Eine Anregung:

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    Musste ihn - wie meistens - deshalb realtiv häufig ermahnen. Was soll ich denn auch tun? Nichts sagen, wenn er über Tische und Bänke geht oder im Begriff ist, etwas kaputt zu machen?

    Wenn die Ermahnungen keinen Erfolg zeigen, kann man sie tatsächlich einstellen (was nicht heißt, dass man nichts tun soll). Sie erreichen das Kind ja offensichtlich nicht. Könnte ein Muster sein, bei dem es sich lohnt, es durch das Beschreiten neuer Wege zu durchbrechen.


    Bisher:


    Er benimmt sich daneben, er bekommt umgehend Deine Aufmerksamkeit, er macht weiter, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und ignoriert bewusst Deine Ansagen.


    Neue Möglichkeit: Er benimmt sich daneben und es wird komplett ignoriert, stattdessen wird gutes Benehmen mit extra Aufmerksamkeit bedacht.


    Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, das vorher mit den Leuten zu besprechen, die dabei sind, damit diese im Zweifel das Kind ermahnen oder sogar den Besuch abbrechen, wenn es gar nicht geht. Dann wissen diese auch Bescheid und Du brauchst keine Sorge haben, dass sie Dich für ignorant halten.


    Möchte ich auch begründen, warum ich diese Vorgehensweise besser finden würde:

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    Seit 1,5 Stunden geht das jetzt so

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    Beim letzten Besuch war es auch schon grenzwertig und bei dem vor 2 Wochen war es noch schlimmer als heute. Aber da hat man dem Chefarzt eine positive Rückmeldung gegeben! Und auch da musste ich ihn fast ununterbrochen ermahnen.

    Das klingt für mich nach eher negativ besetzten Besuchen für alle Beteiligten. Ich könnte mir vorstellen, dass dies das Kind (und Dich auch!) zusätzlich zu anderen vorhandenen Problemen frustriert und eher Energien raubt als neue Hoffnung gibt. So schade um die eigentliche Qualitätszeit, die ja dadurch gar nicht wirklich vorhanden ist. Daher würde ich es schön finden, an dieser Schraube ein wenig zu drehen und einen anderen Umgang damit zu finden. Gerade jetzt hast Du die Hilfen durch Dritte, die Dir dabei helfen können.

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    Das war doch schon vorher mit dem Klinikpersonal abgesprochen, dass ich den Laptop mitbringe.

    Vielleicht wussten es diese speziellen Mitarbeiter nicht? Da ist es gar nicht verkehrt, das noch mal anzusprechen und für kommende Situationen abzuklären.


    Denn falls es so war, dass diese Mitarbeiter es nicht wussten, kann man das künftig vermeiden, indem man einfach noch mal kurz vor Ort Bescheid gibt. Wenn sie dann dagegen entscheiden, ist wenigstens das Kind nicht enttäuscht, weil ihm etwas wieder weggenommen wird.

    Möglich ist auch das Spiel abzubrechen statt ihn ständig zu ermahnen und da muss man nichtmal böse bei werden. Da kann man einfch sagen: "Hey, wenn das heute nichts für dich ist, dann lassen wir es, kannst du ruhig sagen." Wenn er dann spielen will noch eine chance und dann wird das beendet. Man kann ja dann versuchen etwas mit weniger stillsitzen und mehr Action zu machen. Aus Erfahrung weiß ich das innere Unruhe die Tendenz hat übler zu werden wenn man versucht sich still hinzusetzen und sich dann zusammen nimmt. Als würde das Fass dann weiter voll laufen.


    Zu dem Rest schreib ich mal nichts. Finde es gut das du es ansprechen willst.

    Ich bin etwas erstaunt. Was meint ihr, wie oft wir schon Spiele abgebrochen haben, weil es einfach nicht möglich war, sie fortzusetzen? Genau das haben wir dann getan und sind zum Kicker gegangen. Aber auch das war nicht möglich und während dieses Spiels erschien dann die Stationsmitarbeiterin. Es war völlig egal, was wir gespielt haben, er war immer unruhig. Ich glaube, dass er unter Zwängen leidet. Es ist ganz schwer, seine Muster zu durchbrechen.


    Das meine ich jetzt nicht böse, aber ich denke, dass ihr euch nicht ansatzweise vorstellen könnt, was da bei ihm abgeht. Er ist nicht ohne Grund momentan in einer Klinik.


    Gestern hat er mich wieder gefragt, wann er nach Hause kommt. Ich denke, in ihm drin läuft alles drunter und drüber, nachdem er erfahren hat, dass er schon wieder woanders hin muss.


