Ich habe ein Problem mit Mir

    Hallo Community,


    ich komme gleich mal zu meinem Problem.


    Ich bin 19 Jahre lebe in Bayern und mache eine Ausbildung. Soweit so gut..


    Ich bin eigentlich ein normaler Junge wie jeder andere auch, allerdings habe ich manchmal das Gefühl das ich irgendwie nicht "richtig" lebe. Also um das klarzustellen ich bin kein Zombie, ich meine damit meine Bestimmung oder meinen Sinn auf dieser Welt.


    Ich bin nicht gläubig oder so, ich denke nur das jeder eine Bestimmung hat die er erfüllen soll. Nun weiß ich nicht mehr weiter..


    Ich stelle mir permanent Fragen die sich Kollegen, Freunde und Familie nicht mal im Traum denken.


    Dazu gehören:


    - Warum ist die Welt so wie sie ist?


    - Was ist meine Bestimmung?


    Ich wünschte mir manchmal ich wäre dumm bzw. nicht so "fragend". Ich will mir nicht über alles Gedanken machen. Ich will mein Leben leben ohne es zu hinterfragen, ich will mit Freunden reden ohne andauernd über etwas nachzudenken.


    Einfach mal komplett die Fragen und Gedanken zu ignorieren.


    Aber das kann ich nicht dann stelle ich mir solche Fragen wie:


    "Warum schreibe ich das hier eigentlich? Das ist doch doof"


    Ich suche andauernd nach einer Lösung was meine Bestimmung sein könnte. Ich habe jede Menge versucht.


    Ich bin nicht sehr sportlich, habe aber Skifahren, Snowboard und Tauchen versucht. Musikalisches wie Bass spielen.


    Wurde alles nichts. Ich programmiere und das sehr gerne bin jedoch nicht gut genug etwa ein ganzes Programm zu schreiben.


    Außerdem versuche ich immer irgendetwas Großes aufzuziehen. Einen eigenen Blog, einen eigenen Online Shop, ein eigenes Forum. Jedoch jedes mal wenn ich damit anfangen will frage ich mich. Warum?


    Meine zuvor gewonnene Zuversicht, etwas gefunden zu haben um sich von meiner Fragerei abzulenken, schwindet und ich gebe es auf.


    Dazu frage ich mich halt ständig "Wie kann ich meinen Teil der Welt beitragen." Egal ob es etwas Großes ist oder nicht ich kann nicht damit leben nichts getan zu haben.


    Ich will nicht das Lied von Linkin Park leben. Ich denke jeder kennt es und hat geweint (wenn auch innerlich). Mir ging das auch so, doch dann dachte ich über die Bedeutung nach was das Lied aussagt und mir fiel auf .. DAS bin Ich .. und ich lag stundenlang zitternd und verängstigt, am Rande der Existenz, heulend in meinem Bett.


    Wäre nicht meine Schwester gekommen, die ich über alles liebe und hätte mir geholfen, in dem Sie einfach bei mir war wer weißt wie lange ich da noch gelegen hätte.


    Ich bin normalerweise nicht sehr emotional aber der Gedanke "Ich bin nur ein weiterer unbedeutender Mensch in der Geschichte, nichts hinterlassend" versetzt mich immer wieder in diesen Zustand oder ähnliches.


    Das Ganze hier zu schreiben fällt mir sehr schwer, weil nur daran denken lässt mich wieder fragen stellen. Wieso das alles.


    Ich befinde mich in einem ewigen Kreislauf aus Emotionalen Existenzängsten und Fragen stellen wieso das alles.


    Ich hoffe jemand hat eine Antwort, einen Tipp oder nur einen aufmunternden Spruch. Ich will nicht mehr in diesem Kreislauf leben.


    Vielen Dank

  • 13 Antworten

    Hallo Maxi


    Soeben habe ich Deinen Text gelesen, vielleicht helfen Dir die folgenden Gedanken und ein paar Fragen weiter.

    Zitat

    Ich suche andauernd nach einer Lösung was meine Bestimmung sein könnte. Ich habe jede Menge versucht.

    Vermutlich könnte Deine Bestimmung vieles sein. Die Frage ist auch, was Du selber willst.


