Mein Hamsterrad und ich

    Hallo liebes Forum,


    ich möchte gern mit jemandem reden, um einen distanzierten und objektiven Blick auf meine - wie ich finde - verkorkste Lebenssituation zu bekommen, aber ich möchte auch nicht mit jemandem reden, der mich kennt. Deshalb jetzt hier also mein Text:


    Es ist so, dass - wie ihr wisst ;-D - übermorgen Weihnachten ist, und ich habe seit gestern Urlaub und eine üble Rüsselseuche. Es ist wie jedes Jahr. Ich bin Weihnachten krank. {:(


    Aber es ist nicht nur das, was mich bedrückt. Es ist einfach so, dass ich nicht in der Stimmung bin. Ich bin irgendwie überdreht von den letzten Tagen auf Arbeit, der Geschenkekauferei........... in der Familie sind auch noch zwei Geburtstage (einer davon meiner) und ich bin einfach platt.


    Vorhin haben wir den Weihnachtsbaum aufgestellt. Er steht schief. Und ich finde, er sieht nicht schön aus. Und ich finde es so absurd, dass mich das gerade fertig macht. Es gibt so viele schlimme Sachen auf der Welt und auch in meinem Umfeld ........ und ich bekomm die Krise wegen eines schiefen Weihnachtsbaums................


    Hier liegt auch noch so viel rum. Ich weiß nicht, wie ich hier Ordnung reinbekommen soll bis Heiligabend X-
    Ich finde, dass das auch übertragbar ist auf mein Leben. So viele Baustellen. Und eigentlich bessere ich immer nur irgendwelche Provisorien aus. Ich werde in den nächsten Tagen 47 :-o Ich bin doch keine Studentin mehr .......... ich muss doch mal alles im Reinen haben, um mich zurücklehnen zu können, zu genießen und anderen weise Ratschläge geben zu können, wie das andere ältere Frauen so machen .......... ich fühl mich aber so unbedarft wie mit 16.


    Ich bin nur am Strampeln. Es fällt mir mal mehr, mal weniger auf. Jetzt gerade mehr. Ich hab keinen Bock auf Weihnachten, aber ich will es meinen Kindern schön machen. Ich selbst möchte lieber ins Bett mit ein paar guten Nasentropfen........ Morgen muss ich Kuchen backen, obwohl die Küche gerade noch ein Chaos ist, da liegen lauter Sachen rum: Pappen von den Bestellungen, Gewürzzeug und kleinere Sachen für die Ente, da steht auch noch der Spiegelschrank, den mein Mann seit Tagen anbauen will, es aber auch irgendwie nicht macht :(


    Ich hab auch keine guten Vorsätze fürs neue Jahr, weil ich weiß, dass ich sie eh nicht umsetzen kann. Ich müsste Ordnung in meine Finanzunterlagen bringen, ich müsste für den Wildwuchs im Garten jemd. finden, der da im Frühling für Ordnung sorgt, ich müsste ein paar Formulare ausfüllen, die eigentlich wichtig sind, ich müsste blablabla ........ einfach irgendwo anfangen, aber irgendwas lähmt mich.


    Jetzt hab ich gesagt, dass ich gern nächstes Jahr Weihnachten, meinen Geburtstag und den Jahreswechsel in Lappland verbringen möchte. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich jetzt die ohnehin doofe Stimmung hier zu einer geradewegs Unstimmung gemacht habe. Ich würde die Traditionen brechen. Und nun bin ich die Böse hier.


    Ich muss irgendwie unbedingt zur Ruhe kommen. Ich brauch meinen Urlaub, um zur Ruhe zu kommen, weil es in einer Woche jobmäßig wieder rund geht.


    Ich weiß, das sind alles Erste-Welt-Probleme, dennoch macht mich das alles so total fertig, dass ich am liebsten nur noch weg will.


    Aber ich kann doch nicht einfach wie ein Teenie von zu Hause abhauen, wie unreif bin ich eigentlich?


    Verzweifelte Grüße an euch und danke fürs Lesen.

