Ich glaube nicht, dass überdurchschnittliche Empathie und sozial sein und Verhalten von Mitmenschen zu analysieren zwingend Hochsensiblen vorbehalten ist. Wenn das so ist, wäre ich das auch, wäre mir allerdings neu. Ich bin einfach jemand, der (wie Du) gern andere verstehen möchte, weil ich es nicht mag, dem eigenen Verhalten und dem anderer verständnislos und hilflos ausgeliefert zu sein.


    Mich selbst quälen, indem ich mich gezielt dahin begebe, wo sich überwiegend Menschen aufhalten, die mich nerven, muss ich aber nun nicht. Warum sollte ich auch? Mir macht das aufregen keinen Spaß. Das was einem sowieso schon im Alltag begegnet, reicht mir völlig. Ich unterschreibe dazu mal den Beitrag von Shojo:

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    Ich würde auch sagen: Ganz schlicht anderes virtuelles Umfeld suchen. Ich geh doch auch nicht regelmäßig an einen Kneipenstammtisch und beschwer mich danach dann, dass alle Welt Parolen ins Bier grunzt.

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    Ich glaube nicht, dass überdurchschnittliche Empathie und sozial sein und Verhalten von Mitmenschen zu analysieren zwingend Hochsensiblen vorbehalten ist.

    Ich kann mich nicht entsinnen so etwas behauptet zu haben. ":/

    Aso ... naja, es ist tatsächlich schon ein markantes Merkmal hochsensibler Menschen. Ich sehe das aber keineswegs als Vorteil. Das mag zunächst schön klingen, aber erweist sich im Alltag oft als Pferdefuß. Hatte da neulich ein Gespräch mit meinem Freund. Irgendwie ist man ja als Mensch auch so gestrickt, dass man die Dinge, die man selbst tut automatisch von anderen auch erwartet - man schließt von sich auf andere. Nur wird man irgendwann merken, dass die meisten überhaupt gar nicht dieses Empathie- und Rücksichtsempfinden haben und nach der Prämisse "zuerst ich" handeln.


    Manchmal gehe ich in den Supermarkt und denke mir "mal schauen, was heute wieder für Leute am Start sind" ... irgendwie scheint ein Warenband und die Kasse ein Dreh- und Angelpunkt für menschliches Aneinanderprallen von Charakteren und Idealen zu sein. ;-D

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    Irgendwie ist man ja als Mensch auch so gestrickt, dass man die Dinge, die man selbst tut automatisch von anderen auch erwartet - man schließt von sich auf andere. Nur wird man irgendwann merken, dass die meisten überhaupt gar nicht dieses Empathie- und Rücksichtsempfinden haben und nach der Prämisse "zuerst ich" handeln.

    Na, dann ist es aber gar keine echte Empathie, Knuffelstern, dann ist es Projektion.

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    Manchmal gehe ich in den Supermarkt und denke mir "mal schauen, was heute wieder für Leute am Start sind"

    Ich stelle mich an der Kasse an und hoffe auf eine nette Begegnung mit anderen Kunden und in 99% aller Fälle ist es auch genau so.


    An den Tagen, an denen ich richtig den Papp aufhabe, die Welt gemein und ungerecht finde und mich als richtig benachteiligt empfinde, werde ich tatsächlich eher ruppig und doof behandelt. Ich glaube, es hat etwas mit der Ausstrahlung zu tun und vielleicht mit meiner Erwartung.

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    An den Tagen, an denen ich richtig den Papp aufhabe, die Welt gemein und ungerecht finde und mich als richtig benachteiligt empfinde, werde ich tatsächlich eher ruppig und doof behandelt. Ich glaube, es hat etwas mit der Ausstrahlung zu tun und vielleicht mit meiner Erwartung.

    Und mit deiner Wahrnehmung, die durch deine Stimmung beeinflusst wird.


    Natürlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle.

    Ich würde psychische Erkrankungen nicht als Modeerscheinung bezeichnen. Der Umgang mit ihnen hat sich verändert, so dass gewisse Begrifflichkeiten auch in die Umgangssprache eingegangen sind. Was als depressiv bezeichnet wird, muss es noch lange nicht im klinischen Sinne sein.


    Was das "zuerst ich" anbelangt, bin ich mittlerweile an dem Punkt angelangt, dass dieses Verhalten uns biologisch eingeprägt ist. Dieses Verhalten wird nur dann abgewandelt, wenn es negative soziale Konsequenzen hat. Darunter zählen Entzug von sozialen Kontakten, Streitigkeiten und andere zwischenmenschliche Konfilkte. Ich denke, an der Supermarktkasse riskiert man im allgemeinen außer einem blöden Spruch keine größeren und damit langfristigen Konsequenzen. Es gibt auch so Tage, wo ich das Gefühl habe, ohne unser gutes Elternhaus würde gleich an der Kasse ein Riesengeschrei ausbrechen. Da denke ich mir immer, dass irgendwer den Aggressionsmodus gestartet haben muss. Ist ja nicht jeden Tag so.


    Wenn ich lange genug nachfragen würde, würde ich feststellen, dass jeder komplett anders als ich selbst gestrickt ist. Anscheinend gibt es aber auch genügend Übereinstimmungen, so dass wir noch zusammenleben können. Ich kann auf einem gewissen Grad nachvollziehen, dass Hochsensibilität zu einer anderen und intensiveren Wahrnehmung der Welt führt. Ich frage mich, ob du auf jedes Stöckchen anspringen musst, dass dir deine Wahrnehmung anbietet. Vielleicht macht so eine Art Puffer in der Verarbeitung für dich Sinn.

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    Und mit deiner Wahrnehmung, die durch deine Stimmung beeinflusst wird.


    Natürlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle.

    Ja klar :)z


    Die "Stimmung" in einer Begegnung zwischen Menschen entsteht ja nicht zufällig. Wenn meine Wahrnehmung den Kontakt sagen wir mal schön färbt, also quasi ich die berühmte rosa Brilke aufhabe, dann lächle ich mehr, schaue offener, sage vielleicht ein nettes Wort, ... Das gibt dem anderen ein gutes Gefühl und der gibt mir die good vibrations zurück.


    Das ist dann eine positive feedbackschleife.


    Funktioniert natürlich genauso anders herum. Wenn ich eher einen negativen Aspekt in einer sozialen Situation wahrnehme, runzle ich die Stirn, kneife meinen Mund zusammen und drücke mein Unbehagen in der Körperhaltung aus. Das löst bei meinem Gegenüber auch eher Negatives aus und die gleiche Rückkoppelung wirkt.


    Gute Stimmung und eine positive Erwartungshaltung steckt an und schlechte auch.

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    Na, dann ist es aber gar keine echte Empathie, Knuffelstern, dann ist es Projektion.

    Wenn ich davon rede, dass Menschen normalerweise "von sich auf andere schließen", dann ist das meines Wissens ein ganz normaler, täglicher Vorgang. Vielleicht habe ich da was falsches gelesen und Prof. Lesch hat das in seiner Sendung auch falsch gesagt. Kann ja sein, dass Du da besser informiert bist ... ich habe jedenfalls keine Neurose/Psychose.


    Ein willkürliches Beispiel wäre, dass ich öfter Menschen, die nur ein Produkt kaufen, an der Kasse vorlasse, wenn ich etwas mehr im Korb habe. Wäre ich in dieser Situation, würde ich mich über eine solche Geste freuen ... also breche ich mir da ja keinen Zacken aus der Krone und tue jemandem ein Gefallen. Nur machen das andere extrem selten. Da gibts dann Leute, die haben einen total vollgepackten Wagen und lassen jemanden mit seinem Quark 5 Minuten warten ...


    ... wie gesagt, nur ein Beispiel, was keine Allgemeingültigkeit erhebt. So kleine Gesten und Rücksichtnahme, wie Tür aufhalten, alten Leuten was hochtragen, etc. sind aus dem Alltag fast verschwunden. Ich zumindest sehe es sehr selten.

    Ich erlebe das auch häufig. Also nette Leute, meine ich.

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    Da gibts dann Leute, die haben einen total vollgepackten Wagen und lassen jemanden mit seinem Quark 5 Minuten warten ...

    Na, manche von denen haben vielleicht Eis dabei oder andere Tiefkühlware, die sie schnell ins Eisfach bekommen wollen, oder sie haben noch sehr viel zu tun und quetschen den Einkauf in einen vollgepackten Tag rein, ihr Hund wartet draußen oder das Kind zu Hause ... es gibt keinen Anspruch darauf, mit wenig Einkauf an der Kasse vorgelassen zu werden. Es ist ja auch nur ne winzig kleine, eher höfliche als wirklich nützliche Geste ... summa summarum dauert ein Großeinkauf jetzt auch nicht so viel länger als ein "Kleineinkauf", das Scannen geht schnell, das Bezahlen nimmt bei kleinen und großen Einkäufen gleich viel Zeit in Anspruch. Ich achte eher auf Stressanzeichen anderer Leute, und wenn jemand gehetzt wirkt (ohne dabei drängelig oder unhöflich zu werden), dann biete ich oft an, ihn vorzulassen. Oder Eltern mit kleinen quengelnden Kindern, die so schnell wie möglich vom Süßigkeitenregal wegwollen oder mit ihren zu warm angezogenen Kindern wieder an die frische Luft. Es sei denn, ich bin gerade selbst unter Zeitdruck. Manchmal stehen auch drei Leute mit wenig Zeug hinter einem - soll man die dann alle vorlassen? Oder nur einen? Und darüber hinaus ist jeder mal mit viel oder wenig Zeug in der Schlange, kosmisch gesehen gleicht sich das total aus, und keiner stirbt davon, einfach zu warten, bis er dran ist. Kommt ja jeder dran, wo ist das Problem?


    Bei Leuten, die irgendein Fass aufmachen und effektiv mit irgendeinem albernen Quatsch den Ablauf empfindlich verzögern, sieht dann wieder aus, aber dass Leute einfach einkaufen gehen, dich anstellen, drankommen, bezahlen und gehen, muss bitte noch drin sein, ohne dass jemand beklagt, dass gar nicht alle anderen so nett sind wie man selbst? Das ist nicht höflich, das ist nicht empathisch, das ist auch nicht hochsensibel oder irgendwas, das ist schlicht und einfach selbstreferenziell. Du hast nicht im Blick, wie andere Menschen das sehen mögen, sondern nur Deine selbsterfundene Höflichkeitsregel, die Du irgendwie als moralisch schon so ein bisschen verpflichtend zu empfinden scheinst. Aber es ist eine kleine Freundlichkeit, mehr nicht. Vorgelassen werden ist ein Privileg, kein Recht.

    Bah, zu müde zum Tippen ...

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    Bei Leuten, die irgendein Fass aufmachen und effektiv mit irgendeinem albernen Quatsch den Ablauf empfindlich verzögern, sieht dann wieder aus, aber dass Leute einfach einkaufen gehen, dich anstellen

    Bei Leuten, die irgendein Fass aufmachen und effektiv mit irgendeinem albernen Quatsch den Ablauf empfindlich verzögern, siehts dann wieder ganz anders aus, aber dass Leute einfach einkaufen gehen, sich anstellen (...)