• Mein Bruder hatte Sex mit Mann (Männern?) für Geld

    Mein Bruder ist 21 und bereitet mir (und meinen Eltern) schon seit Jahren starke Probleme. Er gammelte bis vor Kurzem nur zuhause, war (und ist) zwischenmenschlich ein äußerst unsympathischer, rücksichtsloser Mensch und hat auch schon mal Geld von mir oder meinen Eltern geklaut, weil die ihm wegen seiner Arbeitslosigkeit das Taschengeld kürzten,. Seit…
  • 47 Antworten
    Zitat

    Das ist aber nicht nur menschliches Versagen deines Bruders, sondern auch deiner Eltern. Beim Zusammenleben in einem Familienverband zählen die Bedürfnisse aller.

    Wenn die Eltern überfordert sind, sich durchzusetzen, verliert oft das Geschwister, das von sich aus rücksichtsvoller und angepasster ist und nicht aggressiv seine Bedürfnisse einfordert. Das ist zum Teil auch eine Sache des Temperamentes. Mit dir gibt es nämlich weniger Stress, als wenn man sich mit dem älteren Bruder auseinandersetzen müsste. Der Weg des geringsten Widerstandes, den die Eltern da gehen. Das passiert sicher selten bewusst so, aber wenn sich das erstmal so verfestigt hat, hast du einen schweren Stand, wenn du da nicht mehr mitspielen kannst/möchtest und dann deinerseits nicht mehr funktionierst im Familiensystem.

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    Meine Eltern interessiert das aber nur in dem Moment, in dem es mir sichtbar körperlich schlecht geht.

    Sowas lässt sich auch schlecht "ausblenden" und ist für Außenstehende "greifbarer". Du bist deinen Eltern sicher nicht egal und zu einem Teil kümmern sie sich auch fürsorglich um dich, aber ob sie auch die Dimension sehen, die das Zusammenleben mit deinem Bruder für dich hat und gehabt hat? ... Da kann Reden einerseits helfen, ist aber andererseits genau eines der Problembereiche. Erst recht, wenn deine Eltern eine unbewusste Abwehr dagegen haben, sich dem Konflikt mit deinem Bruder zu stellen.


    Manchmal ist das erst der Fall, leider, wenn sie selbst ähnlich stark betroffen sind von den Verhaltensweisen deines Bruders ohne Ausweichmöglichkeit, wie du es warst. ... Das kann aber Jahre/Jahrzehnte dauern. War in meiner Familie so, wobei die Ausgangssituation nicht vergleichbar ist.


    Wenn es dir hilft: Wenn du erstmal ausgezogen bist, ist das Ganze deutlich besser. ... wie du es eben beschreibst: Man kann die Tür hinter sich zu ziehen, sich frei in seinen eigenen vier Wänden bewegen und hat seine Ruhe ohne dass es jederzeit zu "Stress" kommen kann mit "netten Familienmitgliedern". Ich finde das bis heute paradiesisch, obwohl ich schon seit Jahren so lebe.

    Zuschauer, ich stimme dir in deinen Punkten völlig zu. Ich bin mir auch sicher, dass ich meinen Eltern nicht egal bin. Und trotzdem werfe ich ihnen vor, dass sie eine erhebliche Mitschuld an meiner Lage tragen, weiß aber auch, dass der restliche Anteil nicht nur mein Bruder, sondern auch ich selbst bin. Das belastet mich ebenfalls. Zum einen ist es die Unfähigkeit, dem Ganzen ein Ende zu setzen und auszuziehen (Jobsuche, ich bin sehr schüchtern, wenn fremde Menschen mich beurteilen, die Frage, ob ich das mit dem Abi dann noch auf die Reihe kriege - ich bin kein schlechter Schüler, aber auch nicht unbedingt gut) und zum anderen die Unfähigkeit, meine Probleme klar zu kommunizieren bzw. eine Veränderung zu bewirken.


    Ich bin echt froh, dass ich am Freitag die Gelegenheit erhalte, einen Job zu bekommen. Ich hoffe, das wird was.

    Toby_

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    Meinen Bruder darauf ansprechen schaffe ich nicht.

    Wozu auch? Es geht Dich doch auch nichts an, mit wem er was treibt, solange es freiwillig ist.

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    Aber ich fühle mich schrecklich.

    Was spricht dagegen, dass Du ein anderes Kopfkino startest? Es sind ja Deine Gedanken.

