• Ich bin lebensmüde

    In Hinblick auf die Tatsache, dass das Thema wenig Beachtung finden wird, poste ich dennoch mal meine Gedanken. Mein Leben verlief in vielerlei Hinsicht nicht optimal - sei es bedingt durch das Elternhaus und dortige Alkoholprobleme, Mobbing im Kindesalter und Ausgrenzung. Vieles hat tiefe Spuren hinterlassen.Ich weiß, dass ich unwichtig bin. Für die…
  • 153 Antworten

    Meine Kindheit war auch schlimm und manchmal habe ich das Gefühl, dass alles was ich in mein Leben tue, immer nur ein Versuch ist diese Mängel zu kompensieren. Ich denke, das kann nur jemand verstehen, der das auch erlebt hat.

    Ich versuche in Moment mit radikalen Akzeptanz. Ist aber, nicht immer leicht, denn wenn, ich akzeptiere, habe ich das Gefühl, dass ich die Menschen, die mir damals so viel Leid angetan habe, auch verzeihe und sie verzeihen kann und möchte ich auch nicht. Aber ich weiß, dass es vorbei ist und ändern lässt sich auch nicht mehr.


    Ich hab immer versucht neue Freunde zu finden. Meine Therapeuten haben mich immer daran bekräftigt, dass ich mehr unter Leuten soll, neue Kontakte knüpfen und irgendwann wird sich schon was ergeben. Aber so einfach ist es nicht. Es ist anstrengend und kostet eine Menge Kraft immer die Leute hinterher zu laufen, immer diejenigen sein, der nach ein Treff fragst. Und sobald ich mich nicht mehr melde, ist alles vorbei😢

    Seit dem Corona hat sich einiges geändert. Ich muss/ darf niemand mehr treffen. Ich hab diesen Druck nicht mehr, mich ständig bei jemandem melden zu müssen.

    Ich fühle mich frei. Ich hab meine Kinder und meine Katzen. Mit meinem Mann kann ich leider nicht zählen. Er ist Asperger und kann mit Gefühlen wie Freundschaft oder Einsamkeit nichts anfangen😞

    Ich gehe viel spazieren in der Natur. Der Frühling ist einfach wunderschön😉

    Ich lerne mich selbst zu genügen und das ist ein gutes Gefühl😊

    Zitat


    Ich sehe aber schon hier, dass viele Ideen sehr auseinander driften und so geht es mir persönlich auch.

    Das ist so, weil Menschen nun mal unterschiedlich ticken. Ich glaube ein Patentrezept gibt es da nicht.

    Zitat

    Es ist schwer sich zu entscheiden, wenn man eine weitere Irrfahrt vermeiden möchte

    Das wird sich nicht vermeiden lassen. Der passende Mensch ist schwer zu finden. Und vielleicht solltest du dich auch davon lösen, einen Menschen finden zu wollen, der dauerhaft oder sehr langfristig zu dir passt. Nimm erstmal das, was dir über den Weg läuft. Aber gib eben nicht zu viel von Anfang an. Lass dir Zeit beim Kennenlernen. Die Langfristigkeit ergibt sich nur automatisch.

    Zitat

    Offensichtlich habe ich vieles im Leben falsch entschieden und natürlich heute Angst wieder Fehler zu machen

    Was hast du denn falsch gemacht, deiner Meinung nach?

    Zitat

    Dann soll es lieber schlecht bleiben, bevor es noch schlechter wird. Tendenziell wird es bei mir nämlich das immer.

    Ganz schlechte Einstellung. Wenn du das nach außen ausstrahlst, dann wird das nichts mit dem Leute kennen lernen.

