• Lernen mehr zu fühlen/sich Gefühle beibringen

    Mich interessiert, inwiefern es möglich ist, ein emotionalerer Mensch zu werden bzw. generell stärker zu fühlen/intensiver zu empfinden? Oder ist das Ausmaß/die Intensität, mit der man fühlt, determiniert? Und können sich z.B. Alexithyme Gefühle beibringen bzw. lernen, ihre Gefühle zu erkennen? Die sollen ja an sich durchaus Gefühle haben wie jeder…
  • 45 Antworten
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    Was ist an der Frage "Wie fühlst Du Dich?" kompliziert?

    Na ich finde sie eben kompliziert, weil ich die Antwort erst suchen muss und auch nicht weiß, ob die Antwort die ist, wonach gefragt war.


    Es ist so wie besseres Raten bzw. müsste ich mir das erst ableiten (wenn das geht).

    Zitat

    Der relevante Zeitpunkt ist jetzt, in diesem Moment.

    Ok, das ist gut zu wissen.

    Zitat

    Traurig, angespannt etc. ist einfach ein Etikett, schnell zur Hand, auch ohne das Gefühl wirklich wahrzunehmen.

    Aber es sind schon die korrekten Bezeichnungen für diesen Zustand. Der Sinn & Zweck von Gefühlen ist außerdem, dass sie Signalgeber sind und sich aus ihnen Rückschlüsse darüber ziehen lassen, wie gut die aktuelle Bedürfnisbefriedigung und der eigene Gesamtzustand ist. So wie Signallampen. Da reicht das Etikett. Außerdem habe ich nicht mehr an Worten dafür und bin schon froh, das Etikett (die Vokabel dazu) zu kennen.

    Zitat

    Jedes Gefühl lässt sich im Körper wahrnehmen und mit eigenen Worten beschreiben.


    Wie soll Nachdenken helfen, um ein Gefühl wahrzunehmen? Es geht ja nicht darum, ein Gefühl erfinden oder zu simulieren.

    Nein, Erfinden nicht, aber ich brauche einmal einen Moment, um "in mich hineinzuhören", eben eine Bestandsaufnahme zu machen, und das Nachdenken dann weiter dafür, das zu übersetzen/zuzuordnen. (Klar geht das alles schneller, wenn es mir gut bekannte Zustände/Gefühle sind. Wobei die sich auch aus dem Gesamtkontext ableiten lassen => was eben gerade für eine Situation ist. Z.B. wenn ich spät dran bin zeitlich, weiß cih, dass ich naheliegenderweise gestresst bin.)

    Zitat

    Versuche es :-) So lernst Du, die Gefühle zu erkennen, wahrzunehmen.

    Na ich bin da nicht so überzeugt von. Ich finde, dass es so ein Bündel an "Symptomen" ist, an denen ich auf ein Gefühl rückschließen kann. So wie man anhand des Kontextes die Mimik von anderen zuverlässig deuten kann. Körperlich finde ich es eher schwierig/schlecht zu verorten/einzuordnen.

    @ Feri

    Der Betz ist nun wirklich niemand, den ich schätze. Fällt für mich unter "zwielichtiger Esoterik-Guru". Bei der Sekten-Info NRW findet man einen Bericht zu ihm von 2013. Dummerweise muss man sich anmelden, wenn man die Seite per verlinkung aufruft. Aber wenn man sie googelt, nicht und kann dann den artikel so lesen.

    Zitat

    Woran bzw. nach welchem Maßstab wird dabei gemessen, dass die Gefühlswelt verflacht ist? Man müsste da ja von einer "Norm-Soll-Gefühlswelt" ausgehen, der gegenüber die aktuelle Gefühlswelt der Person verflacht ist.

    Man geht da, soweit ich weiß, von den Selbstaussagen des oder der Betroffenen aus - also ob diese*r sich weniger emotional berührbar fühlt als zu früheren Zeiten. Weil es eben keine objektive Skala gibt, wobei man - z.B. bei der Messung vom Empathie, fällt mir nur gerade ein, weil ich darüber letztens einige Vortäge gesehen habe - ja schon eine Normalverteilung aufstellen kann. Da wurden in einer Studie Menschen mit starker dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörung, die also gar nicht zu Empathie fähig sing, untersucht, quasi als angenommene "Nulllinie" (untersucht heißt: sowohl mit bildgebenden Verfahren die Gehirnreaktion beobachtet als auch Selbstaussagen der Versuchspersonen aufgenommen), und dagegen Menschen gestellt, die sich selber als sehr empathisch beschreiben, und dann noch Kontrollgruppen aus zufälligen Leuten, die Normis quasi, und dann hat man schon Daten herausbekommen, wo so der Durchschnitt liegt und wer darunter und darüber. Aber alles halt in Relation zueinander. ":/


    Man kann emotionale Reaktion ja messen, im Gehirn. Da kann man schon sagen: hier ist die Reaktion stärker, in diesem Gehirn ist sie schwächer. Aber ob man daraus das tatsächliche Gefühlsempfinden der Leute ablesen kann, bezweifle ich, denn die "schwächere" Reaktion mag sich für den fühlenden Menschen nach seinen Maßstäben stark anfühlen und wie sollte man dieses Empfinden bestreiten oder messen. Er fühlt es ja in diesem Moment so echt und wirklich wie es nur eben geht.

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    Ist so ein Gefühl, das man aufgrund einer Autosuggestion in sich zu erzeugen versucht, überhaupt echt? Denkt man dann nicht eher, dass man dieses oder jenes fühlen würde als dass man wirklich so fühlt?

    Keine Ahnung. :-)


    Ich habe keinen guten Zugang zu meinen Gefühlen (und finde die Frage "Wie geht es Dir?" abseits von Floskeln ziemlich unmöglich zu beantworten :-D ) und "verschleppe" emotionale Reaktionen oft. Also, irgendetwas passiert, das löst erst einmal gar nichts spezifisches in mir aus, aber später, ein paar Tage danach oder so, entwickeln sich Gefühle dazu, die ich dann auch wahrnehme und überdenke - sind das die "echten" Gefühle dazu? Oder haben da zwischenzeitlich andere Mechansimen, vielleicht kognivitve, gearbeitet und sagen mir, wie ich mich fühlen sollte? Ich weiß es nicht.


    Gefühle benennen können würde ich noch einmal gesondert sehen. Ich habe den Vergleich dazu, wie ich mich während einer Depression gefühlt habe - bzw. wie sich dieses paradoxe Nicht-fühlen-können angefühlt hat. Heute fühle ich alles mögliche, aber ich habe des Öfteren Probleme, diese Gefühle zu benennen, trotzdem sind sie zweifelsohne da. Das meine ich mit "Zugang". Z.B. zittere ich manchmal und mit ist übel, dazu kribbelt meine Haut und mein Magen fühlt sich kalt an und daraus würde ich dann wohl ableiten, dass ich Angst habe. Aber ich brauche öfter des Vehikel der Symptombeobachtung, um sagen zu können, wie ich mich fühle. Daher die Probleme mit der Frage "Wie geht es Dir?"; also wenn mir gerade salziges Wasser aus den Augen läuft oder ich lachen muss, dann könnte ich das eindeutig beantworten. Wenn ich aber gerade keine besonderen Symptome zeige, tjoa, wie geht es mir dann, keine Ahnung. Irgendwie "normal", "so wie immer", oder so.

    @ a.fish

    Zitat

    Man geht da, soweit ich weiß, von den Selbstaussagen des oder der Betroffenen aus - also ob diese*r sich weniger emotional berührbar fühlt als zu früheren Zeiten. [...]

    Vielen Dank für deine Erklärung; das ist sehr interessant.

