@ LichtAmHorizont:

    Wie soll man es denn sonst sagen? Das Kind muss begreifen, warum es dort ist. Das kann man nun natürlich strafend-schuldzuweisend tun. Oder einfach nur als Erklärung: "Solange solche Dinge geschehen, brauchst du noch die Hilfe, die es nur hier und nicht zu Hause gibt. Daher musst du noch bleiben, bis solche Dinge nicht mehr vorkommen".


    Das kann auch ein 8jähriger mit Verhaltensauffälligkeiten verstehen. Und durchaus auch als Ansporn sehen, an seinem Verhalten zu arbeiten.

    @ LichtAmHorizont

    Zitat

    Du hast dem Jungen, verklausuliert, gesagt, dass er selbst mit seinen Ausrastern und wenn diese nicht aufhören, daran Schuld ist, wenn sein Aufenthalt in der Klinik länger dauert? Ich hoffe, ich habe da etwas falsch verstanden. Wenn nein: Um Gottes Willen...

    Die Vorgeschichte für dieses außerplanmäßige Gespräch in der Einrichtung war, dass mein Sohn nach einer guten Phase wieder in die Ausraster-Phase zurück verfallen ist und ganz deutlich in der Einrichtung gesagt hat, dass er nach Hause will und alles kaputt machen wird (er hat sein Zimmer und Teile der Gruppe zerstört) bis er wieder nach Hause kommt. Und dass dies der völlig falsche Weg ist, sollte jedem einleuchten. Also haben wir ein Krisengespräch geführt, welchem mein Sohn dann beigewohnt hat. Das war ein so tolles Gespräch und man hatte den Eindruck gewonnen, dass er etwas verstanden hatte. Doch es wurde leider dann so schlimm, dass er wieder in die Klinik musste. Und aus einer 24Stunden-Krisenintervention ein längerer Aufenthalt wurde.


    Es gab dringenden Handlungsbedarf meinerseits. Worin siehst du nun das Problem? Soll ich meinen Sohn anlügen? Es war so mit der Einrichtung abgesprochen, dass ich ihm noch mal verdeutliche, dass er dort ist, damit ihm geholfen werden kann und uns auch. Damit wir bald wieder zusammen leben können.

    @ Sunflower

    Genau so war es gedacht. Er sollte begreifen, dass es auf diese Art eben nicht schneller nach Hause geht und wir alle weiter an uns arbeiten müssen, damit es wieder funktionieren kann zuhause. Und mein Ton in diesem Gespräch war liebevoll. Zu keiner Zeit vorwufsvoll oder böse. Die Leiterin und auch seine Bezugserzieherin haben hinterher gesagt, nachdem mein Sohn in die Gruppe zurückging, dass ich das ganz toll gemacht hätte und man am Gesicht meines Sohnes ganz deutlich eine Regung sehen konnte.


    Wir waren nach diesem Gespräch so zuversichtlich!


    :°(

    Gebt die Zuversicht nicht auf! Immerhin gibt es Momente, die sie rechtfertigen.


    Aber Dein Kleiner hat offensichtlich ganz scön zu kämpfen, mit sich und/oder was auch immer. Wir wissen doch selber, wie schnell man gute Vorsätze über Bord wirft. Es heißt ja nicht, dass er NICHT WILL. Vielleicht KANN er einfach (noch) nicht anders.

    Ich hatte nur die Befürchtung, dass der Junge glauben könnte, nur akzeptiert zu werden, wenn er so ist, wie seine Umgebung ihn gerne hätte. Dass er den Aufenthalt in der Klinik als Strafe für Falschsein empfinden könnte. Aber das hier

    Zitat

    Die Leiterin und auch seine Bezugserzieherin haben hinterher gesagt, nachdem mein Sohn in die Gruppe zurückging, dass ich das ganz toll gemacht hätte und man am Gesicht meines Sohnes ganz deutlich eine Regung sehen konnte.

    beruhigt mich.

    Das halte ich auch für durchaus möglich und wahrscheinlich. Also das er nicht anders kann. Aber nochmal auf die Situation da so und du musst auch nicht antworten, nur für dich als Überlegung: Kann es sein, das dein Sohn so reagiert wenn er sich hilflos fühlt?


    Ich komme drauf weil du geschrieben hat ein "Nein," beim Essen könne ausreichen um ihn so durch die Decke zu jagen und auch ier hat er versucht mit dem Verhalten etwas zu erzwingen wo ihm kein anderer Weg offen steht um es zu erreichen. Quasi wie ein Tier das man in die Ecke drängt. Das würde auch erklären wieso er nicht wieder runter kommt denn er ist ja defacto noch immer hilflos den Entscheidungen anderer ausgesetzt.

