ich werde mich morgen mal schlau machen. aber wer weiß, vielleicht klappt es in der zweiten stunde mit der therapeutin besser und ein wechsel ist gar nicht nötig.


    hoffentlich bin ich ein bisschen weniger aufgeregt, das wäre hilfreich

    Ich hoffe es, dass es besser klappt - und bin zuversichtlich. SIE hatte Zeit, über Dich nachzudenken und DU hast diese erste Stunde auch sacken lassen können.


    Dass Du aufgeregt bist, ist ganz normal. Mit der Zeit wird sich das legen. Ich ahne auch, wovon Du ganz speziell Angst hast. Wenn die Therapeutin gut ist, wird sie nicht werten, sondern Dich dort abholen, wo Du gerade stehst und Dir beim Sortieren helfen. Sie wird Dich nicht "klein machen", "beschimpfen" oder die "Moralkeule schwingen". Sie wird DICH als Person sehen und das Riesenproblem, was Dir das Leben so schwer macht.


    Ich drücke Dir die Daumen.

    danke koltrast, du bist sehr lieb.


    ich hoffe du behälst recht und ich hoffe das ganze hilft mir, einen weg zu finden wie ich besser damit leben kann. derzeit macht mir neben der schuld vor allem die einsamkeit sehr zu schaffen.


    gleichzeitig ist das ganze thema für mich so "unantastbar" geworden, das habe ich in der ersten stunde gemerkt, als ich versucht habe es grob zu erklären. obwohl mich das alles jeden tag beschäftigt, habe ich doch vieles verdrängt weil es so einfacher war. ich habe richtig angst mich dem zu stellen, aber es muss jetzt sein. ich will da raus

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    derzeit macht mir neben der schuld vor allem die einsamkeit sehr zu schaffen.

    Das kann ich mir gut vorstellen - Du kannst ja mit niemandem über das reden, was Dich am meisten beschäftigt. Wahrscheinlich berühren Dich auch alle Alltagsthemen, mit denen "man" sich so beschäftigt (auf der Arbeit, am Kaffeeautomaten, oder in der Pause) nicht besonders, weil es für Dich so viel Brennenderes gibt, worüber dringend gesprochen werden müsste... Vielleicht fühlst Du Dich deshalb auch einsam - für die Kolleg/innen bist Du möglicherweise "ein Buch mit 7 Siegeln" und sie wissen mit Dir nichts anzufangen. Du bist sicher eine liebenswerte Person und könntest - wie die anderen - jung und fröhlich sein... wenn nur das (vorläufig noch) Unaussprechliche nicht auf Dir lasten würde wie ein Stein.

    Zitat

    gleichzeitig ist das ganze thema für mich so "unantastbar" geworden, das habe ich in der ersten stunde gemerkt, als ich versucht habe es grob zu erklären. obwohl mich das alles jeden tag beschäftigt, habe ich doch vieles verdrängt weil es so einfacher war. ich habe richtig angst mich dem zu stellen, aber es muss jetzt sein. ich will da raus

    So etwa könntest Du es der Therapeutin sagen. Schlage ihr vor - wenn Du das einen gangbaren Weg findest - jeweils Puzzleteilchen zu erzählen.


    Mit der Zeit gibt es aus den vielen Puzzleteilchen ein Bild. Fange in irgend einer Ecke an - die Therapeutin wird die Teilchen sortieren. (Hoffe ich.)


    Oder wie eine Patchworkdecke: auf den Grundstoff wird an jeder Sitzung ein Teilchen aufgenäht.


    Deine Angst, Dich dem Ganzen zu stellen, verstehe ich gut. Die letzten Jahre hast Du es verdrängt und gemerkt, dass es nicht gut war. Das Verdrängen kostet so viel Energie. Wenn Du dieselbe Energie auf das Emporholen des (noch) Unsagbaren verwendest, kommt es gut. Stück für Stück - nicht von heute auf morgen. Ich hoffe, dass es Dir in ein paar Monaten schon etwas besser geht.


