teil 2


    der schlüsselerlebnis war bei mir die therapie, und ja, ich muss ehrlicherweise sagen das ich mich mit der therapeutin super verstehe, ich hatte nicht einmal freunde womit ich mich so gut verstand, und das ist ein riesenglück, aber ich glaube nicht das das alles ist, denn ich hab' auch mit mein psychiater, den ich immer noch nicht mag, und umgekehrt, auch gelernt mit zu machen, und es funktioniert doch auch.


    kleines, aber nettgemeintes seitenstich an dich, es hätte mit beiden nichts gebracht, wenn ich eine gefestigte "ist eh alles schei**e" einstellung gehabt hätte... sei mir nicht böse, ich weiss nicht wie du mit ärzte und therapeuten umgehst, es kann also nur ironisch gemeint sein, aber unter jeden spass versteckt sich doch ein bisschen wahrheit... ;-)


    jaa, meine therapeutin hatte am anfang angst vor mir, und mein psychiater mag mich nicht, und tatsächlich war meine einstellung "alles schei**e", mit den unterschied das es mir klar war, das wenn ich alles blockiere, was von den beiden kommt, nichts erreichen kann.


    mit den psychiater habe ich mich mehrmals gestritten, weil er mich nicht reden liess, dafür ging mir auf die nerven was er von mir verlangte, denn das war genau das, was ich nicht kann, genau bezeichnen wie es mir geht, und wann und warum und in welche situation usw, das kann ich jetzt besser, aber selbst jetzt, wie man merkt :=o , muss ich lawinenweiser reden um was zu erklären, vor zwei jahren alles in ein paar wörter zu komprimieren war mir einfach nicht möglich. und ich tat trotzdem was ich konnte, so gut wie ich konnte, ich hätte auch "ach f**k dich" denken können, nee, habe ich oft gedacht, aber ich habe es trotzdem getan, und siehe da, es hat was gebracht...


    mit der therapeutin war es natürlich einfacher, für sie, nachdem sie gemerkt hatte das sie keine angst vor mir zu haben braucht, für mich war es vielleicht sogar schwieriger, weil sie viel zu nett war, um sie zur hölle zu schicken. aber auch sie verlangte nach sachen, die mir unmöglich waren, und auch da habe ich es versucht, so gut wie es ging, und habe ihr erklärt wieso ich welche schwierigkeiten womit habe.


    nach 6-7 sitzungen änderte sie die strategie, und später noch einmal, am ende war es keine klassische VT, sondern eine mischung aus VT, kognitives irgendwas und noch eine, keine ahnung von den definitionen, aber endeffekt haben wir so gequatscht, eigentlich wie wir es hier tun. klar, offener, tiefer, und sie hat sich viiiiel kräftigere tritte im arsch oder wiederreden geleistet, als ich es mir je mit dir, oder egal wen erlauben würde, schliesslich bin ich kein therapeut...


    sie hat mir nie einen irgendwelchen weg gezeigt, aber sie hat gut zugehört, und vieles infrage gestellt, die antworten musste ich aber selbst finden, und das war meistens unbewusst, das war das faszinierende dabei... ich bin jedes mal da weg gegangen, mit tausende fragen und gedanken im kopf, aber überhaupt nichts klares, 90% hatte ich eh schon eine minute später vergessen, aber in himtegrund, irgendwo tief in meinem kopf arbeitete was, die gespräche haben in meinem kopf andere zahnräder in bewegung gesetzt, die schon sehr lange brach lagen.


    und wieder, das hätte nicht passieren können, wenn ich da nicht mitgemacht hätte, ich hab' mir monate, ja, jahrelang den kopf zermartert, und ich konnte weder verstehen wo sie hin will, noch was das bringen sollte, aber erstens waren die gespräche sehr stimulierend, und es tat gut das ich mich immer auskotzen durfte, und zweitens passierte doch was mit mir, ich hatte sonst immer den eindruck das ich im kino sitze, und sehe wie mein leben da vorbeiläuft, von anderen gelenkt, ohne das ich eingreifen kann, und so waren auch die gespräche, wir haben über mich geredet, aber alles worüber wir sprachen war so abstrakt irgendwie, ich hab' schon immer das problem gehabt, das ich nie in der lage war, auf meine zukunft hin zu arbeiten, wie soll ich es erklären...


