• irreversible Psychose

    Hallo was genau bedeutet irreversible Psychose und ist sie behandelbar?
  • 68 Antworten

    Inwiefern sie sich "lebendig" fühlt ohne Medikamente verstehe ich nicht. Vielleicht braucht sie gar keine. Welche nimmt sie überhaupt?

    Ich denke, gerade bei Drogen ist es nochmal leichter, als betroffene Person den eigenen Zustand auf den Konsum dieser zurückzuführen.


    Tat mir damals (also jetzt eine andere Geschichte) am wenigsten weh, weil man sich dann schön sagen kann, dass man wieder normal ist, wenn man sie nur weglässt.


    Ich hab meine Freunde im ersten Moment als Retter gesehen als sie mich vor den mich festhaltenden Ästen aus einer riesigen Gebüschlandschaft gezogen haben, weil das in der Dunkelheit sowieso abartig Glück war, dass ich überhaupt gefunden wurde, aber die Erklärungen wollte ich nicht hören und mir sogar nicht einreden lassen, dass ich die Drogen mal komplett weglassen sollte. Im ersten Moment ging natürlich eh gar nichts und ich bin heute verwundert, wieso die damals keinen Krankenwagen gerufen haben oder so, aber die haben mich halt zum Schlafen gezwungen und essen und trinken und sobald ich diskutierfähig war, gings schon los.


    Das tut halt verdammt weh, das anzuerkennen. Hat übrigens lange gedauert bis ich geistig wieder normal war. Im Nachhinein meinte meine beste Freundin, ich hätte schon Wochen vorher angefangen immer wirrer zu reden und alle haben nur gewartet bis ich mal kollabiere.


    Genau wie danae aber auch schon meint, bei der anderen Geschichte kämpfe ich ja immer noch dagegen an, weil die Einsicht wehtut. Der ganze Aufwnthalt dort tat weh, ja, aber da kann ichs nicht auf irgendwelche Drogen schieben und deshalb war das gestern hier ein ganz schöner Schlag ins Gesicht.


    *


    Danae, ich glaube, bei den Medikamenten kommt es echt auch die Erkrankung an und ganz besonders auch - und das machen viele eben anders - auf eine psychiatrische Begleitung, falls mal abgleitet und es eben nicht oder zu spät merkt. Egal, ob bei Depressionen oder einer deogeninduzierten Psychose. Schizophrenie lass ich da mal aus, bei gewissen Erkrankungen ist es einfach inakzeptabel.


    Mit den harten Drogen und den schlafenden Hunden, die Angst ist berechtigt. Gilt aber für alle Drogen, ich hab das harte Zeug weniger gemerkt als das Kiffen, was ja noch als weich gilt. Find ich einen gefährlichen Irrglauben, aber gut, aber Drogen allgemein lösen bei vorbelasteten Konsumenten schneller was aus. Schizophrene sowieso und auch Borderliner sind da ziemlich gefährdet, besonders was Halluzinogene betrifft, weshalb ich davor immer höllisch Angst hatte, gleichzeitig aber einen totalen Reiz verspürt habe.


    In meinem Freundeskreis war es nicht unüblich, dass immer mal wieder einer abgestürzt ist, daher kannte ich ein paar Beispiele.


    Ich dachte aber immer, dass es dann eben nicht sicher ist, ob die Psychose reversibel ist oder nicht.


    ?ich hab mal eine Weile viele Berichte über Trips gelesen und da war einer als Warnung von einer näherstehenden Person, dass einer LSD genommen hatte, dann aber mit einer Waffe überfallen wurde und das bis zum damaligen Zeitpunkt nie verarbeiten konnte, sondern in seinem Film einfach geblieben ist und sogar zum Pflegefall wurde??


    Ob sich das jemals geändert hat, keine Ahnung.

    Es kommt immer auf viel an. Ich finde das Medikamente eine gute Hilfe sein können. Damals hab ich sie gebraucht und ich würde sie im Notfall auch wieder nehmen. Ich finde Medikamente ohne Therapie wie sie in letzter Zeit hier im Umfeld durch Verschreibunden vom Hausarzt häufiger vorkommen (Depressionen, Burn Out) nicht so tolle, aber grundsätzlich, eine gute Hilfe. Und bei einigen Sachen wirklich auch lebenslänglich sinnvoll.


    Ein ehemaliger Bekannter von mir ist nicht wieder richtig runter gekommen. Mal war es besser, mal schlechter, aber selbst nach fünf Jahren ohne alles, war er nicht wieder ganz im Hier und Jetzt und soweit ich weiss, war das auch noch 5 Jahre später nicht besser, aber da hab ich ihn nicht mehr gesehen.

