Lernen mehr zu fühlen/sich Gefühle beibringen

    Mich interessiert, inwiefern es möglich ist, ein emotionalerer Mensch zu werden bzw. generell stärker zu fühlen/intensiver zu empfinden? Oder ist das Ausmaß/die Intensität, mit der man fühlt, determiniert?


    Und können sich z.B. Alexithyme Gefühle beibringen bzw. lernen, ihre Gefühle zu erkennen? Die sollen ja an sich durchaus Gefühle haben wie jeder andere auch, aber nicht in der Lage sein, diese Gefühle bei sich zu erkennen.


    Mich interessieren diese beiden Fragen generell.

  • 45 Antworten

    ":/ Interessante Frage...vielleicht kann man darauf "konditioniert" werden.


    Ich könnte es mir vorstellen, aus der Erfahrung meiner Therapie...


    Ich kannte nurnoch das Gefühl Wertlosigkeit/Trauer in Kombination.


    Andere negative Gefühle, wie Wut und Enttäuschung konnte ich nicht empfinden und auch nicht so benennen...


    Bis mir mein Therapeut mal sagte "Sie sollten sich nicht wertlos fühlen...sie sollten sauer sein...oder enttäuscht"


    Ich wusste zuerst nicht, was er meinte, da ich diese Gefühle nie zuließ und stattdessen Trauer empfand. Wie soll ich denn etwas empfinden, was ich nicht empfinde? :-/


    Allerdings, war ich grundsätzlich dazu fähig mehr als ein Gefühl zu haben, ich hatte es nur verlernt. Wie es ist, wenn das Gehirn anders verdrahtet ist und solche Gefühle einfach nie da waren...phew schwer zu sagen...

    Wozu sollte jemand stärker fühlen wollen oder empfinden wollen, als er es tut?


    Wenn man nicht in der Lage ist sich selber wahrzunehmen, dann kann man sich doch mehr auf sich konzentrieren, im Sinne eines "Erkenne dich selbst".


    Oder läuft das schon wieder darauf hinaus, dass man seine Gefühle besser zeigen soll, um sich mit anderen besser im Rahmen derer gewohnten Artikulationswelten austauschen zu können. ohne dass sich die anderen aus ihrem Habitus, Trott und Ritualen des Smalltalk groß umgewöhnen müssen?


    Wie Fussball, dümmliche Geburtstagswünsche, Freue heucheln wenn einem im Büro beschissene kleine Glasengel oder Karten mit dummen Sprüchen zum Geburtstag geschenkt werden, Mitweinen, wenn jemandem die Pumps am Fuß wehtun, Betroffenheit und Entsetzen austauschen über Autounfälle im Landkreis und Terroranschläge auf dem Kontinent.


    Für so einen zwischenmenschlichen Abfall reicht Schauspielern lernen. Gefühle brauchen hier noch lange nicht aktiviert zu werden. Ernsthafte Gefühle würde ich für so einen Schmus nicht aufbringen wollen. Allerdings würde ich für das oben genannte nicht mal Schauspielerei investieren wollen.

    So weit ich weiß ist "Alexithymie" keine psychiatische Diagnose.


    Das Gefühl, nichts oder nicht genug zu fühlen, kann als Symptom psychischer Krankheiten auftreten, z.B. Depressionen. Es kann aber auch anerzogen sein. Auch hier kann ein Psychotherapeut helfen, sich selbst wieder wahrnehmen zu lernen, sich selbst ernst und wichtig zu nehmen.

    @ Xirain

    Du meinst man kann sich umkonditionieren und Gefühl z (z.B. sich wertlos fühlen) durch Gefühl b (z.B. Wut/Enttäuschung) ersetzen? Oder geht das nur, wenn Gefühl z zwar das bewusst empfundene Gefühl ist, aber eigentlich Gefühl b maskiert/verdeckt?


    Lässt sich auch die Intensität, mit der man irgendein Gefühl fühlt, steigern (ohne Drogen zu nehmen)?

    Zitat

    Wie es ist, wenn das Gehirn anders verdrahtet ist und solche Gefühle einfach nie da waren...phew schwer zu sagen...

    Ok, die 2. Frage mit der Alexithymie ist glaube ich zu missverständlich. Die können wir auch streichen. Die 1. Frage bezogen auf den Durchschnittsmenschen bzw. nicht bezogen auf Extremfälle, interessiert mich mehr.

