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    Solange Du Dich selbst verurteilst, kannst Du es auch weiterhin mit dem damaligen Opfer oder den Opfern tun, bis zur Schuldprojektion auf diese. Das klingt zunächst hart, darin liebt aber die Lösung. Diese besteht nicht in beiderseitigem Verurteilen

    biskotti es mag hart klingen, ja, aber ist vielleicht die crux an der ganzen sache und tatsächlich habe ich das erst bewusst durch deinen beitrag so ganz bewusst eingesehen:


    für mich ist es schwer mit den schuldgefühlen zu leben und ja, ich wünsche mir das sie aufhören (ob nun durch gnade oder vergebung, ich bin mir nicht so sicher. ich weiß es wirklich nicht), aber wenn ich an vergangene situationen (die ganz unabhängig von meiner "schuldsache" sind) denke, in denen mir zu unrecht schlechtes gemacht worden ist von jemandem, fällt es mir richtig schwer verständnis aufzubringen. ich rede von ehrlichem verständnis. das empfinde ich einfach nicht, auch nicht mit zeitlichem abstand. ich habe auch keine positiven gefühle der person gegenüber. kommt das schon einem verurteilen gleich?


    ja so messe ich offenbar (das wird mir erst nach und nach so richtig bewusst) mit zweierlei maß und weiß gar nicht mehr so recht was ich mir eigenltich erwarte?


    einerseits ist der wunsch nach freiheit da und auch nach einer gelegenheit um verzeihung bitten zu können. mich zu trauen, das wäre so schön, weil ich mich wirklich entschuldigen möchte und es so fühle: es tut mir leid.


    ja, und andererseits kann ich in der anderen rolle nicht verzeihen und nicht verstehen.


    ich frage mich ob mich das für alles weitere disqualifiziert in diesem thema und ob es überhaupt sinnvoll ist eine veränderung anzustreben? sind meine motive nur egoistisch veranlasst? vielleicht ist es auch besser, es dabei zu belassen und einfach darauf klarzukommen, dass es ist wie es ist.

    was ich eigentlich sagen will: ich stelle fest, dass ich mit manchen personen in manchen angelegenheiten sehr hart ins gericht gehe.


    wie kann ich also hoffen dass ich umgekehrt verständnis (?) oder etwas anderes als härte entgegengebracht bekomme, etwas neutrales oder sogar wohlwollendes? das geht doch gar nicht.


    biskotti du hast den nagel auf den kopf getroffen, glaube ich.

    zum thema angehörige und weshalb sie den kontakt nicht suchen, will ich eigentlich nur sagen dass ich das ganze hier lieber ausklammern will. nur soviel: ich würde nie erwarten, dass sie einen schritt auf mich zu machen. wenn, wäre das meine aufgabe und nur meine.

    @danae87

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    Je mehr Zusammenhänge sichtbar wurden, desto sortierter wurde alles. Wie ein Gewirr aus Fäden, dass man mit etwas Abstand besser sortieren konnte.

    okay in dem sinn ist so eine "analyse" sicher gut und alleine ist das schwierig, weil man emotional zu involvier ist und zu sehr in seiner subjektiven perspektive steckt.

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    Könnte es sein, dass dies hier die Antwort auf das "weshalb" ist? Das die Angst, dass es nochmal passiert, weil du eigentlich genau weißt, dass du nicht einfach böse bist, sondern einer bestimmten Verhaltensweise einfach hilflos gegenüber stehst, dich dazu zwingt "schuld" zu sein, niemals zu vergessen zu was du fähig bist, damit es nicht nochmal passiert? Deine Versicherung quasi?

    ja. ich will nie wieder in so eine lage kommen. oder gebracht werden.

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    So blockiert deine Schuld am Ende dann allerdings eine echte Entwicklung zu einem Menschen, der mit bestimmten Verhaltensweisen souverän umgehen kann und da dann auch viel mehr Optionen hat.

    hm das stimmt. wobei ich was den einen teil meiner schuld betrifft, 100% sicher bin dass der lerneffekt dieses erlebnisses so groß war, dass ich nie wieder so agieren und so entscheiden würde. schwieriger sind "spontane" bzw. "impulsive" verhaltensweisen. in dem punkt stimmt das, was du sagst natürlich.

    Was war nicht gut? Beim Erstgespräch geht es doch vor allem darum, sich gegenseitig "zu beschnuppern" und die Therapeutin wird das Vorgehen skizzieren, dh. sagen, wie sie sich den weiteren Verlauf in etwa vorstellt.