    Ich finde das Leistungsspektrum der angedachten neuen Einrichtung wirklich gut, denn so lange niemand weiss, was ihm eigentlich fehlt, kann ihm auch nicht wirklich geholfen werden.


    Da die alte Einrichtung mit ihm überfordert ist, ist es auch richtig ihn nicht mehr aufzunehme, so schrecklich das auch für dich und ihn ist @:) , aber es nützt ja nichts im Trüben zu fischen.


    Und natürlich ist es wichtig, dass er weiss, warum er schon wieder umziehen muss, er ist alt genug, das zu verstehen und es ist auch wichtig für ihn, dass man ihn nicht anlügt.


    Weitehin finde ich die Idee, die Ausraster erst einmal medikamentös zu verhindern zu wollen nicht falsch, vor allem, weil es ja noch keine wirkliche Diagnose gibt @:), es sit zumindest eine Möglichkeit aus der Spirale auszusteigen!


    Meine Schützlinge damals wären zu keinem auch nur ansatzmässig normalen Leben fähig gewesen, hätte man nicht versucht sie medikamentös einzustellen, so hatten sie wenigstens eine Chance, das hat meine bis dato sehr kritische Einstellung zu Psychopharmaka doch sehr verändert, wenn ich auch immer noch der Meinung bin, dass diese bei leichten Fällen sehr voreilig verschrieben werden, doch der Sohn der TE ist leider kein leichter Fall.


    Liebe TE, ich finde du machst das alles schon richtig für euch! Und wie gesagt, dein Sohn ist erst 8, da besteht so viel Hoffnung, auch wenn es erst mal eine Trennung impliziert :)* .


    Ich würde dir evtl. raten, dir eine Selbsthilfegruppe o.ä. zu suchen für Eltern psychisch erkrankter Kinder.


    Du brauchst dringend jemand, mit dem du reden kannst und der das alles auch versteht und dir gute Tipps geben kann auch in Hinsicht auf Schuld etc. Wichtig ist auch, dass du siehst, dass du nicht alleine bist mit deinen Problemen.

    Zitat

    Das würde auch erklären wieso er nicht wieder runter kommt denn er ist ja defacto noch immer hilflos den Entscheidungen anderer ausgesetzt.

    Aber das ist man als 8jähriger eigentlich ziemlich oft.


    Nur normalerweise lernt man eben mit Frustration umzugehen.


    Und genau das funktioniert beim Sohn der TE ja offensichtlich nicht, genau so wie die Impuslkontrolle.


    Genau daher ist es ja so wichtig rauszufinden, was dem zu Grunde liegt und ich wage zu behaupten, die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht im Faktor Umwelt liegt ist hoch.

    Ach, liebe Alias,


    wie sehr erinnert mich das alles an meinen Sohn... (inzwischen 36 Jahre), der heute in einem Betreuungszentrum lebt.


    Auch er war von klein auf irgendwie auffällig (zumindest mir). Bin damals von Hinz nach Kunz mit ihm gelaufen. Explodiert ist es dann in der Pubertät. Er zog sich mehr und mehr zurück, man kam nicht mehr an ihn heran. Er hatte eine unsichtbare Mauer um sich. In der 6.Klasse nahm ich ihn aus der Hauptschule und meldete ihn in einer Maria Montessori-Schule an. Das machte vieles leichter. Nebenher lief eine ambulante Psychotherapie (das wiederum hätte ich mir sparen können im Rückblick).


    Der Krankheitsverlauf wurde immer schwieriger. Sein Vater, mein Ex-Mann hielt sich in der ganzen Zeit ganz schön aus allen Problemen heraus. Er hatte ihn nur jedes 2.WE zu Besuch und lieferte ihn am So.-Abend wieder an meiner Haustür ab.


    Nach Abschluss der Hauptschule meldete ich ihn in einem Berufsbildungszentrum (eigtl. für behinderte Jugendliche) an. Die ganze Familie atmete auf, dass er da internatsmäßig untergebracht war. Leider dauerte es nicht lange, bis Beschwerden vonseiten dieser Schule kamen. Er müsse doch mal psychologisch beobachtet werden. Sein 1. Psychiatrieaufenthalt kam mit ca. 16 Jahren.