    Ich gehe schweigend neben Dir, dann bist Du nicht so alleine. Aber ich bin da. :)*

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    Du kannst ja mit niemandem über das reden, was Dich am meisten beschäftigt.

    ich will es auch nicht weil ich nicht will und angst habe dass meine kollegen oder bekannten mich dann mit anderen augen sehen und verachten. aber es ist auch schwer. in der arbeit sind wir insgesamt viele kollegen aber eigentlich arbeite ich den ganzen tag nur in einem kleinen team mit meinem direkten chef und einem kollegen, der auch in meinem alter ist, zusammen. die mag ich beide sehr aber kann mich auch nicht so beteiligen in den gesprächen wenn es um privatsachen geht, weil ich nicht will dass es zu privat und zu sehr freundschaftlich wird. für mich ist zuhören das bessere, aber eigentlich kann mich dadurch auch keiner kennen und oft ist das schwer, gerade weil ich beide eigentlich gut leiden kann. aber ich darf es auch nicht vermasseln mit ihnen weil ich meine arbeit brauche und das nicht in den sand setzen darf.


    mich macht es nur so traurig weil als ich von meinem früheren wohnort weggegangen bin damals nach dem was ich getan habe, war es sehr schwierig für mich ganz alleine und mein lebensziel oder traum war von da an immer, dass ich irgendwann wenn ich genügend geld übrig habe, auch ein haustier haben kann, am liebsten einen hund. eine katze wäre auch okay. aber ich habe vor kurzem realisiert dass das nie klappen wird, weil ich während der woche den ganzten tag nicht zu hause bin und meine wohnung zu klein ist und ich habe erfahren, dass man abitur braucht um in meinem job irgendwann auch bessere chancen zu kriegen und bessere stellen zu bekommen in denen man weniger arbeiten muss aber mehr geld verdient. aber ich habe nur realschul abschluss. mein direkter chef möchte eigentlich dass ich mein abitur nachhole und hat nachgefragt ob es einen finanziellen zuschuss für mich gibt und es gibt sogar einen. aber das meiste müsste ich selbst bezahlen und so viel geld habe ich nicht und um in die kurse zu gehen, müsste ich ein paar stunden weniger arbeiten, aber dann reicht das geld nicht aus. und ich weiß auch nicht ob ich abitur schaffen kann.


    deswegen wird es auch in zukunft nicht klappen mit einem hund oder einer katze, vor allem weil ich ein tier auch nicht den ganzen tag sich selbst überlassen kann, das ist kein leben für ein tier. aber ich dachte immer dass es irgendwann klappen wird wenn ich nur genug geld habe, doch nach und nach realisiere ich, dass es einfach nicht geht, obwohl es mein traum war und mir auch trost gegeben hat die letzten jahre. ich glaube, deswegen habe ich so große einsamkeitsgefühle entwickelt, weil immer wenn ich früher einsam war, ahbe ich an "meinen" hund gedacht und mir vorgestellt, wie das werden wird in der zukunft, aber das geht jetzt nicht mehr.


    und ja ich weiß dass mich viele kollegen oder eher die kolleginnen komisch finden. es macht mir nichts aus, weil ich auch wirklich komisch bin und sie recht haben damit. vielleicht lerne ich auch mit der therapie es anders zu machen, ich will nur nicht dass es mit der therapie schlechter wird. ich weiß natürlich dass therapeuten "profis" sind und sie wissen, was sie tun, aber ich habe angst

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    ich will es auch nicht weil ich nicht will

    Du musst wollen wollen... und das lernst Du bei der Therapeutin, hoffe ich

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    und angst habe dass meine kollegen oder bekannten mich dann mit anderen augen sehen und verachten.

    ...JEDEM wirst Du nicht davon erzählen können, wenn Du es mal könntest, aber ausgewählten Menschen schon - solchen, die Dir Freundschaft signalisieren. Und auch ihnen nicht beim ersten mal, sondern dann, wenn etwas Vertrauen hat wachsen können.

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    die mag ich beide sehr aber kann mich auch nicht so beteiligen in den gesprächen wenn es um privatsachen geht, weil ich nicht will dass es zu privat und zu sehr freundschaftlich wird.

