Ich kriege nichts mehr auf die Reihe

    Absolut NICHTS. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.


    Der Auslöser: Liebeskummer.


    Kindisch, aber wahr. Ich bin verliebt in eine Person, die ich kaum kannte, zu der ich nun keinen Kontakt mehr habe und die mich komplett aus der Bahn geworfen hat. Ich fühle mich nur noch, wie vom Panzer überrollt. Ich verliere die Kontrolle.


    Ich habe keinen Job mehr, ich hänge nur noch tagein, tagaus in meiner Wohnung und alles erinnert mich an diese eine Person. Ich komme mir wie ein 14-jähriger Teenie vor. Seit etwas über einem Jahr habe ich nicht mehr vernünftig geschlafen, sehe aus wie ein Zombie. Kennt ihr dieses Gefühl "Du wirst niemals jemand anderen, wie diese Person finden?" Das habe ich. Und es hört nicht auf. Ich wünschte ich könnte heulen, schreien, wütend sein. Irgendwas, was diese innere Leere füllt und allem einen Sinn gibt, am besten von heute auf morgen. Ich weiß, das geht nicht.


    Stattdessen trinke ich. Und rauche mir einen Joint. Vielleicht ziehe ich mir auch eine Line. Irgendwas, dass mich antreibt und mein Kopfkarussel zum laufen bringt. Ich habe keinen geregelten Tagesablauf mehr, noch nie habe ich mich so hängen gelassen. Manchmal sitze ich da, schaue ins Leere und bemerke nicht, dass mir seit einer Viertelstunde Tränen über die Wange laufen. Ich hasse mich selbst momentan und ich komm da einfach nicht raus.


    "Steh auf und mach weiter" - es geht nicht! Als würde mich ein beschissenes Seil immer und immer wieder nach unten ziehen, wie fremdgesteuert.


    Und nun? Zu meinem Hausarzt gehen und ihm alles erzählen? Ich würde mich in Grund und Boden schämen. Habe ich überhaupt noch eine Chance? Es fühlt sich momentan so an, als wäre alles vorbei. Als wäre das letzte bisschen Leben aus mir gesaugt worden.

  • 62 Antworten

    Du schreibst ganz richtig "der Auslöser". Denn die Ursache ist das nicht.


    Was du in erster Linie ganz dringend brauchst, ist ein eigenes Leben. Ausgefüllt mit Dingen die DU willst, die DIR liegen und die DICH erfüllen. Konkret Job, Hobbys, Freunde, Aufgaben im Leben, eine Routine, eine Tagesbeschäftigung. Nicht nur rumgammeln - dass man da in ein Loch fällt und so leicht noch weiter aus der Bahn gerät, ist fast schon normal.


    Selbstmitleid und Fluchtverhalten in jeder Form machen es nur schlimmer. Also schmeiß den Alk und das Gras weg. Kannst du dir mal wieder gönnen, wenn du halbwegs auf der Spur bist, aber nicht jetzt.


    Das kann niemals nur eine Person füllen (die man nicht richtig kennt und somit auch nicht richtig lieben kann).


    Du projizierst alles, was dir fehlt, auf diese Person. Mag sein, dass es auch ohne sich richtig zu kennen gefunkt hat. Aber das war es auch.

    Zitat

    "Steh auf und mach weiter" - es geht nicht!

    Natürlich geht das und das weißt du auch.


    Was hat dazu geführt, dass du überhaupt erst so abgerutscht bist? Das sind wahrscheinlich mehrere Dinge.

    Der Schilderung nach würde ich sagen, daß Du an einer (ziemlich schweren) Depression leidest. Du beschreibst einen großen Teil der typischen Symptome: Rückzug von fast allem - fehlender Antrieb, nichts mehr auf die Reihe kriegen - Gefühle der Wertlosigkeit bis hin zum Selbsthass; Trauer, Verzweiflung - Schlafstörungen - etc.


    Das ist eine Krankheit und nichts, wofür man sich schämen müsste. Vor dem Arzt schon gar nicht.


    Alkohol und sonstige Drogen bringen vielleicht kurzfristige Linderung, machen es aber mittel- und langfristig noch schlimmer.


    Du solltest wirklich zum Arzt gehen. Wenn Du dich zum Hausarzt gar nicht traust, gehe zu einem anderen. Und möglichst bald.


    Evtl. könnte auch http://diese Einrichtung (oder eine ähnliche) Dir helfen.

    Dinge, die mir Spaß machen oder mich erfüllen gibt es nicht mehr. Bei allem stelle ich mir plötzlich die Frage "Wozu eigentlich?" und dann bleibe ich liegen, weil mir kein Grund einfällt. Selbst meine Freunde möchte ich nicht sehen, ich zweifle an ihnen, suche nach Gründen und Fehlern sie nicht treffen zu müssen. Lege mich extra mit ihnen an, um alleine sein zu können. Ich habe lange auf den Schlüsselmoment gewartet, der nach einem nach dieser Enttäuschung signalisiert "hey, es geht weiter". Aber der kam nicht.


