• Ist die Trauer noch normal ?

    Ich muss kurz ausholen: mein Vater ist in der Nacht zum 1.August an Lungenkrebs verstorben. Die letzten Minuten seines Lebens waren sehr qualvoll, ich war da und hab ihm bis zum letzten Atemzug die Hand gehalten. Ich war die ersten Wochen täglich an seinem Grab, dachte mir würde das bei der Verarbeitung irgendwie helfen, mittlerweile gehe ich sporadisch…
  • 22 Antworten

    Ich denke dein Trauer ist noch völlig normal, ich habe meinen Vati vor 3 1/2 Jahren auch durch Lungenkrebs verloren. Trotz allem habe ich auch Tage wo mich dann das heulende Elend über kommt. Ja auch weinen kann mit unter befreiend und erleichternd sein. Wichtig ist denke ich das man sich nicht nur an die letzte schwere Zeit erinnert sondern auch an die guten Dinge die man gemeinsam erleben durfte.


    Was mir immer ein gute Trost ist ist dieser Spruch:


    Ihr habt einen Menschen verloren, aber einen Schutzengel dazu gewonnen.


    Vielleicht kann er auch dir eine Hilfe sein.


    Ja es ist auch richtig das es einen bei den eigenen Eltern doppelt hart trifft.


    All das ist normal. Trauer wird immer bleiben aber sie wird sich im laufe der Zeit wandeln, es wird erträglicher, so das die wirklich schönen Zeiten die man gemeinsam hatte immer mehr in den Vordergrund treten und man sich darüber freut das man eine bestimmte Zeit diesen Weg gemeinsam mit einem wundervollen Menschen gehen durfte.


    Da es für deine Familie das erste Weihnachtsfest ohne deinen Vai ist wird es eine schwierige Zeit werden auch das ist normal. Aber macht dieses Fest trotz allem zu einem Fest, genießt die gemeinsame Zeit umso mehr da euch bewußt ist wie schnell diese gemeinsame Zeit vor bei sein kann.


    Stelle dir einmal folgende Fragen:


    Wie geht es dir wenn du mit deinen Kindern und deinem Mann zusammen bist, kannst du da gemeinsam mit ihnen die Zeit geniesen und fröhlich sein?


    Wie geht es dir wenn du mit Freunden zusammen bist, kannst du da gemeinsam mit ihnen lachen, Spaß haben?


    Wenn du das alles nicht kannst, dann solltest du evtl. Hilfe in einen Trauerkaffe suchen bzw. wenn das dich auch nicht weiter bringt unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.


    Ich wünsche euch viel Kraft und viele gemeinsame schöne Stunden in der kommenden Zeit


    Ich lasse noch ein paar Kraftsternchen für euch da :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)* :)*

    Glaub mir - es ist normal - sogar SEHR normal!!!!


    Ich habe selbst um diese Zeit herum ein liebes Familienmitglied verloren - und 4 Monate ist keine Zeit..................


    Und mit Weihnachtsrummel und Weihnachtsmarkt hat man meist in solchen Situationen nix am Hut..............


    So was zu verarbeiten ist sehr schwer - wobei Du selbst mit Deinem aufopfernden Hospizdienst Schwerstarbeit geleistet hast!


    Ich weiß es aus eigener Erfahrung, dass das sehr anstrengend und kräftezehrend ist..................


    Jeder muss seinen ganz eigenen Weg durch die Trauer finden.


    Deine Trauer ist weder unnormal noch ungewöhnlich - sie dauert so lang wie sie dauert - und je intensiver die Beziehung war - und das war sie wohl - vor allem in der letzten Zeit bis zum Schluss - da wird eine Beziehung sowie so durch den nahenden Abschied von allein hochintensiv............je intensiver wird die Trauer erlebt.


    Du kannst den Hausarzt gern einschalten - aber nicht weil die Trauer "nicht normal" ist sondern vielleicht könnte er Dir ein paar Kontakte vermitteln - vielleicht zu einer Trauergruppe oder Dir einen professionellen Trauerbegleiter vermitteln. Ein Trauerbegleiter könnte Dich unterstützen, Deine Trauer auszuleben, Dir aber auch helfen, Dinge zu finden die Dir gut tun, z.B Malen - als Ausgleich bzw. zur Verarbeitung - und Du wärst mit Deinem Kummer nicht ganz allein, sondern hättest einen Berater an der Seite.


    Denn schau mal: Professionelle Hospizhelfer sind geschult in ihrer Aufgabe zur Sterbebegleitung und haben meist auch einen emotionalen Abstand zu dem Geschehen - den Du natürlicherweise - nicht hattest! - Du bist in die Sterbebegleitung Deines Vaters durch die Situation hineingestolpert - und solch ein schweres Sterben zu sehen und zu begleiten - zumal beim eigenen Vater - kostet unbändig Kraft! - Von daher denke ich wäre es für Dich sicherlich hilfreich nun auch Hilfe in Anspruch zu nehmen - gerade WEIL diese Trauer so normal und verständlich zugleich aber auch so unglaublich aufwühlend ist - auf der anderen Seite könnte Dir aber auch gerade dieser Umstand, dass Du bis zum Schluss dabei warst - helfen, die Trauer besser aushalten bzw. bewältigen zu können, weil Du alles getan hast was Du konntest, um Deinem Vater das Gefühl zu geben, dass er auf diesem Weg nicht allein ist.


