einfach nicht ewig...es geht gegen meine Natur, denn es nervt mich, was soll ich denn jeden Tag sagen?


    Mit einmal die Woche haben wir einen Rhythmus gefunden, der uns beiden gut tut....mir würde durchaus auch alle 2 oder 3 Wochen reichen, ihnen gerne 3 mal die Woche...


    Übrigens sehe ich die Ursache dafür in unsrer Kindheit. Meine Schwester wurde schwer krebskrank...baute dadurch eine sehr enge Beziehung auf zu meinen Eltern. Ich hingegen...stand im Schatten, ich kam klar irgendwie, aber dadurch, dass damals diese Distanz war, erdrückt mich der enge Kontakt.


    Hingegen kann es bei deinen Geschwistern anders sein...vielleicht brauchten sie IMMER die Mutter. Du hast zwar für sie gesorgt, aber ihnen fehlte wirklich die richtige Mutter, deswegen könnten sie sich generell von solchen Situationen, wie schwerer Krankheit distanzieren, weil sie nicht wieder so empfinden wollen wie damals (alles unbewusst natürlich...)...so zurückgestellt.


    Sie stellen sich selbst an erste Stelle, was...im Grunde eine sehr gesunde Sache ist, aber eben verletzend für dich.

    Zitat

    Leider muss ich da zustimmen...altruistisch ist da leider das richtige Wort! Und so war ich in meiner späteren Kindheit und Jugend wohl immer unterwegs. Wohlgemerkt ohne es zu merken. Dieses Wort viel in einer reha, die ich vor längerer Zeit machte.

    Es ist auf jeden Fall gut, dass Du Dir dessen bewusst bist. Man hört viel zu oft, wie Leute sagen, was sie alles für andere tun, und wie undankbar die Welt ist, weil nichts zurückkommt. Das Problem ist, dass Altruismus eigentlich ziemlich egoistisch ist, wogegen per se nichts einzuwenden ist, solange die Leute es auch wahrhaben wollen. Es ist ja auch schön, gebraucht zu werden, und dieses Gefühl holen sich viele darüber, dass sie sich für andere ins Zeug legen. Aber eine doppelte Belohnung (in Form von Geben und Nehmen) gibt es dafür nicht unbedingt, man muß sich mit dem guten Gefühl begnügen, geholfen zu haben.


    Vielleicht wäre das auch ein Ansatzpunkt für Dich. Wenn Du für andere etwas tust, ist der primäre Lohn, dass Du jemandem helfen kannst. Erwarte keine doppelte Belohnung im Sinne von "jetzt bist Du aber dran". Das funktioniert bestenfalls, wenn der andere ebenfalls die altruistische Schiene fährt, ansonsten ist es halt eben so, dass nicht immer was zurückkommt, weil die Leute wissen, dass man es eigentlich auch für sich selbst getan hat und nicht, weil man sie so toll findet.

    Zitat

    Und ich bin leider, leider wirklich etwas depressiv, obwohl das nicht heißt, dass ich mich hängen lasse! Das ist ja das, was die meisten damit verbinden. Aber ich kämpfe stark dagegen an, so sehr, dass ich aber oft einfach nur noch mehr erschöpfe, es aber nicht bleiben will. Versteht ihr?

    Ich glaube Dir das. Es ist wichtig, dass Du Dir Kraftquellen suchst, das Problem ist zu lernen, sich an sich selbst festzuhalten und sich nicht an andere zu klammern. Mach Dir eins klar: Deine Kindheit ist vorbei. Kein Mensch wird Dich so lieben, wie es Eltern tun, und diese fehlende Elternliebe kann Dir kein Mensch geben. Im besten Fall hast Du einen Partner und ein soziales Netz mit Freunden, von denen Dir ein jeder ein Stück Zuwendung geben kann ohne überfordert zu sein. Als erwachsener Mensch hat man halt nicht wirklich einen Anspruch darauf, dass sich jemand anderes um einen kümmert, dafür ist man selbst zuständig, und ja, ich denke, man kann es auch lernen.

    Zitat

    Ja, das ist nur einfach auch so bitter jetzt, dass kaum jmd da ist.. Das macht es so viel schlimmer und trauriger. Ich wünschte mir eine Familie, die einfach da steht und sagt, dass sie bleiben und zuhören wenn ich bedürftig bin zu erzählen und das sie es aushalten würden. Das würde mir reichen!

