Meine Mutter möchte mit niemandem etwas zu tun haben

    Es gibt etwas was mich die letzten Jahre zusehends belastet. Meine Mutter hat seit ich denken kann nie gerne etwas mit uns Kindern unternommen. Es ist mir nie so aufgefallen, erst jetzt im Erwachsenenalter fange ich langsam an es zu realisieren. Früher habe ich gedacht, gut sie mag keinen Strandurlaub, also sind wir mit meinem Papa alleine gefahren. Sie hat kein Interesse an Pferden, deswegen kam sie nie mit zum Pferd. Am Tanzen hat sie auch kein Interesse und nur Papa ist zu den Auftritten meiner Schwester gefahren. Wir haben seit 20 Jahren Hunde, in dieser Zeit ist sie vielleicht 10 Mal mit uns im Wald spazieren gewesen, obwohl sie Hunde liebt.

    In den letzten Jahren fällt es mir aber immer mehr auf und verletzt mich. So waren wir vor 3 Jahren zusammen an der Ostsee, zu einem Kurzurlaub 4 Tage (mussten sie schon überreden). Das Wetter war toll und alle wollten um einen Tag verlängern. Nur meine Mutter nicht, sie wollte unbedingt Heim.

    Und dieses Jahr heirate ich, im Ausland. Alle Eltern reisen bereits am Donnerstag an. Nur meine nicht, weil meine Mutter nicht will.

    Das verletzt mich natürlich sehr... Ich kann aber auch nicht sagen, dass sie eine schlechte Mutter war/ist. Wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht oder ich irgendwas von ihr brauche (Hilfe, Geld, egal was), ist sie immer da. Immer. Und sorgt sich auch sehr. Bekocht mich wenns sein muss, geht einkaufen etc. Also schon sehr aufopfernd. Aber halt nicht wenn alles gut ist, sie will einfach irgendwie keine Zeit mit mir oder sonst wem verbringen. Mittlerweile habe ich jedes Mal das Gefühl wenn wir meine Eltern zum grillen oder so einladen, dass sie es nur aus Pflichtgefühl macht und eigentlich gar keine Lust darauf hat.


    Ich habe schon gedacht, dass sie vielleicht unter Depressionen leitet (ihr Vater hat sich das Leben genommen, ich glaube er war bipolar und ihr Bruder hatte Schizophrenie). Sie ist also schon vorbelastet mit psychischen Erkrankungen.

    An sich ist ein sehr ausgeglichener Mensch, aber sehr in sich gekehrt. Spricht nie über ihre Gefühle. Wenn sie unter Menschen ist, lacht sie aber und ist gut drauf. Keiner würde merken, dass es nur Fassade ist. Das Ding ist nur, sie ist so seit ich mich bewusst an etwas erinnern kann, es war nie anders. Kein Mensch kann doch durchgehend 30 Jahre lang depressiv sein?

  • 87 Antworten

    Ich verstehe, dass es stört. Aber verletzen? Sie verweigert ja nicht nur Aktivitäten mit dir, sondern generell. Ich denke nicht, dass das auch nur ansatzweise etwas persönliches ist, sondern ein Problem, dass deine Mutter allenfalls mit sich allein hat und was sich so gesehen "gegen" alles und jeden außerhalb der eigenen 4 Wände richtet.

    Wie reagiert sie denn, wenn du ihr sagst, dass es dir sehr wichtig wäre, dass sie bei deiner Hochzeit dabei ist? (Wobei jemand, der sich so schwer tut allein schon mal mit zum Waldspaziergang zu kommen wahrscheinlich auch nicht mal eben ins Ausland reist, das wäre schon ein ziemlicher Sprung).

    Mia_1986 schrieb:

    Wenn sie unter Menschen ist, lacht sie aber und ist gut drauf. Keiner würde merken, dass es nur Fassade ist. Das Ding ist nur, sie ist so seit ich mich bewusst an etwas erinnern kann, es war nie anders. Kein Mensch kann doch durchgehend 30 Jahre lang depressiv sein?

    Das muss keine Fassade sein, Depression (ja, auch 30 Jahre möglich) und frohe Momente schließen sich nicht gegenseitig aus.

    Nur weil jemand lacht, bedeutet das nicht dass er nicht depressiv ist.

    Möglich ist auch dass deine Mutter unter einer leichten Form der sozialen Phobie leidet oder eben aus diversen Gründen antriebslos ist.

    Schilddrüsenprobleme zum Beispiel sind weit verbreitet und führen gerne mal zu Depressionen und Antriebslosigkeit.

    Manch einer der depressiv ist fühlt sich als würde er 1000 Kilo mit sich herum schleppen.

    Da mag man sich dann auch nicht mehr als nötig bewegen.

    Geht deine Mutter regelmäßig zum Arzt und lässt sich durch checken?

    Hey Mia,

    Mir fiel beim lesen ziemlich direkt Agoraphobie ein.

    Ich kann deine Verletzung verstehen, deine Mutter bei deiner Hochzeit eventuell nicht dabei zu haben. Aber du beschreibst auch das du deine Mum 'so kennst' und vielleicht kann sie es einfach wirklich nicht.
    Du beschreibst deine Mutter ja sonst als sehr fürsorglich und ich denke, wenn sie die Hochzeit selbst aussetzen würde, geht es ihr da wirklich schlecht ... und ihr vielleicht noch schlechter als du denkst. Vermutlich mit Selbstvorwürfen.

    Ich würde keine Fassade vermuten. Weißt du etwas über die Vergangenheit deiner Mum?

    Hast du dich mit deinem Vater schon mal darüber unterhalten, wenn es mit deiner Mutter nicht geht? Er wird es wissen, oder umschreiben können - denn er hatte lang und intensiv damit zu tun. Wie es sich liest hat er in der Vergangenheit ja auch einiges aufgefangen.

    Eltern geben Schwächen vor ihren Kindern extrem ungern zu. Wenn, dann ist DAS die Fassade. Aber ich glaube nicht das es daran liegt, dass deine Mutter nicht wollen würde.

    Ja, zum Arzt geht sie regelmäßig und wurde erst vor Kurzem durchgecheckt... Wie kann es denn sein, dass jemand auf nichts und mit niemandem Lust zu irgendwas hat? Nicht mal wenn die eigene Tochter heiratet. Außer ihren Politiksendungen im TV. Da geht sie auf...

    Ja, ich versuche es nicht persönlich zu nehmen, aber es trifft mich schon. Ich werde auch immer wieder seitens der Mutter meines Verlobten damit konfrontiert, da sie sie ständig einladen und sie total mögen auch wollen, dass sie mit uns in den Urlaub fährt (fahren dieses Jahr zum zweiten Mal mit Schwiegereltern und meinem Papa, aber eben ohne meinen Mama).

    Das muss ja nun nicht zwingend eine psychische Sache sein. Ich finde es ein bisschen heftig, hier gleich auf eine langjährige Depression zu schließen.


    Bist du mal auf den Gedanken gekommen, dass deine Mutter solche Anlässe einfach nicht mag? Dass sie sich da unwohl fühlt? Dass sie einfach nur ihren Pflichtteil erledigt und danach furchtbar erleichtert ist, endlich wieder nach Hause zu können?

    Du sagst, sie war immer für dich da, wenn es tatsächlich brannte, du sagst, wenn du sie brauchtest, war sie für dich da. Das ist schon ziemlich viel.

    Könntest du damit leben, dass sie alles andere vermeidet, weil sie das will?

    Ich ticke tatsächlich ganz ähnlich. Und ich bin ganz bestimmt nicht depressiv. Ich liebe meine mittlerweile erwachsenen und fast-erwachsenen Kinder über alles, aber ich ließe mich niemals in irgendwelche lustigen Familienzusammenführungen oder gemeinsame Urlaube einbinden.

    Naja ich sehe das etwas anders. Ein Kind zu haben bedeutet für mich nicht nur in schwierigen Zeiten da zu sein, sondern auch in Guten, am Leben teilhaben, anfeuern, sich für die Kinder freuen, gemeinsame Unternehmungen etc.

    Und ja ich gebe dir Recht, nicht jeder ist der Typ für Familienzusammenführungen oder gemeinsame Urlaube. Aber ich BIN ihre engste Familie, und selbst mit mir würde sie niemals auf die Idee kommen, einen Kaffee trinken zu gehen oder mal mit den Hunden eine Runde laufen zu gehen...

    Oder am Tag der Hochzeit der eignen Tochter (standesamtliche Trauung war schon) bei ihr zu sein, zusammen zum schminken und zum Friseur, ihr beim anziehen helfen etc. Nein, da hat meine Mutter andere Pläne. Dass sie nicht an dem Tag noch arbeiten gegangen ist, ist schon alles 🤷🏼‍♀️

    Mia_1986 schrieb:

    Das Ding ist nur, sie ist so seit ich mich bewusst an etwas erinnern kann, es war nie anders. Kein Mensch kann doch durchgehend 30 Jahre lang depressiv sein?

    Das kann schon sein, nur wie kommst du drauf, dass deine Mutter eine psychische Störung haben könnte?


    Zitat

    Ja, ich versuche es nicht persönlich zu nehmen, aber es trifft mich schon.

    Ich werde auch immer wieder seitens der Mutter meines Verlobten damit

    konfrontiert, da sie sie ständig einladen und sie total mögen auch wollen, dass

    sie mit uns in den Urlaub fährt (fahren dieses Jahr zum zweiten Mal mit

    Schwiegereltern und meinem Papa, aber eben ohne meinen Mama).

    Ich verstehe noch nicht ganz, was das Problem ist. Es gibt genug Leute, für die es ein Horror wäre, so einen Familien-Clan-Urlaub zu machen, überhaupt noch dazu mit den den Gegenschwiegereltern. Das ist nicht jedermanns Sache und ganz sich nicht die, von deiner Mutter. Du hast doch beschrieben wie sie ist.


    Zitat

    Naja ich sehe das etwas anders. Ein Kind zu haben bedeutet für mich nicht nur in schwierigen Zeiten da zu sein, sondern auch in Guten, am Leben teilhaben, anfeuern, sich für die Kinder freuen, gemeinsame Unternehmungen etc.

    Das ist schon klar geworden, dass du es so siehst. Genauso, dass deine Mutter es einfach anders sieht. Leidet sie irgendwie oder jammert oder hat sie dich um Hilfe gebeten? Wenn nicht, dann hast du eher ein Problem damit, dass du sie nicht so akzeptierst, wie sie ist. Hat sie ein Problem, dann kann nur sie etwas ändern.


    Zitat

    Und ja ich gebe dir Recht, nicht jeder ist der Typ für Familienzusammenführungen oder gemeinsame Urlaube. Aber ich BIN ihre engste Familie, und selbst mit mir würde sie niemals auf die Idee kommen, einen Kaffee trinken zu gehen oder mal mit den Hunden eine Runde laufen zu gehen...


    Ja und so wie du schreibst, war sie immer so.

    Ich finde nicht das die TE etwas falsch sieht oder nur größtes Mutter-Verständnis aufbringen muss. Tatsächlich hat sie keine exotischen Ansprüche.

    ... nagut ... Hordenurlaub muss echt nicht sein. :=o Aber es wäre wohl zumindest drin, dass ihre Mutter ihr ihre Einstellung mal erklärt und sich da nicht ausschweigt. Die Einstellung Kinder hätten ihre Eltern zu kennen und stumm zu akzeptieren, ist creepy.

    Ich verstehe nach wie vor nicht, wieso es dich trifft. Würdest du sagen, dass es dich nervt, du es nicht verstehen kannst oder du es dir anders wünschen würdest, weil du euer Mutter-Tochter-Verhältnis noch schöner finden würdest: Gut, das wäre eine Sache. Aber dieses Persönlichnehmen finde ich ziemlich übel :-/

    Ich kenne auch jemanden der ähnlich ist, wie deine Mutter. Auch ein sehr lieber VAter, aber ihm wird schnell alles zu viel. Braucht viel Zeit für sich , ist am liebsten allein, mag große Gruppen gar nicht.


    Er ist nicht depressiv denke ich mal , er ist einfach so.... seine Gefühle ,seine Vorlieben.

    Ja es ist schwierig, dass nicht auf sich selber zu beziehen. Auch Freunde, erweiterte Familie sind da oft verletzt, wenn er eben nicht kommt.


    Ich rate dir, nimm deine Mutter wie sie ist, du wirst sie nicht ändern - depressiv ... nein muss nicht sein. und wenn müsste sie sich Hilfe suchen. Wenn sie so mit sich klarkommt dann ist es für sie o.k.