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    Ich habe Angst, dass sich mein Bruder selbst schädigt. Er ist für sowas anfällig. Und ich weiß auch nicht, warum er so dringend Geld braucht, dass er solche Internet-Angebote annimmt. Ich kenne solche Angebote, weil ich, wie gesagt, selbst schwul bin und man da zwangsweise als Junge im Internet "Taschengeld"-Angebote von älteren Männern bekommt. Und dass sind hohe Beträge und IMMER skrupellose Männer.

    Das ist natürlich klar, dass Du Dir Sorgen um deinen Bruder machst, aber das finde ich schon ganz schön überzogen. Du bist ja nicht sein Vater und abgesehen davon ist er 21 und für sich selbst verantwortlich. Das hieße also, dass Du lernst mehr zu differenzieren und selbstbewusster zu werden, was auch bedeutet, dass Du Dich lernst abzugrenzen und selbstverantwortlich zu werden. Du bist nicht für Deinen Bruder verantwortlich.


    Du schreibst:


    Mein Bruder hatte Sex mit Mann (Männern?) für Geld


    Ist vorerst einmal nur eine Unterstellung. Du weißt ja eigentlich viel zu wenig von ihm, um die Situation überhaupt einschätzen zu können.

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    Das habe ich versucht, ich kann das leider nicht. Jetzt hilft wahrscheinlich nur noch räumliche Abgrenzung.

    Oder ein paar Coachingstunden, um zu lernen, Dich abzugrenzen. Dein Verhalten kommt mir sehr übergriffig vor und das unter dem Mantel der Sorgen um Deinen Bruder. Es mag auch sein, dass Du Dir so viele Sorgen machst, aber das ist meiner Ansicht nach kein Grund, sich so übergriffig zu verhalten. Langsam erklärt sich auch, wie es dazu kommt, da Du jetzt schon fürchtest, dass es für Dich Konsequenzen haben wird, weil es schon offensichtlich sehr oft dr Fall war und Du Dich da offenbar benachteiligt gefühlt hast. Daran wird sich ja nun nichts mehr ändern und Dein Plan, so schnell wie möglich selbständig zu werden und aus dieser Atmosphäre herauszutreten, finde ich einen guten Schritt.

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    Ja, mir gefällt das auch nicht.

    Das ist ja in Ordnung. Es muss Dir nicht gefallen, wie Dein Bruder lebt. Du scheinst Dich da aber fürchterlich darüber aufzuregen und das schadet vor allem Dir.

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    Daran hatte ich jetzt nicht unbedingt gedacht, aber mir fehlt da irgendwie die Grenze, die festlegt, was man bereit ist für Geld zu tun, oder eben nicht.

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    Da würde ich erst einmal die Frage stellen, warum dies denn gegen Geld geschähen müsse.

    Wenn es sich um Dich drehen würde, okay. Aber was brauchst Du da für eine Grenze? Es ist doch seine Entscheidung.

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    Ich frage mich immer, was so ein unterstellender Ton soll. Ich bin nicht mittlerweile soweit, sondern habe ihn jahrelang alles machen lassen, was er will.

    Das Problem ist, dass es überhaupt nicht Deine Aufgabe ist "ihn etwas machen zu lassen". Das ist eben diese Übergriffigkeit. Das ist ja auch nicht wirklich das Problem, wenn ich es richtig verstehe, sondern dass Du da irgendwie immer etwas abbekommen hast, wenn er etwas angestellt hat.

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    Verständlich, dass ich iwann dazu übergehe, seine Aktionen zu hinterfragen, oder nicht?

    Verständlich ist es, nur nicht Deine Aufgabe.

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    Ja. Aber mir fällt nichts Greifbares ein, worüber man aus meiner Sicht wirklich reden müsste. Mir geht es nicht gut, aber ich wüsste nicht, worüber ich mit jemandem deshalb reden soll bzw. wo ich da anfange.

    Du kannst nur Dich ändern und nicht andere.

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    Nein. Ich werde niemanden, der mich dermaßen geschädigt hat, ansprechen, wie es ihm geht.

    Aber das funktioniert so nicht. Du hast keine Kontrolle über Deinen Bruder und ich habe eher den Eindruck, dass Du auch irgendwie nach der Anerkennung Deiner Eltern ringst. Verständlich, aber es schadet Dir.

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    Ich habe mich heute nach einem Minijob umgesehen und soll am Freitag vorbeikommen. Ich hatte eig. vor, erst nach dem Abitur umzuziehen, aber dann werde ich das wohl jetzt machen müssen.

    Guter Plan.

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    Woran machst du das fest? Ich denke nämlich genau das Gegenteil.

    Ja, auch das kommt vor. Bei jedem Menschen. Trotzdem ist er für sich verantwortlich, auch für sein Fehler. Und die wird er nicht immer gleich wie Du definieren. Er ist nicht Du.


