Geringes Selbstwertgefühl

    Hallo zusammen,


    seit ein paar Jahren leide ich unter einer diagnostizierten Depression. Nicht so stark wie bei meiner Mutter & Schwester, aber dennoch "unerträglich" für mich im Moment.


    Nun wie äussert sich diese Depression ?


    Ich habe ein sehr geringes Selbstwertgefühl. In meinem gesamten bisherigen Leben wurde mir immer eingetrichtert, ich sei ein Niemand & nichts wert.


    Ich bin ein uneheliches Kind. Mein Vater hat meine Mutter sitzen lassen, als er erfuhr, dass sie schwanger ist. 1 Jahr später hat sie den Vater meiner Schwester kennengelernt & geheiratet, der meine Mutter & mich geschlagen hat und alkoholsüchtig war. Dies ging dann irgendwann in die Brüche und hier hat meine Mutter begonnen, durchblicken zu lassen (auch wenn sie es niemals ausgesprochen hat), dass ich der Grund bin, warum das Beste (mein Vater) was sie hatte nun weg ist.


    So hab ich mir dann immer wieder gedacht ich sei eine Belastung für sie und die Familie. Dies hat sich dann natürlich auch in meinem Verhalten gezeigt. Ich konnte in der Schule keine Freunde finden und wurde gemobbt/gehänselt. Auf andere Kinder zugehen und mich einbringen schien mir unmöglich, aufgrund meines geringen Selbstwertgefühles. Weil ich mich ja selbst ausgeschlossen habe, wurde ich immer mehr der Sonderling & noch mehr gemobbt/gehänselt. Je länger dies so andauerte, desto mehr sank auch das Selbstwertgefühl.


    Daheim angekommen stand natürlich (wiedermal) nur meine Schwester im Fokus. Urlaube/Ausflüge etc.... wurden nur mit meiner Schwester gemacht, ich musste zur Oma.


    In meiner Jugend bin ich dann nach der Schule gar nicht mehr rausgegangen, hatte ja auch keinen Ansporn dazu ohne Freunde. Nur noch vor dem Fernseher gelangweilt. So habe ich stark zugenommen und noch mehr Komplexe bekommen.


    Mit Anfang 20 hatte ich meine erste Freundin übers Internet kennengelernt. Diese hatte mich ausgelacht, als sie mich das erste mal nackt sah. Da ich nicht dachte, dass ich jemals noch jemand anderen finde, habe ich die Demütigung hingenommen und geschluckt. Dennoch hatte ich irgendwann den Mut die Beziehung zu beenden. Später mit Mitte 22 habe ich eine Ausbildung zum Lageristen begonnen und wurde danach wieder Arbeitslos.


    Als ich 25 wurde wurde ich vom Arbeitsamt in eine Maßnahme für junge Erwachsene geschickt, welche mir gut tat. Ich habe mich mit den Leuten verstanden und einen Freund gefunden, zum Glück kam er auf mich zu :)^, da ich sicherlich nicht den Mut hatte, auf irgendjemand zu zu gehen.


    Auch hatte ich mich in eine junge Frau verliebt, die auch Teilnehmerin der Maßnahme war. Nachdem sie mich erst abgelehnt hatte, wurden wir Freunde und später ein Paar. Ich fand Arbeit, zog bei Muttern aus in eine eigene Wohnung. Durch Tina hatte ich einen Anreiz auf Arbeit zugehen, durch die Arbeit hab ich abgenommen, alles lief gut. Dann wurde ich gekündigt und ich bekam eine Umschulung zum Elektroniker für Informations und Systemtechnik. Nachdem ich diese erfolgreich abgeschlossen hatte letztes Jahr konnte ich seither leider keine Arbeit finden, da ich aufgrund starker Rückenprobleme nicht alles machen kann.


    Und genau seit dieser Zeit zieht sich meine Freundin immer mehr zurück von mir.


    Im Prinzip pennt sie fast nur noch bei Ihren Eltern, nur auf starkes Drängen meinerseits hin, kommt sie mal 1-2 Wochen zu mir und ist dann wieder 3 Wochen bei Ihren Eltern. Auch findet sie kein gutes Haar mehr an mir. Ständig werd ich runtergeputzt, egal wo, es findet sich immer etwas.


    Ich weiss einfach nicht mehr weiter. Wirklich viel mache ich für diese Frau, stecke immer selber meine Wünsche/Ansprüche zurück, damit es ihr besser geht. Dennoch werd ich immer nur runtergedrückt, nicht ein gutes Wort verliert sie mehr.


    Schon oft habe ich versucht, mit ihr darüber zu reden, aber es ist sinnlos. Sie will einfach nicht reden, ist ja alles a Schmarrn und ich bilde mir das nur ein usw. Ich muss dazu sagen, sie bekommt es bei Ihren Eltern auch nicht anders vorgelebt. Ihre Mutter ist total herrschsüchtig und wenn ihr Vater mal Widerworte gibt, ist er "nur am streiten". Es geht soweit, dass ich mich fast nicht mehr traue irgendwas zu sagen, es wird ja eh nur rumgehackt wenn ich den Mund aufmach. Entweder nerv ich, schmarr ich oder es ist einfach dumm was ich sag.