    Wenn er in der alten Gruppe so sehr unruhig war und ein Spiel kaum möglich, dann haben die sich eingeschaltet, aber nicht so wie die auf der Station gestern. Sondern kompetent und hilfreich. Wir haben regelmäßig Elterngespräche geführt, aus denen ich unglaublich viel gezogen habe. Das fällt ja momentan weg und ich muss da alleine durch. Jedoch möchte ich wieder positiv denken und glaube daran, dass es in der Zusammenarbeit mit der neuen Gruppe nur besser werden. :)^

    Ich kann mir vorstellen, dass es für dich unglaublich schwer ist und dir auch immer wieder das Herz zerreisst.


    Letztendlich scheint das einzige, was dir jetzt übrig bleibt zu sein, für ihn stark zu sein. Für ihn ruhig zu sein und möglichst zuversichtlich. Hoffnung auszustrahlen. Auch wenn dir das schier unmöglich vorkommen sollte. Aber vielleicht machst du auch schon das. Ihm das Gefühl rüber bringen, dass alles gut wird. Was nicht heisst, einfach das Schwierige zu ignorieren oder wegzuschweigen, sondern eher ein: Ja, jetzt ist es schwierig, aber ich glaube daran, dass wir, du und ich, das hin kriegen und dass es wieder besser wird und du dann wenn es soweit ist, wieder bei uns wohnen wirst.

    Alias


    In deiner Beschreibung oben las es sich einfach so, als würdest du ihn in einer Tour ermahnen und ermahnen ohne das noch etwas anderes passiert. Das hab ich auch schon gesehen, also hielt ich es für möglich. Kicker spielen ist aber auch noch recht beherrscht. Also, ich meine, wenn ich Angst habe und unter Druck stehe, dann möchte ich den Kickertisch durch den Raum werfen, aber hab sicher nicht die Nerven um konzentriert zu spielen. Was für Optionen hat er denn da noch um richtig Dampf abzulassen?

    Ich habe alles durchprobiert. Ignorieren, ins Zimmer schicken, reden (was, wie ihr ja wißt, sehr schwierig mit ihm ist) und auch mit Konsequenzen gedroht. Aber selbst die hat mein Sohn in Kauf genommen. Als Außenstehender hat man immer leicht Reden.


    Wie gesagt, in der Einrichtung lief es anders als in der Klinik.

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    Das meine ich jetzt nicht böse, aber ich denke, dass ihr euch nicht ansatzweise vorstellen könnt, was da bei ihm abgeht.

    Ich bezog mich eher auf Dein Verhalten, das Du geschildert hast, nicht auf das Deines Kindes. Und es war auch nur eine Anregung. Die kannst Du natürlich als für Dich unpassend verwerfen, wenn Du mit den Gedanken nichts anfangen kannst.

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    ....gab es denn auch welche?

    Ja, er ist in der Klinik gelandet (wahrscheinlich gegen seinen Willen) und darf nicht mehr zu Hause wohnen, weil er sich selbst und andere gefährdet. Ich denke, dass Alias in so einer Situation auch nicht lange gezögert haben wird und das schnell durchgezogen hat. Für den Sohn ist das doch die schlimmste Konsequent, die es gibt. Er sagt ja auch immer wieder, dass er nach Hause möchte.

    Die Keltin, das finde ich jetzt doch ein wenig unfair und lediglich auf Deinen Unterstellungen basierend. Hier brauchen Kind und Mutter Hilfe und dann ist es mehr als legitim, sich diese auch zu suchen. Keine Klinik würde ein Kind aufnehmen, welches keinen Bedarf hat.

    Chance, ich meine das gar nicht wertend: Das ist die logische Konsequenz, wenn jemand so ausrastet, dass er für sich und andere eine Gefahr darstellt. Alias wird ja vorher alles versucht haben, um ihn aufzufangen, aber da das nichts gebracht hat, war's gut, dass sie sich Hilfe für ihn und für sich geholt hat. Ich möchte natürlich nicht an deren Stelle sein, aber ich hoffe, dass es was bringen wird und dass der Sohn schnell wieder nach Hause kann.


    Ich hatte in dem Alter übrigens genauso eine Phase, weil ich auch einiges durchgemacht hatte, aber mich konnte man noch irgendwie auffangen und "zurechtbiegen"..... ;-) Bei mir war es auch sehr an der Grenze, aber ich habe es irgendwie geschafft, mich einigermaßen "aus dem Sumpf zu ziehen". Wobei ich mich nie wirklich selber gefährdet habe und andere sowieso nicht. (Es war eher so, dass andere eine Gefahr für mich darstellten) Aber das nur am Rande.

