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    Komplett gegensätzliche Meinungen über mich

    Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, dass ich andauernd kritisiert werde, aber aus einfach richtig widersprüchlichen Gründen. Geht das anderen Menschen auch so?

    Zum Beispiel bekomme ich sehr oft zu hören, ich wäre unreif und kindisch. Gleichzeitig sagen andere, ich wäre viel zu ernst und erwachsen. Ich werde auch nicht gerade selten als dumm und begriffsstutzig bezeichnet und dann wieder als schlau. Die einen halten mich für ein egoistisches Arschloch und die anderen sagen, ich wäre ZU nett. Die einen sagen, ich wäre reflektiert, die anderen sagen, ich würde mit geschlossenen Augen durch die Welt laufen und nichts mitkriegen. Die einen sagen, sie mögen meinen Humor, die anderen sagen, ich hätte keinen.

    Es verunsichert mich total, jeden Tag so komplett widersprüchliche Sachen an den Kopf geworfen zu bekommen. Es ist wahrscheinlich ersichtlich, von welchen der Aussagen ich mir eher wünschen würde, dass sie wahr sind.

    Ich verstehe das auch, dass man sich je nach Gesellschaft nicht immer komplett gleich verhält und je nachdem einen anderen Eindruck macht. Trotzdem bin ich aber doch derselbe Mensch und ich verstehe nicht, wie das so unterschiedlich sein kann?

    Bei den negativen Punkten werde ich auch oft defensiv, weil ich ja weiß, dass nicht alle mich so sehen. Aber woher weiß ich, ob die Kritik nicht berechtigt ist und ich an den Punkten etwas ändern müsste, die an mir kritisiert werden?

    Wie gesagt, ich bin einfach verunsichert und würde gerne wissen, wie damit am besten umzugehen ist.


    Danke

    Mika

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    Mikadon't schrieb:

    Es verunsichert mich total, jeden Tag so komplett widersprüchliche Sachen an den Kopf geworfen zu bekommen.

    Welche Menschen machen denn eine taegliche Charakteranalyse bei dir? Oder gehoert das zu deinem Beruf?

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    Mikadon't schrieb:

    Bei den negativen Punkten werde ich auch oft defensiv, weil ich ja weiß, dass nicht alle mich so sehen. Aber woher weiß ich, ob die Kritik nicht berechtigt ist und ich an den Punkten etwas ändern müsste, die an mir kritisiert werden?

    Wie siehst Du dich denn? Was passt denn zu dir und was nicht, deiner Meinung nach?

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    Mikadon't schrieb:

    Ich werde auch nicht gerade selten als dumm und begriffsstutzig bezeichnet

    Das Lesen Deines sehr gut geschriebenen Beitrags genügt wohl, um sagen zu können, daß Du "dumm" nicht sein kannst.


    Sollte es tatsächlich Leute geben, die Dir in's Gesicht sagen, du seiest dumm, dann ist das schlichtweg eine Unverschämtheit. Solltest Du dir nicht bieten lassen.

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    Hallo,


    Bei diesem Thema habe ich unwillkürlich sofort einfach gedacht: Das liegt einfach daran, dass du mit sehr verschiedenen Personen zu tun hast.


    Auch bei mir gibt es Menschen, für die ich "laut und selbstbewusst" bin... Und andere bekunden, ich "solle doch endlich lauter sprechen und weniger unsicher sein".


    Das liegt einfach daran, dass eben auch alle anderen Menschen nur aus ihrer eigenen Warte heraus urteilen. Simples Beispiel: jemand, der ständig so leise spricht das man ihn kaum versteht wird wohl schon jemanden, der durchschnittlich laut spricht, für "laut" halten. Genauso wie jemand, der sehr laut spricht, eventuell schon ganz durchschmittliche Lautstärke fur "leise" erklären wird...


    Dazu kommt noch, dass man einfach auch in Schubladen landen kann, selbst wenn die nicht (oder schon lange nicht mehr) passen.. Und dementsprechend wird dann geurteilt.


    Was auch zu dem Thema beiträgt sind die vier Seiten einer Nachricht, nach Schulz von Thun. Alles, was gesagt wird, wird automatisch interpretiert und das auf so viele Arten dass klar wird, dass derselbe Mensch mit denselben Worten bei unterschiedlichen anderen Menschen unglaublich verschieden ankommen wird... Auch völlig gegensätzlich.