  • 10 Antworten

    Hallo nepi, ??bist du die Nepi, die ich von früher kenne??,


    ich kann dich gut verstehen, mir geht es ähnlich. Dieses Jahr bin in "nur" erkältet - letztes Jahr und von 3 Jahren war ich Weihnachten richtig krank. Ich fühle mich auch immer sehr gestreßt von all den Erwartungen, die von allen Seiten auf mich einprasseln. Chaos ist hier auch immer und zu den Festtagen stört es mich besonders. Leider nur mich. Fast der ganze Streß mit Geschenken, Einkauf & Co bleibt an mir hängen - ok, ich arbeite Teilzeit, dafür habe ich aber auch die Kinder am Nachmittag. Besonders getroffen hat mich die Aussage meines Mannes, als ich vorgeschlagen habe, sich mal gegenseitig nicht so viel zu schnenken und die sowieso angedachten neuen Schreibtischstühle unter den Baum zu stellen: "Du bist immer so negativ und tust so, als ob Weihnachten nur Streß wäre und Schenken keinen Spaß macht". Äääh, ja, Schenken für jemanden, der sich alles sofort kauft, wenn er merkt, daß er es braucht oder möchte, macht keinen Spaß. Und Weihnachten ist Streß.


    Aber wieso ist deine Ankündigung, nächstes Jahr zu Weihnachten wegfahren zu wollen, so schlimm für deine Familie? Wie alt sind deine Kinder denn? War die Idee, daß du allein fährst oder wäre auch eine Option, eine gemeinsame Reise zu planen und dann eben unkonventionell Weihnachten zu feiern, sich bedienen zu lassen und vielleicht nur ein paar kleine Geschenke mitzunehmen statt der neuen Espressomaschine?


    Ich wünschte, ich könnte dir einen tollen Rat geben "du mußt nur..." und dann wird alles gut. Hab ich leider nicht.


    Ich wünsche dir, daß du ein paar ruhige Stunden findest, deine Erkältung sich gnädig zeigt und wenigstens alle mit deinen Weihnachstvorbereitungen zufrieden sind (das ist was, was mich total auf die Palme bringt, wenn man sich Mühe gibt und dann finden die anderen alles doof...)


    Liebe Grüße @:) @:)

    ??ja, ich bins, Mööpi??


    es sind eigentlich nicht nur die Festtage, es wird eben jetzt nur offenbar bzw. offen von mir angesprochen. Das Wegfahren ist deshalb so schlimm, weil es nicht "Tradition" ist. Ok, das ist eine längere Geschichte, weil wir keine von-Beginn-an-Tradition haben, sondern eine Wir-raufen-uns-zusammen-Tradition haben und das mal so abgesprochen hatten, dass Weihnachten zusammen zuhause unterm Baum gefeiert wird. Naja, aber ich fühl mich eben nicht gut dabei.


    Und ich arbeite Vollzeit und mein Jüngster ist 12 und fängt an zu pubertieren. Also Zeit mit Traditionen zu brechen ;-D


    Ach ich weiß auch nicht. Ich will einfach nur schlafen......


    Jetzt zum Beispiel kläfft der Hund. Wieso geht keiner und pfeift ihn rein? Ich muss das machen. Das ist so unabgesprochen vereinbart. Wenn ich jetzt nicht aufstehe und den Hund reinpfeife kommt gleich einer zu mir und fragt: Wieso kläfft der Hund? Wetten?


    :-X

     @:) @:)


    Also dann ist deine Familie seeeeehr traditionsbewußt, auch bei Kurzzeittraditionen X- X- Aber ich könnte mir vorstellen, daß das bei deinem Sohn dann auch die letzten Jahre sind, wo ihm das so viel bedeutet, vielleicht mußt du da jetzt einfach noch 2x durch und dann ist gut. Ich meine, mit 12 sind sie ja irgendwie noch zwischen Kind und Teenie und manchmal unsicher, was sie sein wollen. Da ist dann so ein Weihnachten einfach mal eine gute Gelegenheit, sich nochmal als Kind fühlen zu können, ohne daß die Freunde einen uncool finden. Nur so eine Idee. Dein Partner sollte allerdings schon ein bißchen differenzierter damit umgehen können und merken, wie ungut daß für dich ist. Aber naja, Männer, siehe mein letzter Post - ist bei uns ja auch so ein Problem.


