Kau- und Essgeräusche machen mich wahnsinnig

    Laut Dr. Google leide ich seit geraumer Zeit wohl unter einer Form von Misophonie. Ich bin generell ein eher Ruhe liebender Mensch, aber wenn die Nachbarn hämmern und bohren, Kinder draußen lautstark toben, die Waldarbeiter ihre Kettensägen und Laubbläser anwerfen oder morgens um 5 Uhr irgendwelche Hähne krähen, dann vernehme ich das zwar und denke nach einer Weile "Mann, das nervt", aber ich kann sowas im Großen und Ganzen doch ganz gut ausblenden und gehe deshalb nicht die Wände hoch.


    Eins macht mich aber inzwischen rasend und zwar: meiner eigenen Partnerin beim Essen zu zu hören %:| Ich liebe sie über alles und verbringe gerne Zeit mit ihr, aber insbesondere morgens beim Frühstück knackt ihr Kiefer bei jedem Bissen und wenn sie dann eine viertel Stunde lang ihr Müsli knuspert, dann könnte ich echt ausflippen. Da wäre mir jeder Zahnarztbohrer in der Zeit lieber. Das ist doch irre, woher kommt sowas?


    Früher konnte ich ganz normal in Gesellschaft essen und es ist mir höchstens kniggemäßig übel aufgestoßen, wenn jemand geschmatzt hat, weil sich das zumindest in unserem Kulturkreis "nicht gehört". Aber da habe ich nur innerlich mit dem Kopf geschüttelt und konnte trotzdem nebenbei entspannt weiter essen. Ich fand sowas unpassend, aber es hat mich nicht aus der Fassung gebracht.


    Ganz anders jetzt bei meiner Partnerin. Sie isst wirklich manierlich und man kann ihr als Normalo absolut keinen Vorwurf machen. Ich habe bei meinem Bruder im Vertrauen nachgefragt beim letzten Familienessen, ja er konnte auch hören, dass ihr Kiefer beim Kauen knackt, aber eigentlich hat er es erst wahrgenommen, nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte. Beim nächsten Mal hatte er es schon wieder vergessen und quasi nicht wahrgenommen.


    Für mich hingegen wird inzwischen jede gemeinsame Mahlzeit zur Qual, mich macht das Geräusch einfach aggressiv und ich möchte am liebsten den Raum verlassen. Das tue ich manchmal auch, wenn ich es gar nicht mehr aushalte, aber für sie ist das natürlich auch blöd. Ich habe versucht, es ihr zu klären, also dass es nicht an ihr liegt, sondern dass mit MIR offenbar etwas nicht stimmt, aber sie fühlt sich trotzdem abgelehnt/angegriffen und es ist ja auch irgendwie blöd, wenn einem der Partner sagt, du, ich würde lieber in getrennten Räumen essen, ich kann dir einfach nicht mehr zuhören beim Kauen...


    Abends ist es etwas besser als morgens, denn da macht ihr Kiefer nicht dieses unerträgliche plopp plopp plopp (so wie das Knacken von Fingergelenken, wenn das jemand kennt). Trotzdem nehme ich ihre Essgeräusche verstärkt wahr. Andere nerven mich inzwischen zwar auch, aber da beschränkt es sich meist auf spezielle Nahrungsmittel, wie z.B. das lautstarke Kauen von sauren Gurken, Äpfeln, Chips... alles was Krach macht beim Essen.


    Gibt es hier Leidensgenossen? Mich belastet das jetzt ca. seit 1 Jahr wirklich stark, auch wenn es teilweise vielleicht lustig klingt, für mich ist das, als muss ich jeden Tag mind. 3 mal damit leben, dass jemand 15 Minuten lang mit seinen Fingernägeln auf einer Tafel rumkratzt. Erst dachte ich, es wäre vielleicht Stress, Lockdown, Home Office, blabla, aber das hat sich inzwischen eigentlich alles eingespielt und ich verstehe nicht, wieso das immer schlimmer wird für mich.

  • 86 Antworten

    Ja, ich!

