Jährlicher Sirenentest - wieso macht mir das so angst?

    Liebes Forum


    Seit 13:30 Uhr werden in der Schweiz wie immer am ersten Mittwoch im Februar die Sirenen getestet. Dies kann bis ca. 14:15 Uhr dauern.


    Gerade eben habe ich es um wenige Sekunden verpasst Musik anzumachen und sobald die Sirenen losgingen kamen mir die Tränen. Mir macht das unerklärlicherweise extrem Angst. Mir geht das jedes Jahr so seit ich klein bin...


    Ich habe nie in meinem Leben eine Situation erleben müssen bei welchem ich mir unterbewusst das Sirenengeheule einverleibt hätte. Ich bin gebürtige Schweizerin, komme aus keinem Kriegsgebiet oder ähnlichem.


    Aber wieso verursachen Sirenen bei mir eine solche Reaktion? Kann man das irgendwie erklären? Ich würde das so gerne begreifen... Geht das noch sonst jemandem so ohne, dass er/sie eine Situation erlebt hat, welche es erklären würde?


    Vielen lieben Dank für eure Antworten @:)

  • 32 Antworten

    Ich kann dir diesbezüglich leider nicht mit eigener Erfahrung weiterhelfen - aber hast du vielleicht jedes Mal Angst, dass es "dieses Mal ja eventuell kein Test sondern Ernst sein könnte"?

    Bei uns im Ort gibt es jeden Mittwoch einen Sirenentest. Immer Mittwochs um 15 Uhr geht die Sirene einmal. Dann kann man, wenn man nah genug dran ist, auch die Ansage hören - das ist nur ein Test.

    Da ist dann klar, einmal = Test, Alarm wäre 3 mal das Signal.


    Dann gab es ja vergangenes Jahr diesen angeblich bundesweiten Test > nur haben wir davon nichts mitbekommen, weil wohl das System mit dem hier genutzten wohl irgendwie nicht kompatibel war.



    Bei dir/euch ist denk ich mal das Problem, dass durch die Länge des Tests - also über viele Minuten - man einfach nicht klar unterscheiden kann >> ob nur Probe oder ein realer Alarm. Auch wenn man eigentlich weiß, das das nur ein Test sein soll.

    Und mit dem Sirenenton assoziiert man automatisch Gefahr.

    Sylphide


    Vielen lieben Dank für deine Antwort! Ich weiss von meiner Oma, dass sie in einem Luftschutzbunker in Deutschland zur Welt kam. Aber sie kam ja zu diesem Zeitpunkt erst zur Welt. Kann das von ihrer Mutter "übertragen" worden sein? Das wäre meine einzige Erklärung.


    Vor etwa 2 Jahren ging hier im Quartier um 22.00 Uhr ohne Grund die Sirene los. Ich lag schon im Bett mit geöffnetem Fenster und hab die volle Dröhnung abbekommen und war sofort in Panik. Radio gecheckt, TV gecheckt, App gecheckt, nichts. Da ging mir schon kurz die Düse. Hab dann meine Eltern angerufen und sie sagten mir, dass sie nichts gehört haben (wir wohnen nur knapp 1km entfernt). So sagte ich mir, dass das ein Fehlalarm gewesen sein MUSS. Auch wenn er sicher 3x kam. 20 Minuten später kam dann die Entwarnung in der App.... Das war ein einschneidendes Erlebnis aber diese Angst zieh ich schon seit meiner Kindheit mit mir rum.



    SandyErgo


    Danke auch dir für eine Antwort! Dass es nur ein Test ist, weiss zum Glück eigentlich jeder Schweizer. Davon gehe ich aus. Und die Angst kommt bei mir auch nicht davon, dass ich mich frage, ob das nun Test oder echt ist. Aber ich glaube, so wie du schreibst, mit dem Sirenenton assoziiert man automatisch Gefahr. Das kanns schon auch sein. Darauf tippe ich auch. Aber einfach die Reaktion von mir mit den Tränen find ich ziemlich extrem. Kann es nur einfach nicht beeinflussen. Das kommt einfach...

    Wenn du nicht nicht geschrieben hättest - das das schon seit der Kindheit besteht > dann würde ich das vermutlich auf diesen Fehlalarm zurückführen.


    Vielleicht gabs aber auch schon mal in der Kindheit so ein Erlebnis - das dir nur nicht mehr bewusst ist.

    Und diese unbestimmte Angst in den ganzen Jahren heraufbeschworen hat.

    Und der vermutliche Fehlalarm vor 2? Jahren den Trigger noch mal höher gesetzt hat.

    Und manche Menschen reagieren ja noch mal empfindlicher auf bestimmte Frequenzen.

    Ich persönlich assoziiere mit dem Sirenenton immer die Schilderungen meiner Eltern (Jahrgang 28 und 35) und auch den kalten Krieg, denn damals wurde mir der Testalarm immer mit "falls aus dem kalten Krieg etwas Anderes wird" erklärt - immer Samstags gingen hier die Sirenen. Dazu habe ich viel gelesen zum Thema Bombenkrieg.


    Dazu noch dieser unheimliche Alarmton...


    Ich glaube, es reicht schon sich bewusst zu machen, mit was so ein Sirenenton im Ernstfall zu tun hat, um da unwillkürlich Angst zu bekommen.


    Mir geht es auch mit Lautsprecherdurchsagen aus dem Megaphon so - hier bittet das rote Kreuz jetzt nur um Blutspenden, aber damals (Ende der Siebziger, Anfanf 80er)wurden hier tatsächlich öfter noch Bomben entschärft (bei einem Bauboom wurde viel gefunden ) und es gab dann auch solche Durchsagen.