    Was sowas wie die Zuständigkeit für den Hund angeht, das könntest du aber doch mal ansprechen. Das muß ja nicht für alle Zeiten unabgesprochen so vereinbart bleiben, das kann man ja ausgesprochen auch mal jemand anderem zuteilen ;-) Ist vermutlich zäh (bei uns würde dann angeführt, daß man das aber ja gar nicht gehört hat :=o ), aber vielleicht lohnt es sich?

    Zitat

    Das Wegfahren ist deshalb so schlimm, weil es nicht "Tradition" ist. Ok, das ist eine längere Geschichte, weil wir keine von-Beginn-an-Tradition haben, sondern eine Wir-raufen-uns-zusammen-Tradition haben und das mal so abgesprochen hatten, dass Weihnachten zusammen zuhause unterm Baum gefeiert wird. Naja, aber ich fühl mich eben nicht gut dabei.

    Trau dich.


    Vermutlich wird der Aufschrei erstmal groß und der ein oder andere womöglich sogar beleidigt sein, aber wenn ihr das einmal durchzieht, kann das ein Befreiungsschlag werden und ihr habt in den folgenden Jahren kein Problem mehr, wenn ihr euch entscheidet wegzufahren. So werden neue Traditionen geboren.

    Dein Jüngster ist 12, das heißt, die anderen sind älter.


    Wieso bindest du sie nicht stärker ein? Wir haben ungefähr ab dem Alter (eigentlich schon vorher) ganz klare Pflichten gehabt.


    Einer war samstags dafür zuständig, das Haus zu saugen und alle Böden zu wischen, plus vorab Staubwischen. Der andere dafür die Bäder zu putzen und grob in der Küche weg zu räumen. Spülmaschine ein- und ausräumen war auch kein Ding. Natürlich musste man uns auch mal dran "erinnern", so nach dem Motto "du machst ja heute dies, dein Bruder das". Und natürlich hatten wir keinen Bock dazu, aber was will man machen. Mutter ist ja keine Putzfrau für alle.


    Mir ist es übrigens manchmal auch zu viel alles im Dezember. Ich hatte letztes Jahr drei Geburtstag, zwei davon wichtig weil engste Familie, eine Firmenfeier, noch eine Feier, plus ein Wochenende weg. Und das alles innerhalb von drei Wochen. Ich war am Ende durch. Dieses Jahr hab ich bewusst zu vielen Dingen nein gesagt. Dingen, die nicht sein müssen


    Früher war ich jedes Jahr zu Weihnachten krank, so wirkte sich der Stress aus. Das ist einfach psychosomatisch.


    Was weihnachtliche Traditionen angeht: bereite doch nur ein Essen vor, die anderen Tage geht essen, backe einen Kuchen, der Rest wird beim Konditor bestellen oder tiefgefroren gekauft. Den Baum schmücken die Kinder allein, egal ob er nachher perfekt aussieht oder du ihn anders geschmückt hättest.


    PS Und wenn jemand fragt, wieso der Hund bellt, dann sagst du: Keine Ahnung, kann keine Gedanken lesen. Schaue nach, und lass ihn rein, das nächste Mal direkt ohne mich zu fragen. Danke.


    Und noch ein Tipp: keine Geschenke, nur für Kinder, davon haben wir 5 unter 6 Jahren in der Familie. Die Erwachsen bekommen nichts. Und keiner vermisst es. Die Wahrheit ist nämlich, wenn wir es uns alle eingestehen, wir haben alles, was wir brauchen. ;-)

    Ach, und was das "nichts schenken" angeht. Es halten sich alle dran.


    Freude am Auspacken haben die Kinder, und wir die Freude ihnen dabei zuzuschauen. Ansonsten vermissen wir nix. Und ich am wenigsten, mir vorher zu überlegen, was ich wem schenke und mich an den Samstagen vor Weihnachten in der überfüllten Stadt abzuhetzen.


    Bei meiner besten Freundin machen die das mit dem Essen so: sie und ihr Mann bringen/ machen die Vorspeise, die Eltern den Hauptgang, die Schwester und Bruder das Dessert. Und nächstes Mal wird sich abgewechselt. Auch eine gute Idee, damit keiner alles macht und eine schöne Tradition.