    Wahrscheinlich kannst Du es Dir nicht vorstellen, aber das ist eine ganze Menge. Du denkst vielleicht, es ist nicht viel verlangt, aber es kann einen sehr herunterziehen, wenn es jemandem nicht gutgeht und man kann nicht helfen, hat womöglich noch eigene Sorgen.

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    Aber es fragt auch einfach niemand mehr wie es mir geht... Wahrscheinlich will es niemand hören?

    Es fragt wahrscheinlich keiner mehr, weil sie die Antwort einfach überfordert. Denn ich vermute mal, dass Du ihnen nichts erzählst, was ihnen Freude bereitet, was sie aufbaut und voranbringt, sondern etwas, was sie anstrengt, fordert, vielleicht überfordert.

    Zitat

    Aber ich habe diese Probleme nicht herbeigeführt und muss nun auch noch allein damit klar kommen, was es noch schwerer macht.

    Du hast die Probleme sicherlich nicht herbeigeführt, aber Du bist die Person, die sie hat, und es ist so, dass jeder seinen Packen tragen muss, auch wenn jetzt das platt klingt.

    Zitat

    Ich fühl mich dadurch einsam und auch ein weiteres mal verlassen :-(

    Es hat mal jemand gesagt, wer allein ist, lässt allein. Das verstehe ich so, dass jeder, der über Einsamkeit klagt, nicht nur im Stich gelassen ist sondern auch andere im Stich lässt. Alleinsein geht immer in zwei Richtungen. Man hat niemanden, und man ist für niemanden da. Denn wer sich auch um andere kümmert, ist nicht mehr ganz so allein als wenn man sich nur auf den eigenen Kummer fixiert.


    Was wurde Dir eigentlich so in der Therapie beigebracht?

    In der jetzigen Therapie habe ich das Gefühl angenommen zu werden und sie hört auch zu, aber irgendwie hilft es mir nicht so richtig bisher.


    Natürlich habe ich immer gerne gegeben ohne danach zu bekommen..Da ging es mir aber noch gut und für mich ist es selbstverständlich, dass man sich in der Familie hilft ohne eine Gegenleistung zu kriegen.


    Das es überfordern könnte verstehe ich total und das habe ich auch so verbalisiert Familienmitgliedern gegenüber. Das tut mir auch leid, dass ich sie überfordere und womöglich auch hilflos mache oder öfter gemacht habe in dem Moment! Ich bin nur selbst auch hilflos und tatsächlich brauchte ich in letzten Jahr zum ersten mal selbst Hilfe, weil einfach so gut wie nix mehr ging ( körperlich, Finanzen, dann beruflich, dann finanziell, dann seelisch...).


    Ich weiß auch, dass es gar nicht so einfach ist zu bleiben und zuzuhören wenn jmd anderes fertig ist mit den Nerven, aber wenn meine Familie es nicht tut, viele andere schon lange weg sind,-wer dann? Ich hatte mich selbst verloren und leider hat man darf wohl auch gesehen und gemerkt. Aber es war so hart auch in der Zeit in der Psychiatrie hat einfach niemand auch nur angerufen :�( ( wo ich eigentlich nur kurz hinwollte/ ambulant,weil ich nicht weiterwußte)..


    Häufig läuft es so.... Wenn ich jmd treffe von meinem Geschwistern oder meine Schwägerin oder meinen Onkel.. Dann frage ich was ihr Leben so macht ( aus Interesse und um nicht nur von Problemen zu reden) und ich komme ins Gespräch darüber was die so machen und was sie bewegt, was es neues gibt usw., aber es folgt einfach keine Gegenfrage mehr. Vielleicht werdet ihr jetzt sagen, dass ich es nicht erwarten darf, aber es tut mir weh! Es gibt ein Gefühl von Desinteresse und Nutzlosigkeit, was ich sowieso schon habe, da ich nicht mehr arbeiten kann und körperlich sehr eingeschränkt bin.Ich würde ja auch lieber den Clown machen oder die Lebenskünstlerin, aber es wäre nicht wahrhaftig und echt!!! In Wirklichkeit brauche ich dieses zwischenmenschliche jetzt wie nie wahrscheinlich.


