Zitat

    Darüber hinaus liegt die steigende Zahl von psychischen Erkrankten in den Industrienationen aber m.E. aber auch an einer anderen Einstellung zum, ja Anspruchshaltung gegenüber dem Leben inklusive der Prämisse, dass das Leben gut zu einem zu sein hat und -


    u.a. dank der (v.a. sozialen) Medien - fixen Vorstellungen darüber, wie ein solches gutes Leben genau aussieht, sowie an einer anderen Selbstwahrnehmung des Individuums, das ausschließlich die eigene Person und die eigenen Wünsche ins Zentrum allen Denken und Handels rückt.


    So haben wir trotz der Globalisierung und des Siegeszugs der sozialen Netzwerke doch tatsächlich weniger wahrhaftige Kommunikation und eine Entfremdung unter den Menschen.

    sehe ich ehrlich gesagt anders. der mensch im mittelalter wollte zwar kein auto und keinen urlaub im ausland, aber er stand unter extremem stress, was sein seelenheil anging. der hat dann auch alles getan, damit er im leben nach dem tod im himmel landet und nicht in der hölle. selbstverständlich gehörte da dazu, dass man in seiner freizeit frondienste leistete, zu irgendwelchen als heiligengebeine dargebotenen hühnerknochen pilgerte, geld für die armen spendete, selbst wenn man es nicht hatte und natürlich jede sünde sofort beichtete.


    der wesentliche unterschied zu heute ist, dass wir zum glück ein komplettes berufsfeld haben, das sich einzig und allein mit der versorgung der daraus resultierenden erkrankungen befasst. wer damals psychisch krank wurde, hat eben angefangen zu saufen. wer arbeitsunfähig wurde ist eben verhungert oder kam ins armenhaus oder musste von der familie mit durchgeschleppt werden. als junge frau bist du dann auch mal zwangsverheiratet worden, damit dein mann dich gefälligst auf zack bringe. zur not wurden dir eben deine flausen aus dem kopf geprügelt.


    und ja, die sozialen netzwerke haben bei sehr vielen menschen die fähigkeit zur kommunikation eingeschränkt oder zerstört. ich glaube aber nicht, dass das mit der thematik psychische erkrankungen stark zusammenhängt. ":/


    gab ja im mittelalter auch mönche, die ein schweigegelübde abgelegt haben. waren die dann auch alle psychisch krank? ;-D


    ich glaube, du machst es da etwas einfach. es geht nicht um die bunte glitzerwelt mit konsum und haben-wollen. die kids kriegen heute schon in der schule erzählt, dass sie abi machen müssen - und das in einem jahr weniger als ich damals - weil sie sonst keinen job kriegen. wohlgemerkt geht es da gar nicht um einen super bezahlten job, es geht um einen job. das abi muss natürlich eine 1,0 haben - mindestens. und da das sehr viele haben, musst du noch was drauf legen. wenn du jura oder medizin oder sowas studieren möchtest, musst du schauen dass du dich in deiner freizeit noch entsprechend betätigst, z.b. ehrenamtlich beim DRK oder nach dem abi in einem FSJ. und selbst dann ist die chance noch extrem hoch, dass du in die röhre schaust und dann eben deine zweite oder dritte wahl studieren musst.


    der leistungsdruck der gesellschaft wird mittlerweile gnadenlos durchgereicht an die kinder.


    und da kommt dann eben die kommunikation ins spiel: das kind im mittelalter wusste, es wird schneider weil sein vater und dessen vater schneider waren. wenn aber doch mal stress, negative gedanken oder sonstwas da war, waren die eltern jederzeit da, denn der vater arbeitete ja zuhause in seiner werkstadt und die mutter war eben hausfrau oder hat ein bisschen gesponnen. zeit für ein gespräch war da aber immer.


