Ich bin natürlich wegen Lösungen hier und Strategien. Ich sehe meine TS auch als Behinderung – ganz im Ernst – für mich ist das halt eine Ganzkörperbehinderung, die entsprechend großflächig Probleme erzeugt und nicht etwa nur eine Hand voll ... hatten wir ja. Das relativiert man mal nicht eben und dann ist das Thema durch.


    Ich denke, dass es mich viele Jahre kosten wird, um das anzunehmen – so wie jemand, der im Rollstuhl sitzt auch sicher Jahre braucht, um wieder im Lot zu landen. Dem ist sicher auch nicht geholfen, wenn man sagt, dass ein anderer auch im Rollstuhl sitzt und vielleicht noch ein weiteres Handicap hat. Wenn jemand 10.000 EUR Schulden, macht es die Lage nicht besser, wenn der Nachbar 20.000 hat ... Relativieren ist eine völlig unpassende Methode, aber es wenden halt viele an. Stelle Dich halt nicht so an. Typisch Alltag.


    Wie gesagt, das funktioniert generell nirgends – so auch hier nicht. Ich habe natürlich auch sämtliche Dinge probiert, die mich optisch nach vorn bringen. Immer bisschen anstrengend, dass klar zu machen – aber ja, ich bin da sehr engagiert bei solchen Dingen. Aber auch das ist halt eine alltägliche Lösungsstrategie: Geh mal zum Friseur, zieh mal was anderes an ... ich melde mich doch hier, weil das alles nicht für mich funktioniert. Maximal halt noch über OPs.


    Dennoch weiß ich, dass ein großer Teil damit einhergehen wird, dass ich lernen muss Anzunehmen. Ich weiß aber nicht wie ich das erreiche. Da bin ich nur wenig nach vorn gekommen. Ich bewege mich ja auch normal in der Gesellschaft und die lebt mir jeden Tag vor, dass es anders sein könnte. Es fängt oft schon bei banalen Dingen an, dass ich selbst in der engsten Skinny-Jeans keine Arsch und nix habe. Völlig unattraktiv und unfeminin – selbst für eine Transfrau wenig. Und daran werde ich ja nun mal täglich stundenlang erinnert, dass die Jeans scheiße aussieht und ich überall so herumlaufe. Und es kann täglich was anderes sein, denn Defizite sind genug da ... es nimmt ja kein Ende und ich weiß absolut nicht, wie ich damit langfristig umgehen soll und kann.

    Ich glaube, du verstehst mich vollkommen falsch: Es geht nicht darum, etwas zu relativieren! Es geht darum, den Schmerz als gleichwertig anzusehen und sich dann ein Beispiel an denen zu nehmen, die es aus dem Scheiß rausgeschafft haben.


    Ein "In Afrika verhungern Kinder" ist eine Relativierung. Es ist aber keine Relativierung, wenn man sich den Schmerz anderer anschaut, ihn von der eigenen Situation abstrahieren kann hin zu "Ich bin nicht alleine. Ich kann es schaffen!". Und genau unter dieser Einsamkeit leidest du nach eigener Aussage. :)_


    Leiden ist leiden ist leiden. Niemand wird genau deinen Lebenslauf, genau deine Gefühle und genau deine Gedanken haben. Deshalb fühlst du dich auch immer unverstanden. Mir ging es genauso.


    Trotzdem gibt es z.B. die Psychologie als Wissenschaft, die das Muster hinter dem Leiden erforscht und Lösungen entwickelt. Und da auch du ein Mensch bist, wie alle anderen auch, können auch bei dir entsprechende Lösungsvorschläge wirken. Nein, ich will dich nicht zum Therapeuten überreden damit.


    Sondern dir klar machen, dass Gefühle meistens einem Muster folgen. Die meisten menschlichen Probleme sind nun mal ganz fürchterlich banal. So wie das Leiden um deinen Körper ein fürchterlich banales Problem ist, das du mit Hunderttausenden teilst. Das heißt nicht, dass es für dich banal ist oder du nicht schrecklich leidest! Das bestreite ich gar nicht.


    Aber ein Schritt aus dem Leiden, aus der Isolation kann z.B. der Austausch mit anderen Betroffenen sein. Ich habe lange gebraucht, bis ich zu dem Mantra gekommen bin: "Wenn ich normal sein will, dann muss ich mich an der Normalität orientieren." Oder man lebt weiter in seiner Blase des Leidens, in der man sich unverstanden fühlt.