    Zitat

    Man kann emotionale Reaktion ja messen, im Gehirn. Da kann man schon sagen: hier ist die Reaktion stärker, in diesem Gehirn ist sie schwächer. Aber ob man daraus das tatsächliche Gefühlsempfinden der Leute ablesen kann, bezweifle ich, denn die "schwächere" Reaktion mag sich für den fühlenden Menschen nach seinen Maßstäben stark anfühlen und wie sollte man dieses Empfinden bestreiten oder messen. Er fühlt es ja in diesem Moment so echt und wirklich wie es nur eben geht.

    Ja das ist das Problem, wenn man versucht, das objektiv zu messen. ... Außer man würde nur auf die Messung abstellen (wo welche Areale im Gehirn wie stark aktiviert werden) und die Selbstaussage desjenigen eher infrage stellen, wenn sie von den Messergebnissen abweicht. Da könnte Cinnamon4s Ansatz ins Spiel kommen, dass die Person ihr tatsächliches Empfinden verzerrt wahrnimmt (z.B., wenn sie sich als besonders empathisch sehen will). Aber wird schwierig ... .

    Zitat

    und "verschleppe" emotionale Reaktionen oft. Also, irgendetwas passiert, das löst erst einmal gar nichts spezifisches in mir aus, aber später, ein paar Tage danach oder so, entwickeln sich Gefühle dazu, die ich dann auch wahrnehme und überdenke - sind das die "echten" Gefühle dazu? Oder haben da zwischenzeitlich andere Mechansimen, vielleicht kognivitve, gearbeitet und sagen mir, wie ich mich fühlen sollte? Ich weiß es nicht.

    Gute Frage. ... Für mich kenne ich es so, dass es quasi normal ist in der Situation selbst dazu keine Gefühle zu haben und erst später, wieder alleine und mit mehr Ruhe, eher sowas wie Gefühle/emotionale Reaktionen dazu zu haben. Das sind in meinem Fall dann schon echte Gefühle. Da wäre mehr die Frage, wie klar oder diffus die sind. ... Dass ich möglicherweise etwas nur deshalb fühle (meine zu fühlen), weil ich denke, dass ich mich so und so fühlen sollte bzw. das so erwartet wird und man sehr negativ auffallen würde, wenn man nicht so fühlt, habe ich eher in manchen Situationen selbst. Z.B. auf Beerdigungen oder sonstwie bei Todesfällen, wobei ich es da besser auseinander zu halten finde, ob das jetzt echt oder simuliert ist. ... Und dann gibt es noch so typische Situationen, in denen ich mehr auswendig und geschauspielert reagiere, aber nach all den Jahren auch nicht mehr sagen könnte konkret für die einzelne aktuelle Situation, ob das jetzt auch dieses Mal geschauspielert war oder echt. Da geht es mehr darum auf einzelne Personen zu reagieren.


    Stört dich das nicht manchmal, dass du nicht sicher weißt, ob du etwas wirklich so fühlst oder aus anderen Gründen glaubst so zu empfinden (oder wie man das beschreiben will)?


    Es könnte ja ab und zu wichtig sein, genau zu wissen, was man selbst wirklich fühlt und was "von Außen" fremdinduziert ist oder was man nur denkt zu fühlen. ... So für mich alleine finde ich das eher gut aufzuklären bzw. wahrzunehmen, aber in Gegenwart anderer ist es schwierig. Die Gründe dafür kenne ich.

    Zitat

    Daher die Probleme mit der Frage "Wie geht es Dir?"; also wenn mir gerade salziges Wasser aus den Augen läuft oder ich lachen muss, dann könnte ich das eindeutig beantworten. Wenn ich aber gerade keine besonderen Symptome zeige, tjoa, wie geht es mir dann, keine Ahnung. Irgendwie "normal", "so wie immer", oder so.

    Ja, das ist bei mir auch so. Wobei ich aber auch nicht glaube, dass man wirklich jede Minute, Stunde etc. spürbar etwas (bestimmtes) fühlt. Aber vielleicht ist das bei anderen doch anders und die fühlen permanent irgendwas, zumindest leicht. Mich würde das eher bekloppt machen oder nerven, wenn ständig irgendwelche Signale reinkämen/empfangen würden. Da finde ich es schon sinnvoller, wenn mein Körper mich nur bei Bedarf auf etwas hinweist bzw. ein Gefühl da ist.


    Aber um die Frage "wie fühlst du dich?" zu beantworten, spüre ich dann eben trotzdem in mich rein, ob da evtl. irgendwas Verwertbares ist, das für die Antwort taugt. Das ist dann aber schwierig, etwas festzustellen und funktioniert nur über die erweiterte Ableitung.


    So allgemein finde ich es aber nicht schwierig, Gefühle mitzubekommen, wenn welche da sind.

    p.s.:


    Man spürt ja auch nicht ständig seinen Pulsschlag/Herzschlag oder bekommt seine Atmung mit, obwohl man ständig atmet und das Herz schlägt usw..

    Zitat

    Mich interessiert, inwiefern es möglich ist, ein emotionalerer Mensch zu werden bzw. generell stärker zu fühlen/intensiver zu empfinden? Oder ist das Ausmaß/die Intensität, mit der man fühlt, determiniert?

    Tolles Thema :)^ das mich auch immer wieder beschäftigt, allerdings hätte ich gerne weniger von diesen Gefühlen. Bei mir schießen die manchmal wie Unkraut hoch und ich hab Mühe diesen Haufen zu ordnen - so etwas läßt sich dann auch ganz schwer ausdrücken . Mir wäre es anders viel lieber und ich denke ,es würde das Leben vereinfachen .

    Zitat

    Stört dich das nicht manchmal, dass du nicht sicher weißt, ob du etwas wirklich so fühlst oder aus anderen Gründen glaubst so zu empfinden (oder wie man das beschreiben will)?

    Ja, das stört mich sehr, je nach grundsätzlicher Stimmung mache ich mich mit den Grübeleien darüber auch schon mal halb verrückt. ;-) Das hat ja auch irgendwie etwas mit Identität zu tun, wer man eigentlich so ist, finde ich jedenfalls. Wenn andere Menschen involviert sind, ist es noch "schlimmer", dann kann ich schwer auseinander halten, was meine eigenen Gefühle sind und was ich - im wahrsten Sinne des Wortes - mitfühle. Ist das bei Dir ähnlich? Wenn ja, magst Du die Gründe sagen? Das würde ich interessieren.


    Emotionale Situationen, in denen ich glaube, dass bestimmte Reaktionen von mir erwartet werden, sind mir auch eher unangenehm. Ich fürchte dann immer, nicht korrekt oder nicht (extrovertiert) genug zu reagieren. Blöd, dass es im echten Leben keine Smiley-Funktion gibt, das wäre praktisch. Da hat man immer das richtige Emoticon zur Hand. ;-)

    Ganz prinzipiell: Tolles Thema! :)^

    @ Gefühlsverflachung

    Meine Erfahrung in Bezug auf mich selber als auch auf eine therapeutische Wahrnehmung war / ist, dass eine Gefühlsverflachung erst dann festgestellt wird, wenn es schon extrem in eine auffällige Richtung geht. Zum Beispiel habe ich lange Zeit über eigentlich traurige Themen nur lachend berichten können. Also eine extrem paradoxe Reaktion auf gesamtgesellschaftlich anerkannt als traurig wahrgenommene Situationen. (Ich erinnere mich, wie ich lachend in der Therapie über den Suizid eines nahen Freundes berichtete).


    Mein Eindruck ist also, dass diese Gefühlsverflachung nur dann diagnostisch relevant wird, wenn sie eh schon laienmäßig deutlich erkennbar ist. Will heißen: Nach meinem Empfinden ist diese eingeschränkte Gefühls-Spannbreite nichts, was vorschnell in Betracht gezogen wird, sondern erst dann, wenn es schon richtig deutlich vom Mainstream abweicht.


