Ich bin überfordert

    Hallo


    Ich muss mir mal was von der Seele schreiben, und ich kann mich gar nicht mehr einschätzen ob ich mich reinsteigere, übertreibe oder einfach zu sensibel bin.


    Es gibt verschiedene "Baustellen" bzw. Probleme in meinem Leben:


    - wir haben seit fast 3 Jahren einen unerfüllten Kinderwunsch. Vor ca. 1 1/2 wurde ich dann endlich schwanger und hatte dann aber eine Fehlgeburt.


    - seit Sommer 2018 sind wir in einer Kinderwunschklinik, aber alle Versuche waren bisher erfolglos. Aktuell befinden wir uns in einem weiteren Versuch.


    - seit Februar 2018 sind wirklich alle Frauen in meinem engsten und auch weiteren Umfeld schwanger geworden und haben gesunde Kinder auf die Welt gebracht (und das obwohl die Frauen teilweise Alkohol getrunken und geraucht oder sonst was gemacht haben)


    - Die Fehlgeburt hab ich damals ziemlich verdrängt und bin gleich wieder arbeiten gegangen.


    - Meine Schwägerin ist letztes Jahr ungeplant und ungewollt schwanger geworden. Mein Bruder hat sich sehr gefreut und mir wurde sowohl von meinem Bruder als auch von meinen Eltern vorgeworfen, dass ich mich nicht genug für die beiden freue und nicht anteilnehme.


    - meine Schwägerin kann sich sämtliche "Fehltritte" und Unzulänglichkeiten leisten und von mir wird immer erwartet, dass ich alles im Griff habe und stark bin.


    - Mein Chef hat mich ziemlich auf dem Kicker und lastet mir Fehler an für die ich nichts kann. Ende November 2018 hat er mir nun eine Abmahnung erteilt. Ich will mich nicht frei von Fehlern sprechen, aber viele Fehler / Kritikpunkte sind nicht gerechtfertigt.

    Inzwischen habe ich so eine grosse Angst vor der Arbeit entwickelt, dass ich nur noch angst vor Fehlern habe und deswegen nicht mehr schlafen kann und so.


    - Meiner Oma geht es seit einigen Monaten immer schlechter. In den letzten 2 Wochen hat sie nach einem Sturz dramatisch abgebaut und wir befürchten alle das Schlimmste. Andererseits tut es mir so leid, dass sie jetzt hilflos im Krankenhaus liegt wo sie nie sterben wollte. Täglich erreichen mich neue schlechte Nachrichten bezüglich meiner Oma. Meine Oma ist mir sehr wichtig, weil sie bei meinem Eltern gelebt hat seit ich denken kann und mich und meine Geschwister praktisch mit grossgezogen hat.


    - Mein Mann ist in der Arbeit extrem überlastet und ich befürchte, dass er dem Druck nicht mehr lange standhält.


    - Zusätzlich musste unser Pferd im Frühjahr 2018 überraschend eingeschläfert werden. Für viele klingt das vielleicht lächerlich, aber ich hatte sehr an unserem Pferd gegangen und wir hatten es seit über 18 Jahren.


    Das alles führte dazu, dass ich vor 1 Woche auf dem Weg zur Arbeit einen Art Nervenzusammenbruch hatte und nur noch am heulen war und nichts mehr ging. Mein Hausarzt hat mich nun erst mal krank geschrieben und mich nach langen Gesprächen etc. zum Psychologen überwiesen. Ich bin in letzter Zeit nur noch am heulen und weiss nicht wie es weitergehen soll, bzw. habe keine Hoffnung, dass es in der Zukunft besser werden wird. Mich wirft jede "Kleinigkeit" aus der Bahn und ich bin nicht mehr belastbar.


    Und jetzt frage ich mich ob ich mich mit allem zu sehr "anstelle" bzw. mich reinsteigere und einfach viel zu zimperlich bin? Was meint ihr? Ich habe das Gefühl, dass ich wegen den oben genannten Problemen mich nicht so anstellen dürfte, bzw. einfach mehr powern müsste.:-|


    Tut mir leid für den langen Text, aber mich beschäftigt das alles sehr.

  • 693 Antworten

    Hallo du Liebe,


    fühl dich einfach erst einmal gedrückt!


