Keine Chance mehr?Angst,Depressionen und Langzeitstudentin

    Hallo an Alle,


    ich habe das Gefühl, meine ganze Zukunft versaut zu haben.


    Ich rede mit fast niemandem über meine derzeitige Situation, weil ich mich so schäme, ich hasse mich selbst und stecke in einem tiefen Loch voller Hoffnungslosigkeit, Selbstzweifel und Unsicherheit.Ich traue mich kaum es aufzuschreiben:


    Ich bin mittlerweile 31(w), fühle und verhalte mich als wäre ich 20, habe mein Studium (Master) immer noch nicht abgeschlossen. Nach 10! Jahren Studium insgesamt (Bachelor, Master und ein Magister Nebenfach) schaffe ich es nicht, meine Masterarbeit zu beenden.


    Wie schafft ein Mensch das? Wo sind die Jahre hingegangen? Ich verstehe es nicht und will es nicht wahr haben. Ich habe wahrscheinlich fast keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt, ich bin zu alt für einen Berufseinsteiger, meine Studienzeit wird natürlich mit Faulheit und Unfähigkeit assoziiert und das vollkommen verständlich!!


    Ich arbeite seit 1,5 Jahren in einem Nebenjob, davor hatte ich auch einen Nebenjob, jedoch ist das alles viel zu wenig und rechtfertigt die Studiendauer nicht.


    Der Grund für die lange Zeit liegt einzig und allein an meinen Angsterkrankungen (Sozialphobie, körperdysmorphe Störung mit Depressionen), die mich seit meiner Jugend begleiten. Ich habe eine Therapie gemacht, war bei Psychologen und Neurologen, die mir die Angsterkrankungen diagnostiziert haben. Ich habe auch Antidepressiva genommen, wieder abgesetzt, alles hat mich durchgeschüttelt, es gab schlimme sowie gute Zeiten. Es kostete mich alles so viel Kraft.


    Mir geht es inzwischen psychisch wesentlich besser als vor Jahren, ich möchte unbedingt arbeiten! Aber ich kann die Zeit nicht zurückdrehen! Der Blick auf die Realität und die verlorene Zeit lässt mich wieder in ein Loch fallen. Ich hätte mein Studium in der Regelstudienzeit abschließen können, aber die krankhafte Angst lies mich Prüfungen und Praktika immer weiter vor mir herschieben, bis es nicht mehr ging.


    Ich hatte/habe Angst zu versagen, fühle mich minderwertig ect. Ich bin im Moment extrem blockiert und schaffe es nicht meine Masterarbeit zu schreiben, obwohl ich schon seit 2,5 Jahren "scheinfrei" bin. Ich habe zu viel Zukunftsangst, Angst vor der Konfrontation, Bewerbungen und Fragen.


    Und das Schlimmste: Ich muss die Krankheit immer verstecken. Im Lebenslauf, im Bewerbungsgespräch ect. Ich kann sie nicht als Grund nennen, weil gesellschaftlich nicht akzeptabel – nicht belastbar, Ausrede für Faulheit - Papierkorb, keine Chance? Dabei habe ich diese Erkrankungen durchlebt, habe gekämpft und an mir gearbeitet..vielleicht macht mich das gerade stärker als so manch anderen? Aber das akzeptiert und erkennt niemand. Ich weiß nicht, was ich tun soll.


    Mir kommt alles so hoffnungslos vor.

  • 8 Antworten

    Manche Lebenswege sind geradlinig, manche Kurvenreich. Mit Bacherlor und Master und noch dem Magister Nebenfach hast Du Dir auch eher hohe Ziele gesetzt. Möglicherweise ist das zu hoch gegriffen für jemanden der deratige Probleme hat.


    Ich bin in meinem Bereich (nach Aussagen von Kunden und Kollegen) ausserordentlich talentiert, war in der kurze Zeit wo ich aktiv studiet hab einer der besten, war aber aufgrund psychischer Probleme nicht in der Lage, das Studium zu beenden; ich hab mich dann auch auf den Nebenjob konzentriert, hart gekämpft, mir eine Nische erarbeitet, "es läuft"; aber es ist natürlich nicht so, wie es hätte sein können, wenn die Probleme nicht gewesen wären. Jemand unbelastetes mit meinen Fähigkeiten hätte sicher eine tolle Karriere machen können.