    Wenn er mit uns zuhause wohnt, nicht nur seine Angelegenheit.


    Hängt davon ab, worum es geht und wie die Hausregeln sind, die Deine Eltern aufgestellt haben. Ich habe die starke Vermutung, dass Du den Eindruck hast, dass Deine Eltern Dich und ihn unterschiedlich behandeln und dass Dich das traurig macht. Auch habe ich den Eindruck, dass Du meinst, Du müsstest der "bessere" Bruder in ihren Augen sein, weil er ständig Scheiße dreht und Du nicht. Irgnend wie wie ein Konkurrenzkampf zwischen Dir und ihm. Falls das zutrifft, so ist das natürlich völlig nachvollziehbar.

    Zitat

    Auch ein Knackpunkt. Es wurde eben schon so oft so bunt, dass man es hier nicht mehr ausgehalten hat. Aber an der Situation geändert hat sich daraufhin trotzdem wenig. Ich dachte eben, so langsam wird das was, und nun das.

    Dann kannst Du nur schauen, dass Du so schnell wie möglich ausziehst.

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    Was mich sehr enttäuscht hat, war, dass ich vor ein paar Wochen auch so eine Art Anfall hatte.

    Ja, nur bist Du halt auch kein Kind mehr. Ich verstehe natürlich, dass diese Situation vieles in Dir triggert, was früher in Eurer Kindheit passiert ist oder noch möglicherweise heute so gehandhabt wird. Auch da würde es meiner Ansicht nach mehr Sinn machen, Dich auf Dich zu konzentrieren und Dir Deiner bewusster zu werden. Du kannst weder deinen Bruder noch Deine Eltern ändern, nur Dich selbst.

    Ich würde mich da aber so was von vornehm raushalten...


    Oder willst Du seine Mami, sein Papi, sein Apostel sein?


    Er kann machen, was er will. geht Dich nüschte an.

    @ Kleio

    Zitat

    Es geht Dich doch auch nichts an, mit wem er was treibt, solange es freiwillig ist.

    Bleibt die Frage, inwiefern das freiwillig ist.

    Zitat

    Was spricht dagegen, dass Du ein anderes Kopfkino startest? Es sind ja Deine Gedanken.

    Denk nicht an einen pinken Elefanten.

    Zitat

    Oder ein paar Coachingstunden, um zu lernen, Dich abzugrenzen.

    Was meinst du mit Coachingstunden, bzw. was ist das?

    Zitat

    und ich habe eher den Eindruck, dass Du auch irgendwie nach der Anerkennung Deiner Eltern ringst. Verständlich, aber es schadet Dir.

    Nicht um Anerkennung meiner Eltern, sondern generell um Anerkennung von so ziemlich jedem. Das stimmt.

    Zitat

    Auch habe ich den Eindruck, dass Du meinst, Du müsstest der "bessere" Bruder in ihren Augen sein, weil er ständig Scheiße dreht und Du nicht.

    Ich bin eher der Meinung, er müsste mal ein besserer Bruder werden. Ich bin (war) schon ziemlich gut.

    Toby_

    Zitat

    Bleibt die Frage, inwiefern das freiwillig ist.

    Er hat nicht um Hilfe geschrien und Dich auch nicht um Hilfe gebeten. Wenn er Hilfe braucht, wird er Dich oder andere fragen. Je nach Kompetenz, kanns Du ihm dann helfen oder helfen sich eine kompetente Person zu suchen, die ihm helfen kann. Das aber hängt von ihm ab. So lange bleibt es aus meiner Sicht freiwillig.

    Zitat

    Denk nicht an einen pinken Elefanten.

    Kein Problem. Warum sollte ich? Das ist alles Übungssache und eine Sache des Bewusstseins.

    Zitat

    Was meinst du mit Coachingstunden, bzw. was ist das?

    Therapeuten bieten auch Coaching an, nicht nur Therapien. Andere kannst Du ja nicht ändern, nur Dich selbst. Wenn Du also selbst nicht weiter kommst, dass Du etwas mehr Selbstbewusstsein bekommst, dann gibt es Fachmänner. Du bist ja auch 18 und somit mehr oder minder für Dich selbst verantwortlich. Natürlich passiert das nicht auf den Punkt, aber auch bei Dir gilt meiner Ansicht nach dasselbe wie bei Deinem Bruder, auch wenn Du jünger bist.

    Zitat

    Nicht um Anerkennung meiner Eltern, sondern generell um Anerkennung von so ziemlich jedem. Das stimmt.