    Hierbei könnte ein Trauerbegleiter Dich unterstützen und Dich nun auf Deinem Weg durch die Trauer begleiten, stützen und helfen.


    Sowas z.B. meine ich:


    http://www.menntherapie.de/trauerbegleitung/


    Auch örtliche Hospizvereine können Dir bei der Vermittlung einer Trauerbegleitung behilflich sein.


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem ganz eigenen Weg durch die Trauer und viele viele Hilfen und Handreichungen am Weg.


    :)* :)* :)*

    Kleio: ich weiss es nicht, was mir durch den Kopf geht. Manchmal sehe ich Dinge, die mich an ihn erinnern und schon rollen die Tränen. Er fehlt mir halt unendlich.


    Entspannungsübungen bringen mir leider nicht viel. Gespräche mit anderen, die selbst jemanden verloren haben...naja, ich fühle mich verstanden, aber das wars auch.


    Ich habe gestern noch nachgedacht...ich glaube, mich belastet am meisten, dass ich mit ansehen "musste" wie qualvoll er gestorben ist (wobei mir die Ärzte immer und immer wieder gesagt haben, er sei nicht erstickt, es hätte nur so ausgesehen) und sich meine Geschwister alle verdrückt hatten, weil sie das nicht konnten.


    Ich sass da mit meiner Mutter (die sich immer wieder bedankt, dass ich geblieben bin, sie sagt alleine hätte sie das nicht geschafft).

    Zitat

    ich glaube, mich belastet am meisten, dass ich mit ansehen "musste" wie qualvoll er gestorben ist

    Ja - das glaube ich auch - ich hatte auch dieses Gefühl beim Lesen Deiner Zeilen - deshalb habe ich Dich auf die Trauerbegleitung aufmerksam gemacht, weil ich ehrlich gesagt so ein Trauma auch nicht allein bewältigen könnte - mit ansehen zu müssen wie ein geliebter Mensch so sterben muss, stellt für mich eine traumatische Erfahrung dar und bedarf auch einer solchen angemessenen Begleitung (Trauerbegleitung - Trauma-Therapie) - allerdings gehört sowas nicht in die Hände eines "Allerwelt-Psycho-Docs" sondern in die Hände eines Spezialisten - Trauer-Begleiter / Trauma-Therapeut.......


    Ich verstehe Dich voll und ganz und wünsche Dir viel Kraft - lass Dir Zeit und nimm Dir die Zeit die Du brauchst - so etwas kann man gar nicht in ein paar Wochen verarbeitet haben :)*:)* :)*

    Zitat

    Gespräche mit anderen, die selbst jemanden verloren haben...naja, ich fühle mich verstanden, aber das wars auch.

    Vielleicht belasten Dich auch die Erfahrungen bzw. Schicksale der anderen zu sehr - zusätzlich zu Deinem eigenen Schicksal.......


    Für manche Menschen bringt eine Gruppe oder der Austausch mit anderen Betroffenen Erleichterung, andere belastet dies zusätzlich - auch dies sollte man beachten - nicht alles ist für jeden gut.........


    Das mit der Trauerbegleitung war auch nur ein Vorschlag - auch dies muss jeder für sich abwägen.


    Was ich aber mit der Betonung der Trauerbegleitung sagen wollte war, dass eine "professionelle Hilfe" bei Trauer wirklich bei einem Trauerbegleiter gesucht werden sollte - einfach weil viele "normale" Psychologen keine Erfahrung im Umgang mit Trauernden haben bzw. auf dem Gebiet der Trauerbewältigung.

    Tut mir leid, was mit deinem Vater passiert ist :°_


    Ich finde deine Trauer auch sehr normal, es war dein Vater und es ist erst einige wenige Monate her. Lass die Trauer zu und versuche nicht, dich zusammenzureißen. Nimm sie an und versuch sie nicht zu verdrängen.


    Meine geliebte Oma ist vor ziemlich genau 10 Jahren noch recht jung und ganz plötzlich verstorben. Ich hab seit meiner Geburt zusammen mit meiner Mama bei ihr im Haus gewohnt und unsere Bindung war dementsprechend eng.


    Nach ihrem Tod bin ich in ein tiefes Loch gefallen und hatte mehrere Monate ganz arg mit meiner Trauer zu kämpfen.


    Dass die Zeit alle Wunden heilt, kann ich so nicht bestätigen. Wie hier schon geschrieben wurde, wird die Trauer mit der Zeit erträglicher, aber ganz gut wird es nie so richtig. Mir passiert es heute noch manchmal, dass mir Tränen kommen, wenn ich an sie denke.