    @ ConanDerZerstärer

    Es geht mir um die Frage, ob es "technisch" möglich ist oder Menschen da unterschiedlich limitiert sind. Das "limitiert" meine ich hierbei nicht negativ wertend, sondern so, dass Gefühle bis zu einer bestimmten Stärke empfunden werden (können) und danach ist Schluss und jeder erreicht auf so einer Skala andere Ausschläge. Oder ob es eher so ist, dass die prinzipielle/theoretische maximale Ausschlagsstärke bei allen gleich hoch ist?

    Zitat

    Oder läuft das schon wieder darauf hinaus, dass man seine Gefühle besser zeigen soll, um sich mit anderen besser im Rahmen derer gewohnten Artikulationswelten austauschen zu können. ohne dass sich die anderen aus ihrem Habitus, Trott und Ritualen des Smalltalk groß umgewöhnen müssen?

    Nein, das meine ich nicht. Es geht mir um das eigene Innenleben eines Menschen, nicht um dessen Interaktion mit anderen.

    Zitat

    Gefühle brauchen hier noch lange nicht aktiviert zu werden. Ernsthafte Gefühle würde ich für so einen Schmus nicht aufbringen wollen.

    Und wie "aktivierst" du die bzw. bringst Gefühle für etwas auf?

    @ Cinnamon4

    Zitat

    Das Gefühl, nichts oder nicht genug zu fühlen, kann als Symptom psychischer Krankheiten auftreten, z.B. Depressionen. Es kann aber auch anerzogen sein.

    Meinst du, dass es immer nur so ein Gefühl ist oder dass jemand vielleicht tatsächlich kaum Ausschläge auf seiner Gefühlsskala hat?

    Zitat

    ...dass Gefühle bis zu einer bestimmten Stärke empfunden werden (können) und danach ist Schluss und jeder erreicht auf so einer Skala andere Ausschläge. Oder ob es eher so ist, dass die prinzipielle/theoretische maximale Ausschlagsstärke bei allen gleich hoch ist?

    Wie schwer zu beantworten!


    Wie soll man das individuelle Maß von Gefühlsintensität allgemein normieren un vergleichbar machen.


    Man kann ja nur davon ausgehen, dass verschiedene Leute Eigen-Gefühle verschieden fein, intensiv, oder mit unterschiedlich möglichem maximalem Ausschlag wahrnehmen.


    Die Qualität wird aber vergleichbar sein, da jeder ein ähnlich aufgebautes Gehirn hat.


    Eine Quantifizierung des Gefühls zur Vergleichbarmachung macht in meinen Augen eingeschränkt Sinn, weil jeder individuell ist.


    Es ist eine interessante Frage wie man seine Gefühle erlebt, wie man sich ihnen beispielsweise ausgeliefert fühlt, oder wie man sich von solchen inneren Impulsen distanzieren kann.


    Ein Verstandesmensch wird eher in der Lage sein Gefühle zu verbalisieren, zugrundeliegende Fakten in seinem Rahmen zu objektivieren, und sich evtl. auch zu distanzieren.


    Ein Gefühlsmensch wird sich seinen Gefühlen stärker ausgeliefert vorkommen, und Gefühle intensiver durchleben.


    Ein Phlegmatiker hat vielleicht mäßigere Ausschläge in seinen Gefühlsexplosionen.


    Sicher gibt es Kombinationen, und auch bestimmte Gefühlsregungen, die bei bestimmten Individuen einfach intensiver sind, während ein anderes Gefühl weniger intensiv wahrgenommen wird.


    Sicher hat die individuelle Gehirnmorphologie und auch die individuelle Entwicklungsgeschichte einen determinierenden Einfluß. In dem Sinne glaube ich schon, dass bestimmte Leute bestimmten Gefühlen besonders ausgeliefert sind, und andere oder dieselben Leute anderen Gefühlen gegenüber eher resistent sind, oder diese verflacht sind. Weider bei anderen sind vielleicht viele Gefühle verflacht, also sie werden nicht als so intensiv, aber auch nicht so bedrohlich oder beeinflussend wahrgenommen.


    Ich kann in Grenzen Gefühle aktivieren, indem ich mich bewußt entscheide von einer Person oder Situation Distanz einzunehmen, oder indem ich Nähe zulasse und bewußt wahrnehme.


    Gefühle haben für mich zwei Ausprägungen, Gefühle, die mich selbst betreffen und Gefühle die mir nahestehende Menschen betreffen. Gefühle ändern sich im Laufe des Lebens auch, und ich bin sicher, dass man Gefühle in irgendwelchen Grenzen erlernen und verlernen, oder sich auch an- oder abgewöhnen kann.