    Aber, wie sagt man, hätte hätte Fahrradkette. Es ist wies ist, und damit müssen wir leben. Das muss man akzeptieren. Und an den psychischen Problemen bist ja nicht Du schuld. Du hast nun aber die Last, damit umgehen zu müssen. Das Leben nimmt seinen Weg, Du wirst auch Deine Nische finden, und es ist halt auch bei Dir nicht so wie es hätte sein können, aber daran kann man nichts ändern.


    Stell Dir vor, das mit der tollen Karriere klappt, Du hast den Super Managementjob, bist auf Geschäftsreise zu einem megawichtigen Kunden und das Flugzeug stürzt leider ab. Das würde Dir erspart bleiben. Man weiss nicht wozu es alles gut ist.


    Es ist wies ist, akzeptieren wir es und machen das beste draus! Was einen runterzieht ist nicht die Situation, sondern die frustrierten, negativen Gedanken, die wir uns machen.

    Deine ganze Gegenwart vermasselst du dir jetzt gerade, weil du dein Leben nicht realistisch siehst.


    Ich stimme meinem Vorredner zu: du hast dir viel vorgenommen und zwar meiner Meinung nach zu viel (alles was jetzt kommt ist nur meine Meinung). Und ich stimme dem Vorredner auch zu, dass das Schlimme und Katastrophale und die Qualen zunächst die eigene Person produziert. "Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus." (M. v. E.-E.)


    Du bist aber stur und beharrst auf einer dicken akademischen Karriere mit mehreren Qualifikationen, warum ist beim genauen Hinsehen vielleicht kaum mehr vernünftig oder plausibel erklärbar. Dass du nicht dem Leistungsideal entsprichst, dass du mittlerweile selber predigst und in das du dich von Herzen gerne einverbiegen möchtest, das dämmert dir eben selber.


    Dann kommt das ganze sequenzielle, berechnende Denken; was du zu tun hast, und zu lassen, um dich zu verstellen, den Schein zu wahren, ein Bild von dir vorzuspiegeln, als was du gesehen werden möchtest.


    Dann merkst du, dass das nicht funktionieren wird. Man wird deine Schwäche sehen (die du dir selber noch gerne als Vorzug/Lebenserfahrung verkaufen möchtest).


    Ich habe mehr schlechte Neuigkeiten für dich: Wenn dir gelingt, was du instinktiv vorhast; nämlich dich leistungsfähiger und stärker darzustellen, als du bist, dann fangen die Probleme erst an, wenn du eine angestrebte, "standesgemäße" Stelle tatsächlich und verheerenderweise erhältst.


    Dann wirst du erst richtig tief drin stecken, und relativ vorhersehbar mustergültig versagen.


    In meinen Augen bist du ein richtiger sturer Charakter, dass du das 10 Jahre durchgezogen hast. Und dazu gehst du ziemlich planlos vor. Obwohl ich dich loben muss, dass es dir mittlerweile psychisch besser geht. Das ist sehr gut, und sicher hast du da auch was richtig gemacht.


    Als nächstes würde mich ja noch interessieren, ob du ein Fach studiert hast, für das du wenigstens nur mittelmäßig geeignet bist...


    So, nach dieser Kritik:


    Lecke deine Wunden und richte dich neu aus. Selbst wenn du was komplett nicht zu dir passendes studiert haben solltest (was mich nicht wundern würde), dann versuche das Studium abzuschließen.


    Ich weiß, dass so eine Abschlussarbeit ein Alptraum sein kann, ein gräßlicher Berg der vor einem liegt, das ist ein Alptraum.


    Trotzdem kannst du den Berg Stück für Stück relativ locker wegschaffen (mit dem üblichen Haufen Blut, Schweiß, Tränen, Gejammer, und Masochismus), und dann ist das abgehakt. Du kennst dich am Ende des Studiums selber gut genug um dich selber zu organisieren und die nötigen Schritte zu gehen.


    Und darüber hinterfrage dich selbst, und deine Lebensplanung. Ganz andere Sachen können dich glücklich machen, als die, welchen du jetzt hinterherjagst.


    Falls du vom Charakter einfach Geld, Macht, Status anstrebst, dann vergiss meine "guten" Ratschläge, dann musst du halt da durch. Wer schön sein will, muss leiden.


    Wenn du aber die Schwerpunkte für Qualität und Erfolg deines Lebens weiterentwickeln kannst, dann denke ich du kannst in nicht allzu ferner Zukunft ziemlich zufrieden und hinreichend glücklich sein.