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    "Jeden Tag" war vielleicht etwas übertrieben, geb ich zu.

    ich weiß selbst, wie ich mich sehen soll. Vieles (negative) halte ich nicht für gerechtfertigt, auch wenn ich verstehe, wie die Einstellung zustande kommt. Dass ich dumm wäre z.B. Erstmal finde ich es total daneben, jemanden so zu nennen. Und zweitens ist mangelnde Intelligenz nicht unbedingt etwas Schlechtes - zumindest nichts, wovor man jemanden kritisieren sollte. Schließlich ist das keine Charaktereigenschaft, sondern eine festgelegte Konstante, auf die man selbst wenig Einfluss hat.

    Mir wird oft gesagt, ich wäre realitätsfremd und dumm. Weil ich bestimmte Dinge halt nicht weiß und viele Menschen erwarten, dass man das auf magische Art und Weise wissen muss. Wie z.B. ein Auto aufgebaut ist etc. Sorry, dass ich nicht weiß, was ein Katalysator ist oder wie ein Ölwechsel funktioniert. Ich kapiere nicht, warum man sowas wissen muss, wenn man noch keinen Führerschein hat.

    Die Sachen, die ich weiß und für die ich mich interessiere, sind einfach nichts wert.

    Mir wird eigentlich immer suggeriert, dass ich nichts kann und nichts wert bin, wenn ich bestimmte Dinge nicht weiß/kann. Man versucht, sich was aufzubauen, und von allen Seiten heißt es, du bist dumm, du bist unselbständig, du wirst es eh nicht schaffen. Irgendwann mache ich dann auch dicht und frage mich, wo überhaupt der Sinn liegt.

    Die Theorie, dass das eigene Verhalten bzw. der eigene Charakter beeinflusst, wie man andere wahrnimmt, finde ich schlüssig. Aber ich finde es nicht fair, dass die selbstbewussten, lauten und praktisch denkenden automatisch recht haben und die unsicheren, anderweitig interessierten nichts wert sind.

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    tzuisc schrieb:
    Mikadon't schrieb:

    Es verunsichert mich total, jeden Tag so komplett widersprüchliche Sachen an den Kopf geworfen zu bekommen.

    Welche Menschen machen denn eine taegliche Charakteranalyse bei dir?

    Ich finde diesen Teil von der ganzen Geschichte auch am seltsamsten.


    Egal ob das jeden Tag ist oder nur alle paar Wochen. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir zuletzt jemand etwas über meinen Character erzählt hat.


    Ich vermute eher ein "schwieriges Umfeld". Wäre interessant welches das ist: Familie, Beruf oder Freunde?

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    Guten Morgen Zusammen


    Nun, ich musste bei deinem letzten Beitrag eben schmunzeln. So wie Du schreibst, wirkst Du alles andere als "dumm", und schon gar nicht beschränkt. Ich finde Du reflektierst Dich sehr gut, und ich glaube Du stellst hohe Ansprüche an Dich selbst. Ich glaube, es kommt sehr darauf an mit welchen Menschen Du Dich abgibst. Ich habe auch keine Ahnung, wie sich ein Auto zusammensetzt, ich habe auch keine Ahnung, wie sich Ameisen fortpflanzen und warum die Tanne grün und nicht rot ist. Ich kann dafür aber gut vor Menschen sprechen oder bin gut im Organisieren, kann gut Briefe schreiben etc. Mein Freund kann alle Autos reparieren, findet aber in einer E-Mail kaum die richtigen Worte. Das alles ist doch total egal. Es spielt doch gar keine Rolle, in welchen Gebieten man gut ist. Wichtig ist, dass man selbst seine eigenen Stärken erkennt. DU musst für Dich selbst herausfinden, worin du gut bist, und wenn du mal etwas nicht weisst, was deine "Freunde" finden solltet Du wissen, versuch selbstbewusst aufzutreten und ihnen klar zu machen, dass Du ganz vieles ganz gut kannst!