    Von Deinem Privatleben kannst Du - finde ich - schon Einiges erzählen, einfach nichts Verfängliches. "Man" darf gewiss wissen, dass Du zB. im Kino warst am Wochenende und Dir der Film gefallen hat oder nicht. Dass Du tierlieb bist, darf man wissen, aber Du Dir kein Tier leisten kannst. Vielleicht kochst Du gerne, hörst gerne Musik oder bist in einem Sportverein. Da können Anknüpfungspunkte sein für Alltagsgespräche.

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    mein direkter chef möchte eigentlich dass ich mein abitur nachhole und hat nachgefragt ob es einen finanziellen zuschuss für mich gibt und es gibt sogar einen. aber das meiste müsste ich selbst bezahlen und so viel geld habe ich nicht und um in die kurse zu gehen, müsste ich ein paar stunden weniger arbeiten, aber dann reicht das geld nicht aus. und ich weiß auch nicht ob ich abitur schaffen kann.

    Mensch, das wäre DIE Chance! Der Chef will Dir sogar einen Zustupf geben! Der glaubt an Dich! Sage ihm Deine Bedenken - vielleicht weiss er weitere Geldquellen. Sage nicht einfach "nein", sondern versuche das Menschenmöglichste.

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    und ja ich weiß dass mich viele kollegen oder eher die kolleginnen komisch finden. es macht mir nichts aus, weil ich auch wirklich komisch bin und sie recht haben damit.

    Ich selber bin irgendwie auch "anders als andere", aber alle akzeptieren mich so, wie ich bin. Sie wissen, was sie mit mir unternehmen können (klassische Konzerte) und was nicht (Schlagersängerkonzerte). Sie wissen, dass ich ALLES im Zusammenhang mit der Natur mag und NICHTS, was mit Parties und Rumhängen zu tun hat. Das machen sie dann ohne mich und sind mir nicht böse und ich ihnen auch nicht.

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    vielleicht lerne ich auch mit der therapie es anders zu machen,

    ...ich hoffe, dass Du dort lernst "DU ZU SEIN", wie Du warst vor dem ganzen Desaster.

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    ich will nur nicht dass es mit der therapie schlechter wird.

    Das abzuschätzen - vor der Therapie - kann man nicht. Während der Therapie vielleicht schon. Ich weiss es nicht, bei mir hat es von Anfang an hingehauen.

    Zitat

    ich weiß natürlich dass therapeuten "profis" sind und sie wissen, was sie tun, aber ich habe angst

    DAS verstehe ich sehr. Du hast noch keine Erfahrung darin und hängst noch im luftleeren Raum. Alles, was man neu anfängt, ist zu Beginn noch fremd und man muss sich zuerst akklimatisieren und orientieren.


    Nimm' Dein banges Herz in beide Hände und nimm' diese Chance wahr!


    *:)

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    Wie ist es Dir ergangen am Donnerstag?

    es war mit der aufregung und dann auch mit dem grundgefühl etwas besser, glaube ich. zumindest wusste ich diesmal schon was mich erwartet und wie mein gegenüber ist.


    insgesamt ist es aber sehr, sehr schwer. ich kann das nicht gut: reden über etwas ganz konkretes. wenn ich jemals mit irgendjemanden über das ganze thema gesprochen habe in all den jahren, war das fast immer nur sehr abstrakt und mehr eine umschreibung denn eine beschreibung. das wurde hier im faden auch schon angemerkt und es stimmt. ich finde es schwer und kann es nicht gut. einfach sagen was wirklich sache ist, nicht einmal teilweise. ich bin da irgendwie ziemlich blockiert und gestört.


    das ist am ende auch mein riesen anteil daran wenn die therapeutin falsche schlüsse zieht. ich kann es nicht einmal annähernd berichtigen. als ich zu einer ihrer schlussfolgerungen gesagt habe "nein, so ist das nicht", wollte sie, dass ich sie korrigiere und sage, wie es tatsächlich ist. sie ließ mich dann eine weile reden und schon während ich redete, merkte ich, dass ich nicht und nicht zum punkt komme, nicht einmal in die nähe davon. ich verliere mich dann in irgendwelchen unwichtigkeiten, die gar nichts zur sache tun. sie versuchte mir zu helfen, in dem sie fragen stellte, aber das fand ich dann plötzlich zu viel und zu intim. was wohl bescheuert ist, in einer therapie so zu denken.

