Lotta

    Zitat

    Also man hätte auch fragen können:


    Ist das Böse von der Erziehung und den Lebensumständen abhängig ? (oder ist es angeboren, und man kann sich nicht dagegen wehren, wenn man eben "böse" geboren wurde...)

    "Böse" ist das, was man sich als Böse erklärt und dafür muss man sich festlegen, damit man es definieren kann. Je nach Definition ist das, was Böse ist relativ und hängt vom Betrachter ab.

    Zitat

    Ich seh das so, daß bestimmte Veranlagungen, das Temperament, die Intelligenz, bestimmte Begabungen z.B. natürlich angeboren sind (wie auch schon geschrieben wurde) - hier hat natürlich man nicht die Wahl.


    Mit diesen ganzen angeborenen Eigenschaften wird man in einen bestimmte Rahmen hineingeboren (Umwelt, Erziehung usw.), den man auch nicht wählen kann.


    Der Rahmen, in den man hineingeboren wird, kann eng sein (z.B. Armut, Krankheit, zu wenig Bildung, zu wenig Zuneigung, Gewalt durch die Eltern usw.) oder weit (also optimale Bedingungen für ein Kind)

    Was "optimal" für ein Kind ist, muss festgelegt werden und im Vergleich zu dem, was man als Optimal festlegt, ist dann das, was aus diesem Rahmen fällt nicht optimal. Reine Konstrukte. Das heißt aber nicht, dass das Kind es als optimal empfindet.

    Kleio

    Zitat

    "Böse" ist das, was man sich als Böse erklärt und dafür muss man sich festlegen, damit man es definieren kann. Je nach Definition ist das, was Böse ist relativ und hängt vom Betrachter ab.

    Ich denke, das wissen wir jetzt alle, Kleio, hast es ja oft genug wiederholt. Wenn du den Absatz ganz gelesen/zitiert hättest, dann hättest du auch verstanden, warum ich das geschrieben hab. Ich wollte einfach wissen wie Jens es gemeint hat. Das steht auch dabei. Es ist eine Frage an Jens, mit der Bitte, noch mal zu erklären, was er mit "Psyche" und mit "Böses" meint.

    Zitat

    Was "optimal" für ein Kind ist, muss festgelegt werden und im Vergleich zu dem, was man als Optimal festlegt, ist dann das, was aus diesem Rahmen fällt nicht optimal. Reine Konstrukte. Das heißt aber nicht, dass das Kind es als optimal empfindet.

    Natürlich hatte ich das gemeint, was das Kind optimal findet, um sich so entwickeln zu können, wie es das will. Warum kannst du das nicht einfach so stehenlassen - es ist meine Meinung, und sie ist verständlich.


    Zum Thema "Busch", Verhalten , Moral usw. möchte ich eigentlich nicht mehr mit dir diskutieren - das würde sich nur in seitenlangen langweiligen Wiederholungen erschöpfen - du hast diene Meinung dazu, und ich hab meine. Und ich denke, daß ich sie klar und deutlich geschrieben habe.


    Noch ein Satz dazu: Ich merke, daß du z.B. Verhalten anders definierts als ich. Ich verstehe unter Verhalten die Wesensart eines Menschen, sein Temperament, ob er fröhlich ist oder eher melancholisch, oder aufbrausend ... seine Art, auf die Umwelt und auf andere Menschen zu reagieren... das ist im Busch genauso wie in Österreich. Was soll ich noch mal erklären - es steht ja oben...


    Eigentlich hast du es selbst sehr schön beschrieben, das was ich unter Verhalten/Wesensart verstehe:

    Zitat

    Der eine wird gewalttätig, wenn er als Kind missbraucht wurde und der andere unter ähnlichen Umständen nicht.

    Zitat

    Was haben meine Gedanken mit meinen Bedürfnissen zu tun? Ich denke nicht nur in Wörtern? Die Sprache ist mir nicht angeboren. Meine Fähigkeit zu reflektieren schon, aber dazu ist verbale Sprache nicht nötig. Dass ich hungrig bin, dass ich friere, etc. dazu ist keine Sprache nötig, um es wahr zu nehmen. Dann erst denke ich darüber nach, wie ich meine Bedürfnisse befriedigen kann, sofern ich Vernunft besitze und denken nötig ist.