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    Das negative kommt größtenteils von meiner Familie. Hat glaube ich zu einem großen Teil auch was mit veralteten Geschlechterrollen zu tun. Vielleicht auch mit der Angst, es könnte "etwas bedeuten", dass meine Interessen und Fähigkeiten nicht im praktischen Bereich liegen. Ich glaube, manche sehen das als Verweichlichung an der Gesellschaft an oder was auch immer. Ich sehe das eher bei den älteren Generationen, von denen kommen auch solche Kommentare. In meinem Freundeskreis eigentlich nicht so oft. Da geht man einfach respektvoller miteinander um. Ich will nicht sagen, dass das grundsätzlich so ist. Kann gut sein, dass das einfach spezifisch bei meiner Familie und meinem Freundeskreis der Fall ist.

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    In meiner Kindheit und Jugend wurde ich auch bewertet, weil meine Leistungen nicht denen meines Vaters (Lehrer) entsprachen. Wäre es nach ihm gegangen, hätte es mindestens ein 1ser Abi und im Eilstudium Medizin sein müssen.


    Ich bin mit 18 ausgezogen und danach hat mich niemand mehr offensichtlich nach Leistung oder Fachwissen in mir unwichtigen Lebensbereichen beurteilt.


    Du musst Dir darüber im Klaren sein, dass Du nicht auf der Welt bist, um anderer Leute Ansprüche zu erfüllen. Auch wenn es die eigenen Eltern sind. Du darfst Dich dafür interessieren, was für Dich wichtig ist und was Dich glücklich und zufrieden macht.


    Beispeil: Dein Vater ist selbstständiger Tischler, erwartet, dass Du ebenso wie er für diesen Beruf brennst und ihn damit auch ergreifst. Du willst aber lieber Abi machen und Sportwissenschaften studieren oder BWL, Psychologie etc.


    Nun hast Du genau zwei Möglichkeiten:

    1. Du beugst Dich Deinem Vater, machst ne Tischlerlehre, den Meister und steigst bei ihm mit ein. Du bist für den Rest Deines Lebens unglücklich, weil Dich der Beruf nicht interessiert und Du eben auch Holz nicht magst, handwerklich bist Du nur mittelmässig begabt. Aber Dein vater ist glücklich, weil Du das tust, was er von Dir verlangt.


    2. Du widersetzt Dich, studierst Deinen favorisierten Lieblingszweig, wird erfolgreich, weil Du Spaß an Deiner Arbeit hast. Du bist glücklich, weil Du die richtige Entscheidung getroffen hast.


    Wenn also Dein Vater ein Lebewesen will, dass nach seiner Pfeife tanzt, soll er sich einen Hund anschaffen, die kann man dressieren.

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    Zitat

    Wie gesagt, ich bin einfach verunsichert und würde gerne wissen, wie damit am besten umzugehen ist.

    Glaube ich dir. Vieles kommt aber auch mit der Zeit von selbst.

    Zitat

    Zum Beispiel bekomme ich sehr oft zu hören, ich wäre unreif und kindisch. Gleichzeitig sagen andere, ich wäre viel zu ernst und erwachsen.

    Ich glaube, das ist in erster Linie ein Generationsding. Die ältere Generation bezweifelt halt, dass man es mit bestimmten Lebenswegen "zu etwas bringen kann".

    Es war aber eben auch lange der Lebensweg von der Geburt an vorbestimmt. Früher war vieles anders.

    Heute sucht jeder seinen Weg und hat damit Erfolg oder scheitert. Aber wie definiert sich Erfolg und Scheitern? Das muss meines Erachtens jeder für sich selbst entscheiden.


    Ich würde aus deinen Beiträgen herauslesen, dass deine Familie mit deinen Plänen nicht einverstanden ist. Da ist die Chance groß, dass du deinen Weg ohne viel Unterstützung gehen musst. Auch das ist durchaus machbar. Da braucht es dann Durchhaltevermögen.

    Zitat

    Ich werde auch nicht gerade selten als dumm und begriffsstutzig bezeichnet und dann wieder als schlau.

    Niemand weiß alles. Dumm ist niemand. Diejenigen, die weniger intelligent sind, müssen halt von den anderen mitgezogen werden. Und da frage ich mich ernsthaft, warum deine Familie dich als dumm betitelt, anstatt dir einfach mal was zu erklären, damit du es weißt.

    Manches Wissen, dass über lebenspraktische Dinge hinausgeht, ist für manche einfach nicht sinnvoll. Ich halte das für normal. Wenn ich an die Schulzeit zurückdenke und wie viel Wissen davon für mich heute unnütz ist. Aber ich kenne eben Menschen, die genau das Wissen brauchen. Jedes Wissen ist nützlich.

