• Introvertiert,Schüchtern,Angstgestört und Depressiv

    Moin, ja, der Titel sagt eigentlich schon das meiste. Ich bin introvertiert,extrem schüchtern Frauen gegenüber, hab eine generalisierte Angststörung, eine Sozialphobie und natürlich auch Depressionen. Das Problem ist, das ich eine Frau kennengelernt habe, die meine zweite große Liebe war. Ich hatte eine echt schöne Zeit mit ihr, aber zur Beziehung…
  • 19 Antworten
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    Nein,.. so verspitzt bin ich nicht darauf. Aber die Ausbildung ist das einzige was mich irgendwie noch am Wasser hält.

    Das klingt ja schon recht dramatisch. Denn natürlich kann es sein, dass dir während der Probezeit gekündigt werden könnte. Erhofft sich keiner, aber dann muss es auch weitergehen. Eben mit einem Plan B.

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    Die Ausbildung ist ein 6er im Lotto und ich will auf keinen Fall die Stelle dort verlieren.

    Nicht immer hat man das zu 100% in der eigenen Hand.

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    Inwiefern Konfrontationstherapie?

    Eine Konfrontationstherapie heißt so, weil sie dich mit den Angstobjekten oder Angstsituationen stufenweise konfrontiert, dabei aber klein anfängt und den Reiz steigert, aber so dass es für dich aushaltbar ist. Zwischendurch wird dein Erlebtes besprochen und Ziel ist, dass du bei den Reizsteigerungen deine Angst schrittweise überwindest. Weil du jedes Mal merkst, dass deine Angst keinen Sinn hatte. Und so sollst du die Angst ablegen und selbstbewusster damit umgehen.


    Also Stufen am Beispiel:


    * Frauen mit etwas Abstand ertragen/aushalten


    * Frauen im selben Raum ertragen


    * Frauen in die Augen schauen und lächeln, schauen was zurückkommt


    * Frauen begrüßen und verabschieden


    * Frauen ansprechen, dich vorstellen, sie was fragen, und verabschieden


    * Smalltalk führen


    * Sympathie äußern und erkennen


    * flirten


    * Verabredungen machen, Dates haben, ausgehen, essen gehen, Kino


    * Körperlichkeiten: Handschlag, in den Arm nehmen, Umarmen, French Kisses, zum Tanz auffordern, Tanzen, Kuscheln


    erst mit bekannten Frauen (z.B. deiner Mutter, Schwester, Tante, Oma). Dann mit einer Klassenkameradin oder Kollegin, oder Gruppen von ihnen. Dann mit fremden Frauen, z.B. in der Stadt in einem Cafe oder an einer Bar. Oder in einer Warteschlange an der Kasse. Erst in vertrauter Umgebung, dann in fremder Umgebung. Erst im Gespräch kommt dann raus, wie groß deine Angst wirklich ist. Es scheint ja schon einiges zu gehen, wenn du schreibst: "Ich kann in der Öffentlichkeit sein, zum Fitnessstudio oder auf Partys gehen."


    Auch mit Ablehnung klarkommen. Und deine Gefühle (ohne Wertung) nicht nur verstecken, sondern auch vermitteln. Sympathie von deiner Seite, Abneigung von deiner Seite, Langeweile, Interesse. Freude, Lust, Ärger, was sich zwischenmenschlich eben so ergibt.


    Und wenn du sagst zittrige Hände, Angstschweiß: naja, dafür gibt's Messgeräte. Darüber können also Fortschritte auch gemessen werden. Der Grad deiner Angespanntheit oder Entspanntheit.


    In Rollenspielen kann auch extern eine Videokamera mit dazukommen, wo du dich danach mal von außen sehen kannst. Und vielleicht zu der Bewertung kommst: "Ich hatte zwar totale Angst, aber von außen sieht man das wirklich nicht so. Und ich habe das doch ganz gut gemacht!" Über diese Erfolge im Trockentraining kommt dabei ein gewisses Maß an Sicherheit im Umgang mit anderen.

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    Augenkontakt mit dem Therapeuten/in würde ich am liebsten Umgehen um ehrlich zu sein, aber das wäre ja sowieso nicht möglich,.. oder?

    Bei Gesprächstherapie typisch nicht, (da sitzen sich beide gegenüber und der Therapeut arbeitet auch mit Mimik und Gestik, spiegelt dich vielleicht sogar), aber auf der berühmten Couch kannst du frei irgendwo hin schauen und nicht auf den Therapeuten. Hier zählen viel mehr deine Gedanken im Kopf. Man könnte auch so anfangen und dann später wechseln.

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    Weiß halt nicht wie weit ich den Bogen während der Probezeit ausspannen kann. Ist ein reiner Leistungsbetrieb, wenn man einknickt ist man halt raus. Deswegen wäre die Situation das mein Umfeld/mein Arbeitsplatz davon mitbekommen, absolutes worst case Scenario

    Bundeswehr und da Offizierslaufbahn? Fremdenlegion? Kampfschwimmer? Profi-Sport? Polizei? BND/Zoll? Kampfmittelräumdienst? Sprengmeister? Kapitän/Lotse? Pilot/Fluglotse? Solist (Musik)? Ballett-Solo-Tänzer? Rennfahrer? Gab es eine Aufnahmeprüfung? Sowas hätte ich da im Kopf.