    Lass dir auf jeden Fall Zeit und setz dich selber nicht unter Druck. Wünsche dir viel Kraft und alles Gute :)_ :)*

    Ich würde dich in der Hinsicht mal fragen wollen:


    Hast du auch gute Momente oder vereinnahmt dich die Trauer so sehr, dass du kaum/garnicht lachen kannst?


    Es ist schwierig zu unterscheiden, ab wann eine Trauer depressiv macht.


    Bei mir war es damals so, dass ich von Anfang an wusste, ich schaff das nicht allein damit zu leben. (Meine Schwester verstarb mit 26 Jahren an Krebs.) Ich wollte dann eine professionelle Trauerbegleitung wahrnehmen, ging zu einer Therapeutin und die sagte mir nach 2 Stunden "Sie müssen nur mal richtig trauern" und schickte mich heim mit dem Hinweis ich solle doch ein Buch übers Trauern lesen.


    Top Idee Flachpfeifen-Therapeutin.


    Sie starb im Mai, und ich weinte. Es wurde Sommer, und ich weinte. Es wurde Herbst, und ich wünschte mir an ihrer Stelle gestorben zu sein. Es wurde Winter, ich weinte und wollte nicht mehr weiterleben. Es wurde das neue Jahr und ich hatte einen Nervenzusammenbruch. Von da an kam ich in Therapie...und es war nicht nur die Trauer, es war eine Depression.


    Was ich damit sagen soll, vertrau deinem Gefühl, wenn du das Gefühl hast, das allein nicht bewältigen zu können, such dir Hilfe. Ein 1. Ansprechpartner ist der Hausarzt oder Caritas oder sogar die Telefonseelsorge.


    Wenn du das Gefühl hast, du brauchst eine neutrale Person, mit der du darüber reden kannst, was dir widerfahren ist, ist das total in Ordnung. Wenn du das in einer Therapie versuchen willst, ist das auch total in Ordnung.


    Es gibt viele Menschen, die allein mit der Trauer klar kommen...und dann gibt es Menschen, die das nicht schaffen. Wenn du befürchtest zur 2. Gruppe zu gehören, rede mit deinem Hausarzt darüber. Du wirst vermutlich mehr Verständnis erfahren, als du dir vorstellst.


    Und ja...auch heute noch weine ich. Ich trauere immernoch, aber ich trauere gesund, ich lebe mein Leben...die Trauer frisst mich nicht mehr von innen heraus auf. Ich kann wieder an schöne Sachen mit meiner Schwester denken. Ich kann mein Leben weiter leben, und das hätte sie auch so gewollt. Und...ich will nicht mehr "nicht leben". Das war für mich der wichtigste Erfolg meiner Therapie.

    Hallo NK78, wenn ein geliebter Vater stirbt wird die Wirklichkeit unfaßbar, aber Dein Leben geht weiter ! Meine Mutter die ich sehr geliebt habe ist mit 61 Jahren plötzlich verstorben.Ein unfaßbarer unwirklicher Schmerz hat mich aus heiterem Himmel getroffen. Mir ist es ergangen wie Dir , kein Gedanke mehr an hier und heute sondern nur die Frage warum meine Mutter die ich abgöttig liebte.Meine Gedanken waren lange Zeit bei Ihr.Wurde über sie gesprochen habe ich das Zimmer verlassen und geweint.Was ich nun schreibe war wirklich eingetroffen und hat mir in meiner Trauerbewältigung sehr geholfen.Ich habe wie sooft an ihrem Grab gestanden und an die schönen Zeiten mit ihr gedacht sodas meine Trauer in Freude umgeschlagen ist.


    Plötzlich hatte ich das Gefühl in meinen Gedanken als würde meine Mutter mit mir sprechen ich hörte eindeutig ihr lachen und ihre Stimme.Auf dem Weg vom Friedhof spielten meine Gedanken mit mir ,wie sie nie wollte das ich weine wenn mir als Kind ein Leid geschehen und mein Kopf sagte mir das will sie nun auch nicht das ich traurig bin und weinend ihr Grab verlasse.Ab diesem Tag bin ich zum Grab meiner Mutter hab mit ihr in Gedanken gesprochen was ich bis zum heutigen Tag mache und weis wo sie auch immer ist meine Mutter im Herzen bleibt.


    liebe NK78 ich bin zwischenzeitlich 67 Jahre alt ,mein Schreiben an Dich soll Dir helfen Deine Erinnerungen an Deinen Vater immer im Herzen zu tragen, und immer daran denken, er wollte Dich als kleines Kind nicht weinen sehen und hat Dich getröstet und das wird er eines Tages wieder tun !!


    Ich wünsche Dir die Kraft Deinen Schmerz zu ertragen ,mit dem Tod stirbt nie die Erinnerung !!