    Ich bin nicht grundsätzlich gegen Medikamente, ich finds bloß so anstrengend, dass das so lange ein Rumprobieren ist...


    Ich hab aus trotz (sehr reif, ja) und aus Istmirdochegal alles nach der Klinik abgesetzt, so wütend war ich auf mich und die Geschlossene und die andere Klinik. War nicht schlau, nein. Ich akzeptiere, dass ich momentan welche nehmen sollte/müsste und ich bin auch bereit, nochmal etwas zu probieren.


    Mein Leben lang will ich das aber echt nicht, weil Nebenwirkungen habe ich immer, auch, wenn die erwünschte Wirkung meistens ausbleibt. Aber sowas gehört alles in die Hände von Fachärzten, alleine ist das einfach unfassbar dumm und geht nur allzu oft schief.


    Dass Hausärzte sowas verschreiben, hm, ja. Ist halt nicht deren Fachgebiet. Ich bin froh, dass mein Hausarzt mir das Rezept ausstellt ohne groß zu hinterfragen, weil er sich an dem orientiert, was ich laut Akte schon bekommen habe, aber so hilfreich ist das halt gerade nicht, weil wir wieder mit etwas härterem Geschütz auffahren müssen, weil die Geundmedikation, an der er nichts ändern will, nicht stimmt. Keine Dauerlösung, weil der Mist abhängig macht auf Dauer, aber gerade die letzten Tage hatte ich keine Wahl als zu Extremmitteln zu greifen.


    Medikamente können unterstützen, aber ich weiger mich, mich damit vollstopfen zu lassen, wenn niemand mir zuhört, wie es mir eigentlich geht oder was ich mir wünsche.


    Genau so könnte halt auch jemand mit Psychosen denken. Und dann setzt er es halt ab. Ganz schwierig finde ich auch, dass man die wirkliche Wiekung der Medikamente manchmal erst merkt, wenn man sie nicht mehr nimmt. Ich selbst erwarte eh viel zu viel und mir reicht dieses gerade so halbstabil sein, dass man zumindest nicht komplett durchdreht nicht aus. Ich will mehr, mehr Lebensenergie und Freude, aber das allein kriegt man eben nicht durch eine reine medikamentöse Therapie, zumindest stelle ich diese These mal in den Raum. Das läuft für mich unter Symptomunterdrüclung.


    Ich musste in der Klinik ganz lange bearbeitet werden, damit ich meine Angst vor Medikamenten anfange zu verlieren. Ich bin immer noch sehr skeptisch, aber was ich ganz beängstigend finde ist der Gedanke, stimmungsmäßig von etwas abhängig zu sein. Ich kann ohne Medikamente leben, wenn momentan wahrscheinlich nur nicht gut. Mir macht das Win- und das Ausschleichen höllisch Angst, weil mein Körper da genau so reagiert, wie ich es von früher von den Drogen kannte. Ich weiß, dass das kein richtiger Entzug ist, aber es fühlt sich sehr ähnlich beschissen an.


    Aber wenn sich ein Schizophrener das vor Augen hält, der das sein Leben lang nehmen muss. Das ist Abhängigkeit... zum eigenen besten, aber das tut weh?

    Zitat

    Ich will mehr, mehr Lebensenergie und Freude, aber das allein kriegt man eben nicht durch eine reine medikamentöse Therapie, zumindest stelle ich diese These mal in den Raum.