    Zitat

    Wie erwähnt bin ich sehr hilfsbereit und war schon immer ein gebender Mensch. Ich habe dafür auch nie etwas zurück erwartet - es wäre nur schön gewesen mal ein Danke zu hören oder wenn man selbst mal Hilfe benötigt nicht nur Abweisung zu bekommen

    Die Frage ist, wie schnell und wie viel du gibst. Das kannst du vor dem Hintergrund deiner Erfahrungen für dich selbst definieren. Wenn du die Erfahrung gemacht hast, dass viele nur vom Stamme Nimm sind, dann gibst du eben zukünftig nicht mehr so schnell und nicht so viel. Und wenn das nie auf Dankbarkeit trifft und immer für selbstverständlich erachtet wird, dann wird da eben nicht mehr geholfen. Und wenn du andere um Hilfe bittest und keine bekommst, dann würde ich da die Hilfe auch einstellen. Klar besteht da die Gefahr, dass man wieder allein dasteht. Aber solche Freunde brauchst du nicht. Da ist parallel dran zu arbeiten mit sich selber glücklich zu sein tatsächlich sinnvoll. Diesbezüglich bist du da...

    Zitat

    Es ist oft genug passiert und heute frage ich auch einfach nicht mehr. Für viele scheine ich "Luft" zu sein und heute störe ich mich nicht mehr wirklich dran

    ...schon auf der richtigen Fährte.

    Zitat

    Die Frage ist dann nur, was man dann hier eigentlich noch macht, wenn man als Person völlig unbedeutend ist. Jeder will doch auch irgendwie gebraucht werden. Hänge ich mich da weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass das ein menschliches Bedürfnis ist?

    Puh, schwierige Frage. Also wer mit seinem Kram vollauf beschäftigt ist, der wird wahrscheinlich froh sein, wenn er nicht noch gebraucht wird. Ich vermute, dass du deswegen gefühlt immer an die gerätst, die nichts zurückgeben.

    Und arbeitende Menschen werden ja immer gebraucht. Kinder brauchen ihre Mütter.

    Kann also durchaus sein, dass jeder gebraucht werden will. Die Frage ist, in welchen Situationen man sich gebraucht fühlt.

    Aber du existierst doch nicht nur für andere. Ich glaube, wenn du dir über deinen Selbstwert klar werden würdest, hättest du anderen gegenüber eine andere Ausstrahlung.

    Zitat

    Ja, guter Job ... mit "gut" meinte ich hier tatsächlich etwas, dass mir Spaß macht. Ich vergaß, dass heute vieles materiell gewertet wird. Ich habe ein Auskommen, aber große Sprünge sind nicht drin

    Das sollten sich mal einige hinter die Ohren schreiben. Super Einstellung.

    Sich totackern und der Job macht auch gar keinen Spaß. Aber Hauptsache viel verdienen.

    Du verbringst den größten Teil des Tages bei der Arbeit. Da sollte das schon gefallen, was man da so macht, denke ich. Und wenn du deinen Lebensunterhalt nach deinen Vorstellungen finanzieren kannst, ist doch alles paletti. :-D

    Zitat

    Durch die Arbeit bleibt leider auch kaum Zeit für andere Dinge. Manchmal habe ich auch das Gefühl in so einer Burnout-Schleife zu hängen. Arbeiten - schlafen - arbeiten - schlafen ... da wird die schönste Arbeit irgendwann zur Tristesse.

    Vor allem stört mich da auch der enorme (Zeit-)Druck, der immer auf einem lastet

    Ok, dass ist schlecht. Vielleicht hilft dir, mal drüber nachzudenken, ob der Job wirklich so gut ist wie im vorherigen Zitat von dir beschrieben oder ob der doch seine Tücken hat. Dann lieber mal langfristig nach einem neuen Job umschauen. Wenn die Zeit ein Problem ist, hilft es vielleicht auch schon, wenn möglich, ein paar Stunden zu reduzieren.

    Ansonsten hilft gegen die Tristesse vielleicht ein Hobby. Das Thema kam ja hier im Faden schon mal auf. Du müsstest da vielleicht mal verschiedene Sachen ausprobieren. Wenn es nichts ist, kann man es ja wieder lassen - aber bitte vielleicht nicht nach dem allerersten Versuch. Vielleicht hilft auch etwas, wo du gezielt unter Leute kommst. Gemeinsame Interessen verbinden. Und wenn du weißt, wo deine Interessen liegen, kannst du anderen Menschen zum Kennenlernen auch mehr anbieten. Das verschafft dir mehr Gesprächsthemen und macht dich interessanter.

