Interessen eines Teenagers

    Ich bin total unzufrieden.


    Unzufrieden mit mir selbst und meinen Interessen. Ich halte sie für falsch und schäme mich regelrecht, dass ich nicht die Interessen habe, die ich in meinen Augen eigentlich haben sollte.


    Mich interessieren fast nur Dinge, die Teenies interessieren. Make-Up, Kleidung, Kino, Netflix, Gossip, unglaublich banales Zeug. Und das mit 27.


    Und damit komme ich mir so hirnlos vor, neben meinem Freund und meinen Freundinnen. Wenn sich mein Freund über etwas unterhält, kann ich immer nur doof daneben stehen und zuhören. Er interessiert sich wahnsinnig für Maschinenbau (sein Studium), Politik, Wirtschaft, aber weiterhin auch noch für typische Smalltalk-Themen und hat eigentlich immer etwas zu sagen. Meine Freundinnen, noch aus der Schulzeit, sind da ganz ähnlich. Ganz einfach auch durch ihr Studium bzw. ihre Berufe, setzen sie sich mit wirklich wichtigen Themen auseinander.


    Und ich kann mit vernünftigen Themen so gar nichts anfangen. Während mein Freund zur "Unterhaltung" abends noch James Comey's Buch liest, habe ich so gut wie gar keine Bücher gelesen. Ich muss mich immer über die Seiten schleppen, selbst bei Büchern, die ich mir ausgesucht habe. Ich werde beim Lesen irgendwie unruhig, schnell finde ich mich bei dem Gedanken wieder, wie lange es wohl dauern wird, bis das Kapitel endlich durch ist.


    Durch mein Umfeld werde ich also schon ständig indirekt damit konfrontiert. Umgehauen hat es mich allerdings beim Besuch meiner Eltern vor ein paar Tagen. Zwangsläufig wurde meine berufliche Situation kurz thematisiert, was mir schon sehr unangenehm war. Ich war dann erleichtert, dass sich das Gespräch doch schnell in eine andere Richtung entwickelt hat und es dann um seichtere Themen ging. Urplötzlich stand mein Vater dann nach einigen Minuten auf und verließ den Raum mit den Worten, ich solle doch endlich mal erwachsen werden. Das geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf.


    Warum bin ich nur so fixiert auf dieses sinnlose Zeug? Mir ist es peinlich, dass ich mich quasi wie ein Kind verhalte. Ich würde mich so gerne für all die Sachen interessieren, die meine Familie, meine Freunde wichtig finden. Kann man das denn erzwingen?

  • 136 Antworten

    Hasse es zu sagen, aber meine Teenies interessieren sich für Zocken, Weltpolitik, Sport, Mangas, Zeichnen und Lesen. Sie sind weiter als du.


    Ich glaube du solltest studieren oder arbeiten gehen. Sonst kommst du nie weiter.

    Die Interessen sind doch gar nicht mal das Problem.

    Dein Vater möchte vermutlich einfach nur dass du selbstständig wirst.

    Also dass du für dich selbst sorgen kannst und dein eigenes Einkomen hast.

    Verhueter:


    Mit weniger Zeit würden sich meine Interessen doch nicht ändern.


    Luci32:


    Auch hier ganz ähnlich: Arbeit bedeutet nur weniger Zeit für die Interessen. Das ist zwar kein Problem, aber auch keine Lösung. Ich wünschte ich hätte einfach andere Interessen.


    Plüschbiest:


    Das wird natürlich Teil des Grundes sein, der ihn zu seinem Kommentar bewegt hat. Aber es geht ja nicht nur um die Arbeit. Ich bin nicht das, was man von mir erwartet. Ich bin nicht das was ich sein sollte und sein möchte.

    Wie hat sich das eigentlch entwickelt, dass Du auf diesen Interessen "hängen" geblieben bist?

