Medikamentöse Fehleinstellung - Benzodiazepinabhängigkeit?

    Hallo!


    Ich war mir sehr unsicher, ob das eher unter Psychologie passt oder doch eher Sucht, aber letztendlich schreibe ich hier, weil das alles auf einer psychologischen Geschichte beruht. Und ich muss leider kurz mit der Vorgeschichte ausholen, wie es dazu kam, denn die eigentliche Frage, wie ich da jetzt am besten wieder rauskomme, steht ganz unten:


    Ich bin schon sehr lange psychisch krank, war schon in vielen Kliniken und habe auch schon sehr viele verschiedene Medikamente bekommen (von den verschiedensten Wirkstoffgruppen Antidepressiva über Neuroleptika und Benzodiazepine). So wirklich gut angeschlagen hat nie eins, Nebenwirkungen hatte ich immer sehr viele und irgendwann bekam ich ganz viel durcheinander und gleichzeitig.

    Ganz ungeplant und unbeabsichtigt habe ich dann alle meine Medikamente abgesetzt (also wirklich unbeabsichtigt) und das war so ziemlich die Hölle. Ich wusste aber, dass es unglaublich lange dauern kann, bis sich das alles normalisiert, wobei da die Frage ja eh war, was "normal" gewesen wäre, denn durch die fehlende Wirkung der Medikamente ging es mir ja auch unter der Einnahme sehr schlecht. Aber ich wusste, sowas hält teilweise auch länger an als ein Jahr und habe das einfach immer weiter durchgehalten, letztendlich jetzt aber nach insgesamt fast 2 Jahren fast medikamentenfrei (außer in Notfällen Bedarfsmedikation) aufgrund einer akuten Krise wieder angefangen, ein Antidepressivum zu nehmen.

    Das lief über eine Klinikambulanz, weil ich als Notfall kam und irgendwie wusste beim ersten Termin schon niemand so recht, was am Schlausten ist, weil ich eben alle gängigen Medikamente durch habe. Wir haben uns dann für das entschieden, was ich als letztes genommen hatte (Elontril), trotz vieler Bedenken, dass das aufgrund anderer Umstände, die eigentlich gegen eine Einnahme sprechen, nicht so gut laufen könnte.


    Ich kann jetzt gar nicht so genau sagen, ob das alles gut läuft oder nicht, weil mehr Antrieb habe ich definitiv, aber dafür weder groß Appetit noch kann ich schlafen und gut geht es mir auch nicht (also im Sinne von stimmungsaufhellend). Kritisch gesehen wurde eigentlich bei der Kontrolle nach 2 Wochen nur meine massive Schlaflosigkeit (0-3 Stunden pro Nacht, dementsprechend instabil wurde ich dann auch tagsüber) und ab da geht dann wohl auch das Chaos erst so richtig los.

    Neuroleptika haben zu massiven Wechselwirkungen gesorgt (wahnhafte Suizidalität, dagegen musste ich dann immer Tavor nehmen), deshalb wurde das ausgetauscht durch Zopiclon, weil das immerhin noch weniger dramatisch wäre als jeden Tag Benzodiazepine.

    Zu dem Zeitpunkt waren schon 3 Ärzte (zwei davon Oberärzte) involviert, aber da das ja eine PIA ist und ich eigentlich zu einem niedergelassenen Psychiater sollte, hatte ich da jetzt einen Termin (Arzt Nr. 4). Der hat wiederum was ganz anderes ausprobieren wollen (Trazodon zusätzlich zu dem Elontril), weil das schlaffördernd wäre. Habe ich ausprobiert, konnte nach 3 Stunden immer noch nicht schlafen und wurde wieder tendenziell wahnhaft (ich weiß, dass man, wenn man wirklich in einem Wahn oder einer Psychose ist, nicht weiß, dass man es ist, deshalb schreibe ich tendenziell, aber ich habe eben schon Gedanken gedacht, von denen ich wusste, dass es nicht meine Gedanken sind und ich nicht tun darf, was sie mir "sagen"). Also wieder Tavor genommen, damit ich nicht tue, was diese Gedanken mir sagen. Das geht noch ein bisschen weiter, ist aber letztendlich nicht ganz so relevant. Einfach nur wieder neue Medikamente, im Kreisgedrehe und letztendlich nehme ich doch weiterhin Benzodiazepine.


