Graue Socke


    Ich würde dir gerne antworten, verstehe im Moment aber nicht was Du genau mit - gegenläufige Reaktionen - meinst. Könntest Du hierzu etwas genauer schreiben, vllt. ein Beispiel angeben?

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    Aber wenn Depressionen durch die psychische Reaktion auf äußere Umstände (Trauer, Überforderung...) ausgelöst werden, sollten sie nicht auch durch entsprechende gegenläufige Reaktionen geheilt werden können? ":/

    Ganz simple Antwort: Nein.

    Wenn du hirnchemisch depressiv hast ist, gibt es keine positiven Gedanken mehr und nichts mehr zum Ablenken.


    Alles, was mal Spaß gemacht hat, fühlt sich fahl, grau und leer an. Alle Gedanken sind durch die Depression dunkel eingefärbt.

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    Aber bevor sich die Hirnchemie nachhaltig verändert, gibt es doch die Möglichkeit psychisch gegen zu steuern, oder?

    Ich behaupte ja! Ich selbst war in einer Klinik (ist schon paar Jahre her) u.a. wegen Depression, wir mussten jeden Tag Frühsport machen. Soziale Kontakte können auch gut tun, Hobbys, ein gutes Umfeld, mitunter kann es helfen, Menschen die einen nicht gut tun, zu meiden.


    Wenn die Hirnchemie schon verändert ist helfen nur noch Tabletten, meine Erfahrung.

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    Aber bevor sich die Hirnchemie nachhaltig verändert, gibt es doch die Möglichkeit psychisch gegen zu steuern, oder?

    Ich bin mir nicht ganz sicher, und hab natürlich nur meine eigenen Erfahrungen. Es war tatsächlich aber bis jetzt eher so, dass ich zwar mitkriege, wie alles dunkler wird (wenn ich Glück habe - wenn nicht, finde ich mich eines Tages wieder und wundere mich, wieso ich plötzlich alles gar so negativ sehe ;-D), da aber wenig aktiv dagegen tun kann. Was hilft, sind Dinge, die auf die Hirnchemie indirekt einwirken: Sport, mehr Tageslicht, bessere Ernährung (mehr Omega 3, Sachen, die das Mikrobiom glücklicher machen), auf Vitamin D achten, sowas. Aber so direkt psychisch was dagegen machen, finde ich schwierig. Es sind ja tatsächlich teilweise dieselben Gedanken, nur einmal sind die Dinge quasi wie sie sind, tun aber nicht oder kaum weh, und dann wieder sind die Dinge wie sie sind, tun aber teilweise fast unerträglich weh. Was aber hilft: sich bewusst machen, dass es mal wieder die schieflaufende Hirnchemie ist und alles in Wirklichkeit vermutlich nicht so schwarz ist. Da rede ich aber von einer mittlerweile ziemlich milden saisonalen Sache ??In meinen dünkleren Zeiten stand ich tatsächlich irgendwo in der Öffentlichkeit und habe einfach so zu heulen begonnen - mehrfach - weil sich alles einfach nur noch scheiße angefühlt hat. Ich glaube nicht, dass ich da noch hätte gegensteuern können, und hab dann schließlich auch kurz Medikamente genommen. Für mich der beste Beweis, dass es wirklich Hirnchemie ist, weil fünf, sechs Wochen später - der normale Wirkungseintritt von dem, was ich genommen habe - wurde plötzlich der Grauschleier etwas gelüftet und es tat einfach nicht mehr so weh??

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    Was hilft, sind Dinge, die auf die Hirnchemie indirekt einwirken: Sport, mehr Tageslicht, bessere Ernährung (mehr Omega 3, Sachen, die das Mikrobiom glücklicher machen), auf Vitamin D achten, sowas.

    Ah, ok - dass diese Dinge eine direkte Wirkung auf die Hirnchemie haben, wusste ich nicht - aber wenn dadurch eine antidepressive Wirkung begründet wird, hätte man doch schon einen Ansatz, wieso gefühlt/überliefert depressive Zustände früher seltener auftraten als heute: die Leute waren mehr draußen und haben sich weniger künstlich ernährt...

