Zitat

    Und gerade im psychologischen Bereich, z.B. bei Depression, ist eines der häufigen Begleitsymptome, dass man sich schuldig fühlt und die Krankheit als eigenes Versagen bzw. Unfähigkeit, mit normalen Dingen umgehen zu können, interpretiert. Wenn so jemand sich dann aufrafft und nach Hilfe sucht und sich dann erstmal durch diese "ihr stellt euch nur an"-Fäden liest, schlägt das nur in die selbe Kerbe, wird diese wenig zielführende Selbstverurteilung nur bestärkt und der Betroffene holt sich noch weniger Hilfe. Ich als "nachgewiesen Betroffene" (und nein, ich zähle jetzt weder Diagnosen noch Traumata auf), kämpfe zum Beispiel jeden Tag darum, mich nicht so hart dafür zu verurteilen, dass ich nicht so rund laufe...

    Das verstehe ich. Ich bin selbst "nachgewiesene Betroffene" ;-) und mich verletzt es immer, wenn alles in einen Topf geworfen wird. Trauma ist nicht gleich Trauma, aber wird oft in einem Abwasch genannt. Und wenn jemand mal paar Tage nicht gut drauf ist, muss man auch nicht gleich von Depressionen sprechen.


    Ich finde das es wirkliches Leid trivialisiert, wenn man inflationär mit solchen Begriffen wie z.B.: Trauma und Depression umgeht. Leider ist das heutzutage oft der Fall, dadurch entstehen ja auch diese krassen Meinungen.

    Zitat

    Ich finde schon, dass man einen wertschätzenderen Umgang miteinander einfordern kann in einem Forum.

    Stimmt, aber die trotzdem sollten auch Meinungen zugelassen werden, die vielleicht nicht jedem gefallen.


    Und die Rückmeldung die auf die Beiträge von Knuffelstern kamen, haben das ausgedrückt was die Schreiber empfunden haben. Sollte man jetzt kritisieren das die Empfindungen falsch waren? Eine Empfindung ist eine Empfindung.


    Aber das ist nur meine persönliche Meinung und ich habe hier eh nichts zu melden, insofern... *:) .

    Vielleicht sollte man generell etwas umsichtiger mit seiner hier gebildeten Meinung umgehen und sich überlegen, ob man das was man hier schreibt, jemandem auch so schonungslos in's Gesicht sagen würde, wie man es hier schreibt. Da nehme ich mich selbst gar nicht aus. Und ich meine damit jetzt gar nicht mal diesen Faden hier im Speziellen, sondern meine das ganz Generell. Beim Schreiben hier im Internet überlegt man sich vielleicht nicht so genau die Wortwahl, wie man es im persönlichen Gespräch tun würde. Geht mir jedenfalls manchmal so. Das heißt nicht, dass man hier nicht seine Meinung und sein Empfinden deutlich machen sollte, aber es kommt immer darauf an.. WIE. Wie gesagt, ich nehme mich da gar nicht aus und ist ein Thema, was nicht nur auf dieses Forum hier zutrifft, sondern generell. Ich kenne eigentlich nur ein einziges Forum, wo es überwiegend wertschätzend, seeehr überlegt und trotz Kritik nett zugeht und das ist ein Forum für Hochsensible. Da liegt es natürlich ganz klar am Thema und daran das man genau weiß, welchen Typ Mensch (zumindest in groben Zügen) man da auf der anderen Seite der LAN-Verbindung vor sich hat :)_


    Und natürlich weiß man hier nur einen kleinen Bruchteil von den Schreibern und kann sich daraus nur eine eher oberflächliche Meinung bilden. Und nicht jeder drückt sich schriftlich so aus, dass es seinen Charakter 1:1 widerspiegelt. Meine liebe Arbeitskollegin z. B. ... Hier auf der Arbeit eine Seele von Mensch, fröhlich, liebevoll und einfach herzlich. Schriftlich per SMS z. B. denke ich manchmal.. WO ist sie hin, meine Kollegin??? Da kommt überhaupt nichts rüber, da kann sie sich so gar nicht richtig mitteilen und versteht oft die Welt nicht, weil sie dehalb oft missverstanden wird von Anderen, die sie nicht so gut kennen. Ist also vielleicht manchmal auch ein nicht unwichtiger Aspekt bei der Schreiberei.


    Und.. ich fass mir da ganz klar auch an die eigene Nase ;-D


    Was mir aber gerade im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen selbst im Real Life oft auffällt ist, dass Menschen darüber urteilen, die selbst gesund sind und dennoch meinen, sich eine Meinung bilden zu können. Man soll sich nicht so anstellen und den Arsch hochkriegen, ist da wohl noch ein Kompliment... :(v Also natürlich sind längst nicht alle Menschen so, aber es ist mir schon mehrfach so ergangen. Ich erwarte von niemandem, dass er nachfühlen / nachvollziehen kann wie es einem mit einer psychischen Erkrankung geht. Aber ich würde mir wünschen, dass es da mehr Respekt und Verständnis gäbe, dass es eben genau das ist was es ist.. eine Erkrankung!


    Bei einem gebrochenen Arm kommen alle an und bemitleiden. Naja, viele jedenfalls ;-) Wenn man zugibt psychisch krank zu sein, kommt oft gleich eine Wertung! "Ach die... die ist nur zu faul zum Arbeiten" oder sowas... Alles schon erlebt.


    Erst neulich! Ich habe mit unserer Schwerbehindertenvertretung gesprochen und Rat gesucht. Ich habe im ersten Anlauf beim Antrag 40% erhalten. Die bekommt man ja nun nicht umsonst! Natürlich wollte ich weiter gehen und wenigstens die 50 % erreichen. Nicht, weil ich 5 Tage mehr Urlaub will, sondern weil die psychische Erkranung mich derart einschränkt, dass ich mich tatsächlich dadurch behindert fühle und auch irgendwann der Job dadurch bedroht sein könnte. Ein besonderer Kündigungsschutz wäre für mich also eine riesige Entlastung! Das heißt nicht, dass ich mich dann ständig krank melden würde. Aber wenn es denn dann sein muss, muss ich wenigstens nicht noch große Sorgen um meinen Job und meine Finanzen haben!


    Naja, jedenfalls meinte der Kollege zu mir: "Ich würde dir die 50% nicht geben, da ich dich ja kenne!"


    Im ersten Moment war ich sowas von wütend! Was denkt der sich, einen Scheiss kennt der von mir!!!


    Aber dann hab ich das mal reflektiert. Klar, nach aussen hin wirke ich fröhlich, lächle viel und man merkt es mir nicht an. Ich kann's ihm eigentlich somit gar nicht übel nehmen. Oder doch? Ich hardere noch mit mir und habe mir daraus resultierend vorgenommen, im Zweifel nicht vorschnell zu urteilen. Gelingt mir auch nicht immer, aber ich versuche mich immer wieder daran zu erinnern, wie es mir selbst ergangen ist.