    Nein, du stellst dich weder an noch sonst irgend was! Das ist schon alles ziemlich viel, was du da um die Ohren hast und sicher eine große Last auf deinen Schultern, unter der man auch mal zusammenbrechen kann. Soviel dazu!


    Nun ist die Frage, wie man die Situation für dich verbesser kann. Ich denke, die Überweisung zum Psychologen war da schon ein erster und ganz wichtiger Schritt. Dir einzugestehen, dass es ok ist wenn du unter der Situation leidest, ist auch sehr wichtig. Denn nur dann kannst du daran etwas ändern. Ich denke, der Psychologe wird dir helfen zu schauen, wo du für dich Dinge anpacken und verändern kannst, damit die Last für dich leichter wird!


    Ich drücke dir dafür fest die Daumen.


    Alles Liebe


    Prada

    PradaTeufel schrieb:

    Hallo du Liebe,


    fühl dich einfach erst einmal gedrückt!


    Nein, du stellst dich weder an noch sonst irgend was! Das ist schon alles ziemlich viel, was du da um die Ohren hast und sicher eine große Last auf deinen Schultern, unter der man auch mal zusammenbrechen kann. Soviel dazu!

    Naja, die Sache ist, dass man zusammenbrechen "kann" aber nicht muss. Ich bin sonst auch nicht so schwach.


    Mein Hausarzt hat sich neulich sehr viel Zeit für mich genommen und mir viele Fragen gestellt und gemeint es kommt ihm vor, als wäre ich in einem "Hurrikan" und mir fliegt alles um die Ohren ohne das ich weiss wie ich da raus komme. Er hat mich krankgeschrieben damit ich zur Ruhe komme und Abstand von der Arbeit bekomme. Dann ist das mit meiner Oma passiert und ich krieg jetzt täglich schlechte Nachrichten. Meine Eltern und meine Oma wohnen 500 Kilometer von mir entfernt und ich war am Wochenende da um meine Oma zu sehen und es hat mir fast das Herz gebrochen zu sehen wie schwach und hilflos sie ist. Dazu kommt, dass meine Mutter (meine Oma ist die Mutter meiner Mutter) sehr unter Druck ist und sie die Situation mit meiner Oma sie auch stark belastet.

    Klar muss man das nicht aber... der Körper sagt dir irgendwann, wann es zuviel ist, wenn du nicht auf die Warnzeichen hörst. Glaube mir, das ist nicht schön und kann langfristige Folgen haben! Ich weiß wovon ich Rede.


    Stark hin, stark her. Das bist du ganz sicher. Aber man DARF auch mal zuviel Druck haben und sich dem beugen... und etwas verändern. Sonst bricht man irgendwann zusammen, ob man das will oder nicht. Ich hab's durch, ich weiß wovon ich rede.

    du bist nah an einem burnout, würde ich mal etwas runterfahren, dich krank schreiben, etwas für die seele tun.


    psychotherapie in anspruch nehmen, hast genung belastende baustellen.


    wichtig ist dass es dir gut geht, nicht was andere denken, selbstwertgefühl kann man aufbauen, geht leider nicht von heute auf morgen.


    wünsche dir alles gute @:)

    Alias 951237 schrieb:

    bzw. einfach mehr powern müsste.

    Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Ich bin weder aus eigener Erfahrung heraus noch sonst wie qualifiziert, Dir einen Rat zu geben, aber "mehr Druck machen" erscheint mir vom Bauchgefühl her das Gegenteil von dem zu sein, was Dir helfen könnte.


    Kinderwunsch unter Druck - wir kennen alle die Fälle, wo es sofort klappt, wenn der Wunsch dann aufgegeben ist (aka, der Druck rausgenommen wurde). Die Leute schaffen sich Hund, Zweisitzer Cabrio und Ferienwohnungen an, "weil es ja eh nicht klappt" und neun Monate später sind sie zu Dritt.


    Druck auf der Arbeit - wird sich wohl nicht ändern, aber manchmal eine "ist mir sch..egal" Einstellung ist weniger Druck, macht sicher keinen Unterschied bzgl. Job und Einkommen, aber es läßt sich besser aushalten.


    Druck von der Familie - ui, schwierig, aber "abprallen lassen" wäre vielleicht ein erster Schritt. "Beste Freunde sind Gottes Entschuldigung für die Familie", vielleicht findest Du dort Deine Bezugsgruppe, die aktuell hilfreicher ist?