    Liebe TE,


    hier kommen noch ein paar Anmerkungen von mir:

    Alias 972854 schrieb:

    Wenn man mit einem IQ über 130 ein Geringverdiener ist, wurde da einfach massiv etwas falsch gemacht

    Das sehe ich auch so. Die Frage ist, wer hat was falsch gemacht? Ein IQ von 130 sagt erstmal nichts über die sozialen Fertigkeiten aus. Bzw. es führt auch zu sozialer Ausgrenzung, weil die anderen einen nicht verstehen bzw. weil die anderen einen als zu abgehoben sehen. Meine Meinung: beschäftige dich mit dem Stichwort "Hochbegabung" und den sozialen Schwierigkeiten, die daraus resultieren. Vielleicht gewinnst Du da neue Erkenntnisse und weitere Anlaufstellen.

    Alias 972854 schrieb:

    Ja, guter Job ... mit "gut" meinte ich hier tatsächlich etwas, dass mir Spaß macht. Ich vergaß, dass heute vieles materiell gewertet wird. Ich habe ein Auskommen, aber große Sprünge sind nicht drin. Durch die Arbeit bleibt leider auch kaum Zeit für andere Dinge. Manchmal habe ich auch das Gefühl in so einer Burnout-Schleife zu hängen. Arbeiten - schlafen - arbeiten - schlafen ... da wird die schönste Arbeit irgendwann zur Tristesse. Vor allem stört mich da auch der enorme (Zeit-)Druck, der immer auf einem lastet.

    Mit einem IQ von über 130 sollten Routinetätigkeiten (zu) einfach sein. Das langweilt einen schnell. Es ist nicht einfach, etwas zu finden, was einem dauerhaft Spaß macht. Da sehe ich nur eine Möglichkeit: Ausprobieren....

    Der Zeitdruck: das hast Du in der Hand. Ich glaube, Du hast noch einen Hang zum Perfektionismus - dann ist der Druck von Dir selbst verursacht.

    Zu einem hohen IQ:


    Es gibt doch immer die Möglichkeit eine Weiterbildung zu machen, Abitur nachzuholen und vielleicht noch zu studieren, etc. - es gibt so viele Möglichkeiten in unserer westlichen Welt, im Vergleich zu anderen Ländern leben wir doch im Paradies, was Bildung anbelangt.


    Auch mit 40/50J kann man nochmals etwas Neues beginnen.


    Wenn du einen hohen IQ hast, dann mach was draus. Ich würde den IQ vielleicht aber vorab noch professionell überprüfen lassen. Denn viele online-Tests z.B. entsprechen nicht den validierten IQ-Tests und verfremden Ergebnisse.

    Skolka schrieb:

    Zu einem hohen IQ:


    Es gibt doch immer die Möglichkeit eine Weiterbildung zu machen, Abitur nachzuholen und vielleicht noch zu studieren, etc. - es gibt so viele Möglichkeiten in unserer westlichen Welt, im Vergleich zu anderen Ländern leben wir doch im Paradies, was Bildung anbelangt.


    Auch mit 40/50J kann man nochmals etwas Neues beginnen.

    Ich habe Abitur und einen Studienabschluss. Das hatte ich ja geschrieben. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einem Job, bei dem überdurchschnittlich gut verdient. Nach Abzug sämtlicher Ausgaben, bleibt bei mir nicht mehr wirklich viel am Monatsende. Ich hatte tatsächlich über ein Zweitstudium nachgedacht. Nur fehlt mir dafür das Kleingeld und die nötige Zeit. Und als Philosophin beispielsweise manövriert man sich dann vielleicht auch nur weiter in die "brotlose Kunst". Meine Interessen sind zumeist wenig wirtschaftlich verwertbar.


    melb1985 schrieb:
    Zitat

    Dann soll es lieber schlecht bleiben, bevor es noch schlechter wird. Tendenziell wird es bei mir nämlich das immer.

    Ganz schlechte Einstellung. Wenn du das nach außen ausstrahlst, dann wird das nichts mit dem Leute kennen lernen.

