Nein, es ist nicht normal und auch nicht schön oder gesund.


    Ich bin so ein jüngeres Kind, das regelmäßig geschlagen wurde - und wir reden hier "nur" von Schlägen mit blauen Flecken, kein Würgen mit Ohnmacht oder dergleichen. Und das Ergebnis? Diese Gewalterfahrung über rund 15 Jahre spielt eine tragende Rolle für meine psychischen Probleme mit Psychosomatischen Folgeschäden im Erwachsenenalter. Und ich bin mittlerweile übrigens über 30 Jahre alt.


    Sowas irgendwie zu rechtfertigen ist wenig vorausschauend und mEn absolut nicht zu rechtfertigen.

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    Was wolltest du denn für dich selber hier klären?

    Ich hatte den Thread spontan eröffnet, das war keine geplante Idee mit einem vorgegebenem Ziel, was dabei herauskommen soll. Hätte ich da gewusst, dass das für so viel Irritationen sorgt (du bist ja nicht der Erste, der nachfragt) und man das vorher wissen muss, hätte ich den Thread nicht aufgemacht. Aber das lässt sich nun eben nicht mehr korrigieren. Sorry.

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    was dahinter steckt

    Ein Gesprächsbedürfnis, aber ich bin zu blöd und unfähig mich verständlich auszudrücken. Ich verstehe auch, dass sich der ein oder andere zunächst verarscht gefühlt hat von meinen Fragen. (Ich meinte sie aber ernst.)

    Ich habe da eben bis vor Kurzem nie drüber geredet - mit niemandem. Aber jetzt wo ich drüber rede (damit anfange) merke ich, dass das auch nur Irritationen ergibt. Mich verwirrt das auch selbst, was passiert ist. Mir ist das erst nach Jahren wieder eingefallen, manches auch erst im Laufe von Jahren vollständig.


    Wenn ich mal irgendwann in der Lage bin, mich für andere verständlich auszudrücken diesbzgl. und ein klares Ziel für einen Austausch definieren zu können, werde ich es nochmal versuchen. Aber bis dahin sollte ich mich erstmal selbst sortieren, um andere nicht wieder zu verwirren und zu verärgern.

    Ich bin mir sicher, dass du nicht zu blöd bist. Vermutlich ist es einfach schwierig. Du bist so aufgewachsen und daher ist das Erlebte für dich Normalität.


    Wenn ich so lese, was du hier schreibst:

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    Und er konnte Sachverhalte gut verdrehen, falls ich es doch mal gemacht habe. Es sah dann so aus, als wären es beidseitige Konflikte gewesen. Ich hatte auch durch die Manipulationen meines Bruders den Ruf ohnehin etwas labil zu sein und ein bisschen zu spinnen/zu übertreiben. Er hat auch unsere Eltern früh manipuliert und konnte auf Knopfdruck lieb und ausgesprochen höflich & charmant auftreten. Vor anderen hat er immer so getan, als ob wir ein gutes Geschwisterverhältnis hätten, was die geglaubt haben.

    war da viel mehr im Argen als die Gewalt an sich. Du schreibst selbst, dass du dich zu Hause nicht sicher fühltest und jederzeit damit rechnen musstest, dass er wieder austickt.


    Das hinterlässt Spuren.


    Die Irritation einiger Mitschreiber (inklusive mir) kommt vielleicht daher, weil man deinein Eingangsbeitrag sehr missverständlich aufnehmen kann und das Runterspielen einiger Gewalttaten (zumindest) in meinen Augen bedenklich ist.


    Allerdings verstehe ich es nun besser und finde nicht, dass du nun aufhören musst hier zu schreiben, um "andere nicht zu verwirren oder zu verärgern."


    Du kannst auch hier sortieren, wenn es dir gut tut und vielleicht kommen hilfreiche Beiträge von anderen. Wenn du noch nie darüber gesprochen hast, ist es einfach schwierig einen Anfang zu finden. Nur Mut!

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Dass man die Gewalterfahrung herunter spielt, ebenfalls. Tue ich auch. Erst eine Therapeutin hat mir deutlich gemacht, dass sowas nicht normal ist und nicht zur Normalität werden darf - und zwar niemals und unter keinen Umständen!