    Zusammen mit dem was ich aus dem Krieg wusste war das harter Tobak.

    SandyErgo schrieb:

    Wenn du nicht nicht geschrieben hättest - das das schon seit der Kindheit besteht > dann würde ich das vermutlich auf diesen Fehlalarm zurückführen.


    Vielleicht gabs aber auch schon mal in der Kindheit so ein Erlebnis - das dir nur nicht mehr bewusst ist.

    Und diese unbestimmte Angst in den ganzen Jahren heraufbeschworen hat.

    Und der vermutliche Fehlalarm vor 2? Jahren den Trigger noch mal höher gesetzt hat.

    Und manche Menschen reagieren ja noch mal empfindlicher auf bestimmte Frequenzen.

    Danke für dein Feedback! Ich habe diesbezüglich gestern noch kurz meinen Papa gefragt und er wüsste auch von keinem Erlebnis welches mir so eingefahren wäre, dass es die heutige Reaktion erklären würde. Ich gehe mittlerweile davon aus, dass ich einfach zusammenfahre, weil es dermassen unheimlich ist diese Sirenen überall zu hören. Ich bin dann innerlich auf Flucht eingestellt obwohl mir zu 100% bewusst ist, dass das ja nur ein Test ist. Und ja, ich bin wohl auf diese Frequenz extrem empfindlich :-) Jetzt hab ichs ja wieder hinter mir für ein Jahr :)^


    Paritu

    Danke auch für deine Rückmeldung. Da läuft es mir auch schon nur beim Lesen kalt den Rücken runter... Das muss eine schreckliche Zeit gewesen sein. Das kann man sich kaum vorstellen heute... Danke, dass du deine Erfahrung geteilt hast @:)

    Bei diesem Geheule kommt es mir vor als ob auf jedem Haus so ein Ding steckt. Ein richtiges Konzertgefühl. Zeitgemäss völlig überflüssig aber auf die Frage wieso es dir Angst macht, kenne ich keine Antwort.

    Mir geht es tatsächlich genauso, auch seit früher Kindheit. Ich dachte eine Zeit lang diese Kriegs-und Weltuntergangsassoziationen kämen von Dokumentationen oder den Geschichten, die erzählt wurden, aber in Wirklichkeit war die Angst vorher da. Und ich habe definitiv Assoziationen mit Krieg. Ich habe mir das inzwischen ähnlich erklärt wie Sylphide. Als kleines Kind nimmt man ja die kleinsten Schwingungen und Ängste der Erwachsenen wahr und bekommt mit, dass sich eine Bezugsperson vielleicht immer erschreckt, auch wenn sie es versteckt. Und übernimmt dann vielleicht diese Reaktion.

    Mir fallen da vor allem 2 Dinge als Auslöser ein: detaillierte Erzählungen der älteren Generation und Kriegs- bzw. Katastrophenfilme, die solche Szenen beinhalten. Man nimmt das ja ins Unterbewusstsein auf und verarbeitet es weiter.


    Früher liefen bei uns jeden Mittwoch 13:00 Uhr (meiner ersten eigenen Wohnung direkt gegenüber) die Sirenen. Ich fand es zwar furchtbar, zumal meine Kinder oft aus den Schlaf gerissen wurden, aber Panik assoziiere ich damit nicht.


    Dda hat man uns in der "Zivilverteidigung" ganz andere Dinge (im Zusammenhang mit Sirenen, deren Tonfolgen etc.) beigebracht.

    blue heron schrieb:

    Mir geht es tatsächlich genauso, auch seit früher Kindheit. Ich dachte eine Zeit lang diese Kriegs-und Weltuntergangsassoziationen kämen von Dokumentationen oder den Geschichten, die erzählt wurden, aber in Wirklichkeit war die Angst vorher da.

    Woran machst Du das fest?


    Meine Eltern haben ihre schlimmen Kindheitserlebnisse bis an ihr Lebensende nicht verarbeitet. Bei meiner Mutter waren sie aufgrund ihrer Demenz zum Schluss ziemlich präsent. Natürlich haben sie ihre Ängste an uns Kinder weitergegeben.

    Aber von "vorher da" würde ich nicht reden.

    Paritu schrieb:

    ch persönlich assoziiere mit dem Sirenenton immer die Schilderungen meiner Eltern (Jahrgang 28 und 35) und auch den kalten Krieg, denn damals wurde mir der Testalarm immer mit "falls aus dem kalten Krieg etwas Anderes wird"

    Ja eben!

    Die Frage ist, was dieses "Vorher da" genau bedeutet. Wenn es bedeutet: "bevor ein Kind gesprochene Sprache versteht, spürt es Ängste und unwillkürliche Reaktionen der Eltern" ist das ja tatsächlich so.


    Genauso wie meine Mutter zB Düsenjäger gehasst hat, es immer deutlich war, dass die was Bedrohliches hatten - ich aber erst als Erwachsene erfahren hatte das sie als Kind von Militärflugzeugen direkt beschossen, in den Graben geflüchtet ist und ein Kind kannte, das erschossen wurde...


    Da spürt man schon ohne Worte und Wissen, dass da etwas "Schlimmes" in der Luft ist.


    Genauso auch bei bestimmter Musik. Meine Mutter liebt Klassik, aber verlässt sofort den Raum wenn bestimmte Walzer gespielt werden. Erst mit über 40 habe ich von ihr als Erklärung gehört "das haben die Nazis immer gespielt".


    Sie war bei Kriegsende 10 und hat wohl eine Menge mit angesehen, auch wenn sie Glück hatte und nicht zu den Verfolgten zu gehören (auch wenn sie als sehr dunkler Typ durchaus diskriminiert wurde)