    Vielleicht kam das jetzt während der langen Gesprächsfäden nicht so deutlich zum Ausdruck: Ich lerne sehr schnell Leute kennen und kenne tatsächlich auch "Hunz und Kunz". Vor wenigen Jahren habe ich meine Geburtstage noch mit 50 Leuten gefeiert. Viele haben heute Familie, sind weggezogen und da werden Prioritäten anders gesetzt. Vieles "verlief" dann im Sand. Wie das halt so im Leben ist.

    Ich brauchte auch lange, um diesen Prozess für mich zu akzeptieren, habe aber wieder viele neue Menschen kennengelernt. Es sind aber definitiv keine Leute, zu denen man engeren Kontakt hat. Das hat einerseits den Vorteil, dass man ständig für irgendwelche Sachen ausgenutzt wird, andererseits ist man im Alltag dann doch sehr viel allein. Gute, loyale Freunde zu finden ist meiner Ansicht nach sehr schwer. Vielleicht liegt es aber auch an mir und meinen Erwartungen.


    In Gesellschaft fühle ich mich grundsätzlich sehr wohl und wenn es die richtige Mischung ist, funktioniert das auch halbwegs. Aktuell ist es aber durch die Kontaktbeschränkungen sehr einseitig und die Zeit des Alleinseins überwiegt deutlich. Ich genieße sehr gern Ruhezeiten, in denen "mir niemand auf den Keks geht", aber wenn es zu viel wird, werde ich depressiv und antriebslos. Insofern ist das schon eine Art Hassliebe - es geht nicht mit Menschen, aber auch nicht ohne.

    Zitat

    Ich habe Abitur und einen Studienabschluss. Das hatte ich ja geschrieben. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einem Job, bei dem überdurchschnittlich gut verdient. Nach Abzug sämtlicher Ausgaben, bleibt bei mir nicht mehr wirklich viel am Monatsende. Ich hatte tatsächlich über ein Zweitstudium nachgedacht. Nur fehlt mir dafür das Kleingeld und die nötige Zeit. Und als Philosophin beispielsweise manövriert man sich dann vielleicht auch nur weiter in die "brotlose Kunst". Meine Interessen sind zumeist wenig wirtschaftlich verwertbar.

    Ich glaube, dass Studium und Job zwei grundlegend verschiedene Dinge sind von der geistigen Auslastung her. Studium ist sehr vielfältig. Man bereitet Vorlesungen vor und nach, bereitet sich auf Prüfungen vor oder schreibt größere Hausarbeiten. Job ist ja doch mehr oder weniger immer Routine. Da fehlt einfach das "Futter". Ich glaube auch nicht, dass da mit einem höheren Gehalt Abhilfe geschaffen werden kann. Es ist unterm Strich einfach immer langweilig. Und das kompensiert auch ein geistig anspruchsvolles Hobby nicht. Man verbringt nun mal den größten Teil des Tages auf der Arbeit. Dazu kommen noch die Alltagstätigkeiten, die erledigt werden müssen, aber auch nicht geistig anspruchsvoll sind. Da bleibt nicht mehr viel Zeit um das Oberstübchen adäquat auszulasten.

    Wenn man dann noch wenig verdient, obwohl man studiert hat, sich ein Zweitstudium zur geistigen Auslastung nicht leisten kann und die eigenen Interessen in den Augen der Wirtschaft und Gesellschaft nicht brauchbar sind, ist das Leben eigentlich gefühlt sinnfrei.

    Zitat

    Ich brauchte auch lange, um diesen Prozess für mich zu akzeptieren, habe aber wieder viele neue Menschen kennengelernt. Es sind aber definitiv keine Leute, zu denen man engeren Kontakt hat. Das hat einerseits den Vorteil, dass man ständig für irgendwelche Sachen ausgenutzt wird, andererseits ist man im Alltag dann doch sehr viel allein. Gute, loyale Freunde zu finden ist meiner Ansicht nach sehr schwer. Vielleicht liegt es aber auch an mir und meinen Erwartungen.