    Zitat

    Ich bewege mich ja auch normal in der Gesellschaft und die lebt mir jeden Tag vor, dass es anders sein könnte.

    Gleichzeitig heißt anders sein, nicht automatisch schlechter sein oder schlechter leben. Halt nicht nach einem statistischen Durchschnitt. Das trifft aber auf fast alle zu.

    Zitat

    Es fängt oft schon bei banalen Dingen an, dass ich selbst in der engsten Skinny-Jeans keine Arsch und nix habe. Völlig unattraktiv und unfeminin – selbst für eine Transfrau wenig.

    Und da sage ich noch einmal, was du selber auch zu mir gesagt hast: Du bist weiblich, in deinen Gefühlen, deiner Selbstwahrnehmung. Punkt.


    Mir scheint aber, dass du deine Weiblichkeit immer noch von äußerlichen Attributen abhängig machst und dich deshalb nicht als volle Frau fühlen kannst. Da liegt meiner Meinung nach auch der Knackpunkt: Hättest du das volle Vertrauen, dass du weiblich bist, dann bräuchtest du keinen Knackarsch, dann steht deine Weiblichkeit auch gar nicht zur Diskussion. Will heißen: So wie ich es lese, bist du noch nicht vollständig gedanklich und emotional in deiner Weiblichkeit angekommen.

    Kennst du das androgyne Model Andrej Pejic, caira78?


    "Er"

    hatte ja bereits als männliches Model auch bei Frauenlaufstegauftritten teilgenommen usw.. Und wurde dort durchaus als sehr attraktive Frau betrachtet – auch mit "keinen Arsch in der Hose" und keinen Brüsten.


    Ob man so eine "size-zero-Figur", die ja etwas androgyne Züge trägt, attraktiv findet bei Frauen, ist Geschmackssache. Aber sie muss nicht im Widerspruch dazu stehen als Frau mit einem attraktiven weiblichen Körper wahrgenommen zu werden allgemein. Deshalb sprach ich ja auch an, dass es eben u.a. auch darauf ankommt bei manchen Aspekten, was du für ein weibliches Schönheitsideal verfolgst. Und auch Männer haben unterschiedliche Vorlieben bei Frauen bzgl. der Figur.

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    caira78

    Zitat

    Es geht nicht darum welchen Lippenstift man trägt oder ob man H, V oder ne A-Figur hat. Ich kenne mich damit bestens aus, auch mit Makeup und meine Nägel ernten ständig Lob, weil niemand glauben kann, dass ich die allein mache. Ich habe 60 Paar Schuhe und ich trage auch super gern Röcke und kleide mich schick, pflege sehr intensiv meine Haare ... das alles ändert doch nix daran, dass ich meine Gesichtszüge net wegschminken kann oder keine Hose finde, die bei der schmalen Hüfte trotzdem passt, weils außerhalb des Normbereiches liegt. Ich bin 1,70m und kaufe Gr.40 ... kann immer keiner glauben, aber ich bin halt so breit trotz BMI 21 ... Miniröcke gehen bei mir bis zum Knie.

    Ich bin jetzt verwundert. Ich würde davon ausgehen, dass all diese Dinge mit dem Psychologen vorher besprochen werden. Du selbst schreibst ja, dass dafür Zauber notwendig wäre, dass Dein Erscheinungsbild sich derart ändert. Das Geschlecht wird geändert, Hormone werden zugeführt und damit ist der biologische Begriff erfüllt. Dieses "weiblich" ist aus meiner Sicht etwas ganz anderes. Darum bin ich eben verwundert, wenn Du dem Psychologen gesagt hast, dass Du eine nach Deiner Vorstellung ganz anderes Aussehen als Frau haben wolltest, als möglich war. Darauf hätten Dich doch alle aufklären müssen. Jene Aussagen, die ich bisher von anderen gehört habe waren: Ich will endlich eine Frau sein und als es soweit war, waren sie glücklich. Sie wussten ja, wie sie aussehen und das Aussehen nachher war – wie sie aussahen in Kleidern und langen Haaren. Alles andere wäre nur mit Zauberstab möglich. Darum wundert es mich, dass Du Dein Befinden an diese irreale Vorstellung hängst. Die Weigerung ein unrealistisches Wunschbild abzulegen, ist natürlich legitim, aber doch auch klar, dass Du die Ursache dafür legst.