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    Ich verstehe auch, dass sich der ein oder andere zunächst verarscht gefühlt hat von meinen Fragen. (Ich meinte sie aber ernst.)

    Ich hab die sofort ernst genommen. Deswegen habe ich auch ein echtes flaues Gefühl im Magen bekommen, weil ich das Gefühl hatte, dass da jemand schreibt, der das Fürchterliche für normal hält und ganz offen fragt, ob es denn "wirklich so komisch sei". ??Wie ein kleines Kind, das seiner Mama nebenläufig sagt, dass es weh tut, wenn der Onkel sie an gewissen Stllen ihres Körpers anfässt und sich dabei nicht bewusst ist, wie falsch das ist??

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    Ich habe da eben bis vor Kurzem nie drüber geredet - mit niemandem.

    Wie hast du das ausgehalten? Verdrängung?

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    Wenn ich mal irgendwann in der Lage bin, mich für andere verständlich auszudrücken diesbzgl. und ein klares Ziel für einen Austausch definieren zu können, werde ich es nochmal versuchen.

    Ich kann mir vorstellen, dass du ein klares Ziel findest, wenn du einfach ohne Ziel drauf los schreibst oder redest, dann werden wahrscheinlich Bröckchen für Bröckchen die Eriinerungen inkl. Gefühle wieder hochkommen und du hast die Chance, viele zu verarbeiten, das bis jetzt in den Tiefen des Unterbewusstseins sein Unwesen treibt.

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    Aber bis dahin sollte ich mich erstmal selbst sortieren, um andere nicht wieder zu verwirren und zu verärgern.

    Ich finde, wenn jemand über sich und sein Leben schreibt, sollte die Person sich nicht von der Meinung anderer niemand verunsichern lassen! Wenn es andere ärgert was du schreibst, ist das deren Sache.

    Ok, wenn das euch nicht stört, dass ich nicht angeben/definieren kann, was der Zweck dieses Threads ist. (Es wurde ja mehrfach danach gefragt.)

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    war da viel mehr im Argen als die Gewalt an sich.

    Ja, ich hatte das mal in ein, zwei Threads im Forum erwähnt am Rande ohne dass sich jemand dran gestört hat. Deshalb überrascht mich das, dass das weniger Schlimme hier so schlimm gefunden wird.


    Keine Ahnung, mein Bruder ist eben in vielerlei Hinsicht übergriffig gewesen, emotional, verbal, körperlich, sexuell.


    Dass einiges davon nicht normal gewesen ist, weiß ich, aber bei anderen Sachen nicht bzw. schwankt das von der Klarheit. Es ist immer auch gut möglich für einen Teil von mir, dass meine Wahrnehmung nicht stimmt und ich übertreibe, Dinge zu eng sehe, mir Sachen einbilde.


    Es ist auch nicht an euch, mir da Klarheit zu vermitteln - das ist ja meine Sache und mein Problem. Das sind Dinge, die muss ich mit mir selbst ausmachen und klären. Zumal ich nicht ständig gegen Schweigegebote verstoßen kann. Ab und zu ist das ok, aber nicht durchgehend. Es sind eben Themen, über die man besser nicht spricht.


    Für mich sind das zwei Welten/Realitäten. Die 1. Welt ist quasi die normale Welt und die 2. Welt ist die Parallewelt mit den Abgründen. Manchmal überschneiden sich beide Welten. Die 2. Welt ist irgendwo auch einfach wieder normal für sich betrachtet. Aber über die 2. Welt redet man nicht mit anderen; sollte das nicht tun. Sie ist bei mir auch ausgeblendet im Alltag unter Mitmenschen. Ich würde da insofern nicht mal vorsätzlich lügen, wenn ich dann nur von der 1. Welt erzählen würde auf Nachfragen.


    Aber ich denke, in einem Forum kann ich das ignorieren. Ihr könnt das ja nicht gegen mich verwenden bzw. ist der mögliche Schaden überschaubar.

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    Wie hast du das ausgehalten? Verdrängung?

    Ich glaube eine Mischung aus Abspaltung, Verdrängung und Dissoziation.

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    Erst eine Therapeutin hat mir deutlich gemacht, dass sowas nicht normal ist und nicht zur Normalität werden darf - und zwar niemals und unter keinen Umständen!