    Gestern hat es mir aber den Boden unter den Füßen weg gezogen. Ich hab wiedermal versucht, zu äussern was mich stört an der ganzen Situation. Wollte einfach nur reden. Dies ging soweit, dass sie mir an den Kopf geworfen habe, das ich nur den ganzen Tag daheime sitz und deswegen keinerlei Ansprüche zu stellen habe.


    Ich weiss, dass ich nicht der beste Fang bin, den sie hätte machen können, aber sowas aus dem Mund der Person zu hören, für die ich alles machen würde.....Es war wie ein Stich ins Herz. Betrachtet sie mich mittlerweile wirklich nur noch als ihr Eigentum ? Weil ich ja eh nicht die Beziehung beenden würde, da ich ja weiss das ich sonst für immer allein bin ?


    Ich mein ich hab zwar noch den Kumpel aus der Maßnahme, aber das Gefühl von Leere in mir kann er ja auch nicht kitten.


    Mittlerweile weiss ich echt nicht mehr weiter. Ich verspüre mehr und mehr eine gewisse Antriebslosigkeit und immer mehr breitet sich das Gefühl aus, einfach nichts wert zu sein. Sobald ich auf die Straße gehe denke ich es verfolgen mich die Blicke die mich verachten, egal ob ich die Leute kenne oder nicht. Wenn ich mit dem Kumpel, seiner Freundin & meiner Freundin unterwegs bin und mir was dummes passiert, denk ich sofort alle Anwesenden schämen sich nun für mich und alle glotzen mich nur an.


    Es frisst mich wirklich auf. Ich gehe zum Beispiel für mein Leben gern in Schwimmbäder, Thermen, Saunen ect. Aber jedes mal wenn ich dahin gehe, spüre ich die Blicke und ich fühl mich richtig schlecht weil ich immer denke, dass sich meine Begleitung für mich schämt und ich deshalb eine immense Belastung bin.


    Ich weiss einfach nicht mehr, wie ich daraus komme. Ich bin es leid immer nur getreten zu werden, aber für mich selber einstehen kann ich auch nicht wirklich, aus Angst das Wenige zu verlieren, was ich hab.

  • 2 Antworten

    Sorry für den Doppelpost, ich wollte noch hinzufügen, dass ich halt auch sehr schwer "nein" sagen kann. Wenn jemand etwas von mir möchte, dann versuche ich mein möglichstes um es zu erfüllen. Daraus resultiert vielleicht auch die Problematik mit meiner Freundin, dass sie es halt ausnutzt. Das ganze gestaltet sich so das ich denke, dass die Leute denen ich "nein" sage mich dann nicht mehr mögen bzw sich abwenden könnten von mir, damit ich sie wenigstens so bei mir halten kann, wenn sie schon nicht meinetwegen ihre Zeit mit mir verbringen mögen.

    Absynthe86


    Du verstehst dein Problem ja anscheinend ganz gut selber:

    Zitat

    Das ganze gestaltet sich so das ich denke, dass die Leute denen ich "nein" sage mich dann nicht mehr mögen bzw sich abwenden könnten von mir, damit ich sie wenigstens so bei mir halten kann, wenn sie schon nicht meinetwegen ihre Zeit mit mir verbringen mögen.

    Viele Leute wuerden sich von ihrer Freundin nicht so behandeln lassen wie du; aber dazu darf man sich innerlich nicht so von einem Menschen abhaengig machen. Wenn du bereit waerest, deine Grenzen zu setzen und zu wahren, wenn du bereit waerest, dich zu trennen, wenn sie dich demuetigt oder dich klein macht, dann koenntest du ihr selbstbewusster entgegentreten, weil du selber weisst, dass du dir nicht alles bieten laesst. Im Moment glaubt sie vermutlich, dass sie mit dir umgehen kann, wie sie will.


    Aber sie "bei dir zu halten", obwohl sie so mit dir umgeht, was bringt dir das denn?


    Du hast dir im Leben doch eigentlich schon bewiesen, dass du in der Lage bist, eine neue Freundin zu finden, und dass du in der Lage bist, alleine zu sein. Fuer was brauchst du sie?


    Das ist ein allgemeines Dings: Wenn du nicht so abhaengig bist von der Vorstellung, dass du den anderen Menschen brauchst, musst du dir nicht alles von ihm bieten lassen. Es ist richtig, dass du manche Menschen verlierst, wenn du "ihr Spiel" nicht mitspielst. Aber diese Leute halten dich letzten Endes nur klein. Wenn du zeigst, wer du bist und was deine Grenzen sind, kannst du Leute finden, die diese respektieren.