Irgendwelche Leute, die mit nur einem Teil hinter mir stehen und mich anglotzen, als wollten sie mich hypnotisieren, lasse ich übrigens aus Prinzip nicht vor, hatte ich auch schon mal, und einmal knurrte eine Frau dann tatsächlich irgendwann was vor sich hin von wegen Unverschämtheit, sie hätte ja nur ein Teil, bla. Die habe ich, um ehrlich zu sein, mit Freuden warten lassen, die doofe Nuss, und war froh, sie nicht vorgelassen zu haben, überlegt hatte ich ... aber nur kurz, weil ich ihren Blick dann zu penetrant fand.

    So, ich hab mir das hier nun eine ganze Weile lang angesehen und viel von dem was ich denke wurde schon geschrieben.


    Sicher ist die Gesellschaft in der wir leben nur so halbkompatibel mit unseren Anlagen, aber wir haben sie uns ja auch geschaffen und das wäre kaum möglich wenn sie nicht mit einem anderen Teil unserer Anlagen ausgeprochen dáccord ginge.


    Ich habe mir da ein Beispiel rausgesucht:

    Zitat

    Anstatt Dankbarkeit zu lehren, wird Menschen gepredigt, wie schlecht es ihnen doch eigentlich geht.

    Ich denke tatsächlich das diese Fokussierung aufs Negative ein Merkmal unserer Kultur ist, welches die Ausbildung von Depressionen begünstigt. In einer kapitalistischen Marktwirtschaft ist es natürlich nötig Mangelfixiert zu sein, weil nur so Bedarf nach irgendwas geweckt werden kann. Allerdings glaube ich kaum das jemand mit einigermaßen stabiler Psyche sowas umhaut, denn man ist ja nicht gezwungen so zu denken. DAS ist ein Bereich in dem man gut Umdenken lernen kann und sich damit unabhängig machen kann. Been there, done that.


    Schwierig wird es da wo medizinische Leistungen zu Dienstleistungen werden die sich rechnen müssen und das macht weder vor dem physichen noch psychischen Bereich hat. Wie sagte der Frauenarzt zu einer Bekannten die nach einem problemlosen Kaiserschnitt schnell zu ihren anderen 4 Kindern nach Hause wollte? "Ihr Kaiserschnitt und ihre Liegezeit hier bezahlen mindestens 2 Gipsarme oder eine natürliche Geburt."


    In einem so sensiblen Bereich ist das sicher weit schwerwiegender als beim Kauf von Hightechgeräten und gehört dringend kritisch unter die Lupe genommen und umgebaut, aber auch hier gilt ja: Was erwarte ich von mir? Ist es realistisch zu erwarten zwei Wochen nach einer trennung oder dem Tod eines Angehörigen wieder total fit zu sein?


    Eine ehrliche Antwort an sich selbst kann viel Druck rausnehmen und einem den Gang zu Arzt oder Therapeuten gleich ersparen.


    Ganz generell gilt in meinen Augen also: sicher hat unsere Gesellschaft neue Problemfelder geschaffen, aber halt auch neue Lösungen dafür gefunden. Eine konsequente Begleitung durch feste Bezugspersonen für Kinder ist elementar, unsere Betreuung ist das suboptimal aufgestellt (ständiger Personalwechsel!), aber für die daraus resultierenden Probleme haben wir weit mehr Therapeuten als früher. Jede Lebensweise bringt ihre eigenen herausforderungen mit und eigene Lösungsansätze.


    Die Frage ist welche Probleme wir eher in die Schublade "in Ordnung" einsortieren und einfach als natürliche Gegebenheiten hin nehmen. Wollen wir so machen wir jetzt, stellen also wirtschaftliche Sicherheit, auch im Alter, vor idealere Betreuung für die Kinder, dann müssen wir eben auch den Lösungsansatz mit Therapie im Jugendalter impelemntieren und einfach als normalen Teil des Lebens nehmen lernen. Wollen wir das nicht müssen wir Stütze für Familie und Hilfe im Rentenalter für tausende von Frauen die Kinder betreut haben in Kauf nehmen. Ich würde mich nicht aus dem Fenster lehnen wollen um zu erklären was da nun toller ist.


    Natürlich kann man auch Dinge über das Wirtschaftssystem und so regeln, aber auch das bringt eigene Probleme mit sich die dann zu lösen wären und wo mit Sicherheit leid inkludiert wäre. Fakt ist: nichts macht alle Menschen gleichermaßen glücklich, dafür sind wir zu verschieden. Wir können versuchen Systeme zu entwickeln die es möglichst minimieren und Lösungswege anbieten, aber 100% abdecken werden wir nie. Wenn wir das klar haben können wir realistische und erfolgversprechende Reformen angehen, vorher drehen wir uns im Kreis wie ein Hund der seinen Schwanz jagd.


    Und nun ganz konkret zu Knuffelsternchen:

    Zitat

    Da ich meine Selbstreflexion seit Jahren bis zur Schmerzgrenze ausübe, sollte es mich arg wundern, wenn mir jemand noch irgendwas "neues" über mich erzählt.