    Solche Kindheitsmuster stellen sich meiner Erfahrung nach nicht von selbst ab. Wenn Du so fremdgesteuert bist, so liegt es an Dir, es so beizubehalten oder es zu ändern, von der Anerkennung anderer abhängig zu sein bzw. inwieweit Du Dich von der Anerkennung abhängig machst.

    Zitat

    Ich bin eher der Meinung, er müsste mal ein besserer Bruder werden. Ich bin (war) schon ziemlich gut.

    Ja, das ist ja in Ordnung. Er ist wohl anderer Meinung. Menschen sind unterschiedlich.

    Zitat

    Er hat nicht um Hilfe geschrien und Dich auch nicht um Hilfe gebeten. Wenn er Hilfe braucht, wird er Dich oder andere fragen. Je nach Kompetenz, kanns Du ihm dann helfen oder helfen sich eine kompetente Person zu suchen, die ihm helfen kann. Das aber hängt von ihm ab. So lange bleibt es aus meiner Sicht freiwillig.

    Tut mir leid, aber so einfach ist das nicht. Nicht jeder, der Hilfe bräuchte, sucht sich die auch (kann man in Teilen wahrscheinlich ja auch bei mir sehen). Vielleicht mache ich den Fehler, alles nur aus meiner Sicht zu sehen, ja. Aber die Aussage "Wenn er Hilfe braucht, wird er Dich oder andere fragen" stimmt nicht.

    Toby_

    Zitat

    Tut mir leid, aber so einfach ist das nicht. Nicht jeder, der Hilfe bräuchte, sucht sich die auch (kann man in Teilen wahrscheinlich ja auch bei mir sehen). Vielleicht mache ich den Fehler, alles nur aus meiner Sicht zu sehen, ja.

    Meiner Ansicht nach gibt es da keinen Fehler. Du siehst es auf Basis Deiner Denkzusammenhänge und ich habe andere. Menschen sind unterschiedlich. Was und wie Du mit Deinem Bruder weiterhin umgehst, ist Deine Entscheidung.

    Zitat

    Aber die Aussage "Wenn er Hilfe braucht, wird er Dich oder andere fragen" stimmt nicht.

    Wie schon erwähnt, für den einen stimmt sie, für andere nicht. Ich halte es wie auch hier dieskutiert:


    Wie helfe ich richtig?


    http://www.med1.de/Forum/Psychologie/134511/#p1371290

    Zitat

    Ich bin mir auch sicher, dass ich meinen Eltern nicht egal bin. Und trotzdem werfe ich ihnen vor, dass sie eine erhebliche Mitschuld an meiner Lage tragen, weiß aber auch, dass der restliche Anteil nicht nur mein Bruder, sondern auch ich selbst bin. Das belastet mich ebenfalls.

    Das mit den Vorwürfen in Richtung deiner Eltern gehört glaube ich mit zur emotionalen "Verarbeitung"; dass muss auch nicht so sein, dass du dabei jede Sekunde fair zu ihnen bleiben musst, wenn du das mit dir ausmachst. Du bist schließlich insgesamt durchaus in der Lage, (auch) dich zu reflektieren statt ernsthaft der Ansicht zu sein, dass deine Eltern und dein Bruder alles in schuld hätten (das wäre wiederum eine Haltung, die dich nicht weiterbringt). Statt Schuld würde ich es von der Seite betrachten, wer welche Verantwortung gehabt hat. Das mag haarspalterisch wirken, ist aber ein großer Unterschied. Schuld hat immer damit zu tun, jemanden moralisch zu verurteilen als Menschen. Verantwortung ist dagegen sachlicher betrachtet und auf das Verhalten bezogen und verurteilt nicht den ganzen Menschen schlechthin. Und es ist auch mehr innere emotionale Distanz da anstatt einer gefühlsmäßigen Verstrickung mit dem anderen. ... Und du musst dir auch nicht selbst Vorwürfe machen.

    Zitat

    Zum einen ist es die Unfähigkeit, dem Ganzen ein Ende zu setzen und auszuziehen (Jobsuche, ich bin sehr schüchtern, wenn fremde Menschen mich beurteilen, die Frage, ob ich das mit dem Abi dann noch auf die Reihe kriege - ich bin kein schlechter Schüler, aber auch nicht unbedingt gut) und zum anderen die Unfähigkeit, meine Probleme klar zu kommunizieren bzw. eine Veränderung zu bewirken.

    Das ist auch sehr viel auf einmal, was du da von dir erwartest. Das würde ich für dich sortieren in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele. Z.B. was du weiter relativ direkt ändern kannst für dich Zuhause, um deine Situation und dein Befinden zu verbessern oder wenigstens mehr Ruhe für dich reinzubringen, danach das Abitur, danach ausziehen usw.. Oder auch je nachdem wie sehr das alles auf deine Prüfungsvorbereitung durchschlägt auch erst Ausziehen und dann Abitur.