    also, das hänchen morgen gab es für mich nie, und auch nicht das ei heute, für mich musste es immer das wachtelei sofort sein, auch wenn ich genau wusste das ich morgen verhungern würde, das wissen und das tun waren für mich schon immer, und in den letzten paar jahrzehnten immer mehr, völlig voneinander getrennt, in zwei verschiedene dimensionen.


    jaa, mit der zeit brachte mich die therapie dazu, diese zwei dimensionen näher zu bringen, das ganz abstrakte zeug wurde immer greifbarer, hoffnung war nicht mehr irgendwas theoretisches, worauf ich keinen einfluss hatte, und langsam wurde aus den "alles schei**e ein haufen menschliche problemen, menschlich in dem sinne, das man weder magie, noch superkräfte, noch ausserirdische technologien dazu braucht, um dagegen zu kämpfen. und das war der schalter, der sich umgelegt hat, und erst ab den moment haben die (zehnten oder so...) medis auch was bringen können.


    und darin liegt, meine meinung nach, auch die antwort darüber, worin die therapie gegen depressionen bestehen soll, ganz einfach, nur darin das man erkennt das nicht alles scheisse ist, es sind nur problemen die man angehen kann, was natürlich nicht bedeutet das es einfach sei, oder das es schnell geht, sondern das man es schwer genug hat, ohne das man es sich selbst noch schwer macht, das man diesselbe energie auch darin stecken kann, das es einem besser geht, usw, ich könnte jetzt noch tausende plattitüden nach art der Bunte-lebensratgeber zufügen, aber so ist es doch schon deutlich und peinlich genug, oder? ;-D


    ich hatte dich gefragt was du an dir magst usw, und schrieb absichtlich "ohne aber", das hat meine therapeutin mit mit gemacht, ich hab' sie gehasst deswegen, ich konnte nicht ohne "aber" antworten...


    jaa, wie hast du geantwortet?


    finde ich blöd, ich kann nicht, zwei mal "aber", und eine reihe hauptsächlich negative sachen, die man an dir ausnutzen könnte.


    eine therapie gegen depressionen besteht darin, das du verstehst (nein, nicht das du anderen "ja" sagst, so das sie dich nicht nerven, und nein, nicht das du "könnte sein" denkst, und nein, nicht das jemand anderem dich dvon überzeugt), das du merkst, das du nicht nur aus negative sachen bestehst, und genau so ist es mit dem leben, ja, es gibt viel schei, aber eben nicht nur schei.


    du bist nett, geduldig, einfühlsam, und sogar stark, wenn auch nur in manche bereiche (du gehst trotz allem jeden tag schaffen, das ist in meine augen was riesiges, und du arbeitest nicht seit gestern dort, also machst du dein job zumindest nicht schlecht), wenn es auch nur eine ist, du hast wenigstens eine freundin, sei sie auch nur eine brieffreundin, irgendwas wird sie an dir finden, usw usf, ich kenne dich zu wenig um da weiter zu machen, der rest musst du wiederentdecken.


    und genauso ist es mit dem leben, klar ist es für anderen nichts, wenn die irgendwo anrufen, ich hab' aber fast vor freude geheult als ich gelesen habe, das du in der klinik angerufen hast, du hast das recht dich darüber zu freuen, und das solltest du wieder lernen... :)_

    achso, ja, ich bin auch so einer, der sich in die arbeit stürzte, und ich hab' sogar riesige (für mich) erfolge damit gehabt, aber genau diese diskrepanz zwischen "bester und sauberster koch" (fast o-ton) auf der arbeit, und vegetierender messie zuhause war, naja, ist noch das allerschlimmste...


    aber es wird, langsam...

    heute geht es mir schon nicht so gut, ich sitze da habe negative Gedanken und weiß nichts mit mir anzufangen, könnte jetzt Seroquel nehmen und schlafen, aber diese Müdigkeit ist manchmal gar nicht so schön, erst wenn man schläft ist es schön und ich weiß nicht ob ich jetzt schlafen könnte, bin erst seit 2h wach. Könnte auch ein Bier trinken, aber wie dämlich ist das denn, Suchtverlagerung von Benzos zu Alkohol, aber die Wirkung ist echt kurz und gar nicht wirklich beruhigend und danach geht es mir schlechter, also alles keine wirklich guten Optionen. Über Benzos braucht man nicht reden, wo fange ich an und wo höre ich auf, wenn es mir heute schlecht gehen würde wäre es vertretbar, bzw könnte ich es dann einfach aussitzen, aber was mache ich morgen, was übermorgen, was nächste Woche, soll ich da auch Benzos nehmen? Aber mir geht es nicht gut und nichts hilft (GERADE IN DEM MOMENT (bevor jetzt wieder irgendjemand meine Negativität bemängelt, vielleicht hilft Therapie schon, ABER JETZT IN DEM MOMENT HABE ICH NICHTS WAS MIR HILFT).

    hey, notT, guten morgen!