    Zum Thema altruismus:


    Als Kind und Jugendliche habe ich das so bemacht, weil ich mir so liebe und Anerkennung kriegen konnte wohl... Ja das stimmt! Aber ohne es zu merken..


    Rückblickend hätte mich sonst wohl erstrecht niemand gesehen und beachtet.


    Zum Thema " werde ruhig mal wütend ";


    Das war ich in letzter zeit häufiger und fördert natürlich dann nicht gerade, dass man mir gerne zuhört. Ich war beides. Traurig und wütend ( und hatte das Gefühl von verlassenheit).

    Hast du denn mal versucht konkrete Vorschläge zu machen?


    Manchmal ist es auch die Art wie man kommuniziert.


    "Wir könnten vielleicht ja irgendwann mal...." da fühlt man sich weniger angesprochen als...


    "Magst du am Sonntag mal zu einem Kaffee vorbei kommen um zu tratschen?"


    Du bist leider körperlich eingeschränkt, aber das müsste ja zu machen sein?


    Telefon verleitet zum abwürgen und manchmal...sieht man es als Pflicht. (wie ich schon sagte)


    Oder eben aus der Psychiatrie oder Krankenhaus auch die Geschwister anrufen und sagen "Wollt ihr mal am Samstag vorbei kommen und einen Kaffee mit mir trinken unten in der Cafeteria?"


    Momentan habe ich das gefühl, du fühlst dich festgefahren. Es geht weder in die eine noch die andre Richtung. Menschen erfüllen deine Erwartungen nicht, du erfüllst deine eigenen auch nicht (Arbeit etc.).


    Aber man sollte leben um seine eigenen Erwartungen zu erfüllen. Wenn Familie oder Freunde deine Erwartungen nicht erfüllen, ist das ganz normal und man muss lernen irgendwann damit umzugehen.


    Du bist früher einfach viel zu schnell erwachsen geworden, glaube ich...du leidest unter Spätfolgen des Eltern-Seins obwohl du nur die Schwester war. Habt ihr das Thema schonmal in der Therapie behandelt?


    Du bist erwachsen geworden, aber doch innerlich noch abhängig von den andren, ob nun Familie oder Freunde. Es heißt nicht umsonst, man ist sich selbst am nähsten. Ich denke, wenn du mit dir selber mehr im reinen bist, Dinge findest, die dir Spaß machen, die dich ausgeglichener machen, kannst du auch mit solchen Situationen viel besser umgehen. Sie verletzen dann immernoch, aber man sieht das ganze mit etwas distanzierteren Augen.


    Ich glaube du musst dich abnabeln...


    (Aber das ist nur meine Meinung von dem, was ich bisher hier von dir gelesen habe! Keine Garantie auf Richtigkeit. Du kannst dich gerne auch dazu äußern, vielleicht ein bisschen aus deiner Kindheit genauer berichten.)

    Zitat

    Häufig läuft es so.... Wenn ich jmd treffe von meinem Geschwistern oder meine Schwägerin oder meinen Onkel.. Dann frage ich was ihr Leben so macht ( aus Interesse und um nicht nur von Problemen zu reden) und ich komme ins Gespräch darüber was die so machen und was sie bewegt, was es neues gibt usw., aber es folgt einfach keine Gegenfrage mehr.

    Naja, ich denke mal, wenn sie angefangen hätten zu fragen, hätten sie eine Lawine ins Rollen gebracht, Du hättest dann angefangen von Deinen Problemen zu reden, und das wollten sie nicht hören, weil sie wahrscheinlich selbst genügend haben.

    Zitat

    Vielleicht werdet ihr jetzt sagen, dass ich es nicht erwarten darf, aber es tut mir weh! Es gibt ein Gefühl von Desinteresse und Nutzlosigkeit, was ich sowieso schon habe, da ich nicht mehr arbeiten kann und körperlich sehr eingeschränkt bin.

    Es wäre besser, sein Selbstwertgefühl nicht an das Interesse oder Desinteresse anderer festzumachen. Ich weiß, das klingt einfacher als es ist, aber ob man nützlich ist oder nicht, das hängt doch eher davon ab, ob man etwas für andere tun kann. Und hier ist wohl ein wichtiger Punkt: Finde heraus, was Du für andere tun kannst, was a) Dich nicht überfordert und Dir am besten auch Spass macht und b) auch von den entsprechenden Personen gewünscht ist.

