Lohnt es sich zu leben?

    Hallo, ich bin neu hier.


    Ich bin seit Jahren aufgrund verschiedener Gründe mal mehr, mal weniger suizidgefährdet. Heute würde ich mal sagen ist es mehr, kann morgen wieder anders sein. Ich bin da durchaus impulsgesteuert ...


    Es gibt viele, vor allem körperliche Gründe, warum in meinem Leben vieles nicht so lief, wie es hätte sollen. Ich wollte immer normal sein, war es aber nie und werde es nie sein. Das belastet mich schon täglich. Und mir fehlt vielleicht auch die Fähigkeit adäquat damit umzugehen.


    Im Grunde liegt mir nicht viel am Leben. Dennoch suche ich, auch durchaus oder vielleicht gerade auch auf philosophischen Wege, für mich eine lebenswerte Erkenntnis zu gewinnen. Gefunden habe ich sie, wenn dann, nur partiell - nichts, was mich vollendends überzeugen würde.


    Um es vorweg zu nehmen: Ich suche ähnliche, überzeugende Gedanken. Gut gemeinte Pauschaltipps bekommt man an jeder Ecke. Aber vielleicht sind hier Menschen, die sich über das Leben ebenso Gedanken machen und was es ihnen Wert ist - was der tägliche Kampf Wert ist. Ob er es Wert ist.

    Danke fürs Zuhören.

  • 73 Antworten

    Spontan fiel mir ein, dass das Leben irgendwann sowieso zu Ende ist. Das ist Fakt. Dann kann man es auch "mitnehmen", als Film betrachten, als Spiel, das man mitspielt. Klingt komisch. Ich habe sehr oft Gedanken, die sich um den Sinn des Lebens drehen. Warum es überhaupt Sinn macht, auch, wenn ich nicht suizidgefährdet oder gar depressiv bin. Ich denke nur, dass ich es nicht so gut schaffe wie gefühlt 90% der Menschen, die "Normalen", all die Gedanken, die sie abstellen, erfolgreich zu verdrängen. Das heißt, die , die normal sind, setzen sich mit sowas nicht auseinander. Sie leben einfach.

    So sehe ich das, als Art Spiel, das man mitspielt und dann kann man versuchen, dabei eine ganz gute Zeit zu verbringen. Ist halt so einfach gesagt, weil es Dinge gibt, die einen daran hindern. Wenn man gar nicht mehr drauf klarkommt, kann man immer noch Ende machen (so doof das klingt) ,oder das passiert irgendwann ja eh.


    Auch die körperlichen Defizite sind mir bekannt, es ist nicht einfach. Daher: Erleben, fühlen, und manchmal auch die Welt von außen betrachten, wie seltsam das alles ist. Wie seltsam die Menschen sind, die Welt. Ich beschäftige mich auch gerne mit unerklärlichen Dingen, (Achtung, Aluhut aufsetzen, nein spaß ;) ) , wo man einfach merkt, wie viel unsere Welt an Geheimnissen birgt, die vor der allgemeinen gesellschaft verheimlicht wird. Das ist interessant. Ich denke, aus einer philosophischen Betrachtungsweise kann man sehr viel ziehen.

    Zitat

    Dennoch suche ich, auch durchaus oder vielleicht gerade auch auf philosophischen Wege, für mich eine lebenswerte Erkenntnis zu gewinnen. Gefunden habe ich sie, wenn dann, nur partiell - nichts, was mich vollendends überzeugen würde.

    Ich glaube, da gibt es kein Patentrezept. Manche Menschen ziehen ja z.B. Stärke aus dem Glauben. Das ist nicht einmal philosophisch, sondern basiert auf dem Prinzip der Hoffnung. Bei mir war es umgekehrt - ich habe mit dem Glauben immer gehadert, es war nicht überzeugend für mich, und ich konnte daraus nichts ziehen, außer Verunsicherung. Heute bin ich ein entspannter Agnostiker und habe schon lange meinen Frieden damit geschlossen. Ich nehme mein Leben viel bewusster wahr, seit ich mich damit abgefunden habe, dass es im Leben vermutlich gar keinen höheren Sinn gibt. Das klingt vielleicht paradox, aber es zeigt, dass auch die verzweifelte Sinnsuche möglicherweise schädlicher ist und mancher Erkenntnis im Weg steht.


