Kraftsport mit Depressionen

    Hallo zusammen,


    ich habe eine Frage bezüglich Kraftsport in Kombination mit Depressionen. Ist die Körperliche Anstrengung gut/befreiend oder erzeugt sie unnötig zusätzlich Stress? (Kraftsport belastet das ZNS). Ich bin ohnehin sehr anfällig gegen Stress und frage mich deshalb ob mich der Kraftsport mich völlig "kaputt" macht oder ein Strohhalm ist, an dem ich mich halten kann. Denn der Kraftsport kann mir helfen eine Struktur in mein Leben zu bringen, Selbstvertrauen aufbauen und einen Sinn in gesunder Ernährung geben.


    Was meint ihr dazu?

  • 11 Antworten

    Kommt stark auf die Art der Depression und deine Veranlagung an.


    Kraftsport bei Depressionen kann besonders negative Auswirkungen haben, wenn der Erfolg ausbleibt und man sowieso schon starke Selbstzweifel hat.


    Ansonsten hilft körperliche Betätigung wohl einigen Menschen, aber dass das auch bei stärker ausgeprägten Depressionen häufig der Fall ist glaube ich nicht.


    Zu deiner eigentlichen Frage: Probier es einfach aus. Schau ob dich Kraftsport entspannt, oder das Gegenteil geschieht. Langfristig schädigen wird es dich durch eine kurze Probierphase nicht.

    Was soll denn am Kraftsport stressig sein?


    Und wie soll das ZNS dadurch belastet werden? Du solltest dir natürlich nicht ständig Gewichtsscheiben auf den Kopf fallen lassen...

    Was ist das denn für eine unqualifizierte Antwort? Kraftsport bedeutet Stress für den Körper, da ein Wachstumsreiz gesetzt wird und der Körper sich an neue Anforderungen anpasst. Das ZNS wird stark belastet, da die Befehle für die Muskeln von dort gesendet werden.

    Schon mal was von positiven und negativen Stress gehört? Kraftsport gehört sicher nicht zu letzterem, es sei denn, du setzt dich zu sehr unter Druck, weil zu eine bestimmte Leistung erzwingen willst.

    Ich hatte mit Kraftsport angefangen als ich meine ganzen Diagnosen bekommen hatte. Mir wurde von den Ärzten sogar viel Sport (naja die bezogen sich eher auf Kardio, also Ausdauertraining) empfohlen.


    Der Kraftsport hat mir eigentlich sehr gut geholfen um manchmal aus depressiven Phasen herauszukommen, da man einfach den Kopf (meistens) ausschalten kann und einfach sein Training macht. Ausserdem ist es auch gut um den Körper auszulasten, da man sonst eigentlich nur den Kopf beansprucht. Ich schlafe seitdem besser und habe auch mehr Hunger (was bei mir zumindest gut ist).


    Aber ja, Paul hat recht. Manchmal kann das auch einen runterziehen. Manchmal habe ich Phasen wo meine Sozialphobie halt recht stark vorkommt und dann ist es extrem ätzend ins Studio zu gehen. Gerade wenn dann richtig dicke Pumper um dich herum sind, wo du dich dann noch kleiner und schwächer als sonst fühlst. Und wenn ich manchmal depressive Phasen habe, habe ich absolut kein Hunger und kann nicht genügend Proteine und Kohlenhydrate zu mir nehmen, da ich höchstens eine Mahlzeit esse.


    Naja, aber das irgendwem wegen Depressionen von Kraftsport abgeraten wird habe ich noch nie gehört. ":/


    Zu der Frage ob dich der Sport "kaputt" macht;


    Klar ist man dann halt, jenachdem, sehr müde und kaputt, aber nicht im negativen. Wenn ich vom Sport wiederkomme, eine warme Dusche nehme und mich mit leckerem Essen dann auf die Couche haue, fühl ich mich richtig "erfrischt".

    Also ich kann als Betroffene persönlich sagen:


    a) vom fachlichen Standpunkt aus gesehen, gehört die Empfehlung zu Sport zum Grundkatalog dessen, was ein Psychologe / Psychiater empfiehlt. Auch in psychosomatischen Kliniken gehört sportliche Betätigung meistens zum Grundprogramm.


    b) Als Betroffene/r: Wie fast alles in Hinblick auf die Psyche ist es höchst individuell, welchen Nutzen der Kranke aus sportlicher Betätigung zieht. Als Analogie: Ich habe z.B. Kunsttherapie / Ergotherapie gemacht und bin dabei zu 200% glücklich gewesen und habe total davon profitiert. Während so gut wie alle Mitpatienten dies als total langweilig / nervig / unattraktiv empfunden haben. Einfach nichts damit anfangen konnten.




    Auch ich habe in meiner Krankheitsgeschichte die Empfehlung für Sport bekommen. Mit dem Ergebnis (ich habe es versucht!), dass ich die wenigen vorhandenen Ressourcen in eine Tätigkeit gesteckt habe, ohne dass es mir ein kleines Bisschen besser ging. Von daher würde ich die Selbstbeobachtung empfehlen: Geht es mir mit Tätigkeit xy besser? Wie fühle ich mich während / nach der Tätigkeit? Sport war mir ein Graus, aber die Kreativität (malen, basteln, zeichnen, kochen usw.) war der einzige Halt, der mich die Depression überleben ließ. Insofern bin ich der Meinung, dass Sport zwar vielen in der Krankheit hilft, aber andererseits auch schaden kann, nämlich, wenn man die limitierten Ressourcen in eine anstrengende Tätigkeit steckt, die kein besseres / gutes Gefühl vermittelt.

    Hallo CiscoR,


    fang einfach an. Du wirst merken ob es dir gut tut. Damit meine ich jetzt auch nicht unbedingt, Mega-Muckis aufbauen sondern als Hobby das dir Spass macht.