    Zitat

    In Wirklichkeit brauche ich dieses zwischenmenschliche jetzt wie nie wahrscheinlich.

    Jeder Mensch braucht das. Aber wenn Deine Mitmenschen Dir entweder noch nie nahe waren oder sich zurückgezogen haben, mußt Du etwas ändern. Der beste Weg ist herauszufinden, was andere brauchen und es ihnen, wenn man selbst kann und will, zu geben. Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, ist die große Kunst. Es nützt ja nichts, wenn ich Belletristik mag und einer Freundin schenke, weil ich es mag, die aber eigentlich lieber ein Kochbuch möchte.

    Zitat

    Zum Thema altruismus:


    Als Kind und Jugendliche habe ich das so bemacht, weil ich mir so liebe und Anerkennung kriegen konnte wohl... Ja das stimmt! Aber ohne es zu merken..

    Macht ja nichts. Aber jetzt bist Du erwachsen und weißt, was Altruismus ist, daher muss man da immer etwas aufpassen.

    Zitat

    Rückblickend hätte mich sonst wohl erstrecht niemand gesehen und beachtet.

    Vielleicht. Vielleicht hat es aber auch mit anderen Dingen zu tun. Nicht jeder, der beachtet wird, ist auch altruistisch, im Gegenteil. Es werden Menschen beachtet, die man gerne um sich hat, warum auch immer.

    Hast du denn Freunde ? Freundinnen ?


    Ich denke auch, so traurig es ist, du bist zu anstrengend für deine Familie.... mich persönlich trifft es schon beim lesen, dass ich denke : puh, das wäre mir auch zu anstrengend. Und zwar nicht wegen der Krankheit sondern deine riesen Erwartungshaltung . Das spührt man und die kann keiner erfüllen.


    (und sorry, schon nein Nicename- schwierig)


    Was man dir raten kann: schwierig. Vielleicht: lass los, erwarte nichts. Vielleicht sei auch wütend, aber sitze nicht da und warte auf das, was du nicht bekommen wirst (so traurig das ist ) Wenn du das schaffst, strahlst du es vielleicht auch aus und es wird für deine Familie leichter mit dir nomalen Umgang zu haben.


    Wie sieht es denn aus, kannst du überhaupt noch viel außerhalb der Wohnung irgendwohin gehen. Versuche doch mal zu überlegen, wo du neue Leute treffen könntest, was du machen kannst um wieder mehr Sinn in dein Leben zu bekommen.


    Vielleicht gibt es eine Selbsthilfegruppe für deine Krankheit oder soetwas wie nachmittägliche Treffen...wo auch immer (Kirche, Vereine...). Vielleicht kannst du irgendein Hobby beginnen, was du trotz Krankheit ausüben kannst. Konzentriere dich auf ich und wie du selbst etwas ändern kannst.

    Ja, ich habe damals ganz konkret gesagt, dass ich unbedingt eine Art Ablenkung bräuchte ( zu Zeiten des Zusammenbruchs), zb in Form von gemeinsam kochen, essen, gemeinsam andere besuchen, zur Not auch gemeinsames Wohnung putzen soweit ich kann, mich über Gesellschaft und Besuch bekommen freue..und als das alles nicht erfolgte habe ich sogar das Gespräch gesucht und gesagt, dass ich enttäuscht bin und nochmal erklärt wie ich mich fühle ( einsam, allein gelassen, enttäuscht, überfordert mit meiner lebenssituation).. Konkreter gings eigentlich nicht:-/


    Ja. Vielleicht wäre erstmals eine Lawine ins Rollen gekommen..möglich. Und das wollen sie nicht hören, richtig. Aber weil sie eigene Probleme haben? Wer hat die nicht?! Aber ja ich maße mir mal an zu sagen, dass ich riesen Probleme hatte u. habe und es die Hölle ist damit auch noch einsam zu sein. Meine Krankheit ist nicht heilbar und schränkt meinen Alltag leider ziemlich ein.. So viel bleibt da nicht was ich für andere tun kann momentan ehrlich gesagt. Ich höre gerne zu und helfe mit meinem beruflichen Know-how auch wo ich kann, aber mehr geht leider nicht momentan(?).


