"Medizinische" Phobie - hat jemand noch Tipps für mich

    Mir ist das gesamte Thema peinlich und ich möchte auch nicht, dass ein Bezug zu anderen Posts von mir hergestellt werden kann, daher nutze ich die Alias-Funktion.

    Das ganze wird ziemlich lang, aber ich wollte auch die Vorgeschichte erwähnen, damit man sich ein besseres Bild machen kann.


    Ich habe ein großes Problem mit Arztbesuchen und vielen medizinischen Behandlungen. Schon als Kind gab es hin und wieder etwas Probleme. Ich kam allerdings auch mit meinem damaligen Kinderarzt nicht gut klar (sehr grob und nicht einfühlsam) und habe mich dann ab 13 Jahren geweigert zu diesem Arzt zu gehen. Zum Glück war ich nie ernsthaft krank, Impfungen wurden auch nicht durchgeführt. In der Oberstufe benötigte ich dann jedoch bei jeder Krankheit ein Attest und gerade 18 Jahre alt, bin ich dann zu einer ganz netten Hausärztin gewechselt, die neu ihre Praxis aufgemacht hat. Bei ihr war dann auch alles überhaupt kein Problem. Ich wurde ernstgenommen, mir wurde alles genau erklärt und auch meine Wünsche wurden berücksichtigt. Alles war dann plötzlich okay und ich bin auch ohne Angst oder Unbehagen zur ihr gegangen, wenn was anstand.


    Dann kam es nach einigen Jahren, dass ich aufgrund einer dann festgestellten chronischen Krankheit ins Krankenhaus musste. Hierbei sind ganz viele schlimme Dinge gelaufen und seitdem habe ich eine extreme Panik vor Ärzten, Nadeln, zahlreichen Behandlungen. Mir wurde in diesem Krankenhausaufenthalt auch die Schuld für mein Verhalten komplett gegeben, ich würde mich anstellen, Aufmerksamkeit suchen, etc. Seitdem gebe ich mir auch sehr schnell selbst die Schuld für mein Verhalten bei Ärzten, mir fällt es schwer, Forderungen an Ärzte zu stellen, etc. Auch PTBS-Symptome traten anschließend zeitweise sehr stark auf (inklusive Flashbacks, Dissoziationen und Alpträume). Am schlimmsten zeigte sich eine sehr heftige Nadelphobie.


    Aufgrund der im Laufe zugekommenen Krankheiten gehören jedoch Arztbesuche, Untersuchungen und auch Nadeln leider zu meinem Alltag dazu. Das ganze war für mich sehr schwierig. Normale Gespräche mit Ärzten waren nicht möglich. Sobald eine Blutabnahme oder ähnliches anstand, habe ich mich nicht mehr wiedererkannt. Hyperventilieren, Todesangst, extreme Schwindelattacken, Gegenwehr, etc. Ich musste für solche Geschichten zum Teil von zwei bis drei Leuten festgehalten werden (jedoch nur mit Einwilligung von meiner Seite aus). Die Angst war 24 Stunden am Tag vorhanden. Nach einer Blutabnahme habe ich wochenlang schon wieder Panik vor der nächsten Blutabnahme geschoben. Wenn ich nur an der Praxis vorbeigehen musste oder dort anrufen musste, habe ich bereits Panik bekommen. Ein normaler Hausarztbesuch war auch mit Panik verbunden, es könnte ja doch irgendjemand auf die Idee kommen, dass eine Impfung/Blutabnahme/Blutzuckermessung, etc. notwendig sein könnte.


    Zum Glück hat mich von Anfang an meine Hausarztpraxis wie auch die Facharztpraxis (bzw. dann im Laufe der Zeit auch einige weitere Facharztpraxen) unterstützt. Sie waren mal überfordert, jedoch haben sie das ganze akzeptiert und mich nicht fertig deswegen gemacht. Leider gab es allerdings auch von anderen Praxen sehr negative Reaktionen, von Auslachen über Anschreien und Beleidungungen war alles dabei. Auch "übergriffiges" gewaltsames Festhalten gegen meinem Willen war dabei. Das hat meine Ängste immer wieder sehr stark gesteigert.