    Wann oder wie würdest Du denn wissen, dass etwas Deine Bestimmung ist? Wer bestimmt überhaupt, welches Deine Bestimmung sei?


    Eine Lösung, was meinst Du damit? Sich von etwas (einem Zwang, einer Last, etwas Schwierigem, irgendwelchen Fesseln) befreien?


    Oder eine Aufgabe lösen, einen Konflikt, etwa durch Kraftanstrengung oder geistige Bewältigung?


    Vielleicht sich an etwas klammern und sich davon lösen?

    Zitat

    Ich bin normalerweise nicht sehr emotional

    Du hast jede Menge versucht, hat es Dir denn auch ein wenig Spaß gemacht? Was würde Dir denn Spaß machen?


    Das sind sehr viele Fragen, doch eine Aussage betrifft ein sehr starkes Gefühl: Angst.

    Zitat

    .. und ich lag stundenlang zitternd und verängstigt, am Rande der Existenz, heulend in meinem Bett.

    Hast Du schon einmal daran gedacht, Dir professionelle Hilfe zu suchen, vielleicht zuerst einen Gang zu Deinem Hausarzt, um mal abzuchecken, dass da keine körperlichen Ursachen dahinter stecken?

    Also du bist ganz bestimmt nicht unbedeutend.


    Ich hatte auch mal so eine Phase, wo ich mich gefragt habe, ob es nicht völlig egal wäre, wenn ich weg wäre. Aber stell dir die Frage mal und dann schaue deine Schwester an. Denn genauso wie du sie brauchst, wird sie dich brauchen. Und meine kleine Schwester ist für mich wahrscheinlich genau das, wie deine Schwester für mich. Allein für die Personen lohnt es sich, da zu sein. Denn auch wenn du das vielleicht nicht wahrnimmst, du bist etwas großartiges für Sie unendlich machst ihre Welt besser!

    Zitat

    Ich will mir nicht über alles Gedanken machen. Ich will mein Leben leben ohne es zu hinterfragen, ich will mit Freunden reden ohne andauernd über etwas nachzudenken (...) Aber das kann ich nicht

    Möglicherweise leidest Du unter Zwangsgedanken bzw. einem sogenannten Grübelzwang. Wenn so etwas quälend wird und das Leben zu sehr beeinträchtigt, hat es Krankheitswert. Kann auch Anzeichen einer Depression sein (die eine ziemlich häufige psychische Erkrankung ist, sich aber bei verschiedenen Menschen auf unterschiedliche Weise äußert). Von daher finde ich den Vorschlag, einen Arzt aufzusuchen, gut!

    Seine Bestimmung finden.


    Da gab es doch die Abschlussrede einer amerikanischen High School.


    (Beim Suchen stelle ich fest, dass es anscheinend ein Fake ist, aber dennoch guter Text.) http://www.planetgary.com/sunscreen.htm

    Zitat

    Don't feel guilty if you don't know what you want to do with your life. The most interesting people I know didn't know at 22 what they wanted to do with their lives. Some of the most interesting 40-year-olds I know still don't.

    Ich bin bald 50. und habe meine Bestimmung vielleicht Anfang 40 gefunden; definitiv nicht mit 19! Mit 19 habe ich mich so etwas noch gar ncht gefragt, Du bist da also schon weiter.


    Du solltest etwas Geduld mit dir haben (und mit anderen), und das Hinterfragen nicht verlernen.


    Auch solltest Du offen bleiben für Veränderungen, auch deiner Bestimmung. Ich kenne viele die mit 35 ihren Beruf vollkommen geändert haben. Interessante Leute darunter: Managementberater welche jetzt Kinderheime in Afrika betreiben. oder einfach eine Tauschule.


    Vielleicht nicht die Antwort, welche Du wolltest, aber ich denke dennoch hilfreich.

    Der Beitrag von Makkabi gefällt mir am besten. Die eigene Bestimmung ist etwas, was sich entwickelt, mit den Erfahrungen, die man macht. Sie kann sich ändern im Laufe des Lebens. Ich finde es nicht krankhaft darüber Gedanken oder Sorgen zu machen, das gehört genauso zum Prozess.


