Ist "psychisch krank sein" in Mode?

    Hallo zusammen,


    ich hatte die Diskussion schon mit anderen Leuten, die mich auch dahingegend etwas sensibilisiert haben. Beim Beobachten - vor allem in diversen Facebook-Gruppen - konnte ich mich diesem Verdacht auch nicht völlig entziehen, dass es gerade für Teenager "in Mode" gekommen sein muss irgendwie psychisch krank zu sein.


    Das mag schon sehr subjektiv sein, aber in dem Alter hätte es mir schlichtweg an Lebenszeit gefehlt, um "richtig" depressiv zu werden oder gar suizidal. Das sind ja oft Prozesse, die über viele Jahre gären und teils von schweren Schicksalen begleitet werden. Es kommt ja niemand auf die Welt und ist von Grund auf depressiv oder lebensmüde.


    Wie denkt Ihr denn darüber?

  • 315 Antworten
    Zitat

    Das mag schon sehr subjektiv sein, aber in dem Alter hätte es mir schlichtweg an Lebenszeit gefehlt, um "richtig" depressiv zu werden oder gar suizidal. Das sind ja oft Prozesse, die über viele Jahre gären

    Teenager sind ja auch schon einige Jahre alt und keine frisch geschlüpften Kleinkinder. Natürlich kann man da "richtig" depressiv bis hin zur Suizidalität sein. Dafür hätte es auch dir nicht an Lebenszeit gefehlt, wärst du mit entsprechenden Anlagen und Lebensumständen bestraft gewesen.


    Sicherlich gibt es auch genügend Teenager, die schaurig-schön in ihrer Emo-Phase aufgehen oder jeden normalen Schreck zur Panikattacke ihres Lebens hochstilisieren und das alles ein bisschen ausschlachten. Bringt ja auch viel Aufmerksamkeit und Mitleid.


    Trotzdem sollte man es tunlichst unterlassen, diese Special Snowflakes mit ernsthaft psychisch Erkrankten unter einen Hut zu stecken. Wer zu welcher Gruppe gehört, kannst du über eine Facebook-Gruppe schlichtweg nicht beurteilen. Warum tummelst du dich da überhaupt?

    Zitat

    dass es gerade für Teenager "in Mode" gekommen sein muss irgendwie psychisch krank zu sein.


    Das mag schon sehr subjektiv sein, aber in dem Alter hätte es mir schlichtweg an Lebenszeit gefehlt, um "richtig" depressiv zu werden oder gar suizidal.

    Das ist auch der Grund, warum andere Krebs bekommen, ...die hatten einfach zuviel Zeit dafür. %-|


    Ne mal im Ernst, den Faden KANN man nicht für voll nehmen.

    Hallo


    ich finde den Fade sehr interessant.


    Dieses Thema habe ich im Moment auch oft im Kopf.


    Mir fälle es sehr verstärkt auf, vor allem im letzten Jahr.


    Also grundsätzlich kann natürlich jeder, vom Kind bis zur Oma eine Depression oder andere psychische Erkrankung bekommen.


    Das ist das eine.


    Zum anderen finde ich (bitte steinigt mich dafür nicht) haben wir immer mehr eine Opfer Mentalität.


    Kindern kann das u.A. auch schon durch die Eltern mitgegeben werden, was zu einer Erkrankung führen kann.


    Ich habe echt schon erlebt, dass sich Mütter im Sprechzimmer beim Arzt gebattelt haben, wessen Kind kränker ist.


    Bekommen das die kleinen mit dann kann man sich ja vorstellen was passiert.


    Aufmerksamkeit = krank = wenn ich gesund bin, dann interessiert sich keiner für mich...


    Auch die Erziehung an sich denke ich spielt mit rein. Bekommt man als Kind alles was man will, und ist dann mit der "echten" Welt konfrontiert, kann das denke ich schon zu depressionsähnlichen, bis narzisstischen Zuständen führen.


    Im Gegensatz dazu natürlich auch, wenn man als Kind nichts bekommt, nicht mal Zuneigung.


    Ich denke vor allem das Umdenken in der Erziehung vor so 20 Jahren merkt man nun.


    Es hat sich doch von extrem autoritär zu extrem antiautoritär verschoben + alles was dazwischen ist.


    Was meint ihr? @:)

    In Mode sein würde ich es nicht nennen. Aber ich glaube es kommt einfach öfters vor, weil der Mensch zu sehr im Außen lebt.


    Zu viele Medien, negativer Stress, schlechte Nahrungsmittel, zu wenig Bewegung.


    Vielleicht wird auch dazu geneigt, schnellere Diagnosen in die Richtung zu stellen.


    Wie auch immer.


    Man sollte sich wie bei allen Krankheiten, die immer häufiger auftreten, fragen, was in unserer heutigen Zeit falsch läuft.

    Ich denke, es verhält sich eher wie bei den Krebserkrankungen... man hat das Gefühl (also ich zumindest), dass immer mehr Menschen an Krebs erkranken, dabei wird lediglich die Diagnostik besser und die Menschen werden immer älter. In früheren Zeiten starben die Menschen jung, so dass entweder der Krebs " keine Chance" hatte oder man starb an etwas anderem wie Wundinfektionen o.ä. Und sicher sind ganz viele Krebserkrankungen früher einfach nicht entdeckt worden, weil man es nicht besser wusste. Der erkrankte Mensch starb dann zwar, weil er eben krank war, aber dass er Krebs hatte, blieb unerkannt.