    Es machte im Verlauf des Fadens jetzt nicht den Eindruck als hättest du irgendwie großartige Erwartungen an andere. Eher im Gegenteil.

    Ich glaube allerdings, dass es überwiegend tatsächlich so ist, dass man höchstens 1-2 engere und loyale Freundschaften hat und der Rest oberflächliche Bekanntschaften sind, die da sind, solange die Sonne scheint.

    Die meisten suchen sich dann einen Partner, heiraten und bekommen Kinder. Zumindest nach meinem Empfinden funktioniert das aber recht häufig so nicht und die Paare trennen sich irgendwann wieder. Zurück bleiben die Kinder, die dann unter Umständen auch einen Knacks weg haben, weil sie unter der Trennung der Eltern leiden und das bis ins Erwachsenenalter hinein.

    Wahrscheinlich muss man sich damit abfinden, dass es so loyale Beziehungen nur sehr selten gibt.

    Zitat

    In Gesellschaft fühle ich mich grundsätzlich sehr wohl und wenn es die richtige Mischung ist, funktioniert das auch halbwegs. Aktuell ist es aber durch die Kontaktbeschränkungen sehr einseitig und die Zeit des Alleinseins überwiegt deutlich. Ich genieße sehr gern Ruhezeiten, in denen "mir niemand auf den Keks geht", aber wenn es zu viel wird, werde ich depressiv und antriebslos. Insofern ist das schon eine Art Hassliebe - es geht nicht mit Menschen, aber auch nicht ohne.

    Naja, die Kontaktbeschränkungen sind ja irgendwann vorbei.

    Und wenn dann Menschen da sind, läuft man Gefahr, enttäuscht zu werden.

    Allein ist man dann trotzdem meistens, weil die emotionale Nähe und die erwünschte Loyalität kaum vorhanden sind.

    Dann sollte man lernen, mit sich selbst glücklich zu sein. Das funktioniert für den Menschen als soziales Wesen aber nur begrenzt. Kontakte zu anderen sind aber immer ein Risiko.

    So steckt man immer in einem Dilemma.

    Alias 972854 schrieb:

    Ich habe Abitur und einen Studienabschluss. Das hatte ich ja geschrieben. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einem Job, bei dem überdurchschnittlich gut verdient.

    Alias 972854 schrieb:

    habe eine recht guten Job, komme klar, bin sehr kommunikativ, kann mir dies und das leisten. Aber Konsum löst das Problem nicht, im Gegenteil.

    Ich finde, du widersprichst dir. Also was jetzt? Sehr guter Job, bei dem du dir einiges leisten kannst oder doch eher "es bleibt Ende Monat nichts übrig"?


    Und worum geht es dir letztendlich? Fuchst es dich, dass du mit einem hohen IQ nicht mehr verdienst? Möchtest du vor allem mehr Geld? Geld = Anerkennung?


    Man ist ja vollkommen frei in der Studienrichtung. Wenn man etwas Karrierebezogeneres machen möchte, dann weiss man eigentlich, welche Studienrichtungen zu wählen sind. Und wenn man ganz nach den persönlichen Neigungen gehen möchte, dann macht man tatsächlich vielleicht Philosophie oder besucht eine Kunsthochschule. Fast jeder Künstler z.B. hat finanz. Probleme. Klar, idealerweise macht man einen super spannenden Job bei dem man auch noch super viel verdient.


    Falls du nun was gewählt hast, was dich mittlerweile anödet und wenig Geld bringt, dann würde ich über dennoch über ein neues Studium nachdenken. Aber dafür hast du ja anscheinend doch keine Zeit, obwohl du eigentlich schreibst, dass du viel alleine bist. Und Geld hast du dafür auch nicht, obwohl du eigentlich gut verdienst - oder doch nicht?


    Irgendwie scheint mir das alles wenig definiert, so ein bisschen mal so mal so, mal bist du nichts wert, dann schmeisst du Parties mit 50 Leuten... vielleicht mal eine professionelle Standortbestimmung?