    Für manche Berufe/Tätigkeiten solltest du du dir vorher nochmal genauer überlegen, ob die auch wirklich gut zu dir und deiner Verfassung passen. Denn die psychischen/mentalen Anforderungen in dem Beruf/Ausbildung sollten auch zu deinem Vermögen passen.

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    Eben mit einem Plan B.

    Hoffen wir mal nicht :-/


    Aso, also war mit Konfrontationstherapie wortwörtlich Konfrontation gemeint. Ich hatte mal auf Youtube durch Zufall ein Video (was auch eine Konfrontationstherapie ist??) gesehen, glaube Jonny Berba Coaching oder so in der Art hieß das, wo die auch Stück für Stück wortwörtlich Leute auf der Straße angesprochen haben. Das grauste mich total, vorallem konnte ich das nichtmal zu ende angucken vor lauter Fremdschämen ":/ Ich meine, Hut ab, das die sich das trauen,.. aber das wirkt einfach so.. unnatürlich.


    Wie gesagt, sehr stark schränkt es mich nicht ein, aber trotzdem ist es sehr anstrengend. Neben dem Hände zittern habe ich auch so ein "Kopf"zittern. Wenn ich z.b im Studio bin und mich beobachtet fühle und dann versuche in eine andere Richtung zu gucken, bewege ich den Kopf seeehr krampfhaft und zitterig.. schwer zu beschreiben.


    Das meine Angstgedanken unnötig sind weiß ich im Bewussten Sinne, aber im Unterbewussten ist es doch stark verankert, so das ich nicht dagegen "ankämpfen" kann.


    Nein ich bin nicht beim Bund o.ä, ist ein Wirtschaftlicher Betrieb bzw. Kaufmännische Ausbildung

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    Eben mit einem Plan B.

    Hoffen wir mal nicht :-/

    Es lohnt sich, sich einen Plan B zurechtzulegen. Wenn er dann nicht gebraucht wird, um so besser. ;-)

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    Aso, also war mit Konfrontationstherapie wortwörtlich Konfrontation gemeint.

    Konfrontationstherapie ist ein Fachbegriff. Und eh ich mir hier einen Wolf schreibe, lies dir einfach mal das durch:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Konfrontationstherapie


    Da sind eine Menge med. Begriffe drin, die müsstest du für dich und deine Ängste passend übersetzen.

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    Ich hatte mal auf Youtube durch Zufall ein Video (was auch eine Konfrontationstherapie ist??) glaube Jonny Berba Coaching oder so in der Art hieß das, wo die auch Stück für Stück wortwörtlich Leute auf der Straße angesprochen haben.

    Naja, den fachlichen Begriff würde ich dann nicht übernehmen. Sondern es ist was anderes: ich sehe das dort beschriebene als Motivation, dass Leute mit eher gering ausgeprägten Ängsten (also ohne diagnostizierte Angststörungen und ohne soziale Phobien) eben auch mal ihren inneren Schweinehund überwinden und selbst aktiv werden. Verunsicherte Jugendliche mit den "normalen" pubertären Ängsten, die aber nicht psychisch besonders oder verhaltensauffällig sind.


    Und in dem Video zieht er das ja auf eine lustige Schiene, setzt Dreistigkeit ein, übertreibt deutlich in der Art, so dass es ja schon wieder unsozial ist:


    https://www.youtube.com/watch?v=IBahUTBFOzo


    Es kann aber sein, dass er das mit System macht. Er übertreibt so stark (Are you doing ok? Is there a reason to not marry me?), damit die eingeschüchterten Zuschauer sich wenigstens mal ein kleines "hallo" trauen. Auf normale kann sowas dann motivierend wirken, auf andere mit stärkeren Angstzuständen oder Phobien wirkt es hingegen abstoßend widerlich und nicht aushaltbar, weil grenzüberschreitend. Ich glaube, dass so ein Coach für deine Form nicht wirklich geeignet ist, wenn er so arbeitet.


    Coaches (und hier Coaching als Tätigkeit) sind keine Psychotherapeuten im klinischen Sinne, sondern arbeiten auf privater Basis (also ohne Krankenkassen-Abrechnung, ohne gesundheitliche Schwierigkeiten) und private Abrechnung eben um den Klienten zu helfen, die gern ihre Dienste in Anspruch nehmen. Sie arbeiten etwas anders. Coaches nehmen insbesondere die Leute in Anspruch, die sonst fürchten, allzu schwer wiegende psychische Sachen in ihrer Krankengeschichte stehen zu haben. Der eine will noch verbeamtet werden, der andere will auf eine private Krankenkasse wechseln, die Motivation kann ganz unterschiedlich sein. Coaches sind auch schneller verfügbar, wo man auf Psychotherapie doch recht lange (3-6 Monate sind normal) wartet. Und sie arbeiten mit "schnellen Lösungen" und sofortiger Aktivität. Aber Coaches kennen auch die Grenzen ihres Tuns, also welche Klienten sie annehmen, und welche nicht.