    Die hat ja jeder irgendwie (ich bin 45, schaue gerne Filme, ohne Netflix geht's auch nicht mehr, bin durchaus offen für Mode) - aber DANEBEN entwickeln sich ja doch andere Bereiche. Ich habe vor Internet, Facebook, Instagram und Netflix gerne gelesen - und tue es immer noch. Fotografiere gerne, ziehe die Anschaffung eines ePianos in Erwägung (habe früher mal zwei Instrumente gespielt, ist aber in den letzten 20 Jahren untergegangen).


    Kurzum: Deine Interessen an sich sehe ich als weniger problematisch als vielmehr den Aspekt, dass Du Dich darauf beschränkst und eine gewisse Weiterentwicklung ausgeblieen zu sein scheint. Warum? Wie?

    CynthiaVan schrieb:

    Ich bin nicht das was ich sein sollte und sein möchte.

    Was WILLST Du sein? Und warum bist Du es nicht?


    Wenn Du Meinungen und Erwartungen anderer mal weglässt: Was ist dann DEIN Ding?

    Plüschbiest:


    Aber es stört mich selbst ja auch. Die anderen erinnern mich nur daran. Die Unzufriedenheit ist auch ohne sie da. Nur häufiger unterdrückt.


    Sunflower_73:


    Bei mir hat sich einfach gar nichts entwickelt. Ich habe, so wie andere auch, immer wieder geschaut und probiert, ob mich etwas interessiert, aber es gab nie etwas.


    Warum, das wüsste ich auch gerne.


    Ich will nicht so sein wie ich jetzt bin. Aber anscheinend will ich auch nicht anders sein, denn sonst wäre ich es ja. Ich will nicht nur hohle Themen interessant finden. Aber die Tatsache, dass ich andere Themen nicht interessant finde, zeigt mir ja, dass ich die auch nicht will.


    Deswegen ist mein Ding, doch irgendwie nicht das, was ich möchte.

    Ich glaube das du dich ein bisschen in dir selbst verkapselt hast und dir derzeit schlicht der Elan fehlt.


    Du bist mit dir selbst unzufrieden - was dein Selbstbewusstsein trübt - und bekommst von Außen negatives Feedback - was dein Selbstbewusstsein weiter trübt. Der erste Schritt ist, dass du zu dir selbst stehtst und dich akzeptierst: Sobinich.
    So good, so far.


    Dann überlegst du: Werwillichwerden.


    Es geht nicht darum sich unbedingt für alle 'großen' Themen zu interessieren. Ich bin ziemlich an psychologischen und zwischenmenschlichen Dingen interessiert und werde häufig mit dem Ausspruch 'Wissen das die Welt nicht braucht' konfrontiert. Interessiert mich einen Scheiß. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.


    Allerdings - ich greife nur den Kommentar auf und habe deinen anderen Beitrag selbst nicht gelesen - solltest du zumindest zusehen das du in beruflich-gesellschaftlichen Kontakt kommst, um deinen eigenen Horizont zu erweitern. Es sind eben oftmals die Lebenssituationen die den Charakter formen und wenn du dich keinen neuen Situationen aussetzt, gibt es nichts was deinen Charakter, deinen Informationsstand ändern oder füttern kann.


    Wenn dich Make-Up interessiert ist das nicht doof. Das kann sehr komplex sein. Man kann sogar Geld damit verdienen und ehrlich gesagt läuft damit ein Stück weit die Welt rund.

    Ob du innerlich mit deinen Themen ein Teenie bleibst oder da in die Tiefe gehst und ernsthafte Interessen aufbaust ist dir überlassen. Aber nur wenn du dich ernsthaft mit etwas beschäftigst, wirst du darin auch ernst genommen.


    Zu deinem Dad ... ich verstehe total das dir das an die Nieren geht. Eigentlich meint er damit aber wahrscheinlich nur, dass er sich Sorgen um dich macht.
    Ist nicht die netteste Art das zu dokumentieren, aber versuch es ihm nachzusehen wenn du kannst. Sonst sprich ihn einfach darauf an.