    Zitat

    Man arrangiert sich hiermit und damit – wie man das halt muss im Leben. Aber wenn einen 365 Tage im Jahr immer die volle Breitseite an hunderten Problemen – das komplette Paket – trifft, ist die Kraft irgendwann alle. Oft steht man einfach auch nur hilflos da und es gibt keine Lösungen ...

    Nein, wenn man keine Lösung will. Alles andere wurde ja schon geschrieben und natürlich ist die Lösung, die eigene Einstellung zu ändern bzw. überhaupt einmal zu einem Selbstbewusstsein zu gelangen. Sätze wie: ich finde mich nun einmal nicht hübsch weil ich einen gewissen Anspruch habe, sind Aussagen, wenn es an Selbstwert fehlt. Du negierst eine Depression – allerdings schreibst Du in einem anderen Faden sehr wohl, dass Du depressiv bist, allerdings hast Du beim Psychologen offensichtlich auch nicht erwähnt, dass Du suizidale Gedanken hast. Du hast große Schwierigkeiten und dafür gibt es Therapien.

    Zitat

    Ich bin natürlich wegen Lösungen hier und Strategien.

    Wenn es so ist – was kannst Du also tun?

    Zitat

    Machst gut.

    ":/ Erinnert mich zeitweise sehr an einen Faden vor kurzem: http://www.med1.de/Forum/Behinderungen/686680/


    Es kommen nicht die Antworten, die man sich wünscht, also wird geflüchtet. Natürlich auch legitim.

    Ich war zu feige ... wie letztes Mal auch %:|


    ... und möchte auch nicht mehr diskutieren. Ihr könnt euch leider nicht ansatzweise in mich reinversetzen. Die Diskussion geht in völlig falsche Richtungen, Sachen, die ich ewig und tausend Mal abgelutsch habe, weil Leute ihre Schubladen nicht ablegen können, Vorurteile, usw. usf. Wie oft habe ich gehört, dass meine Erwartungen überzogen sind und wie oft habe ich das dementiert, weils kompletter Bullshit ist. Sorry, kann das alles nicht mehr hören – es war ein Fehler wieder woanders nach Hilfe zu suchen. Es gibt keine Hilfe.


    Das Problem ist einfach das, dass ich dachte irgendwann wieder ein ordinäres Leben leben zu können. Sobald man sich aber für eine Transition entscheidet, gibt man das auf – für den Traum sein wirkliches Ich leben zu können und der ist damit verbunden, dass man genau das nie erreichen wird – höchstens einen Kompromiss – ein sehr fauler. Es mag Menschen geben, die damit glücklich sind, weil sie eben im Leben wenig oder nichts hinterfragen, aber ich bin es nicht und werde es nie sein. Daran wird nichts und niemand etwas ändern können – es sind unverrückbare Tatsachen.


    Dennoch danke für alle Antworten. Ich möchte nicht undankbar erscheinen oder das ich keinen Rat annehme. Das Problem ist einfach nur, dass ihr nicht verstehen könnt – wie auch – was mich innerlich bewegt und welche Last auf mir liegt und wie sehr ich leide.

    Das ist genau das Problem – es sind nicht die richtigen Antworten für dich. "Richtige" Antworten.


    Du wirst dich selbst und dein äußeres akzeptieren müssen. Ansonsten wirst du ewig unglücklich sein. Es gibt keine Alternative für dich.


    Ich weiß auch nicht, nach welchen Lösungen oder Antworten du hier im Thread gesucht hast. Man hat dir hier Alternativen aufgezeigt, Lösungsvorschläge. Aber du möchtest scheinbar einfach arm sein, bemitleidet werden. Das tut sich aber in so einem Forum keiner lange an.

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    Zitat

    Ich habe keine Lösungen gesucht, sondern wollte einfach nur "mal reden", weil ich niemanden habe.

    Das ging aus deinen Postings nicht so hervor. Die meisten Leute, die auf med1 posten, möchten Lösungen oder Hilfe bei ihren Problemen. Die Leute haben auch versucht, dir zu helfen – wir konnten nicht wissen, dass du dich nur auskotzen möchtest.