    wo sind denn die eltern heute? 2-3 stunden auf dem weg zur arbeit oder nachhause, 8-10 stunden auf der arbeit und dort selbstverständlich auch nicht erreichbar - wäre ja dem profit hinderlich. abends muss dann noch der garten gepflegt werden, weil der nachbar nebenan mal wieder meckert und droht das ordnungsamt zu rufen. es muss eingekauft und gekocht werden und dann ist ein menschliches wesen auch einfach mal erschöpft und fällt aufs sofa und hat dann auch keine energie mehr für ein gespräch mit den kindern über deren stress.


    und da setzt jetzt ein problem im denken ein: die heutige generation der eltern und grosseltern, die babyboomer und kinder der 70er haben eine ganz andere realität in ihrer kindheit erlebt. der druck auf ihre eltern war wesentlich geringer. mama konnte zuhause bleiben und war eben hausfrau und immer da. die schule war anstrengend, aber selbst mit einem hauptschulabschluss konntest du noch was anfangen, denn handwerk hatte goldenen boden. wenn papa nachhause kam, war er zwar auch erschöpft, aber er musste wenigstens nicht mehr aufräumen, den garten machen oder einkaufen und kochen - das hatte mama alles erledigt. in vielen fällen hatte er dann auch nur einen arbeitsweg von ein paar minuten zu fuss, denn viele grosse firmen bauten damals in fabriknähe wohneinheiten für ihre arbeiter. er kam also auch wesentlich früher zuhause an, stand nicht stundenlang im stau oder in der überfüllten bahn. willy brandt führte bafög als vollzuschuss ein. die höhe des bafög war dem bedarf angepasst. beides klingt heute nach kommunismus und ist geschichte.

    Frauen sind genauso betroffen wie Männer. Die Dunkelziffer ist hoch. Frauen sind allgemein eher bereit zum Arzt oder Therapeuten zu gehen. Männer meinen sie schaffen es alleine.


    In Suchtkliniken ist es überwiegend Männer.


    Nur 20% der Bevölkerung erleben einen psychisches Problem pro Jahr. Das heisst aber längst nicht Dauerkrank.

    Zitat

    Soll das jetzt ein Rundumschlag auf alle sein, denen es nach eigenem Empfinden nicht so schlecht geht, wie einem selbst?

    Ich vermute für Knuffelstern ist das des Pudels Kern. Sie ist vielleicht irgendwie in einer imaginären Konkurrenz zu anderen Menschen mit psychischen Erkrankungen und kommt irgendwie zu kurz. Sie schreibt, dass sie für andere da ist und selbst keine Empathie zurückbekommt.


    Ihr habt natürlich alle Recht, die Strategie ist sch*.


    Knuffelstern hat hier irgendwo anders geschrieben, dass sie an einer Verbitterungsstörung leidet. Da passt dieses Denkmuster schon ins Bild und es ist vielleicht Ausdruck ihrer Problematik.

    @ Shakesbier:

    Ich beobachte diese Gruppen durchaus auch - aber das fällt in den Bereich einer best. Persönlichkeitsstörung, wo man sich halt darüber definiert. Die Krankheit gab es schon immer, nur nach außen wird es jetzt offener gezeigt. Der Hilferuf dahinter ist derselbe. Auch "Aufmerksamkeitsritzer" haben ein Problem.

    @ mittelgrobröhrig:

    Zitat

    Was fällt denn da alles darunter? Ich meine mich zu erinnern, dass es bei Männern generell mehr Extremausprägungen von vielem gibt, also mehr Genies, aber auch mehr Psychopathen. Reinv om Gefühl her hätte ich da doch deutlich mehr Männer vermutet; oder fällt das eher unter Persönlichkeitstypus als unter Krankheit?

    Depression, Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, Essstörungen,... Also alle sog. "Achse 1"-Störungen. Achse 2 sind dann die Persönlichkeitsstörungen; da gibt es starke Unterschiede zwischen den einzelnen Diagnosen. Borderline und histrionische Persönlichkeitsstörungen ist eher Frauensache; Narzissmus und antisoziale Persönlichkeitsstörung findet man eher bei Männern. Ich gebe zu, dass ich diesen Aspet bei der pauschalen Aussage bzgl. Häufigkeiten unterschlagen habe. Aber die Diagnosen auf der Achse 1 sind halt das, was man landläufig eher als "Krankheit" bezeichnet.