    Weil wir nichts Näheres wissen, ist es schwer zu raten, ob Du dranbleiben sollst oder nach einer Alternative schauen.

    ja, sorry.


    ich weiß nicht genau. mein gefühl war nicht gut und ihre art? ich sollte grob erzählen, was mich herführt. mir fällt das schwer, ich kann das nicht so gut. die frau fiel mir dabei ständig ins wort, nicht im sinne von unterbrechungen, sondern sie vollendete meine sätze und zog ihre schlüsse (teilweise ganz falsche). und dann hatte sie soetwas betüddelndes, ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. es war nicht angenehm und irgendwie auch unangebracht, für mein gefühl. aber ich war auch sehr nervös und dadurch vielleicht zu empfindlich.

    Ist Dir die Frau erst ins Wort gefallen, nachdem Du ein paar Minuten nach einer Formulierung gerungen hast - oder noch währenddem Du gesprochen hast? Letzteres ginge gar nicht. Therapeuten haben Geduld zu haben.


    Und wenn Sie Schlüsse zog - ganz falsche zum Teil, wie Du schreibst - hast Du dann berichtigt? Das wäre wichtig.


    Gib' ihr noch eine Chance, würde ich Dir raten.

    nein nach einer formulierung musste ich nicht ringen, aber wenn ich mitten in meiner ausführung mal für einen moment innegehalten habe, hat sie meinen satz weitergeführt. leider aber in eine ganz andere (falsche) richtung, als die auf die ich hinauswollte. ich habe sie schon berichtigt, aber nach dem vierten oder fünften mal dann einfach nur gesagt: "nein, so meine ich das nicht" oder "nein, eigentlich nicht", aber nicht nochmal neu erklärt. ich war auch ein bisschen überfordert.


    danke für deinen rat koltrast, ich muss noch überlegen.

    ...ich glaube, dass ICH diese Person in gewisser Weise "manipulativ" finden würde. Mir scheint, sie wollte das Gespräch in eine (=ihre?) Richtung drängen - möglicherweise hatte sie schon "ihre Vorstellungen", wie das Gespräch zu laufen hatte.


    In meinem Fall lief das Erstgespräch ganz anders ab. Der Psychiater bat mich herein, sagte, dass wir eine Stunde Zeit hätten und in dieser Zeit einen Rahmen abstecken wollten. Er wisse, dass ich zu ihm überwiesen worden sei, damit ich lernen könne, mit dem Damoklesschwert über mir (=seltene Herzkrankheit) umzugehen. Er wolle mich jedoch näher kennen lernen und mir persönliche Fragen stellen. Ob das so gut sei für mich? Nur so sei es ihm möglich, mir zu helfen oder eventuell zu therapieren.(Ich bejahte.) Dann sagte er, dass ich bei allem, was er sage/anrege "stop" sagen dürfe - und das werde er respektieren.


    Das Ganze lief dann mit der Zeit auf eine Verhaltenstherapie hinaus und ich bin im Laufe der Jahre "so nebenbei" seelisch gesünder geworden. Als das Vertrauen gross genug war, konnte ich ihm "alles" anvertrauen, was mich beschäftigte und Vieles aufarbeiten, weil er es mir bewusst machen konnte.


    Vielleicht hattet Ihr einen "harzigen Start" - nach einer zweiten Konsultation sieht es vielleicht anders aus und Du kannst Vertrauen fassen. Oder Dein Unbehagen bleibt, dann musst Du weitersuchen.

    manipulativ hmm, ja irgendwie schon. ich hatte ein bisschen das gefühl als hätte sie sofort ein bild von mir im kopf gehabt und mich in eine bestimmte schublade gesteckt, die aber im endeffekt gar nicht gepasst hat. das hat mich sehr gestört aber ich weiß nicht wie viel davon "in meinem kopf" ist und ich nur so empfinde und wie viel tatsächlich ihre art ist und ihrem verhalten zuzuschreiben war. weißt du, was ich meine? ich fürchte, ich bin sehr empfindlich, eher schon überempfindlich.


    bei deinem erstgespräch hätte ich mich auch wohler gefühlt. die therapeutin gestern wollte erst wissen, was mich zu ihr führen würde und sagte, ich soll erstmal erzählen und dann sehen wir, wie eine zusammenarbeit aussehen könnte.


    aber erzählen ist nicht so einfach.