    So ähnlich verhält es sich auch mit den psychischen Erkrankungen (denke ich).. die hat es früher auch gegeben, nur hatten sie eben " keine Chance" sich zu zeigen, sie wurden nicht erkannt, der Mensch wurde dann eben als Sonderling abgetan und gut war es. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige auch einen Exorzismus ertragen mussten, denn sie waren ja vom Teufel besessen. Und psychische Erkrankungen wurden nicht behandelt, die Menschen wurden weggesperrt und damit war der Fall erledigt.

    "zu wenig Zeit gehabt" X-
    Du rätst wohl auch depressiven Leuten einfach mal unter Menschen zu gehen. Genau so sinnvoll, wie einem Querschnittsgelähmte zu sagen, er soll doch Sonntags einfach mal im Wald joggen.


    Schon mal darüber nachgedacht, dass man "heute" viel schneller Erwachsen werden muss? Schon mal darüber nachgedacht, dass nicht jeder in einem sozial, stabilen Umfeld aufwächst? Schon mal darüber nachgedacht, dass einige das in 2 Jahren durch machen, wofür andere ein halbes Leben brauchen?


    Wenn ich lese, es würde daran liegen, dass man nicht mehr im "jetzt" lebt und sich ungesund ernährt kriege ich regelrechte Facepalm Attacken.


    Versteht endlich mal, dass es sich um richtige Krankheiten handelt, die ihr genau so wenig nachempfinden könnt, wie den Schmerz beim Knie verdrehen, sofern ihr das noch nie kennenlernen durftet. Verständnis kann man aber erwarten, denn "Ist psychisch krank sein in Mode" - zudem noch in (") gesetzt impliziert doch ganz stark, dass man in seiner kleinen, heilen Welt lebt, in der sich Einhörner friedlich durch die Lüfte schwingen und immer am Wochenende regnet es Gold. Nicht "psychisch krank sein" ist in Mode, unsensibles Gerede über Leute denen es ganz eindeutig sehr schlecht geht, das ist in Mode.


    Die Zahl wächst nicht, Betroffene trauen sich nur viel eher darüber zu reden und das ist auch gut so.


    Alle 14 Jährigen Teenager Facebook Posts alla "Nichts hat mehr Sinn, mit Ausnahme des Alkohols" (Anmerkung von mir: WAS VERDAMMT... nur weil man dich nicht mit den Förmchen hat spielen lassen) sollte man getrost als normales pubertäres Verhalten abtun.


    Der Thread hier ist allerdings auch ein Zeichen für die unglaubliche Empathielosigkeit der Menschheit.

    In der Rubrik "Beziehungen" ist das ganz schlimm. Dort klagt jeder zweite über psych. Probleme. Alle rennen da gleich zum Psycho-Onkel, der das natürlich ausgiebigst untersucht und dann die fatale Diagnose "Depression" oder sowas stellt. Somit ist sein Einkommen über die nächsten Wochen gesichert.


    Manchmal muss man sich einfach mal etwa zusammenreißen und nicht gleich wg. jedem Scheiß in Tränen ausbrechen. Im Berufsleben geht das auch nicht. Irgendwann fliegste dann raus, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

    Ja, der Vorschlaghammer ist gut im Bett. So hart und dick... ;-D


    Mag im Einzelfall stimmen mit dem Suizid, aber nicht jeder bringt sich um. Ich habe aber den Eindruck, dass gerade diese psych. Probleme oft herhalten müssen, um sich ausgiebig krank schreiben zu lassen, in Kur zu gehen usw. Die liegen der Allgemeinheit auf der Tasche.


    Wenn jemand psychisch gestört war, dann waren es die Menschen, die den Krieg erlebt haben. Die sind aber nicht beim Psycho-Onkel gesessen, sondern haben stattdessen Deutschland wieder aufgebaut.


    [...]

    Ich glaube es liegt vor allem an 2 Aspekten: Psychische Krankheiten sind immer weniger tabu, und durch Facebook und Co. trägt nun jeder seine Wehwehchen in die Welt. Früher waren bestimmt auch genug Leute depressiv, die haben es aber entweder für sich behalten oder hatten halt nur ihre 5 Bekannten im realen Leben, die ihnen zugehört haben.


    Wobei ich schon auch den Eindruck habe, dass heutzutage schnell in jede Misslaune eine Depression interpretiert wird und jeder der Stress hat, quasi am Rande des Burnouts surft. Das ist dann womöglich der dritte Aspekt. Man liest ja von so vielen, die das haben, also warum sollte man selbst es nicht auch haben? Immerhin ist der Job ja so anstrengend und man ist abends ja auch immer so müde und so.


    Die Arschkarte haben dann die, die wirklich an einer solchen Krankheit leiden und weniger ernst genommen werden, wenn andere damit Schindluder treiben.

    Zitat

    Wobei ich schon auch den Eindruck habe, dass heutzutage schnell in jede Misslaune eine Depression interpretiert wird und jeder der Stress hat, quasi am Rande des Burnouts surft. Das ist dann womöglich der dritte Aspekt. Man liest ja von so vielen, die das haben, also warum sollte man selbst es nicht auch haben? Immerhin ist der Job ja so anstrengend und man ist abends ja auch immer so müde und so.

    Genau , sofort ist es eine Depression. :)^


    Man darf nicht vergessen, dass auch ein Berufsstand über Wasser gehalten werden muss. Wenn ich Psycho-Onkel wäre, [...] Eine wochenlange Therapie würde mir mein Einkommen sichern, wenn ich diese Diagnose raushaue. Und den Gegenbeweis antreten kann eh niemand. Was ein Therapeut sagt, ist Gesetz ! Darum sind solche Berufszweige, bei denen nur viel gelabert werden muss, auch so lukrativ. [...]