    Der Unterschied ist, dass Frauen häufiger stiller leiden, länger funktionieren - aber eher Hilfe holen. Die Männer warten ab, bis es gar nicht mehr geht, dann schlagen sie aber häfig sehr heftig auf. Und: Bei Frauen gibt es deutlich mehr SelbstmordVERSUCHE. Bei Männern weniger, dafür häufiger "erfolgreiche" Versuche, sprich tatsächliche Suizide. Männer wählen dabei auch eher "harte" Mittel; Frauen eher Methoden, die noch umkehrbar sind.


    Aber das ist ein ziemlich umfassendes Thema für sich.


    Mal einige Links, auf die Schnelle:


    1. https://www.aerzteblatt.de/archiv/134430/Psychische-Erkrankungen-Hohes-Aufkommen-niedrige-Behandlungsrate


    2. https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&ved=0ahUKEwjh7Zrek6_YAhXBI1AKHXy9BxoQFgg-MAM&url=http%3A%2F%2Fwww.bfr.bund.de%2Fcm%2F343%2Fpsychische-gesundheit-in-der-bevoelkerung-aktuelle-daten-und-hintergruende.pdf&usg=AOvVaw1iOafM2WJSLtMDwEPVzm0Z


    3. https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=0ahUKEwjh7Zrek6_YAhXBI1AKHXy9BxoQFggyMAE&url=http%3A%2F%2Fpsychiatrie.uniklinikum-leipzig.de%2Fred_tools%2Fdl_document.php%3FPHPSESSID%3Dpb797a38v2n2fkh4on38amoc13%26id%3D27&usg=AOvVaw0m9R74TAQjST20BvdXiiiW


    Achtung, z.T. sehr wissenschaftlich! Es wird aber deutlich, wie viele Faktoren man berücksichtigen muss bei der Analyse von steigenden Krankheitszahlen, geschlechtsspezifischen Unterschieden,...

    Ich ergänze nochmal die Links:


    1. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Psychische_Gesundheit/Psychische_Gesundheit_node.html


    2. http://psyga.info/psychische-gesundheit/daten-und-fakten/


    3. http://www.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/daten-zur-ge.html


    4. https://www.seelischegesundheit.net/aktuelles/2-kurzmeldungen/341-psychische-erkrankungen-ursachen-praevalenz-und-auswirkungen-auf-die-arbeitsfaehigkeit

    Ich rede zwar mit Worten, die jeder versteht, aber offensichtlich ergibt sich aus dem Gefüge bei vielen etwas anderes, als das, was ich verstehe.


    Keine Ahnung, wieso mich kaum jemand versteht. Ich sagte ja, ich bin nicht kompatibel. Anders. Da kann ich tausend Mal etwas anders erklären und am Ende verstehen es nur paar Leute. Jedenfalls entsprechen die hier geäußerten Vermutungen nicht ansatzweise dem, was ich versuche zu vermitteln.


    Schade.

    Xirain:

    Zitat

    Vielen dieser jungen menschen könnte geholfen werden, indem man ihnen zeigt sich bestätigung selbst zu verschaffen durch Tätigkeiten, die SIE zufrieden machen. Indem man ihnen zeigt, dass sie ruhig anders sein dürfen und hobbies haben dürfen, die andre in dem alter doof finden. Indem man ihnem beibringt für sich einzustehen.

    Wie wahr!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


    Auch ich finde es - wie einige andere hier auch - sehr schade, dass Du Dich hier zurückziehen willst.


    Diese Aussage von Dir, die ich hier gerade zitiert habe, trifft auch voll auf mich zu!