    So lange es dir Spaß macht und du dich gut dabei fühlst ist es kein Stress. Der Körper ist dazu konstruiert, Belastungen auszuhalten und sich entsprechend zu konditionieren. D.h. er reagiert auf Training und wird körperlich belastbarer. Stress ist aber eine rein psychische Belastung, die dadurch entsteht, dass man mit einer äußeren/körperlichen Belastung nicht adäquat umgehen kann. Was für den einen Stress, ist für den anderen der Kick den er braucht.


    Kurz, du hast eine falsche Vorstellung davon, was Stress ist. Mach was dir Spaß macht, vertraue auf die Signale deines Körpers. In der Regel hilft eine geregelte Betätigung immer bei einer Depression, ob du nun in einen Strickkurs gehst oder ins Fitneßstudio. Es geht darum, dass dein Gehirn Abläufe trainiert, die dich für den Alltag wieder trittfest und konstanter machen.

    "Stress" ist einfach nur ein Begriff für Belastungen aller Art. Auch Bauteile erfahren Stress, wenn sie Belastungen ausgesetzt sind, so wie lebende Körper auch. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich eine negative Konnotation bezogen auf psychische Belastungen durchgesetzt, aber die ist eben nicht gleichbedeutend mit dem eigentlichen Stressbegriff. Ob Du also zusätzlich zu dem posiitven körperlichen Stress (wenn man es nicht übertreibt), auch noch psychischen Stress beim Sport erlebst, wirst Du einfach ausprobieren müssen.


    Auch mir wurde Sport empfohlen und ich habe mich damals fürs Joggen entschieden, weil es mir niedrigschwellig und sinnvoll erschien. Aber es war eine einzige Quälerei. Ich fand es fast unerträglich, mich beim Laufen so sehr selbst spüren zu müssen und es war eine hervorragende Quelle für negative Gedankenspiralen und um mich selber fertig zu machen. Ich habe mich nach dem Laufen nie besser gefühlt, sondern immer nur schlechter, und jeden neuen Trainingstag gefürchtet. Das waren eigentlich deutliche Hinweise, die ich aber leider lange Zeit ignoriert habe, weil Sport-ist-gut-für-Dich und Sport-macht-gute-Laune und so. Jetzt betreibe ich seit ziemlich genau einem halben Jahr Kraftsport und obwohl das anfangs eine große Überwindung für meine sozial phobischen Anteile war, hat sich recht flott ein positiver Effekt eingestellt. Ich würde also sagen, Du wirst recht schnell merken, ob es Dir gut tut oder nicht.


    Ich habe mir aber auch keine Ziele gesetzt, außer, regelmäßig dort hinzugehen. Klar ist es ein schönes Gefühl, wenn man irgendwo die Gewichte steigern kann, aber ich versuche dem nicht zu große Bedeutung beizumessen (bisher erfolgreich). Die Wahl des Studios halte ich auch nicht für unwichtig, anfangs war ich mal in so einer richtigen Mucki-Pumper-Bude und habe ich dort gräßlich unwohl gefühlt, jetzt trainiere ich in einem größeren Studio, wo von jung bis alt, dick bis dünn, Pumper bis Normalo alles mit dabei ist und finde die Atmosphäre tausendmal angenehmer.

    @ CiscoR:

    Kann es sein, dass du so lange nach einer Ausrede suchst keinen Sport zu machen bis du eine gefunden hast? Wenn für dich Kraftsport schon Stress ist kannst du dann überhaupt irgendwas anderes machen als vor dem Fernseher zu sitzen?


    Was genau stresst dich denn da beim Sport?

    Zitat

    Ansonsten hilft körperliche Betätigung wohl einigen Menschen, aber dass das auch bei stärker ausgeprägten Depressionen häufig der Fall ist glaube ich nicht.

    Das Gegenteil ist richtig: Sport ist gut wirksam bei Depressionen, auch bei ausgeprägten Formen. Nicht umsonst gehören Bewegungsprogramme in jeder Psychosomatik zum Therapieprogramm. Auch zahlreiche Studien belegen den Effekt.


    Sport ist bei Depressionen aus vielerlei Gründen sinnvoll: Du spürst Dich, Du förderst die Ausschüttung von stimmungs-stabilisierenden Botenstoffen, Du hast was regelmäßiges, Du kommst außer Haus,...


    Ich wüsste jetzt keinen Grund, warum das bei Kraftsport anders sein sollte. Im Gegenteil: Gerade bei Krafttraining merkt man recht schnell die ersten Erfolge, das motiviert dann zum weitermachen. Allerdings spürt man Krafttraining an den nächsten Tagen noch mehr oder weniger deutlich in der Muskulatur - aber das kann man ja positiv deuten: Man wird bei jeder Bewegung daran erinnert, dass man was für sich getan hat.


    Ein mögliches Problem (das Zusammensein mit Muskelprotzen und knackigen Mädels) wurde ja schon angesprochen, das kann man ja durch geschickte Wahl der Trainingszeiten oder des Studios umgehen (eher ein gesundheitsorientiertes als ein Bodybuilding-Studio nehmen).


    Ein anders Problem könnte sein, dass Krafttraining schon ein gewisses Maß an "auspowern" benötigt, um effektiv zu sein. Wenn man so gar keine Lust hat, fällt es schwer, die letzten Wiederholungen im Satz noch zu machen, die dann wirklich den Gewinn bringen. Da ist Ausdauertraining dann wieder günstiger, weil man da mit der Belastung nicht so hoch muss und Laufen/Radfahren ziemlich automatisch abläuft. Da ist die Hemmschwelle dann geringer. Aber im Fitnessstudio geht ja beides ;-)