    Ich bin dann nach einigen Jahren in Therapie gegangen. Erst habe ich 1,5 Jahre Traumatherapie (offiziell VT) gemacht. Dann jedoch, da die Chemie mit der Therapeutin von Anfang an nicht gepasst hat, nochmal gewechselt. Jetzt habe ich nochmal 1 Jahr kognitive VT, mit Fokus auf die kognitive Arbeit und 12 Sitzungen (während eines stationären Aufenthalts) klassische VT, also Konfrontation mit Nadeln, durchgeführt.


    Herausgefunden habe ich in dieser Zeit, dass meine Ängste ganz bestimmte "Themen" haben. Angst vor Schmerz, Angst davor Ausgeliefert zu sein, Angst, dass man mir nicht glaubt. Und natürlich auch die Angst vor der Angst.


    Es haben sich jetzt auch deutliche Erfolge gezeigt.

    So schaffe ich es mittlerweile mit meinen bekannten Ärzten recht gut und ohne Angst zu reden. Blutabnahmen und Impfungen führen dank Emla-Creme plus sehr konkreten Absprachen zu deutlich weniger Panik. Den Arm festhalten muss allerdings immer jemand. Das schaffe ich absolut nicht allein. Und es funktioniert nur bei zwei Praxen. Bei neuen Ärzten funktioniert es gar nicht und dort gibt es immer noch ziemliche Probleme. Blutabnahme dort ist unmöglich, funktioniert nur in zwei Praxen. Aber sonst habe ich bei Anrufen, generell Arztbesuchen ohne Untersuchung, etc. keine Angst mehr. Und auch keine Angst 24 Stunden am Tag, sondern nur direkt in der Situation dann.


    Es fällt mir jetzt aber immer mehr auf, dass ich auf viele andere Dinge stark reagiere. Und das ganze auch zu Verweigerung, komplette "Starre" oder heftige Gegenwehr führt. Wobei das ganze wirklich harmlose Dinge sind und viele dann auch sagen, ich stelle mich da einfach extrem an. Zum Beispiel ausziehen für eine Untersuchung ist extrem schlimm. Bspw. EKG mit BH an, funktioniert einigermaßen gut. Sobald ich aber den BH ausziehen muss, beginne ich total das Zittern und z.T. ist eine Messung dann nicht möglich.

    Oder auch Abhorchen und Bauch abtasten funktioniert gut, wenn ich nur mein Shirt hochschieben muss. Verlangt der Arzt allerdings, dass ich mich ausziehen soll, fange ich das Zittern an, verkrampfe ich mich und zum Teil wehre ich auch ab, so dass die Untersuchung nicht möglich ist. Ich habe keinerlei sexuelle Übergriffe oder schlechte Erfahrungen erlebt, die sowas erklären würde. Das ganze ist bei bekannte Ärzten deutlich weniger schlimm ausgeprägt als bei neuen Ärzten.


    Generell habe ich auch ein Problem mit männlichen Ärzten insb. mit Untersuchungen von diesen. Bei weiblichen Ärzten ist das ganze weniger schlimm. Hier vermutete meine erste Therapeutin ein direkten Zusammenhang mit den negativen bzw. positiven ersten Erfahrungen mit Kinderarzt und meiner ersten Hausärztin. Eine männliche Person (Arzt, Pfleger, männlicher MFA) dürfte mit einer Nadel auch definitiv nicht in meine Nähe kommen.


    Was auch ein riesen Problem sein könnte, ich würde nie freiwillig das Okay zu einer Operation geben. Da wäre ich den Ärzten ja auch komplett ausgeliefert.

    Ich bin bei allen Dingen extrem darauf angewiesen, dass diejenige Praxis mich unterstützt, mir Zeit gibt und halt auch viele "Sonderwünsche" berücksichtigt. Ohne, funktioniert es gar nicht. Vielleicht hat jemand Tipps für mich, wie ich das ganze noch besser hinbekommen könnte. Ich bin auch sehr anfällig für negative Kommentare, wenn dann mal ein negatives Wort über mich (vor mir, im Nebenraum im Gespräch, im Befund) etc. fällt, fange ich sofort mit zweifeln an. Dann mache ich mir sofort wieder Vorwürfe, gebe mir selbst die Schuld und verweigere mich dann auch wieder.