    Und "schlau sein" hat nicht nur was mit viel vorhandenem Wissen zu tun. Einer unserer Lehrer hat immer gesagt: "Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen wo es steht." Solange du weißt, wie du rausfinden kannst, wo du das, was du nicht weißt, herbekommst, ist alles paletti.

    Zitat

    Die einen halten mich für ein egoistisches Arschloch und die anderen sagen, ich wäre ZU nett.

    Ich glaube "zu nett" hat etwas mit emotionaler Intelligenz zu tun. Die ist bei dir vielleicht recht groß. Das ist nichts Schlechtes, solange man noch merkt, wenn Leute das ausnutzen. Dann kann man sich dann gerne auch mal abgrenzen. Damit läuft man dann Gefahr, dass man zum "egoistischen Arschloch" wird, in den Augen der anderen. Und Menschen, die einen eigenen Lebensplan haben, könnten immer egoistisch rüberkommen. Da muss man drüber stehen und sein Ding allein durchziehen.

    Zitat

    Die einen sagen, ich wäre reflektiert, die anderen sagen, ich würde mit geschlossenen Augen durch die Welt laufen und nichts mitkriegen.

    Ja, einen Plan haben, wie das Leben aussehen soll und anerkennen, was man alles weiß und erreicht hat, heißt nicht, das man mit lebenspraktischen Dingen zurechtkommt.

    Das hat meines Erachtens auch was mit Selbstbewusstsein zu tun. Wenn ich weiß, wie ich in eine fremde Stadt komme, mich dort aber nicht traue, nach dem Weg zu fragen, nützt mir das gar nichts.

    Und wahrscheinlich ist das auch eine Frage von verschiedenen Generationen. Die Älteren haben eben "Lebenserfahrung". Das nützt nur bedingt was, weil die Welt sich über die Jahrzehnte weitergedreht hat.

    Du wirst wahrscheinlich einerseits reflektiert rüberkommen, weil du weißt, was du kannst und was möglich ist. Ältere werden das möglicherweise als unrealistisch betrachten. Das kommt auch ein bisschen drauf an, wie gut man dich privat tatsächlich in allen Lebensbereichen kennt. Welche Ansicht von beiden "die Richtigere" ist, wirst du vermutlich herausfinden. Entweder dein Plan geht auf oder du fliegst damit auf die Schnauze. Oder es wird irgendwas dazwischen oder was ganz Anderes draus. Da bräuchte man jetzt eine Glaskugel.

    Zitat

    Die einen sagen, sie mögen meinen Humor, die anderen sagen, ich hätte keinen.

    Humor ist etwas sehr Eigenwilliges. Man kann nicht mit jedem über die gleichen Dinge lachen.

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    Mikadon't schrieb:

    Die Theorie, dass das eigene Verhalten bzw. der eigene Charakter beeinflusst, wie man andere wahrnimmt, finde ich schlüssig. Aber ich finde es nicht fair, dass die selbstbewussten, lauten und praktisch denkenden automatisch recht haben und die unsicheren, anderweitig interessierten nichts wert sind.

    Naja, das hängt ja von dir ab, ob du ihre Meinung übernimmst und dich klein und dumm machen lässt. Wenn du anderen ihre Meinung lässt, also sie ihre Meinung für richtig sehen lässt und du deine behälst, also dich mit ihnen gleichwertig siehst, nicht unsicher wirst, dann hast du denselben Wert wie sie auch. Für deine Minderwertigkeitskomplexe sind nicht die anderen verantwortlich.

    Mikadon't schrieb:

    Ich verstehe das auch, dass man sich je nach Gesellschaft nicht immer komplett gleich verhält und je nachdem einen anderen Eindruck macht. Trotzdem bin ich aber doch derselbe Mensch und ich verstehe nicht, wie das so unterschiedlich sein kann?

    Sogar wenn du dich gleich verhälst, wird es diese Meinungen geben. Das hat ja nicht unbedingt mit dir zu tun, sondern mit jenen, die dir ihre Kritik sagen. Du hast darauf keinen Einfluss, wie du von anderen gesehen wirst. Natürlich hast du auf dein eigenes Verhalten einen Einfluss und könntest es ändern, wenn du etwas ändern willst.