    Aus meiner Sicht gibt es keine "eigene Konfrontationstherapie", aber es gibt schwächere Begriffe: seinen Mut zusammennehmen, sich selbst motivieren, sich einen Ruck geben, sich was trauen, über den eigenen Schatten springen. Wer dazu die Kraft hat und Motivation, klar, der soll das machen.


    Wenn du merkst, dass bestimmte Situationen dich schon beim Zuschauen emotional überfordern, vielleicht fängst du anders an, z.B. mit Filmen für Teenager über so erste Romanzen und Liebeleien, Schwierigkeiten und Rückschläge, aber auch mal Mut und Erfolg. Nineteen ist ja noch Teenager. Und dann FSK12-Filme. Die dürften dich nicht überfordern. Die Filme sind ja so gestrickt, dass sich viele drin wiederfinden sollen: der eher Draufgänger, der eher introvertierte, der weit Entwickelte und der Nachzügler. Und junge Menschen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften ringsrum: Elternhaus, Bildung, Attraktivität usw.


    Die Bibliothek hat eine große Auswahl an DVDs, und Bibliotheken sind ja fast ideal für Schüchterne, die trotzdem nicht nur Youtube und Streaming-Dienstleister als Verleiher wollen, sondern auch mal rauskommen und ganz entfernt mit Menschen zu tun haben wollen. Dann ist die Bibliothek eben deine erste Herausforderung. Dort paar Filme aussuchen, die entfernt mit deinen Angstthemen zu tun haben, trotz dessen, dass andere Leute dort ja auch um dich herum sind. Aber eben ganz lose und locker. Und die Filme müssen ja vielleicht auch nicht immer nur die Risiken betonen, sondern auch die Chancen dabei.


    Ich würde sagen, solange du selbst was gegen deine Ängste tun kannst, auch immer mal selbst Lösungen findest und kleine Fortschritte, solltest du den Weg auch gehen. Mit Eigenmotivation, Kreativität, Abschauen von anderen. Therapie kommen dann zum Zuge, wer dies aus sich allein nachhaltig nicht schafft und immer größere persönliche Probleme hat.


    Es gibt Beratungsstellen (z.B. bei den Gesundheitsämtern) für Menschen, die sich unsicher sind, wie sie ihre Probleme angehen. Was deckt ein Coach oder eine Selbsthilfegruppe noch ab, dann eine Groborientierung im psychotherapeutisch ambulanten Angebot, und was leisten psychiatrische Kliniken und stationäre Therapien. Dich in der Vielfalt von Angeboten ein bisschen zu informieren und zurecht zu finden, was für dich passend sein könnte, könnte dein Verständnis darüber deutlich verbessern.

    Naja, ich weiß nicht wie mich solche Filme jetzt weiterbringen sollen. Habe doch während meines Lebens sowieso schon hunderte Filme/Serien gesehen.


    Hab mir ein paar Therapeuten mal rausgesucht die ich anrufen werde. Bin aber über ein paar Berichten im Internet gestoßen wo teilweise Leute schon 2 - 3 Therapien, darunter auch stationäre aufenthalte, hinter sich haben und trotzdem noch krank sind. Wie hoch sind denn die Chancen (generell) sowas komplett loszuwerden ???

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    Wie hoch sind denn die Chancen (generell) sowas komplett loszuwerden ???

    Diese Chancen auf komplette Heilung sind relativ klein, gerade falls deine Eltern und Großeltern ähnliche Erkrankungen aufweisen sollte, denn da spielt auch eine genetische Komponente mit rein. Realistischer ist, durch die Therapien die Zeiträume zu verlängern bis die nächste Zeit kommt, wo es dich dann wieder stärker betrifft (also die nächste Episode). Und dann lohnt sich Therapie auch schon.


    Gerade weil dieser Rückfall so häufig ist, kennt die Klinische Psychologie dafür zwei Begriffe:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Rezidiv


    https://de.wikipedia.org/wiki/Remission_(Medizin)


    Schau da mal rein und klick dich ein bisschen durch. Insofern ist eine psychische Krankheit etwas anderes als ein gebrochener Arm, der wieder verheilt.


    Was mir aber in der Klinik gesagt wurde: wenn sich Patienten früh (also in jungen Jahren, und du bist ja noch recht jung) in eine ernsthafte Form der Therapie begeben, steigen ihre Chancen deutlich als wenn sie es ihr Leben lang mit sich rumschleppen und nie so richtig angehen. Darüber hast du es selbst so ein Stückweit in der Hand. Aber klar: die Klinik macht natürlich auch "Werbung" für ihren Weg. :=o


    Und was gefragt ist: Optimismus von deiner Seite. Für einen Mensch mit Depression ist genau diesen Optimismus zu entwickeln aber keine ganz einfache Nummer. Insofern steht einem die Krankheit selbst im Wege, an die Heilung zu glauben. Dabei hätte genau dieser Glaube an die Heilung schon selbst einen heilenden Effekt. Mach was draus. :)*