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    ...ich hoffe, dass Du dort lernst "DU ZU SEIN"

    ja... wenn ich nur wüsste, wer das ist. :-(

    Reden über Konkretes...

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    ich finde es schwer und kann es nicht gut. einfach sagen was wirklich sache ist, nicht einmal teilweise. ich bin da irgendwie ziemlich blockiert und gestört.

    Dein Vergehen hast Du so tief in Dir drin gebunkert und NIE mit Aussenstehenden darüber gesprochen. Von da her erklärt sich die Blockade und dass Du (noch nicht) diesen Bunker aufschliessen kannst.

    Zitat

    das ist am ende auch mein riesen anteil daran wenn die therapeutin falsche schlüsse zieht. ich kann es nicht einmal annähernd berichtigen. als ich zu einer ihrer schlussfolgerungen gesagt habe "nein, so ist das nicht", wollte sie, dass ich sie korrigiere und sage, wie es tatsächlich ist.

    Du hast zwar reden gelernt... vor vielen Jahren - aber nun findest Du die Sprache (noch) nicht wieder.

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    sie ließ mich dann eine weile reden und schon während ich redete, merkte ich, dass ich nicht und nicht zum punkt komme, nicht einmal in die nähe davon. ich verliere mich dann in irgendwelchen unwichtigkeiten, die gar nichts zur sache tun.

    Je nach dem sind "Unwichtigkeiten" auch wichtig - auch wenn sie nichts "zur Sache tun". Möglicherweise denkt die Therapeutin, dass Du ausweichst und hoffst, sie würde keine Fragen stellen.

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    sie versuchte mir zu helfen, in dem sie fragen stellte,

    JA, das sind die "Anschubse" der Therapeuten. Ich kenne das SOOO gut aus eigenem Erleben.

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    aber das fand ich dann plötzlich zu viel und zu intim. was wohl bescheuert ist, in einer therapie so zu denken.

    Ja, so "musst" Du in einer Therapie nicht denken. Da gibt es nichts Intimes, was nicht auf den Tisch kommen darf. Die Therapeutin hat ärztliche Schweigepflicht. Bei IHR ist all das, was Du sagst, gut aufgehoben und mehr noch: es sind für sie die Mosaiksteinchen (hatte ich schon mal erwähnt), mittels derer irgendwann das ganze Bild entstanden ist.


    Wichtig noch - auch da wiederhole ich mich -: Die Therapeutin wertet nicht! Sie arbeitet mit Dir und nimmt dazu das, was Du preisgibst. Sie denkt NICHT, dass Darkness eine unwerte Person ist. Sie sieht die junge Frau auf dem Stuhl sitzen, die sich so schwer tut mit ihrer Vergangenheit und die JETZT bereit ist, das Ganze aufzuarbeiten.


    Gehst Du nächsten Donnerstag wieder zur Sitzung?


    Als ich meine Therapie anfing, gewöhnte ich mir an, nach jeder Sitzung aufzuschreiben, was ich erzählte, was der Psychiater dazu meinte und welche Schlussfolgerungen ich daraus zog. Dabei kamen mir immer wieder neue Fragen und die notierte ich auch. Vor der nächsten Sitzung druckte ich das Ganze aus und sandte es dem Psychiater. Der war hoch erfreut darüber, sagte, dass das sonst kaum wer macht, aber SO geht die ganze Therapie schneller, da effizienter, weil ER anhand meiner Aufzeichnung merkt, was ich richtig verstanden hatte und was falsch. Am Anfang jeder Stunde diskutierten wir kurz über mein Resumé und dann ging es weiter mit dem, was für mich gerade brennend war.


    Nach 3Jahren war ich ziemlich "gesund" (=seelisch) und seitdem gehe ich noch jedes Vierteljahr einmal zum Psychiater. Denn - Du glaubst es nicht - immer wieder tauchen kleine Déjà-vus auf, die ich besprechen kann und fachkundigen Rat bekomme. Insgesamt sind es jetzt 12 Jahre. Ab Jahr 4 empfinde ich das Ganze als "Komfortzone" und der Psychiater ist schlau genug, der KK eine Rechnung zu schicken mit den entsprechenden Positionen... zum Glück zahlt die 4 Sitzungen die Krankenkasse. Ich selber könnte es mir nicht leisten.