    Ich erlebe bei mir auch bestimmte Gefühle intensiv wahr, während ich andere Emotionen als verflacht wahrnehme.


    Glaube das ist normal.


    Außerdem ist es so, der eine fühlt bestimmtes intensiver, der andere fühlt bestimmtes weniger intensiver. Abgesehen davon sind auch in der Gesellschaft verschidene Charaktere für verschiedene Aufgeben notwednig, wenn man es sozio-funktional sieht.

    Zitat

    Du meinst man kann sich umkonditionieren und Gefühl z (z.B. sich wertlos fühlen) durch Gefühl b (z.B. Wut/Enttäuschung) ersetzen? Oder geht das nur, wenn Gefühl z zwar das bewusst empfundene Gefühl ist, aber eigentlich Gefühl b maskiert/verdeckt?


    Lässt sich auch die Intensität, mit der man irgendein Gefühl fühlt, steigern (ohne Drogen zu nehmen)?

    Ich denke, das ist ein sehr komplexes Thema, dass man pauschal ohne Situation kaum zu beantworten mag.


    Ich kann dir einen Einblick in meine vergangene Therapie geben, ob dir das etwas hilft, weiß ich allerdings nicht.


    Es ist so, dass ich mich sehr dadurch definiert habe anderen zu helfen. Wurde diese Hilfe abgelehnt oder ausgenutzt, fühlte ich mich wertlos. Ich habe immer gedacht, wieso mich alle so sehr hassen würden...ich wollte doch nur helfen. Ich dachte immer, wieso versucht die andre Person nichtmal etwas zurückzugeben, wenn ich etwas brauchte...ob ich so wertlos bin, dass man das nicht tun muss. Ich habe meinen eigenen Wert daraus gezogen, wie andere auf mich reagiert haben. Wenn andre etwas "doofes" gemacht haben, fühlte ich mich wertlos, denn wäre ich es ihnen wert, würden sie sich doch nicht so "doof" verhalten. Ich konnte also schon Schuld verteilen...an mich selbst. War dabei aber nie wütend oder enttäuscht, habe es den Personen nie gezeigt sowas. Ich habe somit meine Gefühle zurückgehalten, sie eingesperrt und irgendwann, habe ich sie garnicht mehr gefühlt. Es war alles nur ein großes Gemisch an Wertlosigkeit, Schuld und Trauer. Meine Depression kam daher es allen Recht machen zu wollen.


    Ich nenne da mal 2 Beispiele:


    1.)


    Ich lieh meinem damaligen Freund 450€. Ich liebte ihn. Er brauchte das Geld für seine Autoversicherung und ich war sogar irgendwie...froh ihm helfen zu können, aufgrund meines Helferkomplexes und dem Wunsch, es allen Recht zu machen. Ja es sind keine Unsummen, aber auch wirklich nicht wenig Geld. Das ist meine gesamte Monatsmiete. Ich hab es von Erspartem genommen. Kurze Zeit nach dem Leihen, trennten wir uns. Er meinte er komme mit mir nicht mehr klar, ich sei depressiv und überhaupt. Diese Trennung zog mich sehr sehr runter, was aber normal ist. Aber! Er machte niemals Anstalten mir auch nur einen Cent meines Geldes zurück zu zahlen. Wie wäre darauf die normale gesunde Reaktion eines Menschen? Wut und Enttäuschung, oder? Aber nicht so bei mir. Ich hockte da und dachte nur "Wie kann ich nur so wertlos sein, dass er nichtmal versucht mir mein Geld zurück zu geben? Wie kann er mich nur so sehr hassen... Warum bin ich so ein beschissener Mensch, warum mag mich niemand?" Das war die Depression, die aus mir sprach. Erst in meiner Therapie sagte mir mein Therapeut, dass dies nichts mit Wertlosigkeit zu tun hätte, sondern mit seinem Unvermögen zu realisieren, dass er mir damit weh tut. Dass diese ganze Situation, nicht meine Schuld wäre, denn ich sei ja davon ausgegangen das Geld in Raten wieder zu bekommen. Ich bin deswegen nicht wertlos, oder schuldig.


