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    Ich hatte eben die Verantwortung, für mich zu sorgen, dass es mir gut geht. :-(

    Na ja, wenn du es so siehst (ich sehe das nicht so), wärest du aber auch derjenige, der sich das selbst verzeihen könnte. ... Außerdem kannst du zwar versuchen, dich gut zu behandeln, Probleme anzugehen usw., aber ob man es einem gut geht oder nicht, darauf hat man keinen totalen Einfluss und ich halte es auch nicht für sinnvoll, sich nachträglich Phasen vorzuwerfen, in denen es einem nicht gut gegangen ist.

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    Ich glaube, ich weiß es aber. Auch ein etwas entspannteres, souveräneres Auftreten und die Dinge, die für mich wichtig sind, zu fokussieren. Nicht diese Anti-Haltung an den Tag legen.

    Ja, das trifft es. ... Und auch, dich auf dich zu konzentrieren und nicht so zu schauen, was die anderen aus der Familie gerade machen und dir darüber Gedanken/Sorgen zu machen.

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    Ja, das stimmt. Mir fehlt es aber weniger an praktischen Dingen...oder an was hattest du gedacht?

    ^^ also ich meinte nicht nur rein materielle Sachen. Finde es etwas schwierig konkrete Sachen zu nennen, weil du ja nicht ich bist und deine Familie/deine Eltern anders als meine und die Kommunikation und die Persönlichkeiten nicht identisch sind. ... Aber wenn deine Eltern z.B. so beschäftigt sind und du eigentlich gerne mehr Zeit mit ihnen verbringen möchtest (manchmal), könntest du sie z.B. fragen, ob ihr an diesem oder jenen Tag etwas zusammen machen könnt; evtl. dann mit dem Vorschlag einer konkreten Tätigkeit. ... Das Negativbeispiel dazu wäre, zu den Eltern zu gehen und zu sagen, dass man sich von ihnen vernachlässigt fühlt (Gefühl). Dann käme mit großer Wahrscheinlichkeit eine Antwort aus dem Spektrum "aber du hast doch alles und wir haben dieses und jenes für dich getan."

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    Ich war im letzten Jahr bestimmt 20 mal beim Arzt. Eine wirkliche Diagnose gab es nicht. Jetzt in diesem Fall wurde ich vom Hausarzt zum Rheumatologen und dann zum Neurologen geschickt, der dann auch in die Richtung "Psyche" ging. Aber sonst nichts weiter.

    Das ist echt sehr viel, was du an Arztbesuchen durch hast. ... Kennst du deine Schilddrüsen- und die anderen Blutwerte? Huasärzte kennen sich oft nicht genügend aus mit Schilddrüsenerkrankungen und es ist blöd, wenn in jungen Jahren da etwas übersehen wird. Andererseits kann es ebenso gut sein, dass deine Beschwerden weder an der Schilddrüse noch an anderen körperlichen Ursachen liegen. (Schilddrüse fällt mir eben ein, weil Fehlfunktionen auch psychische Beschwerden neben körperlichen verursachen können, die man als Betroffener nicht genau einer Ursache zuordnen kann für sich, sodass viel Zeit ins Land zieht und das mit den Hausärzten dabei so eine Sache ist.)


    Und könntest du dir vorstellen, auch die psychische Seite anzuschauen mit einem Therapeuten/Coach? So jemand könnte eine Unterstützung und ein Ansprechpartner sein, wenn das Vertrauensverhältnis und die persönliche Eben passt.

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    Also das ist meistens schlafen...Oder Musik hören. Wobei das eher Ablenkung ist. Ich lebe allgemein sehr viel in meinem Kopf, höre ständig Musik und schweife ab. Ob das so gut ist, sei dahingestellt. Aber es tut gut.

    Wenn es dir gut tut, solltest du das beibehalten. ... Außer das Abschweifen passiert ungewollt. ... Evtl. könntest du ja üben, bewusst in deine innere Welt "abzuschweifen", wenn es mal wieder stressig Zuhause ist, aber ich weiß nicht, ob man sich solche Muster gezielt antrainieren sollte und ob sie als gesund gelten. ... Ich finde es persönlich sehr praktisch, dass es automatisch so eintritt, aber irgendwo haben so Muster immer einen Haken/Preis und man möchte ja irgendwann in späteren Situationen nicht immer gleich "weg" sein, sondern vollständig anwesend bleiben im Hier & Jetzt.

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    Aber wenn deine Eltern z.B. so beschäftigt sind und du eigentlich gerne mehr Zeit mit ihnen verbringen möchtest (manchmal), könntest du sie z.B. fragen, ob ihr an diesem oder jenen Tag etwas zusammen machen könnt; evtl. dann mit dem Vorschlag einer konkreten Tätigkeit

    Das ist ja leider auch ein Problem meinerseits...Ich habe überhaupt nicht das Bedürfnis, irgendetwas mit meinen Eltern zu machen, weil da die (Ver)bindung fehlt. Auch sind Themen, die ich früher gerne angeschnitten hätte, nie angesprochen worden (ich interessiere mich z.B. für Politik und Literatur) und ich bin in Gegenwart meiner Eltern auch nicht komplett offen, kann zum Beispiel auch nicht über meine Sexualität reden. Das wurde nach meinem Outing einfach akzeptiert, was ja einerseits super wünschenswert ist, aber mir fehlt da irgendwie...Naja, das Interesse an meiner Person. Klar finden viele Teenager das peinlich und nervig, wenn Eltern zu viele Fragen stellen, insbesondere bei "pikanteren" Themen, aber so gar keine Fragen stellen ist auch nicht so toll.