    Überlege das mit dem "Therapie-Tagebuch". Ich bin überzeugt, dass es DIR hilft - und der Therapeutin bei der Arbeit mit dem, was es zu verarbeiten/verdauen gibt in Deiner Biografie.


    Immer schön am Ball bleiben, gell! Fühl Dich durch mich jedoch nicht gedrängt, ich will Dir bloss MUT machen.


    :)* @:)

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    ...ich hoffe, dass Du dort lernst "DU ZU SEIN"

    ja... wenn ich nur wüsste, wer das ist. :-(

    DU bist die Frau, die Du verloren/vergessen hast, als das Unfassbare geschah und einen Riss in Dein Leben brachte.


    DIE Frau wirst Du im Laufe der Therapie wiederfinden - hoffe ich - und dann heisst sie nicht mehr Darkness sondern Brightness.

    Ich denke, dass es sowas wie Schuld eigentlich nicht gibt. Es gibt Konsequenzen.


    Du hattest eine ganz bestimmte Situation, in der Du eine Entscheidung getroffen hast, etwas zu tun (oder nicht zu tun). Jetzt kannst Du mit der Entscheidung nicht leben. Lass mich sagen, dass das, was passiert ist, Vergangenheit ist. Du kannst daran jetzt nichts mehr drehen. Du musstest eine Entscheidung treffen und Du hast es getan. Das war gut und richtig. Es war besser als keine Entscheidung zu treffen. Von daher war es sogar mutig. Dass es möglicherweise die falsche Entscheidung war, tut überhaupt nichts zur Sache, denn wir machen alle Fehler. Wenn Du aber jetzt sagst: ich habe Angst, die nächste Entscheidung zu treffen, dann blockierst Du dich.


    Was kannst Du also tun?


    Du hast den ersten Schritt schon gemacht, Du hast dir jemanden gesucht, der dir helfen kann, diese Sache für dich aufzulösen. Du schaffst es nur nicht, dich zu öffnen. Dann lass doch die Schuld und dieses Ereignis erstmal liegen und schau zu deiner Angst, dich zu öffnen. Das mit der Schuld läuft dir nicht weg.

    @koltrast

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    Dein Vergehen hast Du so tief in Dir drin gebunkert und NIE mit Aussenstehenden darüber gesprochen. Von da her erklärt sich die Blockade und dass Du (noch nicht) diesen Bunker aufschliessen kannst.

    aber im kopf weiß ich doch dass ich reden muss. sonst bringt mich das alles mit der therapie keinen einzigen schritt weiter. ich ärgere mich so über mich, weil ich nicht mal das auf die reihe bekomme.

    Zitat

    Ja, so "musst" Du in einer Therapie nicht denken. Da gibt es nichts Intimes, was nicht auf den Tisch kommen darf. Die Therapeutin hat ärztliche Schweigepflicht.

    ich weiß das eigentlich.

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    Die Therapeutin wertet nicht! Sie arbeitet mit Dir und nimmt dazu das, was Du preisgibst. Sie denkt NICHT, dass Darkness eine unwerte Person ist.

    aber ich BIN eine unwerte person. ich habe großen mist gebaut, mehr als großen mist und bin weggelaufen, anstatt zumindest zu versuchen es wieder gut zu machen oder um verzeihung zu bitten. ich denke die meiste zeit auch nur an mich und meine gefühle. das ist nicht richtig. ich schäme mich so. ich kann gar nicht sagen WIE SEHR ich mich schäme und ich habe auch angst.

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    Als ich meine Therapie anfing, gewöhnte ich mir an, nach jeder Sitzung aufzuschreiben, was ich erzählte, was der Psychiater dazu meinte und welche Schlussfolgerungen ich daraus zog. Dabei kamen mir immer wieder neue Fragen und die notierte ich auch.

    das ist ein sehr guter tipp, koltrast. ich war nach diesen beiden terminen nämlich immer sehr müde und zugleich "voll". mein kopf hat gebrummt und gesurrt weil da so vieles war, was die therapeutin gesagt hat und am ende konnte ich gar nicht alles richtig behalten und mir merken. wenn ich es aufschreibe kann ich auch später in ruhe und mit wieder kühlem kopf noch einmal über alles nachdenken. das mache ich bestimmt, danke für die idee.


    und ja, immer donnerstags. erstmal für 20 wochen und dann liegt es bei der therapeutin ob sie findet, ich brauche noch weitere stunden und das so an die krankenkasse weiter gibt.

