Krampf im Gehirn

    Liebe Community,

    ich melde mich mit einem Problem, von dem ich eigentlich gar nicht weiß wie ich es beschreiben soll. Werde mir so bald als möglich auch einen Termin bei einem Neurologen oder Psychologen geben lassen und das mal genauer ansehen zu lassen. Aber ich möchte dennoch auch hier Fragen, vielleicht kennt jemand die Symptome oder hat ähnliche Erfahrungen, ich weiß bei Google nämlich nicht einmal wie ich das suchen soll.


    Es ist so, ich habe manchmal – also es fühlt sich an wie ein Krampf im Hirn. Ich hatte das schon in der Schule, die Lehrerin meinte bei einem Elternsprechtag mal zu meiner Mutter, sie hat das Gefühl oft, wenn sie mit mir redet, bin ich irgendwann einfach weg, als würde eine Tür zuschlagen. Ich habe das damals so erklärt, dass es ist als würde ich ein Brett vorm Kopf haben und dann geht nichts mehr.

    Wir haben das damals einfach auf meine Schüchternheit geschoben, denn das bin ich zweifellos und das habe ich auch in der Arbeit lange gemacht. Wo ich mir gedacht habe, „Ja, ich trau mich einfach nicht so recht über meinen Schatten zu springen, ich bin halt einfach zu schüchtern.“ Aber ich glaube mittlerweile, dass das damit nichts zu tun hat, denn ich bin dem eigentlich ausgeliefert, wenn es anfängt.


    Auslöser sind, glaube ich, schon Situationen in denen ich mich unwohl fühle, denn zu Hause habe ich das eigentlich nie, auch mit meinem Freund nicht. Außerhalb dieser Zone reichen Kleinigkeiten, ein schiefer Blick, etwas das ich nicht ganz einschätzen kann, irgendwas das mich verunsichert, dann geht’s meistens los, wobei es nicht muss ist. Es kann passieren, dass ich mit meinen Arbeitskollegen drei Mal – trotz Unsicherheit – normal sprechen kann, und beim vierten Mal fängt es dann an.


    Wie merke ich das: Meistens, fängt es dann erst mal am Scheitel zu kribbeln an (ist so ein Vorbote) und dann ja fühlt es sich wie ein Krampf im Kopf an. Blickkontakt wird dann sehr schwierig für mich, allgemein das Reden fällt mir dann schwer, sowie dass richtige Reagieren auf eine Situation (meistens sehr verlangsamt), die Motorik wird schlechter. Das sind dann in der Arbeit meistens die Momente wo ich Dinge fallen lasse, daneben greife o.ä. Ich bewege mich einfach nicht mehr so nuanciert, sondern steifer, ruckartiger, manchmal ist es auch dass ich ab und an Zucke. Kurz gesagt, Kommunikation und Bewegung fällt mir dann schwerer und es ist mühsam dann halbwegs den Schein zu wahren, wobei es natürlich trotzdem auffällt, dass ich „komisch“ bin.


    Ich hab schon alles versucht das zu durchbrechen, ruhig Atmen und mir sagen, dass alles in Ordnung ist und dass es keinen Grund für dieses „Verhalten“ gibt. Aber es hilft nicht, es ist ja auch nicht so als ob ich da besonders Angst hätte oder so, ich bin nur einfach im Kopf total Blockiert.

    Hab auch schon versucht aus der Situation rauszugehen, aber das Hilft auch nicht, weil es, dann nicht gleich weggeht, es braucht danach noch mindestens 30 – 60 Minuten, bis ich merke, dass es sich langsam wieder entspannt und auslässt.


    Weil mir Blickkontakt dann fast unmöglich ist, habe ich mich auch schon mal gezwungen aufzusehen, das Ergebnis war, dass die Umgebung verschwommen wurde, sich alles zu drehen anfing und ich dann gegen die Wand geknallt bin, weils mir so schwindlig wurde, dass ich beinahe umgekippt wäre. Kurzum sich einfach „überwinden“ klappt auch nicht.


    Natürlich engt mich das in meine Leben ein. Ich interessiere mich z.B. sehr für Umweltschutz, vor einiger Zeit wer da in meinem Ort ein Treffen gewesen, einfach für Leute um sich auszutauschen. Ich traue mich da aber alleine dann gar nicht mehr hingehen, nicht weil ich schüchtern bin, sondern weil ich Angst habe, dass das wieder anfängt und ich dann nichts mehr oder nur noch schwer reden kann und mich zu bewegen beginne wie ein Roboter.

    Mal absehen davon, dass es für mich auch einfach sehr ansträngend ist, der Zustand an sich ist schon ansträngend und auch den Schein halbwegs zu wahren ist wirklich mühsam.