    Und beides passiert im Busch genauso wie anderswo.


    Deshalb finde ich diesen Absatz von dir ziemlich undurchdacht.


    .

    Zitat

    Wenn ich in Europa lebe, werde ich mich anders verhalten, um meine Bedürfnisse zu stillen, als wenn ich im Busch geboren wurde. Im Busch würde ich nicht diesen Job haben, den ich hier ausübe. Wenn ich mich hier verbrenne, habe ich dasselbe Gefühl, wie wenn ich mich im Busch verbrenne und lerne dasselbe, nämlich, dass wenn es mir nicht gefällt, dass ich da nicht noch einmal hingreife, egal ob ich mir Gedanken konstruiere und das als gut oder schlecht beurteile, oder nicht.

    Was hat z.B. ein JOB mit dem Verhalten zu tun ??? Welchen Job du wo ausübst - ob du im Busch Beeren sammelst oder in Wien im Büro sitzt - das gehört doch eher zur Moral, zu der Lebensweise in der Gesellschaft, in die du hinein geboren wurdest.

    Zitat

    Ich definiere individuell anders. Individuell ist das, was meinen Erkenntnissen entspricht und wie ich mit den Dingen umgehe, denen ich begegne und es mit meinen Bedürfnissen im Einklang ist und nicht den Bedürfnissen und Erkenntnissen einer Allgemeinheit. ... ... ... Wenn ich mich so verhalte, weil es andere auch tun, dann ist das für mich nicht individuell, sondern anerlernt, nicht von mir durchdacht und erlebt. Es sind die Erkenntnisse anderer.

    Warum soll man sich die Erkenntnisse anderer, wenn man sie selbst gut findet, nicht übernehmen?


    Meinst du, es ist besser, wenn jeder das Rad noch einmal neu erfindet ?


    Wenn ich das, was mir in der Kindheit an Moralvorstellungen übermittelt wurde, gut finde, es ishc mit meinen Erkenntnissen und Bedürfnissen deckt - und ich damit gut leben kann - warum soll ich denn alles anders machen ??? Ich schrieb auch nicht, daß ich mir Erkenntnisse der Allgemeinheit zu eigen mache, sondern die, von meinen ganz individuellen Bezugspersonen. (hab ich auch oben schon einmal erwähnt - du hast das sicher überlesen ?)

    Zitat

    Du schreibst, dass "man" das eigentlich nicht tut, weil es schlimm ist. Wer legt das fest, was schlimm ist und was nicht? Das ist die Basis zu einem harmonischen Miteinander, durch Vernunft abgewogen.

    Ich lege das fest. Kam das nicht zum Ausdruck ?


    Was hat die Geschichte mit deiner Mutter und dem Türkenkind mit dem Thema zu tun ? Wozu ist es wichtig, daß ich Menschen als irgend etwas definiere - schürt das nicht nur Vorurteile ? (war diene Mutter stolz auf sich, daß sie die Frau darauf aufmerkasam gemacht hat - obwohl es eie Türkin war ??? - Ich hätte über so was gar nicht nachgedacht - in dem Moment nicht und später auch nicht. Kind ist Kind und Ritze ist Ritze. ) Was ist der Unterschied zwischen einem Türkenbaby und einem anderen ? Was ist der Unterschied zwischen einem psychisch Kranken und einem, der sich für "gesund" hält ? Für dich ???


    Zum letzten Absatz möchte ich mich nicht mehr äußern, weil ich weder Lust habe, mich öffentlich zu rechtfertigen noch selbst anzuklagen. Ich denke, daß ich das gut mit mir selbst ausmachen kann.


    Gruß

    Lotta

    Zitat

    Meinst du, es ist besser, wenn jeder das Rad noch einmal neu erfindet ?

    Nicht neu erfinden, aber überprüfen ob ich dem Rad etwas abgewinnen kann und was ich dem Rad abgewinnen kann. ;-)

    Zitat

    Ich lege das fest. Kam das nicht zum Ausdruck ?