    Ich finde eine Vorstellung über unsere Bestimmung dazu besonders tröstlich: Jeder ist ein Stern im Universum, der genau an diese Stelle gehört um zu leuchten, damit es dort nicht dunkel ist und die Menschen sich nicht verlaufen. Du wirst im Leben immer wieder auf die eine oder andere Weise für jemanden wichtig sein, ganz egal, was du tust, Hauptsache du tust es mit Liebe. Hab Vertrauen in dich. Lass dir Zeit und lass dich von deinen Gefühlen leiten. Tu, was dir Spaß macht. Hab Mitgefühl. Es wird sich alles fügen.

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    Scheu dich nicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Grübeln tut jeder mal. Aber wenn das überhand nimmt und belastet, stimmt etwas nicht. Auch angesichts der weiteren Dinge, die du schilderst, denke ich da ganz konkret an eine Depression. Aber aus der Ferne ist das schwierig zu klären. Ein Psychiater kann dir weiterhelfen. Quäl dich nicht weiter und versuche nicht dich selbst zu diagnostizieren / heilen zu wollen. Hör dir die Meinung eines Fachmanns/Fachfrau an. Auch meine Vermutung muss nicht stimmen! Ich bin mir sehr sicher, dass dir beim Facharzt für seelische Nöte=Psychiater, geholfen werden kann.

    Hallo Grübler :-)


    19 Jahre ist natürlich ein Aufbruchsalter, wo man vielleicht über viele Dinge nachdenkt. Vielleicht auch etwas überfordert damit ist "in die Welt" freigelassen zu werden und die behütete Zeit vorher aufzugeben. :)_


    Wie lief eigentlich deine Jugend so? Warst du da auch schon so verkopft? Oder gab es Dinge, die du einfach ausprobieren konntest, ohne dir Gedanken darüber zu machen? So ganz unbeschwert?


    Du hast dich ja in einigen Dingen probiert. Ich finde das prima, denn dazu ist ja die Jugend da. Um sich bisschen zu orientieren. Was davon dann wieder wegfällt, ist nicht schlimm, sondern lediglich eine Erfahrung. Ich hatte z.B. 9 Jahre klassischen Klavierunterricht. Ich war im Hockey-Verein (der schlechteste der Region). Ich war im Ruderverein. Nichts davon bestimmte mit 19 noch meinen Alltag. Wohl aber das Programmieren und Musizieren allgemein, aber das ist jetzt wirklich Zufall. Bei dir sind es vielleicht ganz andere Dinge.


    Ich bin mir auch nicht ganz sicher, was dich wirklich so down macht (und ich höre auch kein Linkin Park ;-) ). Ist es, dass du dich selbst für "talentfrei" hältst? Oder ist es wirklich die philosophische Meta-Ebene "Was bin ich und warum sind wir?"? Das sind nämlich zwei unterschiedliche Dinge. Die vielleicht zusammenwachsen, wenn du deinem Leben einen Sinn durch eine besondere Beschäftigung geben willst. Vielleicht solltest du das wieder versuchen, zu trennen. Versuche nicht, eine besondere Rolle zu spielen, sondern einfach das zu tun, was dich für dich allein zufriedenstellt. Und wenn es nur das ist, ein gutes Buch unter einem Baum zu lesen. Warum nicht? Auf diesem Wege findest du viel eher zu dir selbst als auf der ewigen Jagd nach dem "Großen und Ganzen". Daran sind schon große Philosophen Zeit ihres Lebens verzweifelt - und was kam am Ende dabei heraus? Sie sind ohne Antwort ins Grab gegangen. So ein Leben will ich nicht, daher fahre ich mit der Überzeugung, dass unsere Existenz nur eine Laune der Natur ist, ziemlich gut und zufrieden. Stell dir vor, dir hätte jemand auf der Straße einen Flyer in die Hand gedrückt, dass du zu einer langen Party gehen kannst. So ungefähr ist das Leben - du bist plötzlich da, und dann schaust du einfach mal, was der Abend so bringen wird. Ohne große Erwartungshaltung. Wenn du schon vorher grübelst, was du dort essen und rinken möchtest, ob du mit jemandem unbedingt über Fußball sprechen möchtest, dass du unbedingt 3 Mädchen kennenlernen willst usw., dann wird die Party sicherlich völlig unentspannt und verkrampft. Wenn du aber einfach offen hingehst und genießt, passieren die schönsten Dinge.