    Im Zuge meiner schlimmsten Depression wurde ich auch suizidal. Weil einfach die Koppelung von Handlung (z.B. an einem schönen Sommertag draussen sitzen, mit meinen Nichten / Neffen spielen) und der emotionalen Reaktion (Freude, Wohlgefühl, Entspannung) nicht mehr funktioniert hat.


    Meine Mutter (als Psychotherapie-Skeptikerin) hat mir im Nachhinein mal erzählt: "Ich hatte in dieser Zeit (der schlimmsten Depression) den Eindruck, dass du gar nichts mehr wahrnimmst" --> siehe: So krasse Auffälligkeit, dass sie auch für das Laien-Umfeld deutlich ins Auge sprang. Genauso war es denn auch: Die Depression führte zur Sinnes- und Gefühlsdeprivation. Sinnesdeprivation ist eine der "erfolgreichsten" Foltermethoden, zur Verdeutlichung, was da eigentlich mit dem betroffenen Menschen passiert.

    @ Gefühle:

    Die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewusst, aber Gefühle (unterschwellig oder aktiv wahrgenommen) gehören mit zu den wichtigsten Überlebensparametern. Vor allem die soziale Interaktion wird in sehr hohem Maße von Gefühlen geleitet / bestimmt ("Ich kann dieser Person vertrauen / nicht vertrauen"). Und diese sozialen Gefühle / nicht-Gefühle schlagen sich in fast allen praktischen Bereichen des Lebens nieder: "Was kann ich meinem Chef anvertrauen? Wem kann ich mit Geld aus der Patsche helfen? Wohin geht meine berufliche Orientierung? Wie fühle ich mich in bestimmten Personenkonstellationen? Soll ich Risiko XY eingehen oder doch lieber nicht? Werde ich ausgenutzt oder besteht ehrliches Interesse an meiner Person?


    Implizit fühlen wir Menschen immer und dauernd. Nur sind wir uns dessen oft nicht (aktiv) bewusst.


    Als Vergleich: Gerüche nehmen wir selten aktiv wahr, dabei sind Geruchseindrücke die Sinneseindrücke, die sich am intensivsten in unsere Erinnerung einprägen.


    Fazit: Gefühle sind immer und überall vorhanden. Wie sehr wir sie in unser Bewusstsein holen und sie aktiv betrachten, das ist sehr individuell ausgeprägt.


    Für mich bleibt nur der Schluss: Natürlich kann man Fühlen lernen (von Spezialfällen wie der antisozialen Persönlichkeit abgesehen). Ich kann meine Geschmacksknospen konditionieren, meine Erinnerungsleistung schärfen (siehe Brainjogging), den Tastsinn fordern (z.B. durch Achtsamkeitsübungen) usw. usw. Das Gehirn ist diesbezüglich definitiv ein Muskel, also ausbaufähig.

    @ a.fish

    Zitat

    Ja, das stört mich sehr, je nach grundsätzlicher Stimmung mache ich mich mit den Grübeleien darüber auch schon mal halb verrückt. ;-) Das hat ja auch irgendwie etwas mit Identität zu tun, wer man eigentlich so ist, finde ich jedenfalls. Wenn andere Menschen involviert sind, ist es noch "schlimmer", dann kann ich schwer auseinander halten, was meine eigenen Gefühle sind und was ich - im wahrsten Sinne des Wortes - mitfühle. Ist das bei Dir ähnlich? Wenn ja, magst Du die Gründe sagen? Das würde ich interessieren.

    Ja, ich finde das auch schwierig auseinanderzuhalten, was das eigene Gefühl ist und was das von dem anderen ist. ... Hm ich versuche mal dazu was zu erklären, aber ich weiß nicht, ob ich das vollständig hinbekomme. Ich schlage mal einen Bogen: Es gibt manchmal Menschen, die irgendwie sehr viel ausstrahlen an Bedürfnissen & Gefühlen (wenn man unmittelbar mit ihnen zu tun hat) und [irgendwas] von einem wollen. Im Kern geht es dabei nicht um materielle Dinge und es ist auch nicht direkt kommuniziert worden, was genau gefordert war, aber das lässt sich ja erspüren, weil man von dem anderen so viel mitbekommt gefühlsmäßig. Quasi so wie emotionale Appelle an die eigene Gefühlswelt. Teils auch über den Versuch einem ein schlechtes Gewissen/Schuldgefühle einzureden oder eben Drohungen etc., wenn man das nicht wollte. Und gerade als Kind fand ich das schwierig mich dem ausreichend zu entziehen emotional. ... Aber irgendwann ging das dann und ich habe das bis heute, dass ich gefühlsmäßig in manchen Situationen/bei manchen Verhaltensweisen abschalte. So im Alltag unter Menschen bin ich glaube ich auch i.d.R. eher nicht vollständig erreichbar gefühlsmäßig, aber das schwankt auch etwas. Es kommt selten vor, dass jemand diese Grunddistanz ganz/zu sehr unterschreitet und mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich mag das nicht, weil es dann eben auch so ist, dass ich quasi das Gefühl des anderen in mir spüre und riskiere, das mit meinen eigenen Gefühlen (& Bedürfnissen) zu verwechseln. Heutzutage merke ich das wenigstens eher, dass das, was ich spüre, von dem anderen kommt und bekomme das besser hin, mich zwar nicht selbst zu spüren, aber nach außen hin immerhin Grenzen zu setzen.


    Der einzige Vorteil, aber mehr für andere, ist an dieser Gefühlsvermischung oder wie man das beschreiben will nur, dass mich das relativ hilfsbereit oder nachgiebig macht in bestimmten Situationen, weil das Bedürfnis des anderen quasi zu meinem wird für einen kurzen Moment. ... Das ist manchmal harmlos, wenn es z.B. darum geht, dass jemand im Supermarkt was sucht, aber wird spätestens blöd, wenn ich mir von sehr einsam wirkenden Menschen ein Ohr abquatschen lasse und dann erschöpft bin, während es denen besser geht. Ich könnte nicht mal sagen, dass die Personen mir Leid tun, also Mitleid ist es eher nicht glaube ich. Aber wenn das Mitgefühl sein sollte und über die Spiegelneuronen laufen sollte, ist es trotzdem blöd genug. ... Das einzige Mal, wo ich das nicht bedauert habe, war bei einem Mann, der nach einem Beinaheunfall (den er verursacht hatte) irgendwie noch etwas erschreckt war und mit dem ich mich noch eine Weile unterhalten habe, bis der ruhiger war. Da ist es nicht schlecht zu spüren, was der andere braucht.


    ... Aber ich bekomme es in so einem empfänglichen Zustand dummerweise eben auch sehr deutlich mit, wenn jemand etwas haben will (= einfordert bewusst oder unbewusst).


