• Ich vermisse meine Heimatstadt

    Hi, ich komme aus Österreich (Wien) und bin Anfang des Jahres aufgrund der Liebe nach Franken (Nürnberg) gezogen. Ich bin gerade sehr unglücklich hier. Ich vermisse Wien einfach. Letztes Jahr habe ich mir gerade wieder einen Freundeskreis in Wien aufgebaut, zu meiner Familie in Wien habe ich keinen bzw. kaum Kontakt mehr. Hier in D versuche ich beruflich…
  • 137 Antworten

    Na, wem Nürnberg nicht groß genug ist, fährt ne U-Bahn-Station weiter und is in Fürth 😂.. oder noch n bissi weiter mit der Bahn und man ist in Erlangen, wo immer irgendwo eine Studentenparty oä geht 😉

    Ich wohne zwar in Nürnberg, arbeite aber in Fürth.

    Beide Städte haben ihren Charme, sie gefallen mir architektonisch etc. auch. Aber auf lange Sicht sehe ich mich schon eher in Wien leben und eine Familie aufbauen als hier in Nürnberg.

    Es ist auch mehr so ein Gefühl, hier (noch) nicht richtig angekommen zu sein...

    Ich habe mir überlegt, ob ich es evtl. noch diesen Sommer schaffe, Wien einen Besuch abzustatten, um die Sehnsucht etwas zu stillen. Aber in der jetzigen Situation ist mir das echt zu unsicher.

    Wie unterschiedliche Anschauungen es gibt.


    Wohne im Süden von Österreich.. am Dorf.. arbeite in einer Kleinstadt. Würde es nie im Leben ändern wollen.


    Auch wie hier die Wiener beschrieben werden . Kann ich gar nicht bestätigen .. ;-):_D

    Alias 974059 schrieb:

    Was soll ich tun?

    Abwarten und Tee trinken?

    Ich bin auch so ein Binnenmigrant, der seine Heimat gelegentlich vermisst.


    Anfangs, grade in den ersten Jahren, kann das echt schwer sein, da nicht total depressiv zu werden. Es ist ja das ganze Programm, was man dann vermisst - Freunde, Landschaft, Sprache/Dialekt, Kultur, Lebens- und Denkweise.


    Mir hat es geholfen, bzw. hilft auch heute noch, mich konstruktiv mit der Sache auseinander zu setzen. Im wesentlichen mache ich mir drei Punkte immer wieder klar:

    1. Erinnerungen können täuschen. Ich komme vom Land, aus einem kleinen Kaff, in dem nie viel los war. Die Menschen tratschten, der Kirchenchor probte, ab und an gab es mal ne Hochzeit und alle paar Jahre hat jemand das Ortseingangsschild umgefahren. Ja, heute, im Nachhinein war es da wunderschön. Ruhig, grün, ländlich, mit hilfsbereiten Nachbarn und viel Platz. Heute liebe ich - wie du der Liebe halber - in Berlin und ja, da vermisse ich manchmal das Kaff, in dem ich aufgewachsen bin. Ich vermisse auch das Kaff, aus dem meine Familie mütterlicherseits kommt, weil ich die buckelige Verwandtschaft vermisse. Ich mache mir aber klar, dass ich es, wenn ich dann bei ihnen bin doch nie so lange aushalte. Sie sind mit viel zu kleingeistig, engstirnig und intolerant.
      Ich mache mir also immer wieder deutlich, dass meine Erinnerungen an die Heimat mich täuschen können. Gute Erinnerungen behält man eher als schlechte.
    2. Man ist seines eigenen Glückes Schmied. Du hockst aktuell in der Bratworschdstadt und ich in Berlin, weil unsere Wege uns hierhin verschlagen haben. Ist nunmal so, wir haben uns so entschieden und irgendwo war es halt gut so. Nun merken wir, dass es uns hier nicht ewig hält, das ist ja auch OK. Ich mache mir da immer klar, dass ich das Recht dazu habe, Berlin wegen bestimmter Aspekte nicht zu mögen und dass ich entweder innerhalb Berlins umziehen oder eben aus Berlin wegziehen möchte. Vielleicht nicht heute oder in einem Jahr, aber es wird die Zeit kommen, in der das gehen wird. Und wer weiß, wohin es mich dann verschlagen wird? denn:
    3. Leben ist Veränderung. Ich glaube, es hatte für mich Gründe, dass ich meine alte Heimat verlassen habe. ich meine, wenn ich nicht irgendwo auch neugierig gewesen wäre, hätte ich das nicht getan. Ich merke einfach, dass es mir im Blut liegt, unstet zu sein. Ich suche einerseits nach einem Ort, an dem man sich niederlassen kann und je länger ich dann an einem Ort bin, desto mehr fällt mir auf, dass das nicht dieser Ort ist. Ja, es ist OK, auch mal wehmütig zurück zu denken. Aber ich mache mir klar, wenn ich an die Stationen meines Lebens denke, dass ich dann nicht wirklich die Menschen, die Möglichkeiten oder Orte vermisse, sondern viel mehr wehmütig bin, weil es irgendwie nie der richtige Platz für mich war.
      Ich weiß jetzt nicht, wie alt du bist, ich sehe mich aber noch als eher jung an und hab daher Hoffnung, dass ich eines Tages eben doch über den Ort stolpere, an dem ich bleiben möchte. Ob das nun irgendein Kaff mit ein paar Tausend Einwohnern und diversen Misthaufen ist oder eine großer Moloch aus Stahl und Beton ist, weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, dass ich noch viel zu wenig gesehen habe, um mich zu entscheiden, wo ich mich wohl fühle und niederlassen möchte. Machiavelli schreibt, dass eine Veränderung stets eine weitere Veränderung bewirkt. Und irgendwo macht mir der Gedanke auch Mut. Denn auch, wenn Nürnberg oder Berlin sicher nicht deine oder Meine Wunschorte wären bedeutet der Gedanke ja, dass es eben auch mal wieder weitere Veränderungen geben kann und wird und dass es daher nur besser werden kann.

    Diese drei Punkte mache ich mir deutlich und das hilft mir, klar zu kommen. :)z

    BeataM schrieb:

    es mag ja sein, dass sie Nürnberg an sich halt nicht mag beziehungsweise sich dort nicht heimisch fühlt. Das liegt dann aber nicht daran, dass Nürnberg keine Großstadt wäre, denn Nürnberg ist definitiv eine Großstadt.

    Zwischen Großstadt und Großstadt liegen Welten.


    Die Stadt, in die ich damals zum Studium gezogen bin, hat mehr Einwohner als meine Heimatstadt und trotzdem hab ich mich gefühlt wie in hinterletzten Kaff. Und im Vergleich zu meiner jetzigen Stadt ist meine Heimatstadt winzig obwohl beides per definition Großstädte sind. Hier gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die ich in meiner Heimat nicht hätte und ich kann mir gut vorstellen, dass jemand aus einer „richtigen“ Großstadt sich in meiner Heimat wie in einem Dorf fühlt.


    Aufgewachsen bin ich übrigens auch in einem winzige Kaff (knapp 600 Einwohner) und fand das Leben dort so schlimm und unerträglich, dass ich dieses Kaff heute nicht als Heimat ansehe sondern die Stadt, in die ich mit 20 gezogen bin. Das Dorf habe ich seit meinem Wegzug noch keine einzige Minute vermisst und würde meine Familie dort nicht noch leben, wäre ich dort wohl niemals wieder hingefahren. Und unter gar keinen Umständen würde ich dort wieder hinziehen, eher würde ich in meine verhasste Studienstadt zurückgehen.

    Heimaturlaub wäre gar kein Problem. Ich bin Ende Mai von Wien nach DE und zurück und bin damit nicht die einzige. Zugverkehr läuft und die Tickets sind zur Zeit sogar recht günstig. Und im August fahr ich wieder, also heimfahren ist kein Problem für den der will ;)

    Alias 974059


    gib der Stadt noch eine Chance.