    Auch hat jetzt leider meine Hausärztin aufgehört und ich bin dank Arztmangel zu einem männlichen Hausarzt zwangsweise gewechselt. Er kennt meine Angst, akzeptiert diese auch, weiß, dass er mir auf keinen Fall mit Nadeln zunahe kommen kann. Das macht dann eine der MFAs, die ich seit Jahren kenne. Dennoch gibt es dort viele Probleme, ich verschweige bestimmte Beschwerden, weil sie mir vor ihm peinlich sind. Bisher fand auch noch keine körperliche Untersuchung statt. Wie ich dort reagiere, weiß ich auch noch nicht.


    Dazu kommt noch, dass ich aufgrund eines Jobwechsels meine Therapie jetzt sehr schnell und überstürzt abbrechen müsste, sollte ich den Job annehmen. Es wären noch 10 Therapie-Stunden übrig. Theoretisch möchte ich den neuen Job, allerdings möchte ich ungerne die Therapie jetzt abbrechen und habe Angst, alleine jetzt klarkommen zu müssen. Es ist deutlich besser geworden, aber normal ist es nicht und wird es wahrscheinlich nie 100% werden. Jedoch mache ich mir Gedanken, ob die Therapie überhaupt noch sehr viel bewirken kann. Meine Therapeutin ist ein sehr wichtiger Ansprechpartner für mich. Wir reden über meine Ängste, usw. und sie macht mir auch Mut. Aber sonst denke ich, viel erreichen werden wir in der Therapie nicht mehr. Auch der Leidensdruck ist deutlich geringer und viele Dinge sind soo viel besser geworden. Der momentan große Therapieschritt ist nun, dass ich lernen solle mein Verhalten einfach akzeptieren und mich nicht dafür schämen dürfte. Was ich leider immer noch mache, auch aufgrund doch negativer Reaktionen. Es geht ja soweit, dass ich mich häufig nicht traue zu sagen, was gerade das Problem ist und ich - obwohl ich es weiß - austicke, eben weil ich mich nicht traue zu sagen, was gerade nicht passt. Ich weiß selbst, dass das gerade ein sehr großes Thema bei mir ist und weiß auch, dass ich nur selbst schaffen werde, dass sich dieser Punkt ändert. Meine Therapeutin kann mir dabei nicht direkt helfen. Manchmal funktioniert es auch schon, aber dann wieder überhaupt nicht.


    So jetzt habe ich sehr viel geschrieben und danke jedem, der dieses Thema überhaupt liest. Ich wäre sehr froh, wenn ich irgendwelche Rückmeldungen, Ideen, Vorschläge etc. bekommen könnte. Auch zum Thema Therapieabbrechen oder nicht, würde ich mich über Ideen und Erfahrungen sehr freuen.

  • 35 Antworten

    Hat niemand irgendwelche Tipps, selbst Erfahrungen oder geht es jemanden ähnlich?

    Auch das Thema Therapie abbrechen oder nicht, wäre interessant.

    Zitat

    austicke

    was passiert dann? tickst du wutentbrannt aus?


    deine ängste, beschränken sie sich nur auf ärzte, medizinisches personal?


    ich hatte früher angst vor spritzen. aber ich habe mit der zeit gelernt, dass es gar nicht so schlimm ist. manchmal stechen die schwestern daneben, aber das halte ich mittlerweile aus.

    Alias 977473 schrieb:

    Dazu kommt noch, dass ich aufgrund eines Jobwechsels meine Therapie jetzt sehr schnell und überstürzt abbrechen müsste, sollte ich den Job annehmen. Es wären noch 10 Therapie-Stunden übrig.

    Gibt es bei Deiner Therapie nicht die Möglichkeit, das Online / Telefonisch weiterzuführen? Seit Corona haben das viele Ärzte und Therapeuten eingeführt.

    Vielleicht ist es auch einfach die falsche Therapieform für dich, wenn nach 2 1/2 Jahren keine wirklich merkbare Besserung eingetreten ist. Vielleicht wäre eine Konfrontationstherapie? Aber da können die Experten, wie Sunflower_73 sicherlich mehr dazu sagen.