    Dieses Phänomen, dass das Empfinden des anderen so deutlich spürbar "in mir" ist, kommt aber wie gesagt heutzutage zum Glück nur sehr selten vor. Als Kind hatte ich das relativ betrachtet häufiger als Heute und es ist irgendwie unangenehm, gerade wenn der andere versucht, einen darüber zu manipulieren. Diese Menschen intensivieren ihre Bemühungen zudem auch erst einmal, wenn sie merken, dass das nicht gleich funktioniert. Spätestens dann fängt aber auch dieses Abschalten an. Dabei wird aber alles runtergefahren an eigener und fremder Emotionalität. Das ist ein effektiver aber auch ungünstiger Zustand je nachdem und kann ich nicht wirklich beschreiben. Vielleicht so, als wären die Gefühle Geräusche und der andere ist so laut, dass man sich selbst nicht hört, sodass man dann Oropax nimmt, was zur Folge hat, dass man weder den anderen noch sich selbst hört und abgeschnitten ist von der Umwelt. Aber immerhin können die Gefühle des anderen einen dann nicht mehr manipulieren, weil man emotional praktisch nicht mehr da ist, andererseits wirke ich dabei auf den anderen wohl recht gefühlskalt/unbeteiligt und der versucht dann den Druck zu erhöhen (s. o.), was erst recht nicht dazu führt, dass ich wieder mitfühlender gegenüber dessen Bedürfnissen (hinter seinen Forderungen) werde und denen nachkommen möchte. ... Ich schätze mal das ist irgend so ein Selbstschutzsystem, das mal in der Kindheit entstanden ist. Es ist selten, dass es soweit kommt, aber das sind jedes Mal sehr unschöne Szenen/Situationen gewesen.


    Ein anderes, ähnliches Thema ist, wenn ich eigentlich weiß, was mein Gefühl ist, aber mir bestimmte Personen einzureden versuchen, dass ich doch etwas anderes fühlen würde und das ja nur nicht wahrhaben wollen würde. Das verunsichert mich schlechtestenfalls vorübergehend im direkten Kontakt mit der Person, weil ich ja nicht beweisen kann, was ich tatsächlich fühle und ob ich mich auch nicht geirrt habe dabei. Und es kommt ja wirklich vor, dass Menschen Gefühle verleugnen usw. - woher soll ich wissen, ob ich das nicht auch getan habe. %:| Es geht da aber um so Sondersituationen, teils auch überschneidend mit Situationen von oben; so im Alltag habe ich das nicht.

    Zitat

    Emotionale Situationen, in denen ich glaube, dass bestimmte Reaktionen von mir erwartet werden, sind mir auch eher unangenehm. Ich fürchte dann immer, nicht korrekt oder nicht (extrovertiert) genug zu reagieren.

    Manchmal hilft ja, sich anzuschauen, wie sich die anderen verhalten und das zu imitieren. Aber genau das kann schwierig werden. ^^ ... Hinterher endet das so wie hier: Nicht lustig - Schaf Bernhard


    So Smileys wären offline echt sehr praktisch. ;-D

    @ Schnecke1985 und @Purzelbaumraum

    sry, ich antworte euch die Tage.

    Das ist für mich ein interessantes Thema mit dem ich mich im Moment auch beschäftige, bei mir definitiv im Sinne von Lernen, Gefühle zuzulassen und nicht als Schutz wegzuschieben.


    Ich schreibe jetzt mal, was ich angesichts deines Textes von dir verstanden habe. Wenn etwas nicht so ist, korrigiere mich bitte.


    Was mir bei dir auffällt ist, dass du im Kontakt mit anderen nicht genau differenzieren kannst, 1.was sind deine tatsächlichen Gefühle, 2.was "solltest" (aufgrund gesellschaftlicher Normen) du empfinden und wie dich verhalten,3. was empfindet der andere und4. was lösen die Empfindungen des anderen bei dir auch.


    zu 2. was du empfinden solltest, ist eigentlich ziemlich irrelevant. Entweder du empfindest tatsächlich so, oder eben anders. Wichtig ist aber eher, was du empfindest.


    Dann gibt es wohl noch ein, wie man sich verhalten sollte, dem du dich scheinbar nicht entziehen kannst. Was andere von dir als Reaktion erwarten, scheint wichtig für dich zu sein.


    Du bist in einer Situation. Jemand anderes erwartet ein Verhalten von dir. Die gesellschaftlichen Normen erwarten etwas von dir. Du fühlst etwas, du hast das Bedürfnis nach etwas und das kann entweder mit den Erwartungen übereinstimmen oder nicht. Wenn du diese Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen kannst - was für dich in solchen Situationen schwierig scheint.


    Du scheinst die Gefühle anderer wahrnehmen zu können, das ist prinzipiell gut, es scheint aber auch so, als stellst du sie über deine eigenen Gefühle und wirst dann davon überrollt, nimmst die fremden Gefühle als deine an und schiebst deine zur Seite, weil die anderen wichtiger sind. Warum? Aus Angst, nicht den Erwartungen zu entsprechen, anders zu reagieren als man von dir erwartet?


    Nimm deine Gefühle ernst. Sie sind wichtig. Die des anderen sind nicht wichtiger. Die sozialen Normen sind auch nicht wichtiger. Wenn du dich anders verhältst als man von dir erwartet, was passiert schlimmstenfalls? Vielleicht denken sich die anderen: Der ist heute ja komisch drauf - mehr vielleicht nicht. Aber: das, was dich da von den anderen differenziert, macht dich aus! Das ist deine Persönlichkeit. Das ist das, was dich im Endeffekt zu dir macht. Das verdrehst bzw. zeigst du ja auch gar nicht, wenn du anders handelst, als du empfindest - weil man es von dir erwartet. Du zeigst dich dann nicht und die Leute haben dann gar keine Chance dich so zu mögen wie du bist, weil sie dich gar nicht so kennen.


    Es ist durchaus möglich, in einer Situation festzustellen, ich empfinde so, du empfindest anders, und ich "sollte" - wenn du die 3 Sachen wahrgenommen hast, dann hast du die Möglichkeit zu entscheiden, ob du das tun willst, was der andere von dir verlangt oder die gesellschaftlichen Normen. Aber du hast auch die Möglichkeit zu sagen: Nein, das würde mir nicht gut tun, mein Gefühl ist anders und ich mache jetzt etwas anderes. Ich kann dir heute nicht 2 Stunden bei deinen Problemen zuhören, damit würde ich mir selbst was schlechtes tun. Zum Beispiel. Wichtig ist aber, dass du in dem Moment wahrnimmst, was mit dir los ist und das ernst nimmst. Du scheinst das ernster zu nehmen, was andere von dir erwarten.


    zu 4. Was lösen die Gefühle anderer in dir aus:


    Andere können ja auch tatsächliche Gefühle in dir auslösen. Das sind dann aber auch deine Gefühle und nicht die Gefühle des anderen. Es ist ein Unterschied zwischen: Ich weiß/spüre was er fühlt und das was ich von ihm erspüre, löst ein neues Gefühl in mir aus. Mitgefühl, ist ein tatsächliches Gefühl von dir. Es ist nicht das Gefühl des anderen - wenn du dein Gefühl hier durchkommen lässt und nicht das wissen, dass der andere jetzt z.B. traurig ist und dich das auch traurig machen sollte, dazu führt, dass du jetzt geschauspielert traurig bist und währenddessen dein Gefühl verdrängst.


    Nimm deine Gefühle ernst. Nimm ruhig auch wahr, was die anderen fühlen, aber vergiss deine Gefühle nicht. Dann hast du die Möglichkeit zu entscheiden, ob es für dich okay ist, bewusst so zu handeln wie die anderen das von dir wollen - mit dem wissen, dass die anderen das wollten dein gefühl aber anders war- oder ob es für dich in der situation nicht okay ist und du lieber dein bedürfnis an dieser stelle befriedigst.

    @ topic

    Das Thema kann auch ruhig allgemein bzw. nicht nur auf mich bezogen weiter besprochen werden. Z.B. wenn jemand da eigene Erfahrungen gemacht hat - wie das einige bereits getan haben. Das wollte ich nur mal ausdrücklich klarstellen.

    @ Purzelbaumraum

    Zitat

    allerdings hätte ich gerne weniger von diesen Gefühlen. Bei mir schießen die manchmal wie Unkraut hoch und ich hab Mühe diesen Haufen zu ordnen - so etwas läßt sich dann auch ganz schwer ausdrücken .