    Das erste Mal hörte ich die Diagnose "Persönlichkeitsstörung" (schwere Psychose) und suchte nach einer entsprechenden Kontaktgruppe im Sozialpsychiatrischen Dienst. Hier trafen sich betroffene Eltern zum Austausch. Hätte ich diese Gruppe damals nicht gehabt, wäre ich völlig verzweifelt!


    Ich richtete ihm eine kleine Wohnung ein und sein (gesetzlicher) Betreuer half mir bei der Anmeldung in einer WfB. So weit so gut. Zuerst arbeitete er da auch seine 8h/T. Dann immer weniger, bis er schließlich nur noch in seiner Bude vor der Glotze hockte. Damit der Junge mir nicht ganz versiffte, putzte ich heimlich bei ihm.


    Schließlich hieß die Diagnose "schizoide Persönlichkeitsstörung". Es war der pure Horror! Er hatte Krach mit seiner Nachbarschaft, sprach fremde Menschen auf der Straße an, "warum sie ihn denn so komisch anschaun ":/ , fragte die Kassiererin im Supermarkt, "warum sie sich nicht für seinen Einkauf bedanke" usw.


    Wieder längerer Psychiatrieaufenthalt und Wohnungskündigung. Richtete zusammen mit seinem Stiefvater die 2. Wohnung für ihn ein. Ambulante gesetzliche Betreuung wurde intensiviert. Immer wieder Psychiatrieaufenthalt, Neuroleptika (mit erheblicher Gewichtszunahme im Gepäck)... irgendwann knickte ich kräftemäßig ein :°( :°(


    Heute ist S. wie gesagt in einem Betreuungszentrum untergebracht. Glücklich ist er da nicht. Sein einziger Wunsch ist, wieder "selbständig" (mit Grundsicherung/ohne Arbeit/ in den Tag) zu leben. Ich mach da nicht mehr mit. Mache ihm immer wieder betreute WG mit regelmäßiger Arbeit in einer WfB schmackhaft- lehnt er ab- ja Gott... gibt's sonst noch was ? ":/


    Will Dir jetzt keine Zukunftsprognose hier geben, bei vielen läuft's ganz anders... man sagt sogar 30% werden wieder ganz gesund, 30 % können (mit vielen Hilfsangeboten und entspr. Medis) ihr Leben irgendwie schaukeln, der Rest....

    Zitat

    ist Schweigen :°( :°( :°(

    Lass Dich drücken Alias- Du bist nicht alleine-- kannst mich ja mal persönlich anschreiben. Könnte Dir vlt. den ein oder anderen Tipp geben... Lb. Gruß

    Alias, ich wünsche dir ganz viel Kraft für diese Krisenzeit....und dass du irgendwann endlich mal durchatmen - und zur Ruhe kommen kannst. @:) Dass du jahrelang immer wieder unter Strom stehst und nicht entspannen kannst, ist auch für deine Gesundheit nicht gut!


    Dir und deiner Familie weiterhin alles Gute! @:)

    @ Die Keltin

    Gesundheit? Was ist das? Ich fühle mich schon sehr lange krank, müde und abgespannt. Erholsamer Schlaf ist ein Fremdwort für micht geworden und jede Kleinigkeit regt mich auf. :°( Übelkeit, Bauchweh gehören auch seit neustem zu mir, um nur mal etwas zu nennen.


    Ich muss halt versuchen, wieder auf die Beine zu kommen. Aber das ist der jetzigen Situation leichter gesagt als getan.

    Ha... Gesundheit: Ich hatte zu dieser Zeit nicht nur noch 5 andere Kinder zu betreuen, einen Halbtagsjob im Krankenhaus und plötzlich einen riesigen Tumor auf dem re Eierstock. Kaum war der Tumor wegoperiert, kam ein Morbus Basedow der Schilddrüse. Das kranke Teilchen musste fast komplett entfernt werden.... Die Wechseljahre liefen so nebenher....


    Ach ja, u. jetzt pflege ich meine 90jährige, bettlägerige Mutter....es geht mir gut :)D

    @ Sunflower_73

    Zitat

    Gebt die Zuversicht nicht auf! Immerhin gibt es Momente, die sie rechtfertigen.

    Ich danke dir und ja, ich gebe nicht auf. Es ist nur so schwierig, wenn man so allein damit ist. Der Onkel leckt seine eigenen Wunden und meine Freundin bangt um ihren Vater, der gerade operiert wird. Da belaste ich sie nicht mit meinen Problemen. Die ander Freundin hört mir schon ab und an mal zu. Aber eigentlich ist man immer allein mit solchen schweren Dingen.

