Mein Vater lässt sich fallen - Hilfe!

    Hallo liebe Forum Nutzer.


    Ich bin 23 Jahre jung und finde langsam einfach keinen Rat mehr. Ich weiß auch nicht wo ich mir Hilfe holen soll - denn die Leute die dazu ausgebildet sind, sind für mich nicht die richtigen Ansprechpartner.


    Ich möchte hier auch keinen Trauerkloß spielen, sondern mich einfach 'auskotzen' und eventuell Erfahrungen von anderen lesen und drüber diskutieren..


    Mein Vater hat im August 2016 einen Stimulator für die Wirbelsäule bekommen. Er war dort schon immer angeschlagen - das Ganze tat ihm sehr gut und es hat ihm auch geholfen. Die Stromschläge lockern die Schmerzen - irgendwie sowas, genaue Details habe ich nicht verstanden, da ich zu aufgeregt war, als ich ihn abgeholt habe.


    Er ist grade mal 53 Jahre alt - also nicht am Ende seines Lebens!


    Im Oktober 2016 - also einen Monat später, hatte er immer noch Schmerzen und wollte sich komplett durchchecken lassen. Schon dort hat irgendwie eine Unzufriedenheit angefangen.. er hat eine Ablösung seiner Firma bekommen und die haben ihn nach 6 Wochen Krankheit (mit Attest) gekündigt. Darüber war er nicht verletzt, er wollte eh gehen.


    Zurück zum Punkt: bei dem durchchecken ist ein Arzt auf einen Wert aufmerksam geworden - als sie dem ganzen nachgingen wurde klar, dass mein Vater eine Art von Knochenkrebs hat. Uns wurde das vom Arzt ganz lieb erklärt: Der Krebs steckt in ihm, ist aber nicht ausgebrochen, wird weder Schmerzen bereiten noch irgendwelche Probleme machen. Es kann sein, dass er in 20 Jahren vielleicht ausbricht, oder er bleibt für immer eingeschlossen - aber dem Ende geweiht sei mein Vater nicht.


    Gut. Meinung eingeholt und drei weitere Ärzte aufgesucht, die das alles bestätigen konnten.


    Trotz der netten Worte, waren wir alle am Ende. Meine Mutter konnte nicht mehr lachen und ich hab 12 Stunden am Tag damit verbracht zu weinen. Momentan mach ich die Erzieher Ausbildung - kompletter Stress, weshalb ich im November dann auch nicht mehr zur Schule gegangen bin und fast meine Ausbildung riskiert habe.


    Mein Vater ist ein sehr liebevoller und zielstrebiger Mensch - er hat alles für mich getan und würde alles für mich tun.. doch trotz der Tatsache, dass ich am Ende war und einfach nur noch wie ein Stück Elend aussah, hat er mir täglich reingebohrt, dass er bald sterben würde. Natürlich entspricht das nicht der Wahrheit, doch es war pures Salz, das er in meine Wunden gestreut hat.


    Ich wende mich nun an euch, weil ich jetzt, 2018 immer noch am Ende bin. Mein Vater ist zu Hause, ist nicht mehr zur Arbeit gegangen und rennt von Arzt zu Arzt, da er über Schmerzen im Bein, in der Leber, im Rücken, im Nacken, im Arm - ÜBERALL klagt! Jeder - JEDER Arzt hat ihm gesagt, dass er nichts hat, außer seinen Krebs - der nichts tut! Seit 2016 irrt er also hin und her und versucht Krankheiten zu finden die er nicht hat. Es wirkt fast wie ein verzweifeltes Suchen nach etwas, das eben nicht hat..


    Das schlimme für uns ist einfach, dass er uns täglich sagt, dass er stirbt - unsere Laune täglich mit sich runter zieht und uns unser Glück nicht mehr lassen kann. Sehnt er sich nach Aufmerksamkeit? Aber ist er nicht reif genug um zu verstehen, wann man seine Liebsten langsam mit dem unglücklich sein erdrosselt? Ich kann damit nicht mehr umgehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, nicht zu Hause zu sein. Er sagt dann auch immer, geh nur geh, ich sterbe eh bald.


    Solche Dinge zerstören mich. Selbst wenn ich draußen bin, schreibt er mir - er lässt mich nicht für mich leben, nur noch für ihn. Ich liebe ihn sehr, überalles - aber mein Geist und mein Körper können nicht mehr.


    Ich weiß einfach nicht mehr wie ich damit umgehen kann und soll..


    Kennt das vielleicht jemand?:(


    Frohes Neues euch.. und danke schonmal♥

  • 30 Antworten

    Ich denke er rennt zum falschen Arzt. Er braucht einen Psychiater oder Psychologen. Sein Hausarzt kann ihn überweisen. Dort wird ihm geholfen. Und damit auch der familie.


    Ihr müsst lernen Euch abzugrenzen, es hilft ihm ja auch nichts, wenn er mal was hat, wenn ihr dann alle bereits zusammengebrochen seid. Vielleicht käme da für Euch eine Beratungstherapie / Familentherapie in Frage. Oder ihr setzt selbst die Grenzen und zwar sehr deutlich. Bis hier hin und nicht weiter. Stop sagen, wenn es zuviel wird.

    Maerad hat es gut auf den Punkt gebracht. Im Grunde wiederhole ich nur was sie geschrieben hat.


    Hoppelihopp,


    Wie würdest du mit dem Wissen über eine 'tickende Zeitbombe' in deinem Körper reagieren?


    Ich schreibe es so, weil dass das Gefühl deines Vaters sein wird: In mir ist etwas das mich umbringen kann und keiner nimmt's raus! Es ist die ganze Zeit da!! Es kann ab heute bis in 20 Jahren irgendwann losgehen!!!


    In seinen Gedanken ist der Krebs in dem Moment ausgebrochen als er eine Diagnose bekommen hat; Und er konnte das nicht einfach ein paar Tage beweinen und einen Deckel darauf machen. Seine Sorge geht nicht weg, weil sie immer da ist.


    Da kann ein Arzt sagen was er möchte ...


    Und ich glaube es würde mir auch alles wegbrechen wenn man meinen Tot schon beweint hätte, anstatt mich zu stützen. So hart es klingt ...


    Es kommt jetzt, für dich, auf deine Einstellung an. Bleib positiv für dich und deinen Vater!

    Vielen Dank für die Antworten!


    Mein Vater lehnt psychologische Hilfe komplett ab.


    Er war vor zwei Monaten im Krankenhaus, um eine Schmerztherapie zu machen. Nach 4 Tagen hat er sich selbst entlassen, da die Psychologen dort ihm gesagt haben, dass vor allem Stress, Familie und innere Unzufriedenheit zur Krankheit führt. Das konnte er nicht akzeptieren.


    Ich will mir auch nicht den Schuh anziehen, dass ich ihm nicht genug Liebe schenke. Wir geben ihm alles und tun alles für ihn - aber ich kann gar nicht nieder schreiben wie belastend es ist, wenn sich alles nur um den Tod dreht. Täglich, jede Stunde. Seit 2 Jahren! Obwohl die Diagnose gestellt worden ist und die Chance, dass der Krebs irgendwann ausbricht minimal ist. :(


    Ich weiß, dass ich jetzt mehr für meinen Vater leben sollte, aber ich kann das Leben nicht mehr genießen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen..

    Ich wollte mit meinem Beitrag nicht sagen das du deinem Vater zu wenig Liebe schenkst. Wenn es so ankam habe ich mich falsch ausgedrückt und möchte mich dafür entschuldigen. So eine Wertung stünde mir gar nicht zu!


    Verstehst du denn warum ich meine das dein Vater den schwersten Brocken hat?


    Vielleicht möchtest du ja ein bisschen darüber schreiben wie eure Gespräche ausschauen, was ihr so miteinander macht, worüber ihr - abgesehen von der Krankheit - sprecht?

    Das tut mir alles sehr leid für Dich und mir fehlen gerade die Worte. Zuerst einmal möchte ich Dir das schicken:


    https://youtu.be/8jkomHacdqw


    Für Deinen Vater ist seine Welt zerbrochen und er kann seine Gedanken vermutlich nicht mehr von dieser Diagnose und der zwangsläufigen Verbindung zum Tod lösen.


    Verständlich ist das.


    Traurig, daß er so schonungslos mit Euch umgeht. Und Dir das, als seiner geliebten Tochter antut. Aber er kann vermutlich nicht anders. Das sind alles Hilferufe, die Euch natürlich überfordern und unendlich viel Kraft abverlangen.


    Meines Erachtens kann nur ein Psychologe helfen. Aber Termine sind nur langfristig zu bekommen. Oder stationäre Einweisung in solch akutem Fall, um ihm zu helfen, einen klareren Blick zu verschaffen.


    Ich wünsche Euch und insbesondere Dir Kraft, nicht den Mut zu verlieren und nicht unter der Situation zu zerbrechen. :°_ :)*

    Du sagst, er lehnt jede psychologische Beratung ab. OK, da könnt ihr nichts dran ändern, das ist scheisse, aber zwingen kann man ihn nicht.


    Was ihr aber machen könnt: Euch selbst Hilfe suchen. Entweder gemeinsam, als "Angehörige eines Kranken", oder eben jede für sich. Und das würde ich euch auch dringend raten, so rücksichtslos, wie er mit euren (psychischen) Kräften umgeht. Es gibt auch Beratungsstellen für Angehörige von Krebskranken, da kann man jeden Tag anrufen und auch ohne große Umstände einfach mal hingehen.

    Klingt böse, aber ignoriere oder gehe auf diese Gespräche gar nicht ein. Tut so als hätte er es gar nicht erwähnt. Thema sofort wechseln. Offensichtlich mit Widersprechen kommt ihr nicht durch.


    Er ist offensichtlich einfach zum Hypochonder geworden, der auf einen Ebene die Aufmerksamkeit geniesst. Er steht ja so im Mittelpunkt. Sekundär Gewinn. Das muss it unterbinden. Ihr macht euch gerade Co-Abhängig.


    Wenn ihr darauf eingeht, verstärkt ihr dieses Verhalten immer weiter. Nachrichten löschen oder antworte einfach nicht.


    Schmeisse nicht deswegen deiner Zukunft weg. Das ist es echt nicht wert.

    Und wenn er diese Schmerzen, die Probleme tatsächlich hat? Wie ich es hasse, wenn alle NICHT BETROFFENEN psychosomatische Symptome (DIE EBEN DA SIND, DIE MAN SICH EBEN NICHT EINBILDET) damit gleichsetzen, dass man fantasieren würde.


    Ich kann euch sagen was passiert, wenn ihr das ignoriert. Es wird NOCH! schlimmer.


    Mein Tipp an Euch:


    Dein Vater soll Buch führen, was ihm weh tut, wann es ihm weh tut, wie lange es ihm weh tut. Diagnostiken darüber sollten dann gegenübergestellt werden. So erhält er irgendwann selbst ein visuelles Bild davon, dass er komplett durchgecheckt wurde.


    Tu deinem Vater keine Ignoranz an! Bitte!


    Bei somatoformen Geschichten ist eine Psychotherapie indiziert, auch Ablenkungen in Form einer Sache für die er brennt - bzw. brennen könnte unterstützen die Lebensfreude.


    Du als Person musst dir nur klar und deutlich sagen, dass dort nichts körperliches ist und du deinen Vater unterstützt wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Vermutlich wirst du dazu nicht in der Lage sein, da dich eine "harmlose" bzw. mehrfach gesicherte "harmlose" Krebsdiagnostik zerstört. Das solltest du aber unbedingt lernen. Mein Vater war selbst an Krebs erkrankt, an einem sehr aggressiven, er hat gekämpft, nie geklagt und er hat sich bis zum Schluss immer mehr Sorgen um uns gemacht als um ihn selbst. Ich habe funktioniert und vielleicht solltest du deinem Vater mal vor Augen halten - wenn mein Tipp nichts bringt - das es Menschen gibt denen es sehr viel schlimmer geht oder auch ging!

    Es hat niemand gesagt, dass er die Symptome so nicht wahrnimmt. Nur, wenn es psychosomatisch ist, dann kann und sollte man sich auch genau da therapieren lassen und das nicht auf dem Rücken der Familie abwälzen. Kranksein berechtigt nicht mit dem Holzhammer durch die Welt zu laufen.


    Du sagst selbst, dass Psychotherapie indiziert ist, das genau haben hiewr auch alle geraten, ich sehe hier keinerlei Ignoranz. Sie ist nicht seine Therapeutin, die ihm eine Verhaltenstherapie im Sinne von "setze Skills gegen die Beschwerden ein" beibringen kann. Das ist zuviel verlangt von Familienmitgliedern.

    Zitat

    Klingt böse, aber ignoriere oder gehe auf diese Gespräche gar nicht ein.

    Zitat

    [...]ich sehe hier keinerlei Ignoranz.

    Eine Psychotherapie ist ERST! indiziert, wenn alles ausgeschlossen ist und wenn er Schmerzen im Bein hat, muss selbst ausgeschlossen werden, dass es am Haarspliss liegt. Auf diesem Planeten, gerade in den Industrieländer, rennen 50% zu viele Leute zum Psychologen. Warum? Weil alle blind ihrem Arzt vertrauen.

    @ John

    Zitat

    Und wenn er diese Schmerzen, die Probleme tatsächlich hat?

    Die hat er doch. Es wird ihm doch nicht unterstellt, dass er sich alles einbildet.

    Zitat

    Wie ich es hasse, wenn alle NICHT BETROFFENEN psychosomatische Symptome (DIE EBEN DA SIND, DIE MAN SICH EBEN NICHT EINBILDET) damit gleichsetzen, dass man fantasieren würde.

    Wenn man psychosomatische Schmerzen hat, heißt das NICHT, dass man sich diese einbildet. Das heißt nur, dass die Schmerzen keine körperliche Ursache haben, sondern dass das Problem in der Psyche zu suchen ist. Die Schmerzen merkt man aber durchaus körperlich. Nix mit einbilden.


    Ich weiß auch, wovon ich rede. Ich litt selbst fünf Jahre unter psychosomatischen Schmerzen. Eine Psychotherapie hat mir hier gut geholfen. Wichtiger finde ich aber noch Bewegung und Sport und, dass man den Fokus nicht zu sehr auf den Schmerz, sondern etwas anderes lenkt.


    Allerding muss man auch offen für eine Therapie sein. Sonst bringt das alles nix. Wer aber selbst nach zig erfolglosen Arztberufen glaubt, dass eine körperliche Ursache vorliegen müsse, dem kann nicht geholfen werden. Die Einsicht muss von allein kommen. So hart das auch ist...