    Ich war damals in der falschen Schule (mit dem falschen Profil) und hatte auch keine Unterstützung in meinen geheimen Sehnsüchten (Musik zu machen, vielleicht sogar beruflich)


    Ich hätte damals jemanden gebraucht, der mich in meinen damals mir gar nicht recht bewussten Fähigkeiten fördert und bestärkt......


    Andererseits kann ich Dich aber auch verstehen, wenn Du Dich aus diesem faden zurückziehen willst. Aus Selbstschutz. Kann ich gut verstehen und nachvollziehen.


    Jedenfalls möchte ich Dir ein dickes DANKE sagen für Deine wertvollen Beiträge hier.

    @ :) *:)

    Zitat

    Jedenfalls entsprechen die hier geäußerten Vermutungen nicht ansatzweise dem, was ich versuche zu vermitteln.

    Ich habe versucht zu verstehen, was dich bewegt. Deine Antwort ist allerdings mager.


    Du hättest etwas differenzierter antworten können. So werde ich irgendwie pauschal abgemeiert.


    Am Ende kann zumindest ich dich nicht verstehen, weil du dich missinterpretiert fühlst aber nicht weiter erklärst, inwiefern.

    Zitat

    Schade

    Ja, schade.

    Knuffelstern:


    Hier mal ein Link - das Gebet von Franz von Assisi:


    http://www.medienwerkstatt-onl…agen/showcard.php?id=4435


    Warum ich Dir das schicke? - Ich wandle da mal ein paar Passagen ab:


    Wir wollen geliebt werden - und lieben selbst so wenig.


    Wir wollen versanden werden - und verstehen selbst so wenig.


    Und jetzt ein paar Zitate von Dir:

    Zitat

    Das mag schon sehr subjektiv sein, aber in dem Alter hätte es mir schlichtweg an Lebenszeit gefehlt, um "richtig" depressiv zu werden oder gar suizidal.

    Zitat

    Ich dachte immer, dass gerade stigmatisierte Menschen mit gutem Beispiel voran gehen und genau dies bei anderen nicht tun. Aber Irren ist ja menschlich ...

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    weil ich mit meinen Vorstellungen zu Solidarität und Empathie ziemlich allein dastehe.

    Zitat

    dass vor allem Teenager mit ihrem "Emo-Style" Aufmerksamkeit erregen wollen.

    Zitat

    ...weil ich von anderen erwarte, dass sie empathisch sind.

    Ich hab hier mal einiges herausgegriffen - um Dir zu verdeutlichen - das gerade das, was Du von anderen erwartest, Empathie, Verständnis usw gerade das lassen Deine Beiträge hier schmerzlich vermissen.


    Du regst Dich über Jugendliche auf, die ihrem - vermeintlichen "Emo-Style" frönen - Du weißt es aber NICHT mit Sicherheit, Du kennst diese Menschen nicht und unterstellst ihnen Effekt-Hascherei.


    Mit deinen Zitaten und Äußerungen tust Du auch sehr vielen Menschen aus diesem Forum weh, die wirklich - in ihrer Jugend - schlimmste Depressionen hatten.


    Und das:

    Zitat

    Ich bin damals viel in die Natur gefahren und habe mir oft gewünscht ein Vogel zu sein, der einfach wegfliegen kann. Und das wünsche ich mir heute auch noch. Ich habe auf diesem Planeten irgendwie nichts verloren ... und jedem, dem ich meine Geschichte erzähle ist ihr irgendwann überdrüssig und irgendwann lernt man leise zu sein.

    tut mir aus ganzem Herzen leid für Dich - aber das darf nicht dazu führen, dass Du anderen, die ebenfalls Depressionen haben oder hatten - auch in jungen Jahren, ihre Probleme absprichst und so tust, als seist NUR Du selbst betroffen.............


    Und wenn Du mit FB und Co nicht klar kommst, so lass es doch, lass es einfach stehen - und fang an, im realen Leben Deine Mitmenschen zu verstehen. Dann wirst Du auch ganz bestimmt Empathie von anderen ernten.