    Ja, sie hat Dich ins kalte Wasser geschubst! Ich verstehe, dass Du Dich nicht auf Anhieb wohlgefühlt hast und dass Dir das Erzählen schwerfällt.


    DESWEGEN gehst Du ja unter Anderem auch zu ihr - fiele es Dir leicht, über die Tat zu sprechen, bräuchtest Du (möglicherweise) auch keine Therapie...


    Hoffentlich schafft sie es, in der zweiten Sitzung einen "behaglichen" Rahmen zu schaffen. Ich empfinde die Praxis meines Psychiaters als "geschützte Oase", wo ich (ziemlich...) "gerne" hingehe.

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    ich fürchte, ich bin sehr empfindlich, eher schon überempfindlich.

    Ja, das ist wohl so. Ich wage die Behauptung, dass die Aller-allermeisten, die einen Psychiater/Therapeuten aufsuchen, von der empfindsamen Sorte sind und nicht Wenige sogar von der überempfindlichen.


    Liegt irgendwie auf der Hand: Betonklötze und Holzprügel brauchen keine Therapie, weil sie ziemlich unempfindlich auf die Irrungen/Wirrungen des Lebens reagieren.


    Nimm' Deine Seele noch einmal in beide Hände und gehe hin - und wenn Du Dich noch immer nicht akklimatisieren kannst, so wechsle die Therapieperson.


    Für MICH war das Geschlecht des Psychiaters wichtig - es musste ein Mann sein. (Aus Gründen, die hier nichts zur Sache tun.) Ist Dir das Geschlecht der Therapieperson egal?

    "geschützte oase", das klingt so schön dass mir gerade spontan die tränen hoch kamen. ich bin froh dass es für dich so ein wertvoller schutzraum ist, koltrast und gönne es dir von herzen.

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    Nimm' Deine Seele noch einmal in beide Hände und gehe hin

    ja das mache ich wohl so. ich muss. allein um herauszufinden ob die "chemie" wirklich nicht stimmt oder ob es einfach an mir lag. vielleicht auch an der nervosität, die so ein erstes mal mit sich bringt.


    das geschlecht... naja ein mann wäre mir auch lieber. leider gab es nur zwei die über die krankenversicherung bezahlt werden können auf der liste und die hatten erst in 3 monaten wieder plätze frei. ich habe mich dann durch die liste telefoniert und die erste therapeutin mit freiem platz genommen.


    falls das mit der therapeutin am ende nicht klappt, warte ich vielleicht auf den platz bei einem der männlichen therapeuten, denn eigentlich eilt mein thema nicht. blöd ist, dass mich akut ein paar aspekte/gefühle ziemlich plagen aber so dringend ist das alles wirklich nicht

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    denn eigentlich eilt mein thema nicht. blöd ist, dass mich akut ein paar aspekte/gefühle ziemlich plagen aber so dringend ist das alles wirklich nicht

    Jetzt, wo Du diese Baustellen bearbeiten willst, solltest Du zeitnah einen Platz bekommen. Sonst tritt Deine innere Not wieder in den Hintergrund und ein neuer Anlauf, die Sache in Angriff zu nehmen, braucht wieder enorm Energie.


    Wann hast Du die nächste Stunde bei der Frau? Wenn es für Dich nicht stimmt, solltest Du es ihr am Ende der Stunde sagen und drum bitten, dass SIE Dich zu einem männlichen Therapeuten anmeldet. Vielleicht bekommst Du dann schneller einen Platz.


    Ich hoffe natürlich nicht, dass Deine nächste Stunde bei der Frau erst in einem Monat ist - und dann 3 Wartemonate auf den neuen Therapeuten hinzukommen.

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    Wann hast Du die nächste Stunde bei der Frau?

    am donnerstag.


    meinst du wirklich, ich soll sie (im fall des dalles) um überstellung zu einem kollegen bitten? ich weiß gar nicht ob die versicherung einen wechsel erlaubt...

    Mit den Deutschen KK bin ich nicht vertraut - ich wohne in der Schweiz.


    Bei uns ist auf die Weise ein Wechsel problemlos möglich. Selbst die ekelhaftesten Krankenkassen haben begriffen, dass für eine Psychotherapie ein persönliches Vertrauensverhältnis nötig ist, soll sie gelingen. Dass Dr.X oder Y einen Blinddarm gut operieren kann, ist klar - für solche "Arbeiten" sind die Ärzte "austauschbar".