    Dieser Kommentar fasst deine Haltung allerbestens zusammen. Ich nenne das, ganz unmedizinisch, allein aus persönlicher Erfahrung und weil mir ein Wort für meine damalige Haltung fehlte, "negativer Narzissmus".


    Niemand ist so gut wie ich und deshalb leide ich so furchtbar und weil die Welt so böse ist und ich nunmal so gut und deshalb bin ich leider am Arsch und kann mich eigentlich gleich aufhängen. Das Elend der Welt lastet auf meinen Schultern. Und helfen kann mir auch keiner, weil mich versteht eh niemand und nichtmal die Therapeuten und sie sind halt leider nicht so tief und klug und überhaupt, da erreicht mich halt niemand.


    Blind und taub für alle anderen, jede kritische Äußerung die von aussen kam wurde mit dieser Haltung gleich abgeblockt und jede Änderung unmöglich. Das was mir Sicherheit gab in dem es mein Leid nicht also Folge meiner Fehler deklarierte sondern als unabwendbare Folge meiner sensiblen Besonderheit und der bösen Welt, die Haltung die mich vor dem Absturz in bodenlosen Selbsthass schützte war zugleich mein Gefängnis. Und genau das Problem sehe ich hier bei dir auch.Ich könnte mir vorstellen, dass dein Therapeut, der dir sagte es sei eh für Lau dich zu behandeln, einfach nur mal eine andere Reaktion von dir provozieren wollte, irgendwas anderes als diese Selbstbeweihräucherung mit Gift. Manchmal brauchts so nen Schlag vor den Bug um aufzuwachen. Ich hab ihn gebraucht und die Frau die mich da so anging wird ewig meine Heldin sein, auch wenn ich sie in dem Moment über-scheiße fand.


    Du findest dich so besonders und so empfindsam und empathisch, so gut, dass du dich als Opfer einer weit härteren Welt siehst. Dabei wertest du andere Menschen pauschal ab, ohne zu wissen was genau hinter diesen Fb zweizeilern steht, erhebst dich in arroganter Weise über sie und beweist damit eindrucksvoll, dass du eben genauso wie du dich siehst nicht bist, sondern ein ganz normaler Mensch.


    Die gute Nachricht lautet: Das ist voll gut und toll und ganz in Ordnung. Als Mensch mit guten und schlechten Seiten, egoistischen wie altruistischen, Neid neben Großherzigkeit und soweiter bist du bestens aufgestellt für diese Welt und frei dich zu entscheiden wie du sein willst. Das ist nicht schlimm, es macht dich nicht schuld daran krank zu sein, wenn du es selbst in der Hand hast, aber es gibt dir die Mittel in die Hand dich neu zu positionieren und dabei ein besseres Leben zu finden.


    Steig von deinem Podest und befrei dich, aber häng nicht irgendwo rum wo du meinst deinen Podestplatz verteidigen zu müssen. Facebookgruppen sind keine Selbsthilfegruppen sondern einfach nur eine Form zum rumplärren,e gal ob das thema Kindererziehung oder Psychose lautet. Wenn du echte Hilfe willst, dann fang bei dir und im echten Leben an. Und wenn du dich akut töten willst dann ruf das Selbsthilfetelefon an oder lass dich einweisen, gegebenenfalls auch beides, in der Reihenfolge. Aber hampel nicht rum damit dir jemand noch eine Weile in deinem Kreislauf zuhört und ärger dich dann, wenn andere in der selben Disziplin erfolgereicher sind als du.

    Danae...


    Sehr eindrucksvoll und offen geschrieben.


    Und es passt sehr gut zu meiner Wahrnehmung von Knuffelstern und es erklärt die Irritation, die ich immer wieder habe. Die Arroganz hinter der scheinbaren Empathie kommt bei mir immer wieder an.

    Zitat

    Sehr eindrucksvoll und offen geschrieben.


    Und es passt sehr gut zu meiner Wahrnehmung von Knuffelstern und es erklärt die Irritation, die ich immer wieder habe. Die Arroganz hinter der scheinbaren Empathie kommt bei mir immer wieder an.

    Ich habe das auch so wahrgenommen, hätte es aber nicht so gut wie Danae in Worte umsetzen können.

    Daran sollte sich mein Psychologe mal ein Beispiel nehmen. Wir doktern da Sitzung um Sitzung herum und das ich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung habe, ist dem gar nicht aufgefallen. Der hat da was von Belastungsstörung auf den Zettel geschrieben. Das ja komisch. Meinste er traut sich nur nicht, mir das zu sagen? Kann ja sein. Vielleicht wollt ihr euch ja mal telefonisch kurzschließen? Dann kannst du ihm das nochmal genau erklären.

    Zitat

    Daran sollte sich mein Psychologe mal ein Beispiel nehmen.

    Meine Erfahrung ist, das Psychologen sich gegenüber Patienten allgemein zurückhalten, was die Diagnose angeht. Ich persönlich finde das blöd, so doktert man ewig herum.