    Du darfst eines nicht vergessen, wir haben jetzt keine normalen Zeiten. Die ganzen Einschränkungen dank Corina machen ein Ankommen - egal wo - momentan doppelt schwer.


    Ich bin damals aus einem kleinen Dreckskaff zum Studium in die nächstgelegene hässliche Industrie-Großstadt gezogen. Mentalitätsmäßig gab es keinen Unterschied.

    Über das „nach dem Studium“ hatte ich mir nicht viele Gedanken gemacht (wir mussten sowieso unterschreiben, dass wir die ersten 3 Jahre nach dem Studium dort hingehen, wo wir eingesetzt werden). Nur bleiben wollte ich nicht.


    Dann habe ich meinen Mann kennen gelernt, er hat seinen Job bekommen, ich dann meinen, die Kinder wurden geboren. So kam eines zum anderen und nun leben wir schon über 40 Jahre hier. Leider, denn ich bin absolut kein Großstadtmensch, ich liebe es eher leise und brauche Natur um mich herum. Was das Leben hier für mich dennoch erträglich macht, sind/ waren Familie und gute Freude, die selbst geschaffenen lieben Kleinigkeiten und vor allem die bewussten mehrwöchigen Auszeiten in der Natur. Die dank Corona dieses Jahr aber auch ausgefallen sind.


    An meinen Geburtsort war ich erst wieder häufiger, nachdem bei meiner Mutter die Demenz ausbrach. Nun nach ihrem Tod und der Erledigung der letzten Behördengänge, habe ich mir die Ecken nochmals bewusst angesehen. Bin die Wege gegangen, die ich früher täglich gegangen bin (vieles sah tatsächlich noch genau so aus, wie damals) und habe endgültig Abschied genommen.


    Zitat

    Der hohe Norden ist allerdings unser Traum für die Rente. Da möchte ich mitten in der Pampa alt werden (in Strandnähe).

    Ja, das sind auch so unsere (oder eher meine) Vorstellungen. Derzeit sind wir bei den ersten zaghaften Vorbereitungen, da alle Kinder und Familie inzwischen weggezogen bzw. verstorben sind.

    Nur wird das wohl realistisch betrachtet, ein Traum bleiben. Im Alter braucht man dann doch etwas mehr an Infrastruktur wie fußläufige Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte.


    anfangmitfreude

    Sehr schön formuliert.


    Zitat

    Nürnberg ist definitiv eine Großstadt.


    Ich kenne Nürnberg nicht, deshalb habe ich bzgl. Größe und Bevölkerung mal bei Wiki nachgeschaut. Mein jetziger Wohnort ist, wenn auch mit einer geringeren Bevölkerungsdichte, flächenmäßig größer. Ich finde das alles noch ziemlich überschaubar. Mit einer „Metropole“ wie Wien kann man Nürnberg ganz sicher nicht vergleichen. Ich kann schon verstehen, dass ein echter Großstadtmensch wie die TE dies nun winzig findet.

    Ab 100.000 Einwohnern ist es nunmal eine Großstadt, die Begrifflichkeit steht fest. und Nürnberg gehört zu den 15 größten Städten Deutschlands. Dass einem das zu klein ist, wenn man aus einer Millionenstadt kommt, mag ja sein, das bestreite ich auch gar nicht. Aber dennoch kann man Nürnberg jetzt doch nicht mit einem 2000-Einwohner-Kaff vergleichen.

    BeataM schrieb:

    die Begrifflichkeit steht fest.

    Begrifflichkeiten ändern aber nichts an den Gefühlen, die man hat. Man kann sich auch in einer Millionenstadt sehr sehr einsam fühlen.

    Dann hat auch Milllionen Menschen umsich herum und sollte sich der "Begrifflichkeit" wegen deshalb nicht einsam fühlen? Weil - geht ja gar nicht bei Millionen Leuten .":/:-/

    BeataM schrieb:

    Ab 100.000 Einwohnern ist es nunmal eine Großstadt, die Begrifflichkeit steht fest. und Nürnberg gehört zu den 15 größten Städten Deutschlands. Dass einem das zu klein ist, wenn man aus einer Millionenstadt kommt, mag ja sein, das bestreite ich auch gar nicht. Aber dennoch kann man Nürnberg jetzt doch nicht mit einem 2000-Einwohner-Kaff vergleichen.