    Zitat

    DU bist die Frau, die Du verloren/vergessen hast, als das Unfassbare geschah und einen Riss in Dein Leben brachte.


    DIE Frau wirst Du im Laufe der Therapie wiederfinden - hoffe ich - und dann heisst sie nicht mehr Darkness sondern Brightness.

    du schreibst immer so liebe sachen und ich kann das gar nicht richtig annehmen. aber danke von herzen

    @saldo

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    Lass mich sagen, dass das, was passiert ist, Vergangenheit ist. Du kannst daran jetzt nichts mehr drehen. Du musstest eine Entscheidung treffen und Du hast es getan. Das war gut und richtig. Es war besser als keine Entscheidung zu treffen. Von daher war es sogar mutig. Dass es möglicherweise die falsche Entscheidung war, tut überhaupt nichts zur Sache, denn wir machen alle Fehler.

    das ist ein sehr pragmatischer zugang und du verstehst vielleicht dass ich es so nicht sehen kann und die anderen beteiligten sicher auch nicht konnten. ja manchmal passieren fehler und das ist okay, doch es gibt auch welche die man nicht zurücknehmen kann. das war es dann.


    besser als keine entscheidung zu treffen... ich bin so


    oft in gedanken zurück an den punkt an dem ich mich damals zu dieser tat entschieden habe. wie anders das leben meiner familie und mein leben verlaufen wäre wenn ich es nicht gemacht hätte oder zumindest anders. ich kann das gar nicht zu ende denken weil mir davon einfach nur schlecht wird.

    Zitat

    Dann lass doch die Schuld und dieses Ereignis erstmal liegen und schau zu deiner Angst, dich zu öffnen. Das mit der Schuld läuft dir nicht weg.

    ja ich muss erst das mit der angst hinkriegen, es wird nur schritt für schritt gehen.


    aber doch: mir läuft etwas weg, mein leben.


    ich will mich nicht beschweren. ich habe eine gute ausbildung gemacht, jetzt einen guten, schön anstrengenden job und eine gute, kleine wohnung und komme mit meinem geld ganz genau aus. aber ich gehe zur arbeit und komme nach hause und gehe wieder zur arbeit und komme wieder nach hause und eigentlich ist es gar kein richtiges zu hause. auf jedenfall will ich einfach mit nichts und niemanden auf negative weise aneinander geraten. ich denke oft: das war es jetzt, das ist es gewesen mit dir. ich habe mich zwar ganz alleine hierher gebracht und jammern ist unangebracht, aber trotzdem macht es mich manchmal sehr traurig.

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    aber im kopf weiß ich doch dass ich reden muss. sonst bringt mich das alles mit der therapie keinen einzigen schritt weiter. ich ärgere mich so über mich, weil ich nicht mal das auf die reihe bekomme.

    Gib' Dir noch etwas Zeit! "Der Kopf" weiss Vieles - und Manches besser - aber die Seele braucht etwas länger. Du bekommst aktuell eigentlich ziemlich viel auf die Reihe: trotz der enormen Schwere, die auf Dir lastet und Dir fast den Atem nimmt, gehst Du einer geregelten Arbeit nach.

    Zitat

    aber ich BIN eine unwerte person. ich habe großen mist gebaut, mehr als großen mist und bin weggelaufen, anstatt zumindest zu versuchen es wieder gut zu machen oder um verzeihung zu bitten.

    Nein, das bist Du deswegen nicht! Möglicherweise würde eine andere Familie "den grossen Mist" als "Jugendsünde" empfinden und mit dem entsprechenden Donnerwetter ahnden - aber auch mit der entsprechenden Nachsicht. Vielleicht hätte eine andere Familie Dich gestraft und einen "Wiedergutmachungsplan" aufgestellt.


    Bist Du aus dem westeuropäischen Kulturkreis? Andere Kulturen sehen Untaten oft aus anderem Blickwinkel, zum Teil auch religiösem.

