Hallo Danae87,


    ich habe unglaubliche Zeiten hinter mir. Oft war es zeitlich einfach nicht möglich, stundenlang Therapeuten abzutelefonieren. Und ich hattte auch einfach nicht die Kraft, mußte funktionieren. Als ich dann nach Kostenübernahme fragte, wurde mir von der KK gesagt, dass ich hier zunächst ein Telefonprotokoll erstellen müsse und trotzdem 3 Monate Wartezeit zumutbar seien. Das habe ich einfach nicht gekonnt, außerdem war ich dann immer und immer wieder mit meiner Tochter im Krankenhaus.


    Ich war in diesem Jahr schon 2 Mal in einer Klinik, jeweils knapp 8 Wochen. Das hätte sich die KK sparen können.


    Damit ich hier den Faden nicht zerreiße und zu sehr OT gehe, bekommst Du einige Links von mir per PN. Das könnte für die TE auch interessant sein, falls gewünscht, sende ich die Links auch an Dé.liée .

    Gerne, du darfst das auch gerne hier drin machen. Mich stört das nicht, wenn wir ein bisschen ins OT rutschen. Außer, Dir ist PN lieber.


    Das sind schließlich alles Aspekte, die mit eben diesem Mangel zu tun haben und neben den wissenschaftlichen Aspekten interessieren mich (auch für mich selbst) die persönlichen Geschichten auch sehr.


    Erfahrungen und alles sind hier herzlich willkommen :-) .


    So grob steht meine Idee ja jetzt auch, ich werde das mal verschriftlichen, ein paar Quellen raussuchen und dann zum Dozenten gehen und ihm das vorstellen. Aber ich halte hier auf dem Laufenden bzw. vielleicht ist mir ja doch auch noch nicht alles klar und es kommen nochmal Fragen auf.


    Hier kennen sich ja einige auch richtig gut aus.

    Zitat

    Und ich hattte auch einfach nicht die Kraft, mußte funktionieren.

    Das kenne ich. Ich hatte so viel um die Ohren, gerade letztes Schuljahr vorm Abi und dann so ein Theater. Ich hatte dann zwar Vorstellungstermine (mit Option auf Warteliste), aber die Option ist dann entfallen, weil ich zuerst noch einmal in die Klinik sollte.


    Ich glaube aber, wäre ich hier in meiner Unistadt an einen Therapieplatz gekommen, könnte ich mir jetzt das Kliniktheater vielleicht sparen. Aber auch da nicht einmal Wartelisten, die haben komplett Aufnahmestopp und selbst die Kassenärztliche Vereinigung konnte mir nichts in erreichbarer und zumutbarer Entfernung anbieten.


    Natürlich könnte ich jetzt auch mit der Krankenkasse ein Theater veranstalten und denen die Absagen liefern (wie das genau läuft, weiß ich nicht mehr so genau), aber so lange habe ich nicht mehr vor hier in der Stadt zu sein und gerade sind dafür auch keine Kapazitäten. Ich stecke in der Vorvorabschlussphase meines Studiums und ne. Ich versteh das zu gut.


    Wir wollten sogar aus der Klinik raus etwas regeln, aber keine Chance. Und jetzt ist es halt wirklich eigentlich schon zu spät.

    Die Gesamtlage ist bescheiden...


    Ich habe damals mit meinem Arzt/Therapeuten (Er ist psychosomatischer Mediziner und Psychotherapeut, konnte mir also medis aufschreiben und therapierte mich) eine psychosomatische Reha beantragt. Er hat das hauptsächlich alles gemacht, also er hat auch ärztlich bescheinigt, dass ich das brauche. Auch die Psychologin auf Arbeit erstellte so ein Schreiben.


    Die Reha wurde trotzdem abgelehnt "weil die kassenärztlichen Leistungen noch nicht ausgeschöpft waren". Widerspruch, Widerspruch, ging sogar vor ein Gericht zur Einzelfallentscheidung, trotzdem abgelehnt. Damals ging meine Welt unter...ich hatte sehr viele Hoffnungen auf diese Reha gesetzt. Auch mein Arzt meinte, es täte mir gut aus meiner Wohnung aus meinem "schlimmen" Alltag mal rauszukommen...einfach Muster durchbrechen.


    Half aber alles nichts...


    Als er mich dann eben in eine normale Klinik einweisen lassen wollte, um eben jenes zu machen, bekam ich auch Wartezeiten von über nem halben Jahr...und dann wurde kurz vorher das Gespräch abgesagt... Totaler Bockmist.