    Dann habe ich das missverstanden, weil Du "man soll" geschrieben hast und nicht "ich soll". Wie legst Du Deine moralischen Werte fest? Was ist für Dich gut und was böse? Wie kommst es, dass Du etwas festlegst, was Du eigentlich nicht erfüllen willst? Warum legst Du nicht gleich eine andere Definition von dem fest, was für Dich gut ist und was nicht?

    Zitat

    Was ist der Unterschied zwischen einem Türkenbaby und einem anderen?

    Ich habe darüber nachgedacht, dass es eben ein Baby ist, das seine Gefühle nicht beurteilt, es ihm noch nicht konditioniert wurde, wie es sich zu definieren hat. Es weint, es lacht, ohne dass es sich denkt, weinen ist schlecht und lachen ist gut, oder weinen ist gut. Die Umgebung macht aber schon einen Unterschied zwischen einem Türkenbaby und anderen und für viele ist es schon schlecht, dass es ein "Türkenbaby" ist, weil sie der Tatsache einen ganz anderen Wert zumessen und darin schon unterschieden wird, welche Nationalität ein Baby hat.

    Zitat

    Was ist der Unterschied zwischen einem psychisch Kranken und einem, der sich für "gesund" hält?

    Ich glaube, ich habe schon erwähnt, dass ich diese Unterscheidung nicht mache, da ich keine Norm dafür aufstelle, was "gesund" ist. Wenn sich jemand für gesund hält und es ihm damit gut geht und er anderen nicht gefährlich wird, sehe ich keinen Grund ihn als krank zu bezeichnen oder ihm einzureden, dass er sich als "krank" anzusehen hat, oder hast Du die Frage anders gemeint?

    Zitat

    Zum letzten Absatz möchte ich mich nicht mehr äußern, weil ich weder Lust habe, mich öffentlich zu rechtfertigen noch selbst anzuklagen. Ich denke, daß ich das gut mit mir selbst ausmachen kann.

    Du hast mich missverstanden. Mein Absatz war nicht wertend gemeint, wie keine meiner Aussagen - ich habe weder geschrieben, dass ich es gut finde oder dass ich es schlecht finde. Es käme mir nie in den Sinn Deine oder die Handlung anderer als gut oder schlecht zu bezeichnen. :-D Ich habe nur erklärt, warum ich z. B. mit 200 km/h fahre, obwohl mir bewusst ist, dass es eine Strafe nach sich zieht, auch wenn das allgemein als "schlecht" definiert wird.;-D

    eiderdaus

    @kleio:

    Ich glaube wir entfernen uns von der eigentlichen frage, ich bin gestern abend etwas zu weit ausgeschweift:


    Ich werd nochmal resumieren was ich versuchte zu sagen.


    Der Mensch ist nicht frei. (die Gründe dafür sind wohl unterschiedlich)


    Er ist nicht frei weil: Die Entscheidung fehlt. Er kann nicht entscheiden, definitiv nicht immer. Wenn der Mensch eine (scheinbare) Entscheidung trifft ist diese von unendlich vielen Dingen beeinflusst (e.g. Erfahrungswerte, Situation, Gemütszustand, Unterbewusstesein etc.).


    Trifft der Mensch eine bewusste Entscheidung so greift er auf Erfahrungswerte zurück die angeboren oder angelernt sind.


    Denkvorgänge, die eine Notwendigkeit zur Entscheidung und damit zum freien Willen sind, beruhen auf Naturgesetzen (Impulse werden geleitet, sortiert und in andere Impulse umgewandelt)


    Eine absolute Aussage ist weder so noch so möglich, wir können nichts abslotues, interdisziplinäres, auf jeden und alles zutreffende Wahrheit finden;


    Alles hängt von unendlich vielen Faktoren ab.


    Auf die Aausgangsfrage der psychischen oder angeborenen Boshaftigkeit (achtung ich verwende mit Absicht den subjektiven Begriff, ich gehe davon aus es ist mittlerweile klar was gemeint ist) angewendet komme ich zu dem Schluss das eine Antwort so nicht möglich ist.