    In diesem Sinne: bleib neugierig, und vielleicht wirst du auf der großen Party ja mal zu später Stunde der gefragte DJ ;-) :)^

    Du bist 19. Da hatte ich noch lange nicht "meine Bestimmung" gefunden - habe ich übrigens jetzt mit 35 auch noch nicht. Damit will ich dich nicht entmutigen, sondern eher dazu anregen, mal darüber nachzudenken, ob es überhaupt DIESE EINE Bestimmung gibt.

    Zitat

    Auch solltest Du offen bleiben für Veränderungen, auch deiner Bestimmung. Ich kenne viele die mit 35 ihren Beruf vollkommen geändert haben. Interessante Leute darunter: Managementberater welche jetzt Kinderheime in Afrika betreiben. oder einfach eine Tauschule.

    Das finde ich einen sehr guten Ansatz. Ich bin nämlich auch der Überzeugung, dass das Leben sich immer ändert und man sich dann eben den Gegebenheiten anpassen oder etwas für sich draus machen muss. Früher dachte ich, ich werde Reisejournalistin, jette um die Welt und bleibe ewg Single. Ich dachte, das ist es, was ich will. Und dann am Ende meines Studiums hat sich das total gedreht und ich mache heute was ganz anders, bin verheiratet und habe zwei Kinder. Trotzdem ist das nicht das, was den Rest meines Lebens bestimmt. Ich bin mir ganz sicher, dass das Leben noch Überraschungen für mich bereit hält - positive wie negative. Und wenn sie denn dann kommen, dann stelle ich mich darauf ein und versuche, damit klar zu kommen und das beste für mich rauszuholen.


    So wie ich deinen Beitrag lese, bist du ein Kopfmensch. Also versuch mal, das ganze rational anzugehen.

    Vielen Dank für eure Antworten. Einige haben mich schmunzeln lassen andere haben mich nachdenklich gemacht. Nun versuch ich mal, was so halbwegs in allen Antworten stand, zu übernehmen.


    Nun ich habe leider keine Ahnung woran ich mich klammere oder welche Last auf mir liegt. Das mit der Abschlussrede find ich ja ganz gut aber einfach ablegen lässt sich das nicht. Schade :|


    An @Comran das ist leider nicht das Problem ich habe irgendwie einen Drang in allem nun nicht perfekt zu sein, aber zumindest besser als andere. Ich bin auch meist überdurchschnittlich gut in allem wo mich interessiert und ich mich etwas dafür einsetzte jedoch breche ich die meisten Aktivitäten ("Talente") wieder ab sobald ich nicht mein "Besser sein" erreichen kann.


    Meine Jugend war, nun ja etwas kaputt, ich war nicht sehr beliebt in der Schule, nicht weil ich irgendwie gemein oder sonstiges war, einfach weil ich nicht wie "Robbie Willams" aussehe und schlank bin wie ein Model.


    Ich habe viele Jahre meiner Schulzeit einfach nur damit verbracht max. 2-3 Freunde zu haben was ja schon großzügig war.


    Und diese dann auch nicht echte Freunde waren denen ich bedingungslos vertraut hätte. Nein ich war mehr so der Beiläufer, der halt hin und wieder brauchbar war.


    Ich habe, wie mir immer mehr klar wird, meine ganze Jugend mit PC verbracht und habe dementsprechend nach wie vor, ein Mädchen maximal in der Schule privater kennen gelernt. Und das natürlich auch nicht sehr tiefsinnig.


    Natürlich bin ich auch heute noch sehr PC bezogen ausgebaut ich mache eine ab nächstem Jahr eine Ausbildung zum Anwendungsentwickler. Und das ist etwas das ich tatsächlich kann. Aber wieder bin ich von früh bis Abend vorm PC.


    Nun ist es für mich sehr schwer sich vom PC zu reißen und was mit anderen zu unternehmen, einfach aus Angst davor den Absprung nicht zu schaffen und dann komplett alleine umherzuirren.


    Ich habe einfach ein Problem damit irgendwie einen Anschluss in der "Öffentlichkeit" zu finden.


    Ich kenne niemanden, zu all meine alten Freunden bzw. Klassenkameraden der Abschlussklasse (das war das einzige Jahr in dem ich Freunde hatte) habe ich keinen Kontakt mehr und würde mir auch absolut dumm vorkommen, diese anzuschreiben "Hey hast du mal Lust dich zu treffen.." das ist einfach doof.