    Zitat

    Gib ihm danaes Beitrag doch mal zu lesen.

    Vielleicht sollte sich danae mal mit dem Thema Verbitterungsstörung auseinandersetzen. Es ist für mich unheimlich hilfreich, wenn sich jemand hinstellt und mir meine Krankheitssymptome vorhält, als würde ich das absichtlich machen um damit Leute aus dem Internet zu ärgern. Schönen Dank!


    Aber das hört man ja jeden Tag, dass man einfach nur "zu dumm und zu stur" ist sich da selbst rauszumanövrieren. Schließlich bin ich auch selbst Schuld, wenn ich psychisch erkrankt bin. Da muss man dann auch mal den Mumm haben und sich zusammenreißen.

    Eine Verbitterungsstörung gibt es als offizielle Diagnose lt. ICD-10 nicht... also kann diese nicht offiziell diagnostiziert und darüber keine Therapie abgerechnet werden.

    @ esta:

    Zitat

    Meine Erfahrung ist, das Psychologen sich gegenüber Patienten allgemein zurückhalten, was die Diagnose angeht. Ich persönlich finde das blöd, so doktert man ewig herum.

    Eigentlich wird in der therapieausbildung (seit 1999 verpflichtend) vermittelt (zumindest in der Verhaltenstherapie), dass Diagnosenmitteilung, Vermittlung von einem individualisierten Störungsmodell sowie der Diagnose überhaupt Das A&O für den Einstieg ist... Ich weiß, dass Tiefenpsychologen das etwas geheimnisvoller behandeln. Wollte den Einwand aber mal loswerden.

    Knuffelstern, du trägst deine Diagnose wie ein Banner ... oder vielleicht auch wie ein Schutzschild her.


    Was hilft es dir denn, wenn alle verstehen, dass du so tickst, weil du eine Verbitterungsstörung hast. Ist supi, dir geht es genauso besch*** wie vorher, aber alle verstehen warum ???


    In danaes post sind so viele Hinweise und Ansätze, wie man neu und anders handeln kann. Aber bei dir kommen Vorwürfe an, die sie dir ganz eindeutig nicht macht.


    Bei mir verdichtet sich der Eindruck, dass du gar nichts anders haben möchtest. Dumm bist du garantiert nicht, aber stur könnte wohl hinkommen ;-)

    Sunflower_73

    Darum steht bei mir F43.2 Anpassungsstörung in der Indikation. Das trifft es aber nicht in allen Punkten. Die grundsätzlichen Züge entsprechen der PTBS, wobei sich meine Verbitterung nicht auf ein traumatisches Ereignis bezieht, sondern auf eine Reihe von Schicksalsschlägen. Mein Psychologe wurde u.a. von Dr. Lindner unterrichtet, der die Forschung zur Verbitterungsstörung voranbringt. Ich habe mir auch das Buch von ihm gekauft und war überrascht, wie genau es mein Verhalten erklärt.


    Ich würde auch ehrlicherweise davon ausgehen, dass die Störung schwer ausgeprägt ist und eine langwierige Behandlung erfordert, wenn ich da überhaupt wieder rauskomme. Eigentlich will ich ja gar nicht - dann müsste ich Menschen vergeben, die mir das Leben versaut haben. Das kann ich nicht!

    Sunflower

    Zitat

    Ich weiß, dass Tiefenpsychologen das etwas geheimnisvoller behandeln. Wollte den Einwand aber mal loswerden.

    Als ich noch ganz jung (und unerfahren) war und eine tiefenpsycholgische Therapie gemacht habe, habe ich gedacht der Therapeut sagt mir das nicht, um Macht über mich zu haben. Das war mein Eindruck und das war überhaupt nicht gut für die Zusammenarbeit, auch wenn ich damit vielleicht falsch lag.


    Knuffelstern

    Zitat

    Vielleicht sollte sich danae mal mit dem Thema Verbitterungsstörung auseinandersetzen. Es ist für mich unheimlich hilfreich, wenn sich jemand hinstellt und mir meine Krankheitssymptome vorhält, als würde ich das absichtlich machen um damit Leute aus dem Internet zu ärgern. Schönen Dank!

    Es hat Dir niemand etwas vorgehalten :-/ .

    @ Knuffelstern

    Zitat

    Es ist für mich unheimlich hilfreich, wenn sich jemand hinstellt und mir meine Krankheitssymptome vorhält, als würde ich das absichtlich machen um damit Leute aus dem Internet zu ärgern. Schönen Dank!


    Aber das hört man ja jeden Tag, dass man einfach nur "zu dumm und zu stur" ist sich da selbst rauszumanövrieren. Schließlich bin ich auch selbst Schuld, wenn ich psychisch erkrankt bin. Da muss man dann auch mal den Mumm haben und sich zusammenreißen.

    Das konnte ich aus danaes Beitrag nicht herauslesen, also "selber Schuld" und "zu dumm und zu stur".