    Im Moment dürfte es für dich wichtig sein, dass du einen Weg findest, dich emotional mehr "auszuklinken" von dem Stress Zuhause und dich auf dein Abitur vorzubereiten. Dass du dir mittlerweile ein eigenes Zimmer "erkämpfen" konntest, ist z.B. eine gute Maßnahme von dir gewesen. Auch dass du die Chance auf einen Job bekommen hast, obwohl du schüchtern bist, wenn du beurteilt wirst. Also nix mit genereller Unfähigkeit etwas zu ändern, wie du oben schreibst. ;-)


    An der Schüchternheit kann man arbeiten und das tust du z.B. bereits, indem du diesen Job gesucht und dich bisher erfolgreich dafür beworben hast. Daran ändert es auch nichts, dass es ein Minijob ist. Mit etwas Glück kannst du daraus mehr Selbstsicherheit entwickeln (so wie in vielen anderen Situationen, die noch kommen werden in deinem Leben). ... Mit so einem Bruder hat man nämlich keine günstigen Entfaltungsmöglichkeiten, ein selbstsicherer Mensch zu werden, solange man dessem Einfluss ausgesetzt ist räumlich und gefühlsmäßig. Das ist auch etwas, weshalb du von einem Auszug später sehr profitieren kannst für deine eigene Entwicklung, denke ich. Z.B. etwas tun zu können, das dir gefällt, ohne dass es jemand (dein Bruder) gleich wieder schlecht redet.


    Dass Problem, dass deine Eltern (in ihrer Funktion als Eltern) mit deinem Bruder haben, musst du nicht lösen. Da hilft es vielleicht auch, die jeweiligen Beziehungen getrennter zu betrachten und zu behandeln im Alltag: Einmal dein eigenes Verhältnis zu deinen Eltern, dann dein Verhältnis zu deinem Bruder - und ein gutes Verhältnis zu sich selbst aufzubauen und sich selbst gute Gesellschaft zu sein, eben gefühlsmäßig und vom Selbstbild her unabhängiger zu werden von deiner Familie. Ich weiß gerade nicht, wie ich das verständlich erklären kann, was ich damit meine.


    Was das Reden angeht ??da bin ich z.B. ewig miserabel drin gewesen und würde nicht behaupten, dass ich das heutzutage besser hinbekäme bei wichtigen Dingen bzw. bestimmten Dingen??:


    Für mich fand ich es einfacher zu sagen, was ich möchte und z.B. um praktische Sachen zu bitten/danach zu fragen (als Unterstützung von meinen Eltern) statt über eigene Gefühle und so zu reden. Da meine Eltern ähnlich gestrickt sind, hat das gut funktioniert als Gesprächsebene. ... Die Sache mit dem Zimmer oder auch bei körperlichen Krankheiten bei dir klingt so, als könnte das auch eine Möglichkeit sein für dich. Was konkrete, praktische Dinge sind, die sie für dich tun können, scheinen sie aufgeschlossen zu sein.


    Da würde cih aber versuchen, das möglcihst mit sachlichen Argumenten zu begründen statt mit "Empfindungen".

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    Ich stimme dir da zu und habe das meinen Eltern auch schon oft versucht zu erklären. Dann kam immer nur der Vergleich zu Familien, denen es noch schlechter geht bzw. ich doch froh sein sollte, weil wir genug Geld haben und ich sogar ein eigenes Zimmer. [...]


    Was mich sehr enttäuscht hat, war, dass ich vor ein paar Wochen auch so eine Art Anfall hatte. Nachdem es einen riesigen Streit im Haus gegeben hatte, bin ich irgendwann spätabends in mein Zimmer hoch und wollte versuchen, einzuschlafen. Und dann war es...irgendwie hat mein Körper so einen immensen Druck auf meine Brust und meinen Kopf ausgeübt, dass ich mit unglaublicher Intensität einfach pressen musste. Also die Kiefermuskeln und alle möglichen Gesichtsmuskeln. Das ging über eine halbe Stunde (musste auch unglaublich weinen). Danach waren meine Augen so stark geschwollen, dass sie kaum zu sehen waren und um die Augen hatte ich Blutergüsse, ich sah echt schlimm aus. Musste dann auch zum Arzt etc. Aus meiner Sicht ein deutliches Zeichen, dass es mir nicht gut geht. Meine Eltern interessiert das aber nur in dem Moment, in dem es mir sichtbar körperlich schlecht geht.

