Mein Doktorat ist die Hölle

    Hallo


    Ich weiss meine Probleme mögen wie Luxus-Probleme erscheinen..aber ich bin echt am Boden und muss mich richtig ausheulen.


    Ich versuche mich kurz zu fassen: Ich bin fast am Ende meines Doktorates (weniger als ein halbes Jahr übrig), habe aber während dieser Zeit die Hölle auf Erden erlebt. Meine Prof ist absolut launisch, mal super nett und mal total wütend, so dass ich nie wusste woran ich bin. Die Stimmung in meiner Gruppe...na ja. Ich hatte meinen Master fantastisch abgeschlossen und hatte einiges an Auswahlmöglichkeiten, leider habe ich mich für diese fachlich und menschlich mittelmässige Gruppe entschieden. Die Leute sind einfach dermassen eingeschränkt im Denken, schon wenn ich mit einem Piercing ins Büro kam gabs ein Getuschel - bei unserer Generation? Für mich kaum zu glauben. Meine frühere Gruppe war nicht nur fachlich top, sondern auch menschlich anderen gegenüber offen... Was aber wirklich schlimm ist, ist eine Mitdoktorandin, die mich während diesen vier Jahren wo sie nur konnte gemobbt hat - und zwar hat sie mir indirekt auch zu verstehen gegeben, dass sie "richtige" Schweizer bevorzugt -


    männliche Form "Schweizer", denn sie bevorzugt auch klar Männer, und hat im Moment eine Affäre mit zwei Männern die beide mit uns im gleichen Büro sind. Nicht nur das, sie reibt uns ihre Affären auch unter die Nase. Da wir wie gesagt alle das gleiche Zimmer teilen, macht das das Arbeiten auch wahnsinnig schwer. Wo sie nur konnte, hat sie versucht mich auszuschliessen bzw. mir eine reinzuhauen. Vor anderen und vor der Chefin ist sie aber ein personifizierter Engel %-|


    Das allein wär ja schlimm genug, nun hat unsere Chefin sie befördert (sie kann ein Postdoc machen) - mich aber nicht. Obwohl ich mehr Publikationen habe und höher publiziert habe. Ich messe mich eigentlich nicht so sehr an Publikationen obwohl das halt eines der wenigen Kriterien ist, woran man unsere Arbeit bewerten kann, was mich wirklich verletzt ist dass sich jemand dermassen daneben verhalten kann, und dafür noch belohnt wird. Hauptsache berechnend sein...?


    Was mich noch mehr verletzt, ist dass sich andere DoktorandInnen bei ihr, seit sie befördert worden ist, nur noch einschleimen, bzw. mit einer Ausnahme gar nicht kapieren bzw kapieren wollen wie intrigant sie ist..ich hab sicher selber auch Fehler gemacht bzw war ich zu Beginn recht naiv, nach rassistischen Äusserungen habe ich mich z.B. offen genervt gezeigt, so dass ich schlussendlich abgestempelt wurde. Noch dazu kam, dass während dieser Zeit meine Eltern beide schwer erkrankt sind, ich aber menschlich Null Mitgefühl gesehen habe. Kann mich nicht erinnern, dass jemand nach ihnen gefragt hätte, und weiss sogar dass meine Prof während dieser Zeit noch wütender auf mich war, wohl in der Annahme, ich werde weniger arbeiten können...bin sicher, dass sie mir kein gutes Arbeitszeugnis ausstellen wird, und hab das Gefühl mir meine Zukunft mit dem Eintritt in diese Gruppe verbaut zu haben.


    Sorry für das Durcheinander, ich hab grad wirklich meine Trauer und Frustration niedergeschrieben


    Danke fürs Lesen...

  • 44 Antworten

    Nein, ich sehe das nicht als Luxus-Problem. Ich finde das ist eine gute Schule für das Leben nach der Schule. o:)


    Im Grunde ist das nichts welterschütterndes. Kollegin schleppt reihenweise Kollegen ab und prahlt damit, schleimt sich beim Prof ein usw. Du kommst mit der Erfahrung das es auch ganz anders zugehen kann in diese Gruppe und duchschaust das Spiel. Lass dich einfach nicht auf diesen Kindergarten ein, zieh dein Ding durch und fertig. Auch später wirst du auf solche Menschen/Kollegen treffen. Leute, die nur ihr eigenes Fortkommen im Sinn haben auf Kosten anderer usw.