    @ danae87

    Zitat

    Aber nochmal auf die Situation da so und du musst auch nicht antworten, nur für dich als Überlegung: Kann es sein, das dein Sohn so reagiert wenn er sich hilflos fühlt?

    Klar ist das eine Möglichkeit. Aber es nutzt eben nichts, weiter zu forschen, jetzt muss gehandelt werden, um meinen Sohn wieder auf den rechten Weg zu bekommen.

    @ kleiner_drachenstern

    Zitat

    Liebe TE, ich finde du machst das alles schon richtig für euch! Und wie gesagt, dein Sohn ist erst 8, da besteht so viel Hoffnung, auch wenn es erst mal eine Trennung impliziert :)* .

    Danke, das macht mir Mut und ich werde niemals die Hoffnung aufgeben. Niemals!

    Zitat

    Du brauchst dringend jemand, mit dem du reden kannst und der das alles auch versteht und dir gute Tipps geben kann auch in Hinsicht auf Schuld etc. Wichtig ist auch, dass du siehst, dass du nicht alleine bist mit deinen Problemen.

    Oh ja, das brauche ich auf jeden Fall. Mal sehen, ob ich so eine Selbsthilfegruppe in meiner Nähe finde. Vielleicht fühle ich mich dann auch nicht mehr so alleine. :°( Meine Therapie endet nun leider auch. In 2 Wochen findet die letzte Sitzung statt und somit fällt ein wichtiger Teil meines momentanen Lebens auch wieder weg. Diese Sitzungen waren sehr wichtig für mich.

    Zitat

    In 2 Wochen findet die letzte Sitzung statt und somit fällt ein wichtiger Teil meines momentanen Lebens auch wieder weg. Diese Sitzungen waren sehr wichtig für mich.


    Alias 706397

    Oh, das tut mir leid.


    Meinst du nicht du kannst eine Verlängerung erwirken, gerade jetzt wo sich so viel in deinem Leben wieder ändert?

    Leider war das schon eine Verlängerung und wenn das jetzt wegfällt, werde ich mich noch alleiner fühlen. Also muss ich was tun und weniger Trübsal blasen.


    Beim Onkel kann ich im Moment auch nichts lassen. Ich weiß auch nicht, woher diese negativen Gefühle plötzlich kommen. Nein, eigentlich sind sie gar nicht plötzlich gekommen, sondern nagen schon länger an mir.

    kleiner_Drachenstern


    Wenn das nur eine akut-Mediaktion ist sehe ich es genau wie du. Und nein, alleine die Umwelt ist es sicher nicht, ist es ja bei mir auch nicht, aber die Umwelt hat einen Einfluß darauf und das wichtigste: ich habe Möglichkeiten Einfluß zu nehmen, Blickwinkel zuwechseln und soweiter.


    Ja, man ist als achtjähriger verhältnismäßig oft ausgeliefert und hilflos, aber wenn das ein Trigger sein sollte wäre es sehr sinnvoll zusammen ein Kommunikationsmuster zu entwickeln das dies Gefühl so klein als möglich hält. Es macht einen großen UNterschied ob man einfach "Nein" sagt oder erklärt und Erklärungen scheint der Junge zugänglich zu sein und manchmal hilft es auch genau zu gucken wo man neue Wege gehen kann.


    Alias


    Das war auch nur so als Anstoß gemeint, so wenn man ihn allgemein beobachtet. Akut wird ja nun etwas getan und so auf begrenzte Zeit finde ich das gut, aber es hindert einen ja niemand nebenbei Beobachtungen zu machen.


    Such dir unbedingt Hilfe, eine Gruppe zum Reden. Hier gibt es eine Organisation die sich um Kinder psychisch kranker Eltern kümmern und eben auch eine umgekehrte Gruppe haben. Die machen auch Sachen mit den ganzen Familien, was wichtig ist für die Eltern, die Kinder die erleben nicht alleine anders zu sein und die Geschwister die sehen das es noch andere Kinder in ihrer Situation gibt, denn für die ist sowas ja auch nicht einfach abzufrühstücken.


    Manchmal ist das Leben sehr sehr schwer, es ist keine Schande soviel wie möglich auf anderen Schultern mitzuverteilen. In dem Zusammenhang finde ich es wahnsinnig wichtig das du dem Inkel klar machst das dugerade keine Kraft für ihn und seine Bedürfnisse übrig hast und alles für deine anderen aufgaben und Baustellen brauchst. Er ist erwachsen, er kann sich selbst Hilfe suchen und wenn er deinem Sohn ein guter Onkel sein will, wenn er ihn wirklich liebt, dann sollte er tunlichst in die Gänge kommen.