    Ja, das liegt in der Natur eines Forums, dass die eher losen Gesprächsfäden nicht zwangsläufigen einen lückenlosen Lebenslauf skizzieren. Das ist glaube auch nicht wirklich der Sinn der Sache und trägt ja auch nichts zum Ergebnis bei.


    Wie erwähnt bin ich jobmäßig nicht unglücklich, schon gar nicht mit der Themenwahl. Ich liebe das, was ich tue. Die Rahmenbedingungen, allem voran hoher Zeitdruck oder schlichtweg zu viel Arbeit, versemmeln einem aber oft die Lust und Laune oder wenn viele Routineaufgaben anfallen, die einen so gar nicht fordern.


    Der Verdienst reicht aus, um gut zu leben. Ich kann ins Kino, zu Konzerten, kann mir Klamotten kaufen, Zeitschriften, Bücher, auch bei Lebensmitteln spare ich nicht. Anschaffungen ab 1000€ sind aber einfach nicht drin. Und wenn man z.B. mal in ein Outdoor-Geschäft geht, kostet eine gute Jacke 300€, nen Rucksack 100€ und ein paar Schuhe 200€. Das geht dann halt nur manchmal oder eben gar nicht.


    Und zu den Parties: Das ist über 10 Jahre her. Ich erwähnte doch, dass dann langsam die Zeit einsetzte, als alle Familien gründeten und Kinder bekamen. Man ging nicht mehr zusammen aus, unternahm nichts mehr gemeinsam. Vor 5 Jahren habe ich dann allein gefeiert, weil auch niemand Zeit hatte und habe danach mein Geburtstag abgeschafft. Da braucht mir auch keiner mehr zu gratulieren. Meine Eltern und Schwester wissen das. Ja, und da fühle ich plötzlich wieder wie in der Schule, als ich gehänselt und gemobbt wurde - irgendwas muss doch an mir sein, was die Menschen abschreckt!


    Ich hoffe dies erklärt jetzt die vermeintlichen Widersprüche. Mich würde nur interessieren, wie diese Details jetzt zur Lösungs- bzw. Wegefindung beitragen?

    Alias 972854 schrieb:

    Mich würde nur interessieren, wie diese Details jetzt zur Lösungs- bzw. Wegefindung beitragen?

    Nun, wenn man Beiträge bzw. eine Fragestellung von jem. liest, versucht man sich automatisch ein Bild zu machen, d.h. zu erfassen, worum es geht. Wer ist das, der da schreibt, worum geht es, was ist passiert, dass es soweit gekommen ist?


    Da fiel mir auf, dass ich mir absolut kein Bild machen konnte, deine Aussagen schienen mir widersprüchlich, auch kann ich die Kernproblematik nicht wirklich erfassen. Vor allem kommst du mir sehr selbstbewusst rüber, nicht wie jemand, der sich für wenig wert hält oder ausgenutzt wird. Wirklich gar nicht.


    Fehlt es dir an menschlicher Nähe, an echten tiefen Beziehungen? Würde das Sinnhaftigkeit geben? Ist es das? Was ist dein Anteil, dass es nicht zu guten Beziehungen kommt? Hier solltest du ansetzen, denn dies kannst du verändern. Andere kannst du nicht verändern.

    Um es mal ganz kurz zu fassen: Es gibt nichts, dass mich wirklich davon überzeugt, dass man auf dieser Welt sein müsste. Natürlich hat man hier da die schönen Seiten, aber der "große Wurf" ist das alles nicht. Und ich kann dir auch nicht sagen, was genau es zu diesem machen würde.


    Sehr oft denke ich an den Tod und das er mir eigentlich ziemlich egal wäre. Ich habe keine Todessehnsucht oder lebe risikoreich, aber ich bin da sehr gleichgültig, weil ich weiß, dass ich im Grunde nichts verpasse. Was soll das sein? Weitere 20 Jahre Arbeitsalltag, Brot und Spiele ala Netflix und nen Urlaub, damit man nicht völlig am Rad dreht?