    Na, das haben ganz viele Leute halt auch nicht in dem vielleicht erstrebten Ausmaß, so ganz ohne Medikamente. Ich glaube, dass die Hochs und Tiefs bei vielen psychischen Erkrankungen sehr extrem sind, und da ist die Erwartung dann wohl oft, dass das Medikament nur die extremen Tiefs auslöschen, die extremen Hochs aber nicht im Mindesten antasten soll. Und das funktioniert nicht, wenn beides Symptom einer unausgewogenen Hirnchemie ist. Und an allem ist womöglich das Schwierigste und Gemeinste, dass man nur bedingt oder gar nicht "seinen natürlichen Zustand" kennt, weil das eine aus den Fugen ist und das andere eben unter Medikamenten. Jeder Mensch hat schlappe, gereizte, mittelmäßige, doofe Phasen, und dann grübelt man, woher das gerade kommt, ergründez vor sich hin, und oft wird es dann besser, ohne dass mans je klar benennen konnte - wegen Zyklusphase, Wetter, Mineralstoffmangel, inneren Gezeiten, irgendwas, man benennt dann halt einen Grund, um es sich zu erklären, und macht weiter.
    Und wenn man dann sehr starke Medikamente nimmt, ist es naheliegend, dort den Grund zu suchen. Und eben nicht selten auch zum Teil oder ganz und gar richtig. Nur: eben nicht immer. Manchmal geht es jemandem auch einfach nur "normal", und er ist es nicht gewohnt. Gerade wenn jemand viel Drogen eingeschmissen hat, liegt ja offenbar auch ohne Medikation so ein Wunsch nach einem Kick zugrunde oder auch einer Betäubung, auf jeden Fall nach einem künstlich veränderten Bewusstseinszustand. Sich auszupendeln muss man halt auch lernen, und das ist für jeden eine Herausforderung und dauert. Dann unter Medikation zu entscheiden: Bin das ich, oder ist das das Medikament? Stelle ich mir elend schwierig vor, wenn man seinen "Normalzustand" gar nicht wirklich kennt (der ja bei niemandem vollkommen stabil ist, sondern Wandlungen unterworfen).

    Stimmt schon.


    Mich macht das gerade nur so unendlich traurig...


    Es tut weh, nicht haben zu dürfen, was man will und Dinge zu spüren, die man glaubt nicht aushalten zu können. Mich zerreißt es, weil ich glaube, mich selbst vor Jahren verloren zu haben und mich jetzt einfach nicht mehr finde...


    Gerade durch diese Rumprobiererei und immer wieder den Niederlagen, weil es doch nicht das richtige war.


    Ja, das macht mich traurig, weil es so unfassbar schwer ist, dann nicht alles hinzuschmeißen.

    Zitat

    Quacks


    Hattest du nicht eine Freundin die nicht wieder ganz aus der Wochenbettpsychose rausgekommen ist?

    Hm. Ich glaube nicht, dass ich das mal erwähnt habe, aber eine Freundin einer Freundin ist tatsächlich nach der Geburt ihres - ich glaube, zweiten - Kindes in eine Psychose gerutscht. Sie hat ganz zu Beginn noch realisiert, dass "etwas Komisches" mit ihr passiert, und zum Glück war ihr Mann, der Arzt ist, anwesend und konnte sie "ohne Gegenwehr" in eine psychiatrische Aufnahme bringen. Das Ganze ist noch gar nicht so lange her, und ich weiß nicht, wie es ihr aktuell geht. Werde ich beim nächsten Telefonat mit meiner Freundin mal fragen.


    Außerdem habe ich früher mal bei einer Schwangeren mit Schwangerschaftspsychose Sitzwachen gemacht - wobei das eher "Tanzwachen" waren. Sie bekam Infusionen und hielt den Infusionsständer für einen Mann, mit dem sie durchs Zimmer tanzte, während ich um sie und den Infusionsständer tanzte, damit sich der Infusionsschlauch nicht verheddert und sie sich dadurch versehentlich die Nadel zieht. Irgendwie dachte sie dann, ich sei ein Geliebter und wollte mich immer wieder mal umarmen, manchmal hielt sie mich auch für ihre Schwester oder sonst jemanden. Hm, war gleichzeitig skurril, fast ein bisschen lustig, und traurig.

    Zitat

    Bin das ich, oder ist das das Medikament? Stelle ich mir elend schwierig vor, wenn man seinen "Normalzustand" gar nicht wirklich kennt (der ja bei niemandem vollkommen stabil ist, sondern Wandlungen unterworfen).

    Ich bin mein halbes Leben lang offensichtlich krank, und lange davor war ich zumindest schon "anders" und hatte verschiedene Symptome, die nur nicht wirklich zuzuordnen waren. Wer ich wirklich bin, was mein "normales" Ich ist, was nach der Therapie noch von mir übrig bleibt, was die Medikamente verursachen, was aus der Krankheit resultiert... das alles steht in den STernen und ist verdammt beängstigend.

    Zitat

    Wer ich wirklich bin, was mein "normales" Ich ist, was nach der Therapie noch von mir übrig bleibt, was die Medikamente verursachen, was aus der Krankheit resultiert... das alles steht in den STernen und ist verdammt beängstigend.

    Manchmal (ganz akut sogar, jetzt nach der Klinik halt) habe ich Angst, dass mich die Therapie zu jemandem macht, der ich nicht bin. Ich bin jetzt anders als zu Beginn des Jahres, aber diese Person mag ich nicht wirklich lieber. In gewissen Zügen ja, aber vieles an ihr widert mich genau so an wie das davor.