    So viel mehr auch nicht.


    Der therapeutische Weg ist der richtige; aber man liest auch deutlich, dass die "Chemie" stimmen muss. Gerade bei Konfrontationselementen unglaublich wichtig. Und Expo online ist eher schwierig. Gibt es denn keine Möglichkeit, die Behandlung trotz Jobwechsel fortzuführen?

    Denn letztlich klingt es so, als ob es noch viele einzelne Situationen und die übergeordneten Themen kognitiv bearbeitet werden müssen, damit Du Dich auch an diese vorsichtig ranwagen kannst. Und kognitive Arbeit könnte man durchaus per Video-Termin durchführen. Gerade wenn man sich schon persönlich kennt, ist Video gar nicht so befremdlich.

    Im Gegensatz zu Deiner Selbsteinschätzung wirkt es von außen nämlich so, als ob jetzt gerade die erste große Hürde genommen wurde. Trotzdem gibt es noch Bereiche, wo DU klar sagst "kann ich nicht, geht nicht". Und genau DAS ist noch Luft. Da und eben bei den Ängsten/Überzeugungen, die der Ablehnung zu Grunde liegen.

    Und Du solltest gerade angesichts der Erfolge auch mal hinterfragen, warum Deine Überzeugung, Dinge nicht zu schaffen, so hartnäckig bleibt. Mir scheint der Aspekt der positiven Verarbeitung (Ich kann das, ich habe es geschafft") da noch zu schwächeln. Denn ja, es gab miese Erlebnisse, die Dich massiv beeinflusst haben. Aber es gibt auch die Erfolge, die überstandenen schweren Situationen. Wo ist der Unterschied bei einer BLutabnahme, wo jemand den Arm festhält und wo er nicht festgehalten wird? Es ist derselbe mechanische Prozess. Mit dem "man muss mich festhalten" bringst Du Dich aber so ein bisschen in die Situation, dass die negativ erlebte Gewalt auf "erlaubte" Weise fortgesetzt werden muss. Es geht weiterhin nicht ohne Festhalten etc.; was quasi übergriffig ist. Mit Erlaubnis nicht traumatisch, aber quasi eine Reinszenierung der negativen Erlebnisse. Da würde ich nochmals hinschauen.


    Und ansonsten: Nochmaliger Therapeutenwechsel? Ließe sich durch Umzug gut begründen. Die Frage ist nur, wie viele Sitzungen noch zur Verfügung stehen für eine VT-Therapie und ob sichi ein WEchsel lohnt.

    Ich kenne die Thematik insofern, als dass ich nach einer Fehldiagnose mit anschliessender Fehlbehandlung bis zum heutigen Zeitpunkt unter starken postoperativen Komplikationen leide. Bei mir steht aber nicht die Angst im Vordergrund, sondern eine enorme Wut auf unsorgfältige Ärzte.


    Ich habe festgestellt, dass die Arzt-Patient-Beziehung bzw. das Vertrauen für mich zentral ist. Früher war das nicht so, d.h. wenn die Chemie nicht 100% stimmte, war mir das egal, Hauptsache der Arzt machte seinen Job richtig.

    Heute habe ich Ärzten gegenüber keinerlei Frustrationstoleranz mehr. Ein falscher, lapidarer Tonfall, ein Übersehen oder Vergessen und ich werde rasend vor Wut.


    D.h. ich achte heute sehr genau auf mein Befinden bei einem Arzt. Es macht keinen Sinn, durchzuhalten und ich will auch nichts mehr durchhalten müssen, wenn mein Empfinden einem Arzt gegenüber ungut ist.


    Zum Glück habe ich eine sehr gute Hausärztin gefunden, die mich begleitet. Es war nicht immer einfach, aber sie weiss von meiner Wut und meinem Misstrauen. Und sie kann damit gut umgehen. Auch habe ich mittlerweile wieder 1-2 andere Ärzte gefunden, zu denen ich Vertrauen aufbauen konnte.


    Ich weiss nicht, ob mein Verhältnis zu Ärzten je wieder entspannt sein wird, wahrscheinlich eher nicht.

