Irrationale, übermächtige Gefühlswallungen ausgelöst durch Physiotherapie

    Ich habe schon seit langem Probleme mit der HWS, dazu Tinnitus und neuerdings auch noch Drehschwindel. Sehr belastend, das Ganze. Nun habe ich bereits einiges an Physiotherapien hinter mir, die mir körperlich mal recht und mal schlecht halfen. Ich nun die Physio-Praxis gewechselt, weil mir die neue sehr empfohlen wurde. Dort ist eine Therapeutin tätig, zu der ich sofort tiefes Vertrauen fassen konnte und bei der ich das Gefühl hatte, sie bereits lange zu kennen (ich bin ihr tatsächlich vorher nie begegnet). Ich sage das deshalb, weil das neu für mich war. Man geht halt üblicherweise zur Therapie, bekommt seine Anwendungen, macht zu Hause seine Übungen wenn man brav ist und hofft auf Besserung.

    Hier ist es jedoch so, dass diese Person mit ihrerer sehr sensiblen Behandlung eine mentale Lawine in mir losgetreten hat. Mich überrollen seither extremste Gefühlsausbrüche und Stimmungen, träume die wirrsten Dinge. Völlig irrational und auch nur sehr schwer zu ertragen. Mir ist nun auch klar, dass meine Verspannungen und physischen Probleme wohl eher seelische Ursachen haben. Aber wie geht es nun weiter?

    Kennt jemand derartiges und hat Erfahrungen damit?

  • 27 Antworten

    Was denn für Gefühlswallungen, positive oder negative?


    Was du über die Therapeutin schreibst klingt nach akuter Verliebtheit - das klingt nach 3 bis 6 Monaten auch unbehandelt wieder ab. ;-)


    Oder hast du das Gefühl da brechen negative Gefühle auf die bislang als psychosomatisch Symptome deine Beschwerden verursacht haben? Also Wut, Trauer, Angst? Wenn ja, ist es gut, sich diese einzugestehen und sie zuzulassen- dann klingen sie meist von alleine ab.


    Wenn dich der Hintergrund der Gefühle interessiert wäre eventuell auch eine begleitende Psychotherapie sinnvoll.

    Offensichtlich werden da tiefe Sehnsüchte wach.


    Schon immer wolltest du so wahrgenommen werden.


    Wenn in deinem Leben solche Menschen nicht auftraten, weißt du nun, worauf du achten solltest.


    Aber diese Therapeutin ist nur ein Anzeiger für solche Bedürfnisse..


    Nicht diejenige, die sie stillen muss.

    Eure Vermutung ist sehr naheliegend, denn diese Fragen habe ich mir auch gestellt und letztlich zumindest nicht bestätigen können. Ich bin dankbar für ihre Berührungen, die mir eine Geborgenheit geben, wie ich sie lange nicht mehr gespürt habe. Ich kann mich fallen lassen, wie ich es mich nie getraut hätte. Ich denke, in DAS bin ich verliebt. Und vielleicht auch in diese Frau dafür, dass sie diese Gefühle in mir erzeuget hat. Aber sie ist für mich in der Tat "nur" meine Therapeutin. Eine sehr gute, sehr sympathische zwar, aber ich glaube, nicht mehr.

    Es treibt mich um, dass sich Stunden nach ihrer Therapie die Gefühlslage völlig umkehrt. Dieses Glücksgefühl wandelt sich über Nacht in Grauen, Angst und Misstrauen. Das bekommt meine Frau derzeit zu spüren. Ich weis nicht mehr, was falsch und was richtig ist, kann nicht mehr rational denken. Die Beziehung mit meiner Frau ist nicht die Beste, das habe ich an anderer Stelle schon mal geschrieben. Wir arbeiten daran. Aber das, was jetzt mit mir geschieht, hebelt das alles und auch mich völlig aus. Das ist grauenvoll.

    Ich schätze du bist tatsächlich verliebt in die Therapeutin - verliebte schwanken ode gefühlsmäßig zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Oft je nachdem wie viel Aufmerksamkeit sie von ihrem Objekt der Begierde bekommen.


    Eventuell kommen die negativen Gefühle dann daher, dass du vom Kopf her weißt das du diese Gefühle zu der Therapeutin nicht ausleben kannst, das sie in dir wohl nur einen Patienten sieht und du noch dazu verheiratet bist?

    Die Therapeutin scheint dir Dinge zu geben die dir in deiner Ehe fehlen. Was könnte das sein?


    Hast du einen guten Freund mit dem du mal darüber sprechen kannst?