    Messe dich nicht an anderen, messe dich an deinen eigenen Leistungen. Denn nur mit diesen startest du später ins echte Berufsleben. Natürlich ist ein harmonisches Miteinander besser und erstrebenswert. Auch was die Arbeitsqualität der Gruppe angeht. Aber nicht auf alle Kosten.


    Auch Chefs werden später nicht immer die Vorzeige-Menschen sein.


    Wenn du dich völlig unglücklich fühlst, lote die Möglichkeiten aus den Verein zu wechseln, ansonsten Arschbacken zusammen und die Sache zu Ende bringen.


    Ich würde ihre Sticheleien gekonnt ignorieren. Erfahrungsgemäß fällt solchen Leuten ihr Verhalten früher oder später auf die eigenen Füße. Das musst du nicht aktiv unterstützen.


    Indem du dich auf ihre Befindlichkeiten einlässt, begibst du dich auf ihr Niveau. Man muss lernen auch damit klar zu kommen. Es ist ja nur noch ein halbes Jahr.

    Danke für deinen verständnisvollen aber auch relativierenden Beitrag.


    Ja, hast schon recht. Aber dass die Welt so funktioniert, und so viele Menschen so ein Verhalten nicht durchschauen, macht mich dennoch sehr traurig. Auch hab ich das Gefühl dass meine Karriere nen ziemlichen Schaden genommen hat, ohne dass es gerechtfertigt wäre..

    Nun, evtl. versuchen andere die Situation zu nutzen um selber besser da zu stehen oder zumindest besser auszusehen.


    Karriereschaden weiß ich nicht, dass kannst du besser beurteilen. Wenn es so wäre, ist das jetzt eben so. Versuche daran zu wachsen. Auch mit unschönen Entwicklungen muss man lernen umzugehen und nicht immer geht es straight forward...


    Im Grunde spricht dein Verhalten und die Einschätzung der Situation nur für dich.


    Du darfst nur nicht den Fehler machen gegen das System zu arbeiten. Das heißt nicht das du alle Skrupel und alle Moral über Bord werfen sollst, aber mit einer guten Portion Selbstvertrauen und ein Besinnen auf die eigenen Fähigkeiten und Qualitäten kann man schon vieles leisten.

    Sie wird in dir wohl eine Konkurrenz sehen.


    Ewig "schön Wetter" machen hilft da auch nicht. Sie hofft wohl das du den Federhandschuh aufnimmst und "in den Kampf ziehst" oder das du irgendwie aus dem Weg wärst.


    Ist der eigene Doktortitel denn in Gefahr? Oder läuft es nur nicht so rund wie ohne so jemanden der ständig quer schießt?


    Man muss einen gesunden Mittelweg finden zwischen den Vorgesetzten "in den Arsch kriechen" und "für sich selber einstehen".


    Den Stempel der naiven Lästertante, die nur genervt ist und nicht mitarbeitet, los zu werden, ist in so einem Klima nicht leicht.


    Von da her habe ich schon Verständnis für deine Situation.

    Ja, ich denke auch dass sie versucht mich zu provozieren. Ich versuche schon auch das zu ignorieren, aber sie lässt echt nicht locker. D.h. auch wenn ich ihr aus dem Weg gehe, kommt sie pro Tag sicher mehrmals auf mich zu (wenn man das zukommen nennen will..) Ich finde das einfach nur unnötig. Vielleicht wieder naiv, aber in den Wissenschaften sollte es doch grundsätzlich um das Herausfinden von Wahrheiten gehen, mir ist mein eigenes Ego egal insofern dass ich mich wirklich mit mir selbst messe, und einfach Probleme lösen will. Das Doktorat ist glaubs nicht in Gefahr..wie gesagt habe ich am meisten Publikationen - verglichen mit allen > 10 DoktorandInnen. Ich liebe es einfach nur in Gruppen arbeiten zu können, die weltweit führend sind - Orte an denen ich mich wirklich gefordert fühle, und auch Menschen vorfinde, die oft mutig sind und etwas mehr auf Konventionen pfeiffen. Weisst du was ich meine? Sie kann ich schon versuchen zu ignorieren, ich kann einfach nicht rational nachvollziehen warum unsere Prof sie bevorzugt, und befürchte, dass schlussendlich meine Referenzen zu schlecht sein werden um an die für mich idealen Orte (zurück) zu gelangen...das quasi meine wissenschaftliche Karriere tot ist, denn die hängt halt wie auch in anderen Berufen stark von Referenzen ab.

