Mann hat mega Angst vor Corona und den Folgen

    Kurz gesagt, mein Mann nervt. Ja, er ist Ü50, Diabetiker und hat alle 2 Jahre ne Lungenentzündung. Er sieht täglich dem Tod ins Auge, hat wahnsinnige Angst vor einer Ansteckung.

    Dazu rennt er den ganzen Tag mit dem Handy rum, aktualisiert ständig die Nachrichten, glaubt aber den Zahlen des RKIs oder wem auch immer, nicht.

    Die Apokalypse steht kurz bevor.


    Ja, ich bin auch achtsam und vorsichtig, warte die Dinge ab die da kommen. Aber so? Unsere 6 jährige weiss um die Situation bescheid, bekommt durch sein ständiges Gelaber aber Angst.


    Vorrübergehend ausziehen ist übrigens keine Option...

  • 58 Antworten

    Inwiefern betrifft es sich, wenn er sich laufend informiert?
    Jeder hat eine andere Art, mit Angst umzugehen. Der eine blendet lieber aus, der andere holt sich wenigstens ein bisschen Restkontrolle zurück, indem er informiert bleibt. Beides ist normal und psychologisch gut erklärbar.


    Wie genau sieht denn sein "ständiges Gelaber" aus?


    Was heißt, er "glaubt" den Zahlen nicht? Dass es mehr Infektionen als offizielle Fallzahlen gibt, wäre z.b. schlichtweg korrekt.


    Ich verstehe grundsätzlich deine Genervtheit, aber auch mit Genervtheit kann man etwas mehr Verständnis zeigen.

    Leider geht es sehr vielen Menschen wie Deinem Mann, daher auch die Panik- und Hamsterkäufe, das sinnlose horten von Mundschutzen, die Schlägereien um Wasser, Klopapier und Desinfektionsmittel. Es wird leider, leider über die Medien SO viel Panik gemacht, dass viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, einen klaren Gedanken zu fassen. Das ist genau so übertrieben wie die völlig überfüllten Biergärten in Bayern am Wochenende. Es muss alles mit Maß und Ziel erfolgen, Vorsicht ja, Durchdrehen nein.

    Wenn Dein Mann dem RKI (und das sind tatsächlich die, denen man glauben sollte) nicht glaubt sondern den Panikmedien und vorübergehendes Ausziehen keine Option ist, dann wirst Du das vermutlich aussitzen müssen denke ich.

    Gefühlt alle, die jetzt sterben, hatten Corona. Dass es auch milde Verläufe gibt interessiert ihn nicht. Natürlich halten wir uns nicht in Menschenmassen auf, sind zu 98% zu Hause.

    Natürlich habe ich Verständnis für ihn, ist er ein lebensfroher und aktiver Mensch sonst.

    Wenn wir unbegrenzt Geld und Platz hätten...bestimmt wäre er Hamsterkäufer Nr 1 weltweit.":/


    Bei jedem Husten (durch Verschlucken) oder Niesen (ja, die ersten Sträucher blühen schon) dreht er sich ruckartig weg und fragt "hast du etwa doch Corona"? :|NUnsere Tochter ist schon ganz verunsichert.

    Wenn er beim Händewaschen 10-12 mal die Pumpe vom Seifenspender betätigt, diese dann nach 2 Tagen leer ist und dann meint, ich würde mit Absicht keine neue Seife kaufen (es gibt keine mehr) , ja, dann bin ich genervt.

    Ach menno...hoffentlich ist der Spuk bald vorbei oder zumindest unter Kontrolle :-(

    arabica schrieb:

    Ach menno...hoffentlich ist der Spuk bald vorbei oder zumindest unter Kontrolle

    Rechne damit nicht vor Juni. Und dann kommt der Herbst. Impfschutz voraussichtlich erst nächstes Jahr. Meine Vermutung: Es wird sich alles wieder normalisieren, bei gegebenenfalls neu aufflammenden Wellen aber ruckzuck noch mal in den Lockdown gehen. Das kennt man dann schon, und es hat eine andere Dimension.


    Dein Mann braucht ein bisschen langen Atem, und die Hoffnung, dass der Spuk bald vorbei ist, hilft euch nichts, denn das wird nicht so sein. Ihr braucht ein paar vernünftige Strategien, um damit umzugehen.


    Über 90% der Erkrankten reagieren mit Fieber, Niesen hingegen wäre sehr untypisch. Das soll er sich mal klarmachen.

    Wenn er so mit der Seife rumaast, habt ihr keine mehr. Das ist tatsächlich schlecht. Mach ihm das klar. Mehr Seife hilft nicht mehr, vernünftiges Waschen hilft. Keine Seife ist ein Problem, und er sorgt gerade dafür, dass ihr dieses Problem habt.

    Schau, ob Du noch Kernseife bekommst. Vielleicht kommt er mit fester Seife besser klar als mit einem Seifenspender. Und falls nicht, habt ihr wenigstens noch Seife, auch wenn er den Spender leergepumpt hat.


    Könnt ihr dem Thema einen bestimmten Raum zuweisen? Wenn ihr beispielsweise verabredet, dass ihr euch abends zu einer bestimmten Zeit zusammensetzt, beispielsweise den NDR-Podcast zum Thema hört (oder was anderes anschaut oder lest - ich halte das reine Audioformat allerdings für besonders geeignet, weil man es gemeinsam hören kann, aber dabei nicht auf einen Bildschirm fixiert ist) und danach drüber redet, hat das Thema einen festen Platz. Es wird sich garantiert nicht auf diesen Platz beschränken, aber mit etwas Glück konzentriert es sich dann mehr darauf und ploppt im Alltag ein bisschen weniger hoch. Außerdem ist es ein Ritual, und Rituale wirken auf uns Nacktaffen beruhigend.


    Mich würde es übrigens auch irre nerven, was er da fabriziert. Ich würde versuchen, mit ihm klare Regeln abzusprechen.

    Was ich tatsächlich machen würde ware: ihm klarmachen, dass er sich in Gegenwart eurer Tochter absolut zusammenreißen soll!!!


    Dass er sich in Gegenwart eures Kindes so wenig zusammenreißt dass er Dinge bringt wie "hast du etwa Corona" ist indiskutabel. Bei allem Verständnis für Ängste, da ist für mich Schluss und ich würde ihm das sehr deutlich sagen. Er ist Vater und muss Stabilität bieten gerade jetzt.


    Ich finde, genervt sein ist da noch untertrieben. Unabhängig vom Seifenverbrauch finde ich ihn rücksichtslos gegenüber eurem Kind

    Ps: ich würde noch einmal Seife kaufen wenn möglich und dann sagen, für wie lange die halten muss. Evtl auch einen separaten Seifenspender für dich+Tochter und einen für ihn, und dann wird nach genau festgelegter Zeit aufgefüllt. Wenn er sich wie ein Teenager verhält würde ich ihn auch so behandeln

    Und lass ihm nicht YouTube gucken. Man sieht sehr viele Verschwörungstheorien und völlig inkorrekten "Fakten", dass der Virus viel gefährlicher macht, als es tatsächlich ist.


    Händewaschen muss man nicht jeden paar Minuten. Es geht eher darum, dass man das macht, wenn man unterwegs draußen war.

    Erstmal vielen Dank an alle für Eure Meinungen und konstruktiven Tipps. Ich habe gestern abend lange mit ihm gesprochen, er kann meine Sicht verstehen und versucht jetzt unserem Kind gegenüber positiver gestimmt zu sein und sein Handy zwischendurch mal für ne Stunde wegzulegen.

    Eine andere Idee: hier gibt es zB eine psychosoziale Beratung am Telefon für Leute, die sehr belastet von der Sache sind. Was, wenn er dort Anruft und seinen Druck los wird? Dann könnte er das anderswo tun und könnte das Thema bei euch zu Hause vielleicht ein bisschen weniger anbringen...

    Hallo zusammen, ein kleines update...

    Der Spuk und die Panik ist noch nicht vorbei. Im Gegenteil, es wir immer schlimmer.

    Wenn wir draussen waren wäscht er sich oft hintereinander Hände und Gesicht.

    Autogriffe werden akribisch mit einem Desinfektionstuch abgewischt. Es könnte ja jemand infiziertes draufgehustet haben.

    Ausserhalb des Hauses fühlt er sich extrem bedroht und ist dadurch mega gestresst.

    Unser Kind darf nicht mehr in den Kindergarten gehen und gestern meinte er, dass, wenn sich die Situation nicht sehr verbessert, unsere Kleine auch nicht eingeschult wird. Hä? Wie soll das denn gehen?

    Seine Antwort: Niemand könne ihn zwingen seine Tochter als Versuchskanninchen zur Verfügung zu stellen.

    Uff.... zuerst mal Hut ab vor Dir, arabica , dass Du das die ganze Zeit mitgemacht hast, mir wäre sicher schon mehrmals der Kragen geplatzt, dieses Verhalten Deines Mannes ist ja auch sehr einschränkend für Dich und das Kind !

    Ich denke wohl, das Beste für Deinen Mann wäre eine Therapie, aber ich glaube, das wirst Du ihm so einfach nicht vermitteln können ?

    Wie Du da jetzt am Besten weiter vorgehst weiss ich auch nicht, ich wollte Dir nur sagen dass Du Dich echt gut hältst nach der langen Zeit !

    Denk bitte an dein Kind.

    Das Verhalten deines Mannes ist pathologisch und schadet deiner Tochter.

    Ich würde dir vorschlagen beim Jugendamt vorzusprechen. Die kennen sich mit kindlicher Entwicklung gut aus und können deinem Mann hoffentlich vermitteln, dass er deiner Tochter Angst macht und sie isoliert und welche Folgen das haben kann.

    Wir haben in der Familie auch Menschen die so reagieren, aber zum Glück nicht im gleichen Haushalt.


    Die Einschulung wird durchgesetzt werden wenn die Schulen offen sind. Auch wenn dein Mann sich noch so sträubt, daß geht einfach nicht.


    Mein erster Gedanke war gerade, ob es etwas bringen könnte, wenn du den Kinderarzt anrufst und ihn bittest, noch mal mit deinem Mann zu sprechen.


    Gerade was die sozio-emotionale Entwicklung deines Kindes betrifft ist das sehr gefährlich. (und da sehe ich bei einem, auch meinem Einzelkind, im Moment sowieso eine größere Gefahr als in Corona!)


    Hat er schon mal dran gedacht, was es mit einem Kind macht wenn es monatelang von allen anderen Kindern getrennt wird...


    Es gibt ja auch eine psychische Gesundheit und die wird gefährdet wenn er sich so verhält.

    Mit allem Respekt, aber das ist kein Fall fürs Jugendamt! Der Mann braucht eine Therapie; notfalls auch stationär, um die Familie zu entlasten. Geschickte Argumente, die die Angst reduzieren. Strategien, seine Angst zu bewältigen. Er macht es nicth mit Absicht, sondern hier hat sich wohl eher eine ausgeprägte Angst-/Zwangs-Symptomatik entwickelt. Es gibt erste Statistiken, die genau DAS auch zeigen.


    Ihm muss vermittelt werden, dass es zwar ein Risiko gibt; diese aber geringer ist, als er es wahrnimmt. Dass andere Menschen, die sich anders verhalten, dennoch nicht erkranken/sterben. DAS ist Fokus.

    Nicht jemanden mit Jugendamt zu stressen. Das ist kein Scheidungskrieg und keine akute Kindeswohlgefährdung. Sondern ein psychisch krankes Elternteil.


    WENN externe Hilfe, dann bspw. eher den Sozialpsychiatrischen Dienst.