    Habe mich auch schon gefragt...Wenn ich irgendwann, hoffentlich wieder im Berufsleben zurück finde, weniger schmerzen habe, vlt eines Tages eine Therapie gefunden werden würde und es mir besser ginge und ich wieder mehr Freude ausstrahlen würde, würde man mich dann wieder beachten? Allein der Gedanke macht mich schon wütend.


    Ja!- ich fühle mich absolut festgefahren! Ganz genau. Momentan gibt es sehr sehr wenig was mir Spaß macht und deswegen bin ich quasi auch abhängig von anderen bzw es fühlt sich so an. Früher hatte ich meine Arbeit, Freizeitgestaltung, meinen Sport.. Heute ist das deutlich eingeschränkt, ich bin damit unglücklich und versuche mich trotzdem zu aktivieren...besuche Freundinnen, singe in einem Chor ( immerhin das geht) und habe einen Partner seit einigen Monaten. (Dabei muss ich aber sehr aufpassen die frische Beziehung nicht kaputt zu machen mit meinem Problemdruck).


    Ja, ich bin sehr früh erwachsen geworden und war früh nicht mehr kindisch. Jetzt fühlt es sich an als würde etwas fehlen, was ich aber nun nicht mehr kriegen kann, aber das nur am Rande.


    Menschen das zu geben war sie brauchen und sie abzuholen weil sie stehen...


    Das habe ich immer getan und umgekehrt lehnt man meine Gesellschaft bzw meine Unterhaltung ab und ich soll es akzeptieren und weitermachen? Das geht nicht mehr, ich werde wütend dabei. Jahrelang lief das so, auch obwohl " nichts zurück kam ", aber es geht nicht mehr. Die Enttäuschung ist zu groß! Ich bin nur ein Mensch und nicht göttlich und ich habe Gefühle und die sind ( leider tief) verletzt.

    Zitat

    So viel bleibt da nicht was ich für andere tun kann momentan ehrlich gesagt.

    du musst / sollst doch auch gar nichts für andere tun, schau mal schon , dass du denkst nur so ev. neue Kontakte zu bekommen zeigt doch dieses Einbahnstraße im Denken. ... ich tue was für andere, dann müssen sie auch für mich....


    nein niemand muss, nur du musst dich um dich und nur um dich kümmern. In deinem momentanen gesundheitlichen Zustand ist das schon Aufgabe genug.


    Schön, dass du im Chor singen kannst, da hast du sicher wenigstens einmal die Woche etwas schönes vor und ein bisschen Freude :)^

    Hy Wintersonne!


    Ja zum Glück habe ich ein paar wenige Freundinnen, die mir auch sehr am Herzen liegen. Was heißt das...Wem du sagst, dass es dir beim Lesen zu viel wird? Klar ist es zu viel, mit ja auch... Aber ich kann ja auch nicht vor mir weglaufen :-/


    Würdest du deine Schwester tatsächlich allein lassen in so einer Situation?


    Ich jammere ja nicht pausenlos über meine Situation! Hier stelle ich das gerade leider so drastisch dar wie es ist, aber in Kurzform. Natürlich versuche ich das auch zwischendurch irgendwie auszublenden, auch wenns manchmal schwer ist.


    Ja ich kann noch "raus", sitze nicht in Rollstuhl, habe aber eine eingeschränkte Gehstrecke und Muskelschmerzen und Muskelschwäche usw..


    Das mit dem " erwarte nichts " klingt ganz easy, ist es aber nicht. Ich bekomme seit 4 Monaten nun hartz 4, niemand in der Familie weiß es! Denn es fragt niemand! Und das ist jetzt nur ein Bsp.,.. Würdest du das nicht auch erwarten? Von der eigenen Familie? Sie können es nicht lösen, nicht wegzaubern, aber sie könnten fragen wie es mir geht und mir damit helfen indem sie bleiben. Das würde komplett reichen! Mitgefühl und das Gefühl nicht allein zu sein, dass wäre das größte Geschenk und gäbe so eine Art Sicherheitsgefühl, wo sonst so viel unsicher ist momentan..


    Wo erwarte ich da zu viel?? An welcher Stelle genau erwarte ich ein Stück zu viel? Was wäre noch" ok "?