    Mikadon't schrieb:

    Aber woher weiß ich, ob die Kritik nicht berechtigt ist und ich an den Punkten etwas ändern müsste, die an mir kritisiert werden?

    Ich kann dir nur schreiben, wie ich damit verfahre. Hinz und Kunz braucht mich nicht zu kritisieren bzw. interessiert es mich nicht. Ungefragt braucht mich auch niemand zu kritisieren. Ich suche mir die Leute schon selbst aus, auf deren Kritik ich Wert lege und die frage ich auch selbst. Wenn ich feststelle, dass etwas nicht so ankommt, wie ich es gemeint habe, gehen wir Alternativen durch. Ich stellte solche Themen dann auch gerner mit anderen zur Diskussion und überlege mir dann, ob ich etwas ändern will und wenn ja, was für mich in Frage kommen könnte. In der Regel ist es aber einfach so, dass ich etwas gar nicht so meine, es aber anders aufgefasst wird und ich mein Verhalten nicht ändern will. Es ist ja nichts dabei etwas unterschiedlich zu sehen.


    Mikadon't schrieb:

    Das negative kommt größtenteils von meiner Familie. Hat glaube ich zu einem großen Teil auch was mit veralteten Geschlechterrollen zu tun. Vielleicht auch mit der Angst, es könnte "etwas bedeuten", dass meine Interessen und Fähigkeiten nicht im praktischen Bereich liegen.

    Ja, Familie kann man sich nicht aussuchen, aber du kennst sie ja und weißt auch, wie sie sind und wie sie es meinen. Sonst kannst du doch auch nachfragen.

    Freunde kann man sich aussuchen.

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    Zitat

    Nun hast Du genau zwei Möglichkeiten:

    1. Du beugst Dich Deinem Vater, machst ne Tischlerlehre, den Meister und steigst bei ihm mit ein. Du bist für den Rest Deines Lebens unglücklich, weil Dich der Beruf nicht interessiert und Du eben auch Holz nicht magst, handwerklich bist Du nur mittelmässig begabt. Aber Dein vater ist glücklich, weil Du das tust, was er von Dir verlangt.


    2. Du widersetzt Dich, studierst Deinen favorisierten Lieblingszweig, wird erfolgreich, weil Du Spaß an Deiner Arbeit hast. Du bist glücklich, weil Du die richtige Entscheidung getroffen hast.

    Das ist aber ein bisschen sehr schwarz oder weiß.

    Ich kenne Leute, die sich eigentlich nicht dem Willen beugen wollten und für die es heute trotzdem die richtige Entscheidung war. Dann kenne ich welche, deren Plan ist nicht aufgegangen und sie haben sich gebeugt. Unglücklich sind die trotzdem nicht. Es ist keine Schande auch mal zurückzurudern. Zwischendurch kann so viel passieren, dass man hier und da den Plan vielleicht nicht gänzlich über den Haufen werfen muss, aber mal ein bisschen anpassen.

    Und hier im Forum sind in letzter Zeit mehrere unterwegs, die nochmal ein Zweitstudium aufnehmen, weil der favorisierte Lieblingszweig doch nicht das Richtige war.

    Erfolgreich sein ohne Willen geht nicht, aber es ist auch immer eine gewisse Portion Glück, Zufall oder wie auch immer man das nennen möchte dabei.

    Und Erfolg muss jeder für sich selber definieren. Spaß an der Arbeit finde ich da schon wichtiger. Das kann aber auch nur ein Kriterium sein, wenn ich satt bin und ein Dach über dem Kopf habe - platt ausgedrückt.

    Aus meiner Sicht: Jeder kann alles schaffen, funktioniert nicht immer. Da schummelt sich manchmal auch das Leben dazwischen. Und das ist nicht immer planbar. Für viele - vielleicht sogar die meisten - hat der eigene Plan funktioniert. Die denken dann, dass jeder alles schaffen kann. Finde ich auch vollkommen legitim. Diese Ansicht kommt aus der eigenen Lebenssituation heraus.

    Manchmal muss man sich aber auch anpassen oder neu ausrichten. Manchmal ist auch eine Grenze erreicht. Die ist im besten Fall temporär. Aber nicht jeder wird vom Tellerwäscher zum Millionär. Muss auch nicht. Man kann auch mit "weniger" zufrieden sein. Darin liegt meines Erachtens die Kunst - mit dem zufrieden sein, was realistisch betrachtet möglich ist.