    Beides ist im Berreich des Vorstellbaren, sogar eine Kooperation von beidem.


    Allerdings liegt es nicht in unserem Ermessen (vll noch nicht?) zwischen diesen beiden Dingen zu unterscheiden.


    Was bedeutet das jetzt für uns?


    Eigentlich.... nichts ^^


    Im Juristischen Sinne ausgedrückt:


    Das Gesetz ist nicht dazu da um Gerechtigkeit zu sprechen,


    sondern um Recht zu sprechen.


    Also unter welchen Umständen eine Straftat(= etwas böses) entsteht ist für die Straftat an sich uninteressant, sie bleibt trotzdem eine (nur die nuancen sind anders)

    Kleio

    Zitat

    Nicht neu erfinden, aber überprüfen ob ich dem Rad etwas abgewinnen kann und was ich dem Rad abgewinnen kann.

    Nichts Anderes hab ich behauptet. :-) Ich hab mein Rad getestet und für mich für gut befunden.

    Zitat

    Wie legst Du Deine moralischen Werte fest? Was ist für Dich gut und was böse? Wie kommst es, dass Du etwas festlegst, was Du eigentlich nicht erfüllen willst? Warum legst Du nicht gleich eine andere Definition von dem fest, was für Dich gut ist und was nicht?

    "Gut" ist für mich, was mir und Anderen gut tut. Und "Böse" ist für mich, was mir oder anderen schadet. :-)


    Wie ich das festlege, darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich muß so etwas nicht festlegen, es ist einfach für mich so. Ungefähr so, wie ich auch nicht festlegen brauche, ob ich jemanden liebe... :-)


    Wo steht, daß ich etwas festgelegt habe, das ich eigentlich nicht erfüllen will ???


    Ich habe geschrieben, daß ich in psychotischen/manischen Krankheitsphasen an Größenwahn leide und mich über Regeln und Gesetze (auch meine eigenen) erhaben fühlte und in diesem Wahn mich darüber hinweggesetzt habe, mich anders verhalten habe, als ich das sonst tue. Das ist ein Ausnahmezustand (von einigen Wochen), der weder mein Leben noch meine Lebenseinstellung darstellt.


    Wenn ein Leistungssportler sich das Bein bricht, und für einige Wochen nicht laufen kann - fragst du ihn dann auch, warum er für sein Leben festgelegt hat, daß es gut ist, zu laufen, wenn er das eigentlich ja gar nicht will (wie man ja sieht, denn er liegt ja auf dem Sofa und läuft gar nicht ;-D) ???

    Lotta

    Zitat

    Wenn ein Leistungssportler sich das Bein bricht, und für einige Wochen nicht laufen kann - fragst du ihn dann auch, warum er für sein Leben festgelegt hat, daß es gut ist, zu laufen, wenn er das eigentlich ja gar nicht will (wie man ja sieht, denn er liegt ja auf dem Sofa und läuft gar nicht )

    Natürlich frage ich, wenn er mir sagt, dass er eigentlich laufen sollte und dabei mit einem Gipsbein vor mir liegt. Ich kenne seine Kriterien und Bedürfnisse nicht und wenn ich seine Kriterien nicht kenne, dann kann ich ihn auch nicht verstehen. ;-) Für mich ist es interessant zu erfahren, warum er sein Gipsbein nicht akzeptiert.

    Lotta

    Zitat

    Nichts Anderes hab ich behauptet. Ich hab mein Rad getestet und für mich für gut befunden.

    Du hast geschrieben, dass Du eine ankonditionierte Moralvorstellung hast. Konditionierung schließt für mich Selbstreflektion aus, aber das definieren wir wahrscheinlich auch anders. ;-D

    :-D :-D :-D

    Zitat

    Natürlich frage ich, wenn er mir sagt, dass er eigentlich laufen sollte und dabei mit einem Gipsbein vor mir liegt. Ich kenne seine Kriterien und Bedürfnisse nicht und wenn ich seine Kriterien nicht kenne, dann kann ich ihn auch nicht verstehen.

    Du hast ja Humor !!! :-D Oder hab ich das jetzt falsch interpretiert ???