    Wenn ich das so sagen darf, klingt das wie ziemlich deutliche (psychosomatische) Beschwerden, die du da hast. (Was hat eigentlich der Arzt dazu gesagt?) ... Ob deine Eltern es verstehen können, wenn du offen sagst, dass es dir generell schlecht geht, finde ich nicht abschätzbar. Wenn der Grund dafür für sie "unverständlich" ist, kann es sein, dass es dir danach noch schwerer fällt, mit ihnen über solche Themen zu reden. Siehe auch oben mit dem "Dann kam immer nur der Vergleich zu Familien, denen es noch schlechter geht bzw. ich doch froh sein sollte, weil wir genug Geld haben und ich sogar ein eigenes Zimmer.". ... Keine Ahnung, ob es sinnvoll ist, das derzeit anzusprechen. Irgendeinen Weg solltest du aber für dich selbst finden, um Spannungen/Stress abzubauen, wenn du schon solche starken körperlichen Beschwerden hast. ... Und wenn es Atemübungen & Co. sind.

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    Allgemein kann man noch sagen, dass mein Vater sowieso nie mit meinem Bruder (oder mir) wirklichen Kontakt hat, meine Mutter sich mittlerweile da auch weitgehend abgekoppelt hat und oft auswärts ist (Hobbys, Freunde treffen, länger Arbeiten) und sie mich deswegen vlt. nicht nachvollziehen können.

    Kommt dann nicht generell die Zuwendung euch gegenüber zu kurz von euren Eltern? ... Oder nehmen die sich durchaus Zeit im Alltag, wenn du "danach fragst"? ... Also wenn du z.B. damit anfängst, dass du dir Sorgen wegen dem Abitur machst/Sorgen hast, das nicht zu schaffen, wäre die Reaktion deiner Eltern dann generell mehr so "jaja nerv uns nicht" oder würden sie dir da zuhören?

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    Ich bin echt froh, dass ich am Freitag die Gelegenheit erhalte, einen Job zu bekommen. Ich hoffe, das wird was.

    Alles Gute dafür.

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    Statt Schuld würde ich es von der Seite betrachten, wer welche Verantwortung gehabt hat. Das mag haarspalterisch wirken, ist aber ein großer Unterschied.

    Ich hatte eben die Verantwortung, für mich zu sorgen, dass es mir gut geht. :-(

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    Daran ändert es auch nichts, dass es ein Minijob ist.

    Alles andere wäre ja eig. im Moment nicht möglich durch die Schule^^.

    Zitat

    Ich weiß gerade nicht, wie ich das verständlich erklären kann, was ich damit meine.

    Ich glaube, ich weiß es aber. Auch ein etwas entspannteres, souveräneres Auftreten und die Dinge, die für mich wichtig sind, zu fokussieren. Nicht diese Anti-Haltung an den Tag legen.

    Zitat

    Was konkrete, praktische Dinge sind, die sie für dich tun können, scheinen sie aufgeschlossen zu sein.

    Ja, das stimmt. Mir fehlt es aber weniger an praktischen Dingen...oder an was hattest du gedacht?

    Zitat

    (Was hat eigentlich der Arzt dazu gesagt?)

    Ich war im letzten Jahr bestimmt 20 mal beim Arzt. Eine wirkliche Diagnose gab es nicht. Jetzt in diesem Fall wurde ich vom Hausarzt zum Rheumatologen und dann zum Neurologen geschickt, der dann auch in die Richtung "Psyche" ging. Aber sonst nichts weiter.

    Zitat

    Und wenn es Atemübungen & Co. sind.

    Also das ist meistens schlafen...Oder Musik hören. Wobei das eher Ablenkung ist. Ich lebe allgemein sehr viel in meinem Kopf, höre ständig Musik und schweife ab. Ob das so gut ist, sei dahingestellt. Aber es tut gut.

    Zitat

    Alles Gute dafür.

    Danke. Und, übrigens, so ganz Unrecht hattest du nicht. Ich mag den Gedanken nicht, dass mein Bruder als Frau mit älteren Männern Sex hat. Aber deswegen würde ich ihn nicht grundsätzlich verurteilen. Wobei ich denke, dass mein Unwohlsein eh viel tiefer begründet liegt - arbeiten wir ja gerade raus.

    Toby_

    Zitat

    Wobei ich denke, dass mein Unwohlsein eh viel tiefer begründet liegt - arbeiten wir ja gerade raus.

    Das Schlafproblem und Dein Problem mit Deiner Familie hattest Du in zwei Fäden schon vor einigen Monaten zusammengefasst. Was hast Du denn bisher alles probiert etwas zu ändern? In den Fäden hast Du nicht viel geschrieben.