    Sind das ambivalente Gefühle oder einfach viele in kurzer Zeit? ... Stelle ich mir anstrengend vor.

    Zitat

    Mir wäre es anders viel lieber und ich denke ,es würde das Leben vereinfachen

    Hättest du generell lieber weniger Gefühle "aufeinmal" (Stichwort Gefühlshaufen) oder meinst du das auch bezogen auf die Stärke, mit der du die jeweils empfindest?


    Interessant wäre, ob sich bei dir etwas ändert, wenn du praktisch das Gegenteil davon machst, was man sonst Menschen rät zu tun, um ihre Gefühle besser (oder überhaupt) wahrzunehmen. Aber keine Ahnung ob man das empfehlen sollte und das gesund ist. Und auch, ob man sich das nachträglich aneignen kann.

    @ schnecke1985

    Zitat

    Mein Eindruck ist also, dass diese Gefühlsverflachung nur dann diagnostisch relevant wird, wenn sie eh schon laienmäßig deutlich erkennbar ist. Will heißen: Nach meinem Empfinden ist diese eingeschränkte Gefühls-Spannbreite nichts, was vorschnell in Betracht gezogen wird, sondern erst dann, wenn es schon richtig deutlich vom Mainstream abweicht.

    Danke, das finde ich sehr interessant und auch beruhigend zu wissen, dass es erst dann als Gefühlsverflachung angesehen ist.


    Dass Menschen über eigentlich traurige Themen lachend berichten, habe ich schon mal gehört. Das hätte ich für mich nicht mal als Gefühlsverflachung eingeordnet, sondern als Gefühlsabwehr. Also eigentlich ist da sehr wohl das Gefühl von Traurigkeit, das damit abgewehrt wird. Aber ich weiß ja auch nicht, wie extrem das bei dir war und wenn du selbst gar nichts mehr von einem traurigen Gefühl dahinter gemerkt hast bzw. nichts in die Richtung gefühlt hast bzgl. der Themen, klingt es für mich einleuchtend, das als Gefühlsverflachung zu sehen.


    Zumal wenn dich Gefühle gar nicht mehr erreichen, die sich eigentlich normalerweise einstellen würden in Situation x:

    Zitat

    Im Zuge meiner schlimmsten Depression wurde ich auch suizidal. Weil einfach die Koppelung von Handlung (z.B. an einem schönen Sommertag draussen sitzen, mit meinen Nichten / Neffen spielen) und der emotionalen Reaktion (Freude, Wohlgefühl, Entspannung) nicht mehr funktioniert hat.


    [...] Die Depression führte zur Sinnes- und Gefühlsdeprivation. Sinnesdeprivation ist eine der "erfolgreichsten" Foltermethoden, zur Verdeutlichung, was da eigentlich mit dem betroffenen Menschen passiert.

    Kein Wunder, dass man in so einem Zustand seine Motivation zu leben verliert/verlieren kann.



    Zitat

    Fazit: Gefühle sind immer und überall vorhanden. Wie sehr wir sie in unser Bewusstsein holen und sie aktiv betrachten, das ist sehr individuell ausgeprägt.

    Können die sich eigentlich auch selbst regulieren ohne dass die so vor sich hinvegetieren (oder wie bei Purzelbaumraum wie Unkraut hochschießen) oder muss man die "pflegen"? Mit Pflegen meine ich, dass man wie beim Brainjogging jeden Tag da seine x-Übungseinheiten macht oder reicht es, generell offener für seine Gefühle zu sein (z.B. wie ye-ye sagt, dass man sie ernst nimmt)?


    Ich glaube sowas wie Übungseinheiten dazu könnte ich tatsächlich nicht ernst nehmen. Das ist ähnlich wie diese "tollen" Meditationsübungen, wo man mit einer betont entspannten Stimme zugesäuselt wird, dass man in sein rechtes Bein spüren soll und das Bein schwer wird (was es nicht tut, warum sollte es das auch? ":/ ). Das Ganze untermalt mit Entspannungsmusik, die alles andere als entspannend ist.

    @ ye-ye

    Zitat

    Was mir bei dir auffällt ist, dass du im Kontakt mit anderen nicht genau differenzieren kannst, 1.was sind deine tatsächlichen Gefühle, 2.was "solltest" (aufgrund gesellschaftlicher Normen) du empfinden und wie dich verhalten,3. was empfindet der andere und4. was lösen die Empfindungen des anderen bei dir auch.

    Vielen Dank, das fasst es gut strukturiert zusammen. Das hätte ich so nicht hinbekommen, bei mir verschimmt das nämlich zu so einem Gesamtgemisch, wenn ich drüber nachdenke.

    Zitat

    Wenn du diese Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen kannst - was für dich in solchen Situationen schwierig scheint.

    Ja, das finde ich generell am schwierigsten an diesen Situationen.

    Zitat

    Du scheinst die Gefühle anderer wahrnehmen zu können, das ist prinzipiell gut, es scheint aber auch so, als stellst du sie über deine eigenen Gefühle und wirst dann davon überrollt, nimmst die fremden Gefühle als deine an und schiebst deine zur Seite, weil die anderen wichtiger sind. Warum? Aus Angst, nicht den Erwartungen zu entsprechen, anders zu reagieren als man von dir erwartet?

    Warum weiß ich nicht. Ich denke ein Grund dafür ist schlicht Konfliktvermeidung - mit dem Gegenüber, aber auch mit Dritten, die sich dann einmischen (und z.B. auch der Ansicht sind, dass ich das doch für den anderen tun könnte anstatt mich so komisch anzustellen). Es hat sicher auch mit mangelnder Selbstsicherheit dabei zu tun (z.B., ob ich mich nicht tatsächlich komisch anstelle; ich verstehe mich dann selbst nicht). Ansonsten mehr so innerfamiliär, dass ich es mir mit meinen Eltern nicht verscherzen möchte, aber auch um die zu entlasten. ... Was die allgemeine Norm(erwartung) ist, ist wichtig, um nichts falsch zu machen & sich anzupassen und einschätzen zu können, wie der andere reagiert und inwiefern sich Dritte einmischen.


    Und auch wenn ich das heutzutage seltener mache, die Gefühle/Bedürfnisse des anderen über meine zu stellen, ist der Impuls zumindest öfter da im ersten Moment in solchen Situationen. Aber ich weiß heutzutage mehr was ich will - auch wenn ich das in solchen Situationen dann mehr über den Verstand abrufe. Wirklich blöd sind Situationen/Fragen, bei denen ich mir mein Bedürfnis/Gefühl (oder eher was ich selbst möchte) nicht aus Erfahrung ableiten kann, sondern das ad hoc entscheiden müsste (und dafür wissen müsste, was ich dazu fühle). Da besteht - wie du es auch dargestellt hast vom Ablauf her - die größte Wahrscheinlichkeit, mich dann an dem Gefühl/Bedürfnis des anderen sowie allg. Normerwartungen zu orientieren.

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    Nimm deine Gefühle ernst. Sie sind wichtig. Die des anderen sind nicht wichtiger. Die sozialen Normen sind auch nicht wichtiger. Wenn du dich anders verhältst als man von dir erwartet, was passiert schlimmstenfalls? Vielleicht denken sich die anderen: Der ist heute ja komisch drauf - mehr vielleicht nicht.