    Ich hasse das. Schmatzen, kauen, schlucken. Diese Geräusche machen mich wahnsinnig. Ich habe keine Lösung ausser Aushalten und sich am Riemen reissen dem Partner nichts zu sagen, es sind ja schließlich normale Geräusche.

    Ich selber achte auf meine Geräusche übrigens gar nicht. Das merke ich nur bei anderen Menschen.

    In einem Restaurant essen zu gehen ist da immer eine Herausforderung. Allerdings gibt es da ein höheres Grundrauschen an Umgebungsgeräuschen.

    Vielleicht macht ihr euch Musik zum Frühstücken an. ;-)

    Ich habe auch ein ähnliches Problem! *:)

    Mich machen laute Atemgeräusche/Schnarchen wahnsinnig. Wenn ich von jemandem (außer meinem Baby) direkt angeatmet werde (das in den Nacken Schnauben des Partners im Bett oä) werde ich rasend.. Kieferknacken geht auch nur sehr sehr schwer - glücklicherweise habe ich hier niemanden mit so einem Problem in meinem Umfeld. Allerdings stören mich "normale" Essgeräusche nur selten.


    Wie bei dir hat diese Empfindlichkeit relativ plötzlich vor ein paar Jahren angefangen - ohne für mich erkennbaren Auslöser.

    Bei mir sind es auch Essgeräusche und die sind für mich nur erträglich, wenn ich selbst etwas lautes esse. Ansonsten muss ich den Raum verlassen oder arbeite mit ANC-Kopfhörern. Mein Mann ist davon auch nicht begeistert. Aber wir leben schon viele Jahre zusammen und er weiß, dass ich nichts dafür kann.

    Ist das Thema so peinlich, dass man es nur als Alias diskutieren möchte,

    oder soll die Partnerin nicht mitbekommen dass man hier fragt?

    Ich kann da sehr gut mitfühlen, denn mir geht es genauso, wenn ich mit meinem Mann zusammen esse.

    Ich mache beim Essen immer Musik an, sonst werde ich aggressiv. Mein Mann kann nichts dafür und er isst auch sehr manierlich, aber die Essgeräusche machen mich verrückt.

    Er weiß das und hat auch kein Problem damit, dass die Musik läuft. Er kann ja auch nicht einfach aufhören zu essen, nur weil mich die Geräusche in den Wahnsinn treiben ;-).

    Aber sonst ist bei uns alles gut ;-D.

    Das euch die Geräusche so nerven liegt an eurem schlechten Filtersystem.

    Leider gibt es immer wieder Menschen die andere für ihre Geräuschempfindlichkeit verantwortlich machen.

    GreenVelvet schrieb:

    Ich habe keine Lösung ausser Aushalten und sich am Riemen reissen dem Partner nichts zu sagen, es sind ja schließlich normale Geräusche.

    Ja das ist jetzt seit ca. 1 Jahr auch meine Taktik, aber ich habe das Gefühl es wird immer schlimmer :-( In den ersten Wochen war es nur so ein "grrrr... die Geräusche machen mich wahnsinnig"-Gefühl. Nervig, aber auszuhalten, wenn auch mit Zähneknirschen. Inzwischen bin ich aber echt am Limit und habe schon x mal unter einem Vorwand den Raum verlassen, wenn ein bestimmtes Level erreicht war, sonst hätte ich wahrscheinlich losgeschrien... und das, wo ich ansonsten echt ein ruhiger Zeitgenosse bin, der sich eigentlich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.


    Plüschbiest schrieb:

    Ist das Thema so peinlich, dass man es nur als Alias diskutieren möchte,

    oder soll die Partnerin nicht mitbekommen dass man hier fragt?

    Genau letzteres. Ich möchte sie nicht verletzten, wenn ich hier Klartext spreche, denn sie kann ja nichts dafür.


    Plüschbiest schrieb:

    Das euch die Geräusche so nerven liegt an eurem schlechten Filtersystem.