    Ich empfehle dir, sehr gut auf dich zu hören. Das Wichtigste ist, dass du Vertrauen zu einem Arzt aufbauen kannst, mit Vertrauen kann man fast alles zusammen erreichen... Auch solltest du unbedingt immer von deiner Angst im Vorfeld sprechen. Ein Arzt, der zu unsorgfältig damit umgeht, ist nicht der Arzt, den du brauchst.


    Ich rate dir zu einer Traumatherapie bzw. einer VT-Therapeutin mit zusätzlicher Qualifikation in Traumatherapie. Traumatherapeuten haben nochmals ganz andere Möglichkeiten als die reinen VT-ler. Reine Exposition ist bei Traumata nicht indiziert.

    Zitat

    Ein falscher, lapidarer Tonfall, ein Übersehen oder Vergessen und ich werde rasend vor Wut.

    aber das ist doch der falsche ansatz, wie wäre es mal mit verständnis? nicht jeder ist gleich gut gelaunt.


    mein psychodoc hat ganz andere kaliber als mich als patienten. da kommt es schon mal vor, dass er schlecht gelaunt ist.


    das ist mir in dem moment bewusst, deshalb brauche ich ihn nicht anpampen.

    Die letzten zwei Tage hatte ich irgendwie kein Glück ins Forum zu kommen. Jedes Mal war die Seite nicht erreichbar. Daher schreibe ich erst jetzt.

    Danke erstmal für all die Antworten, ich gehe gleich noch einmal detailliert auf einzelne Antworten ein.

    TimFaber schrieb:
    Zitat

    austicke

    was passiert dann? tickst du wutentbrannt aus?


    deine ängste, beschränken sie sich nur auf ärzte, medizinisches personal?


    ich hatte früher angst vor spritzen. aber ich habe mit der zeit gelernt, dass es gar nicht so schlimm ist. manchmal stechen die schwestern daneben, aber das halte ich mittlerweile aus.

    Nein, ich bin nicht wütend oder aggressiv. Ich bekomme aber extreme Panik und habe einen sehr starken Fluchtreflex und versuche aus der Situation zu entkommen


    Ja, die Ängste habe ich nur bei Ärzten und allen verwandten medizinischen Dingen, wie bspw. auch Physiotherapie. Allerdings in unterschiedlicher Ausprägung.


    Meine Praxen können sehr gut stechen. Daran liegt es nicht. Und wenn mal ein Versuch daneben geht, ist wird es beim zweiten Versuch auch nicht nochmal um ein vielfaches schlimmer. Es ist eher die Situation an sich.

    Mike578 schrieb:
    Alias 977473 schrieb:

    Dazu kommt noch, dass ich aufgrund eines Jobwechsels meine Therapie jetzt sehr schnell und überstürzt abbrechen müsste, sollte ich den Job annehmen. Es wären noch 10 Therapie-Stunden übrig.

    Gibt es bei Deiner Therapie nicht die Möglichkeit, das Online / Telefonisch weiterzuführen? Seit Corona haben das viele Ärzte und Therapeuten eingeführt.

    Ich habe meine Therapeutin wegen diesem Thema mal angerufen. Sie meinte ich hätte sogar noch die Möglichkeit nach diesen Therapie-Stunden nochmal 20 Stunden zu verlängern, also von 60 auf 80 Std. insgesamt.

    Sie mag keine ausschließliche Online bzw. Telefon-Therapie. Das ist jetzt bei ihr nur durch Corona eine Ausnahme. Allerdings meinte sie, dass wir eine Mischung machen könnten. Also, dass ich halt vllt 1x im Monat komme und 1x zusätzlich nur als Telefonat. Mal schauen, ob das mit der Arbeit ausgeht. Ich müsste halt dann immer Minusstunden machen und da habe ich dank Arztbesuche wahrscheinlich schon genug.

    YaHbb schrieb:

    Vielleicht ist es auch einfach die falsche Therapieform für dich, wenn nach 2 1/2 Jahren keine wirklich merkbare Besserung eingetreten ist. Vielleicht wäre eine Konfrontationstherapie? Aber da können die Experten, wie Sunflower_73 sicherlich mehr dazu sagen.