    Ich solle anfangen genau Situationen zu analysieren. Meine Anteile herausfinden und die Anteile der anderen. Das Spielchen spielten wir in meiner Therapie sehr oft. In diesem Fall, war mein Anteil "Gut gemeint, positiv, möchte helfen". Sein Anteil war aber "Ich wusste vorher, ich kanns nicht zurückzahlen, ich nehms Geld trotzdem, und beleidige sie dann im Nachhinein auch noch (per Facebook Nachricht)" Wer ist in diesem Geschehen also der böse wertlose Mensch? Ich nicht. Und dann...wurde ich auf einmal das erste mal seit Monaten sooooo sauer auf ihn. Ich konnte schimpfen und ihn als miesen Ausnutzer beschimpfen. Ich konnte die Situation vorher einfach nicht klar sehen. Nicht objektiv. Ich hatte eine getönte Brille auf und sah nur bestimmte Dinge, statt das Gesamtbild. Wenn man nur einen Teil des Bildes sieht, kann man es nicht in allem Umfang begreifen.


    Wie gesagt, solche Situationen hatte ich in der Therapie noch oft. Ich musste also wieder erst lernen, wann welche Gefühle angebracht waren. Manchmal habe ich überreagiert, aber das gehörte zum Lernprozess dazu. Dabei können dir aber Freunde oftmals nicht sehr gut helfen... Diese betrachten eine Situation nämlich auch sehr subjektiv und durch einen Tunnelblick. Ein Therapeut hingegen versucht das Gesamtbild zu sehen, nicht nur deine Seite, und sagt dir dann trotzdem "Das war scheiße, was er gemacht hat. Das zeigt aber nur, was für ein schlechter Mensch ER ist und nicht, dass sie ein schlechter Mensch sind."


    2.)


    In der Depression hat man oftmals das Gefühl, nurnoch Trauer zu kennen. Das ganze Leben ist grau...traurig oder sogar gefühlslos. Die Sonne scheint einfach nie, oder wenn sie scheint, ist das auch kacke, denn dann nervt sie. Jede gute Situation muss doch auch einen Haken haben. Pessimismus pur. Mir kann ja nichts gutes passieren. So empfand ich meine Depression. Dann mit der Zeit...und der Therapie...und auch den medikamenten, ging ich manchmal mit Freunden was unternehmen... Am Anfang war es eine Qual...denn mein Gehirn lief noch auf dem Programm "Alles ist kacke". Aber mit dem Antrieb durch die Tabletten, kam auch wieder die Energie...die Energie etwas machen zu wollen und auch kleine positive Sachen so zu akzeptieren, wie sie kommen.


    Am Anfang war es vielleicht die eine Sonnenstunde nach tagelangem Regen. Dann war es das Kleinkind meiner Freundin, das so offen mit mir spielte...ich genoss die Zeit.


    Ich lernte, welche Dinge mir Freude bereiten können, aber auch nur, wenn ich es schaffte gesellschaftliche und Elterliche Konventionen über Bord zu werfen.


    Ich baute immer gerne Lego, als Kind, als Jugendliche...irgendwann hieß es "Du bist zu alt dafür." In meiner Depression...bestellte ich mir plötzlich so einen Lego Technik Bausatz und dachte mir "Scheiß drauf, ich will das halt". Meine Eltern fanden es doof, aber MIR tat es gut. Die Gedanken hörten auf, ich hatte etwas zu tun, das Ergebnis erfreute mich.


    Genauso schwimmen gehen mit Freunden. Ich mag keine Discobesuche. Sie sind purer Stress für mich, aber Schwimmen gehen...boah geil! Ich habe also gelernt die Zeit mit meinen Freunden wieder zu genießen, dabei Glück zu empfinden, etwas mit ihnen zu tun, mich selbst soweit einzubringen, dass ich solche Vorschläge machen konnten. Ich bekam nur positive Reaktionen darauf, dass ich freiwillig mit ihnen wohin will, selbst wenn es die seltsamsten Sachen sind für einen Mittzwanziger. Ich gehe gerne ich Technik & Mitmachmuseen. Hab ich heraus gefunden. Immer wollte ich nur "normal" sein und dabei bin ich einfach untergegangen. Ich als Mensch.


    Sobald ich wieder im Gleichgewicht mit mir selbst war, konnte ich wieder Freude empfinden, konnte den Pessimismus etwas ablegen, konnte wieder Glück empfinden.


    ich konnte sogar das gefühl "Vertrauen" neu lernen, wenn die äußerlichen Faktoren stimmen, wie ein respektvoller Umgang miteinander.


    Ich empfinde mich heute mit deutlich mehr Gefühlen als früher, bzw...ich kann viele einfach konkreter wahrnehmen, einordnen und einsetzen.


    ABER einige Gefühle sind dafür auch gestorben und abgeflacht. Manche, die man eh nicht haben wollte...