    Nun diese EINE Bestimmung mag es nicht geben allerdings denke ich das es so etwas wie Schicksal gibt bzw einen großen Plan für jeden von Uns. Gegen Missverständnisse kein Gott, keine Götter und auch kein Sektenführer :D


    Einfach das Universum.


    Zum Thema Psychiater, ich war als Kind wegen dem Mobbing mal bei einem "1xMal" und der einzige Rat der kam war "Hau ihnen halt eine rein" da ich nicht gerade der Typ für Gewalt bin nun war das nicht gerade was ich hören wollte.


    Ich denke allgemein das mein Problem ist das ich zu nett bin bzw allen und jedem helfen will und das will ich auch aber es macht mich einfach fertig. Immer jedem helfen zu müssen. Es ist auch so das ich nicht nein sagen kann. Es geht nicht wenn mein Dad mich was fragt worauf ich gar keinen Bock habe, druckse ich Minuten lang herum bis er kapiert das ich nicht will.


    Ich versuche mal die "Party" etwas entspannter zu Leben ohne Große Erwartungen. Ich hoffe das ich irgendwann wieder normal bin bzw. weniger grübelnd.


    Nochmals vielen Dank nochmal für die Antworten


    Grüße Maxi

    Zitat

    Ich denke allgemein das mein Problem ist das ich zu nett bin bzw allen und jedem helfen will und das will ich auch aber es macht mich einfach fertig. Immer jedem helfen zu müssen. Es ist auch so das ich nicht nein sagen kann.

    Das ist aber in der Tat ein psychisches Krankheitsbild. Daran solltest du vielleicht nochmal arbeiten und dir überlegen, ob nicht doch eine Therapie helfen könnte. Und keine Sorte: nicht jeder Psychiater empfiehlt dir, anderen eine reinzuhauen. Bist du sicher, dass du bei einem Psychiater warst?

    Zitat

    Ich befinde mich in einem ewigen Kreislauf aus Emotionalen Existenzängsten und Fragen stellen wieso das alles.

    Das klingt schon sehr heftig.


    Das Zitat von Comran (11:33) ist mir in Deiner Antwort sofort aufgefallen.


    Nett zu allen zu sein schließt auch Nettigkeit gegenüber Personen mit ein, die dies vielleicht sehr gerne für sich in Anspruch nehmen, ohne dabei eine Gegenleistung erbringen zu müssen.


    Wenn jemand nicht "nein" sagen kann - oder anders gesagt, es ihm schwer bis unmöglich fällt, sich abzugrenzen gegenüber Wünschen oder Forderungen anderer, wird er sehr viel seiner persönlichen Energie fremden Zielen opfern müssen. Ein möglicher Preis für die Verweigerung, den Forderungen anderer zu widersprechen ist evtl damit verbunden, die Verbindung zu schwächen oder zu unterbrechen bzw. ein Kontaktabbruch. Emotionale Existenzängste können da durchaus auftreten, sind die dann aber auch der Situation angemessen?


    Jeder oder jedem helfen zu wollen ist eine Entscheidung und Entscheidungen kann ich auch rückgängig machen- vor allem dann wenn ich dadurch massive Nachteile in Kauf nehmen müsste, die in keinem Verhältnis zur Lage, den Umständen oder Eigenschaften stehen, um die es geht. Wo bleibt die Erfüllung meiner Bedürfnisse, wenn ich zu jeder Situation meine Aufgaben oder Ziele zurückstelle, um ganz für andere da zu sein?


    Ist es da nicht eher meine Pflicht, auch für mich zu sorgen, nicht überlastet zu werden, denn meine eigenen Aufgaben werden sich nicht von selbst erledigen oder in Erfüllung gehen, wenn sie liegen lasse, vernachlässige bzw. verschiebe auf später. Da stehe ich mit mir selbst in der Verpflichtung, für eine zumindest ausgewogene Balance zu sorgen - für mich Sorge zu tragen.


    Sage ich zu anderen immer ja, dann bin auch ich es zeitgleich, der zu mir (immer) nein sagt. Ich lehne damit ab, von meinem Recht, ja meiner Pflicht, für mich Sorge zu tragen, Gebrauch zu machen. Andere tun es bestimmt - selbstbestimmt.