    Zitat

    ich denke die meiste zeit auch nur an mich und meine gefühle. das ist nicht richtig. ich schäme mich so. ich kann gar nicht sagen WIE SEHR ich mich schäme und ich habe auch angst.

    Woran sollst Du sonst denken? Leider "musst" Du sozial isoliert leben und kannst Dich auch Deinen Arbeitskollegen gegenüber nicht öffnen, damit Du Dich nicht "verrätst".


    Dass Du Dich schämst, ist gut! Wer sich schämt, bereut. Und die Reue ist schon der erste - grosse - Schritt zurück in ein zweites, neues Leben.


    Du hast auch Angst. Das verstehe ich gut. Vielleicht gelingt es Dir im Rahmen der Therapie, die Angst zu benennen, sie "aufzuteilen" (oft hat man verschiedene Ängste) und stückweise zu überwinden.

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    das ist ein sehr guter tipp, koltrast. ich war nach diesen beiden terminen nämlich immer sehr müde und zugleich "voll". mein kopf hat gebrummt und gesurrt weil da so vieles war, was die therapeutin gesagt hat und am ende konnte ich gar nicht alles richtig behalten und mir merken. wenn ich es aufschreibe kann ich auch später in ruhe und mit wieder kühlem kopf noch einmal über alles nachdenken. das mache ich bestimmt, danke für die idee.

    Schön, dass ich Dir ein bisschen helfen konnte. Du beschreibst so gut das zugleich müde und voll sein - und das Gedankenkreiseln, weil man "alles" behalten will und "nichts" vergessen. Ich glaube, dass Du recht viel "Input" von dieser Therapeutin bekommst und das ist das Beste, was Dir passieren kann.

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    du schreibst immer so liebe sachen und ich kann das gar nicht richtig annehmen

    ...weil ich fest überzeugt bin davon, dass Du eine völlig normale, liebenswerte junge Frau bist. In Deinen Beiträgen sehe ich auch eine grosse Reife. Wer durch die Hölle musste, reift schneller als Gleichaltrige. Du hast schon einen langen Prozess hinter Dich gebracht, bevor Du hier diesen Faden eröffnet hast.


    Wenn Du öfters zuhause wärst, als Du mal geschrieben hast, würde ich Dir das Geld für ein Kätzchen schicken - dann wärst Du nicht ganz alleine zuhause. Vielleicht würde Dein nicht "richtiges zuhause" zu einem Heim, wenn Dich jemand empfängt.

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    in gedanken zurück an den punkt an dem ich mich damals zu dieser tat entschieden habe. wie anders das leben meiner familie und mein leben verlaufen wäre wenn ich es nicht gemacht hätte oder zumindest anders. ich kann das gar nicht zu ende denken weil mir davon einfach nur schlecht wird.

    Irgendwann wirst Du in der Therapie noch einmal zurück zu dem Punkt gehen und die verschiedenen Szenarien durchleuchten. So kann es gelingen, den Themenkreis von Tat / Schuld / Entsetzen / Trauma usw. Stück für Stück zu bearbeiten, damit Dir wieder ein normales Leben möglich wird. Sicher wird auch die (gewiss lange) Vorgeschichte zur Tat zur Sprache kommen und Du wirst wohl sehen, dass nicht "alle" Schuld bei Dir liegt.

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    ja manchmal passieren fehler und das ist okay, doch es gibt auch welche die man nicht zurücknehmen kann. das war es dann.

    Man kann keinen Fehler zurücknehmen.


    Man kann nur daraus lernen. Dafür sind Fehler da. Du wirst noch mehr machen im Rest deines Lebens. Dich jetzt zu kasteien und in der Vergangenheit zu leben ist nur gut für Selbstmitleid.


    Was willst Du das nächste Mal machen, wenn eine Entscheidung ansteht, die vielleicht so ähnlich gelagert ist, wie die, die dir jetzt so Kummer bereitet? Willst Du wegrennen? Keine Entscheidung zu treffen versuchen? Auf jeden Fall die richtige Entscheidung gibt es nicht - gibt es nie. Das kann man vorher nicht wissen. Du kannst aber zu dir stehen, so wie jeder andere Mensch auch.