    Das ganze ist wie gesagt sehr komplex, denn ich konnte von 0 auf 100 in 1,2 Sekunden Schuld empfinden, oder Wertlosigkeit. Ich war emotional sehr instabil dabei. In einer minute vorgespielt glücklich und dann am Boden zerstört.


    Dadurch, dass ich diese starken Schwankungen nicht mehr habe, fühle ich mich manchmal sogar stumpfer gefühlsärmer als zuvor. Dafür haben die Variationen zum geeigneten Zeitpunkt zugenommen.


    Wenn du denkst, du hast damit wirklich Probleme, die dein Leben belasten, dann müsstest du wohl mit deiner speziellen Situation zu jemandem gehen, der einfach mal einen kleinen objektiven Blick auf deine Gefühlswelt wirft.

    Zitat

    Oder ob es eher so ist, dass die prinzipielle/theoretische maximale Ausschlagsstärke bei allen gleich hoch ist?

    Das denke ich nicht. Unterschiedliche Menschen empfinden unterschiedliche Gefühle unterschiedlich stark, dazu gibt es ja durchaus Untersuchungen.


    Gefühle sind nichts weiter als Körperfunktionen und jeder Körper und jede Körperchemie ist individuell. Also ist auch das Gefühlsempfinden individuell.


    Dennoch kann man in gewissen Grenzen Einfluss auf seinen Körper und damit auch seine Psyche nehmen. Wenn keine behandlungswürdige Erkrankung vorliegt (Depressionen wurden ja z.B. schon genannt, da ist eine Verflachung der Gefühlswelt ganz typisch), könnten vielleicht Achtsamkeitsübungen helfen, sich selber bewusster und stärker wahrzunehmen, was vielleicht auch Gefühle verstärken kann - man kann sich ja durchaus emotional hochschaukeln, passiert üblicherweise unbewusst, aber das kann man auch instrumentalisieren. Ob da langfristig ein Trainingseffekt eintritt, weiß ich allerdings nicht.

    @ Zuschauer

    Zitat
    Zitat

    Das Gefühl, nichts oder nicht genug zu fühlen, kann als Symptom psychischer Krankheiten auftreten, z.B. Depressionen. Es kann aber auch anerzogen sein.

    Meinst du, dass es immer nur so ein Gefühl ist oder dass jemand vielleicht tatsächlich kaum Ausschläge auf seiner Gefühlsskala hat?

    Hm... ich forsche nicht auf dem Gebiet, also weiß ich es nicht sicher. Meine Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass alle Menschen gleich stark empfinden (können), und wenn sie denken, dass sie es nicht tun oder nicht können, es eine Frage der Wahrnehmung ist.

    Danke für die Antworten.


    Auch wenn es auf die Frage(n) wohl leider keine eindeutigen Antworten gibt. Cinnamon4 sagt z.B., dass alle Menschen [prinzipiell] gleich stark empfinden (können). Die anderen Antworten gehen so wie ich sie verstanden habe dagegen in die Richtung, dass dem nicht so ist.

    @ Conan der Zerstörer

    Zitat

    Wie soll man das individuelle Maß von Gefühlsintensität allgemein normieren un vergleichbar machen.

    Im Rettungsdienst wird z.B. mit einer Schmerzskala (1-10) gearbeitet und es gibt Beispiele dazu, welche Verletzung im Durchschnitt welcher Stufe auf dieser Skala entsprechen würde. Und das, obwohl Schmerz unterschiedlich stark empfunden wird. Also scheint es da durchaus Möglichkeiten zu geben eine durchschnittliche Einordnung bzgl. der Intensität gleichwohl zumindest zu versuchen.

    @ Xirain

    Danke für dein sehr ausführliches (Lebens)Beispiel, das sehr anschauliches zeigt, wie Gedanken/Einstellungen & das Tun Gefühle beeinflussen und ändern können.

    Zitat

    Wenn du denkst, du hast damit wirklich Probleme, die dein Leben belasten, dann müsstest du wohl mit deiner speziellen Situation zu jemandem gehen, der einfach mal einen kleinen objektiven Blick auf deine Gefühlswelt wirft

    Danke für den Tipp, mich stört meine Gefühlswelt aber nicht.

    @ a.fish

    Zitat

    (Depressionen wurden ja z.B. schon genannt, da ist eine Verflachung der Gefühlswelt ganz typisch

    Woran bzw. nach welchem Maßstab wird dabei gemessen, dass die Gefühlswelt verflacht ist? Man müsste da ja von einer "Norm-Soll-Gefühlswelt" ausgehen, der gegenüber die aktuelle Gefühlswelt der Person verflacht ist.