    Zu welchem Arzt sollte ich denn gehen? Und was sagt man da: "hey, ich brauche einen Termin, weil ich gerade vor Liebeskummer sterbe?"

    Zitat

    Dinge, die mir Spaß machen oder mich erfüllen gibt es nicht mehr. Bei allem stelle ich mir plötzlich die Frage "Wozu eigentlich?" und dann bleibe ich liegen, weil mir kein Grund einfällt. Selbst meine Freunde möchte ich nicht sehen

    All das ist wohl die Folge bzw. ein Ausdruck Deiner psychischen Erkrankung.


    Du kannst zu einem Arzt gehen, den Du schon kennst, oder zu einem Neurologen/Psychiater.
    Der erste Kontakt ist ja meistens die Sprechstundenhilfe; da kannst Du ruhig sagen, daß Du vermutest, an einer schweren Depression zu leiden. Oder z.B. "Ich habe seit längerer Zeit große psychische Probleme. Bin total fertig mit der Welt."


    Falls Du befürchtest, beim Arzt so gehemmt zu sein, daß Du vieles nicht sagen kannst, wäre es vielleicht eine Möglichkeit, daß Du Deinen ersten Beitrag hier ausdruckst (oder abschreibst) und ihm das zum Lesen in die Hand gibst.

    Du hast es immerhin geschafft, den Beitrag zu schreiben.


    Den Hausarzt kannst du überspringen und gleich zum Psychiater/Neurologen gehen, ggf. dich auch an ein psychiatrisches Krankenhaus wenden. Was du da noch Liebeskummer nennst, hat sich längst zur depressiven Episode, vielleicht auch Depression weiterentwickelt.


    Ja, du hast ne Chance, aber verbessern kannst du diese mit:


    1) keinem Alkohol, keinen Drogen - die Reduktion an der Stelle ist das A und O, denn mit gibt dir kein Psychiater Medikamente, und ohne Medikamente wird die Sache noch schwerer und zieht sich länger hin. Mit einem weieren Konsum nimmt dich auch kein psychiatrisches Krankenhaus auf (Hausregeln).


    2) einer Erwartung, dass es vermutlich lange (mindestens wieder 1 Jahr) dauern wird, auch wenn anfangs schnelle Erfolge möglich sind


    3) keiner Erwartung einer vollständigen Genesung. Nur die Wellen werden schwächer und ggf. kürzer und du findest andere Strategien, damit umzugehen.


    BTW: Mal waschen/duschen, ringsrum frisch machen (z.B. Zähne, Nägel, ggf. Körperhaar), Friseur, frische Klamotten, Wohnung aufräumen => wirkt Wunder. Wirklich. Du selbst behältst die Verantwortung für dich.

    Ich habe es geschafft hier Beiträge zu schreiben, gestern habe ich meine Haare gefärbt und mal durchgesaugt. Solche Dinge machen mich tatsächlich für einige Stunden "zufriedener", doch dann kommt das niederschmetternde Gefühl zurück und ich denke, dass die paar Stunden mehr Zufriedenheit nun auch keinen großen Unterschied machen. Ich mein wozu das alles? Wofür eigentlich zu einer Therapie gehen? Ich bezahle jemanden, dass er mir zuhört? Keine Ahnung, ich weiß nicht, was ich denken soll. Als hätte irgendwer mein Gehirn zu Brei gemacht.

    Aha, du bezahlst jemanden der dir zuhört?


    Wir sind hier nicht in Amiland, wo jeder zum Psychodoc hingeht und selbst bezahlt


    Hier zahlt die Krankenkasse.Raff dich auf und such dir Hilfe.


    Danach wird es dir allmählich besser gehen.


    Dann ist die Welt nicht mehr nur schwarz mit wenigen weißen Flecken.


    Dann wird sie weiß mit einigen schwarzen Flecken.


    So dahin zu vegetieren ist ja auch keine Lösung.

    Ob nun ich oder die Krankenkasse zahlt ist eigentlich auch egal, irgendwer wird von irgendwem bezahlt, damit einer auf mich einredet. Ich möchte mich ja aufraffen, aber es geht einfach nicht. Oder will ich einfach nicht? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass nichts mehr einen Sinn macht. Und ich mit niemandem reden möchte. Mich regen andere momentan nur auf, jedes Mal, wenn ich einen Anruf oder Nachrichten bekomme, würde ich am liebsten das Telefon nehmen und kaputtbrechen, damit das Sch***Teil nie mehr klingelt. Vielleicht möchte ich keine Hilfe, vielleicht bin ich nicht bereit dazu? Aber mir selbst beim dahinvegitieren zuzuschauen, ist auch ätzend.

    Zitat

    Ob nun ich oder die Krankenkasse zahlt ist eigentlich auch egal, irgendwer wird von irgendwem bezahlt, damit einer auf mich einredet.

    Erstaunlich, dass es bis heute Menschen mit solch einer beschränkten Sicht auf die Arbeit von Therapeuten gibt. Es redet niemand auf dich ein. Dafür müsste kein Therapeut studieren. %-|


    Gehe zum Hausarzt und sag, dass du Hilfe brauchst. Und dann sei bereit dazu, dass man dir hilft.