    Momentan frage ich mich jetzt deshalb, ob ich schon in einer Abhängigkeit stecken könnte oder ob ich das irgendwie alles wieder umreißen kann, wenn auch unschön, ist mir bewusst.

    November: unregelmäßig, aber schon mehrmals die Woche 2,5mg Tavor

    Dezember: 150mg Elontril (ist ein Amphetamin), dazu erst 1mg Tavor, irgendwann dann 7,5mg Zopiclon und dadurch, dass ich selbst nach der Einnahme von Zopiclon noch stundenlang wach da lag und ins Gedankenkreiseln kam, dann zusätzlich erst 1mg Tavor.

    Januar: 150mg Elontril, tagsüber schon 1mg Tavor, abends 5-10mg Valium und/oder 1-3mg Tavor und/oder 7,5-10mg Zopiclon.

    Öfter das "oder" als das "und", aber dass ich jetzt seit November täglich, zumindest was das Valium angeht.


    Ich bin überhaupt gar nicht begeistert und das steht auch genau deshalb nicht unter Sucht, weil ich nicht abhängig von diesem Zeug sein will und mir das überhaupt nichts gibt. Ich bin ein suchtgefährdeter Mensch, aber definitiv nicht in die Richtung, sondern eher in Bezug auf Aufputschmittel. Ich muss das Tavor allerdings die ganze Zeit nehmen, weil ich schon mit Weinkrämpfen aufwache, tagsüber mich mal mehr, mal weniger ablenken kann, aber ab nachmittags sich die Suizidalität anschleicht und ab abends dann explodiert. Ich bin übrigens eigentlich gerade nicht suizidal, das ist das Verrückte an der Sache und das alles bin nicht ich. Ich hatte die letzten Wochen eine etwas schwerere Zeit als sowieso schon, aber gerade geht es eigentlich wieder bergauf und ich will gar nicht sterben.


    Arzt Nr. 4 ist beleidigt, dass ich nicht mehr weiter einfach drauf los probieren wollte und versteht überhaupt gar nicht, dass ich diese wahnhafte Suizidalität nachts echt bedenklich und gefährlich finde und mich deshalb nicht TRAUE. Es geht hier nur bedingt um Wollen, sondern wirklich vielmehr ums Trauen. Ich bin ein reflektierter Mensch mit einer meistens halbwegs guten Impulskontrolle, aber das bedeutet nicht, dass ich nie Aussetzer habe oder dass nicht die Möglichkeit theoretisch besteht, dass ich welche haben könnte.

    Er weigert sich, mir weiterhin Benzodiazepine zu verschreiben, ich habe noch einmal gerade so viele bekommen, dass ich es zu meinen Prüfungen schaffe und danach soll ich doch schauen, was ich tue, von ihm kriege ich gar nichts mehr.


    Ich habe die letzten Tage viel recherchiert zum Thema Abhängigkeit von Benzos und mittlerweile weiß man ja auch, dass Z-Drugs kein bisschen besser sind, deshalb habe ich hier jetzt ein Doppelproblem (und wenn man das Elontril mit dazu nimmt, ein Dreifachproblem, aber das sollte ich wohl erst angehen, wenn ich die Benzos los bin).

    Alles, was ich dazu finde, ist so unglaublich schwammig. Man könnte schon nach 2 Wochen abhängig sein, manchmal aber auch erst später, Entzugssymptome könnten auftreten, müssen aber nicht, können gefährlich sein, usw..


    Woran erkennt man, ob man schon abhängig ist? Der einzige Anhaltspunkt, den ich habe und bei dem ich weiß, dass es bedenklich sein könnte, ist, dass ich es momentan häufig als Ausweg nutze, wenn die Gedanken kommen, die ich nicht aushalte. Damit muss ich aufhören, das weiß ich, aber meine Frage richtet sich auch eher nach körperlicher Abhängigkeit.