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    die Leute waren mehr draußen

    Ich glaube, dass das ein entscheidender Punkt ist. Ebenso die Ernährung (stärker behandelte Nahrung), die Bewegung und mangelnde Ziele (u.a. zuviel Fernsehen als sehr passiver Zeitvertreib). Das Konsumverhalten, das marketingtechnisch gesteuert wird, trägt nicht unwesentlich dazu bei.

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    die Leute waren mehr draußen und haben sich weniger künstlich ernährt...

    ... Saßen weniger lange, wenn überhaupt, bis zum Schlafengehen vor blauem Licht (Monitore, Smartphone) und schliefen dadurch besser, wenn auch vielleicht nicht unbedingt länger. Bei künstlicher Ernährung wäre ich vorsichtiger, damals gab es auch schon ziemlich viel giftiges Zeug in Nahrungsmitteln.

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    hätte man doch schon einen Ansatz, wieso gefühlt/überliefert depressive Zustände früher seltener auftraten als heute: die Leute waren mehr draußen und haben sich weniger künstlich ernährt...

    Das soziale Umfeld hat sich auch nicht ständig geändert, das ist weniger stressig. Heute wechselt man öfter mal den Job und die Stadt und den Ehemann/ Ehefrau, ja ich weiß, das hat auch Vorteile, aber kann auch zuviel werden ;-) .

    @ WM 2014

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    Und ich traue mir zu, zu bewerten, dass es bei den jungen Menschen, die ich in der Klinik kennengelernt habe, durchaus Verstänflich ist bei ihrer Vorgeschichte, dass sie psychisch krank geworden sind.

    Wie beurteilest du, ob es bei einer Vorgeschichte 'verständlich' ist, psychisch krank zu werden?

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    Und das so abzuurteilen wie du es tust, mit "im Vergleich zu früher ist deren Leben ein Klacks" finde ich asozial. Du kennst die Menschen nicht​. Du hast keine Ahnung, was wer wie und wo durchgemacht hat, oder wodurch er so belastet ist. Also würde ich mal anfangen nachzudenken, bevor ich solche Aussagen raushaue...

    Ich kenne genug Jugendliche und ihre Geschichten. Im Gegensatz zu früher oder den Umständen, in denen andere Menschen der dritten Welt leben müssen, kommt es einem fast lächerlich vor. Trotzdem sind psychische Probleme in der westlichen Welt eine traurige Realität.

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    Ich verabschiede mich​ aus dem Thread, ich werd zu wütend beim Lesen...

    Das ist gut. Wer wütend ist, der kann nicht klar denken und urteilen.



    @ Eule2

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    Ich traue mir zu behaupten, dass du das Leben der meisten Jugendlichen nicht gut genug kennst, um das zu beurteilen ":/

    Ab welchem Zeitpunkt kennt man Jugendliche gut genug, um das beurteilen zu können?

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    Wer wirklich immer noch glaubt, Depressionen o. ä. ließen sich durch positives Denken vorbeugen oder sogar heilen, der hat einfach so rein gar keine Ahnung.

    Hast du noch nie von ResIlienz gehört?



    @ Shojo

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    Kommt immer stark auf die Depression an, aber sobald aus dem Ruder laufende Hirnchemie beteiligt ist und nicht "nur" bestimmte Denkmuster da in eine ungünstige Schleife führen, kann man so positiv herumdenken, wie man will, ohne sich besser zu fühlen, fürchte ich.

    Die Frage ist: Was ist die eigentliche Ursache?

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    Und die Denkmuster lassen sich auch nicht einfach mit Fingerschnippen ändern, das Hirn hat ja nun mal eine bestimmte Beschaffenheit und auch bestimmte Gewohnheiten.

    Gewohnheiten können bewusst verändert und neu erlernt werden. Es dauert eine gewisse Zeit, aber dennoch.