    Leider gibt es immer wieder Menschen die andere für ihre Geräuschempfindlichkeit verantwortlich machen.

    Das habe ich hier jetzt aber noch von keinem gelesen, insofern finde ich deinen Beitrag wenig hilfreich. Es schrieben doch eigentlich alle, dass der Partner bzw. die anderen nix dafür können und es ganz normale Geräusche sind. Ich denke, den meisten ist es durchaus bewusst, dass es an einem selbst liegt, aber was kann man dagegen machen? Schlechtes Filtersystem klingt interessant, kann man das irgendwie reparieren?


    Andere Geräusche kann ich ja komischerweise durchaus filtern, wie im Eingangsbeitrag beschrieben...


    Danke schon mal für all eure Beiträge, bin schon froh, dass die Problematik auch andere kennen. Das mit der Musik oder TV nebenbei machen wir schon, sonst würde ich es gar nicht aushalten, aber ich habe echt das Gefühl, dass es für mich immer schlimmer wird.

    Plüschbiest schrieb:

    Leider gibt es immer wieder Menschen die andere für ihre Geräuschempfindlichkeit verantwortlich machen.

    Niemand hat hier die anderen verantwortlich gemacht. Der TE schreibt ja selbst "sie ist normal", nur ihn stört es immer mehr. Ich kenne das auch, gerade Ess- und Trinkgeräusche. Eine Zeit lang hab ich mich da gefühlt immer mehr reingesteigert.


    Plüschbiest schrieb:

    Das euch die Geräusche so nerven liegt an eurem schlechten Filtersystem.

    Zum Teil ist das sicher richtig, ich denke ich bin auch relativ Geräuschempfindlich. Allerdings kommt glaube ich noch ein Faktor dazu. Ich denke eigentlich hat jeder sowas. In der Schule hat es viele gestört, wenn die Kreide auf der Tafel quietschte: mich überhaupt nicht. Ich denke, dass es bei 90% (beliebige Zahl) der Leute eine relativ große Übereinstimmung gibt, welche Geräusche furchtbar oder egal sind. Aber bei manchen Leuten sind die Geräusche anders verteilt.

    Bei mir sind es verschiedene Geräusche, aber vor allem wenn bestimmte Personen essen...


    Und ich kann es absolut nicht ertragen wenn jemand irgendwelche unnötigen Klopf oder andere "Zappelgeräusche" macht. Also mich nervt zB weniger wenn jemand laut und für langere Zeit hämmert weil er etwas repariert oder baut als wenn derselbe einfach nur leise mit dem Finger auf den Tisch klopft oder Ähnliches. Da kann es mich sogar nerven wenn jemand sich über eine halbe Stunde immer wieder mit den Händen durch die Haare streicht (und ja. Ich höre das!)


    Kindergeschrei, Geklapper beim Kochen, laute Musik usw sind niemals so derartig nervig wie das was ich "Geräusche durch völlig unnötiges Gezappel" nenne.

    Plüschbiest ,

    mach dich doch bitte einfach mal schlau, was Misophonie bedeutet, bevor du hier solche Sätze raushaust.

    Ich mache niemanden für meine Geräuschempfindlichkeit verantwortlich; ich bin selber total genervt davon. Wer das nicht kennt, kann nicht mitreden.

    Man könnte sagen: ich bin allergisch gegen Herumgehampel. Sowohl akustisch als auch optisch bereitet es mir mit der Zeit Herzrasen.

    Plüschbiest schrieb:

    Das euch die Geräusche so nerven liegt an eurem schlechten Filtersystem.

    Leider gibt es immer wieder Menschen die andere für ihre Geräuschempfindlichkeit verantwortlich machen.

    Niemand macht hier jemanden verantwortlich. Wir beschreiben nur was für Empfindungen wir selbst haben. Die suchen wir uns ja nicht aus. Genausowenig wie wir das anderen vorwerfen.

    Ich trage übrigens deshalb fast ständig Ohropax. Gerade weil ich eben nicht erwarte, dass alle Rücksicht auf mich nehmen.