    Das Einzige wo ich Glück hatte war eben dieser psychosomatische Mediziner...der hatte nach Anruf einen Kurztermin 2 Wochen später... Daraufhin war ich ein paar Wochen nur immer dazwischen geschoben worden mit Kurzterminen über Wasser gehalten...


    Es gibt in Deutschland ein riesen Wirrwarr...und dann will man was machen um endlich voran zu kommen...und es wird nicht genehmigt, oder es ist kein Platz für einen...


    Hätte mich damals mein Arzt nicht sofort genommen (1. Wahl auf meiner Liste) ich weiß nicht, ob ich all die Ablehnung ertragen hätte.


    Allerdings meinte mein Hausarzt auch ich solle am Telefon erwähnen, dass ich akute Krisenintervention benötige. Und ich flennte ihn am Telefon schon zu....

    Zitat

    Das sind schließlich alles Aspekte, die mit eben diesem Mangel zu tun haben und neben den wissenschaftlichen Aspekten interessieren mich (auch für mich selbst) die persönlichen Geschichten auch sehr.


    Erfahrungen und alles sind hier herzlich willkommen :-)

    .


    Ok, da es ja eh hier in diesem Forum ist, mal meine Geschichte, warum ich vor allem nicht so die Zeit hatte, Stundenlang täglich zu telefonieren. Wer einmal einen Psychologen gesucht hat, weiß, was ich meine. Da kann man nur zu bestimmten Zeiten einen Therapeuten anrufen, oder man spricht auf Band, hofft, dass der Psychotherapeut zurück ruft. Aber nicht immer kommt ein Rückruf. Manche Theras, die auf der Liste standen, existierten auch gar nicht mehr. Auch das habe ich erlebt.


    Hier mein Link. Damals bekam ich hier aus diesem Forum die Unterstützung, nicht von Psychologen. Zwar gab es im krankenhaus einen Psychologen, mit dem kam ich aber überhaupt nicht klar. Erst später, viel später gab es im UKE eine Psychologin, mit der ich mich unterhalten konnte. Das ist aber etwas vollkommen anderes, als eine richtige ambulante Therapie. Ich muß damals einen Hörsturz gehabt haben. Denn ich habe Tinnitus, Rekrutment, Hyperakusis und Phonophobie. Trage nun seit 4 Wochen Hörgeräte wegen Schwerhörigkeit, alles Erkrankungen aus dieser Zeit. Ich beantrage derzeit Erwerbsminderungsrente, denn dadurch, dass ich nie arbeiten konnte, falle ich durch alle sozialen Netze. Ich habe von zu Hause aus selbstständig etwas dazu verdient. Da ich derzeit nicht arbeiten kann, sieht es bei uns finanziell schlimm aus, denn auch mein Mann ist seit Monaten krank geschrieben. Auch er leidet an dem Burn-Out. Ich selber hatte dann ab Ende November 2015 eine Onlinevideotherapeuten über eine Studie meiner Krankenkasse. Tja und fast zeitgleich einen Zusammenbruch mit Dick-Dünndarmentzündung ausgelöst durch Campylobacter. Ab da kam ich gar nicht mehr aus dem Bett und mußte erst mal lernen, dass ich tatsächlich schwere Depressionen hatte. Wie gesagt, es wäre der KK günstiger gekommen, uns mehr zu unterstützen, sei es mit Psychologen oder auch Rehas, die immer erst abgelehnt wurden. Das kostet ja neben einem kranken Kind sehr viel Kraft. Zusätzlich habe ich damals meine Mutter betreut, die blind, herzkrank und gehbehindert ist. Seit Anfang 2015 auch noch so dement, dass ich ihre Wohnung und alles auflösen musste, einen Heimplatz für sie fand. Und mein Mann lebt seit einigen Jahren mit einem künstlichen Knie. Ganz schön viel, nicht wahr??


    Also hier der Link:


    der erste:


    http://www.med1.de/Forum/Blut.Gefaesse.Herz.Lunge/549109/


    Der zweite mit der schwerenn Zeit, Warten, Reanimation, Herztransplantation, Nachsorge


    http://www.med1.de/Forum/Blut.Gefaesse.Herz.Lunge/669969/


    Ich finde es überaus wichtig, dass das Augenmerk mehr auf die psychisch kranken Menschen gewand wird. Es werden einfach zu viele Kosten gespart. Wenn Du es kannst, dann schreibe wirklich gerne darüber.


    GLG

    Ja, an Deine beiden Threads erinnere ich mich noch. Nur hieß ich da noch äpfelchen und war hauptsächlich stiller Mitleser :)_ .

    Zitat

    Ich finde es überaus wichtig, dass das Augenmerk mehr auf die psychisch kranken Menschen gewand wird. Es werden einfach zu viele Kosten gespart. Wenn Du es kannst, dann schreibe wirklich gerne darüber.

    Ich finde das auch sehr wichtig... mal sehen, was dabei raus kommt, aber das ist ja auch nur eine kleine Hausarbeit, kein Ding, mit dem sich danach irgendwer auseinandersetzen würde.


    Sunflower hat ja aber schon angekündigt, dass da Änderungen stattfinden sollen. Gab sogar einen Thread dazu.

    Hier mal eine kleine Rückmeldung: Da ich wirklich eine nur sehr begrenzte Seitenzahl hatte, habe ich mich dagegen entschieden.


    Allerdings finde ich das Thema immer noch ziemlich wichtig und aktuell und werde meine Bachelorarbeit über ein ähnliches Thema schreiben. Der internationale Vergleich wird allerdings keine Rolle spielen (außer vielleicht als Perspektivenausblick oder so), sondern eher die Dichotomie von Hilfe und Kontrolle (auch bzgl. der Menschenrechte bei Zwangsmaßnahmen) im Hinblick auf die ambulante Unterstützung.


    Ich bin gespannt, aber auch ziemlich eingeschüchtert. Auf jeden Fall hat mir der Thread hier viele Anregungen geliefert!

    Sei froh, dass Du das Thema erstmal auf Eis gelegt hast. Die Veränderungen seit April (verpflichtende Telefonsprechstunde zwecks besserer Erreichbarkeit; verpflichtende Erstsprechstunde; veränderte Kontingente und Beantragungsformalien; die "Akutsprechstunde" für sofortige Behandlung, die aber auf 10 Sitzungen beschränkt ist): Viel Chaos und Wirrwarr - und es ändert nichts an der Mangelverwaltung. Du hättest da eigentlich nur spekulieren können bzw. kaum noch gute Vergleichsbasis gehabt - und die wahre Erforschung, ob die Änderungen Besserungen bringen, sind verdammt große Forschungsprojekte.


    ??Im Ort, wo ich arbeite, kommen 4 Therapeuten auf über 50.000 Einwohner - und ein recht großes Einzugsgebiet. Ländlich, z.T. bis zu 40 km Anfahrtsweg. Von den 4 Therapeuten haben zwei nur einen halben Sitz (eine davon bin ich). Ein Therapeut hat neu angefangen am 01.08. - und ist schon ausgebucht. Ich habe pro Woche um die 15 Anfragen und oft unangemeldet weinende Therapieplatzsuchende vor der Tür. Die in lfd. Sitzungen reinplatzen. Die Sprechstunde wird kaum akzeptiert, weil was bringt es, wenn man keinen Platz anbieten kann? Wartelisten führen die meisten Kollegen nicht; meine explodiert und ich kann eigentlich nur noch Zeitangaben von "ca. 1 Jahr" machen. Es ist auch für mich ein schwieriges Thema. Man will ja helfen. Ich habe aber den halben Sitz und bin auf rd. 23.000 Minuten pro Quartal beschränkt. Ich ertappe mich dabei, Therapien nicht verlängern zu wollen, weil der Pt. halbwegs stabil ist und andere es dringender brauchen. Bei mehr Kapazitäten würde ich noch mal verlängern, als Sicherheit,... Von der Zeit, die bei mir pro Woche unbezahlt für diese Mangelverwaltung draufgeht, rede ich besser gar nicht. Ich schaffe es manchmal fast eine Woche nicht, auf Anfragen zu reagieren. AB zu voll, falsche Zeiten, zu viel noch wichtigerer Kram. Einfach nur Riesenmist. Mache das jetzt seit Jahresanfang und die Realität jenseits Ausbildungsinstitut und MVZ-Struktur in einer Großstadt ist ernüchternd.??

    ??Das klingt tatsächlich nach Riesenmist. Ich meine, gut, dass da Veränderungen stattfinden, aber manchmal glaube ich, dass die Menschen, die sich diese Veränderungen ausdenken, überhaupt keine Ahnung haben, wie das in der Praxis tatsächlich abläuft. Die Leidtragenden sind dann sowohl Therapeuten, die im Dilemma stehen, wie sie behandeln wollen/können und sich kaputt arbeiten als auch die Patienten. Hmpf??


    In meiner Bachelorarbeit ist das Thema ambulante Psychotherapie "nur" ein Kapitel (wenn die Gliederung so genehmigt wird) und ich nehme noch den Sozialpsychiatrischen Dienst dazu. Aber da ich ja auch Soziale Arbeit studiere und nicht Psychologie, spielt da auch ganz groß das doppelte Mandat eine Rolle, klinische Sozialarbeit und die Handlungskompetenzen. Aber eben auch die mangelnde Zugänglichkeit zu ambulanter Hilfe, die Ursachen und die Auswirkungen.


    Ich bin gespannt, ich sitze gerade an der Literaturliste, fahre morgen in die Unibib und schaue dann, dass ich das Exposé vielleicht noch diese Woche loswerde. Und dann heißt es eben Abwarten, was der Dozent dazu sagt.


    Gut, ich suche auch viele aktuelle Artikel und Zahlen, um das Problem mal zu verdeutlichen.


    Weißt du, ob man an Statistiken, z.B. das mit den Niederlassungszahlen auf die Einwohner drankommt? Irgendwas, was den Mangel faktisch verdeutlicht?

    In Deutschland könnte es Daten bei den Krankenkassen geben, ansonsten würde ich auch gerade fürs Ausland mal bei den nationalen Statistikbehörden schauen, ob sie dazu Datensätze haben. Wobei damit nur das Angebot abgebildet ist und noch nicht die Nachfrage. Die Nachfrage kannst du vielleicht nur qualitativ über Berichte feststellen. Da könnten sich verändernde Arbeitswelten relevant sein, insbesondere in Richtung Digitalisierung, andauernde Verfügbarkeit, etc., was zu anderen psychischen Belastungen als in der Vergangenheit führt.


    Das kann auch ein relativ großes Projekt werden. Du musst dich darauf einstellen, dass das, was du eigentlich schreiben möchtest, vielleicht nicht in der Zeit machbar ist. Vielleicht reicht ein Teil davon auch schon für die Bachelorarbeit aus, ohne dass du dich verhebst. @:) Sprich das auch mit deinem Dozenten ab, was der Rahmen der Arbeit sein sollte und wie du damit umgehst, wenn sich keine Quellen finden lassen.


    Ich fände ja für dich so wie Thema wie "Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den sozialtherapeutischen Dienst bei Kindern aus?" vielleicht auch viel interessanter. ;-D Ich schon wieder. ;-D

    Ein Problem in Deutschland ist, dass die Kassen gerade die Anzahl der Kassensitze zurückzieht.


    Es herrscht daher eine grössere Mängel als zuvor.


    Dazu kommen die hohe Ausbildungskosten - 400€ pro Monat- und wenig Ausbildungsplätze. Der psychiatrisches Jahr (Pflicht) arbeitet man oft ohne Bezahlung ab. Braucht man vorher ordentlich gespart zu haben. Kann sich jede nicht leisten. Ist eine Vollzeit Stelle.


    Es gibt verschiedene Gruppen von Therapeuten


    - psychologische Psychotherapeuten - können mit die Kasse abrechnen, direkt oder Kostenerstattungsverfahren. Ausbildung in Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Psychoanalyse.


    - Therapeuten nach HPG - können nicht mit die Kassen abrechnen und oft mit Vorsicht zu geniessen


    - Therapeuten die Psychologie studiert haben aber systemische, Gestalt oder andere Therapie durchführen, die nicht von die Kassen bezahlt werden.


    - PiAs (Psychotherapeuten in Ausbildung) mit Behandlungserlaubnis. Findet man in psychotherapeutische Ambulanzen.

    Nicht die Krankenkassen reduzieren die Anzahl der Sitze, sondern die kassenärztlichen Vereinigungen (KV). In angeblich überversorgten Regionen. Da können in Rente gehende Praxisinhaber ihren Sitz nicht weiterverkaufen, sondern die KV kauft auf. Ich persönlich habe das aber faktisch noch nicht erlebt und sehe es eher gelassen. Im Gegenzug gibt es auch Regionen, wo neue Sitze geschaffen werden.


    Eine Berechnung des aktuellen Bedarfs auf Basis der Zahl der zugelassenen Therapeuten bei Einführung des Psychotherapeutengesetztes 1998/1999 ist aber einfach Mist angesichts der steigenden Krankheitszahlen etc.