    Nun, es geht wie oft im Leben so auch hier nicht nur um hard skills sondern auch um soft skills. Neben fachlicher Kompetenz zählt wohl auch persönliche Sympathie und Antipathie. So jemand wie deine Kollegin ist sichtbarer, fällt mehr auf. Während du dich der reinen Forschung, die du ganz sicher akribisch aber nach außen möglichwrweise leidenschaftslos erscheinend betreibst, verschreibst, spielt deine Kolegin auch auf anderen Geigen. Ganz sicher trift sie dabei nicht immer die richtigen Töne aber so spielt sie sich in den Vordergrund.

    Zitat

    auch Menschen vorfinde, die oft mutig sind und etwas mehr auf Konventionen pfeiffen

    So wie deine Kollegin... ]:D

    Zitat

    nicht rational nachvollziehen

    Weil es keine rein rationale Entscheidung ist, dein Prof ist kein Computer der leidenschaftslos und vorurteilsfrei eine rein sachliche Entscheidung fällt. In der Theorie sollte das so sein, aber wir sind alle nur Menschen.


    Ich finde auch das du ein wenig zu naiv bist, meine das aber nicht negativ. Wissenschaft ist oft sehr steif und konservativ und oft von Geldgebern abhängig. Da ist jemand der sich dem ergebnisoffenen Erkenntnisgewinn verschrieben hat eine erfrischende Abwechslung.

    Dir bereitet ja nicht dein Doktorat an sich Probleme (und sowas kann einen Haufen Probleme bereiten), sondern die zwischenmenschliche Ebene. Dass es dich ärgert, dass die blöde Schnepfe bevorzugt wird, kann ich nachvollziehen. Dass sich andere (mit schlechteren Qualifikationen) besser verkaufen können, that's life. Du willst ja wie's aussieht nicht in der Gruppe bleiben (unangenehmes Klima, mittelmäßiger wissenschaftlicher Output). Wenn Du so viele, gute Publikationen hast, findest Du sicher was passendes @:)


    Das verbliebene halbe Jahr kannst DU sicher durchbeißen :)-

    Unscheinbar und leidenschaftslos? Nene, meine Einstellung impliziert hoffentlich keines von Beidem ;-)


    Vielen Dank für eure Worte, es hat mir sehr geholfen, meine Gedanken aufzuschreiben, und mich mit anderen auszutauschen. Werde wohl noch etwas auf die Zähne beissen und hoffen, dass ich dennoch das Glück habe eine passende Stelle danach zu finden..

    Was die Publikationen angeht kommt es manchmal auch darauf an wo man publiziert, also wie hoch der Impact Faktor der Publikation ist, hat und mit wem.


    Ich weiß ja nicht ob das bei den Publikationen der Beförderten und dir alles ähnlich ist.


    An Publikationen habe ich auch so um 20 rum, aber das sind eben bis auf Ausnahmen Papiere der Kollaboration in der ich tätig war, da stehen dann außer mir noch über 100 andere Autoren drauf.


    Das wiegt natürlich nicht so schwer als wenn ich nun so viele Publikationen mit 1 oder 2 Mitautoren hätte.


    Ansonsten gibt es eben in der Wissenschaft die gleichen zwischenmenchlichen Schwierigkeiten die es in allen anderen Jobs auch gibt. Ich habe das zuweilen, glücklicherweise nicht innerhalb meiner Arbeitsgruppe, als extremst intrigant empfunden.


    Ich würde da auch empfehlen, Scheuklappen aufsetzen und den Doktor fertig machen und dann das Weite suchen.

    Vielen Dank. Stimmt absolut was du sagst was Publikationen angeht, ich habe nicht nur mehr, sondern als Hauptautorin auch weit höher publiziert, mit 2. Autorschaft in Nature..und zwei weiteren wichtigen Journals wo ich jeweils Hauptautorin bin, mit jeweils 2 bzw. 3 weiteren Autoren zusammen. Das ist eben was mich noch mehr stutzig macht..sie hat nur 2 Publikationen in Journals mit recht tiefem Impact-Factor. Aber nun. Du hast recht, und Intrigen gibts überall, aber in dieser Gruppe hab ich kaum Gleichgesinnte sondern nur Leute mit Scheuklappen vorgefunden..natürlich gibt es bias und sind Menschen nicht nur rational, dennoch versteh ich eben nicht wie so ein Klima im Interesse meiner Prof ist...aber ja was solls..ich versuch mich von Negativem (wenn möglich) fern zu halten um emotional stabil zu bleiben und mich auf meine Arbeit konzentrieren zu können.

    Zitat

    [...]weit höher publiziert, mit 2. Autorschaft in Nature.[...]