    Na wenn sie nur das denken würden, wäre es echt egal. Aber vom Gedanken "der ist ja komisch drauf" landet schlechtestenfalls einer bei der Frage "Was stimmt mit dem nicht?" oder nimmt das sehr persönlich/fühlt sich gekränkt. Zumindest aus meiner Familie kenne ich das so, dass sowas schnell so Grundsatz"diskussionen" gibt. Aber auch so außerhalb, wüßte ich nicht, dass es gerne gesehen wird, wenn sich einer nicht so wie die anderen verhält. Das wird sehr oft als gegen die anderen/die Gruppe gerichtet erlebt von den anderen und führt schlechtestenfalls zur Ausgrenzung und negativen Gerüchten/Unterstellungen bzgl. der anderen Person.

    Zitat

    Das verdrehst bzw. zeigst du ja auch gar nicht, wenn du anders handelst, als du empfindest - weil man es von dir erwartet. Du zeigst dich dann nicht und die Leute haben dann gar keine Chance dich so zu mögen wie du bist, weil sie dich gar nicht so kennen.

    Das macht nichts; mich interessiert mehr, ob ich meine Ruhe habe. Da ist es umso besser, wenn ich eine funktionale, unauffällige Maske habe oder wie man das nennen will. Ich möchte zu den meisten Mitmenschen keinen derart persönlichen Kontakt und Gefühle sind eher Privatssache. In Freundschaften ist das was anderes. Da kommt es aber irgendwie gar nicht zu solchen Konfliktsituationen und der andere ist seinerseits rücksichtsvoll und es ist kein Problem zu sagen, dass man auf dieses oder jenes keinen Bock hat (mal so als Beispiel).

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    Es ist durchaus möglich, in einer Situation festzustellen, ich empfinde so, du empfindest anders, und ich "sollte" - wenn du die 3 Sachen wahrgenommen hast, dann hast du die Möglichkeit zu entscheiden, ob du das tun willst, was der andere von dir verlangt oder die gesellschaftlichen Normen. Aber du hast auch die Möglichkeit zu sagen: Nein, das würde mir nicht gut tun, mein Gefühl ist anders und ich mache jetzt etwas anderes. Ich kann dir heute nicht 2 Stunden bei deinen Problemen zuhören, damit würde ich mir selbst was schlechtes tun. Zum Beispiel. Wichtig ist aber, dass du in dem Moment wahrnimmst, was mit dir los ist und das ernst nimmst. Du scheinst das ernster zu nehmen, was andere von dir erwarten.

    Hm so eindeutig, dass mir etwas nicht gut tut wie in dem Beispiel mit dem "2 Stunden Probleme des anderen anhören" ist es leider meistens nicht. Ich finde am schwierigsten sind die Situationen, in denen es auch gut in meinem Interesse sein könnte, etwas zu tun, von dem auch der andere profitiert. Und wenn dann auch noch generelle Normen dafür sprechen (z.B. jeder Mensch sollte soziale Kontakte pflegen) weiß ich nicht, ob es wirklich richtig ist, nur wegen eines diffusen Unlustgefühls Zuhause zu bleiben. Auch wenn es mir nicht unmittelbar schadet und sich auch nicht unangenehm anfühlt. (Aber Hingehen wäre nur am Anfang unangenehm und könnte sich ja auch anders entwickeln ":/ ).


    Aber ich finde dein Beispiel mit dem Nein gut für Situationen, in denen ich definitiv nicht will.

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    zu 4. Was lösen die Gefühle anderer in dir aus:


    Andere können ja auch tatsächliche Gefühle in dir auslösen. Das sind dann aber auch deine Gefühle und nicht die Gefühle des anderen. Es ist ein Unterschied zwischen: Ich weiß/spüre was er fühlt und das was ich von ihm erspüre, löst ein neues Gefühl in mir aus.

    Danke für die Differenzierung, das war mir nicht klar.

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    Mitgefühl, ist ein tatsächliches Gefühl von dir. Es ist nicht das Gefühl des anderen - wenn du dein Gefühl hier durchkommen lässt und nicht das wissen, dass der andere jetzt z.B. traurig ist und dich das auch traurig machen sollte, dazu führt, dass du jetzt geschauspielert traurig bist und währenddessen dein Gefühl verdrängst.

    Hm eigentlich ist es häufiger Letzteres, also dass ich eben weiß, was das erwartete Gefühl/die erwartete emotionale Reaktion ist, die ich dann zeige. So wie man z.B. rein gedanklich mitfühlend sein kann, aber oft auch rein deshalb so, weil es die angemessene Reaktion ist, die man zu zeigen hat. ... Wirklich spürbares/gefühltes Mitgefühl kann aber auch vorkommen. Das ist seltener und finde ich seltsam. Aber das kann ich nicht erklären.

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    Nimm deine Gefühle ernst. Nimm ruhig auch wahr, was die anderen fühlen, aber vergiss deine Gefühle nicht. Dann hast du die Möglichkeit zu entscheiden, ob es für dich okay ist, bewusst so zu handeln wie die anderen das von dir wollen - mit dem wissen, dass die anderen das wollten dein gefühl aber anders war- oder ob es für dich in der situation nicht okay ist und du lieber dein bedürfnis an dieser stelle befriedigst.

    Danke für den Tipp. Das sollte ich wohl wirklich mehr berücksichtigen bei Entscheidungen. Aber dafür ist es auch wichtig, zu lernen seine Gefühle & Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Und evtl. auch, die stärker zu empfinden, weil sie dann automatisch einen wichtigen Stellenwert bekommen und z.B. als Gegengewicht zu den Gefühlen/Bedürfnissen des anderen taugen.

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    Das verdrehst bzw. zeigst du ja auch gar nicht, wenn du anders handelst, als du empfindest - weil man es von dir erwartet. Du zeigst dich dann nicht und die Leute haben dann gar keine Chance dich so zu mögen wie du bist, weil sie dich gar nicht so kennen.

    Das macht nichts; mich interessiert mehr, ob ich meine Ruhe habe. Da ist es umso besser, wenn ich eine funktionale, unauffällige Maske habe oder wie man das nennen will. Ich möchte zu den meisten Mitmenschen keinen derart persönlichen Kontakt und Gefühle sind eher Privatssache. In Freundschaften ist das was anderes. Da kommt es aber irgendwie gar nicht zu solchen Konfliktsituationen und der andere ist seinerseits rücksichtsvoll und es ist kein Problem zu sagen, dass man auf dieses oder jenes keinen Bock hat (mal so als Beispiel).

    Ja gut, allen seinen Mitmenschen muss man seine Gefühle auch nicht aufhalsen, da hast du recht. Ich hatte deine Konfliktsituationen aber eher im engeren Kontakt gesehen, weil mir jetzt gar nicht groß was einfallen würde, wo mir nicht nahestehende Personen ernsthaft was von mir wollen bzw. wo ich mich unangemessen verhalten könnte. Und gerade bei flüchtigen Kontakten wäre es mir ziemlich egal was sie denken. Für die verbiege ich mich doch nicht. Das war aber auch glaub ich ein langer Lernprozess.


    Ich sehe es halt so, dass wenn ich mich auch Menschen gegenüber, die ich (noch) nicht so gut kenne authentisch verhalte, ist das 1. nicht so anstrengend, weil ich nicht drüber nachdenken muss, wie ich mich verhalten sollte und 2. sortiert es die Menschen auf in solche die zu mir passen, und solche die nicht zu mir passen. Da finden dann die als Freunde zu mir, zu denen mein Verhalten passt und bei denen ich mich so verhalten kann wie ich bin - die anderen halten dann von selber Abstand ]:D und selbst beruflich...wenn ich mich in einem Vorstellungsgespräch so zeige wie ich bin, mit dem was ich kann und nicht kann - dann finde ich wahrscheinlicher die Firma und Position die zu mir passt und wo ich mich wohl fühle.