    Wir leben in einer teilweise völlig verrückt gewordenen Welt, wo es manchmal schwierig bis sogar gefährlich sein kann, jemandem, den man nicht kennt, blind zu vertrauen.


    Womöglich ist es diese eklatante Diskrepanz, die ungeahnte Gefühle weckt und alles auf den Kopf stellt? Einer Fremden blind zu vertrauen, in einer Welt des Misstrauens und des auf-der-Hut-sein-müssens, weil es nicht alle immer gut mit einem meinen?


    Womöglich penetriert die Physio einen lange aufgebauten Schutzwall?

    Gravensteiner schrieb:

    Mir ist nun auch klar, dass meine Verspannungen und physischen Probleme wohl eher seelische Ursachen haben. Aber wie geht es nun weiter?

    privat


    Das ist oft so, dass Verspannungen v.a. im Bereich der HWS/Schultern psychischer Natur sind z.B. durch Stress, Sorgen, Probleme. Man trägt die seelische Last ja wortwörtlich auf den Schultern.

    Da kannst du dann auch 30x Massage machen, aber das n

    ändert nichts an der Ursache selbst und löst auch nicht das Problem, weil es kein körperliches Problem ist.


    Gravensteiner schrieb:

    . Aber wie geht es nun weiter?

    Psyche/Seele wieder in Einklang bringen, seelisches Gleichgewicht wieder finden, Stress, Sorgen, Probleme, Ängste abbauen oder mit psychologischer Hilfe angehen.

    Oder wenn wie du sagst die Beziehung nicht gut läuft, dann dort ansetzen auch evtl mit einem Paartherapeuten.

    Gravensteiner schrieb:

    Hier ist es jedoch so, dass diese Person mit ihrerer sehr sensiblen Behandlung eine mentale Lawine in mir losgetreten hat. Mich überrollen seither extremste Gefühlsausbrüche und Stimmungen, träume die wirrsten Dinge. Völlig irrational und auch nur sehr schwer zu ertragen. Mir ist nun auch klar, dass meine Verspannungen und physischen Probleme wohl eher seelische Ursachen haben. Aber wie geht es nun weiter?

    Kennt jemand derartiges und hat Erfahrungen damit?

    Da hast Du wohl eine sehr gute Therapeutin erwischt. Evtl. hat sie eine Dorn-Therapie durchgeführt oder zumindest Anteile davon mit einfliessen lassen.

    Und ja, seelische Ursachen können sich ohne weiteres nach einer Behandlung zeigen. Das kann z.B. auch nach einer sehr guten Fussreflexzonen Massage auftauchen.

    Wenn Du dich näher damit beschäftigen möchtest, schaue doch mal unter Wirbelsäule und Psyche nach. Die Bilder - sofern sie lesbar sind - zeigen dir, welche Organe und psychische Auswirkungen mit der HWS verknüpft sind.

    Vllt. verstehst Du dann die jetzt bei dir laufenden Prozesse besser.

    Ich würde dir allerdings den Rat geben wollen, deiner Therapeutin die Info zu geben, damit sie bei der nächsten Behandlung keine evtl. weitere psychische Problematik zu Tage fördert.

    Und ja, ich kenne es und erlebe in Stresssituationen immer wieder aufs Neue die Zusammenhänge.

    Ich denke auch, dass sie eine herausragende Therapeutin ist. Ihre Fachgebiete sind Physiotherapie, Manualtherapie, Cranio-Sakrale Therapie.

    Gerade deshalb erkundigt sie sich auch vor jeder neuen Anwendung, was zwischenzeitlich geschehen ist. Und natürlich erzähle ich ihr, was da bei mir derzeit so abgeht.

    Sie weiß also, was sie auslöst und ich glaube, ihr ist auch klar, wo mich tatsächlich der Schuh drückt, weil sie ihre Behandlung, mit mir abgesprochen, mittlerweile genau in diese eine Richtung lenkt. Für mich ist das sehr in Ordnung. Ich empfinde das, was da passiert als absolutes Grauen und großes Glück zugleich. Da ich mit dem erzeugten Gefühlsrausch zwischen den Anwendungen alleine bleibe, meine Frau damit teilweise überfordere, muss ich es im Forum abladen und hoffe auf die Erfahrungsberichte anderer User.


    Dem Hinweis zu Wirbelsäule und Psyche gehe ich nach, vielen Dank.

