Ich bin lebensmüde

    In Hinblick auf die Tatsache, dass das Thema wenig Beachtung finden wird, poste ich dennoch mal meine Gedanken. Mein Leben verlief in vielerlei Hinsicht nicht optimal - sei es bedingt durch das Elternhaus und dortige Alkoholprobleme, Mobbing im Kindesalter und Ausgrenzung. Vieles hat tiefe Spuren hinterlassen.

    Ich weiß, dass ich unwichtig bin. Für die meisten Menschen und ich mir mittlerweile auch. Mir wurde das immer wieder gezeigt und wenn man hundert Mal gegen die Wand gelaufen ist, lässt man es irgendwann. Ich kenne etliche Menschen, habe aber im Grunde keine echten Freunde. Selbst meine Familie entscheidet ständig Dinge ohne mich. Oft habe ich auf Menschen keinen Bock mehr und auch nicht in ihrer Welt zu leben.


    Ich bin jetzt auch nicht diese typische "Jammer-Opfer", habe eine recht guten Job, komme klar, bin sehr kommunikativ, kann mir dies und das leisten. Aber Konsum löst das Problem nicht, im Gegenteil. Auch nicht Gequassel in der Arbeit. Mir fehlt einfach der Antrieb und die Sinnhaftigkeit für das Leben und die Schwelle zum Suizid schwappt regelmäßig in meine Gedanken. Es ist einfach ein Dauerton im Kopf - 24h von früh bis spät.

    Mein letzter Psychologe hat sich irgendwann nicht mehr gemeldet und die Behandlung einfach abgebrochen. Als ich mich bei der Telefonseelsorge gemeldet habe, sagte ich irgendwann, dass ich unwichtig bin und es doch sicher dringende Fälle gibt. Damit war das Gespräch beendet.

    Ich meine, einer weniger - schad doch nicht. Das ist mein Eindruck. Oder vielleicht auch meine Überzeugung.

  • 153 Antworten

    Da ich gerade auf dem Weg zur Arbeit bin und mir gerade die Zeit fehlt und dennoch etwas schreiben möchte, sag ich einfach mal: Fühl dich mal ganz doll gedrückt!


    Schreib mir gerne eine PM wenn du quatschen möchtest :-)

    Mh, vielleicht solltest du dich mal für wichtig nehmen. Dadurch dass du dich selbst nicht für voll nimmst transportierst du das auch weiter. Klar, die Erfahrung mit dem Psychologen war doof, aber er ist nicht der einzige mit diesem Beruf auf dieser Welt. Ich glaube dadurch, dass du dir selbst nicht v wichtig bist forderst du auch Dinge nicht ein, wie etwa die Therapie. Da solltest du mM nach anfangen.

    Ich kann deine Gedanken momentan gut nachvollziehen... I ch sehe mich ebenfalls als unwichtig an, mein Kopf sagt etwas anderes, aber meine Seele redet Mir das ein... Das mit dem. Therapeuten ist natürlich krass... Warst du schonmal bei der psychiatrischen Institutsambulanz bei dir im Ort?

    Das Problem beim Therapeuten war einfach auch, dass uns quasi der Stoff ausging. Er kann ja auch nur Dinge behandeln, die einen Krankheitswert haben. Mit meinen Problemen konnte er mir aber nicht helfen. Ich habe keine klassische Depression oder bin etwa unfähig im Leben klar zukommen. Ich arbeite, bin freundlich, die Menschen mögen mich. Dann setze ich mich beim Therapeuten hin und berichte, dass mir der Sinn im Leben fehlt. Irgendwann war es ihm einfach zu anstrengend (oder zu doof) und das wird auch beim nächsten und beim übernächsten passieren.



    Diese Feststellung, dass ich unwichtig bin, ist eher eine klare Summierung vieler Fakten. Die Welt dreht sich auch ohne mich weiter. Die meisten Freundschaften, die ich hatte, waren reine Zweckfreundschaften. Und davon hatte ich verdammt viele. Die Leute melden sich aber dann nur, wenn sie was brauchen. An dir als Mensch ist da keiner interessiert und ich scheine auch irgendetwas seltsames auszustrahlen. Wenn Feiern oder andere Dinge sind, werde ich z.B. nicht eingeladen. Das hatte zur Folge, dass ich mich bewusst auch zurückgezogen habe und einfach auch keine Abhängigkeiten mehr haben wollte. Ich hatte immer das Gefühl bei Leuten zu Kreuze kriechen zu müssen. Selbst in der Familie.


    Heute denke ich oft: Wenn mich keiner will, ist es halt so. Ich kann allein funktionieren. Und die Suizid-Gedanken sind auch nicht da, weil ich allein bin. Mir fehlt einfach die Sinnhaftigkeit meines Daseins. Wenn eine Person für nichts und niemanden wichtig ist, lebt sie doch einfach nur ihre Zeit herunter. Wozu soll das gut sein?

    womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit?

    übst du einen Beruf aus der dich erfüllt bzw. sinnstiftend sein kann?

    Alias 972854 schrieb:

    Mir fehlt einfach die Sinnhaftigkeit meines Daseins. Wenn eine Person für nichts und niemanden wichtig ist, lebt sie doch einfach nur ihre Zeit herunter. Wozu soll das gut sein?

    Meiner Meinung nach sind wir da ganz tief in der Philosophie. Und bei der Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.


    Für mich stellt sich die Frage in anderer Form. Ich lebe - also nutze ich es, um für mich die Dinge zu machen, die mich erfüllen und glücklich machen.

    vielleicht gelingt es Dir, nicht überall einen tieferen Sinn zu suchen sondern einfach im hier und jetzt nach den Dingen zu suchen, die in Dir ein Glücksgefühl auslösen.

    viel Erfolg wünsche ich Dir.