    Das klingt jetzt schon ein wenig anders als im letzten Post. Vielleicht hast Du Dich auch nur unglücklich ausgedrückt. Aber die Entscheidung, einem Kind bzw. der ganzen Familie derartige Hilfen zukommen zu lassen, hat mit einer Konsequenz dem Kind gegenüber (eben klang es eher nach Strafe) nur bedingt etwas zu tun und wird auch nicht mal eben schnell durchgezogen. Im Gegenteil. Das gehört schon gut überlegt. Am besten ist es, wenn auch das Kind es als Hilfe erkennen kann und nicht als Strafe begreift. Immerhin sind auch Ärzte und betreuende Therapeuten auf Kooperationswillen angewiesen. :)z

    Natürlich gab es Konsequenzen. Deshalb schrieb ich ja, dass er diese in Kauf genommen hat. Sie haben ihn also quasie nicht abgeschreckt. Bis er in der Klinik einen Platz bekommen hat, verging noch mal eine lange Zeit. Die Wartelisten sind lang und ich habe dort immer wieder vorgesprochen, dass es immer schlimmer wird. Auch unter Einnahme des Medikamentes und ich nicht mehr kann. Ich war psychisch und körperlich so am Ende, dass ich kurz davor war, entweder ihn oder mich umzubringen. Die Einrichtung, in der er bis vor 3 Wochen noch gelebt hat, sind ja nun ebenfalls an ihre Grenzen gestoßen und konnten sich wahrscheinlich besonders in den letzten 1,5 Monaten vorstellen, was bei uns zuhause abging. Ergebnis: selbst Profis sind mit meinem Sohn überfordert und dieser Gedanke macht mich unendlich traurig. Und selbst eine Fachklinik weiß nicht so recht weiter und verwiesen an ein Therapiezentrum. Aber ich habe mir selbst versprochen, nur noch positiv zu denken. Und daher glaube ich ganz fest daran, dass die neue Gruppe mit dem vielversprechenden 1:1 Setting mehr bewegen kann und wir in die richtige Richtung gehen. Wie schon erwähnt: ein kleines Licht am Horizont. :)*

    Für mich wäre es schon eine Strafe, da ich nicht mehr zu Hause leben - und mich in einer Einrichtung anpassen - und an deren Regeln halten müsste. Außerdem wird man ständig bevormundet und ist eben nicht mehr frei. Alias erzählt ja selber, dass man dort täglich gewisse Essensmengen zu sich nehmen muss, dass es bestimmte Essenszeiten gibt, dass die dort keinen PC haben dürfen usw. Das wäre nichts für mich.


    Aber ich verstehe, dass es hier nicht anders ging und bin davon überzeugt, dass Alias die richtige Entscheidung getroffen hat. Und es kann eine Hilfe für alle Beteiligten sein, wenn es gut funktioniert.


    Meine Daumen sind jedenfalls gedrückt! :)*

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    Ich bin fertig mit den Nerven

    Das Mutter-Dasein (so schön es insgesamt ist) kann einen doch auch an die Grenzen der Belastbarkeit bringen (wenn einige Umstände dauerhaft widrig sind).


    Ich finde, Du solltest schauen (einfach gesagt, ich weiß), dass Du wieder Energie tanken kannst, damit es Dir wieder gut geht und Du zu Kräften kommst. Denn die Erziehungsphase kann u. U. sehr kräftezehrend für eine Mutter sein. Es dreht sich alles um das Kind (die Kinder) man will das Beste, zerbricht sich den Kopf wie man das erreicht, denkt nur an die Kinder und nicht an sich...kann an seine Grenzen kommen. - Insofern ist es gut, dass Dein Kleiner z. Z. in einer Kleingruppe betreut wird.

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    Ergebnis: selbst Profis sind mit meinem Sohn überfordert und dieser Gedanke macht mich unendlich traurig.

    :)_

    @ Die Keltin

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    Für mich wäre es schon eine Strafe, da ich nicht mehr zu Hause leben - und mich in einer Einrichtung anpassen - und an deren Regeln halten müsste. Außerdem wird man ständig bevormundet und ist eben nicht mehr frei.

    So ist es.

    @ Chance007

    Selbstverständlich ist die Unterbringung in einem Therapiezentrum die Konsequenz für sein Handeln.


    Die Zusammenhänge sind aus der Sicht des Kindes jedoch viel zu komplex, um es als logische Konsequenz seines Handelns zu begreifen. Deshalb wird es von dem betroffenen Kind höchstwahrscheinlich als Strafe empfunden.

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    Am besten ist es, wenn auch das Kind es als Hilfe erkennen kann und nicht als Strafe begreift.

    Das kann das Kind bestenfalls als Erwachsener, wenn er feststellt, dass aus ihm mit Hilfe der therapeutischen Maßnahmen ein halbwegs normaler Mensch geworden ist.

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    Immerhin sind auch Ärzte und betreuende Therapeuten auf Kooperationswillen angewiesen. :)z

    Therapieeinsicht wie von einem Erwachsenen kann man von einem Kind nicht erwarten. Dafür müsste es begreifen, dass es die Anforderungen, die man an Kinder in seinem Alter stellt, nicht erfüllen kann.


    Der Sohn wird notgedrungen kooperieren, wenn er die Einsicht hat, dass er gegen die Erwachsenen keine Chance hat. So weit ist der Sohn anscheinend noch nicht.