    Ich wäre aber auch zu feige völlig auszusteigen, weil ich einfach weiß, dass ich dann vom Regen in die Traufe komme. Mir erscheint es immer wie eine Zwickmühle, denn die Garten Eden wird es nirgends geben. "Die Scheiße" holt dich selbst in Grönland ein. Da finde ich die Idee mich die nächsten zehn Jahre mit irgendwelchen Drogen zuzudröhnen und danach abzutreten viel verlockender. Nur bin ich überhaupt nicht so ein destruktiver Mensch, sondern suche nach kreativen Lösungen.

    Alias 972854 schrieb:

    Um es mal ganz kurz zu fassen: Es gibt nichts, dass mich wirklich davon überzeugt, dass man auf dieser Welt sein müsste. Natürlich hat man hier da die schönen Seiten, aber der "große Wurf" ist das alles nicht. Und ich kann dir auch nicht sagen, was genau es zu diesem machen würde.


    Sehr oft denke ich an den Tod und das er mir eigentlich ziemlich egal wäre. Ich habe keine Todessehnsucht oder lebe risikoreich, aber ich bin da sehr gleichgültig, weil ich weiß, dass ich im Grunde nichts verpasse.

    Willkommen in der Realität.

    Alias 972854 schrieb:

    Ja, und da fühle ich plötzlich wieder wie in der Schule, als ich gehänselt und gemobbt wurde - irgendwas muss doch an mir sein, was die Menschen abschreckt!

    Tja, das ist die eigentliche Aufgabe, die du bis jetzt nicht erledigt hast, die alte Scheiße endlich zu begraben.

    Es ist nicht irgend etwas an dir, was die Menschen abschreckt, es ist irgend etwas in dir, was Angst hat, die alte Scheiße zu entsorgen. Das ist wie: wasch mich, aber mach mich nicht naß.

    Dieses Problem haben allerdings viele Menschen, denn die wenigsten hatten eine super Kindheit.Andere haben nur andere Strategien entwickelt. Manchmal gehen diese auf, manchmal nicht. Entweder haben sie ihre Mitte gefunden und leben ein zufriedenes Leben, oder sind solche Zeitgenossen, die immer wieder mit ihrer unverarbeiteten Bedürftigkeit nerven.

    Ich habe jetzt nicht mehr alles durchgelesen aber eine Frage habe ich an dich: Wie würde denn dein Leben aussehen, wenn du es von jetzt auf gleich so gestalten könntest wie du willst?

    Zitat

    Ich finde, du widersprichst dir. Also was jetzt? Sehr guter Job, bei dem du dir einiges leisten kannst oder doch eher "es bleibt Ende Monat nichts übrig"?

    Das eine hat mit dem anderen nur bedingt zu tun. Der Job kann Spaß machen, also die Tätigkeiten an sich. Das heißt noch lange nicht, dass man viel verdient. Umgekehrt muss ein hoher Verdienst nicht dazu führen, dass die Tätigkeiten Spaß machen. Die menschliche Komponente unter den Kollegen spielt da auch eine große Rolle.

    Und das man sich dies und das leisten kann, heißt auch nicht, dass man überdurchschnittlich gut verdient. Ob es am Monatsende für den Einzelnen reicht, hängt von den jeweiligen Ansprüchen ab. Da kann ein durchschnittlich bezahlter Job durchaus ausreichend sein.

    Zitat

    irgendwas muss doch an mir sein, was die Menschen abschreckt!

    Das wohl eher nicht. Aber da ist vielleicht auch nichts, was sie anzieht.

    Zitat


    Vor allem kommst du mir sehr selbstbewusst rüber, nicht wie jemand, der sich für wenig wert hält oder ausgenutzt wird.

    Das ist manchmal vielleicht auch ein Problem und schreckt tatsächlich ab. Wenn man immer allein ist, macht man halt sein eigenes Ding. Und das passiert dann auch in Gruppen, allerdings unbewusst. Das kommt oft nicht gut rüber. Oder man nutzt die Gruppe dazu, um sich einfach zurückzuziehen und mal nicht allein losziehen zu müssen. Dann trügt für andere der erste Schein des Selbstbewusstseins. Und dieses genaue Gegenteil - obwohl es so nicht da ist - macht dann wieder uninteressant.