    Madame Charenton schrieb:

    womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit?

    übst du einen Beruf aus der dich erfüllt bzw. sinnstiftend sein kann?

    Meine Arbeit hat mitunter viel Routine, aber insgesamt bin ich schon zufrieden. Es könnte besser bezahlt sein, weshalb ich mir oft auch viele Wünsche nicht erfüllen kann. Hobbys, die mich interessieren sind streckenweise recht teuer. Ein gutes Teleskop kostet beispielsweise mehrere tausend Euro. Da bin ich raus. Und oft macht das doch auch erst in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten richtig Spaß. Viele haben aber Familie, Kinder und keine Zeit mehr für Hobbys. Ich habe viele Pflanzen, trotz kleiner Wohnung - das macht mir Spaß. Einige haben auch Namen ... wahrscheinlich bin ich zu viel allein.


    Ja, eben. Diese Lebensmüdigkeit mit den Suizidgedanken ist keine affektive Handlung, sondern eine nüchterne Bilanz - vor allem bezüglich meines Lebenslaufes. Ich war noch nie sehr beliebt, weder in der Schule, Studium, später ... mein Elternhaus kann man getrost vergessen. Durch die Alk-Probleme zu Hause musste ich alles mit mir allein ausmachen und mich auch sehr jung schon im Haushalt selbst kümmern.


    Oft ist man auch gefangen im Alltag: Schlafen - Essen - Arbeiten ... da bleibt wenig Zeit für z.B. Wanderungen - das konzentriert sich immer auf das Wochenende, welches dann wieder zu kurz ist. Werktags funktioniere ich einfach nur.

    Vielleicht ergänzend: Neben der Hänselei und dem Mobbing in der Schule, gab es auch zu Hause für mich Probleme. Meine jüngere Schwester wurde immer irgendwie bevorzugt, erhielt in Notlagen Geld, ein Auto nach der Fahrschule und auch heute besteht ein viel engerer Kontakt zu den Eltern, weil sie auch Kinder hat. Dort sind sie quasi jede Woche zu Besuch. Bei mir waren sie in den letzten 10 Jahren einmal.


    Ich musste auch als Minderjährige den Alkohol kaufen - hatte immer Zettel dabei und mich sehr geschämt - und durch mein Studium lag ich meinem Elternhaus auch offenbar zu lange auf der Tasche, zumal sie keinen Cent für irgendwas bezahlt haben. Da gab es oft Streit, obwohl ich fast nie zu Hause war. Ein Auto hatte ich auch keines bekommen, einen Fernseher oder Computer konnte ich mir erst kaufen, als ich mir etwas verdient hatte.

    Als ich mich als Teenager für Musik begeisterte, bekam ich auch kein Instrument, sondern einen Termin beim Psychologen. Meine Hobbys wurden immer als Spinnerei abgetan. Selbst in der Schule wurde meine Neigung viel Wissen zu wollen nicht unterstützt, sondern systematisch erdrückt und mit schlechten Verhaltensnoten konstatiert. Und genau diese eine schlechte Note auf dem Zeugnis hat dann meine Eltern wieder empört. Die Einsen wollten sie nicht sehen. Ich habe erst später gemerkt, wie sehr mich das alles geprägt hat.

    Teilweise kann ich deine Gedanken nachvollziehen nur das mit der Sinnhaftigkeit verstehe ich nicht, das Leben (Dasein) muss doch keinen Sinn haben? Du kannst doch auch ganz alleine deine Freude am leben haben, Sport, zocken, TV, Hobbys, neue Sachen lernen und und und.... ist doch alles hundert mal interessanter als Tot zu sein, das biste irgendwann noch lang genug :D

    Hab ehrlich gesagt noch nie verstanden warum das Dasein einen Sinn haben muss, es reicht doch einfach da zu sein :)

    Du kannst doch alles jetzt nachholen? Ausser vielleicht das teuere Teleskop. Wobei wenn das echt ein echt großer Wunsch wäre kann man bei nem festen Job doch einen Kredit aufnehmen?


    ich glaube du kannst nicht gut alleine sein und hast vielleicht deswegen (doch) Depressionen?!

    Ich finde bei dir hört man heraus das du dich nach Anerkennung anderer Menschen (stellvertretend für Eltern) sehnst.

    Konsum löst garnix, ich glaube du musst dir selbst genügen. Du musst alleine klar kommen ohne dabei traurig zu sein, ja ich weiß leichter gesagt als getan.

    tzuisc schrieb:

    Ich finde bei dir hört man heraus das du dich nach Anerkennung anderer Menschen (stellvertretend für Eltern) sehnst.

    Das stimmt exakt. Nur habe ich die, trotz auch guter Leistungen, selten erhalten. Ich möchte mich auch nicht in den Vordergrund drängen und allen vorspielen, wie toll ich doch bin. Das ist nicht meine Art und ich bin auch nicht toller als andere.

    Ich möchte nur ganz normal von anderen als Menschen gewertschätzt werden und vielleicht auch ein, zwei um mich haben, die loyal zu mir sind und denen es um mich geht. Und ja, vielleicht habe ich die ein und andere depressive Ader mittlerweile an mir. In Gesellschaft macht vieles halt einfach mehr Spaß, nur irgendwie "mag mit mir keiner spielen". :°(

    Kann man es denn irgendwie erlernen auch ohne Anerkennung zu leben? Das würde mir wirklich sehr helfen und das wäre ein sehr guter Weg mich von dieser Abhängigkeit zu lösen.