    ...und das ist keine verarsche, nur ein wünsch! ;-)


    was ist denn mit dir heute los, ist was passiert?


    hast du nicht eine lieblings CD oder irgendsowas, das dir in diesen momenten hilft?


    ich springe da wie ein bescheuerter rum, eine halbe stunde lang, dann geht es mir besser... :-o


    ich empfehle die classics bei Sunshine Live, es läuft gerade, noch eine halbe stunde...


    ein kleines spaziergang zum ablenken, irgendwas was dir gefällt tun, und nicht zu schwer ist?

    Zitat

    aber was mache ich morgen, was übermorgen, was nächste Woche, soll ich da auch Benzos nehmen? Aber mir geht es nicht gut und nichts hilft (GERADE IN DEM MOMENT (bevor jetzt wieder irgendjemand meine Negativität bemängelt, vielleicht hilft Therapie schon, ABER JETZT IN DEM MOMENT HABE ICH NICHTS WAS MIR HILFT).

    Alexir sagt es schon: Jetzt, in diesem Moment, kann Ablenken helfen.


    So wie es sich liest, sitzt du aber wie hypnotisiert vor deinen Ängsten, und das passive Nachgrübeln steigert diese wie eine Spirale bis zur Unerträglichkeit. Deine Gedanken gehen panische Wege. So redest du zuerst von "Aussitzen", was ich lieber "Aushalten" nennen würde - und gleich darauf von übermorgen, nächste Woche … und überhaupt. Damit, mit dieser ängstlichen Voraussicht, steigerst du allein damit "perfekt" deine Angst.


    Du hast doch immer nur einen einzigen Moment zu bewältigen, nämlich den gerade gegenwärtigen. Wenn du aufhören könntest, deine Angst schon vorauszudenken, ginge es dir besser, MUSS es dir besser gehen. Laufen, tanzen, singen … kann von den Gedanken, wie gesagt, befreien.


    Als "Lösungsmöglichkeit" siehst du ausschließlich Medis und Alk. Immerhin siehst du auch, dass es keine wirklichen Lösungen sein können.

    zwack, ich habe am Montag Termin in der Klinik, morgen kann ich nicht zu meinem Arzt, würde ich mir auch nicht zutrauen


    Aelixir, ich höre keine Musik, zum spazieren gehen kann ich mich ja nicht mal aufraffen, wenn es mir etwas besser geht


    Hayley, ja ich sitze einfach da und mache nichts, aber nicht weil ich das so lustig finde

    jaa, ich kenne die wochenenden, aber ja, bei mir ist es unter der woche nicht anders...


    ja wie, du hörst keine musik? nie??? :-o


    ich kann nicht ohne, bei mir läuft IMMER musik, dafür ist mein fernseher nie an...


    musik hilft mir oft, wenn ich depri bin höre ich richtiges deprizeug, wenn ich wütend bin brauche ich was heftiges, und mal eine runde rumspringen ist sehr gut gegen die innere unruhe...


    mann, notT, gönn dir doch was schönes, bittteeeeee!!! :)_

    Zitat

    Hayley, ja ich sitze einfach da und mache nichts, aber nicht weil ich das so lustig finde

    Das denke ich mir. Warum sagst du das so - gereizt? Oder interpretiere ich den Satz nur so? ":/


    Meinst du, ich schnacke nur "klug daher" und weiß nicht, wie das ist? Da irrst du - ich weiß aus eigener Erfahrung, wie gelähmt man sich fühlen kann. Aber bei dir spüre ich momentan noch nicht den unbedingten Willen, dich aus der Misere wirklich zu befreien. Da kommt immer ein "Ja, aber …" Kenne ich auch, war bei mir früher genauso.


    Nur: Du fragst um Hilfe, und wenn die Antwort kommt, schüttelst du den Kopf - geht alles bei dir nicht - merkst du ...?