    Eine Freundin brachte mal die Theorie ins Spiel, dass ich vielleicht Asperger habe. Eben weil mir Blickkontakt schwer fällt, weil ich mir Gesichter nur schwer merken kann (es ist mir z.B. schon passiert dass ich Arbeitskollegen außerhalb der Arbeit, nicht oder nur schwer erkannt habe) meinen Freund musste ich beim kennenlernen locker 6 - 7 Mal treffen bis ich mir in etwa gemerkt habe wie er aussieht, und weil ich Sprichwörter oft sehr wörtlich nehme. Sarkasmus kenn ich schon, das merkt man ja schon an der Tonlage und die meistens Redensarten kenne ich auch, vor allem, weil ich ein sehr lyrischer Mensch bin, aber Redensarten die ich nicht kenne, nehme ich z.B. wörtlich. Mein Freund meinte vor kurzem mal zu mir der Nachbar kommt mit „Kind und Kegel“ und ich sage: „Wieso Kegel, der hat ja gar keine Kegeln in der Hand“. Das war auch früher schon so, was speziell in meinem Freundeskreis immer wieder für einige Lacher und Neckereien gesorgt hat. Sie glaubt, dass es vielleicht einfach Reizüberflutung, also ein „Overload“ ist, wobei ich dem auch nicht ganz zustimmen kann, obgleich ich auch nicht weiß ob sich ein Overload wie ein „Krampf im Gehirn“ anfühlt, diesbezüglich findet man im Internet eigentlich nichts. Es ist mir auch schon passiert, wenn ich in der Arbeit dann irgendwohin flüchten kann wo ich alleine bin, dass ich mal eine Zeit dastehe und hin und her wippe oder mit der Hand irgendwo gegenklopfe bis ich wieder „wach“ werde und mich frage: „Was zum Teufel tue ich da eigentlich?!“


    Kurzum, die Situation ist verfahren, anstrengend und nervt einfach. Hat irgendjemand eine Idee was das sein könnte?

  • 8 Antworten
    mandysu schrieb:

    Hallo,


    Das was du von der Schule beschreibst, das deine Lehrerin meint, du seist weg. Schau mal unter


    Derealisation

    Hm, nein ich glaube das passt eher nicht, aber danke für deine Antwort.

    🤔😃

    Wie alt bist du denn?


    Wie ist es sonst in der Öffentlichkeit? In Bus und Bahn? Im Verkehr? Fährst du Fahrrad? Beim Shoppen?

    Verhueter schrieb:

    Wie alt bist du denn?


    Wie ist es sonst in der Öffentlichkeit? In Bus und Bahn? Im Verkehr? Fährst du Fahrrad? Beim Shoppen?

    Ich bin 33, in der Öffentlichkeit bleibe ich meist für mich, bzw. kostet es mich schon oft viel Energie mit anderen "normal" zu sprechen und vor allem Blickkontakt zu halten (so dass es nicht zu viel aber auch nicht zu wenig ist), obwohl mich das total nervt weil ich oft sehr gerne mit anderen Smalltalk machen möchte. Obs besser klappt oder schlechter hängt aber auch ein bisschen von meiner Stimmung ab. In der Arbeit spiegle ich die Kollegen auch oft und versuche mich ihrer Stimmung anzupassen, so nach dem Motto wenn du lachst lache ich mit, wenn sie eher wütend sind versuche ich in der selben Tonlage darauf einzugehen.

    In großen Menschenmengen fühle ich mich unwohl, weshalb ich nicht gerne alleine in großen Städten bin. Schwer tue ich mich auch bei Feiern mit mehreren Leuten wenn alle durcheinander reden, weil es mir schwer fällt mich auf einen Gesprächsfaden zu konzentrieren, meistens kriege ich überall ein bisschen was mit und alles geht durcheinander. 🙈

    Ein bißchen klingt es nach autistischer Symptomatik, aber irgendwie spezieller scheint es noch zu sein. Ich würde es auf alle Fälle erst mal neurologisch abklären lassen. Möglich ursächlich wäre da vieles, könnte etwas migräneartiges oder auch epileptisches sein. Möglicherweise wird es auch schierig mit der Diagnostik. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche und nicht aufgeben!

    Evoluzzer schrieb:

    Ein bißchen klingt es nach autistischer Symptomatik, aber irgendwie spezieller scheint es noch zu sein. Ich würde es auf alle Fälle erst mal neurologisch abklären lassen. Möglich ursächlich wäre da vieles, könnte etwas migräneartiges oder auch epileptisches sein. Möglicherweise wird es auch schierig mit der Diagnostik. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche und nicht aufgeben!

    Das werde ich auf jeden Fall machen. An eine Form von Epilepsie habe ich auch schon gedacht. Ich hatte mit ca. 4-5 Jahren öfters Anfälle, man wusste damals aber nicht ob es wirklich Epilepsie ist. In jedem Fall trat es irgendwann nicht mehr auf und die Sache war erledigt. Aber man weiß ja nicht was es alles gibt und in welcher Form sich manche Sachen zeigen können ... 🤔

    Chloe5 schrieb:

    An eine Form von Epilepsie habe ich auch schon gedacht. Ich hatte mit ca. 4-5 Jahren öfters Anfälle, man wusste damals aber nicht ob es wirklich Epilepsie ist.

    Ich habe von einem ähnlichen Fall bei einem Kind gelesen. Da dachte man auch zuerst es wäre etwas Epileptisches, es hat sich aber als eine Form von Migräneanfällen herausgestellt. Danach konnte man es erfolgreich behandeln.