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    Das ist echt sehr viel, was du an Arztbesuchen durch hast. ... Kennst du deine Schilddrüsen- und die anderen Blutwerte? Huasärzte kennen sich oft nicht genügend aus mit Schilddrüsenerkrankungen und es ist blöd, wenn in jungen Jahren da etwas übersehen wird.

    Der Hausarzt hatte mich nach der J2 zum Radiologen geschickt (wenn ich mich nicht vertue). Der hatte mir dann nochmal Blutproben entnommen und laut ihm war alles super.

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    Und könntest du dir vorstellen, auch die psychische Seite anzuschauen mit einem Therapeuten/Coach? So jemand könnte eine Unterstützung und ein Ansprechpartner sein, wenn das Vertrauensverhältnis und die persönliche Eben passt.

    Wie gesagt, vorstellen kann ich mir das, nur scheint mir der erste Schritt (bzw. die ersten Schritte) unheimlich unangenehm.

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    Wie gesagt, vorstellen kann ich mir das, nur scheint mir der erste Schritt (bzw. die ersten Schritte) unheimlich unangenehm.

    Das ist sicher nicht einfach, aber vielleicht musst Du es Dir nicht so schwer machen indem Du Dich da rantastest?


    Die Pro Familia Therapeutin hat Dir ja schon Hilfe beim Auszug angeboten. Sie weiss, dass Du unter der Situation leidest, weil sie eben die Umstände mit Deinem Bruder kennt. Könntest Du Dir vorstellen mit ihr nochmal zu sprechen und sie zu fragen: Was für Möglichkeiten habe ich konkret? Ich komme mit der Situation so wie sie ist nicht zurecht - würde ihre Beratungsstelle mir dabei helfen einen Therapeuten zu finden, der vielleicht eben auch therapeutische Erfahrungen mit schwulen Männern hat und der mir helfen könnte mit der Situation besser fertig zu werden?


    Die Therapeutin hat bereits einiges an Backround Informationen und dazu kommt sie hat natürlich Kontakte und das passende Wissen das zumindest ansatzweise einzuordnen und Dir dann womöglich einen Therapeuten zu nennen bei dem Du gut aufgehoben wärst. Dazu kommt, dass Du sie auch ausquetschen könntest wie das abläuft - eben auch wenn Du Dich nicht öffnen kannst und so weiter. Das schlimmste was Dir passieren kann ist doch dass Du einem fremden Menschen ( Therapeut) gegenüber sitzt und eine Stunde nichts oder nur Belanglosigkeiten erzählst. Das sind Therapeuten aber gewohnt. Das passiert sicher sehr häufig. Wenns dann gar nicht klappen solltest siehst Du den ja dann nie wieder, verstehst? Das Worst Case Scenario hat keine Konsequenzen in dem Sinn, weil mehr als nichts ändern kann es ja nicht. Im schlimmsten Fall bist Du eine Erfahrung reicher und mehr nicht. Das wäre doch eigentlich das Risiko wert oder?


    Eigentlich kannst Du nur gewinnen. Und Du kannst es in Deinem Tempo machen. Löchere die Profamilia Therapeutin. Dazu ist sie da. Wenn Du das ohne Deine Eltern tun willst, frag nach einem eigenen Termin und nimm vielleicht Deine beste Freudin mit ( soweit ich mich erinnere ist da ja eine).


    Du musst mit 18 nicht alles im Griff haben. Du bist bereits sehr reflektiert. Du kannst Fragen stellen. Das Forum kann Dir auch als Plattform für Brainstorming dienen - Ideen was Du fragen könntest und so weiter. Und wenn Du Antworten findest kannst Du die umsetzen ( siehe Raumproblem in den Griff bekommen mit dem Effekt, dass Du besser schläfst und so weiter). Du hast schon bewiesen dass das geht. Vergiss das nicht. Es geht darum das Schriff für Schritt mehr zu tun. Diesen Prozess machen alle durch - unabhängig von Deinen schwierigen Umständen mit Deinem Bruder und Du stellst Dich dem. Das können Leute in einer Beratungsstelle auch sehen und erkennen und das ist eine gute Basis um weiter darauf aufzubauen.


    Keiner in der Beratungsstelle zwingt Dich zu irgendwelchen Aktionen, die Du nicht machen willst. Statt dessen können die Dir andere Sichtweisen oder Optionen aufzeigen die Du gar nicht haben kannst, weil Du deren Erfahrungsschatz und Ausbildung nicht hast. Je mehr Eckinfos sie über Dich haben umso besser können sie Dir helfen. Natürlich hängt an jeder Hilfe auch dass Du sie mittragen musst. Sonst funktioniert es nicht.