    Zitat

    Was hast Du denn bisher alles probiert etwas zu ändern? In den Fäden hast Du nicht viel geschrieben.

    Die Schlafprobleme haben sich erheblich verbessert durch den Raumwechsel.


    Durch was ich andere Probleme außer durch einen Auszug ändern könnte, weiß ich nicht. Reden bringt in dieser Familie nichts. Und ich selber schaffe es nicht, mich emotional abzugrenzen.

    Zitat

    Und ich selber schaffe es nicht, mich emotional abzugrenzen.

    Dies scheint mir gerade dein größtes Problem zu sein. Du bist jetzt 18 Jahre, gelangst an das Ende der Pubertät, dort hin , wo ein eigenständiger gereifter junger Mensch, dass "Ergebnis" sein soll. Du hast leider keine optimalen Bedingen dafür bei dir zu Hause, aber schaffen musst du es irgendwie trotzdem. Alles worüber du dich über deinen Bruder auskotzt, betrifft eigentlich nur dich selbst.


    Es bist DU, der sich Sorgen macht, der genervt ist und und und. Niemand auf der Welt kann dich dazu zwingen. Allerdings ist es eine Art innerer Zwang der dich dazu treibt. Dieser "innere Zwang" ist aber nichts anderes als das Ergebnis deines bisherigen Aufwachsens unter den gegebenen Bedingungen.


    Es geht darum, dass du nun selbst die Nabelschnur zu deiner Familie durchtrennst. Du kämpfst gerade an allen Ecken und Enden damit. Aus deiner Familie hilft dir keiner. Die wirst du auch nicht ändern, auch nicht deinen Bruder. Du kannst nur dich selber ändern. Warte nicht auf Zuspruch und Bestätigung anderer, damit verlierst du nur Zeit.


    Zuerst trainiere Gelassenheit. Dann trainiere dich ABZUGRENZEN. Ich schreibe ganz bewusst "trainieren", weil es etwas ist, was du üben musst. Es gibt körperliches Training und es gibt ebenso geistiges Training.


    Wenn du schreibst, du hättest am liebsten eine eigene Bude, wo du die Türe hinter dir zusperren kannst, dann ist das genau DEIN Thema: Abgrenzung. Die Übergriffigkeit deines Bruders geht dir zurecht auf die Nerven. Übergriffig konnte er jedoch nur werden, da du nicht wusstest, wie du dich dagegen wehren konntest.


    Irgendwann bist du erwachsen und selbständig, mit eigener Bude, Job usw. Gleichzeitig musst du jedoch darauf achten, dass dein Denken ebenso unabhängig wird von dem, was dich bisher bestimmt hat.


    Lass deinen Bruder machen was er will, DU bist der, um den es in deinem Leben geht. Ziehe Grenzen und schlage Krach, wenn diese übertreten werden.


    Da steckt noch sehr viel Arbeit in dir drin. Viel Erfolg! :)*

    @ Evoluzzer

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    Du bist jetzt 18 Jahre, gelangst an das Ende der Pubertät, dort hin , wo ein eigenständiger gereifter junger Mensch, dass "Ergebnis" sein soll. Du hast leider keine optimalen Bedingen dafür bei dir zu Hause, aber schaffen musst du es irgendwie trotzdem.

    Es ist etwas gaga das von einem 18 jährigen zu "verlangen" wenn Du hier in einem Forum bist wo Ü40ger sich oft noch mit den selben Grundproblem an die Community wenden. Ein 18 jähriger hat da noch einen deutlich höheren Anspruch an Unterstützung durch andere als ein Ü40 jähriger die eigentlich hätte. [...]

    @ Toby - Du brauchst Unterstützung.

    Was Evoluzzer schreibt ist dem Sinn nach zwar richtig, aber in Deinem Alter solltest Du nicht den Anspruch an Dich haben das alles als Einzelkämpfer auf die Reihe zu bekommen. Gerade in Deiner Situation fehlen Dir wirklich vorgelebte Handlungsalternativen durch Dein Umfeld und die kann man sich nicht mal kurz aus den Rippen schneiden. Hier Anregungen zu suchen ist ein Schritt, der Dir immer offen steht. Aus meiner Sicht bräuchtest Du aber nach wie vor mehr Unterstützung vor Ort - es ist keine einfache Situation in der Du steckst und deshalb wäre es wichtig einen gangbaren Weg für Dich zu finden, wie Du die bekommst. Hast Du eine Idee was Du dazu brauchst? Warst Du mittlerweile mal mit in der Beratungsstelle (ich glaub es war Profamilia - ja?)