    Paartherapie, wie weiter oben geraten, geht nicht, da zieht meine Frau nicht mit. Das ist nicht zu ändern. Ich glaube auch, die würde uns in eine völlig falsche Richtung befördern, weil die Beziehungsprobleme auch nur Symptome von etwas anderem ist. Meine Frau hat ähnliche Beschwerden wie ich, also auch mehr psychische Belastungsprobleme, die sich in HWS-Symptomen äussern und sie ist parallel zu mir auf dem gleichen Weg, sich daraus zu befreien. Darum schrieb ich, wir arbeiten daran. Die Beziehnung ist nicht die Beste, weil wir beide angeschlagen sind und nicht in dem Maße füreinander da sein können, wie wir es gerne täten. Das haben wir mittlerweile beide erkannt.



    Gravensteiner schrieb:

    Die Beziehnung ist nicht die Beste, weil wir beide angeschlagen sind und nicht in dem Maße füreinander da sein können, wie wir es gerne täten. Das haben wir mittlerweile beide erkannt.

    Dann wirds Zeit mal abzuschalten und mal Urlaub zu machen, wenn möglich.

    Z.B. gemeinsames Wellnesswochenende ect

    Machen wir auch so oft es geht. Wir haben beide lange, lange Jahre für unsere gemeinsamen Aufgaben gekämpft und gerackert (Familie, Kinder, Haus, tägliche Probleme... eigentlich das übliche und trotzdem Hardcore). Oft miteinander, oft gegeneinander und dabei haben wir aus den Augen verloren. Die Liebe ist immer noch da, aber es braucht noch viel Zeit, wieder völlig zusammen zu finden. Oder am Ende vielleicht zu erkennen, das man sich trennen wird. Das ist unwahrscheinlich, aber immerhin auch möglich.

    Ich finde diese Art der Behandlung in deinem seelischen Zustand sehr gewagt.

    Auch wenn sie Cranio Sacral Therapeutin ist, werden hier Grenzen überschritten.

    Sie ist keine Psychologin, und ich finde es erschreckend, dass sie sich in meinen Augen so weit aus dem Fenster lehnt.

    Es verunsichert und destabilisiert dich sehr stark, dafür ist sie nicht ausgebildet!

    H1G2B3 schrieb:

    Auch wenn sie Cranio Sacral Therapeutin ist, werden hier Grenzen überschritten.

    Sie ist keine Psychologin, und ich finde es erschreckend, dass sie sich in meinen Augen so weit aus dem Fenster lehnt.

    Da stimme ich dir zu. Ich habe über viele Jahre diese Behandlungen erfahren dürfen und weiss, dass es Stellen gibt, die bei Berührung zu einem Weinkrampf führen können usw. Das kann ich deshalb so genau sagen, weil der damalige CS Therapeut das einem Auszubildenden mit meinem Einverständnis zur Demonstration durchführte.

    Und CS Behandlungen sind weit intensiver als meine weiter oben angegebenen Behandlungsmöglichkeiten und deren evtl. Auswirkungen.

    Fizzlypuzzly schrieb:

    Ich würde dir allerdings den Rat geben wollen, deiner Therapeutin die Info zu geben, damit sie bei der nächsten Behandlung keine evtl. weitere psychische Problematik zu Tage fördert.

    Auch wenn Du eine gute Therapeutin erwischt hast, sie sollte bei dir auf keinen Fall über die CS Therapie weitere Psychische Probleme ins Bewusstsein fördern. Das muss und sollte bei dieser Art der Behandlung unbedingt beachtet werden, zumindest sollten keine weiteren Prozesse ausgelöst werden.

    Aufgrund deiner sehr umfangreichen Problematik, könntest Du auf Dauer ohne psychologische Unterstützung körperlich und/oder seelisch Schaden nehmen.

    Gravensteiner schrieb:

    Paartherapie, wie weiter oben geraten, geht nicht, da zieht meine Frau nicht mit.

    Das solltest Du auch akzeptieren. Vllt lehnt deine Frau z. Zt. diese Therapie ab, weil sie selbst überfordert ist und erst mal eine Weile braucht, sich über eigene Probleme Klarheit verschaffen muss/will?

    Nach meiner eigenen Erfahrung würde ich eine eigenständige Aufarbeitung befürworten, weil sich sonst einiges vermischen könnte. Ausserdem bleibt jedeR dann auch bei sich und driftet nicht immer wieder ab oder beschäftigt sich weniger mit sich selbst.


    MMn würde euch eine gemeinsame Überlegung und Umsetzung der Alltagsprobleme gut tun. Vllt. mal überprüfen, wo ihr euch gegenseitig entlasten könnt oder evtl. finanzielle Belastungen verringern usw.

    Auch eine Auszeit in Bezug auf Urlaub oder nur mal abhängen mit eigenen Verwandten, Bekannten oder Freunden kann sehr bereichernd sein.