    Ich bin in einer Stadt großgeworden die uber 300.000 Einwohner hat. Die Atmosphäre und Mentalitat ist aber "Kaff" und lässt sich nicht in Einwohnerzahlen messen. Da kann keine "Definition als Großstadt" etwas dran andern.


    Begrifflichkeiten sind fur mich genau das: nur notdurftig zusammengebastelte Versuche etwas in Worte zu fassen, was man gar nicht in einem Wort zusammenfassen kann.


    Wir sagen hier immer, das unsere Stadt "Großstadt werden will". Mit einem Grinsen. Weil eben alles eben doch eher wie gewollt und nicht gekonnt wirkt. Irgendwie niedlich. Da wird zum Beispiel die Straßenbahn zur Stadtbahn umgetauft damit wir sagen können "S-Bahn" und die funf Stationen unterirdisch geführte Straßenbahn sind dann unsere "U-Bahn". Aber Hauptsache, es klingt großstadtisch.


    Eigentlich ist es ein Sammelsurium kleiner Dorfer die sich zur Stadt zusammengefasst finden und daher "Großstadt" taufen dürfen.


    Merkt man schon daran, das jeder hier seine Herkunft niemals mit dem Stadtnamen angeben wurde sondern dem wohlabgetrennten Stadtteil /Dorf.


    Nein, nicht alles was per Definition Großstadt ist, ist auch eine.

    ihr wollt auch einfach nicht verstehen, was ich meine, aber ist ja auch egal. Ich bezweifle ja gar nicht, dass sie sich dort nicht wohlfühlt.

    Wenn man hier mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, ist hier in Nürnberg eigentlich immer viel los, da bemerke ich kaum einen Unterschied zu Wien.

    Was ich jedoch auch an Wien so liebe, was viele andere Städte nicht haben ist die geografische Nähe anderer Länder.

    Ungarn, Tschechien und Slowakei sind in 45 Minuten bis 1,5 Stunden zu erreichen.

    Schnell mal nach Bratislava auf einen Kaffee ist jetzt z.B. nicht mehr drinn.

    Diese Freiheit und Flexibilität sowie das Lebensgefühl vermisse ich einfach.

    Obwohl ich, als ich nach Nürnberg gezogen bin, froh war, meinen Vermieter in Wien los zu sein, weil der mich ziemlich abgezockt hat.

    Ich hoffe, dass das mit Corona nicht schon wieder schlimmer wird, sodass ich Wien mal wieder einen Besuch abstatten kann.

    Langfristig, so habe ich momentan das Gefühl, ist das tatsächlich die Stadt, in der ich leben möchte.

    Alias 974059 schrieb:

    Langfristig, so habe ich momentan das Gefühl, ist das tatsächlich die Stadt, in der ich leben möchte.

    Dann kannst du doch deine Pläne so gestalten. Du suchst ja theoretisch nach eine Lösung.

    Schon, aber wie überbrücke ich Die Zeit, bis ich wieder in die Heimat kann?

    Ich habe solche Sehnsucht und weiß jetzt auch nicht, wie ich 3 Jahre Studium "aushalten" soll.

    aber löst das zeitnahe umziehen nach wien eines deiner probleme? ein umzug kostet geld und so wie ich verstanden habe, hast du in nbg liebe und perspektiven.


    kann es sein, dass du deine unzufriedenheit mit den öffentlichen verkersmitteln, Angst vor dem was noch kommt, mit heimweh kompensiert?


    rein rational (corona, geld für umzug, liebe in nbg, perspektive), spricht nichts für einen zeitnahen umzug.


    ich würde die situation annehmen und das beste daraus machen, ausflüge, essen in der fränkischen, etc.


    wenn du dich immer wehrst geht das Leben an dir vorbei