    Nach dem Therapeutenwechsel vor einem Jahr trat ja eine deutliche Besserung ein. Nur die ersten 1 1/2 Jahre Traumatherapie haben fast keine Unterschiede gebracht.

    Eine Konfrontationstherapie wurde nebenbei bei einem stationären Aufenthalt durchgeführt. Wir haben zwar das ursprünglich geplante Ziel nicht erreicht, da dort die Angst viel zu groß war. Aber das modifizierte Ziel haben wir erreicht und das hat auch viel ausgemacht bezüglich meiner Phobie.

    Danke erstmal für deine lange Antwort. Ich musste tatsächlich länger erstmal über das geschriebene nachdenken.


    Eine weitere Konfrontation ist eigentlich nicht mehr geplant, wir wollen die Themen eher kognitiv bearbeiten und bestimmte Gedankenmuster durchbrechen und mit neuen ersetzen. Zum Teil klappt es schon, aber es ist sehr mühsam.


    Ich dachte wie gesagt, dass meine Therapie eh bald ausläuft. Die Option nochmal um 20 Stunden zu verlängern, kannte ich gar nicht. Daher wäre es wahrscheinlich sehr hilfreich, dass noch mehr Themen bearbeitet werden, wobei diese Dinge bisher in der Therapie kaum thematisiert wurden, weil die anderen Probleme auffälliger und dringender waren. Ich habe auch irgendwie Bedenken, dass sich meine Angst jetzt ein etwas anderes Ventil sucht, wie bspw. wenn ich mich ausziehen muss für eine Untersuchung oder aber die Untersuchung durch männliche Ärzte. Vorher war mir da immer sehr unwohl, aber dass ich mich total verkrampfe und sogar abwehre ist mir jetzt erst bewusst aufgefallen.


    Das mit dem positiven Denken und Erfolge wahrnehmen ist momentan ein großes Thema in der Therapie. Wir haben auch so eine "Erfolge"-Liste bereits angefangen. Dort wurden erstmal zusammen und jetzt in Eigenleistung alle kleinen Erfolge eingetragen. Mittlerweile habe ich schon 9 Seiten zusammen und mir fällt es mittlerweile doch auf - wenn mich meine Therapeutin hinweist - wo auch bei eskalierten Situationen kleine Erfolge zu sehen sind. Und diese kann ich auch annehmen und als Erfolg verbuchen. Jedoch lasse ich mich nach wie vor von Misserfolgen schnell verunsichern.


    Mit dem Festhalten ist das so eine Sache. Das war jetzt auch vor Weihnachten mal länger Thema. Meine Therapeutin meint, dass mir das eine Art "Halt" oder "Sicherheit" gibt in der Situation. Ich ziehe ja wirklich reflexartig den Arm weg. Das hat die Psychologin, mit der ich während eines stationären Aufenthalts gearbeitet habe, sehr fasziniert als sie in einer Situation live dabei sein durfte. Sie meinte, dass es bei mir tatsächlich ein richtiger Reflex mittlerweile ist und das ganze sehr schwer wieder rückgängig zu machen sei. Und ich habe halt extreme Angst aufgrund dieses reflexartigen und unbewussten Wegziehens, dass ich mich dann total verletze oder denjenigen, der mich stechen möchte. Und wenn dann jemand etwas den Arm festhält, dann hilft er mir somit, dass der Arm einigermaßen ruhig bleibt. Und auch dieser Druck, ich muss jetzt allein schaffen, den Arm ruhig zu halten. Wenn nicht, tut es nur mehr weh/muss es nochmal gemacht werden, etc.


    Wobei dieses Festhalten i.d.R. schon ein Gegenteil zu gewaltsamen Festhalten gegen den Willen darstellt bzw. stellen soll. Wehre ich mich zu stark, wird i.d.R. unterbrochen. Nur manche Praxen verstehen das ganze nicht wirklich und dann geht wieder viel schief.

    Zum Teil wird es echt übergriffig und ich fühle mich hinterher sehr schlecht. In der einen Facharztpraxis haben wir zwar die Vereinbarung, wenn ich stopp sage, dann warten sie. Genauso wenn ich mich stark wehre. Aber manchmal ist die Panik so groß oder ich bin mit der gesamten Situation so überfordert, dass ich nichts mehr sagen kann und einfach wie ohnmächtig die Situation einfach über mich ergehen lasse.