    Ich habe nicht genug, um es langsam ausschleichen zu lassen, ich habe keine ärztliche Betreuung mehr (bekomme auch nichts mehr, um es ausschleichen zu lassen) und ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Soweit ich das verstanden habe, ist ein "kalter Entzug" (nennt man das bei meiner noch relativ kurzen Einnahmedauer von knapp 3 Monaten dann überhaupt schon Entzug?) aufgrund von Krampfanfällen auch eher nach Langzeiteinnahme überhaupt eine Gefahr?

    Mir ist klar, dass mir hier niemand gesichert sagen kann, dass das alles ganz einfach Zuhause funktioniert und ich das alles einfach weglassen kann und dann halt ein paar schlechte Tage auf der Couch verbringe und jammer.


    Ich weiß gerade vielleicht auch gar nicht so genau, was ich eigentlich hier erreichen will. Vielleicht Erfahrungen? Oder Meinungen, weil ich auch nichts dazu finde, inwieweit meine Einnahme schon bedenklich ist, sowohl in Bezug auf Dauer als auch Dosierung.

    Und ich habe gerade keinen Ansprechpartner hier direkt vor Ort. Ich sammel Informationen, um dann überlegen zu können, was ich jetzt am besten tue. Ja, ich suche Informationen.


    Liebe Grüße und danke! Das ist jetzt so ein langer Text, aber das ist alles so komplex und kompliziert, ich habs schon so kurz wie möglich versucht |-o.

  • 285 Antworten

    Ich nehm auch Elontril + Diazepam. Die Kombi ist sehr ungut je nachdem wie man drauf reagiert. Ich reagiere bspw. mit Halluzinationen und Suizidgedanken, obwohl die Suizidgedanken ohne die Medikamente sehr viel stärker sind


    Hab auch andere Medikamente durch ohne große Wirkung. Interessant finde ich dass gerade Psychiater diejenigen sind die Suizidgedanken und andere starke NW von Medikamenten am ehesten komplett ignorieren. Sogar wenn man es ganz direkt anspricht


    Versuch es auszuschleichen, das Risiko für Krampfanfälle ist durch das Elontril erhöht, und nach dreimonatiger Einnahme in der Wirkstoffhöhe (und Diazepam zB wird langsamer abgebaut wenn man es zeitgleich mit Elontril nimmt) würde ich sicher nicht von heute auf morgen alles absetzen


    Hattest du mal Krampfanfälle in der Vergangenheit?


    Und Hast du mal sowas wie Mirtazapin oder Valdoxan genommen?

    Danke für Deine Antwort!

    Als ich das Elontril damals abgesetzt habe, habe ich auch mit Halluzinationen, Wahnvorstellungen und massiven körperlichen Symptomen reagiert. Deshalb graut es mir davor jetzt schon und ich tendiere dazu, nicht alles gleichzeitig abzusetzen.

    Ausschleichen geht eben nicht, weil ich ja nicht mehr genug habe. Bis nächste Woche kann ich an der Kombination nichts verändern, danach wollte ich anfangen.


    Zum Thema Krampfanfälle: Nicht im klassischen Sinne. Also ich habe keine epileptischen Anfälle, allerdings fange ich bei bestimmten Medikamenten an zu "zucken". Fängt erst innerlich mit diesen Stromschlägen (Brain Zaps) an, irgendwann sieht man mich auch von außen permanent zucken. Es fühlt sich an wie Muskelkrämpfe und Nervenverwirrung, aber es sind keine epileptischen Anfälle. Die Ärzte konnten damit aber nichts anfangen. Beim ersten Mal, als das passiert ist unter Venlafaxin, hat der Hausarzt den Krankenwagen gerufen (man sieht es also wirklich von außen) und die in der Notaufnahme wussten gar nicht, was das ist (und haben mich heimgeschickt, weil ich wohl einfach nur etwas viel Stress hätte gerade). Eigentlich gehört das ja eher zum SSRI-Absetzsyndrom, aber ich habe das unter anderem auch bei Atosil.


    Mirtazapin oder Valdoxan habe ich noch nie genommen, aber zumindest ersteres fällt sowieso direkt raus aufgrund einer anderen Problematik. Ich sollte jetzt als nächstes ja Opripramol ausprobieren, aber ich habe viel zu viel Angst.