    Ist man das, was man vor der Krankheit war?


    Wenn man schon so lange krank ist, wer oder was ist man dann überhaupt ohne die Krankheit? Ist man irgendwann die Krankheit?


    Ich habe ganz oft Angst, dass viele meiner Charakterzüge, die andere an mir so mögen, auf der Krankheit beruhen und dass sie im Laufe der Zeit verschwinden und damit auch die Menschen.


    Ja, das alles ist verdammt beängstigend und das schlimme daran ist, dass mans nie so wirklich herausfinden kann.

    Tja, so ist das, hm? Kann ich dir auch nicht so wirklich was zu sagen. Ich stelle mir die gleichen Fragen.


    Wer bin ich? ":/


    Ich bin der Typ, dem man nicht nachts begegnen möchte und der Typ, der im Streichelzoo mit den Ziegen kuschelt. Ich bin der Typ, der im Garten in den Anblick einer Schnecke vertieft ist und der Typ, der anderen den Kopf abreißen möchte. Ich bin der Typ, der alle Menschen hasst und der Typ, der Menschen besonders hast, die nur bestimmte Menschen besonders hassen. Ich bin so unendlich viele. ??Hier müsst ihr euch das das komische Viech mit den vielen Augen aus der Werbung vorstellen.?? Irgendwie sind wir doch alle von allem etwas, oder?

    Da fällt mir wieder ein, dass mich bei dem Satz: "Bleib, wie du bist!" manchmal ein ganz leiser Widerwille durchfährt, obwohl es ja lieb gemeint ist. Also, hängt auch ein bisschen davon ab, wer das bei welcher Gelegenheit wie sagt.

    Ich würde mich gerne in das Gespräch einreihen. Für mich ist das Thema gewisserweise ein rotes Tuch, weil es mich nochmal in einen ganz anderen Konflikt stürzt. Mein Vater war psychotisch als ich so 14, 15 war. Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, wie lange das ging, er war vorher sicherlich schon nicht gesund, oft irgendwie verhaltensauffällig oder extrem depressiv und gefühlstot, wie er sagt. Richtig schlimm muss es aber wohl zu der Zeit gewesen sein. Ich bin nicht bei/mit ihm aufgewachsen (zum Glück), deswegen habe ich nicht alles mitbekommen. Aber er hat immer und immer wieder davon gesprochen und ich war meistens eigentlich komplett überfordert damit, sodass ich innerlich abgeschaltet habe und mich erst jetzt so langsam mit diesen ganzen Themen auseinandersetze.


    Mich haben hier einige Aussagen gewundert. Vorallem, dass psychotische Menschen nicht realisieren, dass gerade was nicht stimmt. Mein Vater hat zu einem bestimmten Zeitpunkt offenbar Stimmen gehört und ist damit eigenständig sofort in die Psychiatrie gefahren. Die haben ihn aber wohl nicht dabehalten. Wie passt das denn alles zusammen? Ich zweifel jetzt mal nicht an seinen Aussagen und er war faktisch auch nicht länger in der Psychiatrie, das hätten wir mitbekommen.


    Er wurde dann im Rahmen einer ambulanten Therapie medikamentös eingestellt und behandelt, aber nimmt jetzt, Jahre später, keine Medikamente mehr, ohne dass nochmal gravierende psychische Ausfallserscheinungen aufgetreten sind. Grundsätzlich schwierig und emotional labil ist er aber meistens immer noch. Wobei das auch irgendwie phasenweise ist.


    Mit ihm drüber reden möchte ich eigentlich echt nicht mehr, hab ihm eh neulich in meiner Wut auf ihn (kann das jemand nachvollziehen? Ich hinterfrage mich da selbst ziemlich, ob meine Wut berechtigt ist, ausgesucht hat er das sich ja auch nicht...) um die Ohren gepfeffert, dass er alles verbockt hat und mich mit seinem Scheiß verschonen soll. %:|


    Ich habe damit für mich noch keinen so richtigen Umgang gefunden, außer: Halt dich bloß fern von mir mit deinen scheiß Problemen, aber das ist ja auch nicht das Wahre.