    Dein Lebenslauf ist kein Musterbeispiel für Perfektion, mit 31 sind die meisten (sofern sie regulär mit 18/19 ihr Abitur gemacht haben) mit dem Studium durch und im Beruf, dein Werdegang bisher macht dich für eingie Arbeitgeber uninteressant. Kann man leider nicht leugnen. Aber: Who cares? Das dich einige aussieben werden, macht dich nicht chancenlos. Der nächste Personaler vor dem du sitzt hat vielleicht selbst ewig getrödelt und die Nase voll von unreifen 23-jährigen, die frisch den Bachelor haben und nun auf Karriere machen wollen ;-)


    Du hast derzeit (noch) keinen Anlass dich hochnäsig vor den beruflichen Überflieger schlechthin zu halten, richtig. Aber deshalb musst du dich nicht derart klein machen und in Verzweiflung aufgehen.


    Was hast du denn für ein Fach studiert, wo waren die Nebenjobs, was sagen die Noten, sonst irgendwelche BEsonderheiten? Man kann aus fast jedem Werdegang was machen, wenn man sich nur die richtigen Punkte rauspickt und ausbaut. Dafür muss man sie aber erstmal selbst kennen. Oder eben ab jetzt welche schaffen.


    Akzeptiere, dass es jetzt so ist. Es bringt gar nichts, ausser schlechte Laune, sich jetzt zu ärgern, dass man es hätte besser machen können. Es gab und gibt immerhin auch Gründe für deine Situation. Dafür musst du dich nicht geißeln, nur weil es auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt nicht als DER Oberkracher angesehen wird.


    Falls es dich (unbekannterweise) beruhigt: Gemessen als objektiven Maßstäben ist mein Lebenslauf ein Desaster, ich hatte trotzdem nie Probleme zu machen, was ich machen will, und für mich zu sorgen.


    Mach ab jetzt was drauß und verkrieche dich nicht in ein "Ich bin schlecht und werde nie was schaffen"-Schneckenloch, dann wird das schon :-)

    Nochmal der schlaue Spruch von Freifrau von Ebner-Eschenbach in Reinschrift:


    "Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus."


    Übrigens ein Spruch an dem ich selber noch reichlich zu kauen habe. Und wahrscheinlich noch länger.

    Oops, schon wieder falsch abgeschrieben:


    "Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, macht unser Schicksal aus."

    Zitat

    Der Grund für die lange Zeit liegt einzig und allein an meinen Angsterkrankungen (Sozialphobie, körperdysmorphe Störung mit Depressionen), die mich seit meiner Jugend begleiten. Ich habe eine Therapie gemacht, war bei Psychologen und Neurologen, die mir die Angsterkrankungen diagnostiziert haben. Ich habe auch Antidepressiva genommen, wieder abgesetzt, alles hat mich durchgeschüttelt, es gab schlimme sowie gute Zeiten. Es kostete mich alles so viel Kraft.

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Bei mir gingen zwar weniger Jahre drauf als bei Dir (noch), aber es fühlt sich beschissen an.

    Zitat

    Ich bin im Moment extrem blockiert und schaffe es nicht meine Masterarbeit zu schreiben, obwohl ich schon seit 2,5 Jahren "scheinfrei" bin. Ich habe zu viel Zukunftsangst, Angst vor der Konfrontation, Bewerbungen und Fragen.

    Kann es sein, dass du es nicht schaffst, die Arbeit zu schreiben, weil du Angst vor der Zukunft ohne diese noch zu bewältigende Aufgabe hast? Sowas gibt einem Halt, auch, wenn der sich eigentlich scheiße anfühlt, aber man weiß die ganze Zeit, dass da doch noch diese Arbeit ist, bevor man auf den Arbeitsmarkt geht. Ich habe z.B. riesige Angst, in meinem späteren Beruf zu arbeiten, weil ich mich dem nicht gewachsen fühle.


    Diese Arbeit ist Deine Tür in die Zukunft ohne Studium und du weißt nicht, was dahinter kommt. Noch musst du Dich nur so halb mit späteren Berufschancen auseinandersetzen, aber wenn die Arbeit und damit Dein Studium fertig ist, dann wird das wahre Realität.


    Ist nur so eine Idee.

    Hey,


    welches Fach hast du denn studiert?


    Und wenn dir die Masterarbeit fehlt, so hast du doch bereits den Bachelor (?).


    LG