    Die kleine Anekdote aus meinem Leben soll dir nur zeigen, dass du dein Glück nicht zwangsläufig an einen Lebenssinn binden solltest. Letztendlich ist die Frage, ob man mit dem Leben hadert oder nicht, kaum zu objektivieren. Es ist ein Gefühl. Man sucht vielleicht Gründe, warum das Gefühl so oder so ist. Aber diese Gründe werden sich auch nie verallgemeinern lassen. Es gibt lebensfrohe Leute mit schlimmen körperlichen Gebrechen, und es gibt die anderen. Es gibt Menschen, die im Leben alles haben, und trotzdem depressiv sind. Eine Anleitung gibt es nicht.


    Aber vielleicht könnte das zumindest eine Option sein, dass man in der Sinnsuche viel Energie verschwendet, die man für das Leben auch anders aufbringen könnte. Vielleicht könnte es dich auch befreien und dich in die Lage versetzen, das Leben so anzunehmen, wie es ist. Und den Blick auf andere Dinge zu lenken, als sich ständig als kämpfend wahrzunehmen.


    Ob es das "wert" ist, ist eine sehr abstrakte Rechnung. Das Leben ist keine Bilanz mit Soll und Haben. Das, was unter'm Strich bei rauskommt, wird von jedem unterschiedlich interpretiert.


    Könntest du sagen, ob du irgendwelche konkreten Nöte mit dem Leben verbindest, die dein Handeln und deine Entscheidungen in irgendeiner Weise einschränken oder gefährden? Oder ist es vielleicht doch eher die Sinnsuche und die fehlende Lebenslust?

    Ich persönlich frage mich auch oft nach dem Sinn des Lebens, des Arbeitens, des Geldes, der Freundschaft etc. Wirklich auf einen Nenner bin ich da nicht gekommen und werde es auch glaube ich nicht. Ich bin ziemlich introvertiert, reagiere oft sehr ungeduldig auf andere Menschen und bin extrem gerne einfach nur allein. Da kommt schon oft die Frage, wieso bin ich eigentlich da, wieso spiele ich das Spiel des Lebens mit.


    Ein bisschen Linderung gab es dann vor ca drei Jahren als ich meine Liebe zu Katzen gewann, zwei aufnahm, mich viel mit Tierheimen und ausgesetzten Katzen im Ausland beschäftigte. Komisch oder? Aber seitdem fühle ich mich für etwas nützlich und verantwortlich, auch wenn das nichts mit Menschen und Geld zutun hat. Aber seitdem lohnt sich mein Leben, weil ich es nicht verantworten kann, dass meine beiden Lieblinge weg kommen, sollte ich aufeinmal im Affekt oder geplant etwas anstellen. Hört sich freakig und gestört an mit den Katzen, ich weiß, aber trotzdem.


    Lieber Te, bist du denn für etwas verantwortlich, was dich bei der Stange hält?

    Eine gute Freundin von mir sagt auch, dass sie im Grunde nicht sehr an ihrem Leben hängt (sie ist auch phasenweise sehr depressiv). Daraus resultiert aber für sie auch ein posiriver Aspekt - sie geht sehr angstfrei durchs Leben. Phobien und derlei Dinge hat sie gar keine.

    das kommt individuell an, nehm ich an?


    wenn man es so betrachtet, ist das leben ja total bescheuert. du wirst geboren ohne gefragt zu werden, dann musst du das gesellschaftliche spiel mitspielen wie kindergarten schule arbeiten rente und dann stirbst du. hamsterrad.


    ich denke ob es für dich lebenswert ist, wenn du etwas findest was es für dich lebenswert macht. manche sind ja halbtot weil sie nur noch funktionieren und ihrezeit mit dingen verbringen, die sie nicht interessieren, und andere blühen voellig auf in dingen, die sie gerne machen. Tierschutz oder so. oder Religion. oder Sport. oder oder.


    ich denke wichtig ist dass man was findet, was einem Freude gibt.

    Ich schätze solche Gedanken resultieren aus der Depressivität. Denn ein Mensch der sich auf Dinge freuen kann, ob es ein leckeres Essen ist, eine Verabredung mit Freunden oder ein schöner Urlaub- ein Mensch der Freude und Genuss empfinden kann, der stellt sich in der Regel eine solche Frage nicht.