    Liebe Nepi,


    vielleicht sollten wir uns das Hamsterrad teilen. ;-) Genau davon habe ich nämlich vor ein paar Tagen auch gesprochen: Ich habe das Gefühl, dass ich nur am Rennen bin, aber auf der Stelle trete. Einfach fürchterlich. Meine Rahmendaten: 2 Jobs, 2 Kinder und ein Lebensgefährte, der mehr auf Dienstreise als zu Hause ist. Und ich bin mittlerweile 48 :-o Da ist nix mit gemütlich zurücklehnen. Ich bin für alles verantwortlich. Versuche ich die Kinder einzubinden, mal etwas aufzuheben oder irgendwo mal Licht auszumachen, das sinnloserweise brennt, kommt als Antwort, das habe ich da nicht hingeworfen/angemacht. %-| Jo, aber ich, hä? Für jede Kleinigkeit bin ich zuständig oder muss mir erst mal den Mund fusslig reden, bis jemand anderes mal etwas macht.


    Und Weihnachten hat einem dann auch noch gefehlt. Wenn die Tage/Wochen/Monate sowieso schon zum Platzen gefüllt sind, dann sind noch weitere Pflichten (backen, Geschenke überlegen/kaufen, Karten schreiben...) so überflüssig wie ein Kropf.

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    Ich weiß, das sind alles Erste-Welt-Probleme, dennoch macht mich das alles so total fertig, dass ich am liebsten nur noch weg will.

    Mir geht es genauso. Habe mir zu Weihnachten einen Reiseführer über einen bestimmten Fernwanderweg in Spanien gewünscht und drohe immer mal wieder, dass ich dann 6 Wochen weg bin ]:D


    Hilft zwar in den Situationen nicht viel, ist für mich aber eine mentale Flucht, die sich wenigstens tröstend anfühlt. ;-)


    Also, ich kann hier leider nichts hilfreiches beisteuern, weil es mir genau so geht wie Dir, werde aber hier aufmerksam mitlesen, in der Hoffnung, dass jemand die eierlegende Wollmilchsau präsentiert.

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    Ich bin nur am Strampeln. Es fällt mir mal mehr, mal weniger auf. Jetzt gerade mehr. Ich hab keinen Bock auf Weihnachten, aber ich will es meinen Kindern schön machen. Ich selbst möchte lieber ins Bett mit ein paar guten Nasentropfen........ Morgen muss ich Kuchen backen, obwohl die Küche gerade noch ein Chaos ist, da liegen lauter Sachen rum: Pappen von den Bestellungen, Gewürzzeug und kleinere Sachen für die Ente, da steht auch noch der Spiegelschrank, den mein Mann seit Tagen anbauen will, es aber auch irgendwie nicht macht :(

    Vielleicht solltest du dich einfach mal von einem Bilderbuch-Weihnachten mit selbstgebackenem Kuchen, aufgeräumten Zuhause und pompösem Essen verabschieden. Geh ins Bett und scheiß auf den Kuchen. Wenn die Mama an Weihnachten dafür entspannter ist, nehmen die Kinder sicher auch nen Tiefkühlküchen ]:D


    Zwischen den Extremen zu schwanken ("ich muss noch diesen Kuchen backen!" vs. "Ich reise einfach nach Lappland") muss doch gar nicht sein.

    12 und älter? Leg dich ins Bett und sei krank. Es gibt nix schlimmeres als Mütter, die über ihre eigenen Grenzen gehen und das dann irgendwann (unweigerlich) auf die anderen zurückfällt, in Form von schlechter Laune, Vorwürfen, burnout oder Herzinfarkt. Die können selber aufräumen. Du betrittst die Küche erst, wenn sauber ist. Zum Beispiel. Wenn du nicht selber für deine Auszeit sorgst, tuts keiner. Also trag du Sorge zu dir.

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    Jetzt zum Beispiel kläfft der Hund. Wieso geht keiner und pfeift ihn rein? Ich muss das machen. Das ist so unabgesprochen vereinbart. Wenn ich jetzt nicht aufstehe und den Hund reinpfeife kommt gleich einer zu mir und fragt: Wieso kläfft der Hund? Wetten?

    Dann stell dich schlafend und freu dich, dass es ein anderer genervt erledigt hat ;-D