    Eleonora:


    Was Make-Up und Kleidung anbelangt, muss ich wohl noch sagen, dass mich eigentlich größtenteils sogar nur der Konsum interessiert.


    Dass es meine Entscheidung ist, ob ich erwachsene oder kindliche Interessen verfolge, kann ich jedoch nicht ganz nachvollziehen. Klar, ich kann mich mit ernsten Themen beschäftigen. Aber dadurch werden es keine Interessen. Ich würde mich dann zwingen und das kann ja auf Dauer auch nicht klappen. Ich würde mich schon gerne mit diesen Themen beschäftigen, aber ohne Zwang. Ich würde meine Interessen sehr gerne umstellen auf ernsthafte Themen, aber die bloße Beschäftigung mit solchen Themen macht das ja nicht,


    Es ist alles irgendwie eine verflixte Situation. Und um eine Arbeit zu bekommen, soll ich mich an meinen Interessen orientierten, während ich, um an andere Interessen zu kommen, mich auf die Arbeit stützen soll.

    Ich glaube, du hast einfach ein Problem damit, ins Erwachsenenleben zu treten und Verantwortung für dich zu übernehmen.


    Vielleicht würden dir ein paar Gespräche mit einem Lebensberater/Coach weiterhelfen.

    CynthiaVan schrieb:

    Warum bin ich nur so fixiert auf dieses sinnlose Zeug?

    Weil es für dich bis dato keinen Grund gab, dich mit anderen Dingen zu beschäftigen, du ist "gut umsorgt" und musst dich nicht kümmern? Offenbar hast du deswegen auch keine besonderen längerfristigen Ziele für dein Leben- alles plätschert auch so dahin?

    Irgendwann ist offenbar in deinem Leben Interesse, dass du natürlicherweise hattest, ausgetrieben worden. Zum Konsum wirst und wurdest du durch dein menschliches Umfeld angeregt- das prägte und prägt dich. Erwachsen wirst du, wenn du alle deine Sachen selst in die Hand nimmst.

    Zitat

    Dass es meine Entscheidung ist, ob ich erwachsene oder kindliche Interessen verfolge, kann ich jedoch nicht ganz nachvollziehen.

    Es geht nicht um 'kindlich oder erwachsen' - sondern darum ob es Themen gibt, in die du dich vertiefen möchtest. Wenn es dir bei den Themen nur um den Konsum geht, sind das nicht deine Themen. Dann ist es Ablenkung und Kompensation.

    Interessen entstehen nicht auf Knopfdruck, oder weil man sich zwingt. Es braucht einen Auslöser - und den findet man in einem leben das man führt ... und nicht an sich vorbeiziehen oder gar abrutschen lässt. Man geht raus und lässt sich inspirieren ... schaut was es alles gibt und lässt es auf sich wirken.
    Das sind Dinge die man nicht im Internet oder am PC findet. Das kann man erst, wenn man 'draußen' schon etwas gefunden hat. Es bringt dir also nichts dich mit Themen zu zu ballern und zu hoffen das du auf einmal Feuer und Flamme bist. Du musst ein bisschen leben.


    Zitat



    Es ist alles irgendwie eine verflixte Situation. Und um eine Arbeit zu bekommen, soll ich mich an meinen Interessen orientierten, während ich, um an andere Interessen zu kommen, mich auf die Arbeit stützen soll.

    Um Geld zu verdienen musst du nicht zwangsläufig in einem Beruf arbeiten der dich komplett erfüllt. Es reicht einer mit dem du gut leben kannst und der erstmal genügend Geld ranbringt. Wenn du nun ewig darauf wartest in eine Ideale Position zu kommen, verschenkst du Zeit. Denn es kommt nichts von selbst - höchstens von dir selbst.

    Und wenn es erstmal ein Mini-Job ist. Fang halt klein an. Aber fang an. :)^