leben außer kontrolle?

    hi liebe community,


    ich frage mich langsam, ob mein leben außer kontrolle ist.

    mal kurz zu mir und meinen situationen:

    - mitte 20

    - abi, abgeschlossenes studium, zweitstudium ab herbst

    - beim letzten pflichtpraktikum mobbing durch 2 vorgesetzte - fast 1 jahr lang

    - komme aus einer recht instabilen familie, beide elternteile sind zwar beamte, aber so richtig viel zeit bis auf 2 urlaube im jahr hatten meine eltern aufgrund ihres schichtdienstes nie, war als kind also sehr auf mich alleine gestellt

    - mein vater hatte eine leitungsposition inne und ging kurz vor seinem 50. geburtstag in frührente, angeblich wegen einem burn out, denke aber, dass der wahre grund war, sich nicht mehr mit iwelchen kollegen aussetzen zu müssen; mein vater ist narzisstisch und höchstmanipulativ

    - meine mutter ging aufgrund von gesundheitlichen gründen kurz vor 60 in rente, leider hatte sie einen selbstmordversuch vor ca. 3 jahren mit tabletten, was aber mehr ein hilfeschrei war; sie musste/muss u.a. psychotika etc., hatte mehrere klinische aufenthalte aufgrund ihrer psyche und wurde als kind sexuell durch ihren vater (also meinen opa) missbraucht, wie ich am selben tag des selbstmordversuches durch meinen vater erfuhr...

    - eltern haben sich letztes jahr nach über 35 jahren scheiden lassen, ich selbst habe vor monaten den kontakt zu beiden abgebrochen

    - habe selten umarmungen oder liebe worte bekommen als kind und jugendlicher

    - bin auch etwas vernachlässigt worden, während alle den führerschein gemacht haben, hat mein vater oder meine mutter mir nie angeboten, mich finanziell oder persönlich dabei zu unterstützen durch üben etc.

    - bin sehr sensibel und anfällig für kritik, wohl aufgrund zahlreicher mobbingsituationen in meinem leben

    - verlange selbst sehr viel leistung von mir

    - habe angst fehler zu machen, mich doof zu benehmen und ausgelacht zu werden

    - bin sehr sprunghaft in vielen lebensbereichen, kann schwer entscheidungen treffen

    - bin recht ängstlich

    - bin sehr ungeschickt und tollpatschig seit kindheitstagen an

    - werde schnell unruhig und kann schwer abschalten

    - habe aufgrund der oben stehenden erfahrung kaum selbstbewusstsein, habe u.a. auch bei männern nach aufmerksamkeit gesucht


    ist mein lebensverlauf wirklich so schlimm?

    muss ich nur lernen, mit dingen anders umzugehen?


    danke für die hilfe!

  • 9 Antworten

    Warst du mal in Therapie oder hast mit dem Gedanken gespielt? Ich lese einen Leidensdruck heraus. Katastrophal finde ich deinen Lebenslauf nicht, immerhin hast du deinen Schulabschluss und kannst dir etwas aufbauen @:)

    ja, ich habe schon mehrere therapien hinter mir, aber ich hadere trotzdem oft mit mir selbst, habe unzulänglichkeitsgefühle und oft den eindruck, dass ich anders als andere bin

    Ich denke es ist nicht verwunderlich dass es dir an Selbstbewusstsein fehlt und du eher unsicher bist. Hattest du denn das Gefühl dass die Therapien geholfen haben?

    ich finde es wichtig nach vorne zu blicken und weniger wie deine eltern zu dir waren.


    eine therapie gibt dir auch ein stück lebensqualität zurück, sofern du einen vernünftigen therapeuten findest.


    noch mehr fäden hier bringen nicht viel, nimm dein leben in die hand und analysiere es nicht zu tode.

    Ich finde es auch gut, dass Du trotz der Schwierigkeiten Schule und Studium abgeschlossen hast. Das zeigt, dass Du durchaus in Teilbereichen des Lebens Dein Leben in die Hand nehmen kannst auch unter schwersten Vorraussetzungen.