    Allgemein habe ich höllisch Panik vor Psychopharmaka, gerade vor denen, die ich nicht kenne. Ist aber keine unbegründete, hypochondrische Panik, sondern beruht auf einem Ereignis, was mich in der Hinsicht ziemlich verstört hat und seitdem diese Angst eben besteht.

    Ich habe nochmal über Deine Worte nachgedacht und bin verwirrt.

    Steigern das Absetzen von Benzos und das Elontril das Krampfrisiko auf die gleiche Weise oder stecken da ganz andere Ursachen dahinter, warum jemand dann letztendlich Anfälle bekommt?

    Weil in Bezug auf das Elontril bin ich absolut krampfunanfällig, auch in hohen Dosen. Aber Krampfanfällen beim Absetzen von Benzos auf eine ganz andere Art ausgelöst werden, lassen sich aus der Elontril-Info keine relevanten Informationen rauslesen, oder?


    Ich frage mich halt, inwieweit das Risiko von Lebensgefahr bei so einer eher kurzen Dauer und "niedrigeren" Dosis besteht. Da gibts ja ganz ganz andere Fälle, bei denen das Absetzen wirklich gefährlich ist und zu solchen habe ich eben Informationen gefunden, aber nicht zu meiner Situation?


    Es gibt ja auch gute Tage, da brauche ich nicht so viel, aber daneben auch die schlechten. Die Dosis wurde auch nur immer höher, weil ich eine unglaublich schnelle Toleranzbildung habe. Bei allem, ein Arzt meinte, ich muss das sehr schnell verstoffwechseln, weil ich eigentlich eine leichte Person bin und schon von Anfang an - also ohne Gewöhnungseffekt - niedrige Dosen nicht gewirkt haben. Ebenso bei dem Zopiclon, ab Tag 3 selbe Dosis dauert es eben schon an die 3 Stunden, während man ja eigentlich sagt, man sollte das am besten schon so halb auf der Bettkante nehmen, weil es schlaferzwingend wäre.


    Inwieweit meine Toleranzbildung und meine Verstoffwechselung von sowas dann aber aufs Absetzen eine Rolle spielt, weiß ich halt auch nicht?

    Bin kein Experte und nehme jetzt keine Psychopharmaka, aber ich meine gelesen zu haben dass es bei vielen AD in den ersten zwei Woche zu erhöhter Suizidalität kommen kann die dann verschwindet? Vielleicht ist das der Grund, warum viele Psychiater das Zeug trotzdem verschreiben? Weil sie eben wissen nach zwei Wochen ist die Gefahr des Suizids vorüber?

    wäre es für dich vielleicht eine Möglichkeit in eine Klinik zu gehen um dort die Medikamente auszuschleichen und das sie dich dort unter Beobachtung neu einstellen?

    Puh.. also es macht den Eindruck, als wäre Tavor so ziemlich das einzige was halbwegs bei Dir hilft, oder?


    Ich kenne durchaus Leute, die das niedrig dosiert dauerhaft nehmen. In Anbetracht der Schwere und Hartnäckigkeit Deiner Probleme ist es vielleicht nicht die sinnvollste Strategie, unbedingt frei davon werden zu wollen? Vielleicht wäre es besser, es in Kauf zu nehmen, wenn sich dadurch die Gesamtsituation bessert?


    Alternative wäre vielleicht eine nicht so regelmässige Einnahme.. nur jedern zweiten, oder jeden dritten Tag.

    Davon würde ich abraten, da Tavor sehr schnell abhängig macht und man wegen des Gewöhnungseffektes die Dosis erhöhen muss, um das gleiche Ergebnis zu erzielen.

    Ich rate ganz klar zum Entzug in einer Klinik.

    Plüschbiest schrieb:

    Bin kein Experte und nehme jetzt keine Psychopharmaka, aber ich meine gelesen zu haben dass es bei vielen AD in den ersten zwei Woche zu erhöhter Suizidalität kommen kann die dann verschwindet? Vielleicht ist das der Grund, warum viele Psychiater das Zeug trotzdem verschreiben? Weil sie eben wissen nach zwei Wochen ist die Gefahr des Suizids vorüber?