    Also, mir geht's wohl eher darum, wie man mit psychotischen oder allgemein mit vergleichsbaren psychisch kranken Menschen umgeht.

    qucks


    Mh, ich glaube du hast es woanders erwähnt, sonst könnte ich es ja auch gar nicht wissen. Ich hoffe es war dir recht, dass ich es hier erfragt habe, war vielleicht ein wenig trampelig. @:)

    Zitat

    Ich glaube, dass die Hochs und Tiefs bei vielen psychischen Erkrankungen sehr extrem sind, und da ist die Erwartung dann wohl oft, dass das Medikament nur die extremen Tiefs auslöschen, die extremen Hochs aber nicht im Mindesten antasten soll.

    Erfahrungsgemäß ist es noch schlimmer. Ich (und noch ein paar andere die ich kenne) hielten lange die Hochs nicht für Hoch, sondern für den Normalzustand. Ich habe gedacht, wenn ich gesund bin dann fühle ich mich die überwiegende Zeit meines Lebens soo, habe soviel Energie und Kraft und Ideen und überhaupt. Der Tag, an dem ich geschnallt habe, dass ich da high bin und nicht normal war echt hart. Und als ich dann verstanden habe wie oft ich eigentlich high war und das ich NormalNull kaum je erlebte, war der Tag an dem ich so drigend sterben wollte, dass es fast geklappt hätte.


    Heute, und das ist die gute Nachricht daran, bin ich ziemlich oft so irgendwo um NormalNull rum und so scheußlich ist es gar nicht. ;-D ;-D Es geht ganz gut und ich kann mich ganz gezielt auf highs einlassen, aber ich weiss jedesmal, ich kauf das Tief dazu.

    Zitat

    Wer ich wirklich bin, was mein "normales" Ich ist, was nach der Therapie noch von mir übrig bleibt, was die Medikamente verursachen, was aus der Krankheit resultiert... das alles steht in den STernen und ist verdammt beängstigend.

    Kenn ich, erwies sich aber in der Rückschau als unnötig. Ich bin ja oft ausgerastet, war rasend wütend und hab Zeug um mich geworfen und Leute beleidigt und manchmal sogar angegriffen. Tu ich nicht mehr. Aber das bedeutet nicht, dass mich die Dinge nicht mehr aufregen, die mich damals aufgeregt haben. Die berühren mich noch immer und ich werde auch immer noch schneller sauer als viele andere Menschen, aber ich kann anders damit umgehen.


    Deswegen finde ich auch diese gedankliche Unterscheidung in "das ist meine KRankheit" und "das bin ich" ziemlich ungünstig. Das bin alles ich. Es ist nur ein ungünstiger Umgang mit einem Anteil von mir, mit Bedürfnissen, Wünschen, Gefühlen... Und dieser ungünstige Umgang führt am Ende zu sehr ungünstigen Verhaltensweisen mit denen ich in dieser Welt nicht klarkomme. Darunter leide ich (und ggf. andere) und das nennt man dann Krankheit.


    Ein Mensch der Tiere mag, wird das nach einer Therapie auch noch tun, nur vielleicht in anderer Balance im Vergleich zu Menschen. Man wird nicht von Grund auf anders.

    Zitat

    Aber wenn sich ein Schizophrener das vor Augen hält, der das sein Leben lang nehmen muss. Das ist Abhängigkeit... zum eigenen besten, aber das tut weh?

    Aber das geht dem Herzpatienten ja am Ende nicht anders oder mir mit den Schilddrüsentabletten. Ich weiss, es ist was anders weil es irgendwie ans Hirn geht, aber trotzdem ist es ja am Ende so, dass da die Hirnchemie freidreht und alles überlagert. Da ist man dann wirklich nicht man selsbt und das unterscheidet einen psychotischen Menschen in meinen Augen auch deutlich von einem Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung.

    Zitat

    Also, mir geht's wohl eher darum, wie man mit psychotischen oder allgemein mit vergleichsbaren psychisch kranken Menschen umgeht.

    Ich glaube nicht, dass man das verallgemeinern kann. Es kommt ja da auf soviele Faktoren an, wie geht das Gegenüber mit seiner Erkranung um, wie offen, wie klar und was kann ich aushalten und will ich aushalten und überhaupt...

    Zitat

    Ich (und noch ein paar andere die ich kenne) hielten lange die Hochs nicht für Hoch, sondern für den Normalzustand. Ich habe gedacht, wenn ich gesund bin dann fühle ich mich die überwiegende Zeit meines Lebens soo, habe soviel Energie und Kraft und Ideen und überhaupt. Der Tag, an dem ich geschnallt habe, dass ich da high bin und nicht normal war echt hart. Und als ich dann verstanden habe wie oft ich eigentlich high war und das ich NormalNull kaum je erlebte, war der Tag an dem ich so drigend sterben wollte, dass es fast geklappt hätte.