    Und ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass auch Du das Leben wieder lieben lernen kannst, dass Du Menschen findest, denen Du Dich anvertrauen kannst und Du Dich wirklich verstanden fühlst.


    Das wünsche ich Dir aus ganzem Herzen. Vielleicht auch ein erfüllendes Hobby, womit Du anderen Freude machen kannst, die Malerei und die Musik kann dabei eine sehr große Hilfe sein - eigene Erfahrung. :)*

    Habe leider noch nicht alles gelesen, finde den Faden aber sehr interessant und werde das nachholen.


    Zur Eingangsfrage: Das es dir gerade auf FB auffällt kann einen recht 'simplen' Zusammenhang haben.


    Habe schon häufiger gelesen und gehört das die sozialen Netzwerke depressive Stimmungen durchaus auslösen und/oder verstärken können. Undzwar dadurch das jeder maßgeblich die Schokoladenseite seines Lebens und seiner Persönlichkeit darauf präsentiert.


    Nun kann es natürlich sein das diejenigen die sich auf Facebook zu ihren Sorgen äußern in dem Moment akut davon getriggert sind; Also, erst kurz zuvor genau damit konfrontiert waren.


    Das Jugendliche es da heute etwas schwerer haben und schneller an sich zweifeln, kann ich mir auch gut vorstellen. Dr. Google, der ganz furchtbare viele Selbsttests abrufen lässt, macht es da nicht besser.


    Probleme simulieren werden die Wenigsten. Was mir eher Sorge macht ist, dass sich diese natürlich wesentlich schneller festsetzen und potenzieren können, wenn man sie selbst patologisiert.


    Das können 'wir Erwachsene' ja auch ganz gut.

    Zu der allgemeinen Frage noch mal:


    Ich habe mich, als ich Teenie war, völlig geschämt für meine "Verrücktheit".


    Da gab es eben keine Emos, keine Szene in der eine solche Abweichung von der Norm, akzeptiert war. Ich habe meine Verzweiflung so gut versteckt, wie es ging, habe (ohne viel Erfolg) versucht dazuzugehören. Diese Isolation war noch mal eine zusätzliche Belastung.


    Das ist vll. ein positiver Effekt von social media in diesem Kontext, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen merken, dass sie nicht allein sind.

    Gut, wie erkläre ich das jetzt ...


    Zunächst: Ob man sich selbst die Jacke anzieht, habe ich anhand meiner Inhalte nicht zu bestimmen. Ich bin nur verantwortlich für das, was da steht, nicht für das, was ein anderer versteht. Etwas, dass man interpretiert und annimmt als Diskussionsgegenstand zu erheben erachte ich, nach wie vor, als bedenklich ... aber gut. Ich stehe dann hinterher nur in der Pflicht eben solche Spekulationen zu rechtfertigen ... ist eigentlich unfair!


    Ich kann mich nirgends entsinnen alle psychisch kranken Teenager als Simulanten bezeichnet zu haben. Es wird mir zwar vorgeworfen, nur habe ich das nie getan. Ich kann mich aber gut entsinnen exemplarisch etwas angegeben zu haben. Und ich kann mich auch entsinnen, dass ich es nirgends als allgemein gültig definiert habe. Exemplarisch heißt - für, die, die es nicht wissen, dass es ein willkürliches Beispiel darstellt. Ich könnte täglich solche Beispiele posten. Für manche scheint es eben ein Grund zu sein suizidal zu werden, wenn der Freund 4h Playstation spielt und sich nicht meldet ... ich kann das nicht beurteilen.


    Ich weiß nur, dass es unter diesen Kriterien immer schwieriger werden wird Leute zu identifizieren, die real Hilfe benötigen. Ich will auch niemanden absprechen, dass jemand mit seinem Husten in die Notaufnahme geht - nur muss ihm dann bewusst sein, dass er im Zweifelsfall einem Herzinfarkt die Behandlungszeit stiehlt und jemand stirbt. Und für meine Begriffe bedeutet Empathie, dass man denen den Vortritt lässt, die an gravierenden Problemen leiden und die Fähigkeit besitzt genau dies zu erkennen.