    Zitat

    Für mich ist es interessant zu erfahren, warum er sein Gipsbein nicht akzeptiert.

    Also - ich akzeptiere mein Gipsbein (bleibt mir ja auch gar nix anderes übrig - es ist ja da) Und ich akzeptiere auch, daß ich in Zeiten mit dem Gipsbein eben nicht so laufen kann, wie sonst. Auch, wenn meine Kriterien und Bedürfnisse eigentlich andere sind. :-)

    Homo Contemplum

    Zitat

    Der Mensch ist nicht frei. (die Gründe dafür sind wohl unterschiedlich)


    Er ist nicht frei weil: Die Entscheidung fehlt. Er kann nicht entscheiden, definitiv nicht immer. Wenn der Mensch eine (scheinbare) Entscheidung trifft ist diese von unendlich vielen Dingen beeinflusst (e.g. Erfahrungswerte, Situation, Gemütszustand, Unterbewusstesein etc.).


    Trifft der Mensch eine bewusste Entscheidung so greift er auf Erfahrungswerte zurück die angeboren oder angelernt sind.

    Damit ein Mensch frei sein kann, muss er sich einen Begriff wie Freiheit erschaffen und diese beweisen oder widerlegen zu können, natürlich müssen die Kriterien für Mensch genauso definiert werden. Stellst Du Kriterien für Leben und Tod auf? Bewertest Du diese?

    Zitat

    Denkvorgänge, die eine Notwendigkeit zur Entscheidung und damit zum freien Willen sind, beruhen auf Naturgesetzen (Impulse werden geleitet, sortiert und in andere Impulse umgewandelt)

    Es ist nicht notwendig abstrakt zu denken – das sieht man ja an Tieren.

    Zitat

    Eine absolute Aussage ist weder so noch so möglich, wir können nichts abslotues, interdisziplinäres, auf jeden und alles zutreffende Wahrheit finden;


    Alles hängt von unendlich vielen Faktoren ab.


    Auf die Aausgangsfrage der psychischen oder angeborenen Boshaftigkeit (achtung ich verwende mit Absicht den subjektiven Begriff, ich gehe davon aus es ist mittlerweile klar was gemeint ist) angewendet komme ich zu dem Schluss das eine Antwort so nicht möglich ist.

    Wenn Du davon ausgehst, dass alles angeboren ist, dann ist Boshaftigkeit auch angeboren, nur die Bewertung von Boshaftigkeit ist je nach Denkweise verschieden und genauso wandelbar. Ist Wertung konditioniert? Im Krieg ist Aggression "gut". Die Bewertung der Charakterzüge ändert sich je nach dem, was der jeweiligen Gruppe Vorteile bringt. Ein Charakterzug, der im Alltagsleben als "böse" beurteilt wird, ist im Kriegszustand mehr als willkommen. Ein und derselbe Mensch kann sowohl als gut als auch als böse gelten. Es wird verglichen, abgewogen und je nach Zielsetzung beurteilt. Kaum ein Mensch kann von sich behaupten, dass er noch nie körperliche Gewalt angewendet hat, trotzdem ist das moralische Ideal dort angesetzt, dass es böse ist körperliche Gewalt auszuüben. Wie kommt es dazu? Es wurde ja auch das Tier angeführt. Bei Tieren sagen die wenigsten, dass ein Tier schlecht ist, weil es ein anderes tötet um selber zu überleben – da ist es Naturgesetz. Der Mensch erklärt sich durch seine abstrakte Denkfähigkeit zu einem höheren Wesen, weil er diese Fähigkeit, etwas zu konstruieren höher bewertet. Dadurch wird das menschliche Leben als "wertvoll" und "beschützenswert" definiert. Demzufolge ist natürlich jemand böse, der ein anderes Menschenleben bedroht. Wenn er Tierleben bedroht, dann ist er nicht böse. Würde man generell Lebewesen als beschützenswert ansetzen und konstruieren, dann sähe es anders aus. Je nach dem, welchen Dingen Wert zugemessen wird, entsteht auch die Beurteilung von gut und böse. Absolute Aussagen wären nur möglich, wenn alle gleich denken und empfinden würden, oder wenn man sich einen Gott erschafft, ein noch höheres Wesen, der festlegt, was gut und böse ist. Wenn keine Kriterien für gut und böse aufgestellt werden, dann gibt es kein gut und kein böse. Siehst Du einen Sinn in gut und böse?