    Schon. :)z :-( Ich glaube, ich darf das jetzt gerade schmerzvoll lernen.

    Zitat

    Deswegen finde ich auch diese gedankliche Unterscheidung in "das ist meine KRankheit" und "das bin ich" ziemlich ungünstig. Das bin alles ich. Es ist nur ein ungünstiger Umgang mit einem Anteil von mir, mit Bedürfnissen, Wünschen, Gefühlen...

    Ich finde das schwer. Meine komplette Kreativität beruht auf meiner Krankheit. Ich schreibe keine fröhlichen Texte, weil ich eben nicht fröhlich bin. Ich mag meine Melancholie bis zu einem gewissen Grad richtig gern und tobe mich da in der Fotografie, im Malen und beim Schreiben aus.


    Ich stelle mir ganz oft Fragen wie "Mag ich Sport eigentlich wirklich und tut mir das Laufen wirklich gut oder laufe ich nur (vor allem so exzessiv), weil ich damit abnehme". "Mag ich dieses und jenes nur nicht, weil es mich in meiner Krankheit einschränkt oder mag ichs wirklich nicht, z.B. "Will ich wirklich keine Freunde treffen oder will ich es nur nicht, weil ich dann ja vielleicht essen müsste", usw.. Speziell die Essstörung hat mich da in meiner Identität stark "verändert"? Eben weil sie meinen Alltag so sehr beherrscht. So traurig das ist (und das sehe ich mittlerweile immerhin) ist die Essstörung ein Teil von mir, der mich morgens dazu bringt aufzustehen, sie gibt meinem Tag einen Sinn, eine Aufgabe.

    Zitat

    Aber das geht dem Herzpatienten ja am Ende nicht anders oder mir mit den Schilddrüsentabletten. Ich weiss, es ist was anders weil es irgendwie ans Hirn geht, aber trotzdem ist es ja am Ende so, dass da die Hirnchemie freidreht und alles überlagert. Da ist man dann wirklich nicht man selsbt und das unterscheidet einen psychotischen Menschen in meinen Augen auch deutlich von einem Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung.

    Mich stört das auch bei anderen Medikamenten, also dieser Abhängigkeitsaspekt.


    Bei der Psyche halt nur noch mehr, eben weil ich spüre, dass ich unter meinen Medikamenten nicht der Mensch bin, der ich zu sein glaube, aber was weiß denn ich schon, wer ich eigentlich bin.


    Durch Medikamente fühle ich mich manchmal in eine Rolle gepresst, die den Umgang mit mir erleichtert. Gerade auf der Geschlossenen, da wurde ich so abgeschossen, dass ich eben pflegeleicht war. Klar, mit mir war nichts mehr anzufangen, ich konnte gerade so sitzen und bin alle paar Stunden mal kurz über den Flur getorkelt und dann war ich wieder stundenlang im Bett. Natürlich ist das ausgesprochen pflegeleicht. Gibt keine Widerworte, redet irgendwie gar nicht, muss man sich nicht kümmern. (Das ist provokant ausgedrückt, ja, aber so gings mir da halt; ich war unfähig zu kommunizieren (auch, wenn ich anscheinend telefoniert habe) und in mir selbst eingesperrt und damit gefühlt ziemlich alleine und verlassen.


    Das ist jetzt das Extrem, aber manchmal fühle ich mich, als wolle man mir durch die Medikamente einen Teil von mir wegnehmen, der unangenehm ist. Ja, wie z.B. meine Hochs. Ich liebe meine Hochs, ich bin high und glaube, dass ich alles schaffen kann. Das Tief dazu ist ätzend, richtig richtig ätzend und schwer, aber glaube ich jetzt gerade, dass ich überhaupt irgendwas schaffen kann? Nein.


    Vielleicht weiß ich nicht, wie sich "normal" anfühlt, aber wenn es das ist, was ich gerade zwischendrin immer mal wieder empfinde, wenn ich nicht gerade sowieso alles hinschmeißen will, dann ist es so leer und einsam, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass man das auf Dauer aushält. Vielleicht hänge ich gerade aber auch unter "normal" und darf doch ein kleines bisschen mehr erwarten, als ich gerade habe, wer weiß.


    Mich stumpfen Medikamente so höllisch ab. Vielleicht hatte ich aber auch bisher wirklich noch nicht das richtige.