    Empathie heißt ja genau die Fähigkeit seine eigenen Bedürfnisse in den Kontext zu anderen zu stellen. Und immer nur darauf zu bestehen, dass ICH wichtig bin und meine Probleme zuerst behandelt werden, ist reiner Egoismus. Gelebte Empathie ist für mich eine Gruppendynamik, wo ich sowas nicht erklären muss, sondern die Leute selbst erkennen, welche Relevanz eine professionelle Behandlung hat. In der heutigen Gesellschaft ist aber sich jeder selbst der nächste - ob das im Verkehr oder auf im Beruf ist - die Leute kümmert es einen Dreck, was der andere fühlt und möchte.


    Ich habe massive Probleme auf Grund meiner Empathie. Das ist eher Fluch als Segen und wenn mir jemand vorwirft, ich wüsste nicht, "wie das geht", hat schlichtweg davon nichts verstanden, sorry. Ich suche über all nach Tutorials ala "Wie werde ich ein Arschloch" ... ich empfinde es als extrem belastend hilfsbereit zu sein und andere zu verstehen, das Bedürfnis zu habe mich darum zu kümmern und Menschen etwas Gutes tun zu wollen. Zum Schluss ist man nämlich immer das Arschloch, dass mit seiner Scheiße allein klar kommen muss.

    Du liegst mit deiner Idee, was Empathie angeht weit über den eigentlichen Begriff hinaus. Empathie bedeutet schlicht mitfühlen können.


    Wiki Empathie


    Anderen den Vortritt zu lassen, wie du schreibst, beinhaltet viel mehr.


    Da steckt drin, einen Mangel anzunehmen. (ich trete zurück, weil es nicht genug für alle gibt) und es steckt drin eine Wertung zu machen (mir geht es nicht so schlecht wie dem anderen, dessen Problem ust dringlicher)


    Ich stimme mit dir überein, dass man Empathie braucht um eine solche Entscheidung zu treffen.


    Sinnvoll finde ich es dennoch nicht. Wenn es um die Frage geht, wer zuerst medizinische oder psychologische Hilfe bekommt, finde ich das Fachleute eine Wertung treffen sollen.


    Das tun sie auch zumindest gelegentlich, zumindest meiner Erfahrung nach.


    Knuffelstern, du kannst andere Menschen nicht verändern...niemand kann das.


    Bei dir kannst du ansetzen. Nicht indem du ein "Arschloch wirst" :-/ ... nimm dich wichtig und mache dir klar, dass du wichtig und wertvoll bist, und dass du Hilfe verdient hast.


    Deine Art von Empathie und helfen wollen funktioniert nicht, wenn du dich selber im Regen stehen lässen, wer sich selbst nicht liebt, kann auch andere Menschen nicht lieben. Du musst für dich sorgen, zumindest einen kleinen Impuls in diese Richtung braucht es, damit andere für dich sorgen können.


    Was die Teenager angeht: es ist sooo typisch für diese Altersphase, dass alles was passiert hochdramatisch ist und Kleinigkeiten eine ungeheure Bedeutung haben. Die sind durch das Hormonchaos ungeheuer labilisiert. Und wenn ein nichtiger Anlass zu Suizidalität führt, kann es auch gut sein, dass es nur der Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt.


    Ich stimme dir auch zu, dass es sehr schwer ist die Dramaqueens und special snowflakes von denen zu unterscheiden, die in schlimmer Not sind. Ich würde aber eher riskieren, jemandem Unterstützung zukommen zu lassen, der seine Probleme aufbläst, als jemand im Stich zu lassen, der wirklich in existentieller Not ist. Ich bin froh, dass es heute mehr Hilfe für Jugendliche in Not gibt...ich bin als Kind mit meinen Hilferufen dermaßen abgebügelt worden und ich hätte es fast nicht überlebt. :°(