    Klar kann man versuchen, seinen Lebenssinn in einer forschenden Arbeit, einer Aufgabe oder aus der Verantwortung einer anderen Person (oder Tieren) gegenüber zu beziehen. Das halte ich aber für ein wackeliges Konstrukt, denn diese Dinge können jederzeit wegfallen.


    Gibt es etwas das dir Freude bereitet, Genuss bereitet, Spaß macht? Ohne einen tieferen Sinn darin zu suchen?

    Ich glaube ein zu philosophischer, verkopfter Ansatz an die Frage nach dem Sinn des Lebens führt nicht dazu, dass man das Leben mehr genießen kann.

    Erstmal danke für die zahlreichen, sehr interessante Gedankenansätze.


    Ich würde mich schon als Genuss-Mensch bezeichnen. Ich koche und esse gern, bin gern in der Natur - auch sportlich, liebe Musik. Vielleicht kennt ihr das: Man legt sich dann so seine Rituale an, die man abseits des Alltags vollzieht und auf die man sich dann freut. Da ich auch gern mal ein Glas Wein oder ein Bier trinke, muss man da aber schon wieder aufpassen, dass man sich dem Genuss nicht zu sehr hingibt - oder auch beim Essen oder Schmerzmitteln, die ich lange nehmen musste. Ich neige durchaus dazu Tristes zu überkompensieren.


    Auch ist mir das Phänomen bekannt, dass man sich dann in andere Welten flüchtet. Ich schaue gern SciFi-Filme oder Dokus vom Weltraum ... das hat immer bisschen diesen Fluchtcharakter und man klinkt sich kurz vom Alltag aus. Musik eignet sich auch dazu oder der Besuch von Konzerten ... schon komisch, dass man immer versucht dem Alltag zu entfliehen, der irgendwie ja immer da ist. Warum ist das so?


    Ich merke auch, dass sich diese Sinnsuche durchaus im Kreise dreht und mir ist sehr wohl bewusst, dass Sinngebung nur durch mich passieren kann. Manchmal tue ich mich da aber schwer, hadere mit meinem Schicksal. Andere hat es viel härter getroffen, aber die stecken das besser ein. Mir fehlt diese Gabe. Ich knabbere dann an solche Tiefschlägen über Jahre herum, bin niedergeschlagen, traurig - fühle Unrecht in mir und bin dann manchmal auch ungerecht zu anderen.

    Damals litt ich auch an schweren Angststörungen und das stimmt schon: wenn man nicht so krampfhaft am Leben hängt, schwinden die Ängste sehr schnell. Mein Psychologe damals empfand das als grandiosen Erfolg, weil ich quasi über Nacht geheilt war. Im Grunde ging es mir aber so schlecht, dass ich bereit war mich der Angst zu stellen, bereit war zu sterben. Gestorben bin ich (natürlich) nicht, aber die Bereitschaft blieb. In gewisser Weise macht es mein Dasein unbeschwerter, weil ich weiß, dass diese Notbremse für mich existiert.


    Aufgeben kommt dennoch für mich nicht in Frage. Ich bin immer wieder aufgestanden und werde das immer so tun. Die Gedanken sind aber immer irgendwie da ...

    Zitat

    schon komisch, dass man immer versucht dem Alltag zu entfliehen, der irgendwie ja immer da ist. Warum ist das so?

    Die Bezeichnung "dem Alltag zu entfliehen" wird gerne genutzt (ist so eine typische Sehnsuchtsformulierung und "Alltag" unberechtigterweise negativ behaftet), aber trifft es nicht im Kern, was dadurch eigentlich passiert.


    Was wirklich passiert ist, dass diese Rituale und Konzerte Farbtupfer sind, um den Alltag nicht gleichförmig wahrzunehmen. Man braucht Dynamik. Das heißt aber nicht, dass täglich Konzerte, Rituale und das Glas Bier ein willkommener Alltag wären. Hättest du das immer, wärst du davon gefrustet und würdest vermutlich den Spaziergang im Park als willkommenen Farbtupfer im Leben wahrnehmen. Ganz nebenbei: Die Süchtigen kapieren das übrigens nicht - das euphorische Gefühl des Wochenend-Biers wird auf das Leben übertragen, und irgendwann trinkt man täglich und fragt sich, warum sich dieses Gefühl nicht mehr einstellt. Also erhöht man die Dosis .... und der Rest ist bekannt.