    Zitat

    Beides ist im Berreich des Vorstellbaren, sogar eine Kooperation von beidem.


    Allerdings liegt es nicht in unserem Ermessen (vll noch nicht?) zwischen diesen beiden Dingen zu unterscheiden.

    Ich finde, dass es subjektiv ist, zwischen welchen Dingen unterschieden und verglichen wird. Das Gehirn erschafft sich seine Kriterien, Werte und seine Grenzen, genauso wie es sich die Psyche erschafft, genauso wie es sich Moral, Logik, Ethik, etc erschafft. Die einen sagen, sie haben eine Seele, die anderen nicht. Wenn ich mir keine Seele erschaffe, erhält sie auch keinen Wert, sie ist nicht wichtig und hat keine Bedeutung.

    Ist etwas böse, nur weil es jemand subjektiv als böse beurteilt? Etwas gewinnt an Wert, je wichtiger es wird. Das Gesetz vertritt intersubjektive Werte.

    Ich hatte Folgendes Geschrieben:

    Zitat

    Ich stimme mit der Moralvorstellung, die mir von meinen Bezugspersonen in der Kindheit vermittelt wurde überein, also muß ich da auch keinen Unterschied machen.

    Wenn ich feststelle, daß ich mit einer Vorstellung übereinstimme, dann heißt das doch nicht, daß ich sie kritiklos übernommen habe. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, das was ihm "ankonditioniert" wurde später unter die Lupe zu nehmen und für sich zu entscheiden, ob es für ihn (seine eigenen Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse) passt oder nicht. Und diese Möglichkeiten hab ich genutzt, bevor ich dir schrieb, daß ich mit den wichtigsten Moral-Vorstellungen, die mir vermittelt wurden, übereinstimme :-)


    Kannst ud mir jetzt folgen ???


    :-D

    Kurze Zwischenfrage an Kleio, Thema Freiheit :

    Zitat

    Damit ein Mensch frei sein kann, muss er sich einen Begriff wie Freiheit erschaffen und diese beweisen oder widerlegen zu können, natürlich müssen die Kriterien für Mensch genauso definiert werden.

    Sag mal, Kleio - stellst du für alles, was du denkst und tust zuvor erst Kriterien auf und definierst dir einen Begriff davon ???


    Den Eindruck hab ich nämlich manchmal, wenn ich so deine Beiträge lese... :-o Ich stell mir das ganz schön anstrengen vor :-)


    Hast du bei dem vielen Nachdenken und Definieren deiner unterschiedlichsten Kriterien für alles und jedes eigentlich noch Zeit, einfach mal du selbst zu sein ???

    @Lotta

    Zitat

    ...daß ich in psychotischen/manischen Krankheitsphasen an Größenwahn leide und mich über Regeln und Gesetze (auch meine eigenen) erhaben fühlte und in diesem Wahn mich darüber hinweggesetzt habe...

    Das war ein "Ausnahmezustand", wie du schreibst.


    Was sagt dir denn, daß du jetzt nicht auch noch in einem Ausnahmezustand bist, der nur ein etwas entspannteres, niedrigeres Niveau hat?


    Vielleicht bist du einmal in einem Zustand, wo du dich der Wahrheit "noch näher" fühlst und mußt auch das Jetzige wieder korrigieren.


    Dieses Korrigieren ist nämlich nicht an psychotisch/manische Krankheitsphasen gebunden, sondern tut jedem gut. Wer's nicht tut, dem wachsen schnell einige Korinthen im Kopf und er wird zum "Weisen unter den Weisen" und streichelt sich behaglich den Bauch. Guck dich ruhig ein bißchen um hier.