    Ja, das ist tatsächlich oft so, dass AD durch die Suizidalität anfangs erhöhen können. Liegt daran, dass die Antriebssteigerung vor der Stimmungsaufhellung kommt und dann angeblich viele den "Antrieb" hätten, es zu tun. Wurde mir so mal erklärt.

    Aber die Gefahr ist nicht grundsätzlich nach zwei Wochen vorüber. Ich weiß auch gar nicht, ob Psychiater das grundsätzlich direkt gern mit verschreiben.

    Bei mir war es so, dass ich das Medikament schon vor Jahren bekommen habe und davon noch den Großteil übrig hatte (weil ich normalerweise nicht dazu greife und damit kein "Suchtproblem" habe. Deshalb hatte ich die noch, fing damit ja im November alleine an und dachte, ich könnte die Krise allein so überstehen und im Dezember in der PIA habe ich eigentlich nur eine kleine Packung noch bekommen, weil Weihnachten für viele eine schwere Zeit ist. Sonst hätte ich gar nichts mehr davon bekommen und hätte meine Neuroleptika, die ich auch noch Zuhause übrig habe, nehmen sollen, wenn ich nicht schlafen kann. Habe ich dann ja gemacht, zweimal auch, um zu schauen, ob ich nur an einem Tag einfach komisch reagiert hätte mit den Gedankenstimmen.

    Ich hatte dann auch mehrfach versucht, die PIA zu erreichen, weil ich eben gar nicht mehr geschlafen habe, aber wurde nie zurückgerufen und dann gings eben los, dass ich das Tavor genommen habe, weil ich keine Alternative wusste.

    Bei der regulären Nachkontrolle da meinten sie halt nur, dass das jetzt ungut lief, aber ich wenigstens statt Tavor Zopiclon nehmen soll zum Schlafen. Weil die Schlaflosigkeit in dem Ausmaß richtig gefährlich wurde. Am liebsten hätten sie mich auch dabehalten, um die Schlaflosigkeit stationär zu beobachten und eingreifen zu können, aber das ging nicht und wollte ich nicht.

    mandysu schrieb:

    wäre es für dich vielleicht eine Möglichkeit in eine Klinik zu gehen um dort die Medikamente auszuschleichen und das sie dich dort unter Beobachtung neu einstellen?

    Jein. Natürlich gibts so Möglichkeiten ganz bestimmt, aber ich möchte das eigentlich aus vielen Gründen nicht. Das wäre die allerallerletzte Möglichkeit, aber deshalb suche ich ja gerade nach Informationen und Alternativen, weil ich mir einen stationären Aufenthalt gerade eigentlich nicht "erlauben" kann.

    rr2017 schrieb:

    Puh.. also es macht den Eindruck, als wäre Tavor so ziemlich das einzige was halbwegs bei Dir hilft, oder?


    Ich kenne durchaus Leute, die das niedrig dosiert dauerhaft nehmen. In Anbetracht der Schwere und Hartnäckigkeit Deiner Probleme ist es vielleicht nicht die sinnvollste Strategie, unbedingt frei davon werden zu wollen? Vielleicht wäre es besser, es in Kauf zu nehmen, wenn sich dadurch die Gesamtsituation bessert?


    Alternative wäre vielleicht eine nicht so regelmässige Einnahme.. nur jedern zweiten, oder jeden dritten Tag.

    Ja, war schon immer so. Wirkt relativ zuverlässig (in höheren Dosen als man bei mir erwarten würde und halt mit einer enorm schnellen Toleranzbildung innerhaolb von kürzester Zeit, also ich habe das NIE langfristig genommen. Das jetzt ist das längste, davor immer nur so alle paar Monate mal eine oder zwei in einer Woche, wenns kritisch war) und ist nebenwirkungsarm bis -los. Ich bin im ersten Moment kurz bisschen müde, wenn ich mich hinlege, dann döse ich kurz ein, aber danach bin ich kognitiv fit, kann lernen, ich bin nicht suizidal und ich funktioniere.