    Du schreibst Du wüsstest nicht was Du in einer Therapie erzählen sollst - eigentlich dasselbe wie hier. In einer Therapie erwartet Dein Gegenüber ja keine Lösungen von Dir sondern Fragen wie Du z.B. mit der Situation mit Deinem Bruder anders umgehen könntest, so dass es Dir zumindest soweit besser geht, dass Du Dich weniger hilflos und nur als Reagierender empfindest. Das Problem ist ja hauptsächlich dies Spirale die Dich in eine Art innere Starre vefallen lässt, wenn Du selbst nicht weisst was Du dagegen tun kannst.


    Das Du selbst etwas für Dich tust ist in der Situation in der Du bist auf jeden Fall wichtig. Wenn das z.B. beinhaltet, dass Du Deine Eltern, Großeltern oder sogar Profamilia über die momentane Situation mit Deinem Bruder informierst, dann ist das der richtige Weg. Du hast - aufgrund des Verhältnisses was ihr beide habt - momentan vermutlich sowieso keinen Einfluss auf ihn. Auch Deine Eltern wohl nur begrenzt. Nur bist Du in der Situation nicht der "Erwachsene" der zuständig ist.


    Dein Job ist tatsächlich die Zuständigkeit für Dich selbst und dazu gehört auch Hilfe zu erfragen wo sie benötigt wird und für Dich zu strukturieren was Du tun kannst und tun willst. Es wird wohl keine Ideallösung geben sondern nur Kompromisse momentan. Und die aktiv zu verfolgen ist ein Ziel.


    Minijobsuche ist ein super Anfang. Auch Brainstorming was nach dem Abi abgehen könnte. Das könntest Du sicher auch mit Freunden machen.


    Du hast ja mal angesprochen, dass eine Lösung wäre, wenn Dein Bruder in eine Wohngruppe gegangen wäre. Das war nicht durchsetzbar. Ist die Situation für Dich so unerträglich, dass Du selbst in Betracht ziehen würdest Dein letztes Schuljahr in einer Pflegefamilie oder Wohngruppe zu machen? Wenn nein warum nicht? Behalte im Auge: Dir soll es besser gehn!


    Ich denke, solche Fragen können Dich mit sehr vielem konfrontieren wo Du momentan selber feststeckst. Bei Dir selber könntest Du das allerdings ändern?! Du könntest "in Fluss" kommen! Das könnte sogar Spass machen! Bei Deinem Bruder kannst Du sein feststecken nicht ändern. Er macht das in seinem Tempo.

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    Hast Du eine Idee was Du dazu brauchst? Warst Du mittlerweile mal mit in der Beratungsstelle (ich glaub es war Profamilia - ja?)

    Ja, aber da ging es vorrangig nicht um mich, sondern meinen Bruder. Die Psychologin (oder Psychotherapeutin - ich kenne den Unterschied ehrlich gesagt nicht so wirklich) schnitt aber an, dass ich darunter wahrscheinlich leide und stellte auch die Option offen, dass ich ausziehen könnte und sie mir da helfen würde.


    Was brauche ich? Abstand. Und jemanden, mit dem ich über alle möglichen Dinge quatschen kann, der aber nicht direkt ein Freund ist, weil das...Weil mir das wahrscheinlich leichter fiele.

    Zitat

    Du schreibst Du wüsstest nicht was Du in einer Therapie erzählen sollst - eigentlich dasselbe wie hier.

    Nur dass es dort viel weniger anonym ist und mir das wahrscheinlich unglaublich unangenehm wäre.

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    Wenn nein warum nicht? Behalte im Auge: Dir soll es besser gehn!

    Weil man sich in einer Wohngruppe arrangieren muss. Und ich fühle mich im Moment absolut nicht in der Lage dazu, von weiteren Menschen womöglicherweise genervt zu nehmen bzw. auf andere Rücksicht zu nehmen (weiß nicht, wie ich das anders formulieren soll...Ohne egoistisch zu klingen, ich möchte gerne mal ein wenig egoistisch sein).


    Mal ein anderes Problem, was mich auch belastet. Ich fühle mich jetzt seit bestimmt über einem Jahr komplett körperlich "schwach", energielos etc, auch lustlos. Spüre fast gar kein sexuelles Verlangen und spüre auch nicht mehr diesen "Hormonschub", wenn ich unterwegs bin und beispielsweise Musik höre, so wie das mit 16-17 bei mir war. Wo es früher extreme Höhen und Tiefen gab, ist jetzt alles so auf einer (tiefen) Ebene. Egal was ich mache....Auch wenn ich mit Freunden unterwegs bin, klinke ich mich deshalb oft aus. Das ist so deprimierend...