    Ich hatte vielleicht das Glück, in einem Berufszweig geraten zu sein, wo die Menschen eher gerne sie selber sind und sich auch dementsprechend verhalten. Am Anfang an der Fakultät in der Hochschule fand ich das eher komisch und hätte mich das nie getraut - bis ich die Leute kennengelernt habe und erkannt habe, dass all diese Eigenheiten genau das sind, was die Leute liebenswert macht. x:)


    Ich habe allerdings auch nie erfahren, dass daraus tatsächlich Konflikte resultieren. Das kommt bestimmt auch auf das Umfeld an. Wenn das Umfeld nicht tolerant ist, besteht natürlich die Gefahr, dass es da zu Unruhen kommt :)_

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    Hm so eindeutig, dass mir etwas nicht gut tut wie in dem Beispiel mit dem "2 Stunden Probleme des anderen anhören" ist es leider meistens nicht. Ich finde am schwierigsten sind die Situationen, in denen es auch gut in meinem Interesse sein könnte, etwas zu tun, von dem auch der andere profitiert. Und wenn dann auch noch generelle Normen dafür sprechen (z.B. jeder Mensch sollte soziale Kontakte pflegen) weiß ich nicht, ob es wirklich richtig ist, nur wegen eines diffusen Unlustgefühls Zuhause zu bleiben. Auch wenn es mir nicht unmittelbar schadet und sich auch nicht unangenehm anfühlt. (Aber Hingehen wäre nur am Anfang unangenehm und könnte sich ja auch anders entwickeln ":/ ).

    Ja das mit dem Weggehen ist manchmal Überwindungssache und dann wird es oft doch gut. Vielleicht hilft es da aber auch, diesem diffusen Gefühl mal zuzuhören woher es kommt. Bei mir kommt es beispielsweise öfter daher, dass ich eigentlich etwas anderes tun möchte, allein, für mich. Etwas, was wichtig für mein Wohlbefinden ist. Und die Zeit würde mir dann fehlen. In solch einem Fall bleibe ich dann mittlerweile auch zuhause und gebe mir das, was ich brauche.


    Wenns allerdings ein tatsächliches: Da muss ich mich ja anziehen und raus ins kalte gehen etc. ist - dann ist das vllt ein Fall wo ich einfach über meinen Schatten springen sollte.


    Aber wichtige Bedürfnisse ignorieren, das geht für mich nicht mehr.

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    Hm eigentlich ist es häufiger Letzteres, also dass ich eben weiß, was das erwartete Gefühl/die erwartete emotionale Reaktion ist, die ich dann zeige. So wie man z.B. rein gedanklich mitfühlend sein kann, aber oft auch rein deshalb so, weil es die angemessene Reaktion ist, die man zu zeigen hat. ... Wirklich spürbares/gefühltes Mitgefühl kann aber auch vorkommen. Das ist seltener und finde ich seltsam. Aber das kann ich nicht erklären.

    ;-D Ich kann mich an eine Situation erinnern in meiner Jugend, wo eine Freundin von mir angefangen hat zu heulen. Die anderen Mädels sind hingerannt, haben sie in den Arm genommen, gefragt was los ist, sie getröstet. Und haben entweder mitgefühlt - oder sie wussten halt wie man darauf angemessen reagiert. Und ich stand da: Hilfe hilfe was soll ich nur tun, wie schaltet man das ab?!


    Ich habe nicht gespürt, was sie braucht, ich habe nicht gespürt wies ihr geht. Und sie einfach in den Arm nehmen war für mich undenkbar. Die einzigen Umarmungen die es für mich zu der Zeit gab, waren die zur Begrüßung - weil man das halt so macht, weil das alle machen. Gefühlt habe ich diese Umarmungen nicht. Das ist mittlerweile zum Glück anders :)^


    Verstehe ich das richtig, dass du es seltsam findest, wenn du Mitgefühl tatsächlich spürst?

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    Aber dafür ist es auch wichtig, zu lernen seine Gefühle & Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Und evtl. auch, die stärker zu empfinden, weil sie dann automatisch einen wichtigen Stellenwert bekommen und z.B. als Gegengewicht zu den Gefühlen/Bedürfnissen des anderen taugen.

    Ich denke, dass es da tatsächlich helfen kann wenn man beschließt/anerkannt, dass seine Gefühle&Bedürfnisse wichtig sind, dass man ihnen den Raum gibt da zu sein und ihnen aber auch den Stellenwert gibt! Also nicht ständig über sie hinweg geht.

    @ ye-ye

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    Ich sehe es halt so, dass wenn ich mich auch Menschen gegenüber, die ich (noch) nicht so gut kenne authentisch verhalte, ist das 1. nicht so anstrengend, weil ich nicht drüber nachdenken muss, wie ich mich verhalten sollte und 2. sortiert es die Menschen auf in solche die zu mir passen, und solche die nicht zu mir passen. Da finden dann die als Freunde zu mir, zu denen mein Verhalten passt und bei denen ich mich so verhalten kann wie ich bin - die anderen halten dann von selber Abstand ]:D

    Okay, aber wäre ich 100%ig authentisch, egal ob privat oder beruflich, wäre "launisch" noch die netteste Einordnung für mein Gesamtverhalten.


    Ich mag Kontakt zu (manchen) Mitmenschen und habe auch nichts gegen small talk an manchen Tagen, das kann auch ganz nett sein, aber bei mir schwankt das sehr stark je nach Tageslaune. Authentisch wäre insofern schlechtestenfalls, an einem Tag mit einem Freund Stunden zu plaudern und den am nächsten Tag völlig zu ignorieren, würde er mir da über den Weg laufen. Dass das nichts mit ihm zu tun hat, sondern an anderen Faktoren liegt wie z.B. Müdigkeit/soziale Interaktions-Müdigkeit und einfach gerade nicht angesprochen werden wollen, kann ich evtl. in einer guten, langjährigen Freundschaft noch erklären, aber jeder andere würde mir da völlig nachvollziehbar 'nen Vogel zeigen und sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Deshalb spiele ich da eben meine Rolle und unterhalte mich an dem anderen Tag dann auch mit der Person. Und falls ein Arbeitskollege dazu kommen würde, dann eben auch noch mit dem usw.. Das ist so ein Zustand, in dem cih eben versuche, mich wie ein normaler Mensch zu verhalten und nicht wie der letzte Autist oder sonstwie verstört/gestört. Das meine ich mit funktionaler Maske. Und dieses Muster habe ich eben auch bei Fremden, die mich soweit ihrerseits freundlich ansprechen. Da würde ich das nicht über mich bringen der Person zu sagen: "Sorry, ich möchte mich gerade nicht unterhalten." Ironischerweise bin ich da zu benebelt, um Nein zu sagen und stehe da eh so neben mir. Hinterher verstehe ich das auch nicht. Wenn ich fit bin, fällt mir das dagegen leicht bei Fremden. So ansonsten bin ich schon authentisch und sage, was ich denke.

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    Ich hatte vielleicht das Glück, in einem Berufszweig geraten zu sein, wo die Menschen eher gerne sie selber sind und sich auch dementsprechend verhalten. Am Anfang an der Fakultät in der Hochschule fand ich das eher komisch und hätte mich das nie getraut - bis ich die Leute kennengelernt habe und erkannt habe, dass all diese Eigenheiten genau das sind, was die Leute liebenswert macht. x:)


    Ich habe allerdings auch nie erfahren, dass daraus tatsächlich Konflikte resultieren. Das kommt bestimmt auch auf das Umfeld an. Wenn das Umfeld nicht tolerant ist, besteht natürlich die Gefahr, dass es da zu Unruhen kommt :)_

    Na ja, das berufliche Umfeld ist bei mir eher sehr konservativ. Das fängt beim äußeren Erscheinungsbild an. Und die Konkurrenz untereinander ist auch groß, wobei das gerne kaschiert wird vordergründig. Das ist auch ein bisschen ein Grund, warum ich mein Privatleben von dem Berufsleben trenne und auch mit denen, die soweit einigermaßen ok sind, kein allzu nahes persönlich-privates Verhältnis aufbauen möchte. Aber ich möchte mit denen auch keinen Stress haben und gar nicht so in dieses Zwischenmenschliche reingezogen werden (aber auch nicht unhöflich sein müssen). ... Das ist ein bisschen wie zwei Welten. Keine Ahnung, wie das langfristig wird. Das hängt auch davon ab, wo man letztlich landet. Da kann das Umfeld nochmal ganz anders sein.