    Ich habe später mal gelesen, dass Doktorspiele etwas anderes sind, als ich lange dachte. Aber bei Geschwisterstreitigkeiten weiß ich es eben bis heute nicht so recht. Es gibt ein paar Ausraster von meinem Bruder, bei denen ich denke, dass sie über die normale Eifersucht und Geschwisterkonkurrenz hinausgehen, aber das andere? ":/


    Ich habe das ja wie gesagt bei der Freundin in der Kindheit aber auch später bei anderen Freundinnen mitbekommen, die Geschwister hatten, dass die sich mit denen gestritten haben und bin davon ausgegangen, dass es bei denen ähnlich zugeht, wie zwischen meinem Bruder und mir sobald keine Zeugen da sind/kein Besuch da ist. Darüber redet man natürlich nicht.

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    Ich hab die sofort ernst genommen.

    Danke.

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    die Eriinerungen

    Die müsste ich weitgehend wiederhaben.

    @ lebenshungrigeMama

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    Ich bin so ein jüngeres Kind, das regelmäßig geschlagen wurde - und wir reden hier "nur" von Schlägen mit blauen Flecken, kein Würgen mit Ohnmacht oder dergleichen. Und das Ergebnis? Diese Gewalterfahrung über rund 15 Jahre spielt eine tragende Rolle für meine psychischen Probleme mit Psychosomatischen Folgeschäden im Erwachsenenalter. Und ich bin mittlerweile übrigens über 30 Jahre alt.

    Von wem wurdest du geschlagen? Eltern oder Geschwister?


    Möchtest du näher darüber reden, welcher Art deine daraus resultierenden Folgeschäden sind?


    Wenn du über 30 bist, liegen wir evtl. altermäßig nicht so weit auseinander; ich bin selbst in den 20ern.

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    Wenn er just jemanden verprügelt, kann man natürlich hingehen und darum bitten, dass er eine Pause einlegt, damit man zwischenzeitlich eine Aufsichtsperson holen kann. ... Sehr lebensnah. Mal abgesehen davon, dass Petzen immer besonders gut kommt bei Kindern am Anfang der Pubertät.

    Es geht nicht darum sich Freunde zu machen, sondern darum sich vor Übergriffen zu schützen. Ich denke schon dass ich lebensnah argumentiere, denn diese Probleme hatten meine Kinder auch. Wir sind eben einen anderen Weg gegangen der funktioniert hat.


    Ich möchte hier aber nicht klug* . Du hast einen Weg gefunden um mit dem Erlebten umzugehn.


    Hast du schon einmal daran gedacht dies aufzuarbeiten?


    Ich hatte einen cholerischen Vater der mich geprügelt hat. Lange hab ich das verdrängt und es hat mich leider eingeholt.

    @ willgesundsein

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    Ich finde, wenn jemand über sich und sein Leben schreibt, sollte die Person sich nicht von der Meinung anderer niemand verunsichern lassen! Wenn es andere ärgert was du schreibst, ist das deren Sache.

    Damit hast du bestimmt recht, nur kann ich das umgekehrt verstehen, dass das doof ist und evtl. Leute ungehalten reagieren, wenn man sich als TE nicht klar ausdrückt und es für andere nebulös ist, was der TE eigentlich will.

    @ Tatjana6472

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    Es geht nicht darum sich Freunde zu machen, sondern darum sich vor Übergriffen zu schützen. Ich denke schon dass ich lebensnah argumentiere, denn diese Probleme hatten meine Kinder auch. Wir sind eben einen anderen Weg gegangen der funktioniert hat.

    Wenn das für euch funktioniert hat, ist doch gut.

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    Hast du schon einmal daran gedacht dies aufzuarbeiten?

    Meinst du mit Therapie?


    Falls ja: Nein das habe ich nicht vor. Das möchte ich nicht, dass das offiziell irgendwo dokumentiert ist - und das wird es vom Therapeuten. Mal abgesehen davon, dass das Vertrauen in den Therapeuten voraussetzen würde. Das habe ich nicht.


    Mir ging es früher mal schlecht, da hätte sich das evtl. gelohnt. Jetzt ist das auch egal. Wenn mich das irgendwann ungut einholen sollte, kann ich mir das immer noch überlegen.