    Mit anderen Worten kommt hier Fremdbestimmung zum Vorschein, die vielleicht einmal wichtig war, nun aber zunehmend von einem selbst übernommen werden muss.

    Zitat

    Ich versuche mal die "Party" etwas entspannter zu Leben ohne Große Erwartungen.

    Es widerspricht nicht, das Leben entspannter zu leben und dennoch seine Erwartungen zu erhalten. Es fehlen mir hier s.g. "Zwischentöne", die feinen Unterscheidungen, auf die Du achtest. Du kannst einmal nach den Begriffen "Eustress" und "Disstress" suchen.


    Das geht womöglich nicht von jetzt auf gleich, braucht vielleicht sogar einige Jahre, bis es die eingeübten Denk- und Verhaltensmuster ersetzt. Vielleicht ist dazu sogar Hilfe von anderen Personen (Deines Vertrauens) oder professionelle Hilfe notwendig.

    Zitat

    Nun ich habe leider keine Ahnung woran ich mich klammere oder welche Last auf mir liegt.

    Ich stelle mir eine Belastung darunter vor, die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen, wenn sie den eigenen Anliegen und Bedürfnissen entgegen stehen. Nahe liegt, sich nicht der Furcht vor dem Ausschluss oder abgelehnt zu werden, auszusetzen. Eine Unterscheidung liegt darin, gemocht zu werden, als die Person, die man ist, ohne eine Leistung erbracht zu haben. Oder (immer) eine Leistung zu erbringen, um Zuwendung zu erfahren. Ist im zweiten Fall aber eher als Abhängigkeit zu interpretieren.

    Zitat

    Nun ist es für mich sehr schwer sich vom PC zu reißen und was mit anderen zu unternehmen, einfach aus Angst davor den Absprung nicht zu schaffen und dann komplett alleine umherzuirren.


    Ich habe einfach ein Problem damit irgendwie einen Anschluss in der "Öffentlichkeit" zu finden.

    Da kann das Erkennen von Gefühlen - bei sich und ebenso bei anderen - sehr hilfreich sein :)

    Für mich gab es im Leben immer wieder Phasen, in denen ich nach dem Sinn des Lebens fragte.


    Mit 19 allerdings kam unser Kind zur Welt und ich hatte die Aufgabe eine Familie zu versorgen, in den Beruf einzusteigen. Ich hatte viel mehr Erfolgserlebnisse als in den Schuljahren davor.


    Viel später mit 40+ und Mittellebenskrise kommt die Frage wohl bei jedem: War das schon alles?


    Logisch nachgedacht, hat das Leben überhaupt keinen höheren Sinn. Niemand würde es vermissen, wenn es Leben nicht gäbe. Dann muss Gott sich was anderes einfallen lassen, die Erde zu zerstören. War ja vor dem Leben angeblich auch nicht lebenswert.


    Was mir recht gut geholfen hat bei solchen Fragen: Ich notiere sie (im Geiste) auf einer "Noch-Zu-Klären-Liste". Sowas eilt ja überhaupt nicht. Dann kommen ganz andere Fragen, die dringlicher sind und im Lauf der Zeit verlieren Grundsatzfragen für mich ihre Wichtigkeit.


    Wenn dann alle "wichtigen" Fragen geklärt sind, kann man sich die übrig gebliebenen ja noch mal anschauen. Ich lerne jetzt Akkordeon ;-D

    Zitat

    Außerdem versuche ich immer irgendetwas Großes aufzuziehen.

    Mein Tipp: Organisiere dir Erfolge, die dich aufrichten. Setze die Latte, über die du springen möchtest, nicht zu hoch.

    Zitat

    Jedoch jedes mal wenn ich damit anfangen will frage ich mich. Warum?

    Gute Frage nach dem Sinn des Tuns. Kann ich für dich nicht beantworten. Ich war und bin neugierig, was in mir schlummert. Vielleicht ein Musiker, ein Gartentechniker, ein Ombudsmann? Durch Versuch und Irrtum schloss ich vieles aus, mein unendlich breiter Weg in der Jugend wurde von Jahr zu Jahr schmaler und zielgerichteter.