    Och Mensch, und mit der Oma, tut mir leid! Lass es zu, sei traurig, lass Dich von Deinem Mann drücken und trösten. Du wirst nichts ändern können, auch wenn das vielleicht hart klingt. Wenn Du Dir da Druck machst, wirst Du Dich nur ohnmächtig fühlen. Für Deine Oma entspannt da sein wird das Beste sein, was Du geben kannst. Nimm Dir Zeit und "geh da durch", denn auch das ist das Leben.


    Ich hoffe, es kann Dir geholfen werden, dass Du Deine "Mitte" oder "Balance" wiederfindest. Dann klappt es am Ende auch mit dem Nachwuchs, da bin ich einfach mal optimistisch.

    Sehr guter Beitrag Gadgetier, den ich so unterschreiben möchte!


    Liebe TE... Es ist keine Schwäche, wenn man einfach merkt, es wird zuviel. So stark kann gar kein Mensch sein, dass der alles was sich ihm in den Weg stellt einfach so bewältigt und wegschaffen kann. Irgendwo gibt es auch bei den stärksten Menschen Grenzen. Und die ist bei dir jetzt überschritten. Was absolut verständlich und ok ist.

    Vielen Dank für eure Antworten.


    @ Prada: Welche Warnzeichen meinst du? Ich bin ja körperlich ganz gesund...

    Ich weiss einfach nicht, ob ich das "Recht" habe, dass ich so hilflos und überfordert bin wegen diesen Problemen. Ich bin es nicht gewohnt, dass ich nicht mit meinem Leben klar komme. Ich habe meine Balance verloren und "schäme" mich für meine Schwäche. Ich denke mir einfach immer, dass andere das doch auch besser hinkriegen und sich nicht wegen sowas aus der Fassung bringen lassen. Bisher habe ich immer alle Situationen gemeistert und jetzt habe ich das Gefühl, dass ich in jeglicher Hinsicht komplett versage und nicht mehr weiss wie ich mein Leben hin kriege.



    Mein Hausarzt hat mich ja schon krank geschrieben und gesagt ich soll versuchen zur Ruhe zu kommen etc. Und dann ist eben das mit meiner Oma passiert, weshalb ich jetzt absolut nicht zur Ruhe komme.


    Den "Druck" der Familie bezüglich meiner Oma kann ich nicht abprallen lassen. Das nimmt mich selber sehr mit. Ich würde mir auch Vorwürfe machen, wenn ich mich jetzt nicht um meine Oma kümmern würde. Als ich sie am Wochenende besucht habe und es ihr so schlecht ging, hätte ich heulen können. Aber ich hab das runter geschluckt damit meine Oma nichts merkt. Meine Oma hat sich sehr gefreut, dass ich sie besucht habe. Vor ihr kann ich mich auch zusammenreissen.


    Die Situation auf der Arbeit ist besonders schlimm für mich. Ich könnte schon heulen, wenn ich nur dran denke, dass ich wieder arbeiten muss und ständig kritisiert werde und unter Beobachtung stehe. Und durch die Abmahnung ist mein Job nun ernsthaft in Gefahr. Dann hab ich viel mit externen Personen zu tun und muss ständig diskutieren und mich rechtfertigen etc.


    Den Kinderwunsch auf natürlichen Weg zu erfüllen ist fast unmöglich. Umso mehr hatten wir uns gefreut als ich doch schwanger war. Und dann war ich natürlich umso enttäuschter und trauriger als es dann doch eine Fehlgeburt war. Ich hatte und habe das Gefühl, dass ich Schuld habe. Meine Arbeitskollegen haben mal über Fehlgeburten diskutiert und gemeint, dass Frau ja oft auch selber schuld dran ist.

    Die Kinderwunschbehandlung ist am Laufen und da will ich auch nicht unterbrechen. Ich habe das Gefühl, dass das uns wenigstens etwas Hoffnung gibt.

    Allerdings ist die Kinderwunschbehandlung durch die Hormone und Spritzen auch sehr belastend.

    Und dann habe ich jetzt schon wieder angst, dass wenn ich schwanger wäre, es wieder in einer Fehlgeburt endet.


    Meine 2 besten Freundinnen sind im Moment nicht grad die richtigen Ansprechpersonen für mich. Meine eine Freundin ist selber sehr sensibel und die andere ist seit kurzem Alleinerziehend mit 3 Kindern und zudem frisch schwanger. Ich will die beiden also nicht auch noch mit meinen Problemen belasten.