    Ich denke was Impact-Factor angeht ist Nature sehr weit oben, da finde ich kann man nicht mit low impact Publikationen gegen anstinken und da ist dein Eindruck völlig richtig.


    Wie es bei Nature ist weiß ich nicht, aber bei Science war allein der Prozess ob man überhaupt zum Referee Prozesse zugelassen wird krass.


    Da bin ich leider 2 Monate zu früh aus der Wissenschaft ausgestiegen, als die Kollaboration dann in Science publiziert hat war ich nicht mehr auf der Autorenliste. :-)


    Ich sehe es immer noch so, in deiner Arbeitsgruppe ist einiges Faul, gerade auch mit deiner Prof.


    Aber solange diese nicht aktiv verhindern will dass du zu deinem Doktor kommst ist dies ja wenigstens nicht gefährdet.

    Da du auch Erfahrung in den Wissenschaften hast, darf ich dich fragen, ob du ähnliches später auch im Beruf erlebt hast (wie ich rauslese bist du ja nicht mehr in der Forschung)? Du sagst zwar, dass du eine gute Forschungsgruppe hattest...hast du dich bei der Jobsuche aber darauf geachtet, auch ein menschlich gutes Team vorzufinden, und falls ja, auf worauf hast du dich dabei geachtet?

    Also intrigantes Verhalten erlebe ich in der Firma wo ich jetzt bin gar nicht.


    Es ist ein kleines, familiäres Unternehmen mit etwa 25 Mitarbeitern und ich bin jetzt seit 5 Jahren aus der Wissenschaft raus.


    Ich habe bei der Jobsuche nicht gesondert darauf geachtet, auch weil ich da nicht wirklich aus dem Vollen schöpfen konnte da ich im Studium was recht wirtschaftsfernes gemacht habe.


    Ich weiß das Betriebsklima zu schätzen und ziehe es daher vor hier weiter zu arbeiten, auch wenn ich inzwischen bei einer Firma in gleicher Branche etwas mehr Gehalt hätte.


    Kann man auch Glück nennen hier gelandet zu sein.

    Zitat

    Da du auch Erfahrung in den Wissenschaften hast, darf ich dich fragen, ob du ähnliches später auch im Beruf erlebt hast (wie ich rauslese bist du ja nicht mehr in der Forschung)? Du sagst zwar, dass du eine gute Forschungsgruppe hattest...hast du dich bei der Jobsuche aber darauf geachtet, auch ein menschlich gutes Team vorzufinden, und falls ja, auf worauf hast du dich dabei geachtet?

    Ich arbeite nicht in der Wissenschaft, möchte aber trotzem was dazu sagen:


    Ich habe sowohl in meinen eignen Jobs als auch durch Erfahrungen von Freunden und Bekannten (sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft) eines erkannt: Teamklima und der UMgang miteinander hängen nicht von Lohngruppen, Unternehmskultur oder wissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Ausrichtung ab, sondern einzig und allein von den Menschen, die zusammenarbeiten. Ein guter Teamleiter oder Vorgesetzter kann hier viel Positives bewirken, genau so kann ein gutes Team einiges an Fehlern eines schlechten Vorgesetzten korrigieren. Und umgekehrt gilt das genau so. Außer in ganz extremen Fällen merkt man das auch selten beim Vorstellungsgespräch, sondern erst nach einigen Monaten Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen.


    Ob man in einem neuen Job gut aufgehoben ist, weiß man leider erst nach einiger Zeit. Und auch dann bedarf es harter Arbeit, ein gutes Klima zu erhalten. Ein Beispiel dazu: Ich bin in den letzten Wochen durch Fehler eines Kollegen öfters in Schwierigkeiten und Erklärungsnot geraten. Ich meine zu wissen, warum diese Fehler passieren. Anstatt jetzt hintenrum Stunk gegen ihn zu machen, habe ich einige der Fehlerursachen abgestellt und das Gespräch mit ihm gesucht, in der Hoffnung, dass sich die Probleme abstellen lassen. Das bedarf aber wie schon gesagt harter Arbeit und bei allen Beteiligten die EInsicht, dass man auch nur ein Mensch ist.


    Zu Deiner konkreten Situation kann ich nur sagen. Die ist echt scheiße, sieh zu, dass Du schnell Deine Arbeiten beendest und da rauskommst. Nimm ggf. psychologische Beratung in Anspruch, falls es zu schlimm wird. Das ist nichts Verwerfliches; verwerflich sind nur die Leute, die in Deinem jetzigen Team das negative Klima verursachen, es fördern und nichts dagegen tun!