    Dynamik im Leben ist sehr wichtig. Egal, ob man es philosophisch Ying & Yang nennt oder biologisch Sympathicus und Parasympathicus. Wenn beides im Einklang ist, geht es Körper und Seele meist gut.


    Man "entflieht" also nicht dem Alltag, sondern bringt Gleichgewicht hinein. Die Differenzierungen sind gesund und nötig und gehören zum Alltag genauso hinzu. Wäre man dauerhaft glücklich, dann wüsste man nicht, was Glück bedeutet.

    Comran


    bedeutet das was Du geschrieben hast im Umkehrschluss, dass man sich klar machen muss, dass leere, öde, langweilige, gar deprimierte Phasen ebenso dazugehören und sogar den nötigen Gegenpol zu den euphorischen Momenten bilden?

    Verantwortung ist wirklich ein Schlüsselaspekt. Mir gings in diesem Sommer über weite Strecken wirklich scheisse aus privaten Gründen. Ein paar Wochen habe ich nur wegen meinem Sohn gelebt bzw. bin nur für meinen Sohn am Leben geblieben. Ohne ihn hätte ich nicht gewusst, wofür es mich auf dieser Welt braucht - er hat mich bei der Stange gehalten (ohne dass er das wusste natürlich). Auf eine Art ist das auch so eine "Neuzeitkrankheit" - dass ein einzelner Mensch so wenig eingebunden ist, dass er für nichts Verantwortung hat ausser für sich selbst, das ist nicht gut.

    Zitat

    bedeutet das was Du geschrieben hast im Umkehrschluss, dass man sich klar machen muss, dass leere, öde, langweilige, gar deprimierte Phasen ebenso dazugehören und sogar den nötigen Gegenpol zu den euphorischen Momenten bilden?

    Vielleicht nicht in allen Extremen (wie z.b. echte Depressionen), aber man sollte sich bewusst machen, dass es eine große Staffelung von positiven und negativen Eindrücken gibt. Und wir lernen im Leben, diese einzuordnen.


    Wer hat noch nie leere, öde, langweilige oder sogar deprimierte Phasen gehabt? Das dürfte äußerst selten sein. Warum also nicht akzeptieren, dass sie zum Leben dazugehören?


    Hier sind wir wieder bei der Balance. Wer natürlich täglich für sich persönlich durch die Hölle geht, hat diese Balance sicher nicht (es sei denn, er hat ein hohes Maß verlässlicher und intensiver Glücksmomente).


    Ich habe mal eine interessante Doku über Flüchtlinge aus nordkoreanischen Lagern gesehen. Ihr Alltag war die Hölle und ihre Maßstäbe haben sich dadurch komplett verschoben. Glück, wie wir es kennen, war ihnen unheimlich und sie mussten es erst neu lernen.

    Ich finde es persönlich sehr schwierg, zu sagen, wann eine doofe Phase normal ist und dazugehört, oder wann sie eher "krankheitswertig" ist und irgendwelche Ursachen hat, die man ändern sollte. Das ist ja auch der drittel Teil vom Gelassenheitsgebet - unterscheiden, was in welche Kategorie gehört.


    Generell glaube ich dass es vielen Leuten schwer fällt, zu akzeptieren, dass negative Phasen auch dazugehören. Wenn man immer versucht, sie zu beheben, rennt man nur mit dem Kopf gegen die Wand und verausgabt sich unnötig. Aber andererseits droht im umgekehrten Fall auch die Gefahr, schlechte Umstände einfach hinzunehmen und nix dagegen zu tun. Also, eine grundsätzliche Erkenntnis und Akzeptanz dieser Umstände ist sinnnvoll und notwendig, aber deswegen ist es trotzdem immer noch nicht leicht, da an der richtigen Stelle die Linie zu ziehen.

    für ich ist einer der größten Sinnbeschreibungen (meines / des ) Lebens, dass mein Tod das Leben meiner Liebsten komplett aus der Bahn werfen und sie in eine abgrundtiefe Traurigkeit stürzen würde, aus der sie sich nur mühsam erholen würden.

    Sie wären danach nicht mehr wie vorher, für einige wäre ihr Leben wohl tatsächlich auch selbst nahezu vorbei, andere würden lange lange brauchen, um wieder auf Kurs zu kommen.