    Mein Mann gibt mir Halt und tröstet mich, aber da er selber so extrem viel arbeitet und Druck hat, will ich ihn so wenig wie möglich belasten.

    Mein Mann hat drauf bestanden, dass ich zum Hausarzt gehe und mich krank schreiben lasse. Mein Hausarzt hatte zwar viel Verständnis für mich und auch sehr einfühlsam, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass ich versagt habe.

    du hast nicht versagt, du bist überfordert und siehst die dinge falsch.


    du hast folgende möglichkeiten:


    A. ambulante oder stationäre psychotherapie


    B. tabletten nehmen, die aber nebenwirkungen haben


    C. weitermachen bis zur depression mit selbstmordgedanken


    aus leidvoller erfahrung rate ich dir die eskalationsstufe nicht weiter zu erklimmen, sondern eine auszeit für eine therapie nehmen.

    Was würde Dir eine fremde Einschätzung helfen bzgl. der Frage, ob Du Dich reinsteigerst? Ja, vielleicht gibt es Menschen, die diese Belastungen besser/länger/leichter wegstecken würden.

    Du tust es nicht - und Du kannst nur mit dem arbeiten, wie es DIR geht und was DICH beschäftigt. Ob andere die Belastungen nachvollziehen können oder nicht, ist egal.


    Fakt ist, dass Du ein Häufung an belastenden Lebensereignissen erlebt hast und das Spuren hinterlässt. Eine solche Häufung ist ein ganz wesentlicher Grundstein für die Entstehung von BurnOut/Depression. Du merkst es spätestens seit dem Zusammenbruch deutlich. Also: Handele basierend darauf, wie es Dir geht. Nicht, wie andere denken, wie es Dir gehen müsste.

    Ich empfinde es als versagen. Ich war sonst nie überfordert.


    mein Hausarzt hat mir schon eine Überweisung zum Psychologen gegeben und wollte mir eigentlich auch Tabletten verschreiben.

    Er hat mich auch gefragt ob ich Suizid Gedanken habe oder mich selbst verletze. Suizid Gedanken habe ich überhaupt nicht. ich verletze mich auch nicht selber. An dem morgen auf dem Weg zur Arbeit, als ich den Nervenzusammenbruch hatte, hatte ich allerdings kurz überlegt mit wie viel km/h ich gegen die Leitplanke oder sonst was fahren könnte, so dass ich zwar verletzt aber nicht lebensbedrohlich verletzt wäre...

    Sunflower_73 schrieb:

    Was würde Dir eine fremde Einschätzung helfen bzgl. der Frage, ob Du Dich reinsteigerst? Ja, vielleicht gibt es Menschen, die diese Belastungen besser/länger/leichter wegstecken würden.

    Du tust es nicht - und Du kannst nur mit dem arbeiten, wie es DIR geht und was DICH beschäftigt. Ob andere die Belastungen nachvollziehen können oder nicht, ist egal.


    Fakt ist, dass Du ein Häufung an belastenden Lebensereignissen erlebt hast und das Spuren hinterlässt. Eine solche Häufung ist ein ganz wesentlicher Grundstein für die Entstehung von BurnOut/Depression. Du merkst es spätestens seit dem Zusammenbruch deutlich. Also: Handele basierend darauf, wie es Dir geht. Nicht, wie andere denken, wie es Dir gehen müsste.

    Ich weiss es ehrlich gesagt nicht, was es mir helfen würde. Ich habe nur einfach das Gefühl, dass ich zu schwach bin und ich nicht das "Recht" habe, dass es mir schlecht geht... :(

    - Ich glaube, es wäre gut

    wenn sowohl Du als auch Dein Mann eine neue Arbeitsstelle suchen würden.

    - Das mit der Familie ist zu undifferenziert; wenn Du ein gutes Verhältnis zu Deiner Mom hast, geh´ hin und erzähle ihr, wie es DIr geht und dass Du Hilfe brauchst. Kinder bleiben Kinder. Und vielleicht werfen sie Dir auch mangelnde Anteilnahme vor, weil Du so cool mit der FG umgegangen bist? Auch das solltest Du klären.

    Sag´ ruhig, dass Du krank geworden bist.

    - Du brauchst einen Plan B für nicht Kinder bekommen.