    So privat habe ich ein, zwei Freundschaften, die auch authentisch sind. Eigentlich ist es eher eine Freundschaft momentan, ich glaube die Zweite hat sich etwas zerlaufen. ... und die erste vernachlässige ich gerade. Das hat auch damit zu tun, dass mir derzeit nicht nach "Kontaktpflege" ist. Ist eigentlich auch unfair dem anderen gegenüber und ich habe ein schlechtes Gewissen deshalb; der ist eh schon generell sehr geduldig diesbzgl..

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    Ja das mit dem Weggehen ist manchmal Überwindungssache und dann wird es oft doch gut. Vielleicht hilft es da aber auch, diesem diffusen Gefühl mal zuzuhören woher es kommt. Bei mir kommt es beispielsweise öfter daher, dass ich eigentlich etwas anderes tun möchte, allein, für mich. Etwas, was wichtig für mein Wohlbefinden ist. Und die Zeit würde mir dann fehlen. In solch einem Fall bleibe ich dann mittlerweile auch zuhause und gebe mir das, was ich brauche.

    Ja, aber ich brauche glaube ich generell viel zu viel Zeit "für mich selbst" und habe generell zu wenig Elan, wenigstens bestehende Kontakte zu pflegen, und ziehe mich zu viel zurück. Wenn ich nicht gerade zur Arbeit muss, könnte ich problemlos über Wochen in meiner eigenen Welt versinken. ... Das bereuen oder den anderen vermissen tue ich irgendwann nach Monaten bis Jahren des Nichtkontaktes. Aber dann ist es in den meisten normalen Beziehungen auch zu spät. Auf der anderen Seite ist es auch egal, weil cih gerne alleine bin und das brauche. Da fehlt irgendwie der richtige Leidensdruck, um mich zu mehr sozialem Engagement zu motivieren. ... Ich würde da lieber normal funktionieren und gesellschaftsfähiger sein - so wie andere eben auch.

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    Wenns allerdings ein tatsächliches: Da muss ich mich ja anziehen und raus ins kalte gehen etc. ist - dann ist das vllt ein Fall wo ich einfach über meinen Schatten springen sollte.


    Aber wichtige Bedürfnisse ignorieren, das geht für mich nicht mehr.

    Das Schwierige ist das voneinander zu unterscheiden. :=o ... Und normal zu sein/zu funktionieren, ist glaube ich ein wichtiges Bedürfnis, das ich habe.

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    ;-D Ich kann mich an eine Situation erinnern in meiner Jugend, wo eine Freundin von mir angefangen hat zu heulen. Die anderen Mädels sind hingerannt, haben sie in den Arm genommen, gefragt was los ist, sie getröstet. Und haben entweder mitgefühlt - oder sie wussten halt wie man darauf angemessen reagiert. Und ich stand da: Hilfe hilfe was soll ich nur tun, wie schaltet man das ab?!

    ;-D ... Toll ist auch, wenn man denkt, dem anderen wäre das mit dem Heulen peinlich und dann taktvoll sein möchte und die Person solange ignoriert, damit sie ihr Gesicht wahren kann. ... Boah nee, das mit dem sozialadäquaten Trösten musste ich auch erst lernen.

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    Ich habe nicht gespürt, was sie braucht, ich habe nicht gespürt wies ihr geht. Und sie einfach in den Arm nehmen war für mich undenkbar. Die einzigen Umarmungen die es für mich zu der Zeit gab, waren die zur Begrüßung - weil man das halt so macht, weil das alle machen. Gefühlt habe ich diese Umarmungen nicht. Das ist mittlerweile zum Glück anders :)^

    Na ja es will auch nicht jeder umarmt werden dann und ich hätte da auch eine innere Sperre gehabt das zu tun. Erst recht, wenn die Person nicht mit mir verwandt ist. ... Aber wenn dir Umarmungen mittlerweile gefallen und du sie nicht nur routiniert abspulst, passt es ja.

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    Verstehe ich das richtig, dass du es seltsam findest, wenn du Mitgefühl tatsächlich spürst?

    Ja, für mich ist das wirklich irgendwie seltsam. Evtl. liegt es daran, dass ich normalerweise keine sonderliche emotionale Verbindung zu anderen fühle. Zumindest denke ich sonst eher, was ich fühle ... oder vielleicht auch fühlen sollte. ... und das so direkt zu fühlen ist zu nah. Also der andere ist dann so komisch nah; und das ist unkontrolliert.

    _Zuschauer_

    Zitat

    Hättest du generell lieber weniger Gefühle "aufeinmal" (Stichwort Gefühlshaufen) oder meinst du das auch bezogen auf die Stärke, mit der du die jeweils empfindest?

    Eigentlich beides - die Intensivität aber auch dieses ständige Wahrnehmen und Aufnehmen von Stimmungen.


    Mir wird es manchmal zuviel.

    Zitat

    Interessant wäre, ob sich bei dir etwas ändert, wenn du praktisch das Gegenteil davon machst, was man sonst Menschen rät zu tun, um ihre Gefühle besser (oder überhaupt) wahrzunehmen. Aber keine Ahnung ob man das empfehlen sollte und das gesund ist. Und auch, ob man sich das nachträglich aneignen kann.

    ;-D Mir wurde schon als Kind gesagt, dass ich für diese Welt härter werden muß, bzw. dass das Leben einen Menschen abhärtet.


    Bei mir war das nicht der Fall und ich wurde nicht verschont von der Dame Schicksal ;-)


    Ich denke , dass es eine Mischung von Genen, von Erziehung ( wie lernt ein Kind sich zu schützen, abzugrenzen) und dem Erlebten ist .

    Zitat
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    Wenns allerdings ein tatsächliches: Da muss ich mich ja anziehen und raus ins kalte gehen etc. ist - dann ist das vllt ein Fall wo ich einfach über meinen Schatten springen sollte.


    Aber wichtige Bedürfnisse ignorieren, das geht für mich nicht mehr.

    Das Schwierige ist das voneinander zu unterscheiden. :=o ... Und normal zu sein/zu funktionieren, ist glaube ich ein wichtiges Bedürfnis, das ich habe.

    Ist das wirklich ein Bedürfnis, welches von dir kommt oder eher so ein von außen aufgedrücktes bzw. anerzogenes "Dasgehörtsichso " ? Mir kommt es bekannt vor ;-D

    Zitat

    Zumindest denke ich sonst eher, was ich fühle ... oder vielleicht auch fühlen sollte. ... und das so direkt zu fühlen ist zu nah. Also der andere ist dann so komisch nah; und das ist unkontrolliert.

    Schutzmauer ?


    Ich denke , es geht nicht so sehr um die Quantität von Fühlen , sondern wie unterschiedlich wir damit umgehen.


    Kann man Gefühle normen? Das Umgehen damit ist manchmal doof , finde ich - Unterdrücken ist auch keine dauerhafte Lösung . Verstand und Gefühl unter einen Hut bringen, finde ich auch oft unmöglich ;-D - pah-vielleicht- einfach doch weniger denken und das was da hochkommt zulassen , annehmen?