    Ein nochmaliger Therapeutenwechsel möchte ich nicht machen. Hat meine Therapeutin auch vorgeschlagen. Aber ich komme mit ihr super zurecht. Nachdem die ersten 1,5 Jahre eigentlich vergeblich waren bei der ersten Therapeutin und ich jetzt endlich große Erfolge mache, möchte ich definitiv nicht wechseln.

    Danke für deine persönlichen Erfahrungen.


    Wut ist bei mir tatsächlich nicht dabei. Aber ich bin auch sehr nachtragend, wenn mich ein Arzt mal ausgelacht hat oder angeschrien, dann hat er es sich erstmal verschissen. Und er muss sich dann sehr anstrengen, dass ich ihm nochmal vertraue. 100% Vertrauen ist dann aber nicht mehr drin.

    Aber andere Praxen haben sich tatsächlich mein Vertrauen verdient. Aber ich verschenke es nicht (mehr), das haben sie sich hart "erarbeitet". Dein Satz "mit Vertrauen kann man fast alles erreichen" könnte auch von mir stammen. So ist es tatsächlich in meiner einen Facharztpraxis. Da habe ich zu zwei MFAs fast 100% Vertrauen und die dürfen mehr als alle anderen.


    Ich schäme mich für meine Angst, daher fällt es mir sehr schwer das Thema anzusprechen und ich mache es nur, wenn es unbedingt nötig ist. Und auch dort erlebe ich leider immer die Situation, dass das ganze massiv unterschätzt wird. Leider geben ja viele Menschen an, dass sie ja soooooo eine große Angst vor Nadeln haben und soooo eine große Nadelphobie. Und dann kommt, sie heulen ein wenig und mögen es nicht, aber dann ist die Sache gut und sie lassen es einfach machen. Sie haben in Wirklichkeit natürlich Angst, aber keine extreme Phobie wie ich sie habe. Sowas ist im Praxisalltag sehr selten und viele MFAs und Ärzte sind dann auch trotz Vorwarnung mit der Situation überfordert. Sie verstehen die gesamte Thematik erst, wenn sie sozusagen "live" dabei waren. Ich habe leider sogar von Therapeuten bereits gehört, dass die Ausprägung bei mir schon sehr extrem und selten ist.


    Meine erste Therapie war ja eine VT mit Schwerpunkt Traumatherapie. Leider hat die Beziehung zur Therapeutin von Anfang an nicht gepasst. Wir haben viel versucht auch EMDR und Hypnose. Aber alles ohne Erfolg. Zum Schluss sind wir im Streit auseinandergegangen.

    Ich denke aber auch, dass eine Traumatherapie in der momentanen Situation schwierig ist. Ich bin nicht in Sicherheit, sondern erlebe immer wieder traumabedingte Trigger. So werde ich regelmäßig, fast schon ständig, mit Nadeln konfrontiert. Einige Trigger konnte ich bereits identifizieren und diese vermeiden wir in den Arztpraxen, bspw. eine bestimmte Farbe der Nadeln, oder bestimmte Körperstellen für die Blutabnahme. Ob das allerdings der richtige Weg ist weiß ich nicht.

    Ehrlich gesagt ist es ja auch ein vollkommen natürliches menschliches Verhalten das du dir nicht gerne fremde Gegenstände unter die Haut stecken läßt (Nadeln, etc).

    Daher ist das für mich jetzt erstmal nichts krankes.


    Ist es dir möglich, die Arzt Besuche stark einzuschränken ? Ich gehe alle 10 Jahre 1x zum Hausarzt maximal. Nur Zahnarzt bin ich 1x pro Jahr, aber immer ohne Spritze.


    Hast du mal Visualisierung versucht ? Sozusagen im entspannten Zustand die Situation bei geschlossenen Augen vorstellen, riechen und fühlen.

    Dann auch mal den Film anhalten und aus allen Richtungen (sachlich) auf die Situation schauen... könnte bissl desensibilisieren.