• irreversible Psychose

    Hallo was genau bedeutet irreversible Psychose und ist sie behandelbar?
  • 68 Antworten
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    Ich glaube nicht, dass man das verallgemeinern kann. Es kommt ja da auf soviele Faktoren an, wie geht das Gegenüber mit seiner Erkranung um, wie offen, wie klar und was kann ich aushalten und will ich aushalten und überhaupt...

    Ich dachte auch nicht an ein Regelwerk als ich hier geschrieben habe. ":/


    Aber offenbar schreiben hier sowohl Betroffene als auch Angehörige/Nachbarn/Freunde. Mich interessiert, wie andere damit umgehen. Und auch wie Betroffene damit umgehen, damit ich für mich vielleicht einen "besseren" Umgang finden kann. Ist das so absurd?

    katiafox


    Stimmen hören kann auch eine harmlose Begleiterscheinung von Depressionen sein.


    Das muss nicht immer eine Psychose sein.


    Wenn es imperative Stimmen sind ist natürlich Vorsicht geboten.


    Aber manch ein Depressiver hört einfach nur harmloses Radiogedudel.

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    Aber offenbar schreiben hier sowohl Betroffene als auch Angehörige/Nachbarn/Freunde. Mich interessiert, wie andere damit umgehen. Und auch wie Betroffene damit umgehen, damit ich für mich vielleicht einen "besseren" Umgang finden kann. Ist das so absurd?

    Nö, das finde ich ganz vernünftig.


    Also: mein Vater ist heute so und morgen ein anderer Mensch, der bewerten dann Situationen komplett anders. Da er medikamentöse Behandlung ablehnt und bereits in meiner Kindheit versucht hat uns umzubringen, lehne ich Kontakt ab. Einzig Email wären ein Weg, weil ich mir das dann zumuten könnte, wenn ich es gerade abkann, aber er hat sehr sehr spät schreiben gelernt, deshalb klappt das wohl für ihn nicht so.


    Ich hab die Diagnose Borderliner. Allerdings soll das im Umgang mit mir so als Freund oder so, kaum noch spürbar sein. Mein Mann merkt es sicherlich noch, einfach weil ich zwischendurch in Depris falle, wenn ich nicht richtig aufpasse oder total high bin (wenn ich nicht aufpasse) und einfach zwischendurch mal raus muss, um mein Hirn neu zu sortieren. Wenn ich ihn beispielsweise umbringen möchte, also richtig rasend vor Wut bin, weil er den Müll vergessen hat runterzutragen. Geht aber gut, inzwischen.

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    Wenn man schon so lange krank ist, wer oder was ist man dann überhaupt ohne die Krankheit? Ist man irgendwann die Krankheit?

    Die Frage habe ich mir auch eine Zeitlang sehr oft gestellt, in Bezug auf psychische 'Schäden', die man beispielsweise in der Entwicklung abbekommen hat. Wenn das sehr früh passiert ist, also mitten in der Persönlichkeitsentwicklung, gibt es dann überhaupt eine 'nicht-gestörte' (wertfrei gemeint, so wie 'ungestört') Persönlichkeit? ":/ Maximal eine Was-wäre-gewesen-wenn-Persönlichkeit vermutlich, denn was willst du als den 'ungestörten' oder idealen Referenzpunkt annehmen?


    Aber vielleicht ist das im Endeffekt so wie mit allen Lebenserfahrungen - man ändert sich ja durch jede einzelne Erfahrung mehr oder weniger, wird minimal zu einem anderen Menschen, und wenige sind heute noch exakt so, wie sie vor einem Jahr waren - vielleicht ist das Konzept vom unveränderlichen 'ich', das dann durch Krankheit gestört wird und zu dem man vielleicht zurück könnte, hier generell gar nicht brauchbar...


    Wäre sicher einen eigenen Faden wert, diese Diskussion.