    Damit meine ich nicht dich. Übrigens: Deine Offenheit in Ehren, aber einen Pluspunkt gibts dafür nicht. (da pfeifst du ja auch drauf)


    Der größte Dienst, den man der Wahrheit tun kann, ist nicht der, daß man in ihren prunkvollen Sälen herumlungert und große Namen rezitiert, sondern sich einen Besen schnappt und die alten Kellerlöcher auskehrt. Nur dabei kann man die Fundamente von Wahrheit kennenlernen.


    Im übrigen wundert mich, wie viele Worte hier für eine so einfache Sache benötigt werden.

    Lotta

    Ich hatte diesen Absatz gemeint:

    Zitat

    Meine mir ankonditionierte Moralvorstellung ist nicht allgemein, sondern individuell, Ich denk, das ist bei jedem so. Denn Jeder hat andere Eltern und Erzieher in der Kindheit.

    Zitat

    Wenn ich feststelle, daß ich mit einer Vorstellung übereinstimme, dann heißt das doch nicht, daß ich sie kritiklos übernommen habe.

    Natürlich heißt es das nicht, überhaupt nachdem Du es nun klargestellt hast. ;-D Für mich ist die Erkenntnis, zu der ich durch Reflexion und Hinterfragen gelange, nicht ankonditioniert, weil ich mehrere Moralvorstellungen durchdenke und zu meiner eigenen Erkenntnis gelange. Auch wenn jemand anders so eine Erkenntnis hat, ist es meine. Da wird das Rad neu erfunden. Ankonditioniert ist für mich etwas auswendig gelerntes, ohne eigene Erfahrung und Erkenntnis. So wird das Rad übernommen, aus Tradition, oder was für Gründen auch immer. :-D

    Saubaz... äh... derindaslichtgeht ;-)

    Zitat

    Was sagt dir denn, daß du jetzt nicht auch noch in einem Ausnahmezustand bist, der nur ein etwas entspannteres, niedrigeres Niveau hat?


    Vielleicht bist du einmal in einem Zustand, wo du dich der Wahrheit "noch näher" fühlst und mußt auch das Jetzige wieder korrigieren.

    Sprichst du das aus Erfahrung ???


    :-D


    ...ich weiß gar nicht, ob ich mich der Wahrheit grad nahe fühle oder nicht... ich hab grad meine letzte Wäsche aufgehängt, und dann mit meinem Freund ne Tasse Kaffee getrunken, bevor er wieder weiter bastelt... und meine große Tochter angerufen - sie kommt nachher mal... :-) ...und ansonsten vertreibt mir diese Diskussion hier grad die Zeit an einem regnerischen Nachmittag.


    .


    .


    .


    Vielleicht ist ja unser ganzes Leben ein einziger Ausnahmezustand... ;-)

    Lotta

    Zitat

    Sag mal, Kleio - stellst du für alles, was du denkst und tust zuvor erst Kriterien auf und definierst dir einen Begriff davon

    Nein, nur in einem Gedankenaustausch habe ich die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich ist bestimmte Dinge zu definieren, da sonst viel zu viel vorausgesetzt wird und man oft aneinander vorbeiredet. Man verwendet das selbe Wort und meint eigentlich etwas ganz anders. Ich stelle keine Kriterien auf, sie ergeben sich aus meinen Bedürfnissen. Ich kann meine Kriterien zumeist erklären.

    Zitat

    Den Eindruck hab ich nämlich manchmal, wenn ich so deine Beiträge lese... Ich stell mir das ganz schön anstrengen vor.


    Hast du bei dem vielen Nachdenken und Definieren deiner unterschiedlichsten Kriterien für alles und jedes eigentlich noch Zeit, einfach mal du selbst zu sein

    Ich finde die verschiedenen Denkweisen faszinierend, gerade philosophische Themen. Um mich zu erkennen, habe ich viel nachgedacht, reflektiert, etc. Ich habe nicht viel zu definieren, da ich viele Begriffe nicht verwende - unter anderem gut und böse. Was meinst Du mit "ich selbst zu sein"? Das Nachdenken ist ein Teil meiner selbst, eine kreative Tätigkeit in dem ich Gedanken erschaffe, oder die Gedankenzusammenhänge anderer nachvollziehe, genauso wie ein Bild malen, etc., woran ich Spaß habe. Es sind ja nur Gedanken. ;-D