    Auch wenn es jetzt vielleicht schon lange Zeit so ist, das mit dem Selbstbewusstsein ist etwas, was nicht in Stein gemeißelt ist, das kann relativ schnell verbessern / verschlechtern. Ich war jemand, der sich nichtmal getraut hat im Kino anzurufen um Karten zu bestellen. Irgendwann war ich jemand der dachte, er könnte alles tun und alles erreichen was er möchte. Mittlerweile ist das Selbstbewusstsein leider wieder etwas eingeknickt aber ich habe keine Angst mehr davor weil ich weiß, dass es auch wieder raufgehen kann. Also keine Sorge, dass Du für immer ängstlich und ein emotionales Wrack sein wirst oder sowas.


    Ich höre bei Dir viel vorsichtige "Schuldzuweisung", was Deine Probleme verursacht haben könnte. Ansich ist das nicht verkehrt. Am Anfang gibt man sich ja meist erstmal selbst die Schuld, als Kind z. B. bei Trennung der Eltern. Da gehts einem schlecht. Dann realisiert man irgendwann, dass man selbst da nix für kann, dann sind für einen erstmal die Eltern Schuld. Damit gehts einem schon besser aber irgendwas fehlt noch. Man muss noch irgendwann verstehen, dass die Eltern das nicht absichtlich gemacht haben, sie haben ihre eigenen Probleme, konnten sich deshalb nicht so gut um Dich kümmern. Wäre toll gewesen hätten sie es gekonnt aber sie hatten auch nciht die Kraft dazu, etc. Damit kann man dann irgendwann verzeihen, egal ob man daraufhin wieder engeren Kontakt zu den Eltern aufbaut oder es dabei belässt wie es ist, da ist jeder anders. Aber ich denke dieser Schritt kann auch helfen.


    Eine Therapie ist sicher nicht verkehrt um viel Input für solche "Bewältigungsstrategien" zu bekommen.


    Zuguterletzt:


    Alias 974229 schrieb:

    ist mein lebensverlauf wirklich so schlimm?

    Nein, außer Dir selbst wird sich auch niemand für diesen interessieren, er ist kein "Makel".

    Zitat


    muss ich nur lernen, mit dingen anders umzugehen?

    Ja, vermutlich schon.

    Dein Lebenslauf ist mehr oder weniger durchschnittlich. Kein echtes Drama, aber eben Eltern, die nicht perfekt waren. Die häufigste Variante, wage ich mal zu behaupten. Interessieren würde mich, was Dir an Werten und Leitsätzen vermittelt wurde. Wie Du bist, wie man zu sein hat. Mich hat bspw. der Satz "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen", geprägt. Ist fast zum Verhängnis geworden in einer üblen Stressphase.


    Ansonsten: Was kannst DU JETZT AKTIV ändern? Raus aus dem Rückblick, rein ins Verstehen was woher kommt, ob Du das so stehen lassen oder eben gezielt anders damit umgehen willst.

    Wobei meine Antwort nicht bedeuten soll, dass du nicht unter best. Aspekten Deiner Biographie leiden darfst. Dann ist das - aus Gründen - eine Sensibilität, die best. banale Elternverhaltensweisen für Dich als Person mit Deinem Charakter schwerer gemacht haben. Aber da hängen zu bleiben bringt nichts.

    das ist alles richtig, was ihr sagt,

    ich hadere dennoch mit mir, weil ich mir denke, dass ich mich manchmal selbst überfordert habe, anstatt mir gutes zu gönnen, habe das gefühl ich bin ständig in alarmbereitschaft (= welcher schicksalsschlag kommt als nächstes)... das hindert mich am leben.

    dann mach was, therapie, etwas was dir gut tut, lerne auch dass sich probleme mit der zeit lösen lassen.

    Zitat

    das hindert mich am leben.

    was ist deine lösungsstrategie? einen jammerfaden, nach dem anderen aufmachen, wie ungerecht das leben ist?


    lebe, schaue wie sich deine probleme lösen lassen, sei flexibel, freue dich über fortschritte, frühe Tagebuch und halte dir vor augen, was du alles geschafft hast, nimm den elan mit und LEBE