    Zitat

    könnten vielleicht Achtsamkeitsübungen helfen, sich selber bewusster und stärker wahrzunehmen, was vielleicht auch Gefühle verstärken kann - man kann sich ja durchaus emotional hochschaukeln, passiert üblicherweise unbewusst, aber das kann man auch instrumentalisieren

    Ist so ein Gefühl, das man aufgrund einer Autosuggestion in sich zu erzeugen versucht, überhaupt echt? Denkt man dann nicht eher, dass man dieses oder jenes fühlen würde als dass man wirklich so fühlt?

    @ Cinnamon4

    Zitat

    Meine Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass alle Menschen gleich stark empfinden (können), und wenn sie denken, dass sie es nicht tun oder nicht können, es eine Frage der Wahrnehmung ist.

    Danke, dann hatte ich dich richtig verstanden.

    Zitat

    Woran bzw. nach welchem Maßstab wird dabei gemessen, dass die Gefühlswelt verflacht ist?

    Der Massstab ist weniger eine Quantität, sondern die Qualität. Wenn Dich jemand fragt: Wie fühlst Du Dich? Weisst Du dann eine Anwort? Also zum Beispiel: Ich fühle eine Trauer, das fühlt sich wie ein Kloss an im Hals, oder: Ich fühle eine Wut, eine Energie, die mich die Fäuste ballen lässt, eine Spannung im Körper, als ob ich aufspringen will etc. Oder einen Schmerz, pochend im Stirnbereich etc. etc. Je genauer Du im Gefühle im Körper wahrnimmst und in eigener, frischer Sprache, also ohne Klischees, beschreiben kannst, desto gesünder (normal würde ich hier nicht mal benutzen ;-) ).

    @ Cytex

    Zitat

    Wenn Dich jemand fragt: Wie fühlst Du Dich? Weisst Du dann eine Anwort?

    Im Alltag ja, weil das eine Höflichkeitsfrage ist und die Antwort "gut" ist. Aber wenn die Frage nicht als Höflichkeitsfrage gemeint ist, finde ich sie kompliziert. Das fängt schon damit an, dass ich mir nicht sicher bin, auf welchen Zeitraum bezogen die Person eine Auskunft über mein Befinden haben möchte. Also ob sie nur die letzten 5 min., den Tag bisher, die Woche oder so meint als Berichtszeitraum. Außerdem müsste ich da erstmal überlegen und eine Bestandsaufnahme machen; das geht mehr oder weniger schnell, manchmal auch nicht. Und ich würde die Frage nie so beantworten wie es in deinen Beispielen der Fall ist, sondern schauen, ob körperlich alles ok ist oder da irgendwas ist (z.B. ob ich müde oder krank bin, friere oder mir zu warm ist etc.). Entsprechend wäre die Antwort dann, dass ich ... müde bin/mich ganz normal fühle bzw. so wie immer.

    Zitat

    Oder einen Schmerz, pochend im Stirnbereich etc. etc.

    Warum sagt die Person nicht einfach, dass sie Kopfschmerzen hat? ":/ Das verstehe ich auch an den anderen Beispielantworten nicht. Man könnte da doch kurz sagen, dass man ... traurig/wütend/angespannt/nervös ist. ... Oder war das extra so ausgeführt mit den Beschreibungen?

    Was ist an der Frage "Wie fühlst Du Dich?" kompliziert?


    Der relevante Zeitpunkt ist jetzt, in diesem Moment. Traurig, angespannt etc. ist einfach ein Etikett, schnell zur Hand, auch ohne das Gefühl wirklich wahrzunehmen. Jedes Gefühl lässt sich im Körper wahrnehmen und mit eigenen Worten beschreiben.


    Wie soll Nachdenken helfen, um ein Gefühl wahrzunehmen? Es geht ja nicht darum, ein Gefühl erfinden oder zu simulieren.

    Ich find das ne sehr tolle Frage,


    die für alle wichtig ist.


    Die Welt braucht mehr Fühlen.


    Wo ich den professionellen Umgang mit Gefüheln angefangen zu lernen ist mit den Angeboten von Robert Betz.


    Ist meins.


    Da gibt es youtube, seine Seite, Bücher, CD Vorträge, CD angeleitete Heil Meditationen, ...


    ER ist Psychologe und bietet seht gute Philosophie und Ansätze an.