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    quacks


    Mh, ich glaube du hast es woanders erwähnt, sonst könnte ich es ja auch gar nicht wissen. Ich hoffe es war dir recht, dass ich es hier erfragt habe, war vielleicht ein wenig trampelig. @:)


    danae

    Keine Sorge, wenn es mir nicht gepasst hätte, dann hätte ich in der Antwort auch nichts darüber geschrieben. ;-)

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    Aber offenbar schreiben hier sowohl Betroffene als auch Angehörige/Nachbarn/Freunde. Mich interessiert, wie andere damit umgehen. Und auch wie Betroffene damit umgehen, damit ich für mich vielleicht einen "besseren" Umgang finden kann.


    katiafox

    Ich habe schon seit Längerem von meiner Seite aus keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter. Sie versucht mittlerweile nur noch alle paar Monate mal, Kontakt mit mir aufzunehmen (Anruf oder Brief, sehr selten steht sie auch mal unangekündigt mit dem Koffer vor der Tür oder schleicht in der Gegend rum), den ich aber allermeistens sofort abwürge. Sie hat ein Mischbild mit Depressionen, Hypomanien, extremem Misstrauen fast allen Menschen gegenüber bis hin zu Verfolgungswahn, lebt gedanklich mehr oder weniger in einer "anderen Welt", hatte viele Jahre stunden- und tagelange übelste Wutausbrüche, erfüllt einige Kriterien einer Borderline-Störung, etc. pp.; alles zusammen schränkt ihre sozialen Kontakte extrem ein, sodass sie seit Jahrzehnten keinerlei Freunde hat. Eine richtige Therapie hat sie nie gemacht, Medikamente nur ein paar Jahre lang nach ihren Psychiatrie-Zwangsaufenthalten genommen. Im Kontakt mit ihren Kindern geht es fast ausschließlich darum, uns ihr ganzes Leid aufzudrücken, uns unter Druck zu setzen, und das stundenlang. Engt ganz brutal ein, macht wütend und schmerzt. Geht nicht. Und trotzdem macht es mich immer wieder mal traurig und ich denke daran, ob nicht doch ein sehr "abgespeckter" Kontakt möglich wäre. Aber zu oft versucht und gescheitert.


    Wird Dir wahrscheinlich nicht so viel bringen, da der Umgang so wahnsinnig individuell ist und auch sehr davon abhängt, wie stark ein Krankheitsbild ausgeprägt ist, wie sehr es sich auf zwischenmenschliche Kontakte auswirkt, wie einsichtig, selbstreflektiert und selbstständig die "kranke Person" ist und insbesondere auch, wie viel man sich selbst zumuten möchte und kann.

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    Aber offenbar schreiben hier sowohl Betroffene als auch Angehörige/Nachbarn/Freunde. Mich interessiert, wie andere damit umgehen. Und auch wie Betroffene damit umgehen, damit ich für mich vielleicht einen "besseren" Umgang finden kann. Ist das so absurd?

    Mittlerweile kann ich meine Situation recht gut reflektieren und ziehe mich entsprechend zurück, bevor jemand ungeplant in der Dunstkreis meiner Aggressionen/Depressionen/Paranoia gerät. Im Umgang mit mir ist es wohl am Klügsten, wenn man mir für eine Zeit aus dem Weg geht. Würde man, egal wie, auf mich eindringen, würde ich das als Manipulation empfinden und quasi augenblicklich eskalieren.


    Menschen, die einen schlecht behandeln, muss man sich nicht geben. Grundsätzlich nicht, auch nicht wenn sie erkrankt sind und sich nur zeitweise unter Kontrolle haben. Eine Konfrontation zwecks Aufarbeitung der Vergangenheit ist nur sehr begrenzt möglich. Ich würde versuchen deeskalierend zu wirken, ohne mich selbst so weit zurück zu nehmen, dass es mir schadet. Wenn nichts mehr geht würde ich denk Kontakt abbrechen.

    Danae

    Was du schreibst klingt heftig. Respekt, dass du dich da so herauswinden konntest, auch wenn es bestimmt nicht immer leicht war/ist. :)*


    Diese Wutausbrüche von den du schreibst, kenne ich von meinem Vater allerdings auch. Das kann aus den nichtigsten Gründen heraus passieren. Ihm geht es danach besser, sagt er, aber was er da bei seinem Umfeld anrichtet, kann er nicht so richtig sehen. Ich brülle halt mittlerweile mal zurück... Interessanterweise kann er das ab und ist sogar eher derjenige, der das ganze zum Deeskalieren bringt. %:|


    Ich will mir das selbst nicht so richtig eingestehen, aber ich fürchte, dieses Wutproblem habe ich mittlerweile auch und kriege es auch nicht mehr so richtig weg. Einmal drinnen, finde ich da nicht mehr so schnell raus und ich bin dann auch echt unangenehm und fies und was kaputt gehen könnte auch ??ich sehe aber auch Zusammenhänge mit meinem Zyklus?? |-o

    quacksalberei

    Doch ein bisschen hilft mir das. @:)


    Ich schätze, mein Vater ist nicht ganz so krank. Er hat ja seinen Beruf und den Job macht er wohl auch ganz okay. Reflektiert ist er auch, zumindest zum Gespräch bereit, aber aus meiner Sicht sind einige seiner Annahmen ziemlich verquer und schräg und auch seine Einschätzungen zu dem was früher alles so war, sind weit ab von dem, wie ich sehe. Aber er kann zumindest meine Sicht akzeptieren.

    Zitat

    Im Kontakt mit ihren Kindern geht es fast ausschließlich darum, uns ihr ganzes Leid aufzudrücken, uns unter Druck zu setzen, und das stundenlang.

    Das allerdings hat er früher auch gemacht, ist aber heute zum Glück nicht mehr so extrem, weil ich eine deutliche Grenze gezogen habe.


    Mit Kontakteinschränkung geht es mir auch am Besten. Und ich kenne auch dieses Spektrum an Gefühlen von Wut über naja, wird vielleicht wieder bis hin zu Traurigkeit.


    Wenn ich fragen darf: Ist es dir gelungen damit Frieden zu schließen?

    Nurarihyon

    Ich kenne glaube ich niemanden, der so reflektiert mit "seinen Problemen" umgeht, wie du es beschreibst. Ich habe bis jetzt nur die Erfahrung gemacht, dass alles auf anderen abgeladen wird, ohne mal zu schauen, ob es okay ist und der andere das auch tragen kann. Finde ich gut, dass du da so klare Grenzen ziehen kannst. Mit solchen abgesteckten Grenzen könnte ich gut umgehen und den Freiraum auch lassen, den der andere da gerade braucht. :)^

    Zitat

    Menschen, die einen schlecht behandeln, muss man sich nicht geben. Grundsätzlich nicht, auch nicht wenn sie erkrankt sind und sich nur zeitweise unter Kontrolle haben. Eine Konfrontation zwecks Aufarbeitung der Vergangenheit ist nur sehr begrenzt möglich. Ich würde versuchen deeskalierend zu wirken, ohne mich selbst so weit zurück zu nehmen, dass es mir schadet. Wenn nichts mehr geht würde ich denk Kontakt abbrechen.

    Ja, die Erkenntnis habe ich auch immer mehr gewonnen in der letzten Zeit. Deeskalierend konnte ich zwar nicht so richtig wirken, ich habe alle Betroffenen in meinem Umfeld in den letzten zwei bis drei Jahren heftig konfrontiert. Bin da wohl selbst auch manchmal über das Ziel hinausgeschossen, aber so langsam regelt es sich wieder und ich kann auch meine Grenzen besser abstecken und das rechtzeitig ankündigen, bevor es eskaliert.


    So ganz ohne Knall bin ich da auch nicht herausgekommen, fürchte ich. :-/

    Ich glaube das knallt meistens, weil man ja auch in dem kranken Konstrukt eine Funktion erfüllt hat. Wenn man dann geht, dann bricht das Konstrukt halt ein und muss sich neu sortieren und das knallt eben mal.


    Ich finde Grenzen ziehen ganz wichtig, aber auch ehrlich zu sich sein und eigene Grenzen erkennen. Ich weiss das ich fies und gemein werde, aber wenn ich es ganz bei mir behalte werde ich einfach krank. Also geh ich raus und bin kurz für mich alleine fies und gemein und komm dann raus wenn ich mich wieder eines vernünftigen Tonfalls befleißigen kann. So wie Nurarihyon. Kompromisse eben. Wenn mein gegenüber dazu nicht in der Lage ist oder nicht willens, dann schließe ich eben auch da Kompromisse mit mir, denn am Anderen kann ich ja nichts ändern. Und ob der Kompromis dann lautet "wir sehen uns nicht mehr, auch wenn mein Vater dann nicht in meinem Leben ist und auch niemals von seinen Enkeln erfahren wird" oder ob man sich nur bei gewissen Gelegenheiten oder nur einmal im Monat trifft oder geht wenn das Gegenüber schreit oder wie auch immer, ist ja dann schon ziemlich individuell und ändert sich auch mal, je nachdem wie es einem gerade geht.