    Ich denke, würde das Zeug nicht abhängig machen, würde überhaupt gar niemand mehr versuchen, mich auf irgendwas anderes einzustellen, weil das ist ein Traum. Bei allem anderen gabs immer so massive Probleme, gerade auch von der körperlichen Seite mit Herzrhythmusstörungen (dann gabs Betablocker obendrauf), Kreislaufprobleme allgemein, Gewichtszunahme ohne Ende.

    Das "Frei davon werden wollen", hm. Ja, gings es nach mir, wäre es mir mittlerweile egal. Gut, ich wäre vielleicht irgendwann abhängig, aber ich hätte ein Leben. Alles andere davor (das geht mittlerweile fast mein halbes Leben so) war kein Leben. Ich bin seit 2016 jedes Jahr in Kliniken, davor gabs immerhin mal zwischendrin Pausen. Alles dreht sich nur noch darum und alles, was ich mal wollte, so Zukunft, Studium, verfliegt immer mehr.

    Aber die Sache ist ja eben die, dass mir der Arzt jetzt eben nur noch eine kleine Menge gegeben hat bis zu meinen Prüfungen und dann habe ich nichts mehr. Und keinen Arzt mehr, der mir welche verschreibt. Arztsuche hier ist auch der Horror, ich bin wochenlang mit Dringlichkeitsschein rumgelaufen und wurde immer wieder abgewiesen, bis ich eben als Notfall in die Psychiatrie eingewiesen wurde.


    Deshalb meine ich ja, es geht gerade weder ein langsames ausschleichen, denn dafür bräuchte ich auch mehr als die paar, die ich noch habe, noch geht es, einfach langfristig eine Dosis zu finden und beizubehalten, die okay ist. Trotz Abhängigkeitsgefahr.


    Irgendwie ist das ein Dilemma, oder? Ich wäre ja sonst auch niemals auf die Idee gekommen, Zuhause mehr oder weniger kalt zu entziehen. Das hatte ich beim Elontril vor zwei Jahren unfreiwillig und das war nicht schön.


    Maerad schrieb:

    Davon würde ich abraten, da Tavor sehr schnell abhängig macht und man wegen des Gewöhnungseffektes die Dosis erhöhen muss, um das gleiche Ergebnis zu erzielen.

    Ich rate ganz klar zum Entzug in einer Klinik.

    Mist. Aber ja, klar, Gewöhnungseffekt ist ja jetzt schon anscheinend da. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das "normal" ist, dass ich mit der Menge, die ich da nehme, überhaupt noch so gut funktionieren kann. Und ich meine wirklich gut.


    Aber ist das wirklich ein Entzug dann? Das frage ich mich nämlich die ganze Zeit schon. Wäre das ein Entzug, so richtig wie man das bei Drogen kennt oder wie läuft sowas ab?

    Schrittweise ausschleichen (das dauert doch aber ewig, oder?) oder wie gehen die da normalerweise vor?

    Und danke für all die Antworten! In meinem Umfeld kann ich gerade wirklich niemanden fragen. Ich wollte das eben noch oben einfügen, aber irgendwie zieht mein PC voll oft die Buchstaben nach, wenn ich nachträglich was einfügen will und überschreibt das Nachfolgende, deshalb als Nachtrag |-o;-D.

    Kann mich Maerad nur anschließen, eine stationäre Entzugsbehandlung ist wohl der einzig (sinnvolle und sichere) Ausweg. Ich bin momentan in einer ähnlichen Situation und am Donnerstag in 2 Wochen trete ich den stationären Entzug an.

    Bei mir ist es so, ich nehme jeden Tag 2mg Lorazepam (Tavor-Wirkstoff) verteilt auf 2 Einzeldosen, nach dem Mittagessen und nach dem Abendessen.
    Habe mich auch lange dagegen gesträubt, einzusehen, dass ich abhängig bin, ich dachte, da ich es erst seit ein paar Monaten regelmäßig nehme, ich könnte da allein wieder raus kommen und sei gar nicht wirklich abhängig.

    Fakt ist aber, dass ich ohne das Zeug nicht mehr kann, ich wache morgens in Angst auf und sehne mich regelrecht nach der ersten Einnahme, dann kann ich wieder halbwegs normal denken und alles scheint nicht mehr so aussichtslos wie vorher. Das gleiche bzw. ein ähnliches Muster sehe ich bei Dir, weshalb ich dir auch zu einem Entzug in einer Klinik rate, zumal da stets Ärzte anwesend sind, falls irgendwas sein sollte.

    Ich habe auch mächtig Schiss davor, aber es muss sein, denn ich will eine Psychotherapie machen, dafür ist es ohnehin Voraussetzung, und außerdem ist jede Form von Abhängigkeit einfach Mist, vor allem bei Benzos.

    Der Entzug wird sicher so sein, dass es nach und nach ausgeschlichen wird. Meines Wissesn nach wird man auch erst mal auf Diazepam oder ein anderes langwirksames ein- bzw. umgestellt, da dann ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel erreicht und langsam herunterdosiert werden kann, was mit z. B. Tavor (Lorazepam) nicht möglich ist.

    Es gibt Leute, denen es psychisch so schlecht geht bzw die so schwer psychiatrisch krank sind, dass eine permanent niedrigdosierte Benzo-Medikation unterm Strich die beste Lebensqualität bietet. Das macht natürlich irgendwann abhängig (wobei ich eine kenne die jahrelang täglich Tavor bekommen hat und davon nicht abhängig geworden ist) und ist nicht schön und wünschenswert, aber trotzdem evtl das kleinstmögliche Übel.


    Von daher finde ich es nicht sinnvoll, zu sagen, es ist generell immer falsch, und ein stationärer Entzug und "kein Tavor mehr" ist das einzig sinnvolle.


    Wir können und sollten das hier einfach nicht entscheiden, das muss in einer Klinik passieren. Wobei ich eigentlich in der Regel der Meinung bin, sofern man nicht tatsächlich an einer Psychose leidet, wäre erstmal "runterkommen von allen Medis und die Lage sichten" das beste. Wenn die Depressionen dabei unaushaltbar schlimm werden, allerdings auch wieder nicht.


    Ich meine nur, es ist nicht sinnvoll, an das ganze mit der Geisteshaltung "Tavor muss weg, das ist das wichtigste Ziel" heranzugehen.

    Dafür gibt es bei den entsprechenden Kliniken meistens Vorgespräche, genau wie für stationäre Psychotherapien. Jedenfalls war das bei mir der Fall (der Entzug findet an einer Uniklinik statt).

    In diesen Vorgesprächen wird einerseits die Notwendigkeit eines evtl. Entzugs geklärt, genau so muss der "Bewerber" eine Motivation zeigen und begründen können, warum er von einem Suchtmittel weg will. Die nehmen ja nicht jeden, der sich dort anmeldet, da es genügend Leute gibt, die das gar nicht von sich aus machen und dann hat es keinen Wert, zumal dann Plätze für Leute weggenommen werden, die es wirklich wollen und brauchen.

    Die Frage ist halt immer, was ist meine Alternative?

    Ich habe keine, wenn nichts anderes wirkt und ich bekomme von Ärzten sehr oft zu hören, was man noch alles ausprobieren könnte, aber ich habe mittlerweile über 20 verschiedene Medikamente bekommen und ich bin müde.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die da oben mittlerweile alles durcheinander gemacht haben.


    Ich bin ohne Medikamente schwer depressiv, mit bin ichs auch (Grunderkrankung ist aber eine ganz andere), was will man da also groß tun? Ginge es nach mir, würde ICH in Kauf nehmen und mir darüber bewusst sein, dass Tavor eine Abhängigkeit verursachen kann, aber dafür habe ich wenigstens sowas wie ein Leben gerade.

    Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich jetzt wieder gar keine medikamentöse Unterstützung mehr habe. Ich weiß, dass man sagt, dass Medikamente (ADs, etc.) nicht abhängig machen, aber für mich ist das gefühlt nichts anderes. Wenn ich da mal die Einnahme vergessen habe, war die